Certain Women - Kritik

Certain Women

US · 2016 · Laufzeit 107 Minuten · FSK 0 · Drama · Kinostart
Du
  • 7 .5

    [...] Certain Women verweigert es, dem Zuschauer ausbuchstabierte Offensichtlichkeiten zu unterbreiten. Kelly Reichardt zollt Ergebnissen, Zeugnissen, Lösungen kein Interesse – und noch weniger möchte sie ihren Film unter dem despektierlichen Stigma 'Frauenfilm' residieren lassen. Das Schöne an Certain Women ist, dass er in seinen Motiven von universaler Beschaffenheit gezeichnet ist und simultan dazu die Könnerschaft aufweist, von den in unserem Bewusstsein festgewachsenen Geschlechterstrukturen unserer Zeit zu sprechen. Die weiblichen, allesamt wunderbar besetzten und plastisch geschriebenen Hauptcharaktere beanspruchen keine parolenhafte Perspektive für sich. Sie sind alle vielmehr Bestandteil eines kontemplativen Diskurses über Ängste, Bestrebungen, Ernüchterung und Begehren. Kelly Reichardts subkutane Genialität liegt darin begraben, erzählerisch wie stilistisch tiefzustapeln und doch einen nachdrücklich-hintersinnigen Bogen zu spannen, der im Innerem das Leben in all seinem wechselhaften Facettenreichtum gebärt. [...]

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    • 7 .5

      Der Film [Certain Women] wird getragen vom ruhigen Sound einer Geschichtensammlung der amerikanischen Autorin Maile Meloy. Er besteht aus verdichteten Momenten, kurz ins Bild tretenden Alltagsdetails, flüchtigen Atmosphären. [Katja Nicodemus]

      • 4

        [...] Spannung oder ernsthaft interessante Geschichten sucht man in diesem allzu oberflächlich abgehandelten Drama jedoch vergeblich. Der rote Faden in der Geschichte fehlt und in der kurzen Zeit kann man zu den einzelnen Frauenfiguren keine emotionale Bindung aufbauen. Die Wirkung der unbedeutenden Geschichten verpufft zudem durch die sehr ruhige und langsame Erzählweise, die dem Film endgültig jegliche Spannung rauben. Einzig und allein die namhaften Darstellerinnen retten den Film vor einem Totalausfall. [...]

        • 9

          »Certain Women« vereint drei Geschichten über Frauen, die in der Winterkälte Montanas erschöpft sind von der kontinuierlichen Enttäuschung, die das Nicht-anerkannt-Werden bedeutet. Aufmerksam und empathisch beobachtet von Reichardt, die die spezifisch weibliche Lebenserfahrung alltäglicher Frustration weder wehleidig noch aggressiv in Szene setzt. [Alexandra Seitz]

          • 8

            Certain Women ist ein träges, gemächliches Drama. Es passiert nicht viel, aber die Performances lassen den Film fliegen. [Liz Beardsworth]

            • 8
              FilmDienst.de 02.03.2017, 12:40 Geändert 02.03.2017, 12:40

              Auf unprogrammatische Weise – und abseits der gängigen Erzählmuster der Milieustudie – geht es [in Certain Women] um gesellschaftliche Begrenzungen, sozioökonomische Differenzen und Geschlechterrollen. Und um die Bruchlinien zwischen Tradition und modernem Life Style, zwischen amerikanischer Mythologie und der unausweichlichen Realität der Lebensverhältnisse. [Esther Buss]

              • 8

                Die emotionale Spannung, die Reichardt und ihre herausragenden Schauspielerinnen aus dieser recht unbedeutenden Alltagsbegegnung zu ziehen vermögen, ist schlichtweg atemberaubend. [Gabriele Summen]

                • 7 .5

                  Menschliche Interaktionen sind bei Kelly Reichardt, [...]wahrscheinlich immer offene Geschehen abseits sozial vorgegebener Beziehungsgefüge. Was in ihren Filmen - etwa in Wendy and Lucy oder Night Moves; in Certain Women aber ganz besonders - zwischen Menschen in Gang kommt und geschieht, muss man vielleicht gerade deshalb tiefgründig, ja, intim, nennen, weil all das in Schichten stattfindet, die sich begrifflich nicht fixieren lassen [...]. [Lukas Stern]

                  • 7 .5

                    Mit trockenem Humor und in sorgfältig beiläufig arrangierten Bildern erzählt Reichardt von alltäglichen und unausgesprochenen Gefühlen. [Hendrike Bake]

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                    • 7

                      "(...) Die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Kelly Reichardt hier zeichnet, sind glaubhaft – nicht zuletzt dank des starken Ensembles. Wo Reichardt-Veteranin Michelle Williams etwas untergeht (jedoch in der undankbarsten der vier Rollen), untermauern besonders die tolle Laura Dern sowie Kristen Stewart erneut ihre Klasse. Auch Lily Gladstone und Jared Harris setzen Akzente, sodass Certain Women vorzügliches Charakterkino ist (...)"

                      • 8

                        Im subtilen und berührenden Drama Certain Women [...] widmet Kelly Reichardt sich Normalsterblichen mit ihrer typischen Aufmerksamkeit für Menschlichkeit im Alltäglichen. [April Wolfe]

                        • 7 .5

                          Reichardt ist eine exzellente Zuhörerin und Certain Women [...] vermittelt den unheimlichen Eindruck normaler Amerikaner, die in einer intimen Nahaufnahme gezeigt werden. [Justin Chang]

                          • 9

                            "In großartigen 16mm-Bildern erzählt Kelly Reichardt von vier Frauen aus Montana. Ein Film über Begehren und Enttäuschungen, über stille Wut und das Zurechtkommen – der ganz nebenbei und ohne Predigt auch den stummen Zwang der Geschlechterverhältnisse in den Blick nimmt." [Till Kadritzke]

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                            • 8
                              Oceanic6: CinemaForever 19.09.2016, 23:14 Geändert 17.01.2017, 15:24

                              [...] Die Themen Einsamkeit und Tristesse beschäftigen Kelly Reichardt nicht erst seit diesem Film, doch wie sie diese und andere alltägliche Lebensabläufe nun in "Certain Women" schildert, ist an Genialität nicht mehr zu überbieten. Angeführt von ihrem fantastischen Cast, ist Kelly Reichardt ein wundervoll-poetisches, nachdenklich machendes Gesellschaftsporträt des amerikanischen Nordwestens gelungen.

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                              • 6

                                Certain Women ist eine sauber ausgeführte, wenn auch etwas trockene Übung einer Romanadaption.

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                                • 8
                                  GuyLodge: Variety 29.01.2016, 10:20 Geändert 29.01.2016, 10:21

                                  Kelly Reichardt beweist mit ihrer dreifachen weiblichen Charakterstudie Certain Women einmal mehr, dass sie zu Amerikas großen Filmschaffenden gehört.