Cold Fish

Tsumetai nettaigyo (2010), JP Laufzeit 144 Minuten, FSK 18, Thriller, Drama


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4.1
Kritiker
6 Bewertungen
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7.1
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191 Bewertungen
16 Kommentare
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von Shion Sono, mit Denden und Mitsuru Fukikoshi

Shamoto ist ein braver Familienvater und betreibt ein kleines Geschäft für Tropenfische – gemeinsam mit seiner blutjungen und schönen zweiten Frau Taeko, die wie ein schillernder exotischer Fisch völlig deplaziert in seiner drögen Welt wirkt. Als Shamotos rebellische Tochter aus erster Ehe beim Ladendiebstahl erwischt wird, trifft er auf den extrovertierten und charismatischen Murata, Inhaber von “Amazon Gold”, dem Supermarkt unter den Zierfischläden. Murata ist nicht nur ein eiskalter Geschäftsmann, sondern ein skrupelloser Serienmörder, der knapp 60 Menschen auf dem Gewissen hat. Wer sich ihm in den Weg stellt, wird von ihm und seiner Frau zu Fischfutter verarbeitet. Ehe Shamoto sich’s versieht, wird er zum unfreiwilligen Komplizen des blutrünstigen Paares und gerät in eine Spirale aus Intrigen und Mord.


Cast & Crew


Kommentare (16) — Film: Cold Fish


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jacker

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Bewertung7.0Sehenswert

Alle Regler auf Anschlag.
Gaspedal durchtreten.
Kesseldruck kurz vor Explosion.
Einsteigen, wir verlassen jetzt den Bahnhof.
Von 0 auf 100 in Sekundenbruchteilen.
Letzte Warnung. Einsteigen die Türen schließen selbst....

RUMMS!

Shion Sono steigt nicht in in selbsttätig schließende Türen, sondern reisst sie wild kreischend aus den Angeln, verprügelt damit alle umstehenden Passanten, wirft mit Waserbomben voll Wahnsinn um sich und stoppt den Zug per Dynamit, um den gesamten Bahnhof in ein rauchendes Loch zu verwandeln.
Wobei..
Dynamit ist vielleicht etwas zu konventionell. Eher eine von ihm, speziell zur Auslöschung alles Normalen designte, ABC-Bombe.

Qualm, Panik, Hysterie.
KrZZ-BrscH-KKZZZZZZ (Geräusch von einer wild auf der Schallplatte hin und her kratzenden Nadel denken).

Overkill!

Alles in COLD FISH ist too much.
Way over the top.
Völlig durch.

Das geht beim Acting los - Fischverkäufer/Psychokiller Murata schreit. Immer. Alles was aus seinem Munde kommt. Lacht wahnsinnig und schreit. Jede Anweisung, jeden Witz, jedes beiläufige Wort. Seine Frau Aiko schreit zwar etwas weniger, erinnert aber vom Madness-Faktor ungefähr an BABY aus HOUSE OF 1000 CORPSES. Quietschig gackernd, besessen von was-wissen-wir-schon und mit großer Freude an tiefroten Körperflüssigkeiten.

Und so geht es weiter, jede Figur in COLD FISH wirkt wie eine Karrikatur. Wovon, wird nicht auf Anhieb klar, vielleicht auch niemals. Vielleicht eine Karrikatur, der Karrikatur, einer einzelnen menschlichen Eigenschaft. Mal Wahnsinn, mal Hass, mal Selbstaufgabe? Funktionieren tut es in diesem Gesamtbild aus zynischer Verspottung des Mensch-seins allerdings sehr wohl.
Ähnlich überbordend darf man sich die Gewalt (und was Sono uns neben ihr noch so präsentiert) vorstellen. Rumgeschmadder beim Filetieren der unerwünschten, unsichtbar gemachten Personen, wilder Sex im Gedärmebad, zum entspannen aber erst einmal nen Kaffee. Dann Knochen verbrennen und Muskelfleisch verfüttern. Wozu das alles dient? Auf Anhieb zu nichts, auf den zweiten Blick zu einigem:

Um zum Kern von COLD FISH vorzudringen, tut ein wenig Abstand ganz gut. Bleibt nach der Sichtung ein unmittelbares Gefühl der ratlosen Verstörtheit zurück, so formen sich nach und nach die ersten Gedanken:
Geht es hier tatsächlich (nur) um den Schwächling, der vor dem Leben kuscht und schlussendlich, nachdem er ewig nur kassiert hat, den Psychopathen in sich entdeckt?
Eigentlich nicht und doch in gewisser Weise schon. Aber anders, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Es ist nicht sein wahres ich, welches unser Protagonist, Fischverkäufer Syamoto, ganz plötzlich in sich entdeckt. Sono will uns nicht sagen: In jedem steckt ein Psychopath.
Nein, es ist das Endprodukt seiner jahrelangen Unterwürfigkeit, dass ihn zu etwas macht, das er nie sein wollte, nie erahnt hätte überhaupt werden zu können. Wenn man so will sehen wir hier CARRIE in Japan. Mobbing Deluxe mit unerwartet explosiver Wirkung. Angst vor dem Leben wird zur Todessehnsucht. Explosion bei zu hohem Druck von Außen.
Plötzlich verachtet er was er einst liebte und läuft wortwörtlich Amok. Kein Gefühl mehr da, alles verbraucht, der unsichere, liebende Mann ist zur ausgebranten Hülle geworden. Und die Moral daraus will Sono uns mitgeben: Sei du selbst, sonst wird es ein böses Ende mit dir nehmen. Lass dich nicht unterdrücken, sonst geht dein Ich verloren.

Vielleicht ist all dies, auch die überbordende Gewalt, die gezeigte Unterdrückung, die sexuellen Dominanz, die plakativen Stereotypen der Figuren, eine Parrabel auf die japanische Gesellschaft und ihre tief innewohnende Verhaltens- und Höflichkeits-Fassaden, die uns Europäern so fern und fremd ist, dass sie zu verstehen gar unmöglich erscheint. Doch auch ohne diesen (eventuell notwendigen) Blickwinkel, steckt in COLD FISH (neben der reinen Freude für das Abgedrehte) weit mehr über den Menschen - dich und mich - als es auf Anhieb erscheint und weit mehr als ein bloßes Gewaltfest, das fragwürdige Moral vermittelt.

[http://weltamdraht.blogsport.de/2013/12/12/cold-fish-tsumetai-nettaigyo-2010]

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S.Bendix

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Habe erst gelesen "Der Mann hat einige subtile Sachen gedreht" und mich ernsthaft gewundert. :-D


jacker

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Haha, subtil :D
Ja sehr.


Cayopei

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Bewertung9.0Herausragend

Die vollmundige Ankündigung auf dem Cover der Blu-ray verspricht mir "Fight Club with added dismemberment" aus dem Hause (bzw. Hirn) Sion Sonos. Life is pain. Living your life hurts. Vielleicht eher "Dismemberment with added fish, astronomy und Mikrowellenreis"? Egal. Der blaue Planet dreht sich weiter. Kino, das Grenzen auslotet. Kino, das man lieben oder hassen kann. Verstehen oder eben nicht. Man muss auch nicht alles immer verstehen. Weder Protagonisten noch Regisseure. Das ist Kunst.

