Broken Flowers - Kritik

FR/US 2005 Laufzeit 106 Minuten, FSK 0, Road Movie, Komödie, Kinostart 08.09.2005

Kommentare zu Broken Flowers

  • 10
    ProfessorAbronsius 28.10.2014, 00:42

    ###Kommentar enthält Spoiler###

    Bill Murray ist einer dieser Schauspieler denen ich auch den lieben langen Tag beim Nichtstun zuschauen könnte.
    Und genau das ist auch im ersten Drittel von BROKEN FLOWERS der Fall.
    Don Johnston (Murray) hängt ständig allein in seiner Wohnung auf der Couch und scheint von seiner Umwelt kaum noch etwas mitzukriegen, geschweige denn sich für sie zu interessieren.
    Lediglich zu seinem Nachbar Winston und dessen Familie pflegt er Kontakt. Diese scheinen die einzigen Menschen zu sein bei denen er zumindest ein klein wenig "auftaut" und die ihn scheinbar so akzeptieren wie er ist.
    Als eines Tages unvermittelt ein Brief eintrifft, der andeutet, dass Johnston einen mittlerweile fast 20jährigen Sohn hat macht er sich auf eine Reise quer durch die USA um mögliche Anhaltspunkte für seine Vaterschaft zu finden.
    Dabei trifft er einige seiner verflossenen Liebschaften wieder.
    Hört sich jetzt erstmal gar nicht so extrem spannend an. Ist es im Endeffekt auch gar nicht. Brauch es aber auch gar nicht zu sein.
    Denn die sehr ruhige Inszenierung Jim Jarmuschs erweist sich als echter Glücksgriff für BROKEN FLOWERS. Die Story wirkt sehr authentisch und realitätsnah und Bill Murray darf (in aller Ruhe) granteln was das Zeug hält.
    Jetzt mal ernsthaft: der Mann ist eine lebende Legende und denkt scheinbar gar nicht dran qualitativ irgendwann mal nachzulassen. Was der hier permanent für eine Mimik raushaut ist echt vom Allerfeinsten und bringt mich in einer Tour zum Schmunzeln und/ oder Lachen.
    Der Soundtrack ist ebenfalls großartig und setzt sich größtenteils aus einer CD zusammen, die Nachbar Winston Bill Murrays Charakter für die Reise zusammengestellt hat (!)
    Klasse Idee übrigens.
    Im Laufe der Reise macht besagter Don Johnston eine charakterliche Entwicklung durch, die keinesfalls hollywoodmäßig übertrieben aufs Auge des Zuschauers gedrückt wird, sondern sich mehr in den kleinen "einfachen" Dingen zeigt.
    Einem Dialog auf der Straße, einer Geste, einem (angedeuteten) Lächeln oder einem leicht verdutzten Blick.
    Sowieso wird vieles hier nur leise angedeutet und weniges konsequent zu Ende erzählt.
    Jarmuschs Film (übrigens mein erster von ihm) hat das auch gar nicht nötig, da es hier wohl tatsächlich mehr um das Gefühl geht, dass den Zuschauer beim Anschauen befällt.
    Ich muss gestehen, dass ich generell Filme mit ruhiger Erzählweise sehr schätze und wenn das Ende dann noch so perfekt mehrdeutig daherkommt wie hier dann gebe ich auch gerne mal die volle Punktzahl.
    Und bei weiteren Sichtungen ist da vielleicht sogar ein Herz in Aussicht...

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    • 8
      WhatTheFudge 04.09.2014, 00:34

      Hm. Nach nochmaligem Schauen bin ich in Versuchung Broken Flowers ne glatte 10 zu geben. Innherhalb der Wände und Spielregeln des Films ist es eine ganz tolle Geschichte. Tief aber nicht schürfend. Reiz aber nicht voll. Und Bill Murray vermag mit seinen Tränensack-Glupschern mehr Innenleben zu transportieren als gefühlt alle Schauspieler dieser Welt. Soundtrack: Fett. Oh man, ich muss dringend mehr Jim Jarmusch gucken.

