Das Auge

Mortelle randonnée (1983), FR Laufzeit 121 Minuten, FSK 16, Actionfilm, Kriminalfilm, Thriller, Komödie, Kinostart 13.01.1984

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von Claude Miller, mit Michel Serrault und Isabelle Adjani

Privatdetektiv “Auge”, bekannt für seinen hervorragende Beobachtungsgabe und Intuition, wurde vor vielen Jahren von seiner Frau verlassen. Und seit dem Tod seiner kleinen Tochter Marie, deren Verlust ihn im Stillen bis zur Unerträglichkeit schmerzt, gibt es für ihn nur noch seinen Beruf. Als “Auge” den Sohn reicher Eltern beschatten soll, der sich zu deren Missfallen mit einem angeblichen Flittchen herumtreibt, klingt das nach einem Routinejob für den alten Spürhund. Allerdings wird das verwöhnte Söhnchen nach heftigem Liebesspiel mit der schönen Catherine tot aufgefunden. Alles deutet darauf hin, dass die Liebhaberin auch die Mörderin ist. Über Monate verfolgt “Auge” die mordende Schönheit quer durch Europa und entwickelt eine eigenartige Beziehung zu Catherine, in der er seine verloren geglaubte Tochter zu erkennen meint. Zusehends verstrickt sich “Auge” immer mehr in diesen Fall, er wird zu Catherines Schatten und letztendlich zu ihrem Komplizen, der sie vor dem Zugriff der Polizei schützt. Catherine wird für ihn eine fixe Idee, sie wird Marie, der er sich nicht mehr entziehen kann. Und auch Catherine kann am Ende dieser unwirklichen, selbstzerstörerischen “amour fou” nicht mehr entkommen.


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Kommentar — Film: Das Auge


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Mimuschka

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

was für ein merkwürdiges filmchen! irgendwo zwischen post-noir thriller, tieftraurigem melodram und pechschwarzer komödie zieht isabelle adjani als serienmordende femme fatale eine blutspur quer durch ganz europa. immer dicht gefolgt vom ständig selbstgespräche führenden privatdetektiv "das auge", der - fast wie aus einem paul auster roman - eigentlich auf jemand ganz anderen angesetzt ist und in ihr seine verlorene tochter wiederzuerkennen glaubt, zu ihrem schatten wird, seinen ursprünglichen auftrag vergisst und irgendwann sogar anfängt ihre morde zu vertuschen.
die intelligente psychoanalytische story nimmt dabei teilweise groteske züge an und führt zu ein paar fast surrealen szenen. doch immer liegen humor und melancholie dicht beieinander. michel serrault, der in den 70er als komiker bekannt wurde, spielt, hier entgegen seiner üblichen rollen besetzt, einen grüblerischen zyniker mit sarkastischer weltverachtung, der seit der trennung von seiner familie den spaß am leben verloren hat, aber dessen närrisch-skurrile art immer wieder zum schmunzeln anregt.
so wie er ist auch sein konterpart catherine, brilliant und unglaublich intensiv gespielt von isabelle adjani, auf der suche nach verlorener familie, nämlichen ihrem vater, während sie reihenweise männer über den jordan schickt und sich ihres vermögens bemächtigt, immer rast- und ziellos von land zu land hastend.

"claude millers meisterwerk übersteigt das übliche genre des detektivfilms. die rührt vor allem her von dem mischstil der tragikomödie, der einer ergreifenden 'comedie humaine' angemessen ist - und der legitimität des ur-verlangens nach der selbstlosen liebe eines vaters und einer tochter. der film lässt in einem beinahe tiefenpsychologischen und existenzphilosophischen modellversuch erkennen, dass die erfahrung von der abwesenheit dieser liebe zu ersatzbildung führt: zur projektion 'anwesender' wunschfiguren. er handelt von der abgrundtiefen trauer über das verlorene und von der aufbegehrenden sehnsucht, die sich mit diesem verlust nicht zufrieden geben will, den tod nicht akzeptiert" (thomas koebner)

in der tat war der film eine wirkliche überraschung, mit der ich wahrlich nicht gerechnet hätte, mit vielen seltsamen irritationen, scharfsinnigem humor und einem grandios poetischen finale, das bestimmt niemanden kalt lässt.

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Mimuschka

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cool, dann werf ich mal ein "auge" auf die charlotte gainsbourg filme :-)


Hartmut Wastian

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Ein schöner Kommentar, der die merkwürdige Atmosphäre dieses Films, das "Gemischte" sehr gut in Worte fasst. Sicher schon 15x gesehen, immer wieder fand ich ihn großartig. Leider kenne ich nichts Vergleichbares(?).



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