Arizona Dream - Kritik

FR/US 1993 Laufzeit 142 Minuten, FSK 12, Drama, Komödie

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Kommentare (34) — Film: Arizona Dream


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DerTaubendetektiv

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Bewertung6.5Ganz gut

"Arizona Dream" ist ein Film - irgendwo zwischen Albtraum und bezaubernde Nachtphantasie - mit Johnny Depp als Hauptrolle und einer Idee, die anfänglich noch kreativ und frisch wirkt, sich jedoch später in einer ausweglosen Dreieicksbeziehung verliert.
Vor ein paar Tagen kündigte "arte" im Rahmen ihrer Themenwoche/-Monat/-etc. "Summer of the 90s" den oben genannten Film an. Der wasserstoffblonde Stachelhaar-Musiker H.P. Scooter erzählte mit gelangweilter, monotoner Stimme von einem Werk des bekannten Schauspielers Johnny Depp, "bevor er den Pirat Jack Sparrow spielte". Die Story klang gut (siehe Kurzbeschreibung) und zumindest ein paar Namen sagten mir etwas. Also habe ich ihn mir (wie man unschwer feststellen kann) angeschaut.
Grob gesehen wurden im Film ein Haufen verschrobener, doch größtenteils liebenswürdiger Menschen zusammengewürfelt und jedem einzelnen von ihnen wurde eine Rolle im Leben zugeteilt, die die jeweiligen Schauspieler allesamt gut übermittelten.
Mal abgesehen davon, dass der fliegende Fisch (eine Flunder?) durch seni unnatürliches Auftreten ungewollt komisch war, bescherte mir der Film zwischendurch auch ein paar freudige Lacher. Zum Ende verstrickte sich die Handlung allerdings in ein Wirrwarr aus Chaos, Angst und Freude, dass ich mir gar nicht mehr so sicher war, für welches Gefühl ich mich entscheiden sollte. Und noch weniger war ich mir im Klaren, wen oder was Axel eigentlich wollte.
Letzendlich, um mich etwas konkreter auszudrücken, wollte mir der Film zu sehr "alles" sein - und hat leider kaum irgendetwas ganz geschafft. Doch allem in allem ist "Arizona Dream" durchaus sehenswert und für die träumenden Denker dieser Zeit.
POSTSKRIPTUM und eventueller SPOILER: Wenn man mal diese fast letzten Worte von dem Inuit überdenkt, das mit dem "wenn du alt genug bist, Augen auf einer Seite, wie dieser Fisch", und das als Metapher nimmt, dass man als Erwachsener nicht mehr beide Seiten der Welt sieht, sondern nur noch die eine, die rationale Seite und die für's Träumen und Phantasieren - die Kinder Seite- verliert, dann möchte ich doch ehrlich gesagt, gar nicht altern. Du kannst zwar mehr auf der einen Seite sehen, aber auf der anderen bist du blind. Warum sollte also dieser Zustand erstrebenswert sein?

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fliegendreck84

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Bewertung4.0Uninteressant

In diesem Film spielen eindeutig zu viele Verrückte mit :-) Die alte Mutti nervt mich da mit Abstand am meisten. Eigentlich find ich "verrückte Filme" ziemlich geil, aber mit diesen Charakteren hier konnte ich überhaupt nichts anfangen. Die Punkte gibts für die ein oder andere schöne Aufnahme.

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vanilla

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Bewertung2.0Ärgerlich

"1 Punkt??? Ich hab mindestens 10 Punkte verdient. Das ist ein Amateurwettbewerb, ihr habt doch gar keine Ahnung was Kunst ist."

Vincent Gallo spricht diese Worte und ich denk nur, man, kann der meine Gedanken lesen??
OK, 1 Punkt ist wirklich zu wenig, aber 10????
Im Traum vielleicht.
Um Träume geht es zwar, aber benotet wird hier immernoch objektiv, fair und ehrlich.
Mir hat dieser Film überhaupt nicht gefallen.
Verrückt, wirr, exzentrisch, außergewöhnlich und sowas von an der Realität vorbei, dass ich mehrmals kurz vorm Ausmachen war. Meine Frau hielt mich mehrmals davon ab, mit der Begründung doch zu Ende zu schauen.
Das Ende ist genauso wenig sagend, wie der ganze Film.
Was wollte und Kusturica hier vermitteln??
Johnny Depp hat schon damals gezeigt, dass er selbst auf die abgefahrendsten Filme steht.
Für mich ist dieser Film eine reine Zeitverschwendung gewesen.
Der Beginn war jedoch stark, die Musik sehr gut und paar Lacher waren auch dabei.
Ansonsten überhaupt nicht zu empfehlen.

