Battle in Seattle

Battle in Seattle (2007), US Laufzeit 95 Minuten, FSK 16, Drama

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6.6
Kritiker
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6.7
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von Stuart Townsend, mit André Benjamin und Jennifer Carpenter

Im November 1999 findet in Seattle ein Treffen der Welthandelsorganisationen statt. Tausende von Demonstranten treffen in der Stadt ein, um gegen dieses Treffen zu protestieren. Unter den Demonstranten sind auch Django, Sam, Lou und Jay, die alle aus persönlichen Gründen in Seattle sind. Als aus der Demonstration durch den wütenden Mob ein gewalttätiger Aufstand wird, müssen sie sich entscheiden, wofür es sich zu kämpfen lohnt.


Cast & Crew


Kritiken (2) — Film: Battle in Seattle

Carsten Happe: Schnitt Carsten Happe: Schnitt

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7.5Sehenswert

Mit seinem krisenerprobten Kameramann Barry Ackroyd, der für die meisten Ken Loach-Filme und zuletzt Kathryn Bigelows The Hurt Locker verantwortlich zeichnete, gelingt Townsend eine unaufgeregte und geschickt verwobene Chronologie der Ereignisse, die natürlich mancherorts dramaturgisch überhöht wird [...] sich jedoch nie zu aufgesetzten Sentimentalitäten oder hysterischen Aussetzern hinreißen läßt.

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8.0Ausgezeichnet

Der Film "Battle in Seattle", dessen reißerischer Titel während der medialen Berichterstattung 1999 entstanden ist, ist ein eindringliches Drama. Es scheint Stuart Townsend eine Herzensangelegenheit gewesen zu sein, diesen Film zu drehen - was man spätestens am Abspann erkennt, denn dort bezieht er Stellung, wenn es heißt, der Kampf ginge weiter. Townsend lässt in seinen Film dokumentarische Bilder einfließen und hat diverse Szenen mit Handkamera gedreht, wodurch "Battle in Seattle" sehr authentisch wirkt. Der Film sei jedem ans Herz gelegt, der sich kritisch mit der Globalisierung auseinandersetzt und nicht auf reines Popcorn-Kino aus ist, auch wenn der Cast blockbuster-kompatibel ist: Mit Charlize Threron, Woody Harrelson, Ray Liotta, Jennifer Carpenter, Michelle Rodriguez und anderen ist das Drama prominent besetzt.

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Kommentare (13) — Film: Battle in Seattle


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craax

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Bewertung4.0Uninteressant

Film versucht ein Publikum zu erreichen, das freiwillig Eintritt zahlen muß. Das heißt: gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist („Wir sind das Volk!“).
Battle in Seattle ist ein Unikum: ein amerikanischer Film versucht, ernsthaft politisch zu sein, oder zu-mindest den Eindruck von politischem Belang zu erwecken (Oliver Stone läßt grüßen). Seit den Zeiten von Apocalypse now oder JFK haben sich die Zeiten allerdings entwickelt: der Film nähert sich vom ästhetischem Überbau dem Leben der Straße, dem Erleben der Menschen, die, wenn sie dabei sind, sehen, was dieser Film versucht wahrzunehmen. Er versucht eine „realistischere“ Perspektive als seine genannten Vorgänger : näher dran zu sein (per Wackelkamera).
Zeit für die Gretchenfrage: klappt’s? – Natürlich nicht.

So politisch darf Film in einem Kinoland sein, das selbst, immer noch, und auf unabsehbare Zeit, ze-mentiert, wesenhaft unpolitisch ist. Amerika ist weit davon entfernt, „politisch“ zu sein; Amerika setzt auf den ungebremsten Schaum der Zügel- Kraft des Individuums; „Politik“ (ob man sie gut findet oder nicht) dagegen ist die Organisation und Kanalisation von Massen- Bewegung, die in „Geschichte“ mündet. Sicher, es gibt ‚Demokraten und Republikaner‘; das sei Politik? – Ich bitte Sie! – das ist Verwaltung. Politik der „westlichen Gesellschaften“ findet erkennbar nicht innerhalb dieser -, bei allen „Machtwech-seln“ zwischen „Konservativ- Rechten“ und „Sozialistisch-Linken“ statt, denn in der Regel löst ein demo-kratischer Wechsel hier nichts, aber auch gar nichts Spürbares aus; die Konfrontation findet, weitge-hend unbemerkt, auf Stellvertreter-Schauplätzen zwischen „industrialisisertem Norden“ (sog. Erste Welt) und „rückständigem Süden“ (Entwicklungsland-Status) („Dritte Welt“) statt. Die ‚Zweite‘ dient wohl als gemäßigte Pufferzone; wie stets die Mittel- (Mittler-) Schicht, die sich nicht richtig gut -, aber auch nicht wirklich schlecht befindet.

Die „Globalisierungs“thematik greift darum heutzutage diese Konfrontation auf, und die findet weitge-hend auf dem Papier (als „Kampf“-Ansage) statt – außer auf jenen Schlachtfeldern, wo indirekt gelitten wird, wie zum Beispiel in indischer Grabsteinproduktion oder dem Kahlschlag Sarawaks (abgeschlos-sen) oder Sibiriens (begonnen). Die Kinder, die in nordindischen Steinbrüchen meißeln, wissen nicht, das ihr Tätigkeits- „Leiden“ „politisch fundiert“ ist. Dies wissen (oder nehmen als so an) - einige kahlköp-fige Schreiberlinge, die Zeitschriftenartikel und Internetseiten lancieren. Gewöhnlich ist das so. Manch-mal allerdings wird’s ungewöhnlich. Dann treffen sich einige von den Schreibern oder Lesern dieser verlorenen Anmerkungen auf der Straße, und „demonstrieren“ – und das führt zu „Ereignissen“ wie denen in Seattle, die hier verwurstet werden.

