An einem Samstag

V Subbotu (2011), DE/RU/UA
Laufzeit 99 Minuten, FSK 0, Drama, Kinostart 21.04.2011

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5.4 Kritiker
9 Bewertungen
Skala 0 bis 10
4.9 Community
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von Aleksandr Mindadze und Alexander Mindadze, mit Anton Shagin und Anton Shagin

An einem Samstag im April 1986 explodiert ein Reaktor im Kernkraftwerk Tschernobyl. Nur der parteitreue Valerij Kabysh versucht mit seiner Freundin Vera vor der unsichtbaren Gefahr zu fliehen. Doch die Lebenslust seiner feiernden Freunde lässt ihn nicht los…

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Kritiken (9) — Film: An einem Samstag

Jürgen Kiontke: Jungle World, ai-Journal, K...

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3.5Schwach

Wie immer, wenn ein Unglück passiert: Das ganze Ausmaß kennt keiner genau. Aber was ganz Großes, das ist es diesmal. "Ich habe in den Reaktor geschaut und es hat mich nach unten gezogen. Ein schwarzes Loch hat sich geöffnet. Ich wollte hineinspringen", sagt der junge Ingenieur.
Kurz vor dem Tag der Arbeit, am 26. April 1986, stimmt in der Sowjetunion eine alte, von Revolutionsführer Lenin ausgegebene Losung von elementarer - physisch ebenso wie psychologischer - Bedeutung, nicht mehr: Sowjetmacht plus Elektrifizierung.
Zum 25. Jahrestag hat der russische Regisseur und Drehbuchautor Alexander Mindadze seinen zweiten Kinofilm scheinbar über diese Vorgänge gedreht, er heißt "An einem Samstag" und ging dieses Jahr mit 15 anderen Filmen auf Trophäenjagd im Wettbewerb der Berliner Filmfestspiele. Gewonnen hat er dort nichts.
Es reiht sich belangloses Ereignis an Ereignis, so der Kniff dieses Films. Die Handkamera erledigt den Rest: Sie folgt den Darstellern, als sei sie hinter den Ohren montiert, das Stilmittel heißt Gesichtsgroßaufnahme, als könne man über die Optik in die Köpfe gelangen - der Röntgenblick lässt die Gesichter wachsen. So wird Dramatik suggeriert, die der Film an keiner Stelle hat.
Je unzugänglicher das Werk, desto großformatiger die Begründung: Er habe die ewige Dialektik seines Lebens und das seiner Freunde zeigen wollen: das Drama von der Unmöglichkeit, dem Leben zu entrinnen. Es ist aber kein Drama, sondern Suff. Ich glaube, hier wurde eine große Chance vergeben.
"An einem Samstag" schmilzt der Reaktor. Aber nicht das Zuschauerherz.

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Ba. Schweizerhof: EPD-Film Ba. Schweizerhof: EPD-Film

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5.5Geht so

An einem Samstag [...] bleibt eine Systemkritik, die 20 Jahre nach dem Untergang der Sowjetunion und vorm aktuellen Hintergrund leider kaum Durchschlagskraft besitzt.

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Ingrid Beerbaum: fluter Ingrid Beerbaum: fluter

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7.0Sehenswert

Die offiziell bekannten Vorgänge des Super-Gaus interessieren Regisseur Alexander Mindadze [...] nur nebenbei. In seinem Spielfilm zeigt er normale Menschen, deren Leben von den Parteioberen absichtlich aufs Spiel gesetzt wurde. [...]Die intensive Bilderflut und das ausdrucksvolle Spiel der Darsteller, die die ganze Bandbreite von Übermut, Aggression bis zu Verzweiflung und Trauer in sehr kurzer Zeit aufbieten, überfordert den Zuschauer [...] mitunter und baut kaum Nähe zu den Figuren auf. Kalt lässt "An einem Samstag" einen trotzdem nicht.

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Christian Alt: NEGATIV

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7.0Sehenswert

V Subbotu ist ein absolut verstörendes Erlebnis, rastlos sieht man die Protagonisten ihrem eigenen Ende zusteuern. Dabei sind die Konflikte, die diese durchleben, allegorisch. Tschernobyl bietet zwar das Setting, doch verweist V Subbotu auf den Umgang mit dem eigenen Tod. Dieser ist in Form der radioaktiven Verstrahlung zu jeder Zeit heimlich präsent, zwar nicht sehbar, aber fühlbar – bis die Musik verstummt.

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Andreas Rosenfelde: Die Welt Andreas Rosenfelde: Die Welt

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4.0Uninteressant

An einem Samstag ist ein kaputtes Kraftwerk der Gefühle, das uns grausam anstarrt.