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BenAffenleck

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Mein Beileid!


vanilla

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Danke;-)


vladvanhelsing

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Bewertung7.5Sehenswert

Absurde Groteske, der mein verwirrter Geist eine Menge abgewinnen kann!

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Isolation

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Bewertung6.0Ganz gut

Bevor es Ihnen möglich ist, etwas näher über Träume nachzudenken, haben Sie sie womöglich schon wieder vergessen und die einzige zurückbleibende Erinnerung ist die, dass sie ziemlich kurios waren. ARIZONA DREAM ist so ein Traum.

Um ehrlich zu sein, habe ich ihn nicht ganz vergessen, und ich würde ihn Unrecht tun, dies zu behaupten, aber es sind letztlich auch nicht mehr als ein paar aufflammende, bleibende Bilder, die umso schwächer werden, je länger ich versuche, mich an sie zu erinnern. Ich weiß noch, dass alles mit dem roten Ballon begann, der die Reise vom Beringmeer nach New York auf sich nahm, um von dem einen Traum in den nächsten zu schweben - und kunstlos zu platzen. Da musste ich herrlich lachen.
Danach folgte ein verrücktes, surreales Märchen eines verträumten jungen Mannes (gespielt von Johnny Depp), dessen skurrile Geschichte mir ein wenig wie eine große Odyssee vorkam, die die Träume aller Träume widerzuspiegeln versuchte, indem Axel (Depp) zu Beginn schlafend auf seinem Truck lag und womöglich gar nicht erwachen sollte.

Es wird nie wirklich klar, was hier Realität und Fiktion ist, ob sie überhaupt noch existieren oder längst erloschen sind. Das macht auch viel Reiz an ARIZONA DREAM aus. Alles, was hier geschieht, geschieht, weil Gesetzmäßigkeiten fernab dieser verträumten Welt liegen; ich will gar sagen, sie werden mit ihr begraben. Träume helfen uns, das Fliegen zu erlernen, die Liebe zu spüren – uns gewissermaßen ein „zweites“ Leben abseits des eigentlichen führen zu lassen. Es ist der Ritt auf der Achterbahn, der Marsch durch Berg und Tal, die Elektrizität der Lust und das Leid des Widerwillens. Traum und Alptraum sind zwei Räume dicht nebeneinander. Das macht Regisseur Emir Kumurica auch deutlich – wäre ja schlimm, wenn nicht. Alex‘ Traum ist nämlich einer von denen, die ewig zu dauern scheinen, und bei denen man sich irgendwann nur noch wünscht, bitte aus ihnen erwachen zu dürfen. Es ist ein faszinierender, geradezu durchgeknallter Trip, der jedoch irgendwann genau darunter leidet. Denn je länger er dauert, umso gewöhnlicher wird er. Man schien nicht zu wissen, dass auch aus der schrägsten Schrägheit über kurz oder lang der Standard sprießt, wenn man es versäumt, ihn anderweitig zu verhindern – mit einer mitreißenden Geschichte zum Beispiel. Doch auch die war mir über weite Teile zu fragmentiert und zu verrückt, weshalb ich ungemein froh war, als endlich alles zu Ende war, und ich mich bis zum Schluss überwinden konnte, den verlockenden Flirt mit der Vorspultaste zu entrinnen.
Ich fühlte mich einfach, und das mag mein ganz persönliches Problem sein, unweigerlich an ein Kunstatelier erinnert, das sich schier ewig in die Breite zog und in dem unendlich viele Bilder auf mich nieder prasselten. Ich möchte nicht sagen, es seien schlechte Bilder gewesen, nein nein. Aber mir fehlte hier ein wenig der Wille zur Dezenz seitens des Künstlers.

