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Birdwatchers - Das Land der roten Menschen

BirdWatchers - La terra degli uomini rossi (2008), BR/IT Laufzeit 103 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 16.07.2009


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8.0
Kritiker
8 Bewertungen
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6.8
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75 Bewertungen
11 Kommentare
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von Marco Bechis, mit Taiane Arce und Claudio Santamaria

Die weißen Großgrundbesitzer im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul führen ein komfortables Leben. Der Anbau von genveränderten Pflanzen auf ihren gewaltigen Feldern ist nicht die einzige Einnahmequelle, auch “Birdwatching”-Touren für Touristen sind im Angebot. Die für diese Touren als Foto-Attraktion engagierten Guarani-Kaiowa Indianer fristen dagegen ein klägliches Dasein in ihren Reservaten abseits der fruchtbaren Plantagen, vertrieben von dem Land, das einmal ihnen gehörte. Es ist dieses perspektivlose Leben, das viele junge Guarani in den Selbstmord treibt. Und es ist ein solcher Selbstmord, der die Revolution eines Stammes auslöst. Die Kamera fliegt über dichten, sattgrünen Wald, dann über ein Feld, über die rotbraune, fruchtbare Erde; die Furchen des Ackers sind gut sichtbar. Ein Baum steht vereinzelt, frei. Der Wald und das Feld: Das sind die zwei Sphären, die Marco Bechis in “Birdwatchers” aufeinander prallen lässt. Sie verweisen auf die Welt der Indianer und auf die der Großgrundbesitzer, auf die Welt derer, die schon immer hier waren, und die Welt derer, die vor drei Generationen kamen, um den Wald in Feld zu verwandeln, bis nur mehr einzeln stehende Bäume übrig bleiben. Dem italienischen Regisseur gelang ein Film von hypnotischer Intensität, dessen Sog man sich nur schwer entziehen kann. Er nimmt uns mit auf eine Reise ins Herz des Regenwaldes und ins Innere der Natur.


Cast & Crew

Drehbuch
Filmdetails Birdwatchers - Das Land der roten Menschen
Genre
Drama
Ort
Brasilien
Handlung
Brasilianer, Großgrundbesitzer, Indios, Naturschutzgebiet, Untergang
Verleiher
Pandora Filmverleih
Produktionsfirma
Classic, Gullane Filmes, Karta Film, Rai Cinema

Kritiken (7) — Film: Birdwatchers - Das Land der roten Menschen

G. Jekubzik: Filmtabs G. Jekubzik: Filmtabs

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8.5Ausgezeichnet

Marco Bechis („Junta“), gebürtiger Chilene, der unter der argentinischen Diktatur nach Italien flüchtete, nimmt sich erneut einem Politikum an, jedoch auf ganz anderer Ebene. Ohne Pathos und romantische Verklärung, die jüngere Ethnofilme wie „Khadak“ prägten, gelingt ihm ein authentisches Bild der deprimierenden Gegenwart dieser Jahrhunderte alten Kultur. Dabei fasziniert das ruhige, eindringliche Spiel seiner Akteure, zumeist Laiendarsteller der Guarani-Kaiowa.

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Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte... Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte...

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7.0Sehenswert

Unsentimental und dennoch bewegend erzählt Birdwatchers vom Kampf der indigenen Bevölkerung um ihren Lebensraum, ihre Rechte und Würde, von Umweltschutz und Profitgier. Der Einsatz von Laiendarstellern, die sich selbst als eine Gesellschaft ausgeprägter Individualisten spielen, bürgt für größtmögliche Authentizität und dokumentarische Schärfe. Bilder des sattgrünen Urwalds und der mit Erdfarben geschminkten Gesichter der Indios im Kontrast mit brachen, gerodeten Wäldern verleihen dem Film atmosphärische Dichte.

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Suchsland: FAZ, FR, filmdienst, Berlin... Suchsland: FAZ, FR, filmdienst, Berlin...

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7.0Sehenswert

Das Ergebnis hat sich gelohnt: Mario Bechis beindruckender Film über Identität und Verrat ist beeindruckend in seiner schlichten Schönheit und lässt sich von der Komplexität des Themas nicht durch allzu einfache Lösungen abbringen. Denn einfach zurückdrehen lassen sich die Zeiten nicht - und es wäre ja auch nicht wünschenswert. Denn ohne Entfremdung, ohne das Aufbrechen einer - zumindest scheinbar - homogenen Identität können wir uns sozialen und kulturellen Wandel schlecht vorstellen.

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Der Redaktör: kino-zeit.de Der Redaktör: kino-zeit.de

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10.0Herausragend

Ihr Land ist verschwunden. Der Dschungel, einst Lebensraum der Guarani, wurde gerodet. Drastisch zeigt der meisterhafte Film die Folgen dieses Verlustes für die lateinamerikanischen Ureinwohner auf: Drogenmissbrauch, Prostitution, Selbstmorde. Erst als die Indios beschließen, gegen den erbitterten Widerstand der weißen Herren auf ihr Land zurückzukehren, finden sie auch ihre Identität wieder. Mit bitterem Witz und überzeugenden Laien schildert Marco Bechis diese Rückkehr zu den Wurzeln. Die Ureinwohner, sonst in Filmen bestenfalls im Hintergrund agierend,werden hier zu Helden ihrer eigenen Geschichte.

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alexandra seitz: Berliner Zeitung, tip, ray ... alexandra seitz: Berliner Zeitung, tip, ray ...

