Cinderella - Kritik

Cinderella

US · 2015 · Laufzeit 105 Minuten · FSK 0 · Fantasyfilm, Abenteuerfilm, Drama · Kinostart
Du
  • 9

    Weil es manchmal auch einfach märchenhaft sein darf

    Kenneth Branagh, der zuletzt für Thor (2011) und Jack Ryan: Shadow Recruit (2014) Blockbuster-Anerkennung erhielt, ist nicht unbedingt der erste Name, der einem einfällt, wen man an Märchenverfilmungen denkt. Ein Blick in das Portfolio des britischen Regisseurs jedoch lässt rasch erkennen, warum man ihn für die neueste Disney-Realverfilmung Cinderella ins Boot holte, stand er doch schon für Kenneth Branagh – Die Zauberflöte (2007) und Ein Winternachtstraum (1995) hinter der Kamera. Auch in seinem neuesten Werk setzt Branagh auf farbenfrohe Effekte und eingängige Klänge und entführt, wenn auch handlungstechnisch wenig spektakulär, ohne düstere Verzerrungen in die klassische Welt der Magie.

    Viele Abweichungen zum bekannten Material gibt es nicht, dafür zu Beginn schon eine angenehme Besetzungsüberraschung: Marvel-Star Hayley Atwell (Marvel's Agent Carter) als Mutter der Protagonistin Ella (Lily James, Zorn der Titanen) hat einen in seiner Kürze sehr berührenden Auftritt. Ihre tödliche Krankheit zerstört das traute Familienglück auf sonnenüberfluteten Frühlingswiesen, als Ella noch ein Kind ist, doch vor ihrem Ableben gibt Ellas Mutter ihr einen wichtigen Rat mit auf den Weg: Sei mutig und sei gütig. Eine Lektion, nach welcher Ella voll und ganz ihr Leben ausrichtet. Selbst dann, als ihr Vater viele Jahre später wieder heiratet und Ella rasch klar wird, dass ihre Stiefmutter (Cate Blanchett, Der Herr der Ringe-Trilogie) und ihre Stiefschwestern nichts für sie übrig haben. Sogar nachdem auch ihr Vater verstorben ist und ihre neue Familie Ella zum Dienstmädchen des herrschaftlichen Anwesens degradiert, bemüht sie sich um ihre verbliebenen Angehörigen und behält sich vehement ihre Sicht auf die schönen Seiten des Lebens. Erst als sie bei einem Ausritt den jungen Kit (Richard Madden, Game of Thrones) trifft, beginnt sie sich danach zu sehnen, dass wieder Liebe in ihr Leben einzieht.

    Zu diesem Zeitpunkt hat einen der Film bereits mit seiner hauptsächlich instrumentalen Musik aber auch einigen wenigen, unaufdringlichen gesungenen Stücken und der bunten Optik in seinen Bann gezogen. Elegante Kostüme, die sich ihre Freiheiten in einer zeitlich nicht festgelegten Ära erlauben dürfen, tadellose Animationen von Ellas tierischen Freunden, die niemals nervig wie in manch anderem Disney-Streifen werden … Und vor allem die emotional authentische Leistung der Schauspieler, all das fügt sich zu einem unkompliziert erzählten phantastischen Gesamtwerk zusammen. Dazu kommt bestechende Chemie zwischen Cinderella und ihrem Kit schon lange, bevor sich dieser ihr auf dem berühmten Ball im königlichen Palast als Prinz Charming offenbart. Da verzeiht man auch eine sehr ausführliche Tanzszene, weil man gar nicht genug davon bekommen kann, wie mit immer harmonischeren und wilderen Bewegungen und entrückten Blicken ganz ohne viele Worte der Beginn einer großen Liebe erzählt wird.

    Zu kurz fällt leider der Teil nach dem großen Abend aus, hier hätten ein paar Minuten mehr Laufzeit nicht geschadet. Etwa, um den Konflikt des Prinzen zu beleuchten, der von seinem Vater aus eine Adelige heiraten soll, oder eine tiefergehende Entwicklung von Stiefmutter Lady Tremaine und ihren doch sehr oberflächlichen Töchtern, die um ihre finanzielle Sicherheit bangen.

    Trotzdem macht Blanchett mit ihrer unnachahmlich eindringlichen Mimik, stolz und erhaben bis zum Schluss, das Beste aus ihrer Rolle und bildet zusammen mit Stellan Skarsgård – dem Regisseur ebenfalls schon aus seiner Arbeit an Thor bekannt – als Großherzog einen ausreichenden Gegenpol zu der so nachgiebigen, selbstlosen und gutmütigen Ella. Eine wie immer unvergleichlich verrückte Helena Bonham Carter (Harry Potter-Reihe) als Ellas Feen-Patentante – rundet die unterhaltsame Erzählung ab. Gerade die Zaubersequenzen mit der Guten Fee stehen dem aktuellen Hollywood-Standard optisch in nichts nach und lassen einen schon mal vor Vergnügen quietschen, wenn sich Mäuse, Eidechsen und Riesenkürbisse im Vorbeifahren verwandeln.

    Im Gesamten ist Cinderella für ein jüngeres Publikum und Märchenfans gedacht. Wer hier Innovationen und charakterliche Abgründe erwartet, ist an der falschen Stelle. Wer aber zwischen all den Dramen des Alltags, düsteren Comic-Verfilmungen, Horror vom Fließband und Weltraumspektakeln auch mal schamlosen Kitsch in seinem Leben mag, wird sein Geld sicher nicht umsonst ausgeben. Und vermutlich genau wie die Autorin dieses Artikels noch Tage später »You must love me, dilly, dilly, 'cause I love you« vor sich hin trällern.

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    • 8

      Kenneth Branaghs Film ist ein flammendes Plädoyer für die Monarchie in Zeiten weltpo­litischer Unübersichtlichkeit. Vielleicht sollte man sich diesen Vorschlag aus der Kultur ja mal als Modell für die Europäische Union durch den Kopf gehen lassen. Vorausgesetzt, genau die Personen sind an der Macht, die es im Film auch sind. Abgesehen davon: Im Unterschied zu "50 Shades of Grey" hält dieser Film locker zwei Stunden durch. Die Sexszenen sind in beiden vernachlässigungswürdig. Dabei sorgt eine neue Optik dafür, die Welt mit anderen Augen zu sehen.

      3
      • 6

        Branagh macht seinen Job so gut, dass "Cinderella" bisweilen berauschend ist: wunderbare 16mm-Aufnahmen in kontrastreichen, aber nie künstlichen Farben, sympathische Liebende und ein sich selber und sein Sujet hemmungslos feiernder Score verhelfen der Neuauflage des Disney-Märchens zu unwiderstehlicher Klar- und Direktheit. Branagh bricht die Cinderella-Geschichte nicht ironisch, verkompliziert sie auch nicht über Gebühr, er stellt sie nicht mehr oder weniger aus, sondern schenkt der Geschichte die Ernsthaftigkeit und Hingabe zum Gefühlskitsch, die sie verdient und benötigt. Und er verrät damit auch seine idealistische Hauptfigur nicht, die einmal mehr zur inneren Kraft in einem jedem von uns gemahnt. Seinen Höhepunkt findet der Film dann - wie sollte es auch anders sein - in einer Tanzszene. Branagh spart die Worte aus, inszeniert auf den Punkt, ohne Scham vor großen, theatralischen Gefühlen. Und er erzählt damit von einer Zeit, die außerhalb postmodernen Ironie-Zwanges im Moment verharrt, sich weigernd weiter voranzuschreiten. Es hätte so viel schief gehen können an dieser Verfilmung eines scheinbar aus der Zeit gefallenen Moral-Stücks. Aber den Schablonen wurde Leben eingehaucht, weil einer der talentiertesten Hollywood-Regisseure der Gegenwart sich ihnen auf Augenhöhe angenommen hat. Sensationell.

        5
        • 7

          [...]
          Branagh hat jeden Part seines Filmes durchdacht. Von den Darstellern, über die Sets bis hin zu den Komparsen. Im Hintergrund tummeln sich Menschen verschiedenster Ethnien. Afrikaner, Europäer, Muslime und Asiaten – sie alle sind zu finden. In der Welt von „Cinderella“ ist kein Platz für Rassismus und Intoleranz, was dadurch noch einmal verdeutlicht wird.
          [...]