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zachine

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Bewertung7.0Sehenswert

Nett und außergewöhnlich, aber letztlich etwas fahrig mit all diesen Träumen und wechselnden Lieben

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MartinNolan

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Bewertung5.0Geht so

Basierend auf einem symbolüberladenen Traum inszeniert Regisseur Emir Kusturica eine absonderliche Liebesgeschichte, die durch das Spannungsverhältnis Erwachsenwerden und ewig Jung sein wollen, nur leidlich über die volle Laufzeit von über zwei Stunden zu tragen weiß. Johnny Depp mimt, wie ja fast in jedem Film, den sympathischen und exzentrischen Naivling, während sich die irrsinnige Realität mit ihren Problemen in sein Leben schleicht. Das von Kusturica angestrebte Überschneiden von Traum und Wirklichkeit funktioniert dabei nur mäßig, da ein fliegender Fisch oder ein Ballon noch lange kein Tiefgang zu bedeuten haben. Möglicherweise weiß ich ja auch die komplexen Zeichen nicht zu deuten, doch auf mich wirkten sie unmotiviert in die Erzählung geklatscht, um Bedeutung zu suggerieren.
Was neben den deplatzierten Symbolen und Träumereien im Grunde wirklich überzeugen kann, sind die Verweise auf drei Klassiker der Filmgeschichte (Der unsichtbare Dritte, Wie ein wilder Stier, Der Pate II).
Letzten Endes bleibt „Arizona Dream“ ein überlanges, die meiste Zeit belanglos und ermüdendes Liebesdrama, das zwar mit einem ansehnlichen Schauspielerensemble aufwarten kann, dies jedoch keineswegs ausreicht, um „Arizona Dream“ vor sich selbst zu retten.

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MartinNolan

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Vielleicht packt es mich ja bei einer Zweitsichtung :)


BattlemasterIZ

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Manchmal, ist es möglich ja ;)


Stefan Ishii

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Bewertung9.0Herausragend

***Dieser Kommentar entstand im Rahmen der Userwichtelkommentaraktion 2013 und ist ein Geschenk für Audreyfan. Erneut hatte ich aufgrund dieser großartigen Aktion die Gelegenheit, einen Kommentar über einen Film zu verfassen, der mir persönlich sehr viel bedeutet, jedoch bisher von mir sträflichst vernachlässigt wurde.***
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Der bosnisch-serbische Regisseur Emir Kusturica und ich teilen den gleichen Geburtstag (natürlich liegen da ein paar Jahre dazwischen). Wenn man jetzt an Astrologie glaubt, so könnte das bedeuten, dass wir irgendwie seelenverwandt sind. Was seine kontroverse Einstellung zur Politik seiner Heimat angeht, möchte ich das anzweifeln. Jedoch als Filmemacher traf er durchaus meinen Geschmack. Tatsächlich habe ich allerdings bisher nur zwei Filme von ihm gesehen. Bereits „Erinnerst Du Dich an Dolly Bell?“ fand ich großartig, aber mit „Arizona Dream“ schuf er 1993 ein Werk, das mich bis heute berührt und begeistert.

Der Film war Kusturicas erste US-amerikanische Produktion und er verschaffte sich eine unglaubliche Ansammlung von großartigen Schauspielern. Neben Hauptdarsteller Johnny Depp, kann man Faye Dunaway, Lili Taylor, Vincent Gallo und Jerry Lewis bestaunen, wie sie in einer wundervoll bizarren und schön melancholischen Filmwelt agieren, die den amerikanischen Traum vom „Way of Life“ mit leicht zwinkerndem Blick thematisiert. Es lassen sich die typischen Amerikaner finden, die jedoch auf die ein oder andere Art und Weise ihrem Traum mehr oder weniger erfolgreich hinterherrennen ohne wirklich glücklich zu werden. Das Ganze wird stellenweise auf skurrile, magische und symbolbeladene Art dargestellt. Dabei schwankt der Film zwischen witzig und schräg sowie melancholisch und nachdenklich. In jedem Fall ist „Arizona Dream“ äußerst originell. Durch die Verwendung surrealer Momente und irrwitziger Ideen wirkt der Film wie ein einziger Traum. Dazu der berührende Song „In the Deathcar” von Goran Bregović und Iggy Pop oder das melancholische „Bésame Mucho“. Auch die musikalische Gestalltung von „Arizona Dream“ ist ein Traum!