Der Film knüpft ein historisches Szenario: denn der genannte Plotanlaß ist aktenkundig. Man kann das nachlesen: und nachgucken, im Internet, und in alten Zeitungen. Da findet man das, was Auslöse für diesen Film war. Jedoch, einige krankhafte Veränderungen hat das Gesicht dieser Ereignisse durch-laufen: wie zurückbleibende Pockennarben, nach überstandener Infektion.
Nun ist „Globalisierung“ keineswegs überstanden; weder auf der einen,- noch auf der anderen Seite. Der Film versucht, beide /alle zu Wort kommen zu lassen, und zu zeigen: wobei die Sympathie auf die Seite der „Gutmenschen“ (tatsächlich: einmal : nicht die der Ordnungsmächte!) neigt.
Der Film, erster Satz, setzt alles, für amerikanische Verhältnisse riskant, auf eine Karte: er nimmt an, das in seinem potentiellem Publikum viele Ihre Sympathie bereits ebenso verteilt haben: wie es die hier gezeigte Darstellung tut; und das ist, Novum, von der bisherigen offiziellen Gesellschaftsakzeptanz abweichend. Offiziell gilt /galt : („linke“) Demonstranten sind Ruhestörer und Querulanten; aufgeladene Ausdrücke wie „Berufsdemonstranten“ sagen einiges hierzu aus. Im Laufe von Jahren und Jahrzehnten des Protestes weichen sich allerdings die Wahrnehmungsgewohnheiten auf und wandeln sich, Wunder, allmählich sogar um: zu viele Leute erfahren am eigenen Leib, wie die Eskalationsthematik, „bei der Wahrnehmung der Bürgerrechte“, mitunter zuschlägt, und bringen – und teilen – die dargelegte Fil-mopfer-Perspektive mit. Ein Film stets im Kommerz-Umfeld wie ‚Battle in Seattle‘ kann nur funktionie-ren, wenn die Zuschauer die Haltung honorieren, die (hier) Pro-Demonstrantisch - und Anti-Staatsmächtlich ist. Damit ist dem Produkt die Aufgabe eines Spagats zugefallen: denn, siehe oben, erstens gilt: der Film demonstriert pseudo-politischen Belang in einer ent-politisierten Gesellschaft (wahrsituierter Konflikt zwischen Erster und Dritter Welt, wird aber nur in Kinos der ‚Ersten‘ gezeigt),- und zweitens: trägt der Film insofern nochmals Eulen nach Athen, als er einem friedlich versammelten Publikum suggeriert, tapfer in einem wahrhaft tragisch epischen Konflikt sich zu befinden & durch Ak-klamationauch in der Tat ‚seinen Mann zu stehen‘. Beides ist Taschengelüge: denn das Publikum ist erstens mit sich einig und akklamiert sich selbst, und zweitens nimmt es die Ebene des „wahren Konflikts“ zumeist (im üblichen Zuschauensfall) gar nicht wahr. Der Gegner ist eingebildet. Hier wird Bürger-krieg gespielt, wo gar keiner ist. Denn die meisten Menschen im Norden sind sich einig: Globalisiserung ist Schei...e. Ein paar Strippenzieher im Hintergrund kassieren schweigend, und sie brauchen auch gar nichts tun („streiten“) : denn die Verhältnisse (und die Zeit) arbeiten für sie. Die „Ausbeutung“ funktio-niert. Die Welt ist in ihrem Sinne organisiert, und arbeitet – mit ein wenig Reibungsverlust – fehlerfrei und schnörkellos geschmiert. Die meisten Menschen finden Globalisuerung nicht gut: aber dulden und tolerieren sie praktisch und beachten sie, in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld, n i c h t . Sie haben sich arrangiert und funktionieren, innerhalb des antagonistischen Getriebes, abseits ihrer persönlich-privaten abweichenden Meinung. Die ‚Globalisierung‘ muß (in der Ersten Welt des Nordens) nicht ‚kämpfen‘: denn sie rattert und klickt und klinkt präzise alltäglich zu Ihrem Ertragen und Vorteil. Moralisch sind viele ihrer (indirekten) Profiteure geknickt: aber sie nehmen mit der einen Hand, was ihr geäußerter Mei-nungsprozeß bestreitet. Diese Haltung ist ambivalent schizophren; und ein permanent schlechtes Ge-wissen redet sich ein, indem es der Haltung solcher Filme wie „Battle in Seattle“ zustimmt & sogar gut findet, sich von Verantwortung bereits, in genügendem Maße, freizuhalten- und rein zu - waschen.

