Bonsoir

Bonsoir (1994), FR
Laufzeit 85 Minuten, Komödie

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von Jean-Pierre Mocky, mit Michel Serrault und Claude Jade

Die Handlung dreht sich um einen Mann namens Alex Ponttin, der wegen eines finanziellen Engpasses darauf angewiesen ist, sich bei Fremden durchzufuttern, indem er sich unter falschem Vorwand in deren Wohnung einschleicht. Nach einigen seltsamen Bekanntschaften bleibt er schließlich bei Caroline Winberg hängen, die aufgrund ihrer homosexuellen Beziehung mit Gloria Ärger mit ihrer konserativen Familie hat, und womöglich davor steht, ein ansehnliches Erbe zu verlieren. Als ihre Schwester Catherine sie denunzieren will, hilft Alex ihr aus der Situation, indem er sich als ihr Freund ausgibt, was dazu führt, daß stattdessen die Schwester enterbt wird.

HandlungArmer Alex (Michel Serrault): Der Tweed ist out und nun wird der Schneider einer englischen Boutique arbeits- und obdachlos. Seinen Lebensunterhalt erwirbt er sich nun mit dem Erschrecken von Passanten, wofür ihm andere Geld geben.

Nachdem er zeitweise in einer Kellerwohnung hauste, quartiert sich Alex bei Fremden ein. So diniert er beim vulgären Ehepaar Dumont (Jean-Pierre Bisson und Maaike Jansen) oder sitzt mit der siebenfachen ledigen Mutter Marie (Marie-Christine Barrault) vor dem Fernseher. Als Marie sich von ihm Nachwuchs erhofft, nimmt Alex Reisaus.

Bei der lesbischen Caroline (Claude Jade) findet Alex ein emotionales Zuhause. Um von ihrer erzkonservativen Familie nicht enterbt zu werden, verheimlicht Caroline ihre Liaison mit der koketten Gloria (Corinne Le Poulain). Als Carolines garstige Schwester Catherine (Laurence Vincendon) nebst prüder Erbtante Amélie (Monique Darpy) aufkreuzt, um Caroline inflagranti mit Gloria zu ertappen, gibt Caroline diese als Sekretärin aus. Als Caroline schließlich den nackten Alex auf ihrem Bett als ihren Liebhaber präsentiert, wird die Denunzantin als solche enterbt und Caroline ist gerettet.

Doch Alex findet keine Ruhe, denn nach einem Diebstahl bei den Dumonts jagt ihn ein debiler Inspektor (Jean-Claude Dreyfus) als Dieb. Sein allmorgendliches Trompetenspiel veranlasst Carolines Nachbar (Dominique Zardi), die Polizei zu rufen. Es folgt eine Nacht, in der er sich das Bett mit einem Priester (Serge Riaboukine) teilt. Die in den Priester verliebt junge Haushälterin (Catherine Mouchet) liest den einschlafenden Männern eine Gutenachtgeschichte vor, die beide mit Erektionen goutieren. Als Diebe entlarvt Alex schließlich seinen einstigen Kollegen Isidore (Jean-Pierre Clami) und dessen Komplizin Greta (Laura Grandt). Er verzeiht ihnen und erhält schließlich Einlass im Elysée-Palast…

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Bewertung7.5Sehenswert

Der einstige Anarcho-Regisseur Mocky bleibt ein Bürgerschreck. Und der erste Broterwerb seines über Nacht arbeitslos gewordenen Helden ist denn auch der Beruf des Passanten-Erschrecker vor einem Bistro, der hernach sein Geld einsammelt. Und diesen spielt Michel Serrault mit blauen Kontaktlinsen und roten Haaren. Der quartiert sich ein bei Vertretern der Bourgeoisie ein und Mocky gibt weiteren Größen des französischen Kinos skurrile Rollen: Jean-Claude Dreyfus ist der debile Inspektor Bruneau, Marie-Christine Barrault eine zeugungs- und gebährfreudige siebenfache Mutter und Claude Jade eine verklemmte lesbische Beamtin. Gerade bei ihr, die erzürnt ist ob seines Störens bei ihrem Stelldichein mit einem Call-Girl (Corinne Le Poulain) weiß er als Laien-Missionar mit Weichheit und Ruhe ("ich bin eine Art Kuckuck") seine Philosophie zu landen und ihre noch weitaus bürgerlicheren homophoben Verwandten zu verschrecken: Nackt präsentiert er sich nun familienfreundlich im Bett der so hinterhältig entlarvten Lesbierin.

Mocky ist milder geworden in seiner Methode, doch er führt die Schreckgespenster in so vielen Facetten vor, dass es eine anarchische Freude bleibt, Alex sagen zu hören "Bonsoir". Als Mocky den Film 1992 drehte, mochte der Film um die Chancen gealterter Chefschneider am großen Boulevard nach dem Aus für den Tweed noch Zukunftsmusik sein. Heute passt sein Film um so besser und ebenso warmherzig wie lustig ist er bei allen Hieben immer noch.

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