Captain Fantastic - Kritik

Captain Fantastic / AT: Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück

US · 2016 · Laufzeit 118 Minuten · FSK 12 · Drama, Komödie · Kinostart
Du
  • 1

    Washington, Wildnis, Waldhütte: Das ist sowohl der Spielort des Films als auch die zurückliegende Bewegung seiner Hauptfigur Ben, einem nunmehr allein erziehenden Vater von sechs Kindern. Die Familie besitzt weder Strom noch fließend Wasser, aber ausreichend linksautoritäre Literatur, um sich ihre zivilisationsflüchtige Zeit bei Lagerfeuer und Mondlicht mit Rezitationen zu vertreiben. Gut gehen kann das nicht. Die Kinder stellen den Vater irgendwann in Frage, die romantische Aussteigerfantasie bekommt Risse. Und weil Drehbuch und Regie das alles nur in ständigen Gegensätzen und Zuspitzungen denken möchten, geschieht bei einer Spontanrückkehr in die Gesellschaft das Unvermeidliche. Mit der überfälligen Einsicht, dass Vater Ben ein egozentrisches Arschloch ist, das seine Kinder vorführt, drangsaliert und sowieso nichts von Antifaschismus verstanden hat, fühlt sich der Film jedoch sehr unwohl. Die berechtigte Problematisierung löst sich bald in Wohlgefallen auf, am Ende tanzt und trällert die ganze Familie zu "Sweet Child o' Mine" an einer Felsenklippe herum! Premiere feierte "Captain Fantastic" natürlich in Sundance, wo derart verlogene Indie-Sülze seit jeher ihren festen Platz hat.

    9
    • 7 .5

      [...] Auf den ersten Blick mutet Matt Ross‘ "Captain Fantastic" wie die klassische Indie-Tragikomödie an und so richtig falsch liegt man mit dieser Vermutung auch nicht, doch verbirgt sich hinter dem Film tatsächlich weit mehr als die markigen Sprüche, die man aus den Trailern und der Fernsehwerbung hinlänglich kennen dürfte. So überrascht der Film auch mit einem unerwartet rabiaten Einstieg, der die Jagd auf und das Erlegen von Wild zum Thema hat und nicht gerade unblutig ist, was meine Liebste beinahe veranlasst hätte, dem Film nach nur wenigen Minuten den Rücken zu kehren. Von da an allerdings geht es aufwärts und man lernt zunächst die Lebensumstände kennen, unter denen Ben und seine insgesamt sechs Kinder in der Wildnis ihr Dasein fristen, wohlgemerkt auf eigenen Wunsch und mit mächtig intensivem Überlebens-, Kraft- und Ausdauer-Training nebst Schulbildung, die Ben auch gleich in Heimarbeit besorgt. So vermittelt der Film anfänglich ein mehr als interessantes, alternatives Lebenskonzept und erst ausgehend von der Frage nach dem Verbleib der Mutter entspinnt sich überhaupt erst eine Handlung, die dann nach mehr als dreißig Minuten langsam an Fahrt aufnimmt, wobei das hier wörtlich zu verstehen ist, denn die Truppe macht sich in ihrem Bus auf gen Zivilisation. [...]

      • 8

        [...] Seinem Genre ist sich „Captain Fantastic“ wohl nicht ganz so bewusst. Trotz des Independent-Touches ist er vor allem im Verlauf der Handlung doch eher etwas für das Mainstream-Kino, denn letztendlich kann sich die Geschichte nicht zwischen Gesellschaftskritik und Feel-Good-Movie entscheiden. Obwohl es gerade zu Beginn überaus authentische und tiefgründige Szenen gibt, die zum Nachdenken anregen, verläuft besonders die Konfrontation der Familie mit der zivilisierten Welt sehr klischeehaft. So wird der Film nach und nach durchschnittlicher und die Spannung, für die durchaus Potenzial da wäre, kam leider nicht auf. Gelangweilt haben wir uns jedoch nicht, wohl auch dank einiger humorvollen Sequenzen.

        Die schauspielerische Leistung von Familienoberhaupt Ben (Viggo Mortensen) ist über den gesamten Streifen hinweg sehr kraftvoll und überzeugend. Wir als Zuschauer haben mit ihm mitgefühlt, hät
        ten aber in der ein oder anderen Situation auch gerne mit ihm über seine verherrlichende Meinung gegen unser System diskutiert. Auch die Kinder spielen sehr gut, sympathisieren und fügen sich hervorragend in das Gesamtbild der Aussteigerfamilie ein. [...]

        Das Fazit und die ganze Kritik gibt es im Original.

