Cäsar muss sterben - Kritik

IT 2012 Laufzeit 77 Minuten, FSK 6, Drama, Kinostart 27.12.2012

  • 9
    epdFilm 31.03.2015, 16:56 Geändert 31.03.2015, 16:56

    Die Brüder Taviani verwandeln Shakespeares Römertragödie in ein zeitgenössisches Stück, das auf hintergründige Art Leben und Motive der Schauspieler beleuchtet, die allesamt Schwerverbrecher sind. Kein Theater im Kino, sondern ein Stück Feldforschung mit hinterlistiger marxistischer Perspektive. [Marli Feldvoß]

    • 5

      Die provozierte Doppelbödigkeit, der kranken und kriminellen Römer der Shakespeare-Tragödie, die von ebenso Kranken und Kriminellen gespielt wird, liefern natürlich Subtext. Wer sucht, der findet. So richtig zufrieden kann man mit “Cäsar muss sterben” trotzdem nicht sein. Dazu trägt auch das von vielen Seiten zurecht getadelte Ende sein Übriges, in dem doch tatsächlich der letzte Häftling nach der Vorstellung wieder in seine Zelle eingeschlossen wird und sagt: “Erst seit ich die Kunst kenne, erscheint mir meine Zelle wie ein Gefängnis“. Und Abspann. Mehr Holzhammer geht nicht. Und wenn die Tavianis tatsächlich die “heilende Kraft der Kunst” derartig als Essenz ihres Filmes herausstellen, sollte man sich zweimal überlegen, ob die Berlinale-Jury ihm nicht unrecht tat als sie ihn als besten Film auszeichnete. [...] Shakespeare-Fans oder Kenner der italienischen Politik und Gesellschaft werden in diesem Film sicherlich interessante Details erkennen können, verreißen werden sie ihn kaum können, denn dazu wagen sich die Taviani-Brüder zu wenig aus der Deckung. Das Spätwerk der italienischen Regie-Brüder ist einen vorsichtigen Blick, aber sicher keinen Goldener Bären wert.

      • 8 .5

        Weil sich das Shakespeare-Drama um Betrug, Machtkampf und nicht zuletzt Freiheitsstreben in den Lebensverhältnissen der Häftlinge spiegelt, erfährt „Cäsar muss sterben“ eine bemerkenswerte Brechung. Nicht vordergründig, eher unterschwellig zieht der Film stets eine Parallele zwischen Shakespeares Drama und der Welt der Gefängnisinsassen – deutlich wird es etwa in der Mimik der Laiendarsteller, die ihnen aus ihrer kriminellen Vergangenheit vertraut zu sein scheint. Entsprechend der Mischung aus Dokumentar- und Spielfilm, die „Cäsar muss sterben“ auszeichnet, vermischt der Film auch die Realitäts- und die Kunstebene miteinander. Dennoch überrascht das schauspielerische Talent der Darsteller. Fabio Cavalli hat jahrelang mit ihnen gearbeitet – die Idee zu ihrem Film bekamen die Taviani-Brüder beim Besuch einer Vorstellung von Dantes „Göttliche Komödie“ im Rebibbia-Gefängnis: „Wir verspürten das Bedürfnis, im Rahmen eines Filmprojekts herauszufinden, wie aus diesen Gefängniszellen heraus – und mit diesen Außenseitern, die von Kultur weit entfernt sind – eine so zauberhafte Vorstellung entstehen konnte.“ Unter ihnen ragt insbesondere Brutus-Darsteller Salvatore Striano, der allerdings seine Haftstrafe bereits abgesessen hatte und nach Rebibbia für die Proben und die Vorstellung als freier Mann zurückkehrte. Inzwischen hat Striano eine Schauspielerkarriere begonnen. Im vergangenen Februar kam er zusammen mit dem Regie-Duo nach Berlin, um „Cäsar muss sterben“ auf der Berlinale vorzustellen. Der Film endet mit derselben Theateraufführung, mit der er begann. Die Akteure selbst haben aus dem ungewöhnlichen Film-Theater-Projekt ambivalente Gefühle erhalten: Sie haben sich insbesondere mit Freiheitsbestreben beschäftigt, vielleicht haben sie in der Kunst eine neue Art der Freiheit entdeckt. Aber nach der Aufführung müssen sie zurück in ihre Zellen. So etwa Cosimo Rega, der Cassius spielt. Er sitzt schon seit Jahren im Gefängnis, aber in dieser Nacht fühlt sich die Zelle anders an, beinahe feindselig. Er hält inne. Dann dreht sich Cosimo Rega um, blickt in die Kamera und sagt: „Seit ich der Kunst begegnet bin, ist diese Zelle für mich ein Gefängnis geworden.“

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        • 5 .5

          Allen guten Absichten zum Trotz: Der neueste Film der italienischen Altmeister Taviani, Cäsar muss sterben, bleibt sprödes Randgruppenkino.

          • 8

            Durch die Doppelfokussierung – zum einen auf die Proben, zum anderen auf den Effekt, den die Proben auf die in ihnen Mitwirkenden ausüben – stellt sich in Cäsar muss sterben ein ganz eigener, lebendiger Blick auf die in Julius Cäsar verhandelten Themen ein.

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            • 8

              Ist es ein radikal republikanisches Drama [...]? Oder ist es ein Stück, das die gewaltsame Revolution verurteilt? Der Text liefert beiden Lagern Munition und bildet für die Sträflingen eine Folie, um eigene Erfahrungen mit Macht und Gewalt, Freiheit und Unfreiheit, mit Loyalität und Verrat zu formulieren [...]. So eindringlich, so assoziationsreich hat man Shakespeare schon lange nicht mehr im Kino erlebt.

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              • 5

                Durch die eindrucksvollen Physiognomien der groben Kerle mit ihren regionalen Dialekten in Cäsar muss sterben ist diese altmodische scripted reality nett anzusehen, aber sie bleibt inszeniert.

                • 8 .5

                  Die Schauspieler sind bereit. Sie werden alles geben. Am Schluss sagt einer von ihnen: 'Seit ich der Kunst begegnet bin, ist diese Zelle für mich ein Gefängnis geworden.'
                  Muss man dem noch etwas hinzufügen? – Muss man nicht. Nur eines: toller Film!

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                  • 6 .5

                    Das Potential als Dokumentarfilm, das die Ausgangslage gehabt hätte, wird leider nicht genutzt.

                    • 6

                      Ganz nett.