Bad Boy Kummer

Bad Boy Kummer (2010), CH
Laufzeit 92 Minuten, FSK 0, Dokumentarfilm, Kinostart 05.05.2011

6.4 Kritiker
6 Bewertungen
Skala 0 bis 10
6.0 Community
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von Miklós Gimes, mit Tom Kummer

‘Sind deine Titten echt oder nicht?’. Als Journalist wäre man bei jeder Zeitschrift raus geflogen, wenn man sich getraut hätte, Pamela Anderson diese Frage zu stellen. Tom Kummer wollte das Risiko nicht eingehen und entschloss sich, Interviews frei zu erfinden oder aus vorhandenem Material neu zusammenzusetzen. Der Dokumentarfilm Bad Boy Kummer lässt die Laufbahn von dem Journalisten Tom Kummer noch einmal Revue passieren.

Im Jahre 2000 brach einer der größten Presseskandale los, als bekannt wurde, dass mehrere Interviews, u. a. mit Sharon Stone, Sean Penn oder Bruce Willis gefälscht waren.Es ist unglaublich, dass Tom Kummer damit durch kam. Unglaublicher noch, dass er immer weiter machte. Er musste damit rechnen, dass sein Schwindel irgendwann auffliegen würde. Wie konnte das vier Jahre lang gut gehen? Das hat sich auch Regisseur Miklós Gimes gefragt. Er wurde selbst von Tom Kummer reingelegt.
Für den Dokumentarfilm Bad Boy Kummer machte er sich auf die Suche – nach alten Kollegen und nach der Frage: Wie konnte das passieren?
“Er hat zwar ein wirklich gestörtes Verhältnis zur Realität und lügt, wenn es sein muss, wie gedruckt, aber sicher ist er ein guter Erfinder von Interviews. Die Stars sind gut weggekommen. Und nicht nur das, sie haben ja auch viel interessanter gesprochen als sie es normaler Weise tun würden.”, sagt Miklós Gimes, wenn er über die Taten von Tom Kummer spricht.
Tom Kummer amüsiert sich heute noch über seine Fälschungen. Doch es passte gut in eine Zeit, die den “subjektiven Journalismus” entdeckte. Mitte der 80er suchte man neue Formen der Berichterstattung – und legte Wert auf die eigene Sicht des Reporters. Besonders unter Popjournalisten, wie beim Szene-Heft “Tempo” und dem Magazin der Süddeutschen Zeitung.
Bad Boy Kummer Miklós Gimes ist keine Abrechnung, es ist eine faszinierende Recherche über einen charismatischen Betrüger und karrierebewusste Redakteure – eine ziemlich beunruhigende Entwicklung über die Machenschaften im Promi-Journalismus.

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Kritiken (6) — Film: Bad Boy Kummer

Claudia Lenssen: epd Film, Tagesspiegel Claudia Lenssen: epd Film, Tagesspiegel

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6.5Ganz gut

In Bad Boy Kummer, einem an der Oberfläche surfenden Porträt, nimmt Miklós Gimes die Spur des Hochstaplers in Los Angeles auf. Als stellvertretender Chefredaktor des Züricher »Tages-Anzeigers« war er einer der geleimten Bewunderer von dessen Schreibe, zehn Jahre später wirkt die Faszination für Kummers Charisma nicht zuletzt in dem Stil fort, mit dem er seinen Film als visuellen Trip durch Kummers Los Angeles aufpeppt. [...] Amüsant sind alle Szenen, in denen Kummer die inkriminierten Texte hervorkramt und mit sichtlichem Spaß an seinen Parodien vorliest.

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Jan Schulz-Ojala: der Tagesspiegel Jan Schulz-Ojala: der Tagesspiegel

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6.5Ganz gut

Bad Boy Kummer stellt sich dem Recherche-Dilemma schwungvoll, listig, hoch unterhaltsam: mit Kummer’schen Kindheitsfilmchen und schicken Splitscreens, mit echten Interviews und arrangierten Alltagsszenen – und mittendrin irrlichtert der hochaufgeschossene, hagere SpielerSchizo herum, irgendwie interessant und dann wieder recht öde hinter der Woody-Allen-Brille und unterm lichten Krissellockenhaar. Und der Film scheitert. Aber scheitert grandios. Alle Fragen sind gestellt, selbst jene spannenden, ob Kummers Abnehmer damals selbst Mitwisser waren; aber sie bleiben offen – nicht zuletzt, weil manche der damals zeitweise Karrieregeschädigten ums Verrecken nicht vor die Kamera wollten.

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Hitmanski: It's just a film, Reihe Sie...

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7.0Sehenswert

[...] BAD BOY KUMMER von Miklós Gimes, dem ehemaligen Vize-Chef beim Magazin des Zürcher “Tages-Anzeigers” und laut Kummer „einer der bedeutendsten Chefredakteure der Schweiz“, also selbst ein beruflicher Weggefährte oder vielleicht auch Opfer Kummers – ist nur vordergründig die Dokumentation der Vergangenheit seines einstigen Schützlings. Weitaus mehr ist der Film auch ein Annäherungsversuch hinsichtlich des „Phänomens Kummer“ selbst. An Ereignis-Rekonstruktion und Personen-Biographie zeigt sich das Kinodebüt des ungarischen Regisseurs dabei wenig interessiert, vielmehr arbeitet er sich mit Archivmaterial und diversen Interviewschnipseln langsam aber sicher zum Antrieb und zur Motivationsquelle seines Forschungsobjektes vor: Als Regisseur der Wirklichkeit, als journalistischer Grenzensprenger zwischen Fiktion und Realität, als Punk im Establishment sieht Tom Kummer sich selbst. In seinen gefälschten Reportagen und Interviews erkennt er weniger Betrug, denn kreative Kunst – bis heute. [...]

