A Single Man - Kritik

US 2009 Laufzeit 101 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 08.04.2010

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    Pure Essenz der Schönheit, Ode an die Vergänglichtkeit der Dinge und Hohe Lied auf Liebe an sich.

    <3 Tom Ford fährt zudem ein Feuerwerk an Style ab.

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    • 9

      “I always used to tell him that only fools could possibly escape the simple truth that now isn't simply now: it's a cold reminder. One day later than yesterday, one year later than last year, and that sooner or later it will come.”

      „A Single Man“. Ein Mann, ein Tag. Ein perfekter Tag, am Ende eines imperfekten Lebens. Der Literaturprofessor George, gespielt von einem brillanten Colin Firth (mir ist nie aufgefallen, dass dieser Mann so groß ist!) glaubt, er ist am Ende angekommen. Oder besser, an seinem Ende angekommen. Sein Lebensgefährte stirbt nach einer 16 jährigen Beziehung jäh und tragisch. George, so grade im Mittleren Alter angelangt, sieht einfach nicht wie es weiter gehen kann und soll. Selbst die beiden Hunde hat er verloren! Also entschließt er sich, den Ausweg Freitod zu nehmen. Da George ein gewissenhafter Mann ist, wird alles gut vorbereitet. Er bereitet sich also auf sein Ende vor und beginnt, Abschied zu nehmen. Und auf einmal fängt er wieder an, sich und sein Umfeld bewusst zu erleben. Die kleinen Dinge gewinnen wieder an Bedeutung, tun gut. Und dem wunderbaren, aber so entkräfteten George bei dieser Transformation zu zusehen, ist einfach wohltuend.


      “For the first time in my life I can't see my future. Everyday goes by in a haze, but today I have decided will be different.”

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      Tom Ford hat mich mit seinem Debüt überrascht. Ein Modeschöpfer als Drehbuchautor und Regisseur? Ich war skeptisch. Aber es funktioniert. Man merkt ihm seinen Hintergrund an. Alle Menschen sind schön. Die Kleidung stilvoll aber nie over-the-top. Seine Bilder sind ästhetisch und mit der Zeit. Aber Ford hat wahnsinnig viel Taktgefühl. Trotz vieler Close-Ups seines nicht nur attraktiven, sondern auch schauspielerisch irre starken Ensembles entstehen keine theatralischen, dick aufgetragenen Emotionen, sondern ganz subtile, echte Gefühle. Überhaupt passiert alles irgendwie ganz selbstverständlich. Nie hat man den Eindruck, der Film wolle dem Zuschauer ein bestimmtes Gefühl aufzwingen. Ganz im Gegenteil. Alles passiert ganz selbstverständlich. Und das fühlt sich unheimlich gut an. Ich ziehe also meinen Hut vor Tom Ford und vertraue dem Mode-Mann, dass Kenny pastellfarbener Plüschpullover in den 60ern tatsächlich mal als totschick galt. Wenn nicht, auch verziehen. Nicholas Hoult hat in diesem Pullover großartig gespielt. Julianne Moore in stilvollem schwarz-weiß Gewand im Übrigen auch.

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      Und meine persönlich Quintessenz? Ganz einfach:
      “A few times in my life I've had moments of absolute clarity, when for a few brief seconds the silence drowns out the noise and I can feel rather than think, and things seem so sharp.[..]”

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      • 6

        Trauerarbeit mal farbenfroh. In "A single Man" muss Colin Firth unmittelbar nach dem Tod seines Partners irgendwie wieder mit seinem Leben klar kommen, was ihm verständlicherweise nicht wirklich gelingt. Dabei redet er mit einer Menge Leute, die meistens nicht so ganz verstehen, was er meint (ich habe es oft auch nicht) und schwelgt immer wieder in breit ausgeschlachteten Erinnerungen. Und obwohl der Film sogar hier und da Humor entwickelt, etwa wenn er mit einem seiner Studenten über Meskalin plauscht, oder (etwas bitterer) wenn er sich nicht entscheiden kann, wo er sich erschießen will, kommt der Film mit einer seufzenden Schwerfälligkeit daher, die sich in atemberaubenden Bildern und melancholischem Score suhlt. Ein bisschen wirkt das wie Xavier Dolan für Erwachsene, Kostüme und Stil stimmen perfekt und die Handlung gerät gegenüber melancholischer Stimmungsbilder in den Hintergrund. Ein purer Rausch der Sinne und dazwischen ein großartiger Firth, der den Film auch am Leben hält, wenn er einfach nur allein in seinem Haus sitzt und erst recht, wenn er sich großartig subtile Dialoge mit Nicholas Hoult oder weniger subtile mit Julianne Moore teilt. Nicht jede Rückblende ist wirklich dramaturgisch gelungen und nicht jedes Zeitlupengehopse macht Sinn, aber alles fügt sich zu einem stimmigen und vor allem schönen Gesamtbild zusammen, auch wenn die Entwicklung des Ganzen manchmal auf der Stelle tritt oder ins Schwafeln gerät. Immer wieder blitzt auch die vertrackte Situation auf, in der sich Schwule in einer amerikanischen Vorstadt der sechziger Jahre befanden. Das muss aber hinter der Liebesgeschichte zurückstecken, der immer so ein bisschen die Glaubwürdigkeit fehlt, weil man den toten Geliebten nur sporadisch kennen lernt. Aber ein Blick in Firth' traurige Augen und man glaubt ihm wieder alles.

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        • 10

          Wahnsinn, was für ein schöner Film mit einem phantastischen Colin Firth, einer hinreissenden, aber kaum wieder zu erkennenden Julianne Moore. Am meisten begeistert hat mich allerdings Nicholas Hoult. Sein Charme ist einfach umwerfend. Sein Lächeln zum dahin schmelzen. Er hat mich ja schon bei Skins begeistert aber so süß wie hier hab ich ihn bisher noch nicht wieder gesehen und er hat locker mitgehalten, bei der Minenparade von Colin Firth. Das war zu schön, zu sehen, was die beiden nur durch ihre Mimik ausdrücken konnten.
          Insgesamt bin ich vom Regiedebüt von Tom Ford hellauf begeistert. Er holte alles aus seinen Darstellern raus und schuf mit diesen Film ein Meisterwerk, das mich an The Wonder Boys erinnert. Auch hier wird ein älterer Mann von einem Jüngling an den Spass am Leben erinnert. Das Ende überrascht, passt aber.
          Eine kleine aber sehr feine Dramödie mit ein paar sehr guten Sprüchen von Colin Firth.

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            A single day of a single man.

            So würde ich Tom Fords Regiedebüt wohl kurz und prägnant beschreiben. Ein wunderschöner, unfassbar melancholischer Trip, der mit einer genialen Inszenierung -dank der atemberaubenden Bilder und dem außergewöhnlichem Farbspiel - und mit starken schauspielerischen Leistungen zu trumpfen weiß.

            Wir begleiten den Englisch Professor George Falconer einen Tag lang. Erleben, was er erlebt, sowohl auf physischer, als auch (oder sogar besonders) auf psychischer/mentaler Ebene. So sehen wir nicht nur seinen Alltag, sondern erfahren vieles über seine Gefühle, seine Vergangenheit, seine Ethik. Dabei taucht der Zuschauer sehr tief in die Gedankenwelt des homosexuellen Briten ein, kommt ihm nahe, vielleicht sogar näher, als es einem lieb ist.

            Tom Ford ist mit "A Single Man" in meinen Augen ein absoluter Außnahmefilm gelungen. Solch eine Melancholie habe ich selten erlebt, reinste Poesie in bildlicher Sprache. Ein Film, der mir mal wieder gezeigt hat, warum ich diese Kunstform liebe.

            PS: Der Soundtrack ist zum Träumen oder wohl eher im Selbstmitleid verfallen schön.

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              Nicht gerade mein Genre, aber Colin Firth ganz stark und Tom Ford darf ruhig mal wieder auf dem Regiestuhl platz nehmen.

