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Anonymus

Anonymous (2011), DE Laufzeit 130 Minuten, FSK 12, Historienfilm, Thriller, Drama, Kinostart 10.11.2011


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6.0
Kritiker
32 Bewertungen
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6.4
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1530 Bewertungen
102 Kommentare
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von Roland Emmerich, mit Rhys Ifans und Vanessa Redgrave

War William Shakespeare vielleicht gar kein so talentierter Schriftsteller, sondern vielmehr ein cleverer Betrüger?

Anonymus stellt die Frage, ob William Shakespeare tatsächlich der Verfasser von Werken wie William Shakespeares Romeo + Julia, Hamlet oder Ein Sommernachtstraum ist. Was wäre, wenn in Wirklichkeit Edward de Vere, der Earl von Oxford (Rhys Ifans), der Autor dieser unsterblichen Klassiker ist? Diesen Fragen wird zwischen den Fronten des Machtkampfes um die britische Krone nachgegangen.

Hintergrund & Infos zu Anonymus
Das Drehbuch von John Orloff entstand schon in den späten 90er Jahren, wurde aber nach dem großen Erfolg von Shakespeare in Love 1998 auf Eis gelegt. Anonymus entwickelte sich über die Jahre zum Wunschfilm von Blockbuster-Regisseur Roland Emmerich. Dieser inszeniert mit Anonymus zum ersten Mal seit langer Zeit wieder ein kleineres Projekt. So verzichtet er mit Charakterdarstellern wie Rhys Ifans, Vanessa Redgrave, Jamie Campbell Bower und David Thewlis auch auf die absoluten Superstars aus Hollywood. Die Dreharbeiten zu Anonymus fanden ab Mitte 2010 im Studio Babelsberg statt. Dort wurde extra für die Produktion das damalige London realitätsgetreu nachgebaut. Nach eigener Aussage hat Emmerich den Film als historischen Thriller angelegt, der neben der zentralen Shakespeare-Frage auch die Rolle der Königin Elizabeth I. genauer beleuchtet.

Aus Reihen der sogenannten Oxford-Theorie bekommt der Film enorme Unterstützung. Allerdings werden die Shakespeare-Zweifler von Seiten der meisten Literatur-Wissenschaftler in der Regel nur belächelt. So gilt es gemeinhin als relativ wahrscheinlich, dass William Shakespeare auch selbst der Verfasser der ihm zugeschriebenen Stücke ist. Trotzdem nutzt Roland Emmerich in Anonymus diesen Ausgangspunkt und stellt die Frage ‘Was wäre, wenn…?’

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Cast & Crew

Regie
Schauspieler
Drehbuch
Filmdetails Anonymus
Genre
Historienfilm, Politthriller, Verschwörungsthriller, Drama, Thriller
Zeit
16. Jahrhundert, Alternative Geschichtsschreibung
Ort
Großbritannien, London
Handlung
Adel, Backstage, Britische Königsfamilie, Bühne, Dynastie, Herrschaft, Höfisches Leben, Königin Elisabeth I, Königreich, Königsfamilie, Künstlerszene, Lordschaft, Macht, Schriftsteller, Theater, Theaterstück, Verschwörungstheorie, William Shakespeare
Stimmung
Geistreich, Spannend
Verleiher
Sony Pictures Releasing GmbH
Produktionsfirma
Studio Babelsberg Motion Pictures

Kritiken (27) — Film: Anonymus

kobbi88: Die Drei Muscheln

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6.0Ganz gut

„Anonymus“ ist nicht herausragend, aber auch nicht schlecht gespielt. Er sieht aber sehr gut aus und hat tolle Kostüme, sodass man schnell in die Welt um das Jahr 1600 eintauchen kann. Die Geschichte, dass nicht William Shakespeare seine Werke selbst geschrieben habe, sondern der Adelige Edward de Vere, die ist zwar interessant und wird in der Literaturwissenschaft intensiv diskutiert. Problem ist aber, dass hier zu viel gewollt wurde. Denn die Verbindung von politische Machtkämpfen und der Shakespeare-Thematik, die lässt in dieser Ausführlichkeit den Film einerseits zu voll, aber gleichzeitig auch relativ leer und damit langweilig wirken. Vielleicht wäre es besser gewesen, sich auf einen Teil intensiv zu konzentrieren. Im Übrigen grenzt die Darstellung von Mr. Shakespeare schon, Theorie hin oder her, an eine bodenlose Unverschämtheit.

Naja, aber „Anonymus“ ist wohl in letzter Konsequenz doch das geworden, was Roland Emmerich am besten kann: reines, auf historischen Spekulationen basierendes Unterhaltungskino, ähnlich wie „Der Patriot“, nur insgesamt ein wenig kleiner und nicht so gut und unterhaltsam.

29 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 6 Antworten

kobbi88

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@ Lydi: Isses aber wirklich. Da war Der Patriot deutlich besser.

@ Basti: Nö, mein liebster is der Patriot. 7,5 oder so. Was man gegen Patriotismus haben kann, das ist mir übrigens ohnehin ein Rätsel. Nationalismus. Das ist scheiße. Aber Patriotismus ist doch was gutes. Ohne Degradierung der anderen.


kobbi88

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(@ Basti: Das letzte war nur ein genereller Nachtrag. Ohne, dass du dazu was gesagt hättest ;P)


stuforcedyou: Die Drei Muscheln, CinemaFo...

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7.0Sehenswert

Emmerichs Urlaub raus aus Blockbusterhausen ist gelungen. Gewiss ist der Film nicht so anspruchsvoll wie er tut und geht manchmal regelrecht verschwenderisch mit seinen Handlungsfäden und Zeitebenen um, aber das Intrigendrama mit Thriller-Elementen bleibt trotz teils unnötig anmutenden und anstrengenden Schwelgereien fesselnd, auch wenn viele Figuren so überspitzt dargestellt sind, dass man durchaus erkennt, das Emmerich sonst eher Kino mit hohem Kawumm-Faktor macht. Emmerichs Big Budget-Erfahrung kommt„Anonymous“ aber durchaus zugute, denn tricktechnisch ist die filmische Auferstehung der damalige Zeit absolut gelungen und unterstützt die Faszination, die von den royalen Machtkämpfen und Affären sowie der Shakespeare-Verschwörung ausgeht ungemein.

„Anonymous“ ist wirklich gute Unterhaltung und wirkt dazu erfrischend anders, denn irgendwie erwartet man schon noch die eine oder andere Explosion von Emmerich. Zum Glück wird man enttäuscht.

19 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

ChristiansFoyer: Cellurizon.de

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8.0Ausgezeichnet

[...]Von einer Vorliebe und einem gewissen Vorwissensstand bezüglich des Historienfilms ist im Sinne eines gesteigerten Genusses von Emmerichs „Anonymous“ nicht eben abzuraten; „Fire Over England“, die beiden „Elizabeth“-Filme mit Cate Blanchett oder das TV-Ereignis „The Tudors“ etwa empfehlen sich als ungefähres zeitliches Vorspiel und stimmungsmäßiger Rahmen der Ereignisse in „Anonymous“, auch unter den über 420 Shakespeare-Verfilmungen findet sich sicher der ein oder andere Beitrag, den man zur Ergänzung heranziehen könnte. Emmerich jedenfalls, und das ist angesichts jedes einzelnen seiner vorangegangenen Werke mit die größte Überraschung, simpelt seinen Film nicht herunter, die Ränkespiele und Intrigern, die verschiedenen Zeitebenen und die Fülle an Figuren und ihre Beziehungen zu- und untereinander, all das fordert eine gesteigerte Aufmerksamkeit, „Anonymous“ lässt sich nicht mal so nebenbei konsumieren, die Ohren sollten für Namen und Dialoge geöffnet sein und gemeinsam mit den Augen Zusammenhänge erkennen, die Emmerich nicht bis in die Überdeutlichkeit auswalzt. „Anonymous“ ist damit nicht gleich intellektuell (über)fordernd, aber ein Empathiehemmer, zumindest so lange, bis man sich in die mehrsträngige Handlung nach zirka einer halben, Dreiviertelstunde so richtig „hinein“ gesehen hat.[...]