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ElMagico

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Bewertung7.5Sehenswert

Irgendwie schafft Sion Sono bei mir, woran andere ziemlich regelmäßig scheitern. Abgrundtief ekelhaftes, abstossendes und moralisch fragwürdiges so zu verpacken, daß ich mich eigentlich kaum daran reibe, das es alles irgendwie halbwegs Sinn für mich macht und ich mich selbst immer wieder überwinden kann. Außerdem macht er mich, so andere Kommentatoren hier nicht lügen, zum Kinohipster und gleichzeitig minderbemittelten Menschen....und das ist doch schonmal was, finde ich.
Überhaupt kommt es mir bei "Tsumetai Nettaigyo" etwas so vor, als wurde Sion Sono einfach von zuvielen zulange abgefeiert, so dass man jetzt endlich mal mit dem Hammer der Kritik auf ihn einschlagen muss. Profil gewinnt man eben nur dadurch, indem man einen angesehenen Regisseur niederreißt. Nun ja, ich kann dem ganzen nicht folgen, ich sah mehr und vorallem andere Dinge in diesem Film.
"Tsumetai Nettaigyo" ist nicht zimperlich, absurd deutlich ist die Bildsprache und wenn hier von Blut und Gewalt die Sprache ist, dann heisst das bei Sono eben genau das: Blut und Gewalt. Und sicherlich provoziert dies den Zuschauer in einem gewissem Maße, aber ich empfand es zu keinem Moment als sinnentleerten Selbstzweck. Es mag ein blödes Beispiel sein, aber provozierten die Monthy Pythons jemals nur einfach so? Selbst in ihren abstrusesten Witzen lag ein Sinn, eine Wahrheit. Und soviel anders ist die Herangehensweise eines Sonos nicht: Er zeigt ein völlig übersteuertes und schon unrealistisches Bild von Sex und Gewalt. Er karikiert die Täter so ins unermessliche, dass sie schon wieder unweigerlich den Verlierer ihres Seins nach außen kehren. Selbst die tatsächliche Macht der Täter ist meist nur eine vorübergehende Illusion. Auch das Frauenbild in "Tsumetai Nettaigyo" weitaus weniger negativ als es oft dargestellt wird. Der Mann wird als dominanter und bestimmender Teil der Familie dargestellt, Frau und Kinder haben zu gehorchen. Soweit richtig und leider gängiges Gesellschaftsmodell in Japan (und ja durchaus auch hier bei uns). Aber sie können diese Macht nur durch Gewalt und Demütigung durchsetzen, agieren außerdem zwar egoistischer, aber auch um einiges unüberlegter. Selbst die von Gewalt geprägte Dominanz brökelt wenn Frauen nur einmal Lächeln, geschweige denn mehr einsetzen und am Ende sind alle Männer hier mehr von ihren Frauen abhängig als es andersherum ist. Negativ ist hier das Männerbild.
Aber auch abseits von all diesen inhaltlichen Ebenen hat "Tsumetai Nettaigyo" für mich funktioniert. So sehr Sono auch in allem übertreibt, er schafft es immer mit einem Bein auf dem Boden zu bleiben. Egal wie absonderlich sich alles anfühlt, dieser Strudel in den der biedere Familienvater oberflächlich erscheint, dass alles hat seltsamerweise immernoch Hand und Fuss. Es ist eben eine fast schon comichafte Abhundlung dieser Geschichte. Es ist auch keine Spannung die aufkommt, es ist die Faszination des Morbiden die einen an den Bildschirm fesselt. Wie weit graben sich die einzelnen Personen noch in den Dreck? Wer befreit sich und wie? Und wer wird davon am Ende übrig bleiben. Für mich war "Tsumetai Nettaigyo" eine wirklich intensive, grenzwertige, aber auch unterhaltende Erfahrung.

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ElMagico

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Gell, dabei geh ich doch eh fast nie ins Kino....aber doof bin ich schon irgendwie...das muss ich zugeben :P


ElMagico

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Eigentlich ist es wie gemacht für Blu-Rays!!! :)


cyranorick

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Bewertung7.5Sehenswert

Oh Du schön schreckliche, oh Du schrecklich schöne, oh Du so andere japanische Filmwelt.