              • 8

                Es ist ein verbreitetes Missverständnis das Furcht und Angst etwas miteinander zu tun hätten.
                Furcht hat man vor etwas. Man fürchtet sich vor einer Klausur, vor einem Gespräch mit seinem Arbeitgeber, davor die Frau der Träume anzusprechen.
                Angst aber ist ein Zustand der keinen Grund brauch und der nicht einmal auf ein Ereignis zurück führt. Sie kann einfach da sein und einem das Leben zur Hölle machen. Einfach weil sie jeder Rationalität widerspricht. Das schrecklichste daran ist, das jeder der unter Angst lebt, automatisch die Fähigkeit verliert, Liebe zu geben. Lieben bedeutet Offenbaren, sich preisgeben. Das kann man unter Angst nicht. Schon Louis Malle beschäftigte sich in LE FEU FOLLET mit diesem Thema.
                George Falconer, großartig gespielt von Colin Firth (der ein bisschen an Marcello Mastroianni erinnert) spürt diese Angst. Sie ist zu seinem Zustand geworden. Auslöser war der Verlust seines Lebensgefährten, welcher ihm den Halt gab. Seitdem wandelt er mit dieser Angst, schleppt sie, trägt sie, atmet sie aus und wieder ein. Alles läuft an ihm vorbei, sei es die beste Freundin, der merkwürdige Student und seine hübsche Freundin (die ein bisschen an Brigitte Bardot erinnert), alles gleitet an ihm ab.
                Man könnte Tom Fords Inszenierungsstil als Style-over-substance abtun aber irgendwie spiegelte er für mich sehr gut Georges Innenleben wieder. Er sieht nur noch auf eine blank geputzte, glänzende Oberfläche. Auch die ständigen Wiederholungen der Zeitlupe und der Zooms entsprechen dem, da er vom Leben schlicht nichts neues mehr abverlangt. Das Leben ist nur noch eine Abfolge von Eindrücken und Menschen, die ihn nicht mehr erreichen können, nicht so sehr, wie ihn sein Lebensgefährte erreichte.
                Obwohl ich nicht schwul bin muss ich sagen, das der Film meinen eigenen Eindrücken sehr nahe kam, ja sie ansprach, denn die Themen von A SINGLE MAN sind universell und an kein Geschlecht gebunden, einfach weil Gefühle auch nicht an Geschlechter gebunden sind. Jeder kennt das Gefühl, durch die Welt zu wandern, jemanden zu vermissen, sich zu etwas zurück zu sehnen, an schlechten Tagen von Angst durchflutet. Orte, Dinge und Menschen zu treffen, die einen an etwas erinnern und man sich fast wie damals fühlt.
                All diese Eindrücke erreichte A SINGLE MAN bei mir. Vor allem aber seine Schilderung, einer Angst, die zu einem Zustand wurde. Aber das Ende des Filmes lehrt uns, das auch diese Angst, egal wie stark, irgendwann geht und wir wieder glücklich werden können.
                Und sei es erst im letzen Augenblick...

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                • 10

                  Der "perfekteste" Film, den ich kenne. Wunderbar melancholisch, nostalgisch, gesellschaftskritisch. Fast schon pervers, wie Ford auf den "Wärme-Umschwung", die Intensität jedes einzelnen Bildes und Symbole achtet. Von der musikalischen Untermalung von Korzeniowski und Umebayashi ganz zu schweigen. Für immer mein Lieblingsfilm.

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                  • 8

                    ein toller Film mit einem tollen Colin Firth - sehenswert!

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                    • 8

                      A Beautiful Experience.!

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                      • 9

                        Ein wunderbarer Film! Einfühlsam und komisch.

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                          Der Hauptcharakter ist ein Mann, der seine große Liebe verloren hat. Er kann damit nicht mehr umgehen und beschließt, sich das Leben zu nehmen. Mit diesem Gedanken geht er bewusst durch seinen letzten Tag und wir dürfen ihn dabei begleiten. Der Todesgedanke verschafft ihm einen neuen Blick auf die Dinge, einen Blick für Details, Schönheiten und Laster, den Tom Ford in seinem Regiedebut wundervoll einzufangen vermag. Sowohl die Bilder als auch die Geschichte sind so schön, dass es wehtut. Colin Firth brilliert durch Authenzität und subtile Perfektion, und gemeinsam mit Julianne Moore beschreibt er eine ganz besondere und höchst interessante Art der Beziehung. Ich bin durchweg begeistert!