[...]Der große Aufhänger des Films, nämlich die Frage, ob Shakespeare Urheber seiner Stücke ist, gerät dabei gar nicht mal zum Kern der Geschichte. Entgegen dem, was man von einer Tagline wie »Was Shakespeare a fraud?« erwarten könnte, ist „Anonymous“ keine Anklage, nicht das große Aufdecken. Die Darstellung Shakespeares mag mit das strittigste und auch hemmschuhigste Element des Films sein (später mehr dazu), aber bei all den skandalösen Entwicklungen und Intrigen bleibt er eine Randfigur und „Shakespeare“ letztlich nur ein Name, in einer Szene spielt Edward de Vere gar damit herum, schreibt und betont ihn verschiedentlich, trennt ihn in der Mitte. Der Mensch hinter dem Namen ist freilich nicht der, der ihn trägt, womit an der Kraft und Schönheit und Bedeutung des Werkes unter dem Namen aber nie gerüttelt wird. Es wird in Gestalt Edward de Veres eben nur anders verursprünglicht und unabhängig davon, wie historisch korrekt das sein mag und was nun für wen als tatsächlichen Autoren spricht: de Veres Geschichte ist eine, für deren Erzählen es sich lohnt, den bedeutendsten Autoren aller Zeiten zumindest namentlich in Frage zu stellen. Mehr als an der puren Lust am Spekulieren liegt das an Rhys Ifans: seine Darstellung des vom Schreibdrang getriebenen Adligen, dessen Stand die Nennung seines Namens unter Werken wie Macbeth oder Hamlet verbietet, ist phänomenal.[...]

[...]Gerade de Veres Verbindungen zum Hofe und zur Königin zeigt „Anonymous“ oberflächlich betrachtet ziemlich Lindenstraß’ig, das bekannte Cliffhanger-Gedüdel aus der deutschen Seifenoperendlosschleife schiene manches Mal nicht fehl am Platz, doch de Vere entfaltet sich mit der Zeit zu einem unwahrscheinlich spannenden Charakter. Den sehr viel klarer umrissenen Bösewichten, dem unkenntlichen David Thewlis und dem buckligen Edward Hogg als Gríma Wormtongue-Variationen William und Robert Cecil, steht er nicht strahlend hell und als Symbol des Guten gegenüber. De Veres Geschichte verästelt sich zunehmend weiter mit jenen der zahlreichen Nebenfiguren, beinahe mit jedem steht er in Verbindung.[...]

[...]Die Verbindung zu Shakespeare entsteht eher zufällig, plötzlich steht er da halt auf der Bühne und wird für de Veres Arbeit gefeiert und lässt sich feiern. Hier offenbart „Anonymous“ ein Geschick mit dem Ebenenspiel, das zu Anfang noch deplatziert wirkt: der Film beginnt in der Gegenwart, Hochhausschluchten sind zu sehen und ein Erzähler tritt vor sein Publikum, gespielt von Sir Derek Jacobi. Der selbst ein Unterstützer der Oxford-Theorie ist. „Anonymous“ selbst wird durch diesen Rahmen zum Theaterstück und weist Charakteristika einer Shakespeare/de Vere’schen Vorstellung auf: reale historische Ereignisse und Figuren werden umgedeutet, politisiert, synonymisiert, parodisiert. Der William Shakespeare, den „Anonymous“ auf seine Bühne stellt, ist bei weitem die unsubtilste Gestalt des ganzen Films, eine, die mehrmals förmlich rausfällt aus der Stimmung, eine Gehessigkeit aus Sicht der Oxfordianer, ein Trunkenbolt, ein Lustmolch, ein Taugenichts, ein halbgebildeter Prahlhans, ausschließlich den Schmuck der fremden Feder ausschweifend zur Schau tragend – und sogar ein Mörder und Erpresser. Eine theatralische Überhöhung, deren Unterbringung in die so einnehmende Geschichte de Veres dem Film nicht immer gut gelingt, ihn von innen gar manchmal untergräbt, in der Betrachtung von außen aber konsequent scheint, auch wenn einige der direkten Shakepeare-Szenen wünschen lassen, „Anonymous“ würde sich doch lieber noch ein bißchen mehr auf den echten Menschen hinter dem Namen Shakespeare konzentrieren, denn auf den vermeintlich echten Shakespeare.[...]

[...]Denn von Rhys Ifans kann man wahrlich gar nicht genug bekommen, der geht mit einer solchen Flamboyanz durch diesen Film und dahinter klaffen mehr und mehr die Brüche und Zwänge seines Inneren auf, die den gemachten Edelmann aufreiben und die nur für den kurzen Moment Befreiung finden, in denen er seine erhabenen Worte erstmals auf der Bühne und vor einem staunenden und faszinierten Publikum ausgesprochen hört, er sie mitwispert und das Stück von seinem Platze aus mitspielt – um dann einem anderen den Ruhm überlassen zu müssen. Ein Mann von solch persönlicher Tragik, von Ifans auf eine Weise nach außen getragen, dass man es ihm von Herz und Verstand wünscht, dass dieser Edward de Vere Schöpfer dieses größten aller literarischen Vermächtnisse sein möge, während man Rafe Spalls Shakespeare zurück in den Kerker seiner selbst verdammt. Ifans‘ Leistung ist gar so groß, dass es sich nicht mehr nur Ryan Gosling und Michael Fassbender auf der diesjährigen Liste der Oscar-nominierten zu vermissen lohnt. Aber da war der Stempel „Emmerich“ wohl zu vorurteilsbelastet, um etwas derart Feines dahinter zu vermuten.[...]

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Andreas Stadler: http://darkagent.blogsit.net

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8.0Ausgezeichnet

Bei diesem Film merkt man halt, dass Emmerich mit Herz und Seele dabei war. Ab machen Stellen kommt leider durch das diese Art von Film sonst nicht macht (Thema Zeitsprünge). Immerhin hat er es geschafft mit einem relativ geringen Budget von 30 Millionen Dollar eine großartige Geschichte zu erzählen.

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Wolfgang M. Schmitt jun.: www.die-filmanalyse.de

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2.0Ärgerlich

Roland Emmerich versteht vielleicht etwas von Weltuntergängen, doch leider überhaupt nichts von Shakespeare. Hierzu meine Filmkritik in meinem Videoblog:
http://www.youtube.com/watch?v=YcQvsyTqLj0

2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 3 Antworten

atilla

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War jetzt kein klassischer Verriss, weil kritisiert wurde fast ausschließlich die Grundidee des Films und weniger der Film selber aber sehr philosophisch hat mich jedenfalls besser unterhalten als der Film ;)


werner-holt

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http://www.youtube.com/watch?v=YcQvsyTqLj0
Der Nutzer hat das Video entfernt...


Filmering: Filmering.at

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5.0Geht so

Anonymus ist der mäßige Versuch Roland Emmerichs aus seinem Storymuster auszubrechen. Doch leider zeigt sich dadurch, dass Emmerich auch abseits des Effektzwangs eigentlich gar kein so guter Geschichtenerzähler ist. Er hat weder den Spannungsaufbau, noch seine Zeitebenen wirklich unter Kontrolle und schlussendlich ist Anonymus weder unterhaltsam genung für das Massenpublikum, noch tiefgreifend genug für die Nische. Anonymus ist somit ein Zwitterfilm, der auf keiner Ebene durchgehend überzeugt und obwohl der Film recht kurzweilig geworden ist, muss man ihn nicht unbedingt gesehen haben.

Kritik im Original 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Ingrid Beerbaum: fluter Ingrid Beerbaum: fluter

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6.0Ganz gut

Mit überraschenden Wendungen und tiefen Abgründen spiegelt die Handlung das Shakespeareuniversum wider, übertreibt es aber stellenweise auch damit. Besonders in der zweiten Hälfte kann man sich dem Sog der facettenreichen Geschichte nicht entziehen, die darüber hinaus mit einer wunderbaren Besetzung aufwarten kann.

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A. Sterneborg: epd film A. Sterneborg: epd film

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5.5Geht so

Mit furiosem Schwung verlässt der Film alsbald die Bühnensituation, um in die historische Filmrealität zu rutschen und eröffnet mit diesem raffinierten Trick ein Vexierspiel zwischen Fakt und Fälschung, Leben und Literatur, Theater und Kino. Die Verwirrung, die hier noch ein geradezu genialer Kunstgriff ist, greift dann allerdings bald umfassend um sich, wenn der Film rastlos und ohne jede Bodenhaftung zwischen Zeiten und Erzählebenen hin- und herspringt. [...] Zu den Stärken des Films gehört die opulente Ausstattung, der greifbare Kontrast zwischen den kühlen Ränkespielen bei Hofe und den hitzigen Volksversammlungen auf den Straßen und im legendären Globe-Theater.

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Dimitrios Athanassiou: moviemaze.de Dimitrios Athanassiou: moviemaze.de

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7.0Sehenswert

Der Film verfügt - und dies nicht nur für einen Emmerich-Streifen - über ordentliche dramaturgische Qualitäten und ist in sich ein handwerklich solider Historienschinken geworden, der sich vor vielen anderen ähnlichen Produktionen nicht verstecken muss. Er punktet zudem mit einer authentischen Atmosphäre, welche diese vergangene Epoche wiederauferstehen lässt, ohne bemüht oder gekünstelt zu wirken.

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José Garcia: Textezumfilm

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6.5Ganz gut

Dem Haupteinwand gegen die Autorschaft Edward de Veres, der bereits 1604 starb, während die Shakespeare-Forschung für elf Shakespeare-Werke ein jüngeres Entstehungsdatum annimmt, begegnet „Anonymus“ auf filmische Weise, nicht durch lange Erklärungen, sondern durch Bilder: In einer Szene sieht der Zuschauer Edward de Vere aus einer unübersichtlichen Anzahl von Mappen eine mit einem bestimmten Theaterstück herausziehen. Beim nahenden Tod des Grafen von Oxford stellt der Schauspieler aus Stratford-upon-Avon die bereits fertiggestellten, aber noch nicht aufgeführten Werke sicher. Roland Emmerich entwirft in „Anonymus“ ein buntes Bild des Elisabethanischen Zeitalters, in das außerdem höfische Intrigen insbesondere durch Elisabeths engen Berater William Cecil (David Thewlis) und dessen Sohn Robert (Edward Hogg), der Konflikt mit der auf den englischen Thron Anspruch erhebenden schottischen, katholischen Königin Maria Stuart und ein Volksaufstand („die Essex-Verschwörung“) Eingang finden. Zu Emmerichs Charakterisierung des Elisabethanischen Zeitalters gehört wesentlich die Förderung der Künste und insbesondere des Theaters durch die Königin, während sich ihr engster Berater Cecil vehement dagegen verwahrt.

Obwohl einige im Computer erstellte Totalen Londons enttäuschen, beeindrucken die detailverliebte Ausstattung der kunstvollen Kulissen etwa des Globe-Theaters und der haptischen Stoffe sowie die schauspielerische Leistung insbesondere von Rhys Ifans in der Darstellung des vielseitigen und innerlich zerrissenen Graf von Oxford.

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Annekatrin Liebisch: Radio Köln Annekatrin Liebisch: Radio Köln

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7.0Sehenswert

Bemerkenswert an "Anonymus" ist nicht, dass Roland Emmerich einen Historienfilm in die Kinos bringt. [...] Dass der Thriller - Emmerichs erster - auch noch erstaunlich gut funktioniert, das ist schon fast eine kleine Sensation.
[...] Auch wenn sich der Regisseur manchmal dazu hinreißen ließ, es mit dem Prunk etwas zu übertreiben, ändert das nichts an dem seltenen Eindruck, dass die Geschichte, die Emmerich erzählen will, ihm mehr am Herzen liegt als die Bilder, die er dafür komponiert. Und so viel Abscheu Emmerich seinem Shakespeare auch entgegenbringt, so groß scheint sein Respekt vor den Worten, die Shakespeare zugerechnet werden - wer auch immer sie nun verfasste.

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Jörg Schiffauer: ray Jörg Schiffauer: ray

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6.0Ganz gut

Die Inszenierung verwebt zwar durchaus routiniert unterschiedliche Handlungsfäden und Zeitebenen, doch bleibt Anonymous ein einigermaßen abenteuerliches dramaturgisches Konstrukt mit einem sichtbaren Hang zum Spektakelkino. Dass Emmerich bezüglich Kostümen und CGI-Effekten aus dem Vollen schöpft, um diese historische Epoche ins Bild zu rücken, wird eingedenk seines bisherigen Oeuvres wenig überraschen.

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Thomas Engel: programmkino.de Thomas Engel: programmkino.de

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7.0Sehenswert

Roland Emmerich hat mehr digitale Erfahrung als viele andere. Deshalb wirken auch die locations, die Massenszenen, die Straßen und Gassen, die Bauten, das Leben im Palast, die damaligen emporebestückten runden Holztheater, das „Old England“ ganz schön echt – wie immer bei Emmerich eine routinierte Regieleistung. Die Schauspieler geben ihr Bestes, insbesondere Rhys Ifans als Edward de Vere sowie David Thewlis in der Rolle des William Cecil. Um zum Filmthema Shakespeare To be or not to be zurückzukehren: die Spekulationen, die Hypothesen, die Zweifel bleiben – doch es bleibt hier auch die gute Unterhaltung.

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Gebhard Hölzl : br-online Gebhard Hölzl : br-online

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7.0Sehenswert

Emmerichs größter Trumpf sind seine vorzüglichen Schauspieler, allen voran Rhys Ifans, der deutschen Kinozuschauern vor allem als guter Nebendarsteller aus Filmen wie "Notting Hill", "Hannibal Rising" oder "Radio Rock Revolution" bekannt ist. [...] Die solide, opulente Inszenierung lässt den Zuschauer bald die tatsächlich längst widerlegte "Edward-de-Vere-Shakespeare-Verschwörung" vergessen. Man taucht vielmehr ein in den politisch-literarischen Machtkampf, und der fasziniert. "Anonymus" ist in Babelsberg für 30-Millionen-Euro entstanden, und es ist Regisseur Emmerichs bislang bester Film.

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Rex Reed: The New York Observer Rex Reed: The New York Observer

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6.5Ganz gut

Rhys Ifans bekommt mit seinem mehr als markanten Gesicht normalerweise die Rolle des Freaks oder Unholds, doch auch diejenigen, die sich nicht zu seinen Fans zählen, müssen eingestehen, dass seine Darstellung des Earl of Oxford zutiefst ergreifend ist. Und er ist auch umgeben von großartigen Schauspielern - vom glänzenden Mutter-Tochter-Gespann, Richardson und Redgrave als Königin bis hin zum komödiantischen Rafe Spall als Shakespeare [...]