Tag 3 der "Ich-sichte-Sono-bis-ich-ihn-kapiert-habe"-Tour.
Viel weiter bin ich in meinem Vorhaben bisher noch nicht gekommen. Ausser, dass er wohl ein ernsthaftes Inzest-Issue hat... in 3 von 4 Filmen bisher ein Thema. Aber wenigstens hat diesmal keiner gepinkelt. ^^
Im Grossen und Ganzen auch sonst ein für Sono recht gradliniger Film, der recht ungekünstelt verläuft, und, trotz aller schrägen Charaktere, wenig sinnfrei überraschendes aufbietet.
Das ist, nach Strange Circus und Guilty of Romance aber auch mal recht erholsam. (Wobei "erholsam" sowohl bei Sono allgemein, als auch hier bei Cold Fish im Besonderen, ein Wort ist, welches eigentlich völlig fehl am Platz ist.)

Vielleicht mag ich seine Filme deswegen so...

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lieber_tee

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Bewertung6.0Ganz gut

*SPOILER*
Eine Tour de Farce.
Willkommen bei Sonos bewusst kalkuliertem Grenz-Kino.
Provokation um jeden Preis.
Wolltet ihr schon immer wissen wie lang und viel Erniedrigung notwendig ist um aus einem Normalo einen Wutbürger zu machen?
Wollt ihr praktische Tipps zur Un-Sichtbarmachung von Menschen haben?
Dann seit ihr in diesem Futternapf des Grauens richtig.
Quälend lange wird dem Zuschauer der passive Leidensweg eines hemmungslos-gehemmten Fisch-Verkäufers gezeigt, der unter dem Sadismus eines Serienkiller-Fisch-Verkäufers leidet um in der letzten halben Stunde in eine Katharsis aus Blutmatsche, Ekel und Wahnsinn zu explodieren, die nichts Erlösendes hat.
Übel, übel sprach der gorige Dübel und verschwand in der nihilistischen Wand.
Leben ist Schmerz, eine dünne Aussage für ein zweieinhalb Stunden langes Martyrium.
Oder ist der Film dann doch (nur) eine böse Farce über die gesellschaftlichen Strukturen und der moralische Verfall im modernen Japan?
Mir war "Cold Fish" zu banal, zu sexistisch im Frauenbild und zu gewollt provokativ.
Er hat mich allerdings als exploitationhafter Rache-Thriller ohne befreiende Wirkung aber mit zynischen Humor gefallen.
Nur bloß nicht nach einen tieferen Sinn suchen...

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lieber_tee

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Ich erinnere mich bei Cold Fish an folgende Frauendarstellungen: Die Ehefrau, die sich hörig vom Serienkiller ficken lässt (und dann grinsend nach hause kommt), die Partnerin vom Serienkiller die alles mitmacht, mit jeden rummacht (mal zweckgebunden, mal mit Lust), die Tochter als ignorant, dumme Schnepfe, die Bediensteten die mit Titten-T-Shirt herum laufen... Wenn das als Farce oder als Übersteigerung der patriarchalen Macht-Verhältnisse gemeint ist, kam es bei mir nicht so an... Anprangern sieht anders aus, ist ziemlich flach... Das Männerbild ist allerdings genauso unerträglich. Mit satirischer Überzeichnungen lässt sich natürlich alles im Film erklären. Da hat er in anderen Filmen (auch mit Überzeichnungen) stärkere Frauenbilder geschaffen. Vielleicht ist es wirklich ein Schlüssel den Film als bitterböse, überzeichnete Satire auf die japanischen Gesellschaftsstrukturen zu sehen. Keine(r) wehrt sich im Film so richtig alle ertragen immer alles. Ich konnte mir das kaum anschauen. Und die Befreiung ist dann auch nicht befreiend... Das ist mir zu böse, selbst wenn alles so auch beabsichtigt war. Bei mir hat es nur bedingt funktioniert, da fehlten mir die Zwischentöne, das ist mir dann als Interpretation zu flach. Bei Sono bin ich da kritischer als bei anderen Genre-Filmen..."Guilty Of Romance" muss ich noch sehen, mal schauen wie diese Thematik da auf mich wirkt.


Anoirja

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"Vielleicht ist es wirklich ein Schlüssel den Film als bitterböse, überzeichnete Satire auf die japanischen Gesellschaftsstrukturen zu sehen." Ja, eben - jedenfalls habe ich den Film auch so wahrgenommen. Nur kann es Sono Sion wie gesagt besser.


