Barbara - Kritik

Barbara

DE · 2012 · Laufzeit 108 Minuten · FSK 6 · Drama · Kinostart
  • Our Daily Free Stream: Christian Petzold - Barbara (engl. subt.). Die Frau sitzt im Park, die Beine übereinander geschlagen, rauchend, entspannt. Zwei Männer beobachten sie von oben aus dem Fenster und diskutieren: "Wäre sie sechs Jahre alt, würde man das Schmollen nennen"; sagt der eine über sie. "Ihre Inhaftierung wirkte sich zersetzend auf ihren Freundeskreis aus". Die Dame wird die beiden Männer treffen. "Sie wird nicht eine Minute zu früh kommen. Sie ist eben so". Ein redegewandter Austausch - genauso eloquent gefilmt. Wir sehen die Frau während einer langen Einstellung von oben. Sie weiss, dass sie beobachtet wird. Ihre "Entspannung", nichts als Theater. So funktioniert die Eröffnungs-Szene in Christian Petzolds psychologischem Thriller Barbara. Spannung und Atmosphäre werden präzise dargestellt durch Petzolds Minimalismus. Wie so oft in seinen Filmen spielt Nina Hoss die Titelfigur. Die strenge Blondine verkörpert eine Ärztin, die verhaftet wurde, weil sie ein Visum beantragte. Sie lebt in einem Apartment, das ihr der Staat zuteilte unter permanenter Aufsicht der Stasi. Wir befinden uns in Ost-Deutschland 1980. Die Klinik, in der Barbara arbeitet, wird geleitet durch den freundlichen und attraktiven Andre (Ronald Zehrfeld). Er ist Informant der Staatssicherheit, wohl aber kein Überzeugungstäter. Gern würde er selbst mal nach Den Haag reisen, um einen Rembrandt im Original zu betrachten. Doch er weiss, dass solch eine Reise in weiter Ferne steht. Andre erinnert sich noch ganz genau an Barbaras erste Schicht, als sie bei einem Mädchen (Jasna Fritzi Bauer) Hinrhautentzündung diagnostizierte. Die kühle Blondine - während der Arbeit wandelt sie sich zu einem ganz anderen Menschen. Das Mädchen, das aus einem sozialistischen Camp floh, sie bekommt die freundschaftliche Unterstützung Barbaras. Nachts liest sie der Patientin vor aus Huckleberry Finn (wohl bemerkt!). Nina Hoss, die wohl grösste deutsche Schauspielerin ihrer Zeit! Angespannt, nervös, von leuchtender Intelligenz. Dann fliegt ein Lächeln über ihr Gesicht - dessen Schönheit uns ganz warm ums Herz werden lässt. In so vielen Petzold Filmen spielte Hoss bis heute, nie aber zeigte sie uns einen Charakter zwei Mal. - In der DDR um 1980 ist keinem Menschen zu trauen. Das Gefühl dieser Bedrücktheit, Petzold lässt es durch sein Sound Design ganz nahe an uns herantreten. Nie habe ich das Geräusch einer Türklingel so schaurig gehört! Der Wind, das Echo von Schritten, das Geräusch von Fahrradreifen auf einem Kiesweg... Petzold verzichtet auf einen Score. Musik hören wir nur aus dem Radio - wenn Barbara ihr neues Gerät allein in ihrer Wohnung ausprobiert. Barbaras Vermieterin starrt ihr mit kaltem Blick hinterher, aufeinmal erscheint unangemeldet ein Klavierstimmer. Barbara rastet aus - jeder menschliche Kontakt bedeutet hier Gefahr! Alles erregt Verdachtsmomente. Die heimliche Romanze zwischen Barbara und Andre; wir haben permanent das Gefühl, sie würden auffliegen. Barbara, ein Film mit Suspense - ohne aber die üblichen Genre-Formeln zu benutzen. Einmal untersucht Andre einen Jungen, der sich umbringen wollte. Andre gesteht Barbara, dass etwas schief laufen würde. Man könnte das auf den gesamten Film übertragen. Etwas läuft schief in der DDR und jeder kann es spüren. Barbaras Welt und die aller DDR Bürger ist die der totalen Kontrolle. Es gibt eine Diskrepanz zwischen "privat" und "öffentlich". Petzold ist der Meister im Kreieren solch unterschwelliger Spannung. Sie ist nicht einfach so aufzulösen, noch können wir sie geradeaus benennen. Es hilft uns nicht einmal weiter, in die Charaktere einzudringen. Nie hat Petzold dieses Kunststück weiter vorangetrieben als in Barbara!