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A.O. Scott: New York Times A.O. Scott: New York Times

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5.0Geht so

Anonymus steigt in keinem Moment zu hoher Kunst auf. Aber wie gesagt, handelt es sich in vielerlei Hinsicht nicht um einen schlechten Film. Mr. Orloffs aufgebauschte Dialoge werden durch einige originale Shakespeare-Zeilen aufgewertet, wobei mit Mark Rylance einer der bedeutensten heute lebenden Interpreten des Dichters vor der Kamera steht.

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Liam Lacey: Globe and Mail Liam Lacey: Globe and Mail

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5.0Geht so

Abgesehen von einigen besseren Momenten, ist Anonymus ein Fall von Scharfsinn, der bei einer einfältigen Untrnehmung verschwendet wird. All die eleganten Kostüme und an Erklärungen reichen Dialoge im Kerzenschein sind nur dazu da, die eingebildete These von Anonymus zu untermauern, der Sohn eines einfachen Handschuhmachers könne nicht besser schreiben als sein blaublütiges Publikum.

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Joe Morgenstern: Wall Street Journal Joe Morgenstern: Wall Street Journal

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3.0Schwach

Lange Zeit beschäftigt sich Anonymus mit der Essex Rebellion gegen die Königin, wobei die Handlung ständig dermaßen vor und zurück springt und die selben Charaktere von verschiedenen Schauspielern dargestellt werden, dass ich bezweifle, dass irgendjemand, der kein Fachmann dieser Epoche ist, der Handlung wirklich folgen kann.

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Christoph Schelb : Outnow.ch Christoph Schelb : Outnow.ch

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6.5Ganz gut

Anonymous zeigt einen Blockbuster-Regisseur auf Abwegen und beweist eindrücklich, dass Emmerich weit mehr drauf hat als Städte explodieren zu lassen. [...] Im Film ist das vermeintliche Genie nur eine Schachfigur in einem mehr als gefährlichen Spiel, bei dem viele Parteien mitmischen und bei dem der Überblick leicht verloren gehen könnte. Dank den tollen Schauspielern bleibt das aber bis zum Schluss unterhaltsam, wenn auch nicht so packend wie erhofft.

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V. Robrahn: Filmszene.de V. Robrahn: Filmszene.de

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8.0Ausgezeichnet

Die Geschichte ist stark, die Schauspieler sind erstklassig und die Umsetzung sehr ambitioniert. Das bemerkenswerte Ergebnis: Ein Roland Emmerich-Film, der sein Publikum zwar ausgezeichnet unterhält, aber es auch fordert.

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Alle Kritiken (27)


Kommentare (75) — Film: Anonymus


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Kokuznuz

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ein hervorragender Film zur Oxford-Theorie. Rhys Ifans at his best :)

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NickLang

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Bewertung9.0Herausragend

bin ja überrascht das vielen Leuten der film zu verworren ist, dann zieht euch den audiokommentar rein das hilft euch auf jeden fall ein wenig!

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Moviegod

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Bewertung7.5Sehenswert

Emmerich kann auch anders. Ohne große CGI-Zerstörungsorgien schafft er es gut, sich auf seine Figuren und die Handlung zu konzentrieren. Und egal wie weit hergeholt die Story auch sein mag, Emmerich versteht es, diese verdammt spannend rüber zu bringen. Die Ausstattung und Optik ist super. Man fühlt geradezu, wie dreckig London damals gewesen sein muss. Ein schöner kleiner Film, der eine interessante These vertritt.

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Mr. Pink

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Eine überbordende Spielwiese für Masken-, Kostüm- und Szenenbildner, die das spätmittelalterliche England in den erhabenen Babelsberger Kulissen prachtvoll zum Leben erwecken. Das Setting wirkt authentisch und sieht wahnsinnig gut aus. Schauspielerisch gibt es mit Mutter und Tochter Redgrave als Königin und Rhys Ifans als literaturbegeistertem Adelsmann auch keinen Grund zum Meckern. Außerdem höchst interessant, wie Emmerich den Weltuntergang hier mal nicht im Großen, sondern klein und unscheinbar zelebriert: In den politischen Machtkämpfen, in den hinterhältigen Intrigen, in den zwischenmenschlichen Dramen seiner Charaktere. Die Verschwörungstheorie - War William Shakespeare nun wirklich ein begnadeter Schriftsteller oder bloß ein versoffener Tagedieb, der als Strohmann diente? Und falls zweiteres, wer steckt dann wirklich hinter den Stücken, die seinen Namen tragen? - ist spannend aufbereitet, wenn vielleicht auch durch die vielen Zeitsprünge ein bisschen sehr verworren erzählt, und Shakespeares Werk wird gut in die Handlung eingeflochten.

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LiaMiller

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ich wusste anfangs gar nicht worauf ich mich einlasse und war deshalb sehr verwirrt, da man ja eigentlich die Geschichte von Shakespeare und auch die von Elizabeth I. kennt. Aber ich fand mich bald rein und war sehr angetan von allem - den Schauspielern, den Kostümen, den Kulissen und Effekten (fand die zugefrorene Themse besonders schön). Ein wenig vor den Kopf gestoßen fühlte ich mich bloß bei dieser Inzestgeschichte, da ich noch nie was von dieser Theorie gehört hatte...

Ansonsten ein sehr unterhaltsames Stück, wird auf jeden Fall nochmal gesehen!

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A.Mendes86

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Es gibt natürlich fantasielose Zuschauer die müssen alles zwanghaft an der tatsächlichen Geschichte messen - diese Art von Zuschauer die bewusst oder unbewusst bei Filmen wie "10.000 BC" ein realistisches Portrait steinzeitlicher Gesellschaften und hier eben eine getreue Wiedergabe gesicherter Fakten der Shakespeare-Forschung erwarten.
Die werden natürlich enttäuscht.
Ich habe eine interessante, stimmungsvolle fiktive Geschichte in einem Renaissance-Setting erwartet und wurde nicht enttäuscht.
Schöne Bilder, interessante Charaktere, Dramatik, Romantik, Stil.
So interessant dürfte die historische Wahrheit nie im Leben sein.

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Gerneguckerin

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Bewertung5.0Geht so

Man nehme an Gossip was die Tudor- und Stuart-Zeit so hergab, pause vereinzelte Porträts ab und schüttle alles ein bisschen durch. Herauskommt dann eine Geschichte um den vermeintlich wahren Autor der Shakespeareschen Werke: eine etwas kurzweilige, filmische Unterhaltung mit latenten Spannungsmomenten, die wieder einmal mehr historisch erklären möchte als erzählen, so dass sich die zwei Stunden wohl wie drei angefühlt hätten, wäre man nicht zwischendurch mal länger im Badezimmer verschwunden ohne die Pausetaste zu drücken. Der hier vollzogene ständige Wechsel von szenischer Vergangenheit und Gegenwart verwirrt ein wenig und es brauchte so seine Zeit um überhaupt ansatzweise mit den vielen Figuren warm zu werden. Ein bisschen mehr Stringenz und Kontur hätte dem Film sicher besser gestanden und erzähltechnisch gibt die Idee doch eigentlich mehr her, als letztlich nur ein misogynes Elisabeth-Bild einiger Zeitgenossen zu bemühen, welches diese als eitle, einsame, unkeusche und grausame Herrscherin am Ende ihrer Tage schildert, was irgendwie dann alles erklären soll, ob nun der maßgebliche Shakespeare einer ihrer eigentlichen Earls gewesen war hin- oder her. Obwohl die Idee durchaus ihren Reiz hat und der Film einen durchaus nachhaltig beschäftigt, hätte man sich doch an vielen Stellen mehr innovativen Pepp und Pomp gewünscht.

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laurens.schreiht

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Anonymus ist für mich der beste Emmerich-Film, besonders da ausnahmsweise mal kein Weltuntergang bevorsteht. Die Story ist gut erzählt und spannend gefilmt. Top!

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CrazyWizard

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Sowas hätte ich jetzt überhaupt nicht aus der Feder von Roland Emmerich erwartet! Keine Aliens? - Kein Weltuntergang? Und nur eine Hand voll Tote? - Recht untypisch für den Schwaben, um ehrlich zu sein, aber auf keinen Fall schlecht! Erfreulich unverbrauchte Gesichter als Figuren der englischen Monarchie zur Zeit Shakespeares eröffnen dem Zuschauer eines der größten Mysterien der Literaturgeschichte. Als Rahmen dient eine Theateraufführung, was eine sehr gute künstlerische Idee war, wie ich finde! Eine sehr schöne Lichtstimmung untermauert das Ganze, auch wenn die Dialoge gegen Ende etwas kompliziert werden, weil man schnell den Überblick über die gesamten Grafschaft-Verhältnisse verliert. Aber dennoch eine sehr interessante Interpretation der Historie und Vorstellung einer der möglichen Szenarien, die sich um Shakespeare ranken. Emmerich sollte öfters mal ruhigere Filme inszenieren, dann kann er auch noch in Zukunft die letzten Schwachstellen ausmerzen!

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Drehmumdiebolzen

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Bewertung7.0Sehenswert

Der Ballermann des Krawallblockbusterkinos (nein, nicht Michael Bay) macht auf ruhiges, dialoggesteuertes Historiendrama, bei dem der Anspruch aus jeder Palliette der hochauthentischen Fummel nur so triefen soll.
Und Roland Emmerich stellt damit unter Beweis, das er auch anders kann.

Sicher, der Plot ist eigentlich geradezu köstlich an den langen Goldlöckchen herbeigezogen und gerade gegen Ende verheddert sich "Anonymus" immer mehr, wenn es um die angeblich "engeren Beziehungen" von Shakespeares Ghostwriter, Edward de Vere, dem Earl of Oxford, zum englischen Königshaus geht.
Die sprunghafte Erzählweise, die Emmerich hier an den Tag legt und dabei mit gleich mehreren Timelines jongliert, erfordert schon höhere Aufmerksamkeit und verkompliziert die eigentliche Story unnötig zu mehr, als auf dem Bildschirm tatsächlich passiert.

Nichtsdestotrotz steht "Anonymus" beispielsweise "Shakespeare in Love", wenn es um Drehorte, Köstume, Szenenbild, Ausstattung geht, in Sachen Opulenz in fast nichts nach.
Die Jungs der überproduktiven SFX-Abteilung hat der "Master of Disaster" zwar nicht vollkommen ins Exil verbannt, dennoch fallen deren Kreationen kaum bis gar nicht auf bei den gut rekonstruierten Bauten wie den noch in den Kinderschuhen steckenden Theatern des Elisabethanischen Zeitalters.
Der Film an sich fällt ungewöhnlich politisch aus, sodass Liebhaber von Intrigenspielen à la "Game of Thrones" oder mehr noch "Die Tudors" ruhig einen Blick riskieren können.
Der Besetzung sieht man sehr deutlich an, dass sie froh ist, mehr vor richtiger Kulisse als stundenlang vor ewigen Greenscreens mit etwas mehr als nichtssagenden Dialogen zu performen.
Rhys Ifans macht seine Sache überaus gut und zeigt, dass er den Film zu großen Teilen allein tragen kann. David Thewlis (in manchen Flashbacks höchstens noch an seiner Synchronstimme Wolfgang Condrus zu erkennen) betreibt etwas gedrosseltes Overacting; bei Vanessa Redgrave als Königin Elisabeth I. hätte man zwar etwas mehr Verve und schauspielerische Wucht erwartet, trotzdem sind beide sehenswert.

Wie auch der ganze Film. Zwar wirkt einiges zu gewollt und unbedingt auf hochtrabendes Arthaus-Kino getrimmt und über Emmerichs unumstößliche Überzeugung, hier blanke Tatsachen und die "true events" um Shakespeare zu enthüllen, kann man leise weinend den Brummschädel schütteln.
Dass der gebürtige Schwabe aber im Gegensatz zu Bay auch mal eine Kamera da aufstellen kann, wo sich einfach nur zwei Leute unterhalten und auch inszenatorisch doch um einiges mehr auf dem Kasten hat als Global Cities unangespitzt in den Boden zu stampfen, wenn man ihm kein Zehntelmilliarden Dollar Budget in die Hand drückt und komplett in Babelsberg drehen lässt, das demonstriert Roland Emmerich mit "Anonymus" eindrucksvoll.

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Sven - Friedrich Wiese

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Präziser Kommi, der so wie er geschrieben ist deine Bewertung nachvollziehbar macht.


Drehmumdiebolzen

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Genau das sollte ja bei aller Subjektivität, die man ja doch irgendwo walten lässt, der Sinn sein ;)
Aber herzlichen Dank :)


CuchillaPitimini

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Bewertung3.0Schwach

Laut Trailer geht es um Shakespeare und darum, dass er seine weltberühmten Werke gar nicht selbst verfasst haben soll. Diese Theorie ist nicht ausgedacht, sondern ist schon seit längerem eine Diskussion in Fachkreisen. Also eigentlich keine schlechte Idee für einen Film. Emmerich wählte den Graf von Oxford (Edward de Vere) als wahren Verfasser sämtlicher Bühnenstücke und Sonette. Dieser konnte aufgrund seines Standes die Werke aber nicht selbst veröffentlichen. Shakespeare hingegen wird der berühmteste Autor seiner Zeit und lässt wegen des hohen Andrangs sogar ein größeres Theater bauen.
In Wahrheit geht es aber viel mehr um die Lebensgeschichte des Grafen von Oxford und um die Prince-Tudor-Theorie, nach welcher der Graf ein unehelicher Sohn der Königin ist, der später ihr Liebhaber wird. (Ja, es ist so verstörend wie es sich anhört).

Ich konnte dem Film leider nicht viel Gutes abgewinnen, vielleicht auch weil ich etwas vollkommen anderes erwartet hatte. Shakespeare ist nicht das Hauptthema des Films, zumindest nicht in der Art und Weise wie ich es erwartet hatte. Vielmehr ist der Film von Politik und Machtkampf geprägt, mit einer Prise Inzest gewürzt. Für meinen Geschmack gab es einfach viel zu viele Charaktere und zu viele, unübersichtliche Rückblenden, denen ich nur schwer folgen konnte. Die Schauspieler waren zwar recht gut gewählt, so haben mich Sebastian Armesto (als Ben Johnson), Rafe Spall (als Shakespeare) oder Jamie Campbell Bower (als junger Edward de Vere) doch durchaus überzeugt. Sie konnten die undurchsichtige und unglaubwürdige Story aber nicht retten. Außerdem baute sich an keiner Stelle eine wirkliche Spannung auf, was ich von einem Thriller doch erwartet hätte.
Um fair zu sein möchte ich Euch aber sagen, dass mein Freund mal wieder ganz anderer Meinung war und den Film total gut fand…

Vermutlich lag es an meinen falschen Erwartungen, dass der Film bei mir durchgefallen ist. Ich persönlich kann ihn Euch jedenfalls nicht weiterempfehlen.

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MurmelTV

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Da ging es mir genauso. Trifft es auf den Punkt!


Lyne

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Bewertung4.5Uninteressant

Tolle Schauspieler. Verwirrendes Drehbuch. (Leider) Schlechte Regie.
Schade, man hätte so viel aus dem Thema machen können. Eine absolute Enttäuschung, die nur durch die unglaubliche schauspielerische Leistung der Darsteller gemildert wird.

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Spielberg_Fan

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Bewertung7.0Sehenswert

Nach seinen Krawallorgien der letzten Jahre, widmet sich unser deutscher Hollywood-Regisseur Roland Emmerich mit seiner letzten Regiearbeit wieder dem ruhigeren Erzählkino.

Aber auch wenn „Anonymus“ bei weitem nicht so ein Getöse macht wie beispielweise „2012“, ist der Film trotzdem reines Unterhaltungskino und keine historische Ausleuchtung der Person Shakespeare oder den Ereignissen dieser Zeit. Sicher finden sich geschichtliche Details in der Story wieder, aber im Großen und Ganzen ist „Anonymus“ eine Geschichte, die auf Theorien basiert. Emmerich hatte gar nicht die Absicht, hier hohes geschichtliches Kino zu machen. Er wollte einen Thriller abliefern, der eben in dieser ereignisreichen Zeit spielt.

Und streckenweise spannend ist diese Story über den Shakespeare, den es gar nicht gab. Ausgestattet mit einer wirklich guten Besetzung, gelungenen Kostümen und einem sehenswerten Setting, präsentiert Emmerich hier Popcorn-Kino der etwas anspruchsvolleren Art. Schon mit „Der Patriot“ bewies Roland Emmerich, dass er historische Stoffe gut als reines Unterhaltungskino verpacken kann. „Anonymus“ schlägt auch diesen Weg ein und fährt damit gut.

„Anonymus“ ist bei weitem kein Streifen für die Ewigkeit, aber er ist solides Unterhaltungskino aus Deutschland und den USA, das mit einer interessanten Story und sehenswerten Bildern aufwartet.

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Thomas Hetzel

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Bewertung6.5Ganz gut

Anfangs ist der Film ziemlich verwirrend mit den vielen Rückblenden und die meisten tragen denselben Bart. Aber wenn man erst mal reingekommen ist, ist der Film ganz unterhaltsam. Genial werden hier Geschichte und Fiktionen vermischt. Shakespeare wird zudem als ziemlicher Trottel dargestellt, was echt stark ist.

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Hagen Hagen

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Bewertung5.5Geht so

Ich hätte gern die ganze Zeit die Szenen mit dem historischen London in Großaufnahme gesehen und auf den ganzen verschwurbelten Rest verzichtet. Als in der letzten Stunde endlich das Tempo anzog, hat es mir aber ganz gut gefallen.

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zmpfl

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Bewertung7.5Sehenswert

Ich habe so gut wie jeden Emmerich-Film im Kino gesehen. ARCHE NOAH PRINZIP noch aus Interresse, INDEPENDANCE DAY wg Päng-Puff und ab da wars nur noch: Wie dreist und platt wird's diesmal ??!
2012 war der Tiefpunkt der Dämlichkeit und ab da sollte Hr Emmerich kein Geld mehr von mir bekommen !
Klar, in ANONYMUS will E. zeigen, daß er auch anders kann (was ja auch irgendwie eklig ist), ABER > Hey, schau an !
Zumindest sehr unterhaltsam !!
Schauspieler und Kulisse tatsächlich toll.
Trotz langer Dauer nicht langweilig.
Was jetzt die bekrittelte Pseudokomplexität und Konfusität betrifft: Muss ich später beurteilen, im Moment bin ich beeindruckt. :-)

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H4rl3k1n

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Bewertung6.0Ganz gut

Leider verläuft sich der Film etwas in dem Ränkespiel der Erbfolge und trägt zum Ende zu dick auf. In ihren Rollen gut gefallen haben mir dagegen Rhys Ifans und Joely Richardson, die beide zu überzeugen vermochten. Alles in allem wirkte der Film etwas zu überladen, sodass mich der ein oder andere Erzählstrang völlig gleichgültig wirkte.

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NiboraC

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Bewertung3.0Schwach

Tut mir leid aber ich weiß nicht was an diesem Film so toll sein soll. Ich habe mich gelangweilt und es viel mir schwer ihm überhaupt zu folgen.

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craax

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Bewertung9.0Herausragend

Anonymus v. R. Emmerich
Shakespeares Leben (geschickt) inszeniert wie ein Shakespeare- Stück? Kann man es noch besser machen, um uns heute einen artistischen Retrospektiv-Salto auf einen der gewaltigsten, berührendsten, bewegendsten Kanons‘-, ja Kosmos‘ der Literatur- und Menschheitsgeschichte hin tun zu lassen – und zurückzuwerfen,- einen Blick nicht nur in die Zeit zurück,- sondern auch in den Menschen und seine “innen gehegte Busengewalt“ hinein? – Kunst und Geschichte zu amalgamieren? Kunst der Gegenwart und Kunst der Vergangenheit? Und da Kunst nur ein Reflex, auf Gegenwart – nein besser auf Zeit überhaupt ist - ,- auf ‚angenommene‘ Gegenwart und geglaubte ‚Vergangenheit‘? - „Shakespeare“: ist ein Gipfel des Möglichen. 3 Dutzend (relativ kurzschnittige) Stücke (bis auf Hamlet), füllen ein einziges mäßig beleibtes Buch, ein paar Sonette – und sie beherbergen eine Ganze Welt, einen ganzen Abschnitt der Historienlegendenbildung – „heute“ „Elisabethanisches Zeitalter“ genannt. Ist ein Zweifel, das >Shakespeare< das ist (wie es ein >Zeitalter Goethes< gibt)? Wäre der Glanz von der Erinnerung jener Zeit nicht ab,- wäre sie nicht blaß wie jene zum Beispiel an die verschwundene Epoche der Rosenkriege, „Schwarzer Prinz“ hin oder her,- fern und abgelegt, wenn uns Shakespeare nicht in ihr aktuelles abgründiges Herz blicken ließe, ihr gegenwärtig tiefes, zerrissenes, leidendes und jubelndes, schmachtendes Herz? Und können wir in dieser Bewegung nicht unsere eigene wiederfinden-, erkennen?,- natürlich etwas zahmer, gebändigter, vermasster, zivilisierter, angepaßter, eingeebneter, moderner? Shakespeare ist uns nah – über einen Abgrund an Zeit hinweg - : unserer doch verwandten Seele oder doch wenigstens -Wunsche. Wir sind uns nah: weil wir Menschen sind. Sein Menschsein ist dem unseren verborgenen genügend verwandt, um uns instinktiv reagieren zu lassen. Auch wenn wir es gern leugnen: seine kunstfertige Hand bohrt und tastet in den Senkungsfalten unserer ‚Brust‘ und reißt unsere Seele- wenn wir denn eine haben – in kurzen, schaudernden Sätzen ans Licht, zuckend und roh und blutig, schemenhaft, doch -: unsere Seele. Wir mögen sie so, oder auch nicht. Wir sind ihr so eher unbekannt. Wir scheuen sie angezogen so. Und wir müssen sie doch anerkennen: ja, das ist unseres Fleisches,- und Geistes,- Wesenskind. Das : sind Wir, im Grunde, immer noch: allezeit.