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E. Knörer: taz, perlentaucher, cargo-film E. Knörer: taz, perlentaucher, cargo-film

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3.0Schwach

Der Hintergrund, das Drama, die Kamera-Hysterie, das Konventionelle und vor allem das Verhalten der Figuren in An einem Samstag passen nirgends zusammen, was leider keine interessanten Spannungen ergibt, sondern am Ende nur das Klischeebild vom reichlich irrationalen trunksüchtigen Russen. Dass ausnahmslos jeder auftauchende russische Mann tumb und/oder widerwärtig ist, hilft der Sache des Films nicht.

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Carsten Happe: Schnitt Carsten Happe: Schnitt

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8.0Ausgezeichnet

An einem Samstag setzt voll und ganz auf den subjektiven Blick und stellt aus seiner eigenen wie eigenwilligen Perspektive sein Bild des Desasters – und vor allem dessen unmittelbarer Bewältigung, respektive Verleugnung – zusammen. [...] Das ist nicht immer unanstrengend, zumal die Inszenierung und die Dialoge des Regisseurs und Autors Alexander Mindadze die Befremdlichkeit der Situation noch verstärken. Bisweilen mutet die Szenerie in ihrer gewollten Künstlichkeit wie versprengte Versatzstücke einer postmodernen, existentialistischen Theateraufführung an, die in der Groteske zur Wahrheit findet.

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F. Kleiner: Film-Dienst.de F. Kleiner: Film-Dienst.de

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5.5Geht so

Zwar gelingt es dem großartigen, zwischen fassungslosem Entsetzen und verzweifelter Verbissenheit mitreißend energetisch aufspielenden Hauptdarsteller Anton Shagin, eine gewisse Grundspannung zu halten; und während der Gebrauch von wackeligen Handkameras oft genug nur nervt, setzt Oleg Mantu das Stilmittel in An einem Samstag geschickt und stimmig ein, um eine aus den Fugen gehende Wirklichkeit stimmungsvoll abzubilden. Die grundsätzlichen Defizite des Konzepts kann das solide Handwerk aber nicht ausgleichen.

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Cristina Nord: taz Cristina Nord: taz

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5.5Geht so

Alexander Mindadze gibt sich in An einem Samstag wenig Mühe, nachvollziehbar zu machen, warum Valerij, Vera und die wenigen anderen, die begreifen, was geschehen ist, in Hyperaktivität verfallen, ohne je ernsthaft nach einem Ausweg aus der Stadt zu suchen. Fast scheint es, als hätte das alte Klischee von der Irrationalität der russischen Seele eine Halbwertszeit von 25 Millionen Jahren.
Auf ihrem Weg zum Bahnhof durchqueren Valerij und Vera einen Park. Ahnungslose Bürger genießen den sonnigen Frühlingstag. Die rennenden, stolpernden, strauchelnden Protagonisten stoßen immer wieder mit den Spaziergängern zusammen, manchmal auch mit einem Klettergerüst, Sträuchern oder Bäumen. Das Ganze ist, unfreiwillig, kaum von der Körperkomik des Slapsticks entfernt. Und obwohl die Inszenierung sehr künstlich ist, klebt sie an den Konventionen des filmischen Realismus. Schade - denn hätte Mindadze in diesen Einstellungen das Tempo gedrosselt, man hätte sich in einem jener Albträume wähnen können, in denen man unbedingt von der Stelle kommen muss, es aber nicht tut, obwohl man doch läuft und läuft.

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Kommentare (4) — Film: An einem Samstag

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Sonja Hamann

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Bewertung3.0Schwach

mensch, wie kann man ein so brisantes thema nur so verschenken! fängt spannend an mit der tschernobyl-katastrophe und dann folgen gefühlte 80 minuten nichts als saufpartys, die doku gestern abend auf 3sat war zehn mal aufschlussreicher und interessanter, da hat man details erfahren, von denen man bislang gar nicht so genau wusste, was z.b. mit den armen kerlen passiert ist, die auf dem reaktor "aufräumen" mussten etc.

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davidpm

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Bewertung5.0Geht so

Wir haben genug Wackelkameras gesehen und die Musik ist zu schlecht, um so viel Zeit in diesem mittelmäßigen Film zu verbrauchen. Schade, die Idee ist gut!