                          • 8

                            Dennoch handelt „Der Einzelgänger“ nicht vordergründig von Homosexualität. Es ist vielmehr ein Roman über die Einsamkeit eines Menschen. Doch diese gründet sich nicht allein in dem persönlichen Verlust, sondern auch in der Isolation im homophoben Klima der frühen sechziger Jahre, in dem Außenseiter bewusst vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen wurden. „Der Einzelgänger“ ist in seiner Reichweite absichtlich begrenzt, indem er die Ereignisse im Leben eines einzigen Mannes an einem einzigen Tag vom Erwachen bis zum Schlafengehen umfasst. Trotz der strukturellen Gelassenheit des Romans und der relativen Ereignislosigkeit kreiert Isherwood einen ungewöhnlichen Spannungsbogen. Der fast greifbare Gegner ist durchgehend die Zeit: Denn sie läuft George davon. [...] Dem Film mag es an politischer Konsequenz und spiritueller Tiefe mangeln, dennoch gelingt Tom Ford eine beeindruckende Interpretation universeller Liebe, ohne ihre Besonderheit zu leugnen.

                            (Ausführliche Analyse inklusive intermedialem Vergleich von Buch und Film unter "Kritik im Original")

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                            • 9 .5

                              *** Dieser Kommentar ist ein Geschenk an Stefan Ishii, im Rahmen der Userwichtelkommentaraktion 2013. Jeder der für die nächsten Sonntage noch aufspringen möchte, soll sich doch bei Andy Dufresne melden. ***
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                              Manchen begegnest du und vergisst ihr Leben, noch bevor du den Atem wieder den Lungen entlässt.
                              Andere Menschen klammern sich an dir fest und wollen nicht von dir lassen... zerren dir an Leib und Haar, damit sie einen Blick in dein Innerstes werfen können.
                              Aber an manchen gehst du vorbei... einfach so... und plötzlich merkst du, dass deine Seele bei diesem Menschen stehen bleibt. Und alles was dir dazu einfällt ist ein Lächeln, weil du weißt, dass sie in guten Händen ist.

                              Diesen einen Menschen hat George gefunden.
                              Und obwohl Tom Ford uns nur Ausschnitte von dieser Liebe zeigt, fühlt sie sich groß genug an, dass der Film jedes Mal wieder eine tour de force für mein Herz ist.
                              Denn A SINGLE MAN zeigt uns hauptsächlich, wie es ist, ohne diese Liebe zu leben. Zeigt uns einen Menschen, aus dem das Leben herausgelaufen ist, wie Farbe, die im Regen abgewaschen wird.

                              Regen und Farben, das ist auch meist das erste was mir einfällt, wenn ich an A SINGLE MAN denke.
                              Die erste Begegnung im Platzregen, Jims viel zu frühes Ende im Schnee und Georges Verzweiflung im nächtlichen Sturm.
                              Regen und Farben…
                              Viele Leute, die diesen Film schlecht bewerten, beschweren sich über seinen unterkühlten Look. Aber gerade diesen Look finde ich wunderbar. Und vor allem auch passend. Er zeigt einfach, was von George noch übrig geblieben ist. Eine perfekte Kulisse, die verbirgt, dass er innerlich leer ist.
                              Kühle, erdige Farben und perfekte Ordnung im Jetzt und warmes Rot und Leben, wenn ihn sein Herz an Dinge erinnert, die er nicht mehr hat. Sein Herz, das nicht mehr so richtig will, seit Jim fort ist. Sein Herz, das ihm am Ende die Entscheidung aus der Hand nimmt.

                              A SINGLE MAN tut mir jedes Mal wieder weh, weil mir George so Leid tut und weil ich Jim vermisse, ohne ihn überhaupt zu kennen. Aber er hinterlässt mich immer glücklich (wenn auch auf sehr melancholische Art und Weise…), weil ich sein Ende liebe und ich mir auch gar kein anderes vorstellen könnte.

                              Ein, in allen Belangen, wunderbarer Film, der mit Colin Firth, Matthew Goode und Julianne Moore zudem großartig besetzt ist.

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                              Jim: Do you ever just live in the moment? It's like now, what could be better than being tucked here with you?... I mean, if I died right now it would be OK.

                              George: Well, it wouldn't be OK with me, so why don't you just shut up and go and change the record.

                              Jim: Good answer.

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                              • 7

                                Colin Firth als Single Man.
                                Ein nicht mehr ganz so junger - aber auch nicht ganz so alter - Mann steht nach dem tot seines Freundes zwischen Depression und Midlifecris.
                                Ein bisschen zwischen den Stühlen hängt auch der Film, in der ersten halben Stunde könnte man glatt noch eine Abhandlung über die Suburbia in den USA der frühen 1960er erwarten – das verläuft dann vollkommen im Sand. Was bleibt ist Colin Firth als sympathischer Exilbritte, bei dem ich am liebsten in den Fernseher springen würde um ihn zu trösten. Gediegen & fein nuanciert ist sein Spiel, große Klasse!
                                Unschön aber leider die Regie, welche mit unnötigen Spielereien (Farbfilterattacken) die Laune ein wenig verhagelt. Fast dachte ich einen Kar Wai Wong Film zu sehen, nur halt mit anderen Grundthemen & Orten.

                                So sind mir dann auch (trotz der Bilder) hauptsächlich Firth & sein zusammenspiel mit Julianne Moore in Erinnerung. Die Erlaubnis für ein Zweitwerk hat Ford dennoch von mir erhalten :)

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                                • 8 .5

                                  Der Uni-Professor George Falconer ist im mittleren Alter, unglücklich, untröstlich, schwul, allein und steht kurz vor dem Selbstmord. Erst vor wenigen Monaten hat er seine große Liebe bei einem Autounfall verloren, hat aber niemanden, mit dem er seine Trauer teilen kann, denn in den 60ern ist ein Coming-Out undenkbar. Wir begleiten einen einzigen Tag im Leben von George, der an diesem 30. November 1962 seinen Selbstmord geplant hat. Leise und nachdenklich geht er den Tätigkeiten seines schnöden Alltags nach und verabschiedet sich insgeheim vom Leben, das seinen Sinn verloren hat.

                                  “A Single Man” ist ein wunderschöner und hochästhetischer Film, schließlich handelt es sich um das Regie-Debüt des Modedesigners Tom Ford. Abgesehen von den vielen Designklassikern in Form von Autos und Möbeln aus den 60er Jahren, die an sich schon eine wahre Augenweide sind und das Herz eines jeden Design-Liebhabers höher schlagen lassen werden, sind die Charaktere logischerweise immer perfekt gekleidet. Aber auch die Kameraarbeit und die Bildkomposition passt sich an die hohen ästhetischen Ansprüche an – Tom Ford präsentiert uns kein einziges Bild, das nicht perfekt durchkomponiert, ausgewogen und stimmig ist. Wunderbare langsame Kamerafahrten strahlen eine besondere Ruhe aus und erzeugen allein durch die Bilder und die Bewegung eine Melancholie, die perfekt zur Handlung passt. Gekrönt wird die Ästhetik der Bilder durch den gekonnten Einsatz von Farben, die zu jeder Zeit die innere Gefühlswelt des Protagonisten vermitteln. So brennt das Bild zum Beispiel in flammendem Rot, als George auf einen traumhaft schönen James Dean Verschnitt trifft oder wird unendlich farblos und grau, wenn die Tristesse seines Alltags gezeigt wird.

