Blue Velvet - Kritik

US 1986
Laufzeit 120 Minuten, FSK 18, Kriminalfilm, Thriller, Erotikfilm, Drama, Kinostart 17.07.2003

Kritiken (1) — Film: Blue Velvet

Christian H.: Kino, TV und Co, Wicked Vis...

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10.0Herausragend

[...]„It's a strange World“, diese Worte legt Lynch Jeffrey an mehreren Stellen in den Mund, und dieser Satz spiegelt das Unverständnis, das Erstauen seines Protagonisten wieder, der durch "das Ohr" aus der behüteten Idylle der heilen Welt hinaus, und in eine andere Welt eingetreten ist. Eine Welt, die grausam und dreckig ist, die jedoch vorhanden ist, und das nicht irgendwo, sondern eben in derselben Stadt.[...]

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Kommentare (65) — Film: Blue Velvet

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Anoirja

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Bewertung9.0Herausragend

"I don't know if you're a detective or a pervert." - "Well, that's for me to know and you to find out." Viele, viele Jahre nicht mehr gesehen und augenscheinlich wirkt der Film heutzutage doch recht harmlos, wie David Lynch vor ein paar Jahren selbst einmal gesagt hat. Das macht diese fremde, seltsame Welt allerdings kaum weniger verlockend. Ein nahezu perfekt komponiertes Werk, wo ich das Surreale auch nur ein bisschen vermisse. Anyway... not Lynch at his fucking best, but still fucking good, fuckers. "Go to sleep, everything is alright."

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Mimuschka

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ja, ist bei mir auch so. hab am anfang ein paar filme hier über den "filmfinder" bewertet die ich schon über 15 jahre nicht gesehen habe und bei erneuter sichtung waren die plötzlich viel schlechter als in erinnerung. betrifft meistens sogenannte "kultfilme" aus den 80ern/90ern.


RoosterCogburn

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Was ich wirklich JEMALS gesehen habe, kann ich hier nicht bewerten. Das kann hier niemend. Ich bewerte immer das, was mir unter die Finger kommt und ich auch im Gedächnis gegenwärtig habe. Manche Filme, obwohl ich weiß das ich sie kenne, bewerte ich nicht weil ich nicht mehr daran erinnern kann. - Mehr oder minder, halten wir das wohl ähnlich :)


SoulReaver

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Bewertung9.0Herausragend

„Es ist eine fremde, seltsame Welt, was?“

David Lynch ist in der großen, weiten Filmwelt einer der außergewöhnlichsten Regisseure überhaupt. Nicht selten lässt er sein Publikum mit großen Fragezeichen über dem Kopf und verärgert vor dem Bildschirm zurück. Im Gegensatz zu seinen treuen Anhängern, die genau diese unglaubliche Verwirrung lieben und bei jeder erneuten Filmsichtung einen versteckten Denkwinkel und Interpretationsansatz entdecken. Lynch gibt uns in jedem Fall genügend Diskussionsstoff. Mit 'Blue Velvet' von 1986 inszeniert der Meister des Surrealen zwar keinen derartigen Schädeltritt wie 'Lost Highway' und co, füttert seine Fangemeinde aber mit einem alptraumhaften Ritt quer durch unsere schwarze Seele.

Schmucke Vorgärten, wohlerzogene Schulkinder und Menschen, die liebevoll ihren Rasen pflegen: Das ist Lumberton, eine typisch amerikanische Kleinstadt. Doch hinter dem scheinbaren Idyll lauert ein finsterer Abgrund. Am helllichten Tag macht Collegestundent Jeffrey Beaumont einen grausigen Fund: Auf einer Wiese liegt ein abgetrenntes menschliches Ohr. Durch seine Nachforschungen zusammen mit der hübschen Polizistentochter Sandy begegnet Jeffrey der verführerischen Nachtclubsängerin Dorothy und dem drogensüchtigen Sadisten Frank. Bald ist Jeffrey in einem ihm bisher unbekannten, verstörenden Welt, in einem mörderischen Bann voller abgründiger Leidenschaft und Gewalt - bis es kein Zurück mehr gibt!

Wir schwanken zwischen der glänzend-schimmernden Vorstadtidylle und einem abgründigen, dunkelblauen Schleier der immer wieder über dem Film schwebt. Dieser Kontrast bindet den Film nach und nach in eine der bedrohlichsten Atmosphären überhaupt ein. Die musikalische Untermalung findet der Film durch den Soundtrack von Angelo Badalamenti, der durch seine charmante und nostalgische Ader und der unterschwelligen Bedrohung einmalig ist. Dazu der sich immer wiederholende Klassiker "Blue Velvet" von Bobby Vinton, der für den Film natürlich kaum passender sein könnte.

Mit Kyle McLachlan und Laura Dern hat 'Blue Velvet' genau die richtigen Schauspieler für die unschuldigen Vertreter der Vorstadt gefunden. McLachlan spielt Jeffrey, den Collegestundeten der durch ein abgetrenntes Ohr (s)einen Abgrund betritt. McLachlan ist blendenden gewählt und kann durch sein unaufdringliches und sympathisches Schauspiel schnell die Zuschauer auf seine Seite ziehen. Ebenso Dern, die als Polizistentochter Sandy zwar weniger Zeit zum Entfalten bekommt, in ihren Szenen aber immer überzeugen kann. Das große Highlight des Films ist allerdings Dennis Hopper der sich als extremer Psychopath Frank quer durch den Film flucht und dabei in einen beängstigenden Rausch spielt. Isabelle Rossellini als Dorothy Vallens meistert den Grat zwischen verführerisch und erschreckend durchgehend und kann ebenfalls eine mehr als starke Leistung abrufen.