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Prestigeww

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Bewertung5.5Geht so

Zwei Drittel des Filmes durchlitt ich Gewaltphantasien gegen die Deppen, mit denen ich mich identifizieren sollte, wollte sie schütteln, prügeln, mit einem Besen aus der Stadt hinaus jagen. Gegen Ende dachte ich dann, es könnte ja vielleicht symbolisch gemeint sein – Kunstfilm und so. Aber dann kommt eine Texttafel, welche das Ganze wieder als Realismus ausgeben will. Leute! Wie konntet ihr einen solchen Stoff nur so verbocken?

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janno

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Bewertung9.0Herausragend

V Subbotu – An einem Samstag
Samstag, 26. April 1986: ein Reaktorturm im Atomkraftwerk Tschernobyl explodiert, die Katastrophe ist nicht mehr aufzuhalten. Während die Verantwortlichen dies vor der Bevölkerung vertuschen wollen, bekommt ein junger Parteifunktionär Wind von der Sache. Er rennt los, um sich zu retten, er rennt um sein Leben, aber irgendeine Kleinigkeit hält ihn immer wieder auf, so dass er bis zum Ende die Todesstadt Pripjat nicht verlassen kann.
Dass der Film auf einer wahren Tatsache beruht, klingt plakativ, dennoch träft es dazu bei, dass der russische Regisseur Alexander Mindadze mit seiner Geschichte einen bemerkenswerten Sog erzeugt. Es entspricht den Tatsachen, dass die Bewohner um Tschernobyl offiziell erst 36 Stunden nach dem Reaktorbrand alamiert wurden. Die wenigen Eingeweihten weigerten sich oder wagten es nicht, eine Massenpanik zu riskieren. In dieses Informationsvakuum wirft Regisseur Mindadze nun seinen Hauptdarsteller, den aufstrebenden Parteifunktionär Valerij Kabysh (Anton Shagin). Kaum nach er das Ausmaß der Bedrohung realisiert, rennt er los. Und rennt weiter. Und hört damit gar nicht mehr auf. Sein Ziel: sich und seine Freundin Vera (Svetlana Smirnova-Marcinkevich) in Sicherheit zu bringen.
Doch diese lässt sich von der Panik ihres Freundes nicht anstecken, auch nicht nachdem er sie (rennend) durch die halbe Stadt geschleift hat und ihr der Schuhabsatz wegbricht. Es ist schließlich ein sonniger Samstag, der schönste Tag in der Woche, Kinder spielen auf der Straße, Pärchen spazieren durch den Park. Ein vergessener Reisepass, ein verpasster Zug, die Hindernisse häufen sich. Und auch Valerij schafft es nicht wegzukommen, etwas in ihm fesselt ihn an die Stadt Pripjat und bringt ihn immer wieder zurück. So oft er es versucht, nie wagt er den einen egoistischen Schritt, der ihn, nur ihn in Sicherheit bringt. Zusammen mit Vera landet er schließlich auf einer Hochzeit. Sie treffen die Band, zu der Valerij vor seiner Parteikarriere gehörte. Anstatt sich auf und davon zu machen, springt er für den betrunkenen Drummer ein und spielt sich in eine Trance aus Angst und russischem Rock’n’Roll.
Ab und zu flackert er dennoch auf, der Wille zum Überleben. Und dann rennt er wieder los, begleitet von einer wild hin und her wackelnden Handkamera, die ihm stets im verschwitzten Nacken klebt. Diese Bilder treffen nicht den Geschmack von jedem, aber gerade sie sorgen für die hautnahe Atmospähre, die es benötigt, um ganz in diese Welt aus Blut, Schweiß und hartem Alkohol einzutauchen. Diese irrationale Welt, in der eine Handvoll Trinkgeld wichtiger sein kann als das eigene Überleben, und in der Valerij sich nicht zurecht finden kann. Es liegt an seiner Zwitterposition an diesem Samstag: er steht zwischen Freunden und Partei, zwischen ausgelassenem Feiern und dem nackten Überleben, gehört nirgendwo dazu. Selbst als er mit einigen Flaschen Rotwein auf einen abfahrenden Zug springen könnte, entscheidet er sich lieber für einen letzten Suff mit seinen Bandfreunden.
Regisseur und Drehbuchautor Mindadze inszeniert das Endzeitszenario mit bunten und freundlichen Bildern, die sogleich eine neue Perspektive aufs Leben zeigen. In „V subbotu“ eröffnet er uns Einblicke in die Mentalität seiner Landsleute: temperamentvoll und gerne unvernünftig, warmherzig und naiv. Eine Mentalität, die es erlaubt, flaschenweise Rotwein zu trinken, im Glauben sich somit zu dekontaminieren. Erzählt anhand einer Geschichte, die es anderen Filme im Wettbewerb schwer machen wird, an ihr vorbeizukommen.

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