Filme wie dieser sind sehr bedenklich: denn sie nehmen tatsächlich vorhandene Probleme wahr und wandeln sie um in eine Schönlings-Perspektive. Am Ende von Seattle-Battle haben die Guten gesiegt: Die Konferenz ist abgeblasen und gescheitert; und im Abspann geht der Kampf (erfolgreich) weiter. Und niemand ist wirklich der Böse: der Bürgermeister etwa? Der Polizeichef? Der gezeigte Clinton? Der Polizist, der durch Kollegenmaltraite sein Kind verloren hat? Und die Guten, die die Welt „retten wollen“ (O-Ton, im Gefängnis...: „wie oft haben wir die Welt schon versucht zu retten?“) – wie bemüht sich der Film, die Sympathien gerecht zu verteilen: Schaufenster-einschmeißende Chaoten (sind das die eigent-lich Bösen?) – nein, in Wirklichkeit gilt (im Film): die Dramaturgie der Ereignisse selbst, die Eigendyna-mik, hat längst das Ruder übernommen und steuert sich den eigenen Weg: die Menschen sind bloß re-agierende Marionetten. So viele „gut-bemühte Menschen“: der Konferenzler von „Ärzte ohne Grenzen“, der gegen Patentnießbrauch der Pharmaindustrie angeht; die Journalistin, die von der karriere-nutznießerischen Beobachterin auf die Gewissens-Seite“ wechselt, und gar in der Zelle landet; der auf-haltende Polizisten-Kollege, der die Verprügelung des Demonstranten-Führers beendet, der um Dees-kalation ratlos bemühte Bürgermeister, der „ebenfalls gegen Vietnam protestierte“. Goodwill überall; der einzige, der ungeschoren schlecht davonkommt, ist eigentlich der Pharma-Vertreter, der nach dem Apell des Arztes (ohne Grenzen) mit ausgefeilter Rhetorik den Standortvorteil seines Brötchengebers verteidigt , unter Umkehrung des gebrauchten (positiven) Wortklangs und der ihnen innewohnenden (negativen) Bedeutung.
Das alles klingt besser, als es ist: der Film ist, wie die Rede dieses Anwalts der Reaktion, klingelndes Wortgeplänkel und (Narren)Schellenklang: vollmundig satt instrumentierter Volksschlager in den drei Grundakkorden, der symphonsicherweise (in Dur) danach anscheinmäßig erklingt, als ob er Musik sei, wo er ein pures Unterhaltungsbedürfnis befriedigt. Er gibt dem Kaiser, was des Kaisers (Feierabend) ist; denn, nach einem langen harten Arbeitstag, Entspannung,- wo dieser „nichts Ernstes“ mehr hören mag, es wsei denn, es klingt ernst, ohne es zu sein. Genau das schafft dieser Film. Er tut so, als ob es ihm ernst sei, und bietet Versöhnung allerorten, wo keine ist; denn „die Ausbeutung“ geht weiter, und ver-schlimmert sich, mit jedem verstreichenden Jahr; und „der (verhältnismäßig) prosperierende Norden“ denkt gar nicht daran, Verhältnisse im Geringsten in seinem praktischen Verhalten zu dulden oder zu akzeptieren, die eine Verschlechterung seines Gewohnten bedeuten würden. Das heißt, er schließt weiterhin die Augen.
Dies ist besonders schmerzhaft dort, wo er sie scheinbar zu öffnen scheint; ja, wo es offensichtlich mit geschlossenen Augen gar nicht geht. Doch es geht; in einem Kino, der unbewegten und faktisch unge-rührten Ersten Welt, inmitten anderer Zuschauer, die den Film „gut + zutreffend“ beifällig finden; in Battle in Seattle, irgendwo in Detroit, Dallas, Berlin oder London, Chicago oder Stockholm, Paris: überall dort, wo demokratisch garantiert ist, durch Plebiszit des ganzen Volks, das alles beim Alten bleibt, in-dem nichts schlechter werden darf ; und diejenigen (gewählt) weitermachen, die garantiert – nichts ver-schlechtern dürfen, was alle wollen, obwohl alle – eine „bessere Welt“ durchaus angenehm-er fänden.
Hauptsache, es kostet nichts; außer dem reizend verbrachten zwei Stunden Thrill im Kinosessel, beim Anblick von Tränengas, Gummigeschossen und Schlagstock-Beulen;
Filme wie dieser bedeuten den Bankrott der Demokratie; denn was wollen wir wetten: nichts wird sich ändern -, bis
die „Dritte Welt“, zuletzt unerträglich geworden, selbst etwas ändert; und den Kinogängern der Welt gehörig in den Arsch tritt, und keinen Stein, dieser Kinos, auf dem anderen beläßt;
und es wird nicht schön, nicht angenehm, aber gerecht sein,
wenn Leute, die Bildern nicht gehorchen wollten, Menschen-Gewalt gehorchen müssen,- nein, unterworfen werden:
und niemand, der diesen Film sah, und sogar seiner Gerechtigkeit zustimmte, wird unschuldig sein.

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Mein Senf

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Bewertung6.0Ganz gut

Es zeugt von Selbstvertrauen, wenn man sich als Regiedebütant mit „Battle in Seattle“ gleich an einen politischen Propagandafilm wagt. Die durch und durch idealistische Betrachtung der Proteste im Zuge des WTO-Gipfels 1999 in Seattle inszeniert Stuart Townsend zwar handwerklich solide, leider ist die Figurenzeichnung streckenweise arg klischeehaft geraten. Das ist insofern schade, da die Charaktere fast durchgängig von äußerst talentierten und prominenten Hollywoodstars verkörpert werden.

Seattle 1999: Verschiedene Gruppe bereiten sich auf den bevorstehenden Weltwirtschaftsgipfel in der Ostküstenmetropole vor. Bürgermeister Jim Tobin (Ray Liotta) setzt angesichts der angekündigten Demonstrationen auf Dialog und Deeskalation, was bei der Polizei (u.a. Woody Harrelson und Channing Tatum) zum Teil für Unverständnis sorgt. Als die Demonstrationen durch radikal anarchistische Gruppen zunehmend eskalieren, fokussiert sich die gesamte Berichterstattung der Medien, auch der Journalistin Jean (Connie Nielsen) auf die Ausschreitungen und Verwüstungen. Die Polizei ändert ihre Strategie und greift mit voller Härte durch, was auch, so dass auch die friedlichen Demonstranten rund um den charismatischen Anführer Jay (Martin Henderson) ins Visier der Staatsgewalt geraten.