Der Vorspann läuft, wir blicken auf den dunkelblauen Vorhang. Ein Vorhang der uns noch vor der Wahrheit schützt und trennt. Doch er lüftet sich und wir werden zuerst in die pure Idylle geworfen. Helle Farben, freundlich-grinsenden Menschen und pure Wärme. Doch der erste Zwischenfall lässt nicht lange auf sich warten und als würden die Insekten tief im Gras uns die dreckige Welt prophezeien, werden wir auch langsam in sie gezogen. Das abgetrennte Ohr ist die verschimmelte Eintrittskarte in Jeffreys fremde Welt. Jeffrey ist ein unschuldiger, wohlerzogener Mann der nie ahnen würde was sich in seiner Nachbarschaft abspielen könnte. Doch seine Neugierde ist unaufhaltbar und er steigt in diese schwarze Welt ein und wird ein Teil. Er wird selbst ein fremder. Nachdem er Dorothy nähergekommen ist und seine ersten Erfahrungen mit ihr sammeln konnte sieht er das Chaos auf zwei Beinen zur Tür reinkommen. Frank einer der furchtbarsten und erschreckendsten Charaktere überhaupt. Für Frank ist Dorothy nur eine Sexmarionette. Er prügelt auf sie ein, beschimpft sie und nimmt sich was er will. Immer mit seiner Inhalationsmaske in der Tasche die ihn mit irgendwelchen Drogen benebelt und sein krankes Hirn noch weiter zertritt. Der Wahnsinn hat diesen Mann längst überwältigt. Doch Jeffrey scheint immer noch nicht abgeschreckt genug von dieser Realität zu sein. Er besucht Dorothy erneut und hat Sex mit ihr. Eine emotionale Basis entsteht zwischen den beiden. Nicht zuletzt dadurch, dass Dorothy einen anderen Mann in Jeffrey zu sehen scheint. Jeffrey ist vollkommen hin und hergerissen. Schockiert von seinen Erlebnissen und angezogen von den reizen der neuen, unentdeckten Welt. Doch dieses Mal kommt Jeffrey nicht ungeschoren davon und läuft Frank direkt in die Arme. Was nun folgt ist ein schrecklicher Alptraum der bittere Folgen für alle haben wird.

Mit 'Blue Velvet' erzählt uns die David Lynch zu Anfangs eine recht lockere Krimistory. Das dies jedoch nicht der Hauptpunkt der Geschichte ist, wird dem Zuschauer schnell bewusst. Die Vorstadt-Romantik, mit ihren gepflegten Gärten und weißen Zäunen ist Fassade. Überall warten Abgründe, vielleicht auch in unserer Nachbarschaft, und wir befinden uns in einem Psycho-Thriller der packendsten Art. Abgründe die uns zu schnell vernichten können und uns zu einem Teil von ihnen machen. Die Eigenschaften und Charaktere sind hier in zwei ganz klare Gruppen eingeteilt. Es gibt die Guten und Bösen. So denkt man jedenfalls. Doch im Laufe der Geschichte verschmelzen diese beiden Gruppierungen. Helligkeit wird von Dunkelheit übermannt. Gut und Böse versinken in sich selbst und finden erst am Ende ihre wirklichen Plätze. Ganz besonders deutlich und beeindruckend festgehalten ist das in der Szene, in der Dorothy nackt und misshandelt im Vorgarten der geräumten Vorstadt steht. 'Blue Velvet' ist ein Aufzug geradewegs in die dunkelsten Kammern der menschlichen Seele. Tief verborgen in uns allen. Aber es wäre kein Lynch wenn wir uns am Ende nicht doch wieder unzähligen Fragen widmen müssten. Fragen die uns während des Films gar nicht in den Sinn kommen würden und sich erst am Schluss oder Stunden danach stellen. Er hämmert natürlich nicht in dem Ausmaß eines 'Mulholland Drive' auf uns ein. Auf eine Straße der Finsternis schickt er uns aber in jedem Fall. Wo hat sich diese Geschichte abgespielt? War es nur ein Alptraum einer geschundenen Seele? Eine Vision? Eine ausgebaute Phantasie eines perversen? Oder doch die bittere Realität? Viele Interpretationsweisen lassen sich hier aufzählen und im Film an vielen Ecken und Enden entdecken. Das alles Entführt uns wieder in das unverwechselbar atmosphärische Lynch-Universum aus dem wir uns kaum entziehen können und immer wieder einen neuen Versuch starten müssen. Immer und immer und immer...

Fazit: 'Blue Velvet' ist eine Fahrt durch sexuelle und gewalttätige Abgründe. Ein Rausch aus finsterer Menschlichkeit, blauem Wahnsinn und farbenfroher Täuschung. Mit grandiosen Darstellern, tollem Soundtrack, fantastischer Atmosphäre und einem starken Soundtrack wird 'Blue Velvet' ein Film der ganz besonderen Art. Eben ein typischer Lynch, obwohl er sich in vielen Belangen von den anderen so klar unterscheidet. Dazu ist 'Blue Velvet' mit Sicherheit ein Film der mit jeder erneuten Sichtung wächst.

„Ich weiß nicht, ob du nur neugierig bist oder pervers.“

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FilmFreeza

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Wieder so einer, den ich jetzt unbedingt sehen will :D


SoulReaver

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:D


fkfilmkritik

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Bewertung9.5Herausragend

Ein Blick durchs Ohr. Ein Blick ins Grauen. Ein Blick in die fremde Welt. Ein Blick in die surreale Welt. Ein Blick in die Insekten-Welt. Ein Blick hinter den Kleinerschrank. Ein Blick in einen Psychopathen. Mehrere Blicke in BLUE VELVET.

BLUE VELVET hat es leider nicht immer leicht. Echte Lynchianer fuehlen sich unterfordert. Leute mit einfachem Gemuet ueberfordert. Dabei ist BLUE VELVET ebenfalls ein absolutes perfektes Glanzstueck und Meisterwerk in dem Gesamtwerk meines Lieblings-Regisseures. Ein Film, der einen in eine fremde Welt fuehrt, die den Zuschauer zuerst durch kitschige Gaerten, ein durch kitschiges Dorf wandern laesst und immer tiefer in den Abgrund schickt - diesen gezeichnet als abgetrenntes Ohr und symbolisiert mit Insekten. Die Schauspieler sind einfach fantastisch. Viele stoeren sich an dem over-acting von Laura Dern. Ich wiederum fand das dies passte in dieses schrill, kitschig-aufgetakelte Dorf. Dabei untermalt er noch perfekt die Mystik mit einer brillanten Isabella Rossellini, die den geheimnisvollen Part uebernimmt. Die Hauptfigur - gespielt von Kyle MacLachlan ist ebenfalls pefekt als der junge, sympathische Jeffry. Aber den Hoehe-Punkt bietet natuerlich immernoch der brandgefaehrliche Dennis *Fucking Fuck* Hopper, vor dem man sich einfach nur im Schrank verstecken will. Allein wie er durch die Inhalationsmaske atmet. Horror!

Viele Lynch-Filme sind bekannt dafuer, das man sie sich immer wieder ansehen will bzw. muss, um die Handlung zu verstehen oder verstehen zu wollen. Das ist bei BLUE VELVET sicher nicht ganz so, doch man sieht ihn sich einfach gerne mehrmals an und was zum interpretieren gibt es auch bei genauerem Schauen. Aber am besten funktioniert dieser Film als knallharter, fieser, und unheimlich fesselnder Thriller, der einen gerne die ein oder andere Nacht Schwierigkeiten beim Einschlafen bereitet. Der Song ist natuerlich auch genial!
(10 Punkte gibt es wahrscheinlich nach der naechsten Sicht)

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hoffman587

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Schließe mich dem Samourai, und auch mein mein persönlicher Liebling vom Meister. :)


fkfilmkritik

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@Punsha: Einer der besten! ;)
@Shritz: Ja, der geht immer! Danke fuer das Kopliment. Und ja es heisst natuerlich so. Wenigstens mal ein amuesanterer Tippfehler. :P
@Le Samourai: Danke! Bei mir ist es MD. ;)
@hoffman: I know! ;)


maria.maria

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Bewertung9.0Herausragend

"From the mind of david lynch
comes a modern day masterpiece
so startling
sp provocative
so mysterious
that it will open your eyes to
a world you have never seen before"

Ein spießbürgerlicher Vorgaten mit weißgestrichenem Gartenzaun und davor strahlende rote Rosen, stark überbelichtet und in übertriebenen Kontrastverhältnissen gefilmt. Bereits in dieser ersten Anfangsfrequenz erschafft David Lynch eine künstliche und unecht erscheinde Welt, die man aber tzrotzdem betreten will.

Bereits nach den ersten Sekunden breitet sich eine Atmosphäre aus, die es einem kalt über den Rücken laufen lässt. Lynch verlässt die oberflächliche, scheinbar heile Welt und dringt in die Grauzonen der menschlichen Psyche ein. Auch in diesem Meisterwerk dreht sich alles um die bereits gewohnten Lynch Standardthemen: Gewalt, sexuelle Obsession und Bessenheit. Dazu gesellt sich ein beliebtes Hitchcockmotiv nämlich der Voyeurismus- die Lust am Zuschauen. Die sich sowohl bei Jeffrey, als auch beim Zuseher selbst, der ebenso gefesselt und gespannt Jeffrey verfolgt, wie sich dieser immer mehr in einem Strudel verfängt, zeigt.

Weiters überzeugen sehr abstrakt durchgezeichnete Charaktere, die zwar durch ihre Verrücktheit und Perversion uns fremd erscheinen, aber unsdurchaus (auf welche art auch immer) beschäftigen. Und auch zum Nachdenken, Weiterdenken anregen.
Jeder Charakter ist mit unglaublicher Kreativität erschaffen und mit den perfekten Schauspielern besetzt worden. Besonders Giovanna Rossellini verkörpert ihren Charakter mit unglaublicher Präzision und Authentizität.

Jeffrey steht in einem Zwiespalt. Einerseits fasiziniert in die blauäugige Tochter des Polizisten. Die mit ihrer klassischen Schönheit und jugendlichen Verspielheit glänzt. Andererseits steht ihm eine verruchte Sängerin mit erotsichen Phantsien gegenüber. Er ist hin und her gerissen zwischen zwei Frauentypen, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Jeffrey lernt noch nie zuvor erfahrene Seiten seiner Sexualität kennen. Und der Zuschauer fragt sich im Laufe des Filmes immer öfter das was Sandy offen ausspricht: "Bist du pervers oder einfach nur neugierig ? ... "
Ich liebe dieses Zitat, diese Direktheit. In diesem Moment schafft es Lynch die Gedanken des Zusehers durch Sandys Worte Ausspruch zu verleihen. Meiner Meinung nach eine der gelungensten Szenen der Filmgeschichte.

"Blue Velvet" hat das erreicht, worum es in der Welt des Filmes gehen sollte. Dieser Film hat etwas in mir ausgelöst. Eine Stimmung. Mein Bewusstsein erweitert, meine Augen geöffnet und alles schien in einem anderen Licht zu erscheinen.
Daran erkennt man ein filmisches Meisterwerk, es lässt einen nicht mehr los, fesselt und projeziert eine Stimmung, einen Zustand auf den Zuseher bis er/ sie es selbst fühlt.

Das ist Film. Das verkörpert für mich die Leidenschaft des Filmes.

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kolja10000

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Bewertung5.0Geht so

Als ein Lynch-Fan fällt es mir schwer diese Note zu vergeben, aber meiner meinung nach hat er mehr als Note 5 nicht verdient. Ich glaube ich habe mir bei diesem Film was ganz anderes vorgestellt, so etwas wie Lost Highway oder Mullholand Drive. Und deswegen wurde ich vielleicht enttäuscht. Man sieht zwar dass es ein Lynchfilm ist, trotzdem fehlte etwas. der ganze Film wirkte etwas gekünstelt . Die Schauspieler haben total übertrieben ihre Rolle gespielt, wie z.B.Laura Derns geheule, wie sie ihr Gesicht verzogen hat. Dennis Hopper hat sich aufgeführt, als ob er gerade von Anstallt entflohen ist. Sein "FUCK YOU" ging mir auf die Nerven. Ich habe mir Lost Highway mehrmals am Tag angeguckt, Mullholand Drive auch, aber diesen Film werde ich mir nicht noch einmal angucken.

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Roco De Long

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Schau ihn dir nochmal an! Oder von mir aus nur die Eröffnungssequenz mehrfach hintereinander. Denn mit "gekünstelt" bist du verdammt nah dran an der Genialität dieses Films! Er ist anders und die Abgründigkeit nicht so unmittelbar spürbar wie in den von dir genannten Werken (die natürlich ebenfalls großartig sind). Das Gekünstelte - oder besser gesagt die Künstlichkeit - dieser Welt bedarf einer anderen Sehgewohnheit. Und dann muss man sich fragen: WARUM diese Inszenierung? Und WARUM dann die Fahrt auf die Käfer? Wie gesagt: genial :)


filmfan90

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Bewertung9.0Herausragend

David Lynch illustriert in seinem längst zum Klassiker avancierten Psychothriller „Blue Velvet“ aus dem Jahre 1986 die Wechselwirkungen von „Gut“ und „Böse“ und zeigt, dass zwei Seelen in der Brust des Menschen wohnen:
Nachdem sein Vater einen physischen Zusammenbruch erlitten hat, lässt sich der College- Student Jeffrey Beaumont (Kyle McLachlan) beurlauben und kehrt in seine beschauliche Heimatstadt Lumberton zurück. Bereits kurz nach seiner Ankunft entdeckt Jeffrey während eines Spazierganges ein abgetrenntes menschliches Ohr im Dickicht. Pflichtbewusst bringt er den grausigen Fund zur ortsansässigen Polizeistation. Doch darüber hinaus ist die Neugier des Studenten geweckt, weshalb er sich dazu entschließt, auf eigene Faust herauszufinden, welche Hintergründe zu seiner Entdeckung geführt haben. Jeffrey verbündet sich mit Sandy, der attraktiven Tochter des ermittelnden Polizeiinspektors, welche ihm den Hinweis gibt, dass ihr Vater das abgeschnittene Ohr mit der Nachtklub- Sängerin Dorothy Vallens (Isabella Rossellini) in Verbindung bringe. Daraufhin tritt Jeffrey mit jener Sängerin in Kontakt: eine Reise in die Abgründe der menschlichen Psyche nimmt ihren Anfang…
Bereits in der Eröffnungssequenz stellt David Lynch in für ihn typischer Manier die Scheinhaftigkeit der Postkartenidylle des Örtchens Lumberton dem unter dem frisch gemähten Rasen verborgenen Grauen – in Form einander auffressender Käfer – gegenüber. Fungiert die Erdoberfläche als Trennlinie zwischen Sichtbarem und Unsichtbarem, so stellt das Ohr – der Eingang zum Gehirn des Menschen - den Mittler zwischen Bewusstem und Unbewusstem dar.
Den Zwiespalt von „Gut“ und „Böse“, „zugelassener Sexualität“ und „Perversion“ , „normal“ und „unnormal“ verdeutlicht Lynch, der auch das Drehbuch zu „Blue Velvet“ verfasste, durch die weiblichen Figuren, die biedere Sandy und die „verruchte“ Dorothy, welche völlig andere Gelüste in dem Protagonisten wecken: lässt das High-School-Girl Sandy Jeffrey von einer gutbürgerlichen Existenz träumen, so weckt Dorothy in ihm bislang unbekannte sadomasochistische Sexualfantasien.
Sobald Frank Booth (Dennis Hopper), der sich völlig dem „Bösen“ verschrieben zu haben scheint, in die Filmhandlung tritt, gewinnt „Blue Velvet“ überdies eine weitere, überaus interessante dramaturgische Komponente: jener Frank, der sich mit einem Beatmungsgerät Rauschgift zuführt – Jeffreys Vater wird im Krankenhaus mit einer Atemmaske am Leben erhalten! - , rücksichtslos mordet und Dorothy regelmäßig vergewaltigt, ist als mephistophelische Gegenfigur zu Jeffrey zu begreifen, der es gelingt, die klar definierten Moralvorstellungen des Jungen in Frage zu stellen, indem er seine Faszination für das „Schlechte“ weckt; (SPOILER!) doch Jeffrey bleibt letztlich resistent gegen all jene Versuchungen, die Frank in ihm weckt, und kehrt in seine gutbürgerliche Existenz zurück. Doch gibt es ein richtiges Leben im „Richtigen“? (SPOILER ENDE)
Lynch gestaltet seinen Film überaus faszinierend; Kameramann Fred Elmes zeichnet sich verantwortlich für eine Vielzahl memorabler Aufnahmen. Der immer wiederkehrende, titelgebende Song „Blue Velvet“ von Bobby Vinton manifestiert – in Anbetracht des Gezeigten – die überaus exzentrische Atmosphäre dieses Werkes, für deren Beschreibung – ob im Guten oder im Schlechten -das Wort „lynchig“ unlängst zum Jargon eines jeden Filmliebhabers zählt.
Auch in „Blue Velvet“ sind die Wurzeln der Filmkunst Lynchs unübersehbar: die Kulissen des Bilderbuchstädtchens im 1950er- Look erinnern an die Melodramen Douglas Sirks (vgl. etwa „All that Heaven Allows“), Jeffreys aufkommender Voyeurismus ruft die Erinnerung an Hitchcocks „Rear Window“ wach und die konsequente Grausamkeit - man beachte vor allem die Szenerie – mit der gegen Ende des Films das Geschehen in Dorothys Wohnung dargestellt wird, lässt sich fraglos als Reminiszenz an Scorseses „Taxi Driver“ verstehen. All jene intermedialen Bezüge gelingt es Lynch in einen völlig veränderten Wirkungszusammenhang zu stellen und unerwartet zu kontextualisieren.
Betrachtet man die inszenatorische Raffinesse von „Blue Velvet“ – der Titel ist übrigens als Anspielung auf die so genannten „Blue pictures“, d.h. Amateur- Pornos, zu verstehen -, das kongeniale Spiel mit den Erwartungen des Publikums, die Lynch immer wieder ad absurdum führt, und nicht zuletzt die durchweg hervorragenden Darsteller- Leistungen, ist es nicht zu hoch gegriffen, David Lynch als einen Botschafter einer völlig neuen Ära des Weltkinos zu bezeichnen: der Postmoderne.

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filmschauer

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Du solltest unbedingt mehr Texte hier schreiben. Immer wieder ein Highlight! :)


filmfan90

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Dankeschön! :)
Ich hoffe, dass ich mich in der nächsten Zeit wieder etwas aktiver auf moviepilot betätigen kann.


ihre-herrlichkeit

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Bewertung3.5Schwach

Was war das denn! Ich habe mich fast zu Tode gelangweilt! Und dafür gab es eine Vorhersage von 8,0 und so einen positiven Aufschrei in der Community?
Ja, die Kameraführung war (stellenweise nur!) sehr außergewöhnlich, ja es sollten Tabus gebrochen werden, ja, man sollte einen Einblick in den modrigen Hintergrund der guten Bürger kriegen, aber das war alles ziemlich lächerlich inszeniert, musste ich bedauerlicherweise feststellen.
Die Dialoge hatten überhaupt keinen Pfiff. Ein zwölfjähriges Kind hätte sie interessanter und außergewöhnlicher schreiben können. Die Handlung war ein 08/15 Krimi und ne richtige Auflösung gab es zum Ende hin auch nicht. Darüber hinaus waren die "bösen" Szenen so pathetisch inszeniert, dass ich laut loslachen musste, anstatt den "Thrill" zu spüren. Als dann noch die Schlampe zum Tanzen aufs Autodach geklettert ist, während Dennis Hopper Kyle MacLachlan mit Lippenstiftküsschen bedeckt und ihn mit "Fucker" anbrüllt, war es vorbei.
Nee, Lynch und ich werden keine Freunde. Es gibt nur wenige Filme von ihm, die ich zu schätzen weiß.

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ihre-herrlichkeit

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Mir sind die Inhalte und die Stilmittel durchaus bewusst, aber mir haben sie halt nicht gefallen.


audio

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Sag ich doch: schade...
Ich habe den Film völlig anders erlebt. Und da war ich sogar jünger als du jetzt bist. Aber das wird eh nicht am Alter liegen sondern wohl an der völlig andersartigen Grundeinstellung zum jeweiligen Film. Oder?


Kuno Silenart

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Bewertung7.5Sehenswert

sehr guter film! bemerkenswert finde ich das rotkehlchen- und das holzmotiv.
obwohl ich den film auf bluray habe gucke ich ihn am liebsten auf BETAMAX

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doctorgonzo

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Ich dachte, der einziger, der noch einen Betaplayer hat, wäre Al Bundy.


ihre-herrlichkeit

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Dieses ganze neumodische Zeug! Ich weiß gar nicht, was das alles ist!


ElMagico

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Bewertung7.5Sehenswert

Mit "Blue velvet" legte David Lynch 1986 seine Version des Film Noir vor und diese war doppelbödiger, erschreckender und abstossender, als es sich der Film Noir je traute. Lynch entführt uns in eine idyllische Kleinstadt und gewährt uns einen Blick unter die Oberfläche dieser Stadt und seiner Einwohner. Wer sich hier an eine Serie erinnert fühlt, die auch von David Lynch stammt, der liegt vollkommen richtig.
Zwar musste auch "Blue velvet" einige Budgetkürzungen hinnehmen, es scheint jedoch der erste Film zu sein, bei dem er nicht extrem ans Sparen denken musste und sich weitesgehend selber ausleben und verwirklichen konnte. Und durch sein Gespür für einzelne Szenen, für die Macht der Farben und seine Fähigkeit eine, mit Worten oft nicht zu fassende, Atmosphäre zu schaffen, lässt er "Blue velvet" zu keinem Augenblick ansehen, dass ihm fast die Hälfte des Budgets gestrichen wurde.
So verfolgt man den unbedarften Jeffrey, wie er durch einen Zufall und der geweckten Neugier tief in die Niederungen der Menschlichen Seele hinabsteigt und immer wieder Gefahr läuft, aus diesen Tiefen nicht mehr empor zu steigen. Er gerät in einen Strudel aus Gewalt, sexueller Andersartigkeit und lernt ein Milieu kennen, das alle seine Werte mit Füssen tritt und in der fast schon animalische Gesetze herrschen. So sehr Jeffrey davon angewidert ist, so sehr ist er auch davon angezogen und wird im Laufe der Geschichte immer mehr mit seinen eigenen Abgründen und Trieben konfrontiert, welche im Widerspruch zu seinen eigentlichen Gefühlen stehen.
Als Zuschauer ist man nicht mehr als Voyeur, nicht mehr als der Spanner am Unfallsort. Man sieht was geschieht, kann es bewerten, aber nicht verhindern. Und Phasenweise scheint es, als mache es David Lynch dem Zuschauer noch mehr abstossende Bilder und Szenerien hineinzudrücken. Ihm noch eine der hasserfüllten, vor Perversionen strotzenden Reden von Frank aushalten zu müssen. Als wolle Lynch, dass sich der Zuschauer ja nicht wohl fühlt.
Denn die Kriminalgeschichte, was der Film als Ausgangsbasis ist, tritt immer mehr in den Hintergrund. Spätestens ab der Tour, die Jeffrey gezwungenermaßen mit Frank und seinen Jungs unternimmt, wird der Film zum optischen und inhaltlichen Höllenritt. Natürlich ist das 2011 nicht mehr so schockierend, Lynch verzichtet jedoch auf jeglich künstlerische Provokation, allem hier wohnt ein erschreckender Realismus inne und geht dadurch tiefer als all die geplanten Kunst-Porno-Provokationen all der Gallos und von Triers.
Während auf der helleren Seite Kyle MacLachlan und Laura Dern solide Schauspielkunst liefern, bekommen Dennis Hopper und Isabella Rossellini auf der dunklen, kaputten Seite die Möglichkeit ihr ganzes Können zu zeigen. Besonders Dennis Hopper spielt den perversen Gangster Frank Booth als sei der Leibhaftige hinter im her.
Aber ich will nicht verheimlichen, dass der Film seine Längen hat, vorallem da der Kriminalplot nur wenig Spannung zu bieten hat, da er ein Schattendasein gegenüber der Darstellung der menschlichen Abgründe fristet. Diese Bilder, so schön sie meist auch fotografiert sind, greifen aber nicht immer und nutzen sich zeitweise auch ab.
Aber schon alleine Dennis Hoppers Performance ist einen Blick auf "Blue velvet" wert.

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Spielberg_Fan

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Bei dir ist wohl momentan Lynch Monat:)


ElMagico

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Lynch-Tage ja...nachdem diese 5 Box eingetroffen ist, und ich somit alles hab, dacht ich mir ab dafür :)


DeDavid

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

"I looked for you in my closet tonight. "

Was 1986 als kontroverser Thriller galt, der die Massen spaltete, kann heute niemanden mehr schocken, da es nunmal zahlreichen neuen indizierten bis pervertierten (und schlechteren) Kram gibt.
Doch "Blue Velvet" ist deswegen nicht schonungslos veraltet. Von Beginn an lässt sich Lynchs Unterschrift ausmachen, obwohl sein Durchbruchswerk weitaus stringenter und weniger verwirrend als seine sonstigen Filme funktioniert.
Neben Kyle MacLachlan, der an erster Stelle mit seiner Rolle als Agent Dale Cooper in Lynchs gottesgleicher Serie "Twin Peaks" assoziiert werden dürfte, gibt es genug Symbolik, um damit eine mehrbändige Buchreihe zu füllen. Egal, ob die Tagtraumsequenzen, die den surrealen Touch bekräftigen oder die bewusste Einbringung von Farben, wie etwa der titelgebende "Blaue Samt". (Übrigens auch ein schöner Song!)
Wie der junge Jeffrey wird der Rezipient in einen Sog aus SadoMaso-Praktiken, Gewalt, vulgären, leicht beschränktem Vokabular ("Fucker") und Entlarvung hineingerissen, aus dem eine Entziehung ohne nachzudenken mehr als schwierig ist.
Sozusagen ein Lynch für Einsteiger in sein brillantes, zweiwertiges, unwirkliches Universum.

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Shorty06

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Blue Velvet von David Lynch
Mein erster Lynch war der meisterhafte Eraserhead. Ich ging damals mit einem ganz seltsamen Gefühl aus der Sichtung, einem Gefühl, welches Filme normalerweise nicht in mir auslösen. Mein zweiter Lynch war Wild at Heart, welcher etwas konventioneller, aber dennoch ziemlich abgefahren war. Hat mir recht gut gefallen.
Und nun sollte es also Blue Velvet sein. Ein Film, der von nicht wenigen als Lynchs bester angesehen wird, und der als Inspirationsquelle für eines der besten Deutschrap-Alben aller Zeiten gilt. Ich erwartete einen Mindfuck.
Und dementsprechend war ich etwas überrascht als ich den Film tatsächlich sah. Natürlich hat er einige Lynch-typische Momente, doch im großen und ganzen ist Blue Velvet ein ziemlich geradliniger Suspense-Thriller. Man merkt ehrlich gesagt, dass David Lynch den Film nicht auf der Basis eines soliden Drehbuchs gedreht hat, sondern dass er die Story um einige Szenen herum aufgebaut hat. So darf man keine innovative Geschichte erwarten, allerdings einige äußerst eigenartige Szenen.
Die Schauspieler sind allesamt sehr gut, allen voran natürlich der legendäre Dennis Hopper. Seine Darstellung als drogenabhängiger Psychopath ging in die Filmgeschichte ein.
Alles in allem ein sehr guter Film, der für einen Lynch doch recht "normal" ist. Doch was ist schon normal?
Blauer Samt, ihr Fucker!

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THE_JUDGE

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Bewertung7.5Sehenswert

Glaubt man den Drucken auf den vielen DVD-Film-Hüllen, ist so ziemlich jeder Film ein bahnbrechender Klassiker, der sein Genre maßgeblich umgekrempelt hat. So auch bei Blue Velvet, die NY Times meint es wäre "Ein zeitloser Kultklassiker" und Cinema meint "Böse, pervers, verstörend, faszinierend, originell ... sehenswert". Ok, das lass ich erstmal so stehen. Was das handwerkliche bei BV betrifft, gibt es eigentlich nichts zu meckern. Die Atmosphäre ist durchweg gelungen, die Schnitte stimmen und auch der Score passt. Irgendetwas stört mich dennoch an diesem Film, aber ich bin mir noch nicht sicher was es genau ist. Vielleicht ist es die Geschichte, die ich persönlich nicht als allzu spannend und ein wenig langsam und langatmig empfunden habe. Auf manche Geschehnisse wird in dem Moment als sie passieren großen Wert gelegt, aber fürs Große und Ganze sind sie dann scheinbar doch unbedeutend. Langsam beschleicht mich auch das Gefühl das einen Filmklassiker eine möglichst komische Geschichte, der häufige Gebrauch des Wortes "Fuck", seitens des Bösewichts wahlweise auch der oder des Helden und mindestens ein, durch den Gebrauch von Schusswaffen austretendes Gehirn ausmacht. Das ist manchmal ganz nett, aber irgendwann langweilt es auch ein wenig (man wird ja auch älter ne ;) ). Ich will den Film jetzt aber garnicht schlecht machen, hat er trotz allem was ich jetzt hier zu erzählen hatte, doch einige gute, amüsante und absurde Dinge zu bieten. Es ist für mich nicht der Klassiker als den die besagten Aufdrucke ihn titulieren, aber nichts desto trotz kann man diesem Film mal die Zeit widmen die er lang ist.