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9.0Herausragend

Im Gegensatz aber zu Herzogs "Aguirre" und "Fitzcarraldo" (1982) und Roland Joffés "The Mission" (1986), in denen Vertreter/innen indigener Völker zwar zentrale Motive der Handlung liefern, ansonsten aber als Statisten den malerischen Hintergrund für Stars wie Klaus Kinski und Robert De Niro bilden, stehen die Guarani-Kaiowá in "Birdwatchers" nicht bloß im Zentrum der Geschichte, sie sind auch die Hauptakteure/innen. Zudem stellte Bechis sicher, dass sie die ungewöhnliche Situation der Filmdreharbeiten jederzeit im Griff behielten. Er führte nach einem geduldigen Auswahlverfahren Schauspiel-Workshops durch, erklärte den Ausgewählten filmische Mittel und dramaturgische Strategien. Außerdem wurde, damit alle der Entwicklung der Geschichte folgen konnten, chronologisch gedreht. Jeden Morgen wurde der Drehplan besprochen, die Erfahrungen der Darsteller/innen ebenso wie die Erfahrungen des Regisseurs flossen in die Arbeit unmittelbar ein. Auf der Leinwand ist das Ergebnis dieser großen, geduldigen Arbeit nun in Form dieses großen, ruhigen Films zu sehen. Die Guarani-Kaiowá erzählen uns ihre Geschichte. Es empfiehlt sich, ihnen zuzuhören.

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E. Knörer: taz, perlentaucher, cargo-film E. Knörer: taz, perlentaucher, cargo-film

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7.0Sehenswert

So genau Bechis ist in der Schilderung der Guarani-Lebensumstände und so wenig er dabei zur Idealisierung neigt, so sehr verlässt er sich in den Grundzügen der erzählten Geschichte dann doch auf übliche Schematismen. Er überführt die Komplexität der Entstehung des Films gerade nicht in Experimentalarrangements, sondern zielt auf einen eher dokumentarischen Gestus, bei gleichzeitiger metaphorischer Lesbarkeit der Konstellation. Man kann ihn für diese Sorgfalt und Zurückhaltung bewundern, man kann aber auch feststellen, dass es - abgesehen vom brillanten Auftakt - inhaltlich wie ästhetisch an Überraschungsmomenten fehlt.

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Jürgen Kiontke: Jungle World, ai-Journal, K...

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9.0Herausragend

Die Grenzen des wahnhaft Absurden lotet Bechis auch in »Birdwatchers« aus. Für eine realistische Darstellung der Konflikte arbeitete er mit den Indianern vor Ort zusammen. Auf deren Frage, wie man sich das denn vorzustellen habe mit der Schauspielerei, zeigte er ihnen Sergio Leones »Spiel mir das Lied vom Tod«. Er habe damit demonstrieren wollen, dass es weniger auf Dialoge als auf wortlose Aktion ankomme.

Mit diesem Ansatz konnten die Akteure offen sichtlich etwas anfangen. »Birdwatchers« ist nicht weniger karg und roh in der Darstellung menschlicher Beziehungen als der legendäre Italo-Western von Sergio Leone.

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Kommentare (4) — Film: Birdwatchers - Das Land der roten Menschen


Sortierung

Melcon

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ich gewinne, du hast verloren.

Man kann es ihnen nur wünschen.

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8martin

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Bewertung7.0Sehenswert

Es ist der Kampf zwischen den Indios und den weißen Viehzüchtern um Land. Gleich die ersten Szenen machen die Interdependenz der beiden Volkgruppen vor Ort deutlich: die Weißen bezahlen die Indios für eine Show vor Touristen, in voller Kriegsbemalung und Attacken mit Pfeil und Bogen. Die Indios brauchen das Geld, um zu überleben. Im Verlauf des Films werden die Argumente von beiden Seiten vorgebracht. Der Konflikt eskaliert. Bleibt die Frage: wer verlässt den Boden der Legalität zuerst. Die Indios haben die Wahl, ins Reservat zurückzukehren oder sich als billige Tagelöhner zu verdingen. Bei diesem culture clash ergeben sich aber auch einzelne Begegnungen zwischen Vertretern beiderlei Geschlechts. Dieser universale Drang hebt den Kampf auf eine allgemein menschliche Ebene. Und die Indiofrauen riskieren eine recht offenherzige Lippe dabei.
Es gibt keine Lösung bei dieser Auseinandersetzung, nur individuelle Konsequenzen. Ist die Botschaft also: Gut, dass wir mal drüber geredet haben, sonst wäre das alles womöglich in Vergessenheit geraten? Oder ist es eine Warnung vor dem Konfliktpotential, das hier schlummert?
Auf jeden Fall schafft der Film Einblicke in die Antagonismen des heutigen Lebens der Eingeborenen. Sie müssen mit einem Leben in zwei unterschiedlichen Welten zurechtkommen, die viele Jahrhunderte auseinander liegen.

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Sozionaut

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Der Film zeigt politisch ungeschminkt die strukturellen Transformationspozesse einer ausgrenzenden Dynamik aufgrund eines Raubkapitalismus an Mensch und Umwelt. Empfehlenswert.

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cinorbird

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Bewertung2.0Ärgerlich

Die Story von Amazonas-Indianern, die ihr Reservat verlassen und sich an einer öden Landstraße niederlassen, unterläuft erfolgreich alle filmdramaturgisch ausgerichteten Erwartungen.
Ostfriesische Flachheit ist angesagt, visuell wie intellektuell. Völlig enttäuschend.

Prädikat: abwracken!

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AliMoPo

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Sagt das jetzt mehr über die Beschränktheit des Films oder jene von cinorbird aus?


cinorbird

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Wahrscheinlich über mich-habe dich jetzt verstanden...



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