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        • 6 .5

          Alles in allem gelingt dem Film eine überzeugende Balance zwischen dem Humor seiner Erzählung, der nie ganz verschwindet, und der Erörterung sehr ernsthafter Fragen. [Philipp Bühler]

          • 6

            Der Film will Zivilisationkritik üben – traut sich aber nur, Feel-Good zu sein. [Barbara Schweizerhof]

            • 6

              Die Outlaw-Geschichte bleibt glatt gebügelt und kantenlos. [Björn Hayer]

              • 6 .5

                Captain Fantastic zwischen Romantisierung und Desillusionierung hin und her. Sein größter Coup ist jedenfalls, dass Viggo Mortensen die Rolle des Ben spielt: Es gibt keinen Moment, in dem man ihm seine Figur nicht abkaufen würde. [Andrey Arnold]

                • 5 .5

                  Für eine Komödie, die von einer Familie handelt, die keine gedanklichen Schranken zulässt, rennt Captain Fantastic erstaunlich verlässlich auf den Zaun zu. [Dominik Kamalzadeh]

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                  • 8

                    Captain Fantastic ist ein mutig-originelles, angenehm unvorhersehbares Stück Charakter-Kino. Der Film zeigt eine Gruppe Außenseiter, die wirklich etwas Wertvolles über die Welt, in der wir leben, zu sagen haben. [Helen O'hara]

                    • 6

                      Das Problem von Captain Fantastic ist weniger das Formelhafte, mit dem die klischees des amerikanischen Independent-Kinos miteinander multipliziert werden, sondern der unsichere Gebrauch der Formeln selbst. [Lukas Stern]

                      • 8

                        Die freie Erziehung führt im Film zu eigenständigen Charakteren, die alle interessant ihre Rolle spielen. [Günter H. Jekubzik]

                        • 7

                          Insgesamt ist das Ergebnis jedoch weitgehend überzeugend geraten und regt abwechselnd genauso sehr zum Schmunzeln wie zum Nachdenken an. [Volker Robrahn]

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                          • 8

                            Der Film rüttelt an Selbstgefälligkeit und Passivität, regt an zum Nach- und Überdenken, wirft Erziehungsfragen auf und stellt Lebensentwürfe in Frage. [Hilde Ottschofski]

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                            • 7

                              In seiner Feier des Träumens und des Individualismus ist Captain Fantastic ein ur-amerikanischer Film, der zugleich Brüche zeigt und dem Idealismus eine differenzierte realistische Sicht e­ntgegenstellt. [Stefan Stiletto]

                              • 7

                                Von außen betrachtet sind sie eine Familie von Freaks [...]; Aussteiger, die wie späte Hippies Blumen im Haar tragen und zur Wandergitarre Lieder singen. [Stefan Benz]

                                • 7

                                  Es ist Regisseur Matt Ross sehr hoch anzurechnen, dass er die Konflikte in seinem klugen Spielfilm nicht banalen Witzen und lakonischen Sehnsuchtsmomenten opfert. [Patrick Wellinski]

                                  • 7 .5

                                    Captain Fantastic ist einer dieser außergewöhnlichen Filme, für die es sich auf jeden Fall lohnt, ins Kino zu gehen! [Walli Müller]

                                    • 4

                                      "Matt Ross lässt ein Roadmovie über eine Außenseiterfamilie in Richtung Konsens rollen." [Karsten Munt]

                                      • 8 .5

                                        [Captain Fantastic ist] eine unterhaltsame Tragikomödie, die mit viel Witz und Hintersinn Lebenskonzepte aufeinanderprallen lässt und Figuren kreiert, die dem Zuschauer mit ihren Brüchen und emotionalen Belastungen ans Herz wachsen. [Diemuth Schmidt]

                                        • 8

                                          Ben und Leslie haben ihre sechs Kinder fernab der Zivilisation im Geiste kosmischer Ganzheitlichkeit und kapitalismuskritischer Reflexion aufgezogen, doch Leslie wird krank und stirbt fernab in der Stadt. Ben und die Kinder reisen zur Beerdigung: ein Kulturschock für die Kinder, ein gefährliches Unterfangen für den Vater und ein filmischer Spiegel, der die kontinuierlich enger werdenden Räume für alternative Lebensentwürfe reflektiert. [Alexandra Seitz]

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                                          • 6

                                            Captain Fantastic ist eine gut gespielte, verdächtig glatte Tragikomödie, die Zuschauer durch ihre entwaffnende Mischung aus zitierbarer Cleverness und sorgfältiger emotionaler Berechnung für sich einnimmt [...], in Wahrheit aber weniger interessant ist, als sie auf den ersten Blick zu sein scheint. [Justin Chang]

                                            • 7 .5

                                              Amerikanische Familienfilme gibt es in zwei Ausprägungen: als gutgelauntes Mainstreamprodukt und als katastrophaler Indie-Streifen. Captain Fantastic gibt sich große Mühe einen dritten Weg zu finden. [Manohla Dargis]

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                                              • 6

                                                Captain Fantastic ist ein Crowdpleaser, wenn er auf die richtige Zuschauerschaft trifft.

                                                • 7

                                                  Viggo Mortensen spielt in Captain Fantastic die Rolle seines Lebens - nicht als Superheld, sondern als Super-Vater, der alles daran setzt, seine Kinder nach seinen Vorstellungen zu erziehen.