    • 8

      Das Skript stammt von Christian Petzold und Harun Farocki, basierend auf der Novelle Barbara des Österreichers Hermann Broch (1889–1951). Christian Petzold und Nina Hoss arbeiteten bereits an mehreren Filmen gemeinsam. Als Christian Petzold das Buch in einem Schaufenster sah, wusste er gleich, dass Nina Hoss die Rolle spielen sollte, wie er in einem Interview sagte. Die Rolle der Barbara legte er fast schon nüchtern und unnachgiebig an, was die Stimmung in der damaligen Zeit gut widerspiegeln dürfte. Vielmehr lebt man aber durch die Blicke und das Atmen von Nina Hoss, welche eine emotionale Ausdruckskraft in ihre Rollen legt, die Seinesgleichen sucht. Ronald Zehrfeld, der hier erstmals einen Gebildeten spielen darf, harmoniert, wie auch in „Phoenix“ (2014, ebenfalls Christian Petzold), wunderbar mit seiner Kollegin. Er fügt seiner Rolle eine eher nach außen gerichtete Emotionalität hinzu, die immer darauf abzielt, dieselbe auch bei Barbara zu wecken. Einzelne Worte, die beide miteinander austauschen, sprechen im wahrsten Sinne des Wortes Bände. Diese Sinnlichkeit schlägt sich auch beim Hören nieder. Man möchte zwischendurch am liebsten die Augen schließen und alle den kleinen Geräuschen lauschen, die aber auch dafür sorgen, dass sich die Spannung gleichbleibend durch den Film zieht. Dazu fügen sich die schönen Landschaftsaufnahmen als Verkörperung von Barbaras Sehnsucht wunderbar in die Szenerie ein.

      Barbara entfaltet mittels Musik und natürlicher Schönheit eine große Kraft und Attraktivität, die sich zum Sog entwickelt, vor allem sobald Nina Hoss im Bild ist. Barbaras distanzierte Art weicht manchmal einem leichten Zögern. Diese leisen zaghaften Emotionen ziehen sich durch den ganzen Film und durch die Geräuschkulisse und dem weitestgehenden Fehlen von Musik, kann man sich dem ganz hingeben. Die Stimmung in der DDR fängt sich in dieser zögerlichen Anziehung zwischen André und Barbara, die als Stabilisator zwischen Misstrauen und Angst dient. So sagt Christian Petzold uns eigentlich: Egal in welchem “Gefängnis” man sich wähnt, wenn man es verlassen möchte, fallen einem die schönen Dinge ein, die man vielleicht erlebt hat und die Beziehungen, die man gepflegt hat. Das Gefängnis bekommt auf einmal einen anderen Wert. Es kann einem diese Erinnerungen nicht nehmen, nicht verleiden, denn sie stehen für sich selbst. Darin auch etwas Schönes zu sehen, versöhnt uns letztlich mit uns selbst und ist der größte Widerstand, den wir aufbringen können.

      5
      • 6

        Durchschnittliches deutsches Betroffenheitskino mit fantastischem Ensemble und wenigen Dialogen. Das wird mit der Zeit aber ein bisschen langweilig. Und der Ost-West-Konflikt, der hier den Fokus der Geschichte bilden soll, bleibt eher verhalten im Hintergrund. So richtig DDR lastig ist das alles nicht. Und damit meine ich nicht, dass die übertriebenen DDR-Klischees aus allen Szenen springen sollen. Es könnte aber hilfreich sein, um Barbara besser zu verstehen. Der Film könnte auch in jeder anderen Zeit spielen, das würde gar keinen großen Unterschied machen.
        Schön erzählt mit eindrucksvollen Bildern.

        • 8 .5
          Andiko78 24.10.2014, 19:42 Geändert 25.11.2014, 11:11

          Ich denke der Film trifft perfekt die Stimmung, zur damaligen Zeit in der Provinz der DDR. Viel Liebe fürs Detail. Nina Hoss und Ronald Zehrfeld harmonieren optimal miteinander. Es baut sich auch eine gewisse Spannung auf, gutes Storyboard. Schön und fast passend wie die Faust aufs Auge, finde ich den Track im Abspann von Chic "At last im free". Wundervoller Film von Christian Petzold. Ich finde es schade, das solche deutschen Produktion nicht beachtet werden wie sie es verdient hätten.

          • 6

            ja ... war ja ganz interessant .... nur teilweise ein bisschen langweilig ...

            1
            • 9

              Drei Gründe sprechen dafür, dass dieser Film eine Klasse für sich ist. Er trifft punktgenau die Atmosphäre in einem totalitären Staat. Und das bezieht sich nicht nur auf die frühere DDR, sondern kann generell gelten. Dann sehen wir mit Nina Hoss in der Titelrolle eine hervorragende Hauptdarstellerin. Getoppt wird das Ganze durch einen Schluss, der sowohl völlig unerwartet kommt, als auch ein Plädoyer für Opferbereitschaft bis zur Selbstverleugnung ist und damit einen ideell hochstehenden Wert beansprucht und über den eigenen Tellerrand der Vorteilssuche hinausgeht.
              Die Menschen sind extrem wortkarg, sehr zurückhaltend und verschlossen. Sie sind misstrauisch und selbst die Natur scheint feindlich zu sein. (stürmische Winde). Nach einer halben Stunde fällt das erste klärende Wort ‘Ausreiseantrag‘. Es folgen weitere Anspielungen bis der Zuschauer erkennt, es geht hier um das DDR-Thema Nummer 1 ‘Republikflucht‘.
              Abgeleitet von der zentralen Figur Barbara speist sich die Spannung aus mehreren Quellen: Kollege Reiser (Ronald Zehrfeld) zwischen Liebe und Stasimitarbeit?! Später terminliche Überschneidungen: Operationsassistenz oder Fluchtplan?! Dazu immer wieder die schikanösen Hausdurchsuchungen.
              Petzold beweist einmal mehr sein Talent mit der überraschenden Wende am Ende gefolgt vom schweigenden sich Gegenübersitzen von Barbara und Dr. Reiser. Man spürt was sie durchmachen… Zeitlos, spannend, wertvoll.

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              • 5

                Was mir gefehlt hat, war ein gewisses authentisches "DDR Feeling", wie man es z.B. bei "Das Leben der anderen" noch hatte. Gut, der Film spielt in der Provinz und ja, die Kulissen waren auch gut gewählt, trotzdem wäre ich ohne Vorwissen zunächst nicht drauf gekommen, dass der Film überhaupt im Osten spielen soll. Genauso wenig fühlte ich mich in das Jahr 1980 zurückversetzt, in dem die Handlung nunmal angesiedelt ist. Liegt vielleicht auch an den Darstellern, die mir allesamt sehr modern (auch ihr Sprachduktus) und sehr "Heutzutage" vorkommen. Ein paar liebevoll gesetzte Akztente (Dialekt, der gerade auf dem Lande stärker vertreten ist, Musik, Mode zu jener Zeit) hätten dem ganzen vielleicht auch ein wenig mehr Kontext-Anstrich verliehen. Abgesehen von ein paar VoPo-Auftritten und kurzen Horch&Guck-Besuchen hätte es mich nicht gewundert, wenn die Geschichte in einer heutigen ländlichen Gegend spielt. Die Figuren blieben mir nur bedingt sympathisch. Barbara selbst ist unterkühlt und kaum zugänglich, es bleibt schleierhaft, warum sie sich so aufopferungsvoll um ihrem Schützling Stella kümmert - eine Rolle, die man finde ich auch gut hätte weglassen können. Eigentlich sagte mir nur Ronald Zehrfeld (André) zu, der sicherlich nuancierteste Charakter.
                Einen echt mitreißenden und unter die Haut gehenden Ost/West-Konflikt kann ich in diesem Film nicht ausmachen. Sicher, Stella will raus, Barbara auch. Sagen sie. Aber ist das packend inszeniert? Ich finde leider, da hat die Filmwelt besseres zu bieten. Die Sonne dreht sich hier jedenfalls doch zu sehr um die dank gescheitertem Ausreiseantrag aufs Land versetzte Barbara, ihren Frust darüber, der sich in leisen, dialogarmen Bildern ausdrückt, in denen sie mit dem Fahrrad über windige Wald-Dünen-Panoramen fährt. Und ihren unbefriedigenden Alltag, der zweifelsohne dröge wirkt. Echte Probleme mit dem Regime sind hier aber eher Nebenschauplatz, während sie dagegen eine Beziehung mit André aufbaut. Entsprechend ärgerlich fand ich dann auch das Ende, das wiederum die Frage aufwirft, wie groß ihr Leidensdruck denn eigentlich war.

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                • 8 .5

                  Ein trotz des ruhigen Erzähltempos durchgängig spannender Film mit guten Darstellern. Wer Spannung mit Schießereien und Explosionen gleichsetzt, ist hier natürlich falsch.

                  • 4

                    Langweilig, langweilig und langweilig.

                    • 8

                      da steht man monatelang vor dem DVD-Cover und überlegt, ob man ihn sich ansieht und ob man gerade in der Stimmung ist für ein DDR-Drama und dann bekommt man grandiose Dialoge und eine spannende Geschichte in einer DDR, die man in Goodbye Lenin nie sehen würde.

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                      • 1 .5

                        Ein Film, wie er deutscher kaum sein könnte: die Tragik trieft aus jedem hölzernen Dialog. Und so quält er den Zuschauer zum vorhersehbaren Ende.
                        Wer das Genre des bleiern schweren Sozialdramas mag, könnte auch an diesem Klotz gefallen finden.

                        • 5

                          Thematisch streckenweise sehr interessant, aber diese knochentrockene Inszenierung langweilt mich fürchterlich. Schade, wäre sonst für mich eine der besten Auseinandersetzungen mit der DDR im Film die ich kenne gewesen.

                          • 4

                            Er kann es nicht, er kann es nicht, er kann es nicht...der Petzold!! Wieder mal ein zähes, endlos durchgekautes und ach so beklemmendes, aber leider ausgelutschtest Kaugummi. Ob es nun Yella, Jerichow oder Dreileben ist: Heisse Luft und noch mal drei Kübel oben drauf. Der Kommentar weiter unten von "Ichundso" trifft das Ganze mal.BINGO!

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                            • 8

                              Nur eine Anmerkung: NINA HOSS ist atemraubend!

                              • 5

                                Der Film verspricht mehr als er dann am Ende halten kann. Es wird sehr schön ein Spannungsbogen aufgebaut, am Ende bleibt aber nichts über als die Liebesgeschichte (?).

                                • 9

                                  Ich mag den Film.
                                  "DDR" ist in diesem Film nur der Name des Spielfeldes, auf dem ein heutiges Spiel gespielt wird.
                                  Das Spiel heißt: "Vertrauen & Misstrauen und die Möglichkeiten, die durch ein gesundes Misstrauen eröffnet werden können."
                                  Durch die Augen von Barbara und André kann ich in ihre Welt einsteigen.
                                  Barbaras Pedalarbeit gibt das richtige Tempo an.

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                                  • 8

                                    "Barbara" ist ein Film, der trotz seiner betont nüchternen und unaufgeregten Erzählweise den Zuschauer vor allem durch die Beziehung zwischen Barbara und Andre zu fesseln vermag. Weder Zuschauer noch Protagonistin können sich sicher sein, wem sie vertrauen können. Das Petzold die Menschen, die Barbara auf mehr oder weniger subtile Weise das Leben an ihrem neuen Wohnort zur Hölle machen, nicht verurteilt, sondern Bilder und Erzählung für sich sprechen lässt, ist dem Regisseur hoch anzurechnen. Lediglich gegen Ende wird die Situation etwas überdramatisiert, was allerdings durch Hoss' exzellentes Spiel ohne weiteres aufgefangen wird.

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                                    • 6

                                      So nun hab ich fast alle 2012er gesehen und kann mich vor der erneuten Heraufbeschwörung der ehemaligen DDR nicht mehr drücken. Auf der Habenseite steht eine glaubwürdig und zu gleichen Teilen still/verzweifelt wie auch wütend spielende Nina Hoss, eine gut eingefangene Stimmung des damaligen Arbeiter und Bauern- Staates (speziell in seiner Bezugnahme zum Westen) und eine staubtrockene Atmosphäre die irgendwie ernüchternd wirkt. Negativ aufgefallen sind mir die, für meinen Geschmack zu langen Einzelaufnahmen und der restliche Cast, dem ich wirklich wenig positives wirken attestieren kann. Alles in allem nicht wirklich mein fall, aber wer die etwas dröge "Berliner Schule" in all iohren Nuancen kennt und schätzt wird sicher zufrieden sein mit Petzolds nüchterner Romaninterpretation.

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                                      • 8

                                        Man fühlt sich als Zuschauer selbst regelrecht beengt durch die im Zusammenspiel von Musik, Toneffekten und Bildern geschaffene DDR-Atmosphäre. Großes kleines Kino.

                                        • 9 .5

                                          Großartiger Film!
                                          Nachdem ich ihn im Kino verpasst hatte, habe ich ihn mir im Flugzeug von Indien nach Berlin angesehen. Trotz dem kleinen Bildschirm und obwohl ich sehr müde war, hat der Film mich total gefesselt!
                                          Christian Petzold schafft es immer wieder, mich mit seinen ruhigen, athmosphärischen Bidlern und existentiellen Geschichten in den Bann zu ziehen. Manches bleibt ungeklärt und macht den Film umso spannender, man muss einfach mitdenken und seine Phantasie einschalten.
                                          Klasse!
                                          Ach ja, die Schauspieler auch diesmal wieder super gespielt!

                                          • 8

                                            [...] Petzold entschied sich bewusst gegen das neumodische Kriegs- und DDR-Grau, das sich in den Filmen der letzten Jahre eingebürgert hatte. Eine sehr kluge Wahl, denn so überträgt sich die Aura der Ungewissheit nicht nur in die stillen Momente zwischen den Figuren, sondern auch in die windige Ebene der DDR-Landschaft oder das Grün des dichten Laubwaldes. Das Drehbuch betont die leicht paranoide Ausgangslage von Barbara, ohne sie jemals zu überspitzen: Die Kritik an der DDR und ihrem System wird hier so beiläufig erzählt wie die einfühlsame Art, mit der Barbara ihren Patienten gegenübertritt. [...]

                                            • 8

                                              "Barbara" ist ein Film, auf den man sich einlassen muss. Der Spannungsbogen wird geschickt aufgebaut und gesteigert. Allerdings dauert es, bis man als Zuschauer überhaupt Fuß in diesem Film gefasst hat. Im Gegensatz zu "Wir wollten aufs Meer" wird hier weniger plakativ erzählt, die Charaktere bleiben auf Distanz, man erfährt längst nicht alles von ihnen.

                                              Bei Regisseur Christian Petzold geschehen die Dinge mehr beiläufig. Der tägliche Wahnsinn der DDR-Diktatur wirkt dadurch noch beängstigender. Als aufmerksamer Betrachter, der nur Demokratie erlebt hat, stellt man sich gerade in der zweiten Hälfte des Film zwangsläufig die Frage, wie man selbst gelebt und reagiert hätte. Im Laufe des Films enstehen auch mehrere Spannungsbögen, es wird an mehreren Fronten gekämpft. Doch alles gehört zusammen und wird am Ende zu einem Ganzen zusammengeführt.

                                              Selbst das Ende ist recht unspektakulär und trotzdem berührend. Das einige Fragen offen bleiben, ist nur selbstverständlich. Und trotzdem hätten wir uns mit unseren Sehgewohnheiten und unserem Gerechtigkeitssinn etwas mehr Klarheit gewünscht. Doch die verweigert der Regisseur Petzold. Und das ist letztendlich nur konsequent.

                                              • 5

                                                Eine Ode an die Öde,
                                                Kompromisslos langweilig wird die ohnehin schon höhepunktarme Geschichte einer ostdeutschen Ärztin namens Barbara wiedergegeben, die nach einem Ausreiseantrag strafversetzt wird. Sie ist hin und her gerissen zwischen der möglichen Ausreise und ihrem/ihrer Verantwortungsbewusstsein/Empathie gegenüber ihren Patienten. Auch ihr Arztkollege, dessen ständige, schlechte Ranmachungsversuche übrigens extrem nerven, steigert diese innere Unsicherheit. Weder die Schauspieler überzeugen mich, noch berührt mich Irgendetwas in diesem kühlem, pseudointellektuellem Film.

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                                                • 4

                                                  Jetzt, nachdem ich Anatolia 9 Punkte gegeben habe, fühle ich mich einigermaßen berechtigt, folgendes zu schreiben:
                                                  Dieser Film ist stinkend langweilig.
                                                  Ja, ich weiß, dass das alles furchtbar subtil und unter der Oberfläche sein soll, aber wenn dieser Film so tiefgehend ist, dass man eine Woche lang mit einem Presslufthammer in ihm herumbohren muss, bis man ein bisschen von der Bedeutung und dem Wert der Geschichte findet, geht das wirklich zu weit.
                                                  Petzold behandelt seine Zuschauer wirklich schlecht. "Hier, seht, was ich geschaffen habe, kommt klar damit und wenn ihr's nicht kapiert, seid ihr halt zu doof."
                                                  Mag ich nicht. Schade.

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                                                  • 6

                                                    Mal wieder eine Klischee-DDR, mal wieder hölzern-dröge Berliner Schule, mal wieder habe ich es versucht. Naja, zumindest kein Totalausfall dank recht gelungener Bildsprache. Das war's aber auch schon.
                                                    Und das soll tatsächlich das Beste sein, was wir dieses Jahr zu den Oscars schicken? Irgendwie traurig.

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