Das Biest muß sterben

Que la bête meure (1969), IT/FR
Laufzeit 110 Minuten, FSK 16, Thriller, Kriminalfilm

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8.1 Kritiker
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von Claude Chabrol, mit Michel Duchaussoy und Caroline Cellier

Der verwitwete Kinderbuchautor Charles Thénier lebt zurückgezogen mit seinem neunjährigen Sohn Martin. Dieser wird plötzlich von einem Auto überfahren und stirbt – der Fahrer flüchtet unerkannt. Die Ermittler der Polizei leben den Fall bald zu den Akten, doch Charles glaubt, im Unfallwagen die Fernsehschauspielerin Hélène Lanson erkannt zu haben. Unter falschem Namen macht er ihre Bekanntschaft. Hélène verliebt sich in ihn und eine Reihe von unheilvollen Verwicklungen nehmen ihren Lauf – einem dramatischen Ende entgegen.


Cast & Crew


Kritiken (1) — Film: Das Biest muß sterben

Stephan Eicke: www.film-rezensionen.de

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9.5Herausragend

Bereits zu Beginn ertönen Auszüge aus „Vier ernste Gesänge op. 121“ von Johannes Brahms, die in dieses Trauerspiel der menschlichen Existenzen einführt, bevor die einzige unbefleckte Person in diesem Film – der Sohn von Charles – tragisch zu Tode kommt, durch einen Unfall, der hätte vermieden werden können. In diesen Gesängen heißt es so treffend: „Denn es gehet dem Menschen wie dem Vieh; wie dies stirbt, so stirbt er auch.“ Es ist klar, warum Chabrol an diesen Stücken derart großen Gefallen fand. „Das Biest muss sterben“ ist einer seiner intensivsten, packendsten, deprimierendsten und besten Filme geworden. Wer Psychodramen/-thriller oder französische Filme aus jener Ära schätzt, wird um diesen nicht herumkommen.

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Kommentare (5) — Film: Das Biest muß sterben

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Trimalchio

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Ein wunderbarer "Rachefilm", fast schon alternativ in seiner Struktur. Chabrol attakiert abermals Aristokratie und Exekutive, wobei er besonders mit den "reichen Leuten" nicht gerade allzu zimperlich umgeht, wie man es bei ihm fast schon erwartet und es folglich auch auf seine unnachahmliche Art und Weise eintritt. Das herausragende Alleinstellungsmerkmal des Films ist das Beziehungsgeflecht, welches die einzelnen Personen verbindet, es ist extrem vielschichtig und von so einem unbeschreibbaren Hass geprägt und einer Trauer, wie sie schon durch den einleitenden ersten ernsten Gesang von Johannes Brahms porträtiert wird, verbunden.

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Tyler__Durden

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Bewertung7.5Sehenswert

Das Biest muss sterben. Gerechtigkeit, das soll es doch sein. Nimm ein Leben gib dein Leben. Oder wie war das noch gleich. Nein. Die blinde Sehnsucht nach Rache muss befriedigt werden. Der bodenlose Schmerz welcher sich in Hass verwandelt brauch ein Ventil. Noch besser ein Ziel. Gerechtigkeit. Das ist es. Naja so in etwa. Claude Chabrol ist weise genug um zu wissen das so etwas immer weitlaufendere folgen haben muss und soll. Keine Frage verfängt sich auch der Altmeister des intelligenten Thrillers in bekannten Motiven des Rache Films doch bereichert er selbiges Genre mit diesem Film im Gegenzug mit einigen bemerkenswert stimulierenden Ansätzen in der Umsetzung. Eine griechische Tragödie mal ganz französisch.

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willy50

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Der diskrete Charme des Herrn Chabrol: Hintergründig. Böse. Gut !

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Darbon

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Und Brahms in Vollendung. Ziehe den gelben Kindermantel des Herrn Chabrol dem roten Zwergenkittelchen des Herrn Roeg - rein moralisch - vor.


8martin

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Nach über 40 Jahren hat der Krimi nichts von seiner Klasse verloren. Die Erzählweise ist wohl das ganz Besondere daran. An der Polizei vorbei - von der Chabrol ohnehin nicht viel hält - findet ein Vater den Mörder seines Sohnes. Und der (Jean Yanne) ist wirklich ein ausgemachtes Ekel; als Vater genauso wie als Ehemann. Ein Typ also, dem jeder gelinde gesagt die Pest an den Hals wünscht. Bis es zum überraschenden Ende kommt, gibt es die üblichen ironischen Seitenhiebe auf das spießige Bürgertum und eine vorgetäuschte Liebesaffäre. Die Beziehungen der Personen zu einander machen die Spannung aus. Hier herrschen Abscheu, hilflose Wut und Frust. In dieser Gemengelage braucht man das eigentliche Verbrechen gar nicht zu sehen, wenn der misshandelte Sohn den Sohn des potentiellen Mörders rächt. Der geplante Mord ist so offensichtlich, dass er schon wieder unwahrscheinlich zu sein scheint. Und wie steht es mit der moralischen Verantwortung? Die letzte Einstellung: einsames Segelboot auf weitem Meer…ein bleibender Eindruck. Einfach Klasse eben.

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Darbon

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Bewertung9.0Herausragend

Denn es gehet dem Menschen wie dem Vieh; wie dies stirbt, so stirbt er auch. Brahms eröffnet und schließt diesen Chabrol, der in Quimper spielt, an den Felsen der Bretagne.

Das blonde Bambi Caroline Cellier hält immer beide Hände vors Gesicht, wenn sie Emotionen spielen soll. Vielleicht weil sie unbedarft ist; vielleicht, weil sie Hélène heißt [fast alle Frauen bei Chabrol heißen Hélène] und allein deshalb schuldig ist wie Homers oder besser Giraudoux' griechische Helena; vielleicht auch nur, weil sie ebenso wie der Star der Comédie française, Michel Duchaussoy als verzweifelter Rächer, und alle anderen statuenhaft reglos ein griechisches Drama durchschreitet, in dem Homers Ilias zitiert wird. Hélène sitzt in einem Auto, mit dem der Fahrer Paul ein Kind tötet. Der Vater des Kindes, ein Kinderbuchautor, findet Hèlène, sein trojanisches Pferd, mit dem er in die Familie des Mörders Paul Decourt einkehrt.

Allein die einzigen verabscheuungswürdigen Kreaturen Paul (grandios: Jean Yanne) und seine Mutter (Raymone, eine der hässlichsten Frauen der Filmgeschichte) versprühen in ihrer Widerwärtigkeit authentisches Leben. Hier regiert das Geld, ergo das Böse. All das filmt ein heute im Olymp thronendes Kameragenie: Chabrols Hausfilmer Jean Rabier (Demys "Regenschirme von Cherbourg").

Reiches Ungeziefer wird hier ausgemerzt wie immer bei Chabrol, denn jeder - Pauls Sohn (der spätere "Huckleberry Finn" Marc di Napoli), Pauls Frau (Anouk Ferjac) und Pauls Schwägerin (Cellier) - erwarten von dem Mann, dessen Sohn auf einer Straße in der Bretagne von Paul getötet wurde, dass er dies erledigt. Doch der Rächer schreibt lieber Tagebuch als zu töten in diesem philosophischen Meisterstück, weise und klug erschaffen im Zenit Chabrols.

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