Allein in vier Wänden
Allein in vier Wänden (2007), DE Laufzeit 85 Minuten, FSK 12, Dokumentarfilm, Kinostart 26.11.2009
2 Bewertungen
Skala 0 bis 10
9 Bewertungen
3 Kommentare
Keine
von Alexandra Westmeier,
Man sieht in ihnen Straftäter und vergisst dabei, dass sie Kinder sind, die nie eine Kindheit hatten. In einem Heim für jugendliche Straftäter im ländlichen Russland: halbwüchsige Jungs mühen sich hier groß zu werden; das Leben hinter Gittern scheint für sie besser zu sein als die Freiheit draußen. Alexandra Westmeier gewährt uns mit ihrem Film intime Einblicke in eine Gesellschaft, die Kinder, die noch nicht einmal 14 Jahre sind, wegsperrt. Sie begingen Verbrechen, die von Diebstahl über Vergewaltigung bis hin zu mehrfachem Mord reichen. Im Heim erhalten sie Essen und Kleidung. Sie gehen zur Schule und machen Sport. Zum ersten Mal in ihrem jungen Leben müssen sie nicht um die nackte Existenz kämpfen; sie können einfach das sein, was sie sind – Kinder. Wie viele der anderen Jungen hier, zählt auch Tolja, der einen Mord begangen hat, seine Straftaten mit einer enervierenden Lässigkeit auf. Trotz ihrer scheinbar lakonischen Schilderungen und ihrem coolen Gehabe gibt es immer wieder Augenblicke, in denen das Kind im Kriminellen durchscheint. Ein 13-jähriger Neuankömmling – er konnte sich bei der Verhaftung nicht einmal von seiner Mutter verabschieden – kämpft mit seinen Tränen, während er erzählt, und spiegelt damit die Nöte all seiner Kumpels.
Mehr Bilder (7) und Videos (2) zu Allein in vier Wänden






















Kritiken (2) — Film: Allein in vier Wänden
Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte... Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte...
Kommentar löschenSelten hat man so harmlose, diszipliniert wirkende jugendliche Straftäter gesehen, die nicht aggressiv wirken, nicht ausfällig werden, sogar im Schulunterricht, den das Gefängnis ihnen bietet, interessiert und diszipliniert mitmachen. Man ist erstaunt, wie folgsam diese Jungen sind, die morgens ordentlich ihr Bett richten, nie aufmucksen, sorgfältig den Boden im Flur wienern, überhaupt allen Anweisungen widerspruchslos folgen und das, obwohl sie schon soviel Fürchterliches in ihrem kurzen Leben erlebt haben. Nun wären diese ganz normalen Kinder vermutlich auch nicht zu Dieben oder Mördern geworden, wenn nicht die eigene große Not sie dazu getrieben hätte. Ljoscha hat zwei Jahre und drei Monate gekriegt hat, nur weil er von einem Schrottplatz Metall geklaut hat, um es zu verkaufen. Vitja hat Taxifahrern Geld geklaut, um sich davon etwas zu essen zu kaufen und zwei Jahre Gefängnis dafür bekommen.
Nun ist man zunächst entsetzt, wenn man zur Kenntnis nimmt, wenn anderswo Kinder schon im Alter von 11 Jahren verhaftet werden. Nur – und das ist das eigentlich paradox Erschütternde – bedeutet das Gefängnis eine größere Chance für die Kinder als ihre vermeintliche Freiheit. Hie müssen sie endlich einmal keinen Hunger leiden, eine medizinische Versorgung und schulische Bildung sind gewährleistet. Und wenn man die tristen Kulissen von Tscheljabinsk sieht, dann hat man das Gefühl, die ganze Stadt ist ein Gefängnis.
1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Der Redaktör: kino-zeit.de Der Redaktör: kino-zeit.de
Kommentar löschenAntworten vermag auch Allein in vier Wänden nicht zu geben. Immerhin aber hat es Alexandra Westmeier, die selbst ursprünglich aus Tscheljabinsk stammt, geschafft, dass sich diese Kinder vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben ausdrücken können. Die Regisseurin hat es verstanden, in einem ebenso beeindruckenden wie bedrückenden Film der Armut und der Gewalt, die das Leben vieler russischer Kinder prägt, ein Gesicht zu geben – und zwar eines, das man nicht so schnell wieder vergisst. Ebenso wie diesen Film, der es versteht, allein mit der Kraft seiner Bilder und seinem Zugang zu den Kindern eine Welt entstehen zu lassen, die wir verstehen und die uns zutiefst berührt.
Kritik im Original 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Kommentare
Janus Winter Thu, 04 Apr 2013 20:09:14 -0000
Kommentar löschenSeltsam emotionslos. Ein Off-Kommentar hätte dem Film gut getan.
bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten