Cato

Cato (2009), PL
Laufzeit 90 Minuten, Dokumentarfilm, Kinostart 23.09.2010

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6.0 Kritiker
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von Dagmar Brendecke, mit Thomas Holländer und Inka Löwendorf

Der Widerstand gegen das Nazi-Regime kennt viele Namen – und doch sind uns heute nur wenige bekannt; Cato Bontjes van Beek ist einer von ihnen. 1920 in der Nähe von Bremen geboren verlebt sie eine wundervolle Kindheit. 1937 geht sie nach Berlin, schließt sich kurze Zeit später dem Widerstand an, wird 1942 verhaftet und hingerichtet. Die Dokumentation Cato von Dagmar Brendecke ist Spurensuche und Hommage zugleich an das kurze, aber umso intensivere Leben der Cato Bontjes van Beek. (EM)

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Kritiken (5) — Film: Cato

Jürgen Kiontke: Jungle World, ai-Journal, K...

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7.0Sehenswert

„Ich spürte den Ruck. Und der Kopf fiel ab. Vielleicht in ein Loch, wo schon viele andere Köpfe lagen.“ Die 22-jährige Cato Bontjes van Beek weiß, was kommt. Ihre eigene Hinrichtung hat sie schon geträumt.
Was Dagmar Brendeckes Dokumentation „Cato ist immer noch hier“ bietet, ist ganz harter Stoff. Der Film erzählt die Lebensgeschichte von Cato Bontjes van Beek - eine der vielen bisher nicht beachteten Biografien aus der Zeit des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus.
Cato, geboren 1920 in Fischerhude bei Bremen träumt viel das Richtige - vom Fliegen, von der Großstadt, von der Kunst. In den dreißiger Jahren zieht sie nach Berlin.
Doch die Zeichen stehen schon auf Krieg. Als er schließlich beginnt, wird Cato aktiv: Die junge, selbstbewusste Frau kommt in Kontakt mit den Aktivisten der Widerstandsgruppe „Rote Kapelle“.
Versorgt sie zunächst heimlich Kriegsgefangene, soll sie alsbald mit Freunden agitatorische Flugblätter schreiben. Die Gruppe wird entdeckt, Cato verhaftet und zum Tode verurteilt.
In Brendeckes Film wird die junge Frau durch ihre Briefe lebendig. Schwester und Bruder, die Freunde kommen zu Wort. Und erzählen, dass es bis 1998 gedauert hat, das Unrechtsurteil zu revidieren. Widerstand im Nationalsozialismus galt auch danach noch als Verrat.
Niemand kann das Mädchen vergessen, und das ist gut so. „Ich will nur eines sein, ein Mensch“, heißt es in einem ihrer Briefe. Und kurz vor der Hinrichtung: „Es gibt keinen Tod.“
Ein beeindruckendes Filmdokument: Durch Brendeckes Film erfahren wir von diesen Ereignissen, als seien sie eben erst passiert.

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Reinhard Lüke: Film-Dienst.de Reinhard Lüke: Film-Dienst.de

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6.5Ganz gut

Neben zahlreichen Fotos aus dem Familienalbum setzt der Film bei seiner Spurensuche vor allem auf Zeitzeugen sowie auf Briefe und Tagebuch-Aufzeichnungen der Ermordeten.[...] Doch letztlich hinterlassen die von der Schauspielerin Anna Thalbach gesprochenen Aufzeichnungen der jungen Cato einen stärkeren Eindruck als all die Erinnerungen der Zeitzeugen. Wie der gesamte Film chronologisch geordnet, wird in ihnen die Entwicklung eines unbeschwerten Mädchens voller Lebenslust und Neugier zu einer angesichts der politischen Verhältnisse zunehmend verzweifelten Frau nachvollziehbar. Besonders ihr Abschiedsbrief an ihre Mutter, verfasst kurz vor ihrer Hinrichtung, ist ein zutiefst bewegendes Zeugnis. Ein wenig problematisch gerät dagegen der Versuch der Regisseurin, Bilder für die aus dem Off verlesenen Texte zu finden; zumeist beschränkt sie sich dabei auf schlichte Illustrationen zu dezenter Musik. [...] Hier wäre mehr Mut zu assoziativen Bildern wünschenswert gewesen. Überdies hätte man gern mehr über den Jahrzehnte währenden Kampf der Familie in der Bundesrepublik Deutschland erfahren, die Widerstandskämpferin öffentlich zu rehabilitieren; von dem grotesken Umstand, dass das Todesurteil gegen Cato Bontjes van Beek erst 1998 aufgehoben wurde, ist erst ganz am Schluss die Rede.

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Stefan Stiletto: fluter Stefan Stiletto: fluter

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3.5Schwach

Die Lebensgeschichten von Widerstandskämpferinnen wie Cato Bontjes van Beek [...] beeindrucken: junge Leute, die sich nicht unterkriegen lassen, die bereit sind, ihr eigenes Leben zu riskieren, nicht aus Gewinnversprechen, sondern aus Überzeugung. [...] Umso tragischer ist es dann allerdings, wenn die filmischen Denkmale, die man ihnen setzen will, so scheitern wie in dem Dokumentarfilm von Dagmar Brendecke. Was dem Film fehlt, ist sowohl ein überzeugendes Konzept als auch gute Bilder.

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José Garcia: Textezumfilm

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7.0Sehenswert

Die Parallelen zu Sophie Scholl sind kaum zu übersehen. Cato wurde etwa ein halbes Jahr vor Sophie geboren, beide wurden in etwa gleichem Alter (Sophie drei Monate vor ihrem 22., Cato ein paar Monate vor ihrem 23. Geburtstag) wegen Widerstand gegen die Nationalsozialisten hingerichtet. Aber auch der Satz aus einer Aufzeichnung Catos „Ich suche die Wahrheit. Es kann nur eine geben“ erinnert sehr an die innere Krise und die Suche Sophie Scholls in den Jahren vor der „Weißen Rose“. Wie Sophie liebte Cato Literatur, besuchte Vorträge und Konzerte in Berlin. Brendeckes Filmportrait bringt dem Zuschauer eine kaum bekannte Widerstandskämpferin näher. Wie dringend eine solche Spurensuche ist, ergibt sich etwa aus dem Umstand, dass der für diesen Film so wichtige Zeuge Rainer Küchenmeister im Mai 2010 verstorben ist.

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Michael Meyns: programmkino.de Michael Meyns: programmkino.de

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6.0Ganz gut

Filme und Dokumentationen über alle Facetten des Nationalsozialismus gibt es wie Sand am Meer. Wie [...] "Cato" unfreiwilligerweise zeigt, fällt es zunehmend schwer, sich aus der schieren Masse abzuheben, einen neuen Ansatz für ein Thema zu finden, das inzwischen nahezu vollständig abgearbeitet ist. [...] Das Ergebnis ist ein angenehm unaufgeregter Film, der durch eben diese Unaufgeregtheit allerdings auch nicht aus der Vielzahl von ähnlichen Filmen herausragt.

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