                                  Diese Symbiose von Bild und Handlung ist selten und macht den Film zu etwas ganz Besonderem. Obwohl “A Single Man” auf einer Romanvorlage basiert, schafft es Tom Ford seine eigene Persönlichkeit einfließen zu lassen und trotzdem dem Roman gerecht zu werden. Die Geschichte wird mithilfe von Rückblenden und Erinnerungen spannend und nachvollziehbar inszeniert und zieht den Zuschauer in ihren Bann. Der Film lebt von der Atmosphäre und der wunderbaren Ästhetik der Bilder, die durch die hervorragende Leistung der Schauspieler auch inhaltlich gefüllt wird. Nicht umsonst erhielt Colin Firth für seine Performance eine Oscar-Nominierung, sein Schauspiel ist beeindruckend und intensiv. Doch auch Julianne Moore und Nicholas Hoult machen in ihren Nebenrollen eine ausgezeichnete Arbeit.

                                  Insgesamt ist “A Single Man” ein wunderbarer Film mit einer dichten Atmosphäre, perfekten Bildern und einer wirklich schönen, melancholischen Geschichte. Dank dem Schauspiel von Colin Firth fällt es dem Zuschauer leicht, sich in den Film fallen zu lassen und sich den berauschenden Bildern hinzugeben. Trotz allen Äußerlichkeiten und der anfänglich kühlen Atmosphäre, gibt es eine emotionale und berührende Geschichte zu entdecken, die man nicht so schnell vergisst.

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                                  • 10

                                    Einsamkeit und die Sehnsucht nach vergangene Tage. Professor Falconer muss den Tod seiner großen Liebe bewältigen und es verzerrt ihn. Lähmung, Lethargie und Routine bestimmen seinen Alltag. Doch es soll sich ändern. Noch heute.

                                    Ein bildgewaltiges Drama, voller Sinnlichkeit und mit Gespür für den Moment. Die Nahaufnahmen und Szenenbilder sind großartig. Colin Firth spielt hervorragend und selbst im etwas lahmeren Mittelteil, bleibt die Aufmerksamkeit stets ganz dem Film gewidmet. Die Filmmusik ist ebenfalls bemerkenswert und fügt sich nahtlos in den sehr guten Gesamteindruck ein. Und dann das Ende. Wow. Gänsehaut!

                                    Die Thematik des „alleinstehenden Mannes“ mag vielleicht nicht jedem gefallen. Doch gibt es kaum etwas Negatives auszusetzen. „A Single Man“ ist ein kunstvolles Drama, welches sich unbedingt zu sehen lohnt.

                                    „Ein paar Mal in meinem Leben habe ich Momente absoluter Klarheit erlebt. Für wenige Sekunden ertränkt dann die Stille den Lärm. Und ich fühle, anstatt zu denken. Die Dinge zeigen sich ganz scharf und die Welt scheint noch unverdorben. Es ist, als sei alles gerade entstanden.“

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                                    • 6 .5

                                      Das hier ist ein Film, von dem ich immer wieder etwas gehört habe, vorwiegend Gutes, ihn aber eigentlich nie beachtet habe.
                                      Als ihn arte kürzlich im TV brachte, musste ich allerdings einschalten.
                                      Es handelt sich um "A Single Man".
                                      ...
                                      Eines gleich mal vorweg: die Oscarnominierung für Colin Firth war absolut gerechtfertigt.
                                      Der Mann hat unheimlich gut gespielt.
                                      Intensiv, einfühlsam, subtil - immer nur so viel, wie nötig und gerade deswegen so beeindruckend.
                                      Eine wirklich fabelhafte Leistung.

                                      Es ist außerdem sehr bemerkenswert, dass dieser Film überaus gut inszeniert ist, vor Allem dafür, dass er ein Regiedebut darstellt, und noch dazu von einem Mann, der vorrangig als Modedesigner tätig ist.
                                      Gerade in dieser Branche wundert es einen, wie ruhig und behutsam hier inszeniert wurde. Man kann dem Film einen sehr hohen künstlerischen Wert nicht absprechen.
                                      Die innere Zerissenheit des Protagonisten wird visuell nahezu perfekt eingefangen. So bekommen wir, wenn er gerade melancholische Gefühle hat, blasse, fast schon schwarz-weiße Bilder zu sehen, und jedes Mal, wenn ihm etwas Gutes wiederfährt, wird der Bildschirm von satten, leuchtenden Farben übersät.
                                      Meckern kann ich hier wirklich nicht.
                                      Klingt nach einer richtig guten Wertung?
                                      Naja, gut schon, aber für die ganz hohen Punktzahlen hat es mir dann doch nicht gereicht.

                                      Der Film behandelt mehrere Themen, da wäre zum Einen die Homosexualität des Hauptcharakters, die immer wieder angesprochen, jedoch nie wirklich in den Vordergrund gerückt wird, zum Anderen dessen Depression durch den Verlust seines Partners, die ihn zu wiederholten Selbstmordgedanken treibt.
                                      Desweiteren wird seine Beziehung zu mehreren Personen geschildert, so zu einer ehemaligen Liebschaft aus heterosexuellen Tagen, zu der er jetzt eine freundschaftliche Bindung hat, oder mit einem seiner Schüler, der sich gerne mit ihm unterhält.
                                      Gerade bei letzterem ist mir die "Funktion" nicht ganz klar. Wollte er nur jemandem haben, mit dem er sprechen kann, oder war ihm klar, dass sein Lehrer depressiv ist?
                                      Oder war er gar in ihn verschossen? Bis zum.Schluss hatte ich keine Antwort gefunden.

                                      Ganz klar war ich nicht, was der Film eigentlich will. Als Charakterporträt ist er ganz gut, mir fehlte aber irgendwie der rote Faden, der alles zusammenhält, der dieses Gerüst aus gelungenen Szenen aufrecht erhält.
                                      Ein echtes Gebäude kommt da aber nicht raus, auch wenn man alle Materialien hat. Es fehlt dieses Etwas. Man hätte durch noch mehr Laufzeit auch noch mehr rausholen können.

                                      So ist "A Single Man" für mich ein Film mit toller Regie, einem umwerfenden Hauptdarsteller und einem absolut fabelhaften Soundtrack, der sich in das Ganze perfekt einfühlt, allerdings mit einem Drehbuch, welches in meinen Augen hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.

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                                      • 10

                                        ein szenisch unglaublich dichter film. die teils sehr subtile atmospähre kriecht einem mit jeder minute, die verstreicht weiter den nacken hoch. der film hat ungeahnte wendungen und dinge, die man erwartet oder vorherzusehen glaubt, geschehen partout nicht! kenny ist ein interessanter charakter und firth spielt gewohnt grandios. a single man ist leise und nicht so extrem dramatisch, wie die inhaltsbeschreibung anmuten lässt. er ist schlichtweg stark.

                                        • 8

                                          wusste erst nicht was für eine geschichte läuft und einfach spontan angemacht...kommt toll rüber dr streifen...

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                                          • 6 .5

                                            Eine sehr gute Performance von Colin Firth - der Mann wird mir immer sympathischer! - eine coole Optik und ein gut gewählter Soundtrack. Leider hat mich die Geschichte selbst nicht so wirklich mitgerissen, aber das ändert nichts am positiven Grundton.

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                                            • 7

                                              Stylisch. Sieht sehr gut aus, hört sich sehr gut an, ist aber nicht mein Thema.

                                              • 10

                                                Dieser Film ist ein Kunstwerk! Man merkt es in jeder Minute, man merkt, dass da jemand am Werke war, der etwas von Style, Atmosphäre und Schönheit versteht. Ich finde es fantastisch in jeder Szene Tom Fords Handschrift zu lesen… klar über die Schönheit lässt sich streiten, aber mich hat er einfach nur umgehauen. Man hat das Gefühl, dass die Rollen den Schauspielern auf den Leib geschnitten wurden, zudem bildet das Buch (welches ich nicht gelesen habe) eine tolle Geschichte. Der Film handelt von einem Tag in George Falconer‘s (Colin Firth) Leben, dem letzten wie er meint, weil er sich heute das Leben nehmen will und darum sieht er die Welt an diesem Tag mit ganz anderen Augen, es fallen ihn Kleinigkeiten auf die ihm sonst nie aufgefallen wären. Diese Geschichte ist eine Hommage an das Leben und einfach nur wunderschön.

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                                                • 6 .5

                                                  Regisseur Tom Ford gelingt mit „A Single Man“ ein seltsamer Balanceakt zwischen kalter Oberfläche und starken emotionalen Momenten, dem er besonders den Schauspielern, allen voran Colin Firth als gebrochener Literaturprofessor, zu verdanken hat. Denn unter all den modischen Anzügen, eben dem ganzen Style, brodelt es gewaltig, tun sich erschreckende Abgründe auf. Gerade dieser Kontrast zwischen Oberfläche und Tiefgang macht den besonderen Charme von „A Single Man“ aus, dem man vielleicht nicht ohne weiteres ausgeliefert ist, sondern auf den man sich einlassen muss; geschieht in Bezug zur Handlung doch eigentlich nicht wirklich viel. Wer sich jedoch auf „A Single Man“ einlässt wird mit einem wunderbar fotografierten und berührenden Drama belohnt werden, dass, zugegeben einige Längen besitzt, davon abgesehen aber ebenso über starke Momente verfügt, die diesen Film durchaus sehenswert machen.

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                                                  • 7

                                                    Ein Modeschöpfer wird zum Filmemacher. Eine berufliche Umorientierung, die eigentlich zum Scheitern verurteilt scheint. „A Single Man“, Tom Ford's Regie-Debüt, scheitert aber nicht. Dem immanenten Streben nach visueller Perfektion, fügt Ford nämlich einen herausragenden Colin Firth hinzu. Wohl neben dem Umstand, dass Ford auf eine Buchvorlage zurückgreift, eine der großen Stärken dieses durch und durch visuellen Filmes.

                                                    Die Bildsprache des Designers ist demnach natürlich nicht subtil. Die breite Palette visueller Gestaltungsmittel gebraucht Ford schon mit dem Vorschlaghammer; fährt bei Rückblenden auf abgedroschene Slow-Motion-Einstellungen herunter oder dreht bei emotionalen Hochmomenten den Farbfilter zum Anschlag auf. Ford kommuniziert primär über eine visuelle Ebene, die trotz ihrer filmtechnischen Verfremdung und einem sehr plastischen 60s-Look doch nie zu viel Distanz zu unserem Protagonisten entstehen lässt. Ohnehin: Inwiefern es Ford's Zutun geschuldet ist, dass Firth hier eine seiner besten, wenn nicht sogar die beste Performance seiner Karriere abliefert, darf dahingestellt bleiben.

                                                    Dieses verzweifelte Lächeln, wenn Firth versucht den Anschein vollkommener Normalität zu wahren, diese ebenso komischen, wie tragischen Suizidversuche, das ständige Spiel mit der Waffe als eigenständigen Charakter. Der Blick in den Spiegel, auf seinen maßgeschneiderten Anzug, der Blick auf das Foto und die ständige Suche nach einem stillen Moment. Selten war das Spiel des Briten natürlicher und kontrastiert gerade damit jene stilisierte Werbe-Ästhetik, die Ford ungemein elegant und mit einem fast obsessiven Hang zur Akribie aufzubauen weiß.

                                                    Dieses (gewollte?) Spiel mit den Gegensätzen - also einerseits die punktuelle Verwendung von Räumlichkeiten, Kleidung und Accessoires als Teil einer plastischen Bildsprache und andererseits dem ungemein intuitiven, naturalistischen Spiel eines Firth – macht dabei den großen und manchmal auch gar nicht zwingend an konkreten Punkten festzumachenden Reiz von „A Single Man“ aus. Dass der politische Hintergrund in Anbetracht dieser wundervollen Momentaufnahme eines Verzweifelten eben nur Hintergrund bleibt, ist zu verschmerzen, zumal es Ford gelingt, eine ganze eigene Form von Kinomagie zu evozieren; eine die in ihrer Schönheit fast schon wieder wehtut.

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