Darwins Alptraum

Darwin's Nightmare (2004), FR/BE/AT/CH
Laufzeit 104 Minuten, FSK 6, Dokumentarfilm, Kinostart 17.03.2005

6.5 Kritiker
14 Bewertungen
Skala 0 bis 10
7.5 Community
425 Bewertungen
15 Kommentare
Darwins Alptraum - Bild 15325
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von Hubert Sauper,

Irgendwann in den sechziger Jahren wurde eine fremde Fischart in den Viktoriasee in Ostafrika eingesetzt – es war ein kleines wissenschaftliches Experiment. Der Nilbarsch, ein hungriges Raubtier. Dieses hat es innerhalb von drei Jahrzehnten geschafft, fast den gesamten Bestand der ehemals 400 Fischarten auszurotten. Unternommen wurde dagegen jedoch nichts, denn bis heute sind die weißen Filets des Nilbarsches ein weltweiter Exportschlager. An den Ufern des größten tropischen Sees der Welt landen jeden Abend riesige Frachtflugzeuge, um am nächsten Morgen wieder in die Industrieländer des Nordens zu starten, beladen mit hunderten Tonnen frischer Fischfilets. In Richtung Süden jedoch ist eine andere Ladung an Bord: Waffen. Für die unzählbaren Kriege im dunklen Herzen des Kontinents. Dieser florierende globale Handel von Kriegsmaterial und Lebensmitteln hat an den Ufern des größten tropischen Sees der Welt eine seltsame Stimmung und Menschenmischung erzeugt, welche die ,,Darsteller” dieses Films repräsentieren: einheimische Fischer, Agenten der Weltbank, heimatlose Straßenkinder, afrikanische Minister, EU-Kommissare, tansanische Prostituierte, russische Piloten…

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Kritiken (1) — Film: Darwins Alptraum

Rochus Wolff: freier Journalist

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8.5Ausgezeichnet

Na, ißt noch jemand Viktoriabarsch? Leider ja, und das ist nur einer der Gründe, warum dieser Film zum Bildungskanon gehören sollte. Er bewegt sich in langsamen Kreisbewegungen um die Folgen herum, die die Ansiedlung des Barsches im afrikanischen Viktoriasee hatte, und mehr und mehr wird er zum Lehrstück darüber, wie Kapitalismus und Globalisierung funktionieren.

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Kommentare (14) — Film: Darwins Alptraum

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freakualizer

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Trauriger Realismus, der leider unsere Industrienationen nur durch solche Dukumentationen oder entsprechende Artikel in z.B. dem "Spiegel" o.ä. erreicht.
Schokierend, was Lobbyisten mit Landschaften/Menschen in Gegenden machen, wo man sie noch aufsichtsfrei gewähren lässt. Schlimm nur, dass selbst die betroffenen Einwohner davon noch profitieren, wenn auch nur kurzfristig.
Bis zu dem Film fand ich Viktoriabarsch lecker. Wenn ich ihn allerdings jetzt in der Fischtheke liegen sehe, mit den blutigen Schlieren, dreht sich mir der Magen um.
Die Dokumentation sollte man/frau unbedingt ansehen um ein weiteres Stück über die Ausbeutung der Natur und der Ärmsten durch den "zivilisierten" Menschen zu erfahren.

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Bernhard64

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Verstörend - und das ist gut so

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Scipio

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Bewertung9.0Herausragend

Dieser Film sollte um 20.15 h gesendet werden, und nicht wieder um Mitternacht in einen der Dritten Programme.

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pufaxx

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Auch interessant (und schockierend) - Der "Modefisch" Pangasius: http://bit.ly/fz9UbR (ARD-Doku ... beeilen, man weiß nie, wie lange sowas in der Mediathek zu sehen ist)


Scipio

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Danke für die Info!


BiGBeN87

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vorgemerkt

Seekunde … Al*p*traum? Srsly?!

