Was diesen Film vielleicht am Stärksten auszeichnet, sind die brillanten Kameraeffekte, mit denen der Regisseur eine unerträglich gespannte Atmosphäre hervorrief, etwa durch die beunruhigenden Close-Ups der beiden Helden, aber vor allem auch durch die legendäre Szene, in welcher Rains entdeckt, dass seine Frau eine Spionin ist. Die Kamera observiert ihn hautnah, dabei aber fast senkrecht von oben, ehe er in diabolischem Schattenspiel sein Gesicht erhebt, welches die Entscheidung, die er getroffen hat klarmacht. Notorious ist nicht nur ein spannender Agententhriller, es ist eine Geschichte über eine verzwickte Dreiecksbeziehung, die nicht lange gut gehen kann, hervorragend getragen durch Ingrid Bergman und Claude Rains, der deshalb einen derartig überzeugenden Schurken gibt, weil er dem Zuschauer stets menschlich erscheint – mit all seinen Gefühlen und Problemen.
Lose basierend auf einer alten Kurzgeschichte verfilmt Hitchcock eine heikle Dreiecksbeziehung im Krimi-Mantel. In „Berüchtigt“ merkt man einfach, dass der Regisseur weiß, was er will. Da ist eine Mutter besetzt, die im wahren Leben nur vier Jahre älter ist als der ihren Sohn verkörpernde Darsteller, da bleiben die genauen Pläne und Hintergründe um die im Mittelpunkt stehende Nazi-Organisation völlig undurchsichtig und es bleibt nichts zu denken als: Schwamm drüber! Denn es soll eben hauptsächlich um das aufregende Verhältnis zwischen den beiden Hauptfiguren und eine ausgefeilte Bildsprache gehen. [...]
Das einzige was ich an dem Film negativ anmerken könnte, ist die schnelle Romanze zwischen Grant und Bergman, da geht es doch etwas holzschnittartig zu, aber Hitchcock brauchte nunmal das Paar also führte er es kompromisslos und so schnell wie möglich zusammen. Was dann kommt, ist ein Thriller mit perfekter Besetzung, einem typischen MacGuffin sowie einigen herausragenden Suspense-Szenen. Ein Hitchcock als Paradebeispiel für sein außergewöhnliches Schaffen - inklusive dominanter Mutterfigur.
"Berüchtigt" war der zweite von drei Filmen, in denen Ingrid Bergman (u.a. Ich kämpfe um dich, Sklavin des Herzens) unter der Regie von Hitchcock spielte. Zweifellos ist dieser Thriller einer der besten Filme von Hitchcock, da er mit einer spannenden Story und einem großartigem Ende aufwarten kann. Nach "Verdacht" aus dem Jahre 1941 war es für Cary Grant der zweite von insgesamt 4 Filmen, die er zusammen mit dem Suspense-Meister drehte. Anfang der 50er Jahre kam der Film unter dem Titel "Weißes Gift" stark gekürzt, ja geradezu verstümmelt, in die deutschen Kinos. Aus den Nazis, die mit Uran handelten, wurde in der deutschen Fassung ein Drogenring, weil man den Zuschauern keine Nazisgeschichten zumuten wollte. Erst 1969 wurde die Originalfassung rekonstruiert und unter dem heute üblichen Titel veröffentlicht.
Auch wenn Cary Grant eher schwach daher kommt, er ist es nicht. Seine Schwäche resultiert aus einer enormen Inpotenz die seine Rolle den ganzen Film über definiert. Es war zudem mal wirklich interessant ihn in einer eher ernsten Rolle zu erleben. Sonst war Grant ja mehr ein Garant für Humor in Hitchcocks Werken.
Heldin dieses Meilensteins ist aber Ingrid Bergman, die später nochmal eine ähnliche Rolle in "Under Capricorn" spielte und sich da sogar noch übertraf.
Hier sind die Schauspieler überlebensnotwendig, denn "Notorious" begnügt sich nur mit dem nötigsten, geht fast jedem Effekt aus dem Weg und arbeitet selten mit einem schnellen Tempo. Es ist die einfache Geschichte zwischen Mann und Frau, zwischen Pflicht und Liebe. Der Konflikt der Liebenden ist zugleich Angelpunkt des Films. Nie lenkt der Film davon ab. Die Spionagegeschichte mit ihrem Nazi-Komplott rückt derweil so sehr in den Hintergrund, dass man Hitchcock Nachlässigkeit unterstellen könnte. Dabei ist das doch nur der MacGuffin.