Mich hat der Film Mitte der 90er Jahre sehr stark angesprochen. Ich konnte mich wunderbar mit Depps Figur Axel Blackmar anfreunden und stellenweise sogar persönlich identifizieren. Er ist mir extrem sympathisch. Die Nebenfiguren Paul Leger (gespielt von Vincent Gallo) und Grace Stalker (verkörpert von Lili Taylor) finde ich so grandios, dass beide Darsteller aufgrund dieser Rollen bis heute zu meinen Lieblingen gehören. Alle drei Charaktere spiegeln gewisse Aspekte meiner Persönlichkeit wider. Vielleicht könnte man sogar sagen, dass die Summe der drei Figuren mehr oder weniger mich ergeben… Ob das auch für Emir Kusturica der Fall ist, kann ich jedoch an dieser Stelle nicht beantworten. Immerhin feiern wir aber am gleichen Tag Geburtstag.

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Stefan Ishii

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Danke dir!


Filmfreak21

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yeeeah :D


JoeKramer

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Bewertung3.5Schwach

Für die einen Kult, für mich leider absolute Zeitverschwendung. So sieht scheinbar ein französischer Film aus wenn ihn Hollywood dreht. Für mich war das ganze pseudointellektuell oder ich hatte wie man so schön sagt, einfach keinen Zugang ;-) Möglicher Weise bin ich auch langsam zu alt für diesen Schei...

Einzige Highlights waren für mich Jerry Lewis und eine unglaublich gut spielende Lilly Taylor.

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Filmfreak21

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

I LOVE IT!!!

Ich wusste, dass es zu einer meiner absoluten Lieblingsfilmen gehört, als Johnny Depp während des Films der Welt erzählt dass, wenn man einen Menschen gut kennen möchte, zuerst nach seinen Träumen fragen muss! Und so weiter so weiter! Einfach herrlich!
Und der schräge Vincent Gallo, der seine Figur, als diesen verschnöselten, ich bin der nächste Al Pacino, DaSeins Schauspieler gewitzt von sich gibt und wie er selber sagt, er darf nicht Sklave seines Berufs werden!
Vor allem Mutter und Tochter des Films sind einfach herzerwärmend süß und unverwechselbar in ihrer Art! Jedoch strahlen sie diese Traurigkeit der ständigen Unzufriedenheit so gut aus und Johnny Depp, der leise Beobachter unter ihnen der das alles erkennt!
Der versucht sein Leben zu leben als einfacher Fischersjunge und es besser macht als jeder andere!
Das Leben besteht aus Träumen, Hoffnung, Liebe und dieses ständige Leiden, dass uns das Dasein als Sinnsuchendes Wesen so schwer macht! Wohin mit all unserer Furcht und Leidenschaft!
Ich finde diesen Film einfach so herrlich! Beschreibend wie wenn man in einer Wüste sitzt, den warmen Sand unter seinen Füßen spürt und in ein Lagerfeuer starrt, indem man all dies sieht was uns der Film zeigt!
Das Leben is wie es eben ist! Man kann es auf die traurige Art sehen oder auf die Humorvolle!

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doctorgonzo

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Bewertung7.5Sehenswert

"Wir sind aus solchem Stoff wie Träume sind, und unser kleines Leben ist von einem Schlaf umringt."

William Shakespeare

Träume. Im Grunde vielleicht nicht mehr als die Selbstwartung unseres Verstandes, oft jedoch assoziiert mit unseren elementarsten Wünschen, in jedem Falle aber etwas, das sich nicht so ohne weiteres greifen lässt. Wovon, wie lange, warum genau davon, etc... Träume haben eine eigen Mystik. Sie liegen wie eine ferne Insel jenseits der Logik. Durch ein Meer von Wendungen, Sprüngen und reichlich irrationalen Elementen gelangt man schließlich dort hin.

In den letzten Wochen sah ich mich recht häufig mit dem Wort surreal konfrontiert. Womöglich hatten die letzten Wochen einfach ein oder zwei surreale Momente

Surreal ist ganz bestimmt auch dieser Film, der Fische, Cadillacs, große Filme, Hochzeiten, den Traum vom Fliegen und den Traum von Liebe beinhaltet.

Johnny Depp als Trauzeuge wider Willen. Jerry Lewis (!) als wunderbar aufgedrehter Cadillac Händler, der eine bedeutend jüngere Dame heiraten will. Faye Dunaway als alternde Dame mit hochfliegenden Träumen und Sehnsucht nach Liebe. Dazu Vincent Gallo als ambitionierter Amateurschauspieler und Lili Taylor als schwierige Tochter.

Ganz scheinbar verquere und dabei vollkommen verständliche Sehnsüchte treiben die Protagonisten hier an. Von Sam Beckett bis Ionescu geben sich hier gleichwohl auch absurdeste Momente die Ehre und mischen die in vielerlei Hinsicht staubige Realität auf.

Kusturica huldigt dem amerikanischen Traum, während er ihn gleichzeitig einer wohlmeinenden Lächerlichkeit preisgibt. Der ganze Plotverlauf passt augenzwinkernd zu einer Aussage, die Depp später in "Fear & Loathing in Las Vegas tätigen darf " ein physikalischer Salut an die fantastischen Möglichkeiten in diesem Land" und dort wie hier ist es eine wohlgezielte Spitze, die nicht nur trifft, sondern quasi direkt ins Herz trifft.

So viele Huldigungen und Dekonstruktionen des American Dream. Große Wagen, ein großes Haus, die eigene Firma, der Traum vom Ruhm, Knarren...

Beißend, lustig, romantisch, rebellisch, konformistisch, ironisch und liebevoll wird hier eine herrliche Geschichte skizziert, die sich ein ums andere Mal herrlich absurden Wendungen und Einspielungen angibt. Der 5 Akteure umfassende Kern des Ensembles spielt sich quasi gegenseitig an die Wand.

Heimlicher Held ist für mich allerdings Vincent Gallo als Möchtegern Schauspieler mit besonderem Faible für Pacino, de Niro und den ollen Hitch, obwohl der unsterbliche Jerry Lewis den coolsten Satz hat, wenn er einen nervigen Kunden mit einem "Buy a Ford" vom Hof jagt.

Ein bisschen romantisch, ein bisschen amerikanisch, ein bisschen europäisch und ein bisschen zu sentimental. Da wirken die vollkommen absurden fischigen Zwischenmomente echt erfrischend.
Ist mitunter gewöhnungsbedürftig, aber kann jederzeit mit einer herrlich agierenden Darstellerriege punkten.

Ich gehe noch ne Runde fliegen.

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ElMagico

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Bewertung5.0Geht so

Gleich mal zu Beginn eine Floskel: Zu keinem Moment hab ich hierzu auch nur annähernd einen Zugang gefunden!
Liest man oft, aber selten zuvor habe ich das so sehr gefühlt wie bei diesem Film. Ich könnte auch kaum sagen warum das so ist, nur dass ich mir 2 Stunden lang so vorkam, als würde ich einer Geschichte hinterherhecheln, die ich doch nie einhole. Am Schluss ging dann langsam die Puste aus und ich ließ "Arizona Dream" von dannen ziehen. Der einzige Anhaltspunkt für mich: Es gab hier keine Emotionalität. Zumindest keine, die ich für mich greifen konnte oder wenigstens mit etwas Abstand bewundern. Das war alles fremd für mich und ich konnte kaum Bezug dazu aufbauen. Und ich musste einfach wiedermal merken: Wenn ich nicht berührt werde (positiv oder negativ), dann hat es ein Film bei mir einfach verdammt schwer...dann helfen eigentlich nur noch Zombies und davon gibt es hier keine.
Ich empfand die Geschichte, die Figuren, eigentlich alles hier seltsam, befremdlich und auch irgendwie uninteressant. Ich kann noch nicht einmal über "Arizona Dream" schimpfen, er war mir irgendwann schlichtweg egal. Ab und an ließ eine schöne Idee aufhorchen, manche Szene war herrlich träumerisch und skurril, aber der Film als Einheit konnte mir kaum etwas geben. Da gehts mir wie bei Modeln...ich weiß, dass die hübsch sind, aber ich empfinde es nicht.
Da muss wirklich jeder für sich gucken, was er aus "Arizona Dream" für sich herausziehen kann, meine Meinung ist da sicherlich nicht hilfreich. Auch meine Bewertung mag da vielleicht verwundern, aber bei aller Leere in mir, die der Film hinterließ, weiß ich, dass ich schon soviel schlechtere Filme gesehen habe...die dann aber an irgendwas in mir zumindest kratzen konnten.

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strangelet

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Bewertung6.5Ganz gut

Wenn Kusturica aus seinen vielen schön schrägen Einzelszenen immer auch genau so interessante Geschichten basteln könnte, dann wäre er einer der größten Filmemacher aller Zeiten. Leider fehlt ihm dieses Talent, und da kann halt dann auch das originellste Ideenfeuerwerk mit der Zeit ermüdend werden.

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8martin

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Bewertung2.5Ärgerlich

Die im Titel erwähnten Traumsequenzen sind noch das Beste an Kusturicas Film, den er mit seinem Kumpel Johnny Depp gemacht hat. Es ist sein schwächster. Kusturica hat seine balkanesken Wurzeln vernachlässigt und so sehen wir eine sonderbare Komik, die nur von der Optik und aufgekratzt munteren Darstellern lebt. Die bieten allerdings einen durchgeknallten Klamauk, der zwischen Albernheiten und auf melo-getrimmter Dramatik rangiert. Das ist nicht wirklich lustig, auf Dauer sogar ermüdend. Es ist aber auch keine echte Groteske, denn das persönliche Engagement der vier Hauptfiguren (abgesehen von Jerry Lewis Sondereinsatz) geht bei der Rollengestaltung so weit, dass keine Distanz mehr möglich ist. Das vertreibt den Spaß.
Eine diffuse Handlung schält sich heraus: Johnny Depp gefangen im Traum zweier Frauen. Die Ältere, Elaine, (Faye Dunaway) kriegt ihn, die Jüngere, Grace, (Lili Taylor) will ihn. Was die beiden Ladies von ihm wollen verdeutlicht die Symbolik vom ‘Fliegen‘. Die Filmausschnitte aus ‘Der unsichtbare Dritte‘, ‘Wie ein wilder Stier‘ und dem ‘Paten‘ laufen so neben der Handlung her wie Hobos, die versuchen auf einen fahrenden Güterzug aufzuspringen.
Und so hofft der Zuschauer auf das Ende, dass Kusturica aber vorerst nicht liefert, weil er selbst noch danach sucht. Und als er dann eins gefunden hat, ist das auch nicht grotesk sondern hohl, keinesfalls aber tragi-komisch. K.V.

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jetteleli

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Leider etwas viel Geschrei am Ende, aber sonst ein skurriler Film, was als Kompliment gemeint sein soll.

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f-rex

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Bewertung2.5Ärgerlich

Ich mag Filme die anders/schräg sind, hier habe ich jedoch absolut keinen Zugang gefunden. Gehört zu den Filmen die ich als Zeitverschwendung betrachte.
Schauspieler, Musik sowie das Intro waren allerdings sehr gut.

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BattlemasterIZ

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Bewertung9.0Herausragend

Eine Lebendige Tragigkomödie, die zum träumen anregt.
Stimmungsvolle Bilder, herrliche Musik, lebhafte Fantasie, originelle und surreale Szenen.
Arizona Dream ist ein richtig schöner Film.

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Smiyax

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Bewertung9.0Herausragend

Schräg, ausgefallen, ungewöhnlich, witzig und tragisch zugleich - so sollten Filme sein.

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philopee

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Bewertung7.5Sehenswert

Madness - Welcome to the House of Fun

Ein anschauliches, schmuckes Haus in Arizona. Im Norden Wüste, im Osten Wüste, im Süden Wüste und im Westen ein riesger Baum, und dahinter Wüste. Axel, hervorragend gespielt von Johnny Depp, lebt in dieser Villa Kunterbunt mit zwei extravaganten Damen zusammen. Doch es ist alles anders als es scheint. Diese Frauen sind nicht nur zwei Frauen. Man hat das Gefühl sie besitzen beide unzählige Charaktere die in zwei verschiedenen Körpern gefangen sind. Dann wiederrum scheint es als ob es sich nur um einen Charakter handelt, der gleichzeitig in zwei Körpern gefangen ist. Krieg und Frieden, in ständigem Wechsel. Erst russisch Roulette und dann Geburtstagskuchen. Faye Dunaway und Lili Taylor spielen diese stark desorientierten Frauengestalten mit einer wahnwitzigen Prägnanz, die perfekt auf die komplizierten Charaktere zugeschnitten zu sein scheint. Dazwischen Johnny Depp der sich nicht traut, sich auf eine der extravaganten Damen festzulegen und sich deswegen mal bei beiden gemächlich anschleicht.
Untermalt wird das Ganze von wunderbar ausgearbeiteten Traumfantasien mit einem großartigen Soundtrack. Traum ist Traum, Wirklichkeit ist Wirklichkeit. Oder nicht? In "Arizona Dream" sind die Übergänge fließend. Viele Dinge in diesem wunderschönen Haus scheinen schlicht und ergreifend eine weitere wunderschöne Traumfantasie zu sein, weil man sich nicht vorstellen mag, dass erwachsene Menschen tatsächlich solche Tagträumer sein können. Im nächsten Moment passieren wieder schreckliche Dinge die einen glauben lassen, die Protagonisten seien in einem Albtraum gefangen, dem sie zu entkommen versuchen. Klärung dieser Umstände gibt es von Seiten des Regisseurs und Drehbuchautors Emir Kusturica keine. "Arizona Dream" lässt zu viel offen um sich wirklich festlegen zu können, was Traum ist und was real passiert.
Doch eines steht auf jeden Fall fest: "Arizona Dream" ist ganz großartig ausgearbeitet, bietet neben Kakteen, Schildkröten, einem Akkordeon und einer genialen Hitchcock-Persiflage auch wunderschöne Bilder, die den Zuschauer selbst seinen ganz eigenen Arizona Dream erleben lassen.

"Im a big boy now, of so they say, so if you serve me I'll be on my way."

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russell

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ein sehr schöner kommentar zu einem sehr schönen, ungewöhnlichen film.
was ich nicht verstehe: wieso ist der film bei DEM kommentar für Dich trotzdem bloß "sehenswert" ?


QueenOfEverything

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Arizona Dream – meine erste Liebe
>>> Warnung: Weder objektiv, noch cineastisch wertvoll oder frei von Informationen, die eigentlich niemand haben wollte.<<<
Manche Filme sind Meilensteine. Vielleicht nicht für die Geschichte des Films – aber für die Filmgeschichte Deines Lebens. Für mich ist Arizona Dream so ein Meilenstein.
Jeder, der Filme ein bisschen mehr liebt und für den Filme ein bisschen mehr sind als pure Unterhaltung, hat sich irgendwann mal von den altbekannten, ausgetrampelten Pfaden der Massenware gewagt. Oder er ist nur mal kurz stehen geblieben, hat sich die Gegend angeguckt, den Anschluss an die Gruppe verloren und ist dann aus Versehen alleine auf dem etwas holprigeren Pfad gelandet. Letzteres ist mir passiert.
Irgendwann Mitte der Neunziger entdeckte ich in der Fernsehzeitung einen Film namens Arizona Dream und beschloss, den unbedingt sehen zu müssen. Keine Ahnung worum es geht, aber Johnny Depp spielt mit. Ich war damals ungefähr 14 und hatte eine ausgewachsene, inzwischen wieder raus gewachsene, voll-süß-Zuneigung zu Herrn Depp. Da der Film, wie bei solchen Filmen meist üblich, irgendwann wochentags mitten in der Nacht auf irgendeinem Öffentlich-Rechtlichem lief, wurde also der Videorekorder programmiert und ab ins Bett. Am nächten Tag nach der Schule (aber vor den Hausaufgaben, muhaha…) saß ich dann in freudiger Erwartung vor dem großen Röhrenfernseher und freute mich auf „21 Jump Street – Der Film“.
Was ich bekam: Johnny Depp, der zwar immer noch voll süß war, aber plötzlich Fische zählte und Hühnergeräusche machte. Einen kauzigen, alten, Grimassen schneidenden Mann, der Cadillacs bis zum Mond stapelt. Eine eigenartige Frau, die mit einem Handtuch auf dem Kopf Akkordeon für ihre Schildkröten spielt. Einen Typen, der mir aus einer Calvin Klein Werbung irgendwie bekannt vorkam, der sich auf eine Bühne stellt, sich dann auf dem Boden wirft und behauptet, das sei große Kunst.
Niemals zuvor hatte ich etwas dermaßen augenscheinlich Beklopptes gesehen. Und verstehen mochte das auch wer will. Aber irgendwie war Arizona Dream so viel betörender als alles andere, was ich damals so unter Film verstand. Während es sonst nur immer darum ging, dass entweder ein mutiger Held die ganze Welt vor dem sicheren Untergang rettet oder ein Loser ein schönes Mädchen kriegen wollte, ging es hier um… naja, worum es genau ging, wusste ich nicht, aber bestimmt war es wahnsinnig tiefsinnig. Es ging ums Träumen. Und um Fische. Und Schildkröten. Und dass Fische und Schildkröten nicht das Selbe träumen. Oder so. Ich glaube, ich muss den Film damals für die nächsten Wochen fast täglich geguckt haben – jedenfalls deutet die Bildqualität der heute noch vorhandenen VHS darauf hin. Und jedes Mal wuchs mir Arizona Dream mehr an mein 14 Jahre junges Herz – und zwar bis in die Tiefen meines Herzens, in die jemand wie der voll süße Johnny Depp nie hingekommen wäre. Meine erste Liebe war absurd, skurril, verspult, lustig, traurig, assoziativ, poetisch, einfach wunderschön. Begleitet von einer Filmmusik, die mir heute noch direkt unter die Haut geht.
Ich möchte hier gar nicht so sehr auf den Inhalt des Films eingehen und zu einem objektiven, analytischen Kommentar wäre ich wegen Befangenheit gar nicht fähig. Und vielleicht würde ich, wenn ich ihn heute zum ersten Mal sehen würde, mit Arizona Dream weniger unkritisch ins Gericht gehen. Doch ich werde diesen Film immer lieben, weil er mich Herzblut hat lecken lassen. Er hat mir die Tür zu Filmen abseits des Gradlinigen geöffnet, mir den Spaß am erstmal nicht verstehen sondern nur fasziniert sein näher gebracht. Plötzlich wollte ich wissen, was es außerhalb des McDonalds-Filmheftchens noch so gab. Filme, deren Hauptdarsteller noch nie in der Bravo waren, hatten auf einmal eine Chance. Ich sage nicht, dass mich das zu einem Arthouse-Junkie gemacht hätte oder dass ich ab da keinem Hollywood-Millionen-Blockbuster mehr was abgewinnen konnte. Und bestimmt bin ich nicht mal ansatzweise eine große Filmkennerin, noch eine Fachfrau für den anspruchsvollen kaukasischen Kunstfilm oder Vergleichbares. Ich behaupte auch nicht, Arizona Dream sei der künstlerisch wertvollste, großartigste Film aller Zeiten. Doch er hat mich geprägt und ohne ihn würde ich heute vielleicht nur für 3D-Filme von James Cameron oder für RomComs mit Jennifer Aniston ins Kino gehen – wer weiß?
Für alle, die sich tapfer durch meine Jugenderinnerungen bis hier hin gelesen haben: Ich bin mir der Unsachlichkeit und sentimentalen Überwürzung dieses kleinen Berichts absolut bewusst. Und vielleicht findet ihr, dass Arizona Dream kein Film ist, dem man eine Liebeserklärung schreiben muss. Aber ich bin sicher, dass jeder von Euch irgendwann mal einen Film gesehen hat, nach dem ihr jeden darauf folgenden Film mit anderen Augen gesehen habt, der irgendeinen Schalter bei Euch umgelegt hat. Und bei mir war es eben dieser. Vielen Dank Emir Kusturica, die erste Liebe vergeht nie.

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Sabrina Schütz

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Wahnsinn. So ein wunderbarer Kommentar.


francisco

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Einer der besten Kommentare auf Moviepilot! Genau meine Gedanken, aber ich hätte es wohl nicht so niederschreiben gekonnt. :-)



Deine Meinung zum Film Arizona Dream