          7
          • 6 .5

            [...]
            Ich möchte hier erst gar nicht anfangen, Kapitalismuskritik an der Mauseohrenschmiede zu üben, denn der Film ist primär ein Kinderfilm und was können die laufenden Meter, kleinen Prinzen-Kevins und Prinzessinnen-Schakkelinchens denn für die Raffgierigkeit eines Konzerns, dessen Gründer etwas zu konservativ war und deren Filmpolitik mehr Stöcker im Arsch hat als eine Buchhalterin bei dem Wörtchen "Kostenrückerstattung"? Regisseur Kenneth Branagh liefert mit Cinderella eine wenig originelle Variante der Aschenputtel-Thematik ab. Wer nur kräftig genug heult, bekommt was geschenkt und wer dem reichen Typen die Unschuldskulleraugen zeigt, bekommt geile Schuhe geschenkt. Die Gruppe siebenjähriger Mädchen vor mir war jedenfalls sichtlich mehr irritiert von mir als von den diversen Löchern und Plattitüden in der Story. Wenn Helena Bonham Carter als gute Fee ihren Zauberstab schwingt, leuchten Kinderaugen. Dass der exaltierte Sprech geradewegs aus dem Tagebuch einer 13-Jährigen zu stammen scheint, sorgt dafür, dass man sich als Erwachsener beherzt den Zauberstab in die Ohrmuscheln rammen möchte. Dafür können allerdings Darsteller wie Lily James alias Cinderella nichts. Ihre Aufgabe ist es letztendlich, ein recht simples Kindermärchen darzustellen wie Shakespeare. Das macht ein Stellan Skasgard als hinterfotzigerlistiger Großherzog eben routinierter als Richard Madden, der uns in diesem Film den Prinzen vorschummelt. Cate Blanchet als olle Stiefmuddi mit angedeutet dramatischer Vergangenheit ist irgendwie die interessanteste Figur des Spektakels. Egal wie süß Cinderella vor sich hinschnieft: Am Ende fragen sich alle über 18, was dieser fiesen, intrigante Frau passiert ist, die jetzt mit zwei Töchtern geschlagen ist, doof wie'n Meter Feldweg und auch nicht hübscher als eben der.
            [...]

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            • 5

              Gekleidet in ein Mischmasch historischer Moden und untermalt von Streichern ist Cinderella wie eine antike Kristall-Vase: hinreißend, zerbrechlich, leer.

              • 8 .5

                Mit dem Herz am rechten Fleck wie auch seine Heldin, fliegt Cinderella über die Leinwand wie feine Spitze - voll eleganter Schönheit und stiller Grazie.

                • 8

                  Diese Live-Action-Neuauflage von Cinderella ist einer Prinzessin würdig. Der Film ist einfach großartig.

                  • 7 .5

                    Zynismus und das postmoderne Bombardement mit Referenzen und Witzen werden in Cinderella sanft beiseite geschoben und machen für die Freude an geradliniger Aufrichtigkeit Platz. Wärme kommt wieder in Mode.

                    • 8

                      Die wunderbar kitschige Realverfilmung von Cinderella des ehemaligen Shakespeare-Darstellers und -Regisseurs, des Wallander-Darstellers Kenneth Branagh hebt den Disney-Klassiker nach Charles Perraults Volksmärchen mit digitaler und Ausstattungs-Opulenz in eine neue Dimension, die selbst bei einer Disney-Allergie begeistert.

                      • 6 .5

                        Cinderella ist ein Disney-Märchen, das vor allem Lust und Spielfreude verströmt - Lust an knallig bunten Farben, an der hemmungslos kitschigen Überzeichnung, an spielerischen Details.

                        • 7 .5

                          Seine Interpretation [...] ist aber ein preisverdächtiger, magisch-unterhaltsamer Augenschmaus.

                          • 8 .5

                            Dennoch ist dieses Kinomärchen (auch) für Erwachsene nicht bloß ein visuelles Vergnügen. Es verknüpft typisch Kinogenres wie Melodram und Liebesromanze mit den Themen eines klassischen Märchens: Eine junge Frau, die aus sich heraus ihr Schicksal in die eigene Hand nimmt... und von Kräften geholfen wird, die außer ihrer Macht stehen. Dadurch wird sie auch augenscheinlich, was sie schon immer war: eine Prinzessin. Die dann auch in der Lage ist, das ihr angetane Böse zu vergeben. Dadurch kommen Drehbuchautor Chris Weitz und Regisseur Kenneth Branagh mit ihrer dem Original sehr nahen Adaption einem Klassiker sehr nah.

                            • 8

                              Während die (menschlichen) Hauptfiguren bei Disney blass blieben, setzt die Neuversion auf eine sensible Interpretation der Figuren. Das betrifft neben Cate Blanchett und Helena Bonham Carter als leicht beduselt wirkender guter Fee sowie Derek Jacobis gütigem König bemerkenswerterweise auch Cinderella und ihren Prinzen.

                              • 5

                                [...] Mehr denn je bewegt sich die Aschenputtelgeschichte zwischen erzählerisch altbacken und ideologisch überkommen, wird zugleich aber auch von einer offenbar ungebrochenen Faszination an ihrer Klar- und Einfachheit bestimmt. Vermutlich ist es gerade dieser Widerspruch, der einen wahrhaftigen Klassiker vom bloßen Modephänomen trennt, und der die Sehnsucht nach tradiertem Erzählen immer wieder aufs Neue bestätigt. Ständig also ertüchtigt sich Cinderella selbst, singt und spricht zu Tieren, teilt ihr Leid im stillen Dachkämmerchen mit haarigen Untermietern. Sie ist so hilfsbereit wie duckmäuserisch, so liebreizend wie naiv. Und als Prinzesschen, das keines sein darf, gewinnt sie einmal mehr alle Sympathien. Ein Alltime Favourite, einfach nicht totzukriegen. [...]

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                                • 7 .5

                                  Jeder mit nostalgischen Kindheitsträumen von Verwandlungen wird in dem äußerst erbaulichen Film Cinderella etwas für sich finden, denn der Film behandelt mit warmen Gefühlen Themen wie Verlust, Widerstandsfähigkeit, Erfahrung und das Erwachsenwerden.

                                  • 7
                                    Peter Debruge: Variety 20.02.2015, 10:48 Geändert 13.03.2015, 12:17

                                    Auch wenn Cinderella den gleichnamigen Disney-Klassiker auch nicht ersetzen kann, so ist die Märchenumsetzung dennoch keinesfalls dessen hässliche Stiefschwester, sondern ein würdiger Begleiter. [...] Der Film ist entzückend anzusehen, wenn er auch keine Risiken eingeht.

                                    • 8 .5

                                      Alles scheint perfekt aufeinander abgestimmt, und man fühlt sich tatsächlich mittendrin in einer märchenhaften Erzählung. Man fühlt und leidet mit Ella, man lacht mit und über die Fee, man empfindet Mitleid mit der bösen Stiefmutter (wunderbar böse «Cate Blanchett»), man vergiesst ein Tränchen, wenn der Prinz seiner Geliebten den Schuh anzieht, man lehnt sich seufzend zurück, wenn die schöne Cinderella in den Ballsaal schreitet und man verdreht die Augen ob der Einfältigkeit der beiden Stiefschwestern.

                                      • 7 .5

                                        [...] Wer in seinem Leben jemals ein Märchenbuch in die Hand nahm, weiß, in welche Richtung dies alles führen wird. Dennoch beeindruckt Branaghs Hingabe: Behutsam vermittelt er das Ganze in organischen 35mm. Dabei entfaltet er eine aufwendige und bis ins kleinste Detail versierte Farbenpracht und Fülle in Kostümen und Sets, dass man sich an die Technicolor-Epen des vergangenen Jahrhunderts erinnert fühlt sowie an deren Sinn für Fantasie. [...] „Cinderella“ probiert mit den Mitteln von heute eine Vision aus jener Selbstverständlichkeit des Stoffes, was Zauber, Hoffnung, Selbstbestimmung und sogar Vergebung betrifft – getragen durch den zeitlosen Rahmen des Märchens und übersetzt in ein möglichst zeitloses Wunderwerk eskapistischer Glücksgefühle. [...]

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                                        • 8

                                          Kenneth Branaghs Verfilmung des Märchenstoffs ist keine politisch korrekt ausgelegte Modernisierung, sondern eine ins Romantische-Opulente verliebte Version, die sich aufs Schwelgen versteht. [Martin Schwickert]