Cinema Jenin - Kritik

DE/IL/PS 2011 Laufzeit 100 Minuten, FSK 6, Dokumentarfilm, Kinostart 28.06.2012

Kommentare zu Cinema Jenin

  • 7

    Dokumentarfilmer Marcus Vetter hat vor einiger Zeit mit seinem Film "Herz von Jenin" einen Hit gelandet. Die Geschichte von Ismail Khatib, einem palästinensischen Vater im Westjordanland, der die Organe seines erschossenen Sohnes an Israelis spendet, sorgte vielerorts für Aufsehen. Aber den wirklich richtigen Vorführsaal hatte der Regisseur offensichtlich noch nicht gefunden.
    Das Cinema Jenin ist ein Kino, das durch Intifada und israelische Angriffe stark mitgenommen wurde. In den sechziger Jahren errichtet, einst ein schönes Haus und später vor allem als Taubenschlag dienend, fiel der Bau Vetter bei den Dreharbeiten auf. Gemeinsam mit Khatib fasste er den Plan, das Kino wiederzueröffnen. Und Vetter machte daraus, was er am besten kann: Er drehte den nächsten Film über sich. Naheliegender Titel: "Cinema Jenin".
    Und der ist spannend: Da wird hoffnungsvoll nach Sponsoren gesucht, wo es keine Wirtschaft gibt, es müssen Widerstände bekämpft werden, wo es kaum Förderung gibt. Denn, man glaubt es kaum, so groß ist das Interesse am Film vor Ort nicht: Alles was aus dem „Westen“ kommt - und dazu gehört das Kino wohl im Allgemeinen und Vetter im Besonderen -, wird verteufelt. Es gibt Kräfte, die sagen, jetzt geht die eigene Kultur zugrunde. Der Spielplan muss mit dem Mufti abgesprochen werden, und was die Israelis zu dem Projekt sagen, ist noch gar nicht raus. Nichts ist einfach, nichts klappt beim ersten Mal. Eine irrwitzige Dokumentation über ein irrwitziges Projekt.

    • 7

      Was denn aber doch stört bei allem auch filmischem Einsatz: Regisseur Vetter setzt sich in „Cinema Jenin“ penetrant selbst in Szene, am liebsten mit Zigarette in Pascha-Pose.

      • 6 .5
        Stefan Benz: Echo - Online 28.06.2012, 14:09

        Es wirkt wie eine Mahnung, dass eine soziale Initiative stets auch eine politische Position erfordert und dass in Zeiten von Krieg und Terror der Einsatz für Kultur eine Sache auf Leben und Tod sein kann.

        • 7 .5
          Claudia Lenssen: epd Film 28.06.2012, 13:01

          Anschaulich zeigt Vetters Film, wie schmal der Grat zwischen Kultur und Politik in dem zerrissenen Land ist.

          • 7
            Christiane Peitz: Der Tagesspiegel 28.06.2012, 12:39

            "Cinema Jenin" ist wohl kein künstlerisch wertvoller Dokumentarfilm, sondern eine improvisierte Reportage aus einer Stadt, die lange als Hochburg der radikalen Al-Aksa-Brigaden und von Selbstmordattentätern galt.

            • 8
              Magali-Ann Thomas: BR 28.06.2012, 12:24

              Marcus Vetter geht es nicht darum eine Erfolgsgeschichte zu dokumentieren, denn die Eröffnung des Kinos ist nur der Anfang. Aber dieses Kinoprojekt schafft Raum für Diskussion und damit eine Freiheit, die Bewegung in die Herzen der Menschen bringt.

              • 6
                Stefanie Zobl: Fluter 28.06.2012, 12:20

                Seine Multifunktionalität bringt einerseits eine besondere Nähe zu dem Projekt mit sich – andererseits fehlt auch jegliche kritische Distanz in dem sehr gefälligen, handwerklich nahezu perfekten, aber eher auf westliche Bedürfnisse zugeschnittenen Film.

                • 8

                  Cinema Jenin gewährt einen Einblick in die komplexe Psychologie eines politischen Konfliktes. Kann man der Bevölkerung in Zeiten des Ausnahmezustands einen Unterhaltungsfilm wie Avatar zumuten? Und darf das Kino ein Ort des kulturellen Austauschs sein oder muss es sich zur Stimme des palästinensischen Widerstands erheben?

                  • 4
                    Stefan Reinecke 28.06.2012, 11:52

                    Ob Jenin, einst Hochburg des militanten Widerstands gegen Israel, wirklich mit den Segnungen des rot-grünen Milieus, mit Arthousefilmen und Solaranlagen geholfen ist, daran soll das Publikum lieber nicht zweifeln.

                    • 8
                      José Garcia: Textezumfilm 25.06.2012, 16:51

                      Der deutsche Regisseur Marcus Vetter ist mit der palästinensischen Stadt Jenin seit mehr als fünf Jahren verbunden. Als der Filmemacher erfuhr, dass der Palästinenser Ismail Khatib die Organe seines von einem israelischen Soldaten 12-jährig getöteten Sohn Ahmed an Kinder in Israel gespendet hatte, drehte er darüber den bewegenden Dokumentarfilm „Das Herz von Jenin“, der 2010 den Deutschen Filmpreis Gewann. Nachdem die israelische Witwe Yaël Armanet-Chernobroda, deren Mann Dov Chernobroda im März 2002 vom Selbstmordattentäter Shadi Tobassi in einem Tel Aviver Restaurant mit in den Tod gerissen wurde, den Film sah, reifte in ihr der Gedanke, Shadi Tobassis Eltern kennenzulernen. Über die Annährung zwischen der Witwe und den Eltern von Shadi, Um Amjad und Abo Amjad Tobassi, entstand unter der Regie von Jule Ott und Steffi Bürger, zwei Schülerinnen Marcus Vetters, der hochemotionale Dokumentarfilm „Nach der Stille“. Nun ist Marcus Vetter wieder nach Jenin gefahren, um ein seit Jahrzehnten verlassene Kino wiederaufzubauen – und um den Wiederaufbau in einem weiteren Film zu dokumentieren: „Cinema Jenin“ stellt den Abschluss einer Trilogie dar, die insbesondere eines verdeutlicht: Dass Versöhnung ein Zusammenleben im Nahen Osten möglich machen kann.

                      • 9
                        Matthias Pasler: Movie Maze 07.06.2012, 11:11

                        Cinema Jenin ist nicht nur ein Dokument der Umstände im Westjordanland, sondern auch ein Versuch, sie zu ändern. Dabei vermittelt der Film vor allem die Botschaft, dass Kunst vereint, wo Politik auseinanderreißt.