Obwohl der Film optisch mitunter unter seinem offenkundig geringen Budget zu kämpfen hat, werden die Protestaktionen ansprechend umgesetzt und fügen sich harmonisch in das verwendete Originalmaterial ein. Schauspielerisch bewegt sich „Battle in Seattle“ eindeutig in der Oberklasse. Die zahlreichen Hollywoodstars bekommen genug Freiraum, um ihre Charaktere mit Leben zu füllen. Hier macht sich der schauspielerische Backround des Regisseurs eindeutig bemerkbar.

Politische Propaganda in Spielfilmen ist stets eine Frage des persönlichen Geschmacks. Wie steht man als Deutscher generell zu Propagandafilmen? Stimmt die politische Stoßrichtung mit seiner eigen überein? Ist man bereit, sich von einem Spielfilm „belehren“ zu lassen oder redet man sich ein, sich zu allem ein vollkommen unabhängiges Urteil bilden zu können? Und nicht zuletzt: Ist das Spielfilmformat überhaupt geeignet, um komplizierte politische Sachverhalte einigermaßen angemessen abzubilden, ohne dass die Geschichte unter dem ideologischen Ballast erdrückt wird?
Townsend beschränkt sich nicht allein auf die Perspektive der Demonstranten, sondern will das große Ganze beleuchten. Tatsächlich macht diese Storykonstruktion im Rahmen der idealistischen Grundhaltung des Regisseurs nicht nur Sinn, sondern ist geradezu zwingend. Form follows function und ist in der liberalen Grundüberzeugung von Stuart Townsend ist niemand von Grund auf böse, sondern stets ein Produkt seiner Umwelt, Alles hängt mit Allem zusammen. Aus diesem Grund werden neben Demonstranten, der Polizei, Presse und der Lokalpolitiker auch schlaglichtartig unbeteiligte Bürger Seattles (Charlize Theron), Vertreter von Nichtregierungsorganisationen (Rade Serbedzija), Wirtschaftslobbyisten und internationale politische Vertreter der Entwicklungs- und Industrieländer (Isaach De Bankolé) skizziert. Was in ähnlich konzipierten TV-Serien wie z.B. „The Wire“ über mehrere Folgen und Staffeln ein unglaubliches Maß an charakterlicher und inhaltlicher Tiefe erzeugen kann, muss in den knapp 90 Minuten „Battle in Seattle“ zwangsläufig gehetzt und holzschnittartig wirken. Aufgrund der Fülle an unterschiedlichen Akteuren bleibt selten Zeit für ein differenziertes Portrait einzelner Charaktere. Gerade auf der Seite der Staatsmacht fallen Townsend kaum mehr als blasse Klischees und Plattitüden ein. Umso konstruierter fallen dann auch die Wandlungen aus, die im Verlauf der Ereignisse fast ausschließlich den vermeidlichen Antagonisten zufallen. So wird aus einem hohlen Polizeischlägern der besonnene Retter des Demonstranten, aus der zynischen Reporterin das heimliche Herz des Protestes und ein außer Kontrolle geratener Polizist entschuldigt sich höchstpersönlich bei seinem Prügelopfer. Solche Momente wirken nicht nur kitschig und nach dem Hollywoodbaukastenprinzip konstruiert, hier wirkt der Film sehr agitatorisch und belehrend. Seinen vermeidlichen Identifikationsfiguren gesteht Townsend hingegen kaum eine Entwicklung zu. Sie sind in ihren Motiven aufrecht und edel und bleiben bis zum Ende in ihren Motiven aufrecht und edel. Das ist genauso einfallslos wie langweilig. Einzig der Subplot um Jennifer Carpenter („Dexter“, „Der Exorzismus der Emilie Rose“), die innerhalb der Protestler zu Beginn die Rolle der Zweiflerin bekleidet, ist restlos überzeugend, mitreißend und in Gänze gelungen.

Als Licht und Schatten entpuppt sich die enge Orientierung der Geschichte an den realen Ereignissen. Hier verschenkt Townsend die Möglichkeit gängige Storykonventionen zu umschiffen. Der Bürgermeister ist ausnahmsweise mal keine skrupellos machtgeile Sau, die nur auf seine Wiederwahl schielt, sondern ein mitfühlender Politiker, der von dem Ausmaß der Proteste erst überrascht und dann überfordert ist. Das ist glaubwürdig und frisch. Statt sich darauf zu verlassen, versucht Townsend den daraus entstehenden Mangel an Antagonismus durch den Rückgriff auf angestaubte Hollywoodklischees und letztendlich die böse Regierung für die Gewalteskalation verantwortlich zu machen. Auch sein Versuch, die WTO differenziert darzustellen, endet uninspiriert. Den Altruisten aus den Nichtregierungsorganisationen (NRO) und den edlen Wilden aus den Entwicklungsländern stehen selbstverständlich die machtgeilen Industriestaaten und Pharmalobbisten gegenüber. Und wenn Townsend gegen Ende das Scheitern des Gipfels den aufrechten der Initiative der Demonstranten zuschreibt, dann wirkt der Film reichlich naiv und toppt sich anschließenden selbst durch einen platten Demoaufruf unterlegt von –na klar- Reggeamusik.

Selbst eingefleischte Globalisierungskritiker wird dieses agitatorische Kampfpamphlet restlos überzeugen. Zu klischeehaft und oberflächlich bleiben die einzelnen Episoden um die einzelnen Interessengruppen rund um den Battle in Seattle. Die gut überzeugenden Hollywoodstars können diesen Mangeln nur zu einem gewissen Teil kompensieren. Vielleicht hätte sich Townsend für sein Regiedebüt einen etwas kleineren Stoff aussuchen sollen.

Daran werde ich mich noch lange erinnern: Der ungenierte Einsatz von Tränengas direkt in die Gesichter der Demonstranten.

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RaZer

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Bewertung7.0Sehenswert

Der etwas reißerische aber durchaus stylische Titel "Battle in Seattle" lässt ja eher auf einen trashigen Actionblockbuster schließen, doch der Film geht dann doch in eine etwas gehaltvollere Richtung. Er zeigt das Dilemma in denen Staat und Polizei bei solchen Veranstaltungen steckt, die Probleme der Demonstranten, Schicksale von Unbeteiligten, die "Explosionsgefahr" solcher Aktionen usw. Das ist ganz nett anzuschauen, aber in seiner Message auch nicht wirklich neu. Dass die Medien viele Halbwahrheiten verbreiten, die Welt von Großkonzernen und Lobbyisten regiert wird und ohnehin nur die große Kohle zählt, das weiß ja nun jeder, dafür brauchen wir Stuart Townsend nicht unbedingt. Doch er bringt das Geschehen auf den Punkt, verpackt seine Moralpredikten nicht zu penetrant und liefert mit seiner guten Besetzung rasante Szenen ab. Ausgenommen sei mal der völlig überflüssige Handlungsstrang mit Charlize Theron und Woody Harrelson, der zur Story absolut nichts beizutragen hat außer überflüssige Dramatik. Da wurde zwei großen Schauspielern Zeit gestohlen, die sie nun wirklich besser hätten nutzen können. Rein optisch gibt's nichts zu beanstenden.
Gut gemeinter Film, der vielleicht mitunter etwas plump daherkommt, aber auch ganz solide unterhalten kann.

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FumerTue

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Bewertung9.0Herausragend

Seattle, 1999. Ende November/Anfang Dezember findet eine große Konferenz der Welthandelsorganisation statt. Tausende Globalisierungskritiker finden sich in der Stadt zusammen, um gegen die WTO zu demonstrieren.
Proteste. Die Demonstranten wollen friedlich bleiben, die Polizei will friedlich bleiben, sofern sie Demonstranten friedlich bleiben. In der Theorie klingt das ganze vielversprechend. In der Praxis jedoch ist das ganze schon oft gescheitert. Am Ende beschuldigen sich Polizei und Demonstranten gegenseitig, angefangen zu haben... Keinem der beiden kann man aber die ganze Schuld geben, weder Polizei noch Demonstranten sind normalerweise alleine für eine Eskalation verantwortlich.
Wie das zustande kommt, will uns der - zu Unrecht sehr unbekannte - Film "Battle in Seattle" zeigen.
Die Ereignisse werden in drei Haupt-Handlungssträngen gezeigt: eine Gruppe von drei Aktivisten, die mal getrennte Wege gehen, mal zusammen sind während der Proteste (super gespielt von André Benjamin, Martin Henderson und Jennifer Carpenter), alle haben unterschiedliche Beweggründe für ihren Protest; ein Polizist (Woody Harrelson), der selbst im Einsatz ist, während seine hochschwangere Frau in einem Geschäft arbeitet; und die Fernsehreporterin Jean (Connie Nielsen) mit ihrem Kameramann.
Nebenbei sieht man noch ab und zu die Handlung um den Bürgermeister (Ray Liotta) und um den Vertreter von "Ärzte ohne Grenzen", der selbst am WTO-Treffen teilnimmt.
Der Bürgermeister setzt auf Deeskalation, ebenso die Demonstranten. Ein paar Idioten gibt es aber immer und so fangen einige Autonome an, Schaufenster einzutreten und Graffities zu versprühen. Jetzt wird die Polizei aggressiv - auf Befehl von Oben, gegen den sich der Bürgermeister eigentlich wehren will, der aber dennoch durchgesetzt wird und für den er sich selbst auch noch rechtfertigen muss.
Aufgrund einer ebenfalls verkündeten Ausgangssperre muss die Frau des Polizisten zu Fuß nach Hause laufen, da keine Taxen oder Busse fahren. Sie gerät in die Proteste und schon bald wird sie - hochschwanger wie sie ist - von einem Polizisten, der wahllos auf Menschen einschlägt, in den Bauch geknüppelt. Die Fernsehreporterin sieht das und geht mit ihr ins Krankenhaus. Sie selbst macht während des Films eine Wandlung, von der unbeteiligten Reporterin zur Mitdemonstrantin.
Ein wirklich sehr spannender Film, der nebenbei noch "dokumentatorisch" über die WTO und deren Machenschaften aufklärt. "Sozialkritisches Action-Drama", so könnte man den Streifen bezeichnen.
"Battle in Seattle" zeigt, wie eine friedliche Demonstration schnell kriegsähnliche Ausmaße annehmen kann. Und wer in einen Krieg gerät, selbst als Unbeteiligter, der ist gefährdet und der ganzen Gewalt ausgesetzt. Und machtlos.
Wenn bei einem Protest Zehntausende friedlich demonstrieren und zehn Demonstranten Gewalt anwenden, dann kann es sein, dass die Polizei nun auf alle Zehntausende losgeht. Ich würde gerne sagen, dass der Film überspitzt und die Darstellung unrealistisch ist, aber so ist es leider nicht. Man erinnere sich nur an die Anti-G8-Prote in Genua 2001 oder in Deutschland 2007... (bei denen auf Grund der Vorfälle in Seattle, wo in Folge der Proteste die Konferenz teilweise ausfallen musste, Sicherheitszonen um das Gelände eingerichtet waren)

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Kreaexo

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Wir sind einer Meinung! Gefällt mir. :)


Kreaexo

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Bewertung9.0Herausragend

Das Jahr 2007 schenkte uns herausragende (American Gangster, Into the Wild, Sweeney Todd), gute (Michael Clayton, Juno, Hot Fuzz) und schlechte (Fantastic Movie, Transformers, Death Proof) Filme. Doch gibt es noch ein Film, der irgendwie in die Ecke gedrängt wurde. Von dem zumindest ich kaum etwas mitbekam. Dabei handelt es sich um, das auf wahre Begebenheiten beruhende Werk, "Battle in Seattle".

„'Battle in Seattle'?! Das klingt ja wie ‘ne Monstertruckshow!”
Dieser Film bringt uns die dramatischen Zustände während der WTO-Handelskonferenz in Seattle 1999 näher. Und dies auf einer eindrucksvollen, imposanten Art und Weise.
Regisseur Stuart Townsend versteift sich hier nicht darauf, dem Betrachter den Stoff steril und lieblos zu präsentieren. Sondern er hat eine Rahmenhandlung entworfen und verknüpft vereinzelte Begebenheiten gekonnt miteinander. So, dass eine interessante Geschichte dabei entsteht.

Meist ist es ja so, dass etwas an Spannung verloren geht, wenn ein Film auf wahren Begebenheiten beruht und man sich nur darauf bezieht. Doch hier ist das nicht der Fall. Die Spannung nimmt von Minute zu Minute zu, bis sie so ca. 15 Minuten vor dem Ende ihr Zenit erreicht und dann kontinuierlich langsam abflacht.
Diesen Spannungsaufbau hat der Film u.a. dem gut aufgelegten Ensemble zu verdanken.
Angefangen mit Ray Liotta. Wie gewohnt in einer ernsten Rolle, die er ohne Probleme ausfüllt und meistert. Als überforderter Bürgermeister hat er es gewiss nicht einfach gehabt zu bestehen und dem Zuschauer seine prekäre Lage glaubhaft zu übermitteln. Doch dies gelingt ihm vollends.
Woody Harrelson macht seine Sache als emotionsbeladener Polizist ausgezeichnet und zeigt mal wieder, was er drauf hat.
Und auch der mir bis eben vollkommen unbekannte Martin Henderson spielt hier als Demonstrationsführer zu Höchstform auf.
Doch der heimliche männliche Star des Films ist Rade Šerbedžija (, der dem einen oder anderen von euch vielleicht aus dem Film ‚Eurotrip‘ ein Begriff sein dürfte). Doch jetzt denkt bitte nicht, er würde genau so etwas spielen wie in ‚Eurotrip‘. Nein, das komplette Gegenteil ist der Fall. Hier tritt er souverän auf und wirkt seriös und autoritär. Leider hat er als Dr. Malic und gleichzeitiger Redner bei ‚Ärzte ohne Grenzen‘ nicht allzu viel Screentime, doch die wenige die er hat füllt er ganz und gar aus. So gekonnt, dass es mir während einer Rede von ihm sogar die Tränen in die Augen trieb. Dank seinem Auftritt hier habe ich wieder Mut mir weitere Filme anzusehen, in denen er mitspielt.
Doch auch die weibliche Fraktion darf in diesem Kommentar nicht zu kurz kommen.
Michelle Rodriguez tut das, was sie am besten kann: Gut aussehen und passabel spielen. Zwar ist eine gewisse Charaktertiefe bei ihr erkennbar, doch diese wird nicht voll ausgeschöpft. Was mich bei ihrer Darstellung aber auch nur minimal gestört hat, da sie ihre Rolle an sich doch ganz gut gemacht hat.
Getoppt wird sie aber dann doch durch die hervorragende Leistung Charlize Therons. Die hier eine Paraderolle abliefert. Gesehen habe ich sie schon in dem einen oder anderen Film, aber ich fand sie noch nie so stark wie in "Battle in Seattle". Sie verleiht ihrem Charakter die nötige Tiefe und setzt sogar durch ihr theatralisches Spiel noch eins oben drauf. Manche werden dieses bestimmt als überflüssig abstempeln, ich empfand dieses aber als passend.

„Also gut Freunde, dann macht euch bitte bereit! Die Feierlichkeiten beginnen in 24 Stunden. Und dann werden wir der WTO fröhlich in den Arsch treten!“
Neben den oben genannten Schauspielern sind es auch die authentischen Dialoge, die in diesem Film zu Hauf vorkommen. Durch diese werden die Demonstrationen erst wirklich.
So werden Phrasen wie „Nobody in, nobody out!“ und „Whose streets? – Our streets!” vermehrt geäußert und verleihen dem Film die nötige Realitätsnähe.

Da ich alle Filme in denen Ray Liotta mitspielt auf Deutsch schaue, habe ich dies natürlich auch hier gemacht. Wieso ich das mache dürfte klar sein, ich mag Udo Schenks Stimme, rau und rauchig, welche perfekt zu Ray Liotta passt, aber das nur so am Rande. Und mir bleibt nichts anderes übrig, als die gesamte deutsche Synchronisation zu loben. Nicht nur für das, was sie übersetzt hat. Sondern auch dafür, dass sie nicht alles ins Deutsche übertragen hat. So sind die ganzen Parolen auf Englisch und das wirkt auch besser.

Kameramann Barry Ackroyd hat auch hier nicht an wechselnden Perspektiven und verschiedenen Arten zu Filmen gespart. So ist meistens die Kamera zwar ruhig und gleitend, manchmal aber auch wacklig. Der etappenweise Wechsel verleiht dem Geschehen etwas Eindrucks- ja, fast sogar Geheimnisvolles und hat zur Folge, dass die Atmosphäre nicht minder eindrücklich ist.