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doctorgonzo

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Es ist, als würde man seinem Lieblingsfußballteam vor dem alles entscheidenden Spiel beim Warmmachen zuschauen: Die Jungstars, die alten Hasen, die nach längerer Pause mal wieder loslegen und an der Seitenlinie der Trainer, von dem man weiß, dass er immer eine Überraschung parat hat.
Lynchs Fingerübung im ländlichen Lokalkolorit, bevor er uns "Twin Peaks" kredenzte!

Wenn man, wie ich, "Blue Velvet" lange nach "Twin Peaks" und fast eine ganze Dekade nach "Lost Highway" gesehen hat, ist man von der geradlinigen Erzählstruktur beinahe erstaunt.
Lynch ist für seine Verhältnisse beinahe schon sparsam mit den Anforderungen an sein Publikum.
Trotzdem ist "Blue Velvet" eben ein unverkennbarer Lynch-Film. Ein Spiel mit grandios umrissenen Charakteren (wohl allein die Charakterbeschreibungen eines durchschnittlichen Lynch Werkes sind sicher umfassender als alle Drehbücher eines aktuellen durschnittlichen Kinosommers zusammengenommen), farblicher Symbolik, ungefiltertem emotionalem Thrill und einem hervorragend instruierten Cast, der vom Meister durch diese Geschichte getrieben wird.
Ich will hier garnicht den Versuch starten, unbedarften potentiellen Zuschauern einen David Lynch Film zu erklären. Es wäre so unnötig wie sinnlos. Es geht nicht um Sinn, man hat den Eindruck, Lynch eröffnet einem die mannigfaltigen Interpretationsansätze nur, damit er noch mehr psychologischen Schabernack mit seinem Publikum treiben kann, während er uns Bilder, Figuren und Geschichten präsentiert, die in die aktuelle Filmlandschaft passen würden wie ein Bild von Warhol oder Dalí in eine Käthe Kollwitz Ausstellung.
Ob nun MacLachlans Rolle eine Analogie auf Lynch ist, der der Lumberjack-Idylle seiner Heimat ebenfalls entfloh und trotz großer Leidenschaft für dunkle Anzüge das Holzfällerhemd seines Vaters schätzt und die ganze Geschichte sich um eine Zeichnung eines verdrehten Ödipuskomplex handelt, ist eigentlich nicht von Belang.
MacLachlan und Dern sind ein tolles Leinwandpaar, dessen Findung ebenso das eine oder andere American Dream Landeiklischee karikiert wie es der Gegensatz von strahlend weißen Gartenzäunen und der beinahe perversen Abgründigkeit der Figuren tut.
Hoppers manische Rolle ist in ihrer Verstörtheit so greifbar und bedrohlich wie nur wenige Bösewichter der jüngeren Filmgeschichte, zeitgleich wirkt er aber so erschütternd lächerlich, dass auch hierhinter Methode stecken muss.
Rosselini als in die Enge getriebenes Opfer, das durch die Misshandlungen seitens ihres Peinigers quasi schon auf eben diese konditioniert ist, macht einen guten Job, für den sie sich viel negative Kritik gefallen lassen musste. Denn nicht jeder kommt mit den sexualisierten Darstellungen eines David Lynch zurecht.
Im Nebencast glänzt vor allem Dean Stockwell als wahrlich abgedrehter Kumpel des bösen Dennis Hopper.

Beeindruckende Bildersprache, gut platzierte Psychospielchen und eine spannende Geschichte mit massig Optionen für diverse Lesarten, kombiniert mit einer, für Lynch, sehr simplen Erzählstruktur: der wohl einsteigergeeignetste Lynch.

Vielleicht liegt es daran, dass "Blue Velvet" trotz aller Klasse für mich merklich hinter "Lost Highway" zurückbleibt, auch wenn ich nicht umhin komme anzuerkennen, dass man viele der Dinge, die Lynch hier richtig macht, später in noch besserer Form wiederfindet. Von "Twin Peaks" bis eben zu "Lost Highway".

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Le Samourai

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Schöner Text, aber für mich ist BLUE VELVET ganz klar Lynchs absolutes Meisterwerk und sein (mit kleinem Abstand) allerbester Film!


MikeC.

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Filme von David Lynch liebt man oder man hasst sie.
Blue Velvet, eines seiner frühesten Werke, ist im Vergleich zu Lost Highway, Mullholland Drive oder Inland Empire noch relativ gewöhnlich, doch auch dieser zeigt schon die typischen Lynch-Züge. Eine durchdachte Story, außergewöhnliche Charaktere (Stichwort: Frank Booth, gespielt von Dennis Hopper), die typische und wiedererkennbare Musik, seine beiden Lieblinge Kyle MacLachlan und Laura Dern.
Auch wenn Blue Velvet nachvollziehbar war und eigentlich keinen Interpretationsspielraum zulässt, so ist er vielleicht kein typisches Lynch-Werk, für sich betrachtet aber immer noch ein sehr guter Film mit einem leider zu rosa-roten Ende.