Claude Rains definiert sich hier ganz klar als der perfekte Hitchcocksche Bösewicht, so menschlich und sympathisch. Sein Handeln bleibt nachvollziehbar und schmerzt zugleich bis zum großen Finale auf der Treppe, wo die Zeit bis aufs äußerste meisterhaft gedehnt wird.
"Notorious" ist Hitchcock in Reinform, die Blaupause eines Genies.
Ein großartiges Spiel von Cary Grant und Ingrid Bergman, wie es nicht anders zu erwarten war. Allerdings habe ich von diesem Film mehr erwartet. Vor allem weil mir gesagt wurde, dies sei der beste Hitchcock-Film.
Das ist er- mit Sicherheit- nicht!, das ist aber kein allzu großes Manko
Ein Weltmeisterfilm. Mein Lieblingsfilm mit der Zauber einer Winternacht Film zusammen. Er hatte mir ein sehr grosses Erlebniss, er ist ein undenkbarlicher Film. Und die zwei Hauptroller ist ausgezeichnet. Sie sind Gross!!!
Grossmutti1951 (aus Ungarn)
Ein ausgezeichneter Hitchcock, doch im Œuvre des Meisters wegen der erst spät einsetzenden Spannung eher im vorderen Mittelfeld. Die hat's allerdings in sich, wenn die Helden während eines Festes im Weinkeller stöbern und auf der Party oben der Champagner langsam und bedrohlich zur Neige geht.
Unsäglich allerdings die deutsche Synchro: Marianne Wischmann alias "Miss Piggy", die blaue Ameisenbärin "Elise" und Frans Mutter "Sylvia Fine" spricht Ingrid Bergman!
Mein Lieblingshitchcock. Ich liebe Cary Grant und Ingrid Bergman! Außerdem sieht man hier die längste Kussszene der Filmgeschichte...und das ganze spielt in Rio de Janeiro.
Berüchtigt - Kritik
US 1946 Laufzeit 97 Minuten, FSK 16, Historienfilm, Thriller, Drama, Kriminalfilm, Kinostart 21.09.1951
Kritiken (2) — Film: Berüchtigt
Stephan Eicke: www.film-rezensionen.de
Kommentar löschenWas diesen Film vielleicht am Stärksten auszeichnet, sind die brillanten Kameraeffekte, mit denen der Regisseur eine unerträglich gespannte Atmosphäre hervorrief, etwa durch die beunruhigenden Close-Ups der beiden Helden, aber vor allem auch durch die legendäre Szene, in welcher Rains entdeckt, dass seine Frau eine Spionin ist. Die Kamera observiert ihn hautnah, dabei aber fast senkrecht von oben, ehe er in diabolischem Schattenspiel sein Gesicht erhebt, welches die Entscheidung, die er getroffen hat klarmacht. Notorious ist nicht nur ein spannender Agententhriller, es ist eine Geschichte über eine verzwickte Dreiecksbeziehung, die nicht lange gut gehen kann, hervorragend getragen durch Ingrid Bergman und Claude Rains, der deshalb einen derartig überzeugenden Schurken gibt, weil er dem Zuschauer stets menschlich erscheint – mit all seinen Gefühlen und Problemen.
Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Flibbo: wieistderfilm.de
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Kritik im Original Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten
Kommentare (8) — Film: Berüchtigt
Kommentar schreibenCellmorbasg 2012/01/24 17:18:59
Kommentar löschenDas einzige was ich an dem Film negativ anmerken könnte, ist die schnelle Romanze zwischen Grant und Bergman, da geht es doch etwas holzschnittartig zu, aber Hitchcock brauchte nunmal das Paar also führte er es kompromisslos und so schnell wie möglich zusammen. Was dann kommt, ist ein Thriller mit perfekter Besetzung, einem typischen MacGuffin sowie einigen herausragenden Suspense-Szenen. Ein Hitchcock als Paradebeispiel für sein außergewöhnliches Schaffen - inklusive dominanter Mutterfigur.
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Filmkenner77 2011/02/02 18:55:15
Kommentar löschen"Berüchtigt" war der zweite von drei Filmen, in denen Ingrid Bergman (u.a. Ich kämpfe um dich, Sklavin des Herzens) unter der Regie von Hitchcock spielte. Zweifellos ist dieser Thriller einer der besten Filme von Hitchcock, da er mit einer spannenden Story und einem großartigem Ende aufwarten kann. Nach "Verdacht" aus dem Jahre 1941 war es für Cary Grant der zweite von insgesamt 4 Filmen, die er zusammen mit dem Suspense-Meister drehte. Anfang der 50er Jahre kam der Film unter dem Titel "Weißes Gift" stark gekürzt, ja geradezu verstümmelt, in die deutschen Kinos. Aus den Nazis, die mit Uran handelten, wurde in der deutschen Fassung ein Drogenring, weil man den Zuschauern keine Nazisgeschichten zumuten wollte. Erst 1969 wurde die Originalfassung rekonstruiert und unter dem heute üblichen Titel veröffentlicht.
10 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
Kubrick_obscura 2010/09/05 00:54:53
Kommentar löschenAuch wenn Cary Grant eher schwach daher kommt, er ist es nicht. Seine Schwäche resultiert aus einer enormen Inpotenz die seine Rolle den ganzen Film über definiert. Es war zudem mal wirklich interessant ihn in einer eher ernsten Rolle zu erleben. Sonst war Grant ja mehr ein Garant für Humor in Hitchcocks Werken.
Heldin dieses Meilensteins ist aber Ingrid Bergman, die später nochmal eine ähnliche Rolle in "Under Capricorn" spielte und sich da sogar noch übertraf.
Hier sind die Schauspieler überlebensnotwendig, denn "Notorious" begnügt sich nur mit dem nötigsten, geht fast jedem Effekt aus dem Weg und arbeitet selten mit einem schnellen Tempo. Es ist die einfache Geschichte zwischen Mann und Frau, zwischen Pflicht und Liebe. Der Konflikt der Liebenden ist zugleich Angelpunkt des Films. Nie lenkt der Film davon ab. Die Spionagegeschichte mit ihrem Nazi-Komplott rückt derweil so sehr in den Hintergrund, dass man Hitchcock Nachlässigkeit unterstellen könnte. Dabei ist das doch nur der MacGuffin.
Claude Rains definiert sich hier ganz klar als der perfekte Hitchcocksche Bösewicht, so menschlich und sympathisch. Sein Handeln bleibt nachvollziehbar und schmerzt zugleich bis zum großen Finale auf der Treppe, wo die Zeit bis aufs äußerste meisterhaft gedehnt wird.
"Notorious" ist Hitchcock in Reinform, die Blaupause eines Genies.
4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
abalahamma 2010/08/19 23:31:20
Kommentar löschenEin großartiges Spiel von Cary Grant und Ingrid Bergman, wie es nicht anders zu erwarten war. Allerdings habe ich von diesem Film mehr erwartet. Vor allem weil mir gesagt wurde, dies sei der beste Hitchcock-Film.
Das ist er- mit Sicherheit- nicht!, das ist aber kein allzu großes Manko
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grossmutti1951 2010/06/26 06:12:04
Kommentar löschenEin Weltmeisterfilm. Mein Lieblingsfilm mit der Zauber einer Winternacht Film zusammen. Er hatte mir ein sehr grosses Erlebniss, er ist ein undenkbarlicher Film. Und die zwei Hauptroller ist ausgezeichnet. Sie sind Gross!!!
Grossmutti1951 (aus Ungarn)
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Darbon 2008/09/01 13:46:05
Kommentar löschenEin ausgezeichneter Hitchcock, doch im Œuvre des Meisters wegen der erst spät einsetzenden Spannung eher im vorderen Mittelfeld. Die hat's allerdings in sich, wenn die Helden während eines Festes im Weinkeller stöbern und auf der Party oben der Champagner langsam und bedrohlich zur Neige geht.
Unsäglich allerdings die deutsche Synchro: Marianne Wischmann alias "Miss Piggy", die blaue Ameisenbärin "Elise" und Frans Mutter "Sylvia Fine" spricht Ingrid Bergman!
3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 1 Antworten
Trash-Gordon 2009/10/20 00:25:12
Antwort löschenIch stelle mir gerade Miss Piggy und Ameisenbärin Elise im Synchronstudio vor... :-)
annaberlin 2008/05/18 18:51:07
Kommentar löschenMein Lieblingshitchcock. Ich liebe Cary Grant und Ingrid Bergman! Außerdem sieht man hier die längste Kussszene der Filmgeschichte...und das ganze spielt in Rio de Janeiro.
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christof.s 2008/01/19 21:12:01
Kommentar löschenGut gemacht, und auf einem konstanten Spannungslevel. Cary Grant und Ingrid Bergman sind gut drauf.
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