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BiGBeN87

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Das zeigt doch nur ein weiteres Mal, wie kontraproduktiv der Duden ist. ;)


SgoTscH

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Als würde hier jemand an Neusprech arbeiten :>


jlorenz1

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Darwins Alptraum ist ein auf Spielfilm gemachter Dokumentarfilm. Etwas wirklichkeitsfern schlüpft der Zuschauer in die Rolle des Beobachters, dem auf geheimnisvolle Art und Weise sich alle Türen, Firmen, Hütten und Straßen bei Tag und Nacht öffnen. Ein Nachtwächter der Fischfabrik auf Patrouille erzählt ebenso offenherzig von seinen Kampftechniken wie der Fabrikbesitzer über ertragreiche vergangene Zeiten berichtet. Der Zuschauer ist auch als Beobachter mitdabei, wie auf der langen Fahrt verdorbene Fischabfälle in einem armen Dorf auf die nackte Erde ausgeschüttet und dann die teils Maden gespickten Fischreste auf lange dürre Holzgestänge zum Trocknen aneinander gereiht werden um sie später doch noch zu verkaufen. Am Ufer des Viktoriasees ist er Zeuge wie sich Kinder um Reis und Fischreste schlagen und hockt fiktiv neben einem Straßenkind als ihm ein anderes Kind eine Flasche mitbringt um sich high zu schnüffeln.

Alle jene Szenen wirken bis auf wenige Ausnahmen auf ganz besondere Art und Weise authentisch, weil kein Filter eines unsichtbaren Kommentators dazwischen geschaltet ist. Nur an wenigen Stellen erscheint für kurze Zeit eine schwarze Tafel mit weißer Schreibmaschinenschrift, die auf Englisch mehr stichwortartig wichtige Aussagen, Personen oder Hintergründe hervorhebt.

Die Prügelszene eines älteren auf ein jüngeres Straßenkind ohne Arme wirkt gestellt. Ebenso wie bei Filmende der Nachtwächter einen englischen Zeitungsartikel über Waffenfunde bei Flüge mit Mühe vorliest. Das tut dem Film in seiner politischen und menschlichen Aussage keinen Abbruch, kratzt jedoch ein wenig an der ansonsten außergewöhnlichen Authentizität.

Der Film steckt voller Raffinesse. Mißliebige oder unwissende Aussagen werden nicht herausgeschnitten, sondern eingebaut. So verneint die mit russischen Frachtpiloten verkehrende und später umgebrachte Prostituierte Eliza die Frage nach Waffenlieferung bei den Frachtflügen während der vom Bilderverkauf lebenden Jonathan ohne Scheu und mit kritischen Blick auf wenige über Radio gesendete Zufallsfunde verweist. Das hindert den Film daran ideologisch aufzutreten.

Da nicht über die Menschen um den Victoriasees sozusagen "hinweg kommentiert" werden, sondern gleichsam "eine eigene Stimme erhalten", erhalten sie damit ihre Würde - auch ungeachtet ihrer gesellschaftlichen Position - zurück. Aber es sind nicht nur ihre Stimme, sondern auch ihre Blicke. Als die mit den Armen eines ukrainischen Frachtpiloten herangezerrte Prostituierte Eliza eine Hymne über Tansania singt und der Frachtpilot mehrmals vergeblich und schlecht in das Lied einfällt, rollt sie mehmals die Augen. Das verrät mehr als tausend Worte! Oder die nächtliche Szene in der der hellwache, innerlich gespannte Nachtwächter mit unauffällig umschauenden Blick in spärlicher Beleuchtung erzählt, wer wann wie im Kampf überlebt, spricht einfach Bände.

Dadurch dass der Film in englischer Universalsprache gehalten ist, richtete er sich gleichsam ohne Unterschiede an alle in der Welt und schafft damit unausgesprochen eine "Eine Welt".