MrDepad

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

"Cold Fish" ist der zweite Teil der Hass-Trilogie von Regisseur Sion Sono.
Shamoto führt ein Fischgeschäft für tropische Fische mit seiner jungen Frau. Eines Tages lernt er Murata kennen, der ebenfalls ein solches Geschäft führt. Murata möchte Shamoto als Partner gewinnen und dieser ist bereits skeptisch. Kurze Zeit später lässt Murata die Maske fallen und Shamoto sieht sich mit einem Albtraum konfrontiert, der ihn in seine tiefsten Abgründe führt.
Sono legt nach seinem fast 4-stündigen "Love Exposure"direkt den nächsten Brocken nach. Sein Nachfolger ist ein bedrückendes Werk, welches zwischen Gesellschaftssatire, Psychothriller und makaber-skurillen Splattereinlagen wechselt, dazu streut er ab und zu kleine schwarzhumorige Szenen ein, über die aber nur sehr abgebrühte Leute lachen können. Anfangs nimmt sich Sono viel Zeit, um erstmal die Figuren einzuführen, doch nach knapp 45 Minuten explodiert die zuvor aufgebaute Stimmung bereits in einem brutalen Höhepunkt, nach dem es immer weiter Richtung Abgrund geht für Hauptfigur Shamoto. Der Film behält zwar weiterhin ein eher behäbigeres Tempo bei, kann aber trotzdem immer wieder für Spannungsmomente sorgen. Die letzten ca. 15 Minuten entlädt sich Sono dann in einem Finale, welches einfach nur noch krank und brutal ist und den Zuschauer verblüfft zurücklassen wird.
Schauspielerisch befindet sich hier jeder Darsteller auf dem selben recht guten Niveau, nur ein paar asia-typische Overacting-Einlagen fallen ein klein wenig negativ ins Gewicht. Sono beweist wieder sein Gespür, Bilder und Musik stimmig zu verknüpfen, wobei er einige harte Szenen mit fröhlicher Musik unterlegt, was eine ziemlich absurde Wirkung erzeugt.
"Cold Fish" ist nach dem großartigen "Love Exposure" erneut ein sehr guter Film von Sion Sono. Der Film ist allerdings nicht für jeden geeignet, da inhaltlich sowie stilistisch einiges Explizites geboten wird und Sono ein äußerst bedrückendes, pessimistisches Bild einer Familie zeichnet. Alle, die Asia-Filme mögen, sollten sich dieses Werk aber ruhig ansehen, da Sono einer der aufregendsten Regisseure zur Zeit aus diesem Land ist, der immer wieder zu überraschen und zu schockieren weiß.

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suspirio

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Mein Persönlicher Lieblingsfilm von Sion Sono nach Strange Circus.
Darüber hinaus auch der 2. Teil der Hass-Trilogie.
Hier wird deutlich warum Sono Kultstatus geniesst.
In teils hypnotischen bildern wird der Zuschauer in die Kranke Welt eines serienkillers hineingezogen und leidet mit dem Protagonist Shamoto mit.
Der Verfall von Moral und Werten wird hier so knallhart dargestellt wie sonst selten.
Cold fish ist ein filmisches Juwel das nicht immer leicht verdaulich aber stets mitreissend und fazinierend ist.

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Roldur

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Bewertung7.5Sehenswert

So, da haben wir jetzt Teil 2 der Hass Trilogie. Wie erwartet reicht er natürlich nicht an Love Exposure heran aber das will ich hier erstmal nicht ankreiden. Cold Fish hat andere, wenn auch nciht so viele Qualitäten. Zuweilen hat mich Sonos Film eher an einen koreanischen Thriller erinnert als an einen Japano-Streifen.

Der Protagonist stürzt in die Geschichte hinein und wird immer wieder manipuliert, mitgerissen und erniedrigt. Sono lässt überhaupt garkeine Zeit sich in die Lage einzufühlen, alles passiert viel zu schnell. Entgegen der tollen Inszenierung und den sehr guten Darstellern geht mir das alles zu schnell. Die Story wird zu schnell an die Stelle gehetzt wo Sono sie haben will und das hat nun wirklich nichts mit dem langsamen, pointierten Love Exposure gemein.

Was wir aber auf der "Haben"-Seite vermerken können ist ganz sicher auch nicht wenig. Im Prinzip ist "Cold Fish" ein Hochglanzthriller mit Sono-Einschlag. Da wird rumgesaut, Rotz und Wasser geheult und Spannung kommt so gut wie nie zu kurz. Das ganze weiß zu fesseln und dieses "Falling Down"-artige, das sich durch den ganzen Film zieht war sehr faszinierend anzuschaun. Dass es dann gegen Ende etwas zu sehr in Splatter und gematsche übergeht und Sono seine "Fuck-Life" Einstellung mit Filzstift an jede Wand kritzeln muss ist da leicht verschmerzbar.

Ich habe mich über 2,2 Stunden gut unterhalten gefühlt und mehrere pointiert eingesetzte Elemente aus dem Vorgänger wiederentdeckt. Was will ich mehr? Sicher nicht so großartig wie sein Vorgänger aber definitiv ein guter Beitrag zur Trilogie. Jetzt wartet nur noch Guilty of Romance.

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Mr. Pink

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Bewertung7.0Sehenswert

"Cold Fish" ist ein eigenwilliger Film, welcher als ruhiges Drama beginnt und sich später in ein absurdes Blutbad wandelt, dessen aufdringlich drastische Konsequenz beinahe schon etwas zu übertrieben erscheint. Das Ganze ist eindringlich gefilmt, musikalisch sehr gut abgestimmt und großartig gespielt (gelegentliches Overacting verbuche ich mal nachsichtig unter Stilmittel), besonders Hauptdarsteller Mitsuru Fukikoshi, der die Wandlung seines Charakters sehr glaubwürdig rüberbringt, hat mir gefallen.

Über etwaige Unlogik und schließliche Sinnlosigkeit der Geschichte denke ich mal nicht weiter nach, weil "Cold Fish" anscheinend keine gewieft tiefsinnige Erzählung sein möchte, sondern einfach einen Blick auf menschliche Abgründe werfen will, um zu zeigen, in was für einer kranken Welt wir leben, was umso deutlicher funktioniert und umso erschreckender ist, wenn man weiß, dass der Film auf wahren Ereignissen basiert. Hier sicherlich noch etwas überspitzt dargestellt, hat sich das alles nämlich ziemlich genau so zugetragen. Nachzulesen zum Beispiel hier: http://www.tumblr.com/tagged/gen-sekine

So ist dieser böse Thriller mit seiner Mischung aus Sex und Gewalt sicher kontrovers und provokant, und ganz sicher nichts für empfindliche Filmfreunde. Vor allem ist "Cold Fish" aber einfach ungewöhnlich und untypisch, keine Stangenware. Schonungsloses und extremes, aber, wenn man sich darauf einlässt auch unterhaltsam kurzweiliges Kino, da die fast 2,5 Stunden doch ziemlich rasch vergehen.

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suicidefantasy

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Es ist die Verzweiflung. Es ist die Machtlosigkeit. Es ist die Unterwürfigkeit. Es ist der Selbsthass. Es ist die Einsamkeit. Es ist die Schwäche.
Skrupellos und ohne Scham und dennoch voller Poesie präsentiert uns Sion Sono ein bemitleidenswertes Ende eines Lebens. Ich verneige mich vor der schon plakativen und übertriebenen Kritik und Verachtung, dem Ekel vor dem Leben. Er zeigt exemplarisch und von symbolischer Macht geprägter Schwaz-Weiß-Malerei die Abhängigkeit und Unmöglichkeit des Lebens in der Gesellschaft. Wie der Mensch mit Mensch ums Leben kämpft. Wie voller Gier und Selbstliebe nach sich selbst getrachtet wird und alle Stärkeren die Schwächeren besiegen. Es ist nur möglich ohne Mitleid zu bekommen, was man will. Und als Antwort darauf gibt Sion SOno uns nicht die Libe. Nicht die Vernunft. Nicht den Glauben an ein Ideal. Nein. Sondern den Nihilismus. Die Nüchternheit. Die Anpassung. Den Wahnsinn. DIe Zerstörung.
Und genau das ist so bewundernswert. Nach 140 Minuten bis zur Unerträglichkeit gereiztes Geschreie, Gezappel, Gequäle und Gemorde kann es nicht zu einer Wunscherfüllung kommen. Das Individuum adaptiert die Regeln der Gesellschaft, den Hass, die Selbstsucht, die Stärke und die Rationalität, oder versiegt und scheidet dahin.
"Leben tut weh", heißt es am Ende. Das ist nur die Konsequenz, die aus der porträtierten Gesellschaft zu ziehen ist. Und warum es so schmerzt wird so deutlich gesagt und gezeigt im Film. Deshalb verstehe ich bei weitem nicht, wie viele hier den Film als sinnfrei und leer bezeichnen. All die Brutalität, all die mangelnde Liebe sind nur die Folge von Unterdrückung, Zwang und Hass.

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lieber_tee

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...klar, und du hast die Weisheit mit Löffeln gefressen...


AlexanderDeLarge

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Love it.


diceman

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

[...]
Respekt gebührt Shion Sono vor allem dafür, daß bei all rebellischem Nihilismus er nie seinen Auftrag als Entertainer vergessen hat: COLD FISH ist in etwa so lang wie sich LOVE EXPOSURE anfühlt, und fliegt mindestens so rasant dahin. Statt brütender Gesichter, langwieriger Recherche und mißmutig verregneter Settings treibt ein Staccato von Aktion und Reaktion die Handlung voran; Dialoge sind von galligem Humor geprägt, der mehr an die Nieren als ans Zwerchfell geht, großzügig abgeschmeckt mit einer wunderbar enthemmten Asuka Kurosawa (ließ bereits in Shinya Tsukamotos A SNAKE OF JUNE tief blicken), die mit lasziv-obszöner Erotik je nach Disposition für rote Ohren oder trockene Münder sorgen wird. [...]

--> Review in voller Länge:
http://www.dasmanifest.com/01/coldfish.php

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Anoirja

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Bewertung6.0Ganz gut

Ich hatte mich so auf den Film gefreut und gehofft, dass er mich ähnlich begeistern kann wie "Love Exposure" und "Strange Circus" - aber leider ist dem nicht so. Völlig ohne Vorabinfos (bis auf das Stichwort Serienkiller) bin ich also mal wieder an das zuletzt hier erschienene Werk von Japans Enfant terrible Sono Sion herangegangen und die ersten ca. 45 Minuten habe ich mich verwundert gefragt, wohin die Reise eigentlich gehen soll. Das muss natürlich erst einmal noch nichts Schlimmes heißen, in diesem Fall im Nachhinein dann leider doch. Diese Art der Provokation verpufft einfach nur - so bemüht schwarzhumorig, zynisch, blutig und exzessiv das Ganze auch in Szene gesetzt ist, es wühlt weder auf noch verstört es. Soso, "Life is pain. Living your life hurts." - mich erinnert das bisweilen sogar an die pseudo-philosophischen Banalitäten eines Gaspar Noé, was fast noch am erschreckendsten ist. Weil die knapp 2½ Stunden trotz allem mitunter einigermaßen unterhaltsam sind, bin ich hinsichtlich der Bewertung noch gnädig. Meine Enttäuschung mindert das natürlich nicht, im Vergleich zu seinen anderen Filmen (mal abgesehen vom nichtssagenden Langweiler-Film "Hazard") ist das einfach viel zu wenig. Ich bin ja mal gespannt, was der emsige Regisseur in Zukunft noch zustande bringt - die nächsten beiden Filme sind jedenfalls bereits abgedreht und ich frage mich immer noch, wie es denn nun mit seiner seit längerem angekündigten "Lords of Chaos"-Verfilmung steht.

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Mimuschka

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Bewertung7.0Sehenswert

das war er nun also, der große publikumsspalter. auch mich hat er etwas sprachlos zurückgelassen, innerlich hin- und hergerissen, nicht eines abschließenden urteils fähig.
die themen schöpfen sich wiedermal aus dem altbekannten sion sono-pool: eine repressive gesellschaft die menschen zu tickenden zeitbomben heranzüchtet, die daraus resultierenden familiären und beruflichen konflikte, der sado-masochistische blick auf sex und gewalt.

doch viele dinge die ich an den anderen filmen von ihm so liebte fehlen hier, fehlten mir: die brechung der 4th wall, der typische humor, sympathische hauptcharaktere mit denen man sich identifizieren kann, die absurden musikeinlagen, die bedrohlich-surreal-mysteriöse grundatmosphäre. dieser elemente beraubt wirkt der film ungewohnt nackt und roh, ohne spielereien. selbst die story ist karg, in den 150 min wird wenig erzählt, einen großteil der zeit nimmt die detailiert gezeigte leichenentsorgung ein, welche geradezu zelebriert wird.

nun frage ich mich: hat sion sono seinen humor verloren, seine hoffnung fahren gelassen die z.b. noch in "love exposure" all-präsent war? er scheint fast zum zyniker geworden zu sein, von menschenhass durchdrungen, in der schlechtesten aller möglichen welten lebend, mit dem drang dies alles möglichst hart ins gehirn der zuschauer zu meißeln.

evtl tu ich dem film jetzt auch unrecht, weil die zeit zur reflektion noch nicht lang genug war, nachdenken müsste ich auf jeden fall noch ein paar tage über das soeben gesehene, kann mich spontan sowohl in die hasser als auch wertschätzer hineinversetzen.

so verbleibe ich mit einem eher wohlgesonnenen "sehenswert" und bin gespannt auf weitere kritiken und kommentare die hoffentlich noch zu diesem film geschrieben werden. doch auch mit einer kleinen warnung, denn dieser film ist noch mehr als andere des regisseurs ein harter schlag in die magengrube.

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Anoirja

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You bet! You too?


Mimuschka

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sure thing, dearest!


Tyler__Durden

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Der Teufel vor dir steht und schreit.
Er dir die Hölle zeigt in deiner Furcht.
Tief in die Augen er dir sieht,
sodass der Terror,
mit all dem Wahnsinn,
sich in dir wieder spiegelt.
Tun kannst du mit Gewissheit eins:
Sieh zurück.
Und friss ihn auf!

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Tyler__Durden

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@horro: Sashimi (刺身, sashi = durchstochener mi = Körper)
;)


horro

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Okay ... danke für das Schliessen einer Bildungslücke ;D ... nehme an in dem Film gehts auch eher um durchstochene oder durchschossene Körper, dann wär meine Frage also abschliessend geklärt :)


loogee

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vorgemerkt

Kommt auf dem Fantasy Filmfest 2011 8-)

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Mr. White

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Bewertung7.0Sehenswert

"Cold Fish" kommt ganz anders, als man ihn erwartet. Kein spannungsgeladener Psychothriller, sondern ein schwarzhumoriges, abgefucktes und verwirrtes Machwerk. Man wird überrumpelt mit wahnwitzigen Szenen und weiß nicht, ob man lachen oder weinen möchte. Hier wird alles auf den Kopf geworfen und der Zuschauer weiß irgendwann nicht mehr, was die Charaktere eigentlich vorhaben und der Sinn ist auch nicht mehr erkennbar. In einem Moment wollen sich die Personen in Hunderte Stücke schneiden und eine Sekunde später artet das Ganze im Sex aus.
Wer Sion Sono kennt, wird nicht gänzlich überrascht sein, doch zeigt dieser Film auch Sono-Fans neue Dinge!

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