"Battle in Seattle" zeichnet außerdem noch aus, dass der Film die Begebenheiten damals nicht nur aus einem Standpunkt beleuchtet. Hier wird das Geschehen aus der Sicht der Polizei, der Demonstranten und auch aus der Sicht unbeteiligter Personen gezeigt.
Na klar, interpretiert das Geschehen jeder anders. Die Demonstranten beschuldigen die Polizei unnötige Gewalt anzuwenden, was auf Gegenseitigkeit beruht. Wer von den beiden Seiten Recht hat, soll jeder für sich selbst entscheiden.
Was mir am Ende noch zu schreiben bleibt ist, dass die Vereinigung "Ärzte ohne Grenzen" der eigentliche Geschädigte der Demonstrationen ist, da die Teilnehmer und Interessenten deswegen nicht an dem Kongress teilnehmen konnten. Was mich aus heutiger Sicht betrachtet schon sehr betroffen macht, da wiedermal Unbeteiligte zu leiden haben.

Noch eine Sache, wer sich über die Machenschaften der World Trade Organization interessiert, der bekommt mit dem Abspann schon einen kleinen Vorgeschmack geliefert.

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hoffman587

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Noch nie gehört, sollt ich wohl mal vormerken?^^


Kreaexo

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Wenn dir gefällt, was du hier liest, dann nur zu. :D


honigsau

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Bewertung5.5Geht so

Eines vorweg: Das Wort "Gutmenschentum" ist eine herablassende Bemerkung über Menschen, die ihrer Sichtweise entsprechend "Gutes" für die Menschen tun wollen. Folglich kann man nur dann Menchen als "Gutmenschen" beschimpfen, wenn man sich damit arrangiert hat, ein böser Mensch zu sein - Gratulation!

Zur Filmkritik: Ich komme aus der Szene, die man in den Jahren 2000-2010 immer wieder als "Globalisierungsgegner" (oder harmloser "Globalisierungskritiker") bezeichnet hat. Demnach kann ich den filmischen Inhalte durchaus auf seinen Realismus hin prüfen, wennglich ich 1999 nicht in Seattle war.
Ich war insgesamt eher etwas enttäuscht von "Battle in Seattle", denn die Dramatik des Filmes kommt in keinster Weise an die realen Begebenheiten derer Menschen heran, die an anderer Stelle tatsächlich mit den Kriegen und Aufständen dieser Welt zu kämpfen haben. Trotzdem versucht der Film krampfhaft, eine solche Atmospähre zu erschaffen. Er versucht uns das Gefühl einer Demonstration so zu suggerieren, als wäre sie ein Kriegsdrama.
Und so hat mich bereits während dem Zuschauen des Filmes ein äußerst befremdliches Gefühl beschlichen, das ich von keiner Demonstration her kenne . Battle of Seattle versucht aus einer Demonstration ein "es-geht-um-Leben-und-Tod"-Film zu machen und verzerrt somit das Bild sämtlicher Aktivisten der echten Bewegung.
Die Akteure des Filmes heulen, verzweifeln und dogmatisieren jedes noch so halbwegs bekannte Klischee des vermeintlichen "Berufsdemonstranten" in einer höchst übertriebenen Weise. Dies soll den Zuschauer offenbar mitreißen und mitfiebern lassen, obwohl es - genauer betrachtet - für die amerikanischen Aktivisten um überhaupt gar nichts geht. Sie selbst sind nicht von Hunger, Folter und Elend betroffen, versuchen aber ein emotionales Szenario zu schaffen, als befänden sie sich in einer tatsächlichen Schlacht, in einem Bürgerkrieg, bzw. versuchen so auf den Zuschauer zu wirken, als wären sie wahrlich ein Teil einer Revolution.
In Wirklichkeit gibt es sie natürlich, die erschreckenden Momente, wenn die Polizei auf Demonstranten eindrischt, schwarz Vermummte Schaufensterscheiben einschlagen, Tränengas, Verletzte usw., doch in diesem Film wirkt alles so unendlich extrem. Die von der Polizei festgenommenen Demonstranten jammern in diesem Film größtenteils ohne besonderen Grund (nicht zu vergleichen mit festgenommenen Aufständischen in der arabischen Welt beispielsweise, für deren Erlebnisse die gezeigte Emotionalität des Filmes nachvollziehbar wäre).
Eine Demonstration im westlichen Teil der Welt ist immer etwas ernstes, aber meistens trotzdem viel viel lockerer und humorvoller als in diesem Film dargestellt. Selbst Straßenkämpfe und Ausschreitungen erlebt der einzelne Aktivist nicht nur als eine Form des Krieges, sondern (so viel Ehrlichkeit muss sein) vielmehr als eine Art von Spaß, Erlebnishunger, Adrenalin-Kick usw. Dieses Prinzip wird von keinem einzigen der Schauspieler über einen längeren Zeitraum hinweg dargestellt. Nein, im Film thrillert es an allen Ecken und Enden - eine Demonstration will "James-Bond-Film" sein... Wenn schon Hollywood, dann hätte man sich die dramatischste Szene (mit der Schwangeren) zumindest für den Schluss aufheben sollen, und den Film nicht so einschläfernd und ohne jedes Showdown beenden lassen.

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Marschel

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Bewertung1.0Ärgerlich

"Battle in Seattle" hat mich, unabhängig von der schauspielerischen Leistung der Protagonisten, in einem wichtigen Punkt sehr eintäuscht:
Anstatt die Hintergründe genauer zu beleuchten, will dieser Film nur unterhalten. Dies währe bei einem fiktionalen Film vollkommen in Ordnung gewesen, doch es kann nicht sein, dass dieses brisanten Thema nur so einseitig beleuchtet wird. Die Demonstranten werden als reine Gutmenschen dargestellt, wohingegen die Polizei nur das abgrundtiefe Böse darstellt, welches selbst schwangere Frauen krankenhausreif schlägt. Und innerhalb der WTO treten ja sowieso nur, von Anfang an chancenlose, alte Männer für die Menschen ein.
Es ist eine Unding dieses Thema nur so einseitig zu beleuchten! Deshalb bekommt "Battle in Seattle" von mir nur einen Punkt.