Naive, zu sentimentale Menschen - man möge mir die Offenheit verzeihen - denken am Ende des Filmes: Nie wieder Victoriabarsch! und übersehen dabei die Aussage des ukrainischen Frachtpiloten mit etwas feuchten Augen (oder täusche ich mich da?): "In den 90ziger Jahren lieferten wir auf dem Hinflug Waffen, mit denen Kinder sich gegenseitig umbrachten, und zwei Panzer nach Angola, flogen weiter nach Südafrika, um von dort eine Ladung Grapefruits nach Europa zurückzufliegen". Nie wieder Victoriabarsch? Nein! Die Antwort müsste vielmehr heißen: "Think global, act local! - Global denken, lokal handeln!".

Und für alle jene, denen diese Profitgier (Waffen auf dem Hinflug und Lebensmittel auf den Rückflug) bis auf das Letzte auszuquetschen neu vorkommt, sei gesagt, dass dies schon immer so war. Englische Schiffe transportierten aus den indischen Kolonien Tee und Baumwolle. Damit die Frachträume auf der Hinfahrt nicht leer blieben, wurde kurzer Hand in Indien einheimische Salzgewinnung durch eine drastisch erhöhte Salzsteuer zum Erliegen gebracht, um Salz aus England in Indien gewinnbringend zu verkaufen. Ghandi war einer der ersten, die erfolgreich dagegen protestierten. Nicht zu glauben? Dann werft einfach mal einen Blick http://de.wikipedia.org/wiki/Salzsteuer hier in Wikipedia. Nicht nur der Nilbarsch, sondern auch die fremd eingeführte Wasserhyanzinthe bedroht den Victoriasee http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/1998/0211/wissenschaft/0003/index.html...

Insoweit ist mit "Darwins Alptraum" der Filmtitel etwas missverständlich, hat der Film doch wesentlich mehr im Visier als "Biologie und Artenauswahl" - er ist vielmehr symbolisch zu sehen: Die Europäer und Amerikaner als Nilbarsche im Victoriasee, ähem Verzeihung, auf unserem Planeten?...

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Natoll

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Bewertung10.0Herausragend

Die Definition von "Lieblingsfilm" ist hier ein wenig paradox, denn ein unterhaltsamer Film ist diese Reportage nun absolut nicht. Es zeigt sehr nahe die dunkelste Seite der Globalsisierung und deren Auswirkungen. Diese Reportage sollte Pflichtprogramm an Schulen werden!

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raab_himself

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Großartig inszenierte Dokumentation mit einer schockierenden Handlung.

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Acry

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Gute Doku, die auch ohne Kommentare auskommt, da die Bilder für sich sprechen. Während des Films wird einem mal wieder klar, wie ungerecht diese Welt ist...

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lyogen

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Bewertung9.5Herausragend

Gehört zu den Filmen, die jeder gesehen haben sollte.
Schockieren und leider wahr.

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Ferdinand

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Bewertung10.0Herausragend

Interessant finde ich vor allem, dass sich die Filmemacher Kommentare bzw. Wertungen weitestgehend ersparen. Die sind auch nicht nötig, wird man doch durch die intensiven Aufnahmen direkt an den Ort des Geschehens verfrachtet, oder besser, gepresst. Man kann den Fisch riechen. Ein Otto Sanders oder sein Bengel hätten das Ansinnen dieses Filmes eher vermasselt.

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Munin

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Bewertung9.5Herausragend

Diese ausgezeichnete Doku sollten BWL-/ Volkwirtschaftstudenten usw. in der Vorleseung serviert bekommen.

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Justy

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Die schlimmsten Seiten der Globalisierung, eindringlich dargestellt.

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lohmann

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Bewertung9.5Herausragend

Einer der bewegendsten dokumentarfilme die ich je gesehen habe. Danach weiss man das die Welt schlecht ist. Wer das nicht wissen will, sollte sich den Film nicht angucken. Wer bereit ist das zu akzeptieren, wird viele neue einblicke bekommen.

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holgerd

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Bewertung9.0Herausragend

Schockierend.

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