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der cineast

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Hit wieder da. Uiii


Hitmanski

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Ich bin wie Westernhagen: "War nie wirklich weg, hab mich nur versteckt"


A. Resch

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6.5Ganz gut

Neben der Frage nach Schuld und Sühne schreitet dieser Film, so ganz nebenbei, wesentliche Stationen aus Kummers Biografie ab. Man erfährt vom frühen Tod des Vaters, von einer gescheiterten Tennis-Karriere. Davon, wie er Anfang zwanzig nach Berlin auswanderte und dort in der Performancekunstszene eine neue Heimat fand, wie er bald für das damals sehr angesagte Magazin Tempo zu schreiben begann. Aus diesen Zusammenhängen heraus begreift man dann auch besser, wenn Tom Kummer erzählt, er habe beim Fälschen seiner Interviews leere "Hülsen wie ein Regisseur" beim Filmemachen gefüllt.

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Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte... Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte...

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8.0Ausgezeichnet

Der ungarische Regisseur Miklós Gimos, damals als stellvertretender Chefredakteur des Züricher Tagesanzeigers einer von Kummers Auftraggebern, ließ sich von persönlicher Neugier inspirieren. Er wollte wissen, warum der größte Schwindler der Mediengeschichte bis heute keine Reue zeigt. Doch ist ihm ein weit bedeutenderer Film geglückt als lediglich das individuelle Porträt eines Hochstaplers. Ohne dass es ihm vielleicht bewusst ist, legt Regisseur Gimos unterschwellig den Finger in die Wunden einer ganzen Branche.

Zweifellos wurde der Skandal nur möglich, weil letztlich alle daran mitstrickten: karrierebesessene Redakteure, Filmverleihe, die von der denkbar besten PR profitierten, nicht zuletzt die Leser, die mit ihrer großen Nachfrage die Auflagen steigerten. Allein die Tatsache, dass nur wenige Redakteure, die sich von Kummer an der Nase herumführen ließen, an diesem Film mitwirken wollten, spricht Bände. Zumal der Filou im Laufe der Jahre immer kecker wurde, seinen Stars zunehmend unglaubwürdigere, kuriosere Ansichten in den Mund legte. In seinem vielleicht aberwitzigsten Text behauptete der Boxer Mark Tyson, er habe hohe Literatur von Hemingway gelesen und im Gefängnis proteinhaltige Kakerlaken gegessen. Mussten nicht auch die Blattmacher über solchen Unsinn stolpern?

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Volker Mazassek: programmkino.de Volker Mazassek: programmkino.de

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4.0Uninteressant

„Gute Unterhaltung“ - das ist Kummers Botschaft, die er über 92 Minuten variiert, in Gesprächen mit alten Freunden und ehemaligen Auftraggebern. Es wirkt stets so, als sei Kummer ein bisschen beleidigt, dass niemand seine Genialität versteht. Dass er die Grenze zur Fiktion überschritt, mag auch am Milieu liegen, in dem er sich bewegte. [...] Regisseur Miklós Gimes versäumt es auch, einer reichlich lang zurückliegenden Geschichte über einen Skandal-Autor mit der Frage nach der Seriosität im Medienwesen zu mehr Tiefe und Aktualität zu verhelfen.

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Kommentar — Film: Bad Boy Kummer

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Tobias

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Bewertung2.5Ärgerlich

Die Geschichte Kummer hat mich immer fasziniert, aber dieser Film ist eine seichte, uninspirierte und lauwarme Zumutung. Dem Filmemacher geht es mit Kummer genau wie Kummer mit den Hollywood-Stars: er kommt zwar nahe an sie heran, aber eben nur an ihre Oberfläche. Und darunter gähnt die Leere.

Die ganze Zeit behauptet der Film etwas zu erklären, etwas zu verstehen, etwas geheimnisvolles, gefährliches zu beobachten, aufzudecken - und hat dabei einen unerträglich anbiedernd verschwörerischen Ton. Aber Pustekuchen. Tom Kummer fährt Auto. Tom Kummer zeltet mit der Familie. Tom Kommer hat lustige Mützen auf. Tom Kummer spielt Paddle Tennis. Tom Kummer kratzt sich kurz im Schritt. Tom Kummer ist immer in Bewegung. Tom Kummer lässt die Luft aus einem Tennisball. Wow.

Stars sind nicht spannend. Sie sind das Produkt unserer Träume und Phantasien. Das hat Kummer immer verstanden und mit seinen gefälschten Interviews meisterhaft bedient. Aber Kummer selbst ist eben auch nicht spannend. Seine Inszenierung vor zehn Jahren war deutlich größer als er selbst.

Vielleicht hätte der Regisseur von "Bad Boy Kummer" sich auch irgendwas aufregendes zusammenlügen und -betrügen sollen. Denn da ist nichts. Nichts. Und der Film ist eine einzige ärgerliche, oberflächliche Behauptung. Und lässt vermutlich völlig ungewollt jegliche Luft aus seinem Protagonisten, der geradezu mickrig wirkt im Vergleich zu dem ganzen Zirkus um ihn vor zehn Jahren.

Nach endlosen 90 Minuten wird einem am Ende einfach nur klar, wie lächerlich das alles war und ist. Dieser ganze Zirkus.

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