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Tyler__Durden

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Bewertung7.5Sehenswert

Ganz zappelig saß ich da gegen Ende und wartete gespannt wann denn nun enthüllt wird das das alles ja doch nur ein Traum war und der Jeffrey irgendwie psychisch Krank in einer Heilanstalt sich diese ganze Mystery-Detektiv Geschichte nur ausdenkt, als einen Katalysator um so seine Emotionalen Probleme irgendwie zu handhaben. Aber nichts. Da sieht man mal wie viel ein Name die eigenen Erwartungen manipulieren kann. Denn Blue Velvet war entgegen meinen Erwartungen nämlich ganz, nun, normal. Das hat Lynch zwar schon oft gezeigt das er das kann nur war das hier so gewohnt düster und bizarr in der Handhabung das ich mich wohl selbst in eine Sackgasse gefahren habe mit meinen Gedanken. Soll aber nicht Negativ zu verstehen sein, der Film ist gut, spannend sogar und dank einem manisch verstörtem Dennis Hopper unglaublich intensiv. Zwar mehr Narratologisch als Psychologisch und nur selten im Unterbewusstsein tätig das ganze aber so solls sein, will ja nicht meckern.

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Marti DiBergi

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Bewertung9.0Herausragend

Wesentlich gradliniger als bei "Lost Highway" und "Mulholland Drive" geht es hier zu, und ganz ehrlich gefällt mir diese Vorgehensweise besser. Die typisch düstere Atmosphäre kommt auch hier rüber, jedoch sind die Szenen dieses Mal in der richtigen reinfolge. Da hier viele typische Lynch-Motive eingestzt wrden würde ich mal behaupten das dies der perfekte Einstiegsfilm für Interessierte ist.
Trotzdem darf man nicht vergessen das es sich hierbei um einen Lynch-Film handelt. Gewalt, Sex und schräge Typen sorgen für eine beunruhigende Szenerie, welche mit der idyllischen Kleinstadtkulisse in starkem Kontrast tritt. Der Film bleibt in Kopf, er ist grausam und faszinierend zugleich, sehr bizarr und doch äußerst nah am Leben.
Klasse!

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doctorgonzo

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Mir gefällt "Lost Highway" durch seine entrückte Art noch etwas besser, trotzdem schöne Kritik!


Marti DiBergi

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Danke :)
"Lost Highway" hat mich sehr beeindruckt, allerdings auch frustriert. Ich fühlte mich verloren und überrumpelt. Es ist allerdings seitdem ne Menge Zeit vergangen, sollte die DVD mal wieder rauskramen.


Oceanic6

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

"I had a dream. In fact, it was on the night I met you. In the dream, there was our world, and the world was dark because there weren't any robins and the robins represented love. And for the longest time, there was this darkness. And all of a sudden, thousands of robins were set free and they flew down and brought this blinding light of love. And it seemed that love would make any difference, and it did. So, I guess it means that there is trouble until the robins come."
Ein Zitat zum Nachdenken, ein Film zum Nachdenken. 'Blue Velvet' erzählt die Geschichte von Jeffrey (Kyle McLachlan), der, weil sein Vater aufgrund eines Schlaganfalls im Krankenhaus liegt, in seine Heimatstadt Lumberton zurückkehrt. Alles scheint so friedlich, ein winkender Feuerwehrmann, blühende Blumen vor weißen Zäunen, die Welt ist wunderschön. Zumindest solange, bis Regisseur David Lynch kommt und die Schattenseiten hinter dieser heilen Welt aufdeckt. Er bastelt dabei ein surreales Werk, welches die tiefsten Ängste und die schlimmsten Eigenschaften unserer "schönen" Welt aufdeckt. Hauptsächlich dreht er in den Farben Rot, Weiss und Blau, welche im laufe des Film immer mehr Interpretationsspielraum erlauben und den Zuschauer zum mitfiebern und mitdenken anregen sollen. Das ist Lynch mit seinem Film durchaus gelungen, auch wenn mich der Film nicht so sehr in seinen Bann ziehen konnte, wie sein Meisterwerk 'Mulholland Drive', da die Spannung für mein Empfinden nicht durchgehend angehalten werden konnte und Klischees benutzt werden, welche nicht hätten sein müssen. Zudem konnte ich schon ein Wendung sehr früh erschnuppern. Ärgerlich!Trotzdem ist und bleibt Lynchs 'Blue Velvet' ein verstörendes Werk, welches mit grandiosen Darstellern, einer beängstigenden Umsetzung und spannender Musik das Thema Unterwelt verallgegenwärtigt, die negativen Seiten des amerikanischen Kleinstadtlebens aufzeigt und die dortige Korruption anprangert. 'Blue Velvet' ist ein Film, über den man noch in 100 Jahren sprechen wird, verliert er doch nie etwas von seiner Aktualität. Vielen Dank, Herr Lynch, dass Sie mir Einblick in diese "fremde, seltsame Welt" gewährt haben!

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der cineast

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Mit Kyle? Muss ich sehen!!!!!!!!!!!!!!!!


Le Samourai

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Der beste Film von David Lynch. Punkt. .


Xebeche

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

"Blue Velvet" wird nicht mehr mein Lieblings-Lynch, dafür faszinieren andere seiner Werke noch sehr viel mehr. Allerdings gelingt es kaum einem anderen eine derartig aufgeladene, unangenehme, bösartige Atmosphäre zu entwickeln. Fuck, Dennis Hopper war wohl niemals psychotischer als in seiner Rolle des Frank Booth.

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Le Samourai

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Für mich Lynchs bester... Knapp vor Mulholland Drive!


BurakkuEmparaa

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Zumal Dennis Hopper nach dem Lesen des Skripts zu David Lynch meinte, er müsste ihm die Rolle geben, weil er tatsächlich Frank Booth sei... Mit dem würde ich gerne mal ein Heinek- ääääähhhh Pabst Blue Ribbons zischen. Geht ja jetzt leider nicht mehr. :(


lynch86

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Einer der besten Filme überhaupt!

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Tyler Durden 22

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Bewertung6.5Ganz gut

Wieder einer dieser David Lynch Filme. Blue Velvet war damals dank seiner speziellen sexuellen Szenen und Dennis Hopper der Hammer. Die Story ist nicht schlecht und spannend inszeniert. Aber ich muss auch sagen das der Film wohl nicht jedem gefallen wird weil er doch sehr speziel ist!!

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