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movie-studi

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Bewertung7.5Sehenswert

Toll besetzter, authentischer Streifen, der die wahren Geschehnisse rund um die WTO Konferenz 1997 in Seattle zum Ausgangspunkt nimmt, um daraus ein packendes und vor allem objektives Polit-Drama mit wichtiger Botschaft zu machen. Realistisch und interessant, bisweilen höchstens etwas überambitioniert.

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JackoXL

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Bewertung6.5Ganz gut

Der Film zeigt sehr gut, wie angespannte Situationen aus Überforderung eskalieren können. Thematisch ist er sehr interessant und kann in einigen Momenten auch ziemlich fesseln, dazu kommt eine, für so eine Produktion, überdurchschnittlich prominent (und gute) Cast. Leider beschränkt sich die Eindringlichkeit wirklich nur auf einige Szenen, der Rest plätschert irgendwie dahin. Nie schlecht, aber eben auch nicht herausragend. Gerade in der letzten Hälfte wirkt es zu sehr nach TV-Produktion und obwohl erst alles auf ein tragischeres Finale hinsteuert, wird am Ende doch fast alles gut. War mir da deutlich zu brav.
Von der Cast will ich besonders Woody Harrelson & Charlize Theron herausheben. Kunststück, sie haben ja auch die dramatischsten Rollen, aber sie spielen sie einfach auch so, dass man mitfühlt.

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kirmandi

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Bewertung7.0Sehenswert

thematisch grandios, schauspielerwahl auch top, aber die umsetzung an sich wirkt geradezu billig, mag evtl auch daran liegen, dass die ganze handlung zu vorhersehbar ist (da wahre begebenheiten)

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Phryx

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Also der Sinn deines comments erschließt sich mir nicht:

was meinst du mit billig? Die Handkameraszenen und Camcorderszenen sind Absicht um eine gewisse Authenzität der Bilder hervorzuheben. Wenn in der ARD Tagesschau von der Loveparadekatastrophe berichtet wurde hat man auch viel Handyvideos gesehen und keine Kran- und Dollyfahrten. Wenn du die Story meinst: Nun der Film ist mindestens zur Hälfte dokumentarisch anzusehen, was bedeutet dass die eingewobenen Geschichten wenn dann nur Symbolcharakter haben und/oder die Fakten auflockern.


sarahvc

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geb ich dir recht phriyx 10 punkte


patcharisma

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Bewertung2.0Ärgerlich

Haben Sie sich eigentlich auch schon gefragt - wenn in Ihrer Stadt alljährlich am 1. Mai die Pflastersteine in die Scheiben von den meist unbeteiligten Kleinhändler fliegen - ob diese Demostranten hier wirklich für ihre abgehalfterten Parolen, wie "Tod dem Kapital", "Kommunismus jetzt!" etc. aus Überzeugung kämpfen oder ob es sich dabei nicht eher um Selbstzweck; sprich um einen Social Event und des Auffüllen ihres Vakuums von Langeweile durch anonymisierte "Action" handelt? Dieses Szenario sehen Sie auch bei "Battle in Seattle", wo es um die Milleniums-Runde der Welthandelsorganisation in genannter Stadt geht und zu Beginn etwas die Logistik der dagegen Demonstrierenden erklärt wird.

Der hundsmiserable Film beleuchtet leider überhaupt keine Zusammenhänge oder Hintergründe dieser WTO, hat kein kritisches Wort über die (oft) zweideutige Rolle der Entwicklungsländer parat, ist kaum sauber recherchiert worden, verschwendet seine erstaunliche A-Cast weitgehend mit fiktionalen - Soap-Opera ähnlich gekurbelten - Non-Episoden (Baby- und Liebeskitsch inbegriffen) und zelebriert komplett spannungslos das Gutmenschentum ab. Paar eingeblendete, erklärende Sätze zur Geschichte der weltweiten Demonstrationsbewegungen in den End-Titles sollen dann noch die grosse Berechtigung "dieses wichtigen Films" unterstreichen.

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sarahvc

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was gibt es wichtigeres als menschenleben und darüber handelt dieser film verkauf von leben, alleine die wichtigkeit des themas ist über jegliche schauspielerische leistung oder nichtleistung erhaben.


Phryx

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Ich geb patcharisma zumindest nicht ganz unrecht. es ist halt eine Frage der Herangehensweise an diesen Film. Will man entertainment oder information. Die Wahrheit liegt hier wahrscheinlich in der Mitte. Diese Hintergründe die du ansprichst hab ich gelegentlich auch vermisst, aber dafür hat der Film diese zwischenmenschlichen Emotionen, die keine Dokumentation einfangen kann. Besonders die Szene als Jay den Randalierer zur Rede stellt hat mich sehr zum Denken angeregt inwiefern Demonstrationen wie sie zurzeit ablaufen überhaupt ihren Nutzen haben. Wie Jay sagt kämpfen eigentlich nur die Demonstranten gegen die Polizei .
Diese Problematik hast du ja in deiner Einleitung auch angesprochen.


Padder

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Bewertung7.5Sehenswert

Ich stimme euch zu: Ein politisch sehr wichtiger Film, der in seiner Umsetzung wirklich nicht über Fernsehniveau hinausgeht... Sehenswert!

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spanky

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Bewertung4.0Uninteressant

Zitat: "»Battle in Seattle« hört sich an, wie ein Monster Trucks-Event." Schön wär's. Ein mega Staraufgebot wird hier für substanzlosen Dünnpfiff im Polizeiruf-Niveau verpulvert.

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