      • 7 .5
        quastenflosser 01.08.2014, 13:47

        Bill fking Murray, was für eine Legende.
        Schon als kleiner Junge fand ich den Mann großartig. Wenn ich damals mit meinem Vater 'Ghostbusters' oder 'und täglich grüßt das Murmeltier' anschauen dürfte kam es mir vllt gar nicht so auf die Handlung und die Witze an, ich hab diese Filme allein schon wegen Murray einfach gerne geschaut und das hat sich bis heute nicht geändert. Ich weiß nicht ob es nur mir so vor kommt oder vllt. ist es wirklich so, aber Bill Murray spielt sich in jedem Film selbst. Egal welche Rolle er annimmt, sie ist so authentisch das man meinen könnte, er spielt diesen Charakter nicht, nein er ist diese Person. So ist es auch in diesem Film und das macht ihn unglaublich symphatisch.
        'Broken Flowers' braucht nicht viel Tempo oder einen enormen Spannungsbogen um zu Unterhalten. Allein die Dialoge und kuriosen Szenen bringen mich immer wieder zum lachen. Alle Schauspieler machen ihre Arbeit gut, der Soundtrack ist klasse und als Kirsche oben drauf gibt es noch Alexis Dziena zu sehen, welche ich auch in 'Wrong' schon super fand. Abzüge kann man bei der spärlichen Charakterausbildung der einzelnen Damen machen und die vielen Abblenden sind auch irgendwie gewöhnungsbedürftig. Aber das ist jammern auf hohem Niveau.

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        • 9
          MrDepad 22.06.2014, 15:59

          Jim Jarmusch und Bill Murray. Zwei Namen, die in "Broken Flowers" in Kombination gebracht werden und die ohnehin so perfekt zusammenpassen, dass es fast schon verwundert, dass eine Zusammenarbeit der beiden auf voller Spielfilmlänge nicht schon eher zustande kam.
          In den Werken von Jarmusch geht es meist um Figuren, die sich stets in Bewegung befinden, aber irgendwie ziellos zu sein scheinen.
          Don Johnston passt anfangs so gar nicht in dieses Schema. Bill Murray spielt den zerknitterten, gealterten und müden Melancholiker, der meist faul auf dem Sofa liegt und völlig resigniert hat. Ein rosa Brief, der ihn unfreiwillig dazu aufruft, sich mit seiner Vergangenheit, genauer gesagt seinen verflossenen Liebschaften, auseinander zu setzen, und sein detektivischer Nachbar, toll gespielt von Jeffrey Wright, bringen Don zu einem eigenwilligen Road-Trip in typischer Jarmusch-Manier.
          Vor allem für Fans von Independent-Ikone Jim Jarmusch ist dieser Film eine schiere Offenbarung. In einem langsamen, behäbigen Erzähltempo schildert der Regisseur die Reise von Don als melancholischen, episodenhaften Trip, bei dem an jeder Station eine Frau wartet, mit der Don früher mal zusammen war. Mithilfe einiger hervorragender Schauspielerinnen offenbaren die einzelnen Stops von Don viele Überraschungen, teilweise tolle Situationskomik und interessante Einblicke.
          Dabei ist "Broken Flowers" vor allem auch ein Film voll mit stillen Gesten und subtilen Augenblicken. Genauso wie Don ist der Zuschauer dazu aufgerufen, nach Merkmalen oder Details zu suchen, welche der Hauptfigur Antworten zu seiner Frage liefern, die der anfängliche Brief aufgeworfen hat. Dabei verkommt die Reise natürlich auch zu einer Auseinandersetzung Don´s mit Vergangenheit und Gegenwart im Wechsel und der Sinnsuche in der persönlichen Lebenslage.
          Ebenfalls sehr markant ist der wundervolle Soundtrack, der schon beim fantastischen Intro hervorsticht. Die teilweise jazzigen Stücke fügen sich perfekt in den elegischen Erzählrhythmus von Jarmusch und geben dem Zuschauer in ruhigen Momenten Zeit, die einzelnen Stationen Revue passieren zu lassen.
          Denn wie Jarmusch seine Geschichte schließlich beendet, soll hier nicht verraten werden, doch Kenner seiner Werke können sich sicherlich denken, in welche Richtung alles führen wird.
          "Broken Flowers" darf sich ohne Zweifel zu den allerbesten Werken von Jim Jarmusch zählen. Die schöne Geschichte, der grandiose Soundtrack, die melancholisch-jazzige, minimalistische Atmosphäre und ein brillanter, ebenfalls melancholischer Bill Murray in Kombination mit einem hervorragenden, weiblichen Darstellerinnen-Ensemble sorgen für ein angenehmes, wundervolles und nachdenklich stimmendes Meisterwerk, das aufgrund der subtilen Verweise und stillen Rätsel zu mehrfachen Sichtungen einlädt.

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          • 7
            Ener 01.06.2014, 10:32

            Zum Teil fehlt mir etwas das Tempo für eine Komödie, so ganz ruhig tue ich mich in dem Genre schwerer. Darüber hinaus sehr kreativ gestaltete Charaktere in einer Geschichte, die eine tolle atmosphärische Spannung erzeugt. Ein wirklich passendes Ende ist hier kaum möglich, jedoch tut der Film sein Bestes. Nicht weit gefehlt. Sehenswert.

            • 6 .5
              d3af 20.05.2014, 16:21

              k.A. mit dem Ende kann ich irgendwie nichts anfangen.
              Bestimmt voll philosophisch... is mir zu hoch.

              Der Film selber war mir Stellenweise zu still und einschläfernd.

              • 9
                jacker 16.05.2014, 16:32

                On the road to nowhere und irgendwo unterwegs auch noch falsch abgebogen.

                Das beschreibt wohl in etwa das Stadium in dem sich Bill Murray als Don Johnston in BROKEN FLOWERS befindet. Er macht den Anschein eines alternden Playboys ("You never had any trouble, getting to know some interesting women" sagt sein Nachbar Winston im Nebensatz), der völlig den Faden im Leben verloren hat - in verscheidensten Variationen des gleichen Jogginganzuges vegetiert er auf seinem Sofa vor sich hin, guckt alte Filme ohne sie wahrzunehmen und wird nichtmal aus der Bahn geworfen, als seine aktuelle Freundin ihn unerwartet verlässt. Eher lässt es ihn fast völlig kalt.

                Don macht generell nicht den Anschein von großen, intensiven Gefühlsregungen übermannt zu werden - im Gegenteil, er wirkt ziemlich entfremdet vom Leben. Oder präziser: speziell von seinem Leben. Kurze Momente des Aufblühens erleben wir nur, wenn Don mit der Familie, vor allem den fünf Kindern, seines Nachbars Kontakt hat. Plötzlich zeichnet sich anstatt distanzierter Teilnahmslosigkeit der Hauch eines Lächelns auf seinem Gesicht ab. Doch selber Kinder will er nicht - eigentlich will er gar nichts, was ihn aus der Comfort-Zone aus Sofas, äthiopischem Kaffee und Langeweile herauslocken könnte.

                Was Jim Jarmusch uns im Folgenden erzählt, ist eine Geschichte über Verlorenheit. Über das Wachrütteln aus einem ewigen Winterschlaf. Über die Wiederentdeckung des eigenen Selbst - ein Schritt in die Zukunft, der nur über den Umweg der Vergangenheit gegangen werden kann.

                Don erhält einen seltsamen Brief und begibt sich widerwillig auf einen noch seltsameren Roadtrip. Durch die endlosen Weiten des Mittleren Westens der USA, auf der Suche nach den Frauen aus vergangenen Tagen und einem nie gekannten Sohn. Und un(ter)bewusst auf der Suche nach sich selbst. Nach neuer Lebensfreude, nach Sinn, nach einem Grund. Auffällig ist, wie so oft bei Jarmusch, die Wahl der Kulisse - Don's Reise muss hier, und zwar genau hier stattfinden. Verloren in der endlosen Weite. Auf nie enden wollenden Straßen, von denen eine der anderen gleicht wie ein Zwilling, vorbei an sich endlos wiederholenden Häusern, für die das gleiche gilt.
                Eine monotone Ödnis, deren Gleichförmig- und Auswechselbarkeit Jarmusch über eine tolle verkettung von Szenen herausarbeitet: Auf jeder Etappe kommt Don im Auto auf eine Kurve zu, diese ist natürlich eine andere als vorher, sieht aber ähnlich aus und biegt in etwa im gleichen Winkel nach rechts ab. Und jedes Mal kommt ihm ein LKW auf der Gegenspur entgegen - vielleicht Zufall, vielelicht ein geschickter Trick, der die völlige Monotonie transportiert.
                Und Leere.

                All das strahlt (vor allem in verbindung mit den äthiopischen Jazz-Stücken, die Don im Auto hört - BROKEN FLOWERS hat einen der besten Soundtracks aller Zeiten) eine tiefe Melancholie aus. Der Körper verloren in weiter Endlosigkeit, der Geist genauso. Jarmusch gelingt hier wieder etwas für ihn charakteristisches: die Landschaft und Umgebung als direkter Ausdruck des Inneren eines Protagonisten. Ein Stilmittel was schon 1995 in DEAD MAN seinen Anfang nahm, von Jarmusch im Laufe der Zeit (und besonders hier in BROKEN FLOWERS) perfektioniert wurde und 2013 in ONLY LOVERS LEFT ALIVE, wo er den sinnbildlichen Verfall der gesamten Menschheit über die leere und dunkle "Geisterstadt" Detroit transportierte, seinen bisherigen Höhepunkt fand.

                Und irgendwie hilft es Don zu sehen wer er mal war, um darüber zu realisieren wer er geworden ist. Und dass das Leben einen Wert hat, den er verlernt hat zu achten. BROKEN FLOWERS - ein langsam-stiller, melancholischer, oft auch skurril-befremdlicher Selbstfindungstrip der besonderen Art.
                Ganz großartig!

                [http://weltamdraht.blogsport.de/2014/05/19/broken-flowers-2005]

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                • 7 .5
                  cule0809 04.05.2014, 15:13

                  Ein im alter Gekommener Don Juan erfährt, dass er einen Sohn hat. Er macht sich dann auf den Weg, mit Hilfe seines Nachbarn (gut gespielt von Jeffrey Wright heute bekannt aus der Serie Boardwalk Empire). Trotz einer eigentlich traurigen Persönlichkeit und einer depressiven Geschichte, macht der Film gute Laune. Auch hier wieder eine starke Leistung von Bill Murray der diesem melancholischen Roadmovie allein durch den bedröbbelten Gesichtsausdruck, eine gewisse Komik verleiht. Der Film hat weder Längen noch übertriebene schnulzige Szenen. Der Witz ist nicht übertrieben und ist eher zum Schmunzeln da. Interessant sind die einzelnen Geschichten seiner ehemaligen Frauen. Findet er nun seinen Sohn? Dies ist vielleicht gar nicht so relevant, aber Don Johnsten (mit t!!!!!) findet sich selbst und nimmt uns mit auf seine Reise. Ein netter und sehenswerter Film den man sich mal rein schieben kann, wenn man einen charmanten Roadmovie sehen will.

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                  • 9
                    based_god 31.03.2014, 23:00

                    Unterkühlt und doch herzerwärmend.

                    Die Suche Don Johnstons (dessen Name nicht zu unrecht Don Juan ähnelt, grandios gespielt von Bill Murray) nach seinem Sohn und den damit verbundenen Besuchen bei seinen Ex-Liebschaften ist eine Geschichte, die sich oft wiederholt. Anstatt auf seiner Reise etwas dazu zu lernen bleibt er immer gleich verschlossen und gleich verunsichert. Jim Jarmusch versteht es dabei wie eh und je, den Zuschauer keine Bindung zum Hauptcharakter aufbauen lassen und sich somit mehr auf die eigene Weisheits-Suche zu konzentrieren. Hoffentlich mit mehr Erfolg als der Protagonist. Gleichzeitig karikiert er das Bild eines Amerikas, in dem es von resignierten Persönlichkeiten nur so zu wimmeln scheint. Die Charaktere (allen voran Don Johnston und sein Nachbar Winston) sind wie man es sich vom Regisseur gewohnt ist toll gezeichnet und die Musik-Auswahl ist exzellent. In unterkühlter Atmosphäre und nicht ohne Humor tritt unser Held also von einem Fettnäpfchen zum nächsten und versteht am Ende, wie der Zuschauer die Welt nicht mehr.

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                    • 7
                      CalrethTBL 21.03.2014, 15:48

                      Es erscheint merkwürdig, dass ein Gefühl wie Melancholie gelegentlich auch gute Laune hervorruft. Diese Verbindung gelingt Regisseur Jim Jarmusch mit "Broken Flowers" auf beeindruckende Art und Weise. Denn der Film ist genau das: ein toller, kurzlebiger Feel-Good-Movie, dessen Plot eigentlich alles andere vermuten lässt.

                      Gespickt mit zahlreichen bekannten Darstellern blickt Bill Murray als alternder Lebemann "Don Johnston" zurück in seine romantische Vergangenheit. Mit der unerwarteten Botschaft, einen Sohn zu haben, reist er durchs Land und besucht all seine ehemaligen Flammen, um Hinweise zu sammeln. Unterstützt wird er dabei vom großartigen Jeffrey Wright, den man unlängst auch in "Boardwalk Empire" bewundern kann.
                      Was womöglich etwas langatmig oder gar langweilig wirken könnte, entwickelt sich zu einem so liebevoll inszenierten Roadmovie, der so gut wie keine dramaturgischen Längen hat - getragen wird das Ganze selbstverständlich von Bill Murray, dem Großmeister der melancholisch-zynischen Auftritte.

                      Ohne eindeutiges Ende, aber mit der schönen, alten Frage nach dem Sinn des Lebens (mit dem dankbaren Verzicht, diese nicht pathetisch zu beantworten!) folgt man Don Johnston durch seine Vergangenheit und beobachtet ihn sehr gern dabei, wie er darüber nachdenkt; Murray schafft das in den meisten Szenen sogar, ohne auch nur ein Wort zu sprechen!

                      Insgesamt erscheint "Broken Flowers" wie ein Musikvideo eines alten Bob Dylan-Hits: voller Melancholie und menschlicher Fehler, aber niemals die Hoffnung verlierend. Der Film verleiht ein angenehmes Gefühl - eine schöne, kurze Erfahrung. Mehr aber auch nicht.

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                      • 7 .5
                        Kurono 14.03.2014, 21:15

                        Don Johnston (man beachte das t) hat die besten Jahre seines Lebens hinter sich, doch schlimm ist das für ihn nicht, hat er doch sein Leben genossen. Vor allem mit den Frauen hatte er seinen Spaß. Auch seine berufliche Lebensleistung kann sich durchaus sehen lassen.
                        Einzig mit einer eigenen Familie hat es nicht geklappt, wobei das auch nie ein Thema für ihn war, zumindest bis ihn ein Brief erreicht. Seine vielen Frauengeschichten hatten wohl doch Folgen, denn in dem Brief heißt es, er wäre Vater eines inzwischen 19-jährigen Sohns.
                        Die Glaubwürdigkeit des Briefes scheint zweifelhaft, erst recht da der Absender nicht bekannt ist. Dennoch macht sich Don widerstreben auf die Reise, um die Mutter seines hypothetischen Sohnes zu finden oder zumindest die Autorin des Briefes. Eine Reise durch Dons Vergangenheit und Amerikas Gegenwart beginnt.

                        „Broken Flowers“ kommt im bekannten Indie-Schick daher. Gemächliches Tempo, verschrobener, scheinbar emotionsloser Protagonist, lange Einstellungen, und das fast schon zelebrieren des Alltäglichen. Das dabei keine Langeweile aufkommt, liegt an der interessanten Geschichten und am Humor, der sich zwar nie stark in den Vordergrund drängt aber dem Ganzen doch eine gewisse Leichtigkeit verleiht. Das ist auch ganz gut so, denn je länger wir mit Don zusammen sind, desto deutlicher spüren wir seine Einsamkeit aber auch die Einsamkeit der Menschen, die er auf seiner Reise begegnet. Auch der Jugend scheint man nachzutrauern. Das ist ja aber auch verständlich. In der Jugend gibt es nur die Zukunft. Sie ist voller Hoffnung und Träume. Diese Hoffnungen und Träume sind nun von der nüchternen Realität verdrängt und es gibt nicht nur die Zukunft, sonder auch eine inzwischen recht große Vergangenheit. Vielleicht hat man inzwischen sogar schon mehr Vergangenheit als Zukunft.

                        „Broken Flowers“ ist insgesamt sehr nüchtern. Wirklich dramatisch wird es nie, andererseits ist es auch kein Feelgoodmovie. Unaufgeregt reisen wir mit Don durch die USA und fragen uns vielleicht dabei selbst, was wir vom Leben eigentlich erwarten.
                        Ein irgendwie schöner Film.

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                        • 6 .5
                          aimee 14.03.2014, 20:22

                          Ich mag Bill Murray, sehr sogar. Und ich mag auch seine 100 Variationen des Gesichtsausdrucks "Zero Fucks Given". Im Ernst, dem Mann dabei zuzusehen wie er scheinbar seine Emotionslosigkeit ins Unendliche perfektioniert, dabei wird es mir nie langweilig. Dann sagt er auch noch einige Worte und die treffen lakonisch, wie sie daherkommen, immer auch noch ins Schwarze, so oder so. - "Ich hab nichts gesagt."

                          Leider ändert das nichts daran, dass der Film insgesamt etwas lahmt und irgendwie zwischen Tür und Angel herumsteht ohne was zu sein. Der eigentlich tolle Plot hat sich besser gelesen, als er für meinen Geschmack letztlich inszeniert wurde. Alles ist um die Figur Don herum arrangiert, grundsätzlich der richtige Ansatz für diese Story. Mir scheint jedoch, als färbte die Figur zu sehr auf alles andere ab. Leicht behäbig wie Don, schleppt sich der Film dann gleichfalls so dahin, und die Szenerie ist allenfalls so grau wie des Protagonisten Haarpracht. Wenn das so gewollt war, dann funktioniert es für mich nicht hundertprozentig. Die Figur der Tilda Swinton erschließt sich mir leider gar nicht und die letzten 15 Minuten, die sich Jim Jarmusch zudem überlegt hat, sind mir dann auch leider etwas zu konfus. Das Ende empfinde ich als unbefriedigend. Was will man mir sagen? Mir fehlt hier einfach die Aussage und -- Achtung Spoiler -- ich bleibe ähnlich ratlos zurück, wie ein Don Johnston in der letzten Einstellung.

                          (Der Soundtrack ist toll!)

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                            aljoscha.overkamp 14.03.2014, 00:17

                            Der Streifen strahlt eine angenehme melancholische Ruhe aus... passt gut wenn man selbst in einer ähnlichen Stimmung ist, weder erheiternd noch unangenehm. Schöne Bilder und natürlich Bill Murray machen das ganze ziemlich sehenswert.

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                              Bassewitz 08.03.2014, 16:43

                              Dieser Film hat mir vor Augen geführt, wie ungeduldig ich sein kann. Ich habe nichts gegen Filme oder Bücher die sich etwas Zeit nehmen um beispielsweise Charakteren mehr Tiefe zu verleihen oder eine Atmosphäre rund um eine bestimmte Gegend zu schaffen oder ein Gefühl zu vermitteln. Dieser Film wirkte auf mich wie eine Version von mir, die an einem Sonntag mit Kater vorm Fernseher liegt. Es ist irgendwie Gang und Gebe geworden in Indie-Filmen Charaktere so zu zeigen, wie sie völlig emotionslos und steif irgendwo rumstehen, aber Bill Murray treibt es meiner Meinung nach auf die Spitze damit, hier wurde echt etwas übertrieben. Das blöde ist nämlich, dass sein Charakter als Don Juan bezeichnet wird, aber ich musste mich ganze Zeit während dem Film fragen, wie zum Teufel er mit seiner tranigen Art all diese Frauen überhaupt verführen konnte.
                              Dazu kommt der Rest, der einfach nicht meins ist: sehr unnötig lange Szenen in denen nichts passiert (Autofahrten, Wartereien etc.), generell hatte ich das Gefühl, dass die Geschichte eigentlich sehr spannend ist, wenn man sie von diesen unnötigen nichtssagenden Szenen (besonders die am Anfang) befreit hätte. Denn die Szenen in denen er die Frauen trifft, fand ich grandios, vor allem durch die vielen weiblichen Darsteller (auch wenn Tilda Swinton gerade mal einen zwei Minütigen Auftritt hinlegt). Als schließlich der Abspann kam, dachte ich nur: Achso, das war's jetzt, ja? Ok... Schade.

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                                KAbitz 04.03.2014, 22:28

                                Stoisch getaktet präsentiert der Independant-Guru Jim Jarmusch eine melancholische und grotesk verzerrte Heldenreise, in der Bill Murray auf den Spuren der Vergangenheit stichprobenartige Einblicke in amerikanische Haushälte erhält.

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                                  Jxnx1312 05.01.2014, 16:05

                                  Ein sehr liebevoll gestalteter Film.
                                  Ich habe vorher den Trailer gesehen und die Kurzbeschreibung gelesen und dachte eigentlich ,dass er mich etwas langweilen würde, dem war aber nicht so.
                                  Bill Murray ist ein großartiger Schauspieler, der auch hier wieder sein Können unter Beweis stellt.

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                                    Kalkwerker 02.12.2013, 14:04

                                    Ein unbeteiligt und leicht somnambul wirkender Bill Murray erhält in seinem tristen Heim einen Brief mit einer Nachricht, welche sein Leben verändern könnte. - Spoiler ! -Die Hoffnung auf etwas Lebenssinn erfüllt sich auf seiner großen Reise aber nicht. Alle ehemaligen Partnerinnen scheinen aber ein gleichfalls banales und tristes Dasein zu fristen. Es wird weder das Geheimnis gelüftet, noch eine verpasste Chance erkennbar.
                                    Ein Film, den man sich ohne den grandiosen Bill Murray mit seinem desillusionierten, traurigen Blick, schwer vorstellen kann.

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                                      thraka 26.10.2013, 19:35

                                      Konsequent für und in einem Jarmusch-Film: SLEEP´s beseelte Hymne "Dopesmoker"!

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                                        kobbi88: Die Drei Muscheln 21.05.2013, 22:23

                                        Bill, du alter Charmebolzen, du kannst es also immer noch.
                                        Du siehst zwar nicht besonders toll aus. Dein Gesicht hat ne merkwürdige Form, dein Körper noch mehr. Du kuckst immer so melancholisch, so traurig. Lächeln sieht man dich nur selten. Und oft schaust du auch so, als ob dich die Welt um dich herum nichts angeht. Und trotzdem kriegst du Sharon Stone ins Bett, schaffst es, dass dich Alexis Dziena in Unterwäsche beim Abschied nicht aus den Augen lassen will.
                                        Auf deiner Reise zu deinen Verflossenen irrst du durch die Vereinigten Staaten. Lustlos, antriebslos. Und doch macht es eine solche Freude, dir dabei zuzusehen.
                                        Obwohl du langsam durch die Gegend schleichst, meistens nur irgendwo rumsitzt und hin und wieder ne höfliche Antwort vor dich hingrummelst, so wirkst du so unglaublich sympathisch wie kaum ein anderer. Selbst im Trainingsanzug wirkst du nie lächerlich, du hast immer einen gewissen, sehr eigentümlichen Stil.
                                        Und du schaffst es, diesem Film von Jim Jarmusch, diesem scheinbar bunt zusammen gewürfelten Haufen verschiedenster, zum Teil doch sehr merkwürdiger Damen, diesem Querschnitt durch die amerikanischen Sozialschichten, ein verbindendes Element zu geben. Ein (ziemlich zerknautschtes) Gesicht. Durch dich hält der melancholische und humorvolle Film, dieser untypische Roadmovie zusammen. Durch dich und, wie sollte es bei einem Jarmusch-Film auch anders sein, durch die Musik.
                                        Du gibst der Jarmusch-Stimmung, dieser melancholisch-witzigen, ein bisschen swingend-jazzigen und einfach nur sympathischen Jarmusch-Stimmung in diesem Film ein Gesicht.

                                        Und dafür, lieber grummeliger, zerknautschter und so megasympathischer Bill, dafür wollte ich einfach mal Danke sagen.

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                                          Alienator 09.04.2013, 18:35

                                          Das alte Problem bei Jarmuschfilmen ist, das sich die Art der Betrachtungsweise eines Jarmusch dem normnalen Betrachtungswinkel eines üblichen Films entzieht. Seine Art zu drehen ist sehr langsam. Die Kamera verharrt auf Gesichtern oder Situationen ohne wirklich was zu sagen. Eine gradlinige Geschichte ist selten der Fall. Aber genau das ist ja der Reiz solch eines Filmes. Jarmusch betont selbst, dass das Leben nicht rational sondern emotional verläuft. Und so dreht er auch seine Filme. Sie folgen eher den Emotionen statt dem Rationalen. Hauptaugenmerk seiner Filme liegt nunmal auf den Charakteren. Auch wenn Figuren nur für ein paar Minuten auf der Leindwand zu sehen sind (wie hier die Reihe der weiblichen Schauspieler), gibt noch jede kleine Nuance die Chance auf Charakteriserung. Das ist manchmal schwer verdaulich, weil man beim ersten Hinsehen keine Intention der Figuren entdeckt. Nur später wird einen klar, was dort passiert ist.Die stärkste Szene in diesem Film ist die Friedhofsszene.

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                                            BigGizzle 01.04.2013, 23:36

                                            Mein Kollege meinte, denn muss ich mir einfach anschauen. Klasse Film und so weiter. Als der Abspann lief habe ich mich gefragt warum eigentlich. Ganz ehrlich, ich glaube es liegt daran das er 30 Jahre älter ist als ich und somit viel mehr paralellen zu Don Juan sieht als ich.
                                            Klar Murray spielt wie gewohnt den gelangweilten Frauenheld, dass funktionert auch. Die Mimik ist einfach Klasse, daher auch meine mittelmäßige Bewertung.
                                            Aber der Rest war doch extrem langweilig und ich konnte mich einfach null mit Murray´s zerrissenheit identifizieren.

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                                              makemyday 28.03.2013, 11:40

                                              netter, ruhiger film mit vielen trockenen, witzigen situationen. schön.

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                                                Mr. Pink 27.01.2013, 15:06

                                                Hier gefallen mir vor allem die kleinen Dinge. Minimale Gesten in Schauspiel und Inszenierung, subtiler Humor, wie wenn Winstons Frau ihm sagt, dass er nicht mehr rauchen soll und er gleich darauf um die Ecke geht, um sich einen Joint anzuzünden, oder wenn er Don dann sagt, er solle auf rosafarbenes achten, und es das natürlich bei allen Frauen zu finden gibt, die Herz-Ohrringe von Lolita und so weiter und so fort. Solche und viele andere Details machen diesen Film zu etwas ganz Besonderem. Und auch sonst ist das Ganze überaus gelungen und gefällt mir sehr. Ein alternder Don Juan begibt sich ungewollt auf einen bewegenden Road Trip, um seine vergangenen Beziehungen aufzuarbeiten. "Broken Flowers" ist dabei ein sehr ruhiger, leiser Film, der weniger durch eine spannende Geschichte oder ausgefeilte Dialoge überzeugt, sondern eher durch die magische Atmosphäre, die Dons Reise durch die Weltgeschichte hier umgibt. Und natürlich liegt es auch an Bill Murray, dass alles so gut funktioniert. Er passt hier mit seiner lakonischen Art perfekt rein. Unterstützt von ebenso tollen Nebendarstellern spielt er seine Rolle immer mit einer hervorragenden Mischung aus trockenem Humor und dramatischem Ernst, sodass es auf mich absolut faszinierend wirkt, wenn Don Johnston (mit 't'!) sinniert, reflektiert und versucht, sich selbst zu finden.

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                                                  The Freewheelin Fonda 15.01.2013, 21:59

                                                  Für alle die diesen Film sehen, sollte als erstes klar sein, dass es sich hier nicht um eine typische Murray Komödie handelt, sondern um einen Roadmovie in dem der alternde Don Johnston, der nichts mit seinem Leben anzufangen weiß. auf der Suche nach seinem Sohn ist, was mit unter auch recht deprimierend ist.
                                                  Der Streifen lässt sich insgesamt viel Zeit(trotz keiner zwei Stunden Laufzeit) um die Charaktere einzuführen und es kommen auch viele Szenen vor in denen man einfach nur eine Aufnahme von Bill Murray hat, der schweigend irgendwo sitzt und nichts sagt. Solche Szenen die den Zuschauer kaum unterhalten kommen des öfteren vor und dienen in meinen Augen dazu eine Tiefe im Film zu gestalten auch wenn er in meinen Augen nicht unbedingt sehr tiefgründig war. Der Film ist in gewisser Weise gut inszeniert, da mir STELLENWEISE der Stil des Films auch zusagt aber insgesamt ist der Film recht nichtssagend auch wenn mir meine zweite Sichtung um um einiges besser gefallen hat als die erste und ich mich hier auch mit dem Soundtrack des Films anfreunden konnte der zum Thema des Films passt.
                                                  Trotzdem sollte man bei dieser Thematik, dann doch eher auf Lost in Translation zurückgreifen der ein paar Nummern besser ist. Dort passt die ,,passive" Art von Bill Murray auch um einiges besser den ich hier zum aller ersten mal in einem Film, nicht unbedingt fehlbesetzt aber schon als austauschbar bezeichnen würde.

                                                  Das Ende des Films mag keine gute Auflösung liefern aber der leicht ironische Ausgang passt zu diesem Streifen und ist recht gut gelungen.

                                                  Der Film will durchgehen Melancholie vermitteln, was durch seinen einseitigen Darsteler und die einseitige Erzählweise für mich aber doch eher in Langeweile ausartete.

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                                                    loveissuicide 21.12.2012, 13:16

                                                    Es passiert nicht viel, schon klar, aber trotzdem reicht das Wenige an Handlung, um unterhaltsam zu sein. Den Rest erledeigt eh Bill Murray. Der fasziniert mich: der hat immer nur einen Gesichtsausdruck auf Lager, und trotzdem ist er so kultig. Mir gefällt Bill Murray, mir gefällt der Film. Kein Meilenstein, aber dennoch sehenswert.