Chinesisches Roulette

Chinesisches Roulette (1976), DE/FR Laufzeit 86 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 22.04.1977

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5.4
Kritiker
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7.0
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40 Bewertungen
3 Kommentare
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von Rainer Werner Fassbinder, mit Anna Karina und Margit Carstensen

Die Ehepartner Ariane und Gerhard verabschieden sich für das Wochenende voneinander, da beide angeblich auf Geschäftsreise in unterschiedliche Richtungen müssen. Überrascht treffen sie sich kurze Zeit später auf ihrem gemeinsamen Schloss in Begleitung ihrer Geliebten wieder. Zu den entlarvten Ehebrechern samt Anhang, der intriganten Haushälterin und ihrem Sohn gesellen sich am Abend noch Angela, die gehbehinderte Tochter des Paares, und deren Erzieherin. Angela nutzt die Gelegenheit, ein Gesellschaftsspiel zu inszenieren, das die Heuchlerei der Erwachsenen offen legt.


Cast & Crew

Regie
Schauspieler

Kommentare (3) — Film: Chinesisches Roulette


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Jenny von T

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Das große Kind im freien Fall und der Rebell, der nach der Liebe suchte. Es ist kurios mit diesem Mann: Vor ein paar Tagen sah ich meinen dreiundzwanzigsten Fassbinder-Film und kann (trotz klarer Präferenzen) noch immer nicht von mir behaupten, auch nur ein einziges seiner Werke ansatzweise uninteressant zu finden. Ganz im Gegenteil: Je mehr ich mich mit seinem Schaffen auseinandersetze, desto größer wird mein Respekt. Ja, Fassbinder kreist immer wieder um dieselben interpersonellen Problematiken, die er in der Gesellschaft wahrnahm (die Ausbeutung von Gefühlen, die Entfremdung des Menschen von sich selbst und seiner Umwelt, die verschiedenen Ausprägungen von Gewalt), und doch gelang es ihm immer wieder, seine Beobachtungen in neue Kontexte zu setzen und so seinem Schaffen verfeinerte und stets eindrucksvolle Konturen einzugravieren.
"Seid ihr gewillt, die Ehe einzugehen, euch die Treue zu halten, und euch zu lieben, bis dass der Tod euch scheide?", fragt die Texteinblendung synchron zur Schlusssequenz. Film (laut Fassbinder) ist Lüge, 25 Mal pro Sekunde. (K)ein Film über die Ehe? Ja, nein, doch, vielleicht.
Ein wohlhabendes Paar trifft sich beim gegenseitigen Fremdgehen auf dem eigenen Anwesen und lächelt alles weg. Auch dabei: Die vernachlässigte, gehbehinderte Tochter Angela, eine intrigante Haushälterin sowie das stumme Kindermädchen, Angelas einzige Verbündete. Ein Blick hinter die Fassade einer familiären Katastrophe – der Stoff, aus dem Fassbinders Albträume sind. Obligatorisches Suchspiel: Wo ist die Liebe? Man hat sie gegen etwas Spannenderes ausgetauscht. Geld, Affären, Wohlstand, Kurzweiligkeit. Andere, wie Angela, haben sie nie erfahren, jedenfalls nicht seitens der eigenen Eltern. Der Mensch als Dämon der tausend Masken, für jedes Gegenüber, jede Situation die passende parat. Zumindest für fast jede. Man kann ja immer noch den Anwalt anrufen.
Aber der GAU ist längst eingetreten und wütet deshalb so verheerend, weil er unsichtbar ist für die, die er betrifft. Es regieren Gewohnheit, Sterilität, Egoismus und die geballte Oberflächlichkeit mitsamt Rattenschwanz, was einen Hauch weniger grausam wäre, wenn es denn wenigstens irgendjemand bemerken würde. In dieser gruseligen Real-Dystopie kann es wahrlich nur Verlierer geben und unter'm Strich ist es dieser derangierten Werteordnung beinahe schon egal, wer denn nun draufgeht – wofür lohnt es sich zu leben im Überfluss – hier mal politbegrifflich unmissbrauchter - sozialer Kälte, im Angesicht der Schuld als einziger Konstanten? Roulette ist Roulette ist rücksichtslos, ob chinesisch oder russisch, mit Worten oder Munition, gegen Geist oder Körper. Drehwurm inklusive. Der Regisseur über die bemerkenswerte, im wahrsten Sinne des Wortes schwindelerregende Kameraarbeit: "Wenn die Kamera sich sehr lange um etwas Totes herum bewegt, dann wird das Tote als tot erkennbar, und dann wird die Sehnsucht nach etwas Lebendigem entstehen können […]."
Fassbinder ist Wahrheit, 24 Mal in der Sekunde, 90 Minuten.

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Sigmund

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Starker Text! Wuchtig wie eine harte Ohrfeige in die Fratze der ganz alltäglichen bürgerlichen Demenz :)


Jenny von T

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Tihihi... danke, Siggi! :-)


Skeim

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Bewertung9.5Herausragend

ein sehr interesanter film über eine stark zerrüttelte familie bei dem ich mich sehr gut in jede person hinein versetzten konnte. bei dem film spürt man förmlich den druck welcher sich zwischen den Charakteren aufbaut und dan am Ende schließlich entlädt. Kann ich nur empfehlen

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TobiasSD

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Bewertung5.0Geht so

Anstrengender Familienzwist, dessen Ende genauso unbefriedigend ist wie die zuvorigen 82min des Filmes. Bin ich froh, dass meine Eltern nicht so sind wie Ariane und Gerhard. Und noch froher wäre ich, wenn ich nie eine Hexe wie Angela als Tochter bekäme...

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