Shakespeare ist ein etwas roher Gesell. Ziemlich archaisch, dies „Elisabethanische“, fast „homerisch“. Ein Leben nicht viel wert. Liebe und Haß süß und rauh – und keine Halbheiten. Eine ausgemachte Sache: am Leben zu sein,- keine Gewohnheit. Entweder ganz oder gar nicht. Die Lauwarmen kamen nicht durch. Es hieß: wachse oder weiche,- entscheide dich. Entweder will leben, und lebe – oder eben nicht, und sterbe und verschwinde. Ein starkes, ein exzessives, ein beinhartes, ein kristallklares Zeitalter. Dichter sterben bei Wirtshausschlägereien, Politiker verlieren den Kopf – buchstäblich (wo kommen diese Ausdrücke wohl her?) und „springen über die Klinge“. Sir Francis Drake; Degen und Mantel und Silberschiffe, Bartholomäusnächte, Musketiere und der Dichter des Don Quichote in Berbersklaverei, dunkle unbeleuchtete Gassenwege aus zerstampftem und festgetretenem riechenden Erdkot nachts zwischen stillhockenden Gebäudeschatten mit schleichenden Räubern, Meuchelmördern und Verschwörern (und von beharnischten, nicht lange „fackelnden“ Patrouillen?). Die Leute sterben wie die Fliegen, an Pest, an Cholera, und London erhöht seine schrumpfende Einwohnerzahl nur auf Kosten von Frischblut-Zufuhr aus allem Land umher. Das alles kann man sich anlesen und muß hier nicht referiert sein. Man sollte diese Exkursion in die Entourage des „Elisabethanischen“ unternehmen, bevor man diesen Film sieht – genauso, wie man – eigentlich – sich wenigstens ein klein bescheiden Weniges mit der hundertjährigen These, das nicht Shakespeare Shakespeare gewesen sei,- beschäftigt haben darf. Ich empfehle ein lesbares aktuelles Kompedium zum Thema: ein (wie stets) angenehmes Portiönchen Vor-Denken von Bill Bryson, auch mit Stellungnahme zu einschlägigen OxfordEtc.-Thesen, Sie werden es nicht bereuen.

Tut man das, und hätten das viel mehr Leute getan, müßte man nicht den Tort in den Ausmaßen erfahren, der einen erwartet, wenn man sich zwischen den sichtenden Reaktionen auf die neue Regung von Emmerichs dankenswerten Produktionssäften, zum Beispiel im Internet, umtut.. Da ist eine Menge Rede davon, das Emmerich lächerlicher Blockbusterregisseur sei, und nun Shakespeare zu einem Hollywood-Billigprodukt (made in Babelsberg für nur 26 Mio.s) verwurstet, indem er abstrus skandalöse Thesen flicht. – Entschuldigung, die These stammt nicht von ihm (denn, da allerdings liegt der Hund begraben: ‚Hollywood‘ reflektiert, wie immer, nur,- und sitzt als Fremdgänger auf). Und, liebe Freunde und Gemeinde, wie leid bin ich es, die Intellektuellen unter euch, die ihr Bildungskompendium im Kino absolvieren und von dort erwarten, über mangelnden Tiefgang und Ernsthaftigkeit von „Mainstream“-Erzeugnissen Emmerisch’schen „Qualitätsstandards“ (zur beleidigenden Herabsetzung) räsonnieren zu hören. 2012, Independence Day, The Day After Tommorrow, - Wie öde das ist! Ich kann’s nicht mehr hören. Ich fühle mich in die Sechziger Jahre zurückversetzt, als, ich ein Schulknäblein mit eigenem Taschengeld, die Invasion verfolgte, welche Disney, Marvel, Eisenherz, belgische und französische Schule in das festverfugte Mauern des überkommenen Deutschen Bildungsguts als Breschen schlugen,- des einzigen scheinbar Unversehrten, was nach dem nazi-stischen Autodafé-Fiasko noch festumklammerbar stand und <Halt versprach! – Ich erinnere mich: als –ausgerechnet – ASTERIX (vice versa Perry Rhodan) als Stichwortgeber für „Trivialliteratur“ im gymnasialen Deutschunterricht damnisiert wurden. Leute! Seid doch nicht so verhörnlicht wie Hühneraugen! Emmerich: kann man seine perfektgemachten und nicht kunstdefinitiven Produkte nicht einfach als das nehmen, was sie sind, und genießen, überaus gelungene und unterhaltsame Spielereien überbordender und funktionierender Einbildungskraft? –bedeutet es ein Sakrileg, wenn „so einer“ sich jetzt an einem Götzen der Hochkultur, an Shakespeare, „vergreift“?

Bitte: mehr solcher Über-Griffe. Emmerich ist kein Dummkopf, sonst würde kein Mensch auf der Welt den Namen kennen,- den jeder kennt, und an dem jeder Tüffel sein Bein hebt. Eure vorübergehende Duftmarke am mächtigjährigen Eichenstamm sagt nur: hier stinkt’s,- und nicht : die Eiche stinkt.
Niemand käme auf die Idee, das Eichen solche Säfte produzieren,- sondern nur, das es wohl streunende Wesen gibt, die solche bei sich tragen. Obacht doch! – immer vorsichtig mit abfälligen Minorennitäten! Man weiß nie, wo sie landen und einmal hinwachsen.

Shakespeare- ausgerechnet – und Emmerich also. Nur auf den ersten Blick ein seltsames Paar,- in Wirklichkeit: von tiefstinnerer vergleichbarer Sublimität. Shakespeare war, seinerzeit, auch eine Art Schaumschläger, Effektemacher,- Blitz- und Theaterdonner-Erzeuger. Auch er packte sein Publikum dort, wo es angreifbar war; und auch Shakespeare ist nicht nur erhaben, sondern stand mit beiden Beinen fest im getretenen Morast dieser Erde. Aber sein Haupt, manchmal – nicht immer – durchstach die Wolken,- vor allem, wegen der majestätischen, ehrfurchtgebietenden : effektvoll berechneten (Theater-)Sprache. Dreimal jetzt: Effekt-,- das heißt auf den Wirkungspunkt genau berechneten Einsatz. Ist es nicht genau das, was Emmerich auch kann,- (wenn man ehrlich ist), sein Publikum im Griff halten? Sie winden sich? Aber: was sagen denn die Verkaufszahlen?
Das konnte Goebbels auch? – aber Shakespeare dagegen war (ist) wahr und wertvoll,- ganzanders? Jeder geeignete Quatsch kann Kurzzeit-Erfolg einheimsen? Und hier nun lebt eine Kunst seit vierhundert Jahr (und unabsehbar)? – Sicher, sicher: Shakespeare i s t wertvoll, und eines der kostbarsten Zeugnisse der Humanität. Aber, wie Molière, oder Mozart (der „Frühvollendete“: Unsinn): er wand sich, leicht oder schwer, vom Boden des Allzumenschlichen in die Höhe, Stück für Stück, Stufe um Stufe. Worauf ich hinauswill: es ist dumm, und schneidet zukünftiger Entwicklung den Boden ab, monumentalisiert man und verdenkmälert einen solchen GIGANTEN als etwas, das bereits vor allen Zeiten vorzementiert als Koloß auf die Welt gemeint kam und niemals den Zustand des Embryonalen kannte – falsch! Wie Goethe, dem faszinierend beim Wachstum zuzusehen ist,- entspringt Größe nicht einer Vorbestimmung, sondern einem – bei Talent – fruchtbarmachenden Prozeß, günstiger Umstände und Förderungen,- und - : Verschonung,- bis die junge Pflanze vom üblich herumstromernden Gesocks nicht mehr allzuleicht vorübergehend geknickt und - abgebrochen werden kann. Ein großes Werk braucht viel Vorbehalt,- und Gedeihlichkeit, oder, anderes Wort, eines Kenners: „Minorennitäten kann man nicht überspringen“. – Wozu diese Argumentation? – Shakespeare muß einer von uns bleiben,- will man ihn ganz genießen. Wer auf Sockel stellt und Sockel errichtet, Piedestale, tut in der Erhöhung des Außerordentlichen zugleich ein anderes, Simultanes: er erniedrigt sich.

Bescheidenheit ist eine Zier... fremdes Verdienst anzuerkennen ein Edelmut. Doch man kann Größe, in Shakespeare, erkennen und verehren, ohne sich zu entmenschlichen: indem man sich im Menschlichen trifft und berührt. Shakespeare war nicht nur ein Über-Mensch: er war mit Mängeln, und Insuffizienzen behaftet, genau wie ein Bewunderer über Stärken verfügen mag, die er nicht so anzuerkennen finden möchte, wie die Welt jene der Kolossusse erkennt. Im Menschlichen vereint sich das : Abwertung (des Anerkennungsurteils) der Welt,- und Aufwertung der (eigenfindlichen) Tugend, und milde Verzeihung der - Ungenügsamkeiten. Anerkennung eigener und fremder Tugend: Verzeihung eigener und fremder Fehler: Vergesellschaftung und Gemeinschaftlichkeit. Und „die Welt“ : drauf geschissen! – was zählt, sind nur ganz Du und ganz Er. So wird das Verhältnis zum fruchtbarsten ausschlagen,- von Mensch zu Mensch, ohne übertriebene Ehrfurcht, und ohne übertriebenes Einknicken,- Nachgeben der verehrungswütigen Knie. Ein Lob von Jemanden, den man vor lauter Selbstverleugnung kaum wahrnehmen noch achten kann : was wiegt’s? Willst du, das Shakespeare an deinem Weihrauch liegt: vergöttere ihn nicht,- sondern sehe ihn als einen, der wahr werden ließ (und das nicht nur), was dir aufgegeben ist. Die Tatsache, das du nicht vollkommen bist: spricht dich nicht frei davon, zu versuchen, es zu werden,- wie fast alle sich loskaufen, welche Ersatz-Götter, anstelle ihres eigenen verpflichteten Egos, hegen. Wer unbedarft verehrt, tut genau das Gegenteil von dem, was die Götter, wie Shakespeare, erwarten: zu versuchen, ihr Beispiel zu mehren. Wer das Verehrte von sich abspaltet, in etwas außer sich zu Verehrendes -, und einen Verehrten, oder eine Verehrte: kastriert sich selbst, und raubt der Welt das, möglicherweise – ihr ebenso zur Ehre gebührte. Dies ist das Gegenteil dessen, was ein solches, hinterlassenes, Werk von uns will: es will uns desgleichen groß,- und nicht zur Verehrung klein.

Emmerich und Shakespeare: ich lobe mir solche Nachfolgerschaft, die in Inspiration endet.
S o soll es sein,- und ist es gemeint! Und was ist Inspiration,- und Nachfolgeschaft? Wo wird sie gültig? – wo sie sichtbar, wahrnehmbar wird. Und zweifellos haben Sie den Film gesehen,- sonst wären Sie nicht hier. Emmerich hat ein wahrnehmbares Werk geschaffen; er ist über den Durchschnitt sichtbar geworden. Er hat – vielleicht- keine Shakespear’sche Höhe erklommen: aber er klimmt. Das ist alles, was zu erwarten ist: den Rest, wie bei Shakespeare, übernimmt die Zeit, und formt daraus, was sie will,- nicht wir, Du aus Dir, ich aus mir, ich aus Dir, Du aus Mir: auch Shakespeare stand nicht frei, Shakespeare zu schaffen: er konnte ihr, seiner Zeit, nur ein Angebot eröffnen, und zusehen, das es so unausschlagbar wie ihm nur möglich,- wurde. Sie hat akzeptiert. Es steht nicht bei uns. Und wir werden, seh’s ruhig ein, es nie erfahren. Niemand lebt über den Tod hinaus. Und was dann bleibt, ist nur unsere Zeit, im Keim der späteren enthalten und entwickelt, oder vielleicht auch nicht. Sie wählt, sie gießt, sie gedeiht: und, was Ruhm angeht,- großen Ruhm, dauerhaften Ruhm: wieviel von dem, was „zu Lebzeiten“ berühmt ist, war es dann – und wieviel von dem, was wir heute verehren, war es, bis auf Einiges, zur Zeit, als es ins Dasein trat? – Nein, es lohnt nicht. Da Ruhm dir völlig fremd ist: leiste dir den Luxus, der ein Fehler sein mag: und nimm die Berühmten einfach ganz leger, wie wärst du schon gestorben, im Himmel, als Zeitgenossen: als Mitmenschen, wie Engel, alles Irdischen überhoben, sich einander gestehen möchten: ihre Stärken, und ihre Schwächen. Im Angesicht Gottes wäre das Humbug: so zu tun als ob, und nicht absolut ehrlich zu verfahren. Warum also keine Familiarität? auch zu den Besten: es muß ja nicht Unbescheidenheit sein,- man muß ja nicht auf die Schulter klopfen! und joviale Sprüche! - aber man darf sich, wissend, nähern – und Austausch suchen,- indem man anbietet: vielleicht wird, aus nicht hündischer Position heraus, derart akzeptiert, denn im Ernst : niemand, der selbst schon sich zum Knecht macht und sich das Setzen verbietet,- wird zur Herrentafel gebeten, Platz zu nehmen. Mache dich selbst nicht zum Knecht, indem du dir Herren verschaffst: ist alles, worum wahre Herrschaft dich bittet: denn sie liebt keine Knechte, in Menschgestalt,- sondern nur: wahre Menschen, die wahre Größe erkennt: und sei sie selber Mensch.
Der Mensch ist da groß, wo er von sich weiß, und Herr und Knecht von ihm fällt: und nur das Wahre bleibt, das gemeinsam ist: dort kann man miteinander umgehen.
Und der erste Schritt zum Umgang ist: die Schranken aufzuheben,- ohne zugleich das wahre Maß. Wer sich dem Rechten liebend nähern mag, darf , ohne unbescheiden zu sein, sich – auch des Großen- für fähig halten, ohne sich bereits so zu dünken: denn, wie gesagt, ob du es seist, wirst d u nie erfahren. Du bist es der Zeit nicht wert, das bereits du es wissest: dies Krönungsrecht behält sie sich vor. Also, bescheiden, nehme an, du wärest fähig, zum Rechten: nähere dich ihm wo – und in welchen, auch vorgewordenen, Formen, du es findest: und achte und ehre es. Aber Größe vergrößert, sie verkleinert nicht. Tut sie das, war sie falsch: ein nichtiges Maß. Größe erhebt dich zu ihr, nicht über dich - sich : schrumpft sie dich, ist sie Zierrat von Pygmäen,- kleiner Gestalt. Ist sie‘s aber nicht: das gibt’s, das Große, wie‘s behauptet wird. Ich behaupte es. Widerlege mich? –indem du dich selber unscheinbar machst? – Verzeihung, so mühe ich mich, statt deiner. Verkleinere mich. Nicht schwer? –dann eben die Mythen, Legenden: widerlege sie, Shakespeare, und Beethoven, und Goethe und Gandhi: du wirst eine Menge Menschen überzeugen müssen, indem du anhand deiner Befähigung zur Kleinheit ihre Größe in allen Augen wirksam widerlegst.
Gib es zu – vergeblich. Warum auch? – Größe macht viel mehr Spaß, und das ist ihr Zeichen: sie macht Spaß, und erhebt -, und vergnügt -. Ja, bei Recht betrachtet :
ist sie sogar unterhaltend.

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zmpfl

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:D WOW !!!!
Ist dieser Text hier so eingetippt worden wie der meinige ??! Respekt !!
Und wie lange hat das gedauert ??
Und wie war der werte Gemütszustand ?!


seniorem

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Bewertung7.0Sehenswert

Emmerich überrascht jenseits seiner Endzeitblockbustergedöns mit einen spannenden, toll ausgestattem Historienthriller

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