Das Experiment - Kritik

Das Experiment

DE · 2001 · Laufzeit 120 Minuten · FSK 16 · Drama, Thriller · Kinostart
Du
  • 6 .5
    Tobi Lo 13.03.2017, 09:51 Geändert 14.03.2017, 09:26

    +++ Psychologische Review dieses Films +++

    Der deutsche Film „Das Experiment“ von Regisseur Oliver Hirschbiegel ist angelehnt an eines der allgemein wohl bekanntesten psychologischen Experimente, die es je gegeben hat: Das Stanford-Prison-Experiment.
    Dass der Film jedoch nicht auf einer wahren Begebenheit beruht, wie Hirschbiegel es zunächst gerne im Vorspann seines Films kundtun wollte, ist von Philip Zimbardo, der das Stanford-Prison-Experiment 1971 durchführte, deutlich hervorgehoben worden: Er klagte gegen genau diese Aussage und bekam letztlich Recht. Der wesentliche Aspekt, der Zimbardo dazu verleitete, ist, dass der Film über die eigentlichen, damaligen Ereignisse „hinausschießt“. Das Experiment wurde in Wahrheit abgebrochen, bevor es zu einer im Film dargestellten Eskalation kommen konnte. Weite Strecken des Films sind jedoch tatsächlich als angemessen dargestellt einzuschätzen, über das Ende kann man entweder hinwegsehen oder aber darüber diskutieren, ob die Darstellungen als ein nachvollziehbares „Weiterdenken“ der möglichen, folgenden Geschehnisse anzusehen sind, die eingetreten wären, wenn das Experiment nicht abgebrochen worden wäre.
    Es geht im Film und im in der Realität stattgefundenen Stanford-Prison-Experiment um das Verhalten von recht willkürlich ausgewählten mittelständischen Menschen, die in einem Gefängnis zufällig in die Rolle von Wärtern und Gefangenen aufgeteilt werden und diese Rollen so authentisch wie möglich übernehmen sollen. Dabei zeigt sich, dass bereits nach kurzer Zeit – trotz der simulierten Situation – großes Gewaltpotential entsteht und die Wächter ihre Macht immer extremer ausspielen. Das Experiment sollte somit als „Beweis“ dafür dienen, dass ganz „normale“ Menschen, wenn sie nur in die entsprechende Rolle gebracht werden, zu grausamen, unmenschlichen und irrationalen Verhaltensweisen fähig sind. Gerade weil die Erkenntnisse dieses Experiments auch zumindest einen Erklärungsansatz für die grauenvollen Taten während des Holocausts bieten sollten, wurde das Experiment sehr populär, aber auch immer wieder kritisiert und besonders aus ethischen Gründen hinterfragt.

    Ich werde im Folgenden die Handlung des Films darstellen und dabei direkt einen Vergleich zu den realen Ereignissen im Stanford-Prison-Experiment anbieten.
    Die Ausschreibung des Experiments war zunächst einmal sowohl beim realen, als auch beim fiktiven Experiment gleich: Taxifahrer und Hauptdarsteller Tarek (gespielt von Moritz Bleibtreu) entdeckt, genau wie 1971 einige Studenten in Palo Alto, CA, eine Zeitungsannonce, die das Experiment bewirbt und eine finanzielle Vergütung in Aussicht stellt. Während für Tarek 4000 Mark verständlicherweise eine ziemliche Verlockung sind, erscheint der finanzielle Anreiz für die Studenten aus Palo Alto recht gering: 15 Dollar pro Tag (wobei man natürlich die kostenlose Verpflegung nicht vergessen darf... ob diese allerdings einen zusätzlicher Anreiz oder letztlich eher einen Bestrafungsreiz darstellte, sei dahingestellt). Um seine Gage noch ein wenig aufzubessern, versucht Tarek das Experiment mit einer versteckten Kamera zu filmen, um die Aufnahmen an die Presse zu verkaufen. Das ist natürlich als eine kleine Ergänzung im Film anzusehen, die so nicht stattgefunden hat.

    Im echten Experiment gab es eine psychologische Voruntersuchung, die auch im Film dargestellt wird, sich jedoch inhaltlich von der im realen Experiment unterscheidet. Im Film wird Tarik einer Belastungsprobe ausgesetzt, die darin besteht, dass er schockierende Bilder in einem engen, abgedunkelten Raum betrachten muss. Ähnliche Versuchsbedingungen werden auch heute noch oft realisiert.
    Dass Tarek bei diesem Vorversuch bereits deutliche psychische Auffälligkeiten aufweist, liegt wohl nicht an der Schockwirkung der Bilder, sondern ist ein erster Hinweis darauf, dass Tarek unter deutlichen klaustrophobischen Ängsten oder möglicherweise auch einer sogenannten Achluophobie – der extremen Angst vor Dunkelheit – leidet. Im Film wird als mögliche ursächliche Erklärung dafür auf ein aversives Erlebnis mit seinem Vater angespielt, der ihn einst stundenlang in einen abgeschlossenen dunklen Raum sperrte.
    Die Voruntersuchung im Stanford-Prison-Experiment hingegen bestand lediglich aus diagnostischen Interviews sowie Persönlichkeitstests, wobei letztlich nur Studierende ausgewählt wurden, die normale und durchschnittliche Ergebnisse erzielten. Psychische Belastbarkeit war demnach irrelevant, was durchaus erstmalig die Frage nach der Ethik stellt, die dieses Experiment fortlaufend begleitet. Da man den psychischen Belastungstest im Film aber offensichtlich unmöglich nicht bestehen kann, ist seine Durchführung darin wohl als reine Formalität und erste Anspielung auf die Skrupellosigkeit der Wissenschaftler zu verstehen.

    Die Zuweisung zu den Gefangenen bzw. zu den Wärtern findet im Film und fand auch im realen Experiment durch ähnliche Zufallsgenerierungen statt, ebenfalls ähnlich war die Aufklärung über den Verlust einiger menschlicher Grundrechte. Nun würde man ja vermuten – und das ist, vielleicht neben der fragwürdig integrierten Liebesgeschichte der am häufigsten genannte Kritikpunkt an „Das Experiment“ – dass der Film immer alles eher etwas überspitzt und dramatisierend darstellt. Dass das für das Ende zutrifft: Keine Frage. Aber erstaunlicherweise findet man bezüglich des Beginns des Experiments ziemlich erschreckende Tatsachen in den Dokumenten zum echten Experiment, die in der Verfilmung, warum auch immer, verharmlost dargestellt werden. So wurden beispielsweise die nun „Gefangenen“ aus Palo Alto, vermutlich um noch mehr Authentizität zu gewährleisten, einige Tage nach den Voruntersuchungen öffentlich wegen Einbruch und Raubes polizeilich verhaftet und auf die Polizeiwache gebracht, danach erst in das künstlich erstellte Gefängnis überwiesen. Die Gefangenen und Wärter in „Das Experiment“ hingegen treffen sich im Universitätshörsaal und werden von dort direkt in die einem Gefängnis nachempfundenen Räume begleitet.
    Im realen Experiment wurde den Versuchspersonen – man mag es kaum glauben – sogar eine schwere Metallkette an einem Fuß befestigt, um „den Gefangenen einen unruhigen Schlaf zu bereiten“ (Zitat von Zimbardo). Außerdem wurde den „Gefangenen“ eine Damenstumpfhose auf den Kopf gesetzt – schließlich wäre das eigentlich übliche Kahlscheren des Kopfes dann doch etwas zu viel des Guten, aber Einheitlichkeit sollte dennoch gegeben sein.
    Im Film werden die „Gefangenen“ hingegen realitätsentsprechend „nur“ systematisch durchsucht, nackt ausgezogen, geduscht und desinfiziert. Außerdem gibt es jeweils ähnliche Kleidung, die zu tragen ist, als da wären: Baumwollkittel mit eigener Sträflingsnummer und Badelatschen – ganz den realen Experimentalbedingungen entsprechend.
    Während sowohl im Film als auch im Experiment Gefängnisregeln eine wichtige Rolle spielen bzw. gespielt haben, unterscheidet sich die Art, wie diese entstehen / entstanden sind: Während im Film die entscheidenden Regeln von der Versuchsleitung bestimmt werden und ein Wächter sie „ablesen“ muss, sollten die Wächter im Experiment die Regeln selbstständig formulieren: Das Einzige, was Zimbardo unmissverständlich klarmachte, war, dass Gesetz und Ordnung aufrecht erhalten werden mussten, kein auch nur ansatzweise gewalttätiges Verhalten gezeigt werden durfte und die Gefangen nicht entkommen durften, denn dann wäre das Experiment beendet.
    Durch diese Freiheit der Regelerfindung für die „Wärter“ im realen Experiment wurden letztlich sogar von Anfang an größere Einschränkungen für die „Gefangenen“ realisiert als im Film. Dass die „Wärter“ bezüglich offensichtlich demütigender Regeln relativ kreativ gewesen sind, zeigt beispielsweise, dass sie die „Gefangenen“ maximal 5 Minuten Zeit auf der Toilette gewähren ließen.
    Bestraft werden bzw. wurden die „Gefangenen“ bei Nicht-Einhaltung der Regeln in Film und Experiment durch Liegestützen, die natürlich insofern „vorteilhaft“ sind, als sie als quälend, aber nicht gewalttätig anzusehen sind.

    Eine sehr bedeutsame Gemeinsamkeit zwischen Film und Experiment stellt die schnell ansteigende Konfliktbereitschaft dar. Schon am zweiten Tag zeichneten sich im realen Experiment massive Beleidigungen und auch erste Anzeichen deutlicher Demütigung ab. Bereits jetzt schien allen Beteiligten nicht mehr wirklich klar zu sein, dass es sich um eine simulierte Situation handelte. Die Beteiligten hatten also offenbar bereits nach so kurzer Zeit ihre zugewiesenen Rollen so stark übernommen, dass sie sich mit ihnen identifizierten und sich absolut rollenkonform verhielten. Ähnlich wie im Film brach auch im Experiment bereits am zweiten Tag eine Rebellion aus, im Film wäre diese mit einer Szene zu vergleichen, in der Tarek zwei der Wächter in seine Zelle sperrt und die anderen „Gefangenen“ aufhetzt. An dieser Stelle wird im Film auch das erste Mal eine – wenn auch noch kleinere – Handgreiflichkeit ersichtlich, die, streng genommen, als Verstoß gegen die Grundregeln des Versuchs gewertet werden müsste.
    Darauf folgte im Experiment (und folgt auch im Film) ein stärkerer Zusammenschluss der „Wärter“, die nun ihrerseits deutlich rauer mit den „Gefangenen“ umgingen und – ähnlich wie es sich auch im Film abzeichnet – ihren Fokus nun auf einzelne Personen richteten, die sich aus der Menge der „Gefangenen“ wegen besonderem Ungehorsam herauskristallisierten. Auch auf Seiten der „Wärter“ wird im Film sehr schnell klar, dass sich fast automatisch eine Hierarchie entwickelt, wobei auffällig ist, dass offenbar jene, die die härtesten Mittel zur Gefangenenbestrafung einsetzen, auch am ehesten zu den Anführern der Gruppe werden. Im Film ist dies der Flughafenangestellte Berus, der – und das ist durchaus ungewöhnlich für eine Führungskraft – eher zurückhaltend und wenig extravertiert erscheint, letztlich jedoch die brutalsten Fantasien verinnerlicht hat. Interessant ist zudem, dass in der Realität die „Wärter“ vor allem in der Nacht Übergriffe durchführten, vermutlich einerseits, weil sie sich dann weniger beobachtet fühlten und andererseits, weil sie dadurch mehr (Er-)Schrecken erreichen konnten. Diese Auffälligkeit ist auch im Film umgesetzt worden.
    Nun stellt man sich natürlich fast zwangsläufig die Frage, ob denn nicht „Gefangene“ ab einem bestimmten Zeitpunkt so psychisch belastet sind, dass sie das Experiment abbrechen möchten. Dies wurde den Teilnehmern in der Realität grundsätzlich erlaubt. Gleiches gilt für den Film, allerdings kommt es im Film letztlich zu einer Situation, in der ein „Gefangener“ seinen Abbruch ankündigt, von der Versuchsleitung jedoch darum „gebeten“ wird, dies noch einmal zu überdenken und eine Nacht darüber zu schlafen. Ein schöner Kniff im Film, um den Wahnsinn ein wenig überspitzt darzustellen... von wegen!
    Genau diese Situation hat sich auch in der Realität sehr ähnlich abgespielt. Ein unmittelbarer Abbruch des Experiments wurde den „Gefangenen“ ... nennen wir es mal: ausgeredet. Grundsätzlich war es jedoch dann doch – mit etwas „Wartezeit“ – tatsächlich möglich das Experiment abzubrechen, diese Option wählten immerhin fünf „Gefangene“.

    Nach sechs Tagen dann wurde das Experiment, wie einleitend erwähnt, jedoch abgebrochen. Zimbardo selbst hat hinterher zugegeben, dass er das Experiment durchaus hätte weiterlaufen lassen, wenn er keinen ausdrücklichen Rat erhalten hätte, dass eine Weiterführung unverantwortlich gewesen wäre. Er sei „in seiner Rolle gefangen“ gewesen. Also noch einer, der ab einem bestimmten Punkt offensichtlich den Bezug zur Simulation etwas aus den Augen verloren hat...
    Die Handlung im Film läuft weiter: Die Verhaltensweisen werden immer sadistischer, schließlich werden sogar die Versuchsleiter gekidnappt und es kommt zu Todesfällen. Die Schwäche des Films sehe ich gegen Ende des Films jedoch gar nicht mal in der extrem ausartenden Gewalt, sondern eher in der einen oder anderen unglaubwürdigen Handlungsfortführung (Stichwort u.a.: Schraubendreher...) und dem recht unnötigen Showdown. Insgesamt jedoch erachte ich den Film als eine sehr gut gelungene Darstellung des Stanford-Prison-Experiments, die auch schauspielerisch sehr authentisch umgesetzt wurde.
    Abschließend möchte ich noch kurz auf eine selten erwähnte, aber dennoch wie ich finde sehr interessante Interpretation des Experiments bzw. des Films eingehen, nämlich die Interpretation als Kritik an der Institution Gefängnis. Diese wird im Film und auch im Experiment ja mehr als deutlich, denn genau dieses Machtgefälle zwischen Wärter und Gefangenen gibt es tagtäglich in tausenden Gefängnissen auf der Welt. Der Unterschied ist aber zusätzlich letztlich, dass die Rollen nicht übernommen werden müssen, sondern genau so von Beginn an festgelegt sind. Da in der Realität jedoch sehr selten extreme Gewalt (mit Todesfällen) vorkommt, bekräftigt diese Sichtweise auf den Film einerseits die Kritik am Film (auch wenn die Bedingungen im Film sicher etwas anders und freier waren). Anderseits hinterfragen die Ergebnisse des Stanford-Prison-Experiments so gesehen auch die Sinnhaftigkeit von Gefängnisinstitutionen.

    Denn auch wenn so leicht keine Extremsituationen in Gefängnissen entstehen, zeigt Zimbardos Experiment zumindest, dass eine Unterteilung von mächtigen Wärtern und schwachen Gefangenen keine gute Ausgangsbedingung darstellt, um konfliktfrei zusammenzuleben-/arbeiten. Außerdem sollte es ja eigentlich das Ziel sein, dass Menschen, die eine Zeit im Gefängnis verbringen, in dieser Zeit zu moralisch besseren oder zumindest nicht schlechteren Menschen werden. Das Stanford-Prison-Experiment und auch der Film jedoch zeigen wohl eher, dass Gefangene im Gefängnis eher stärker „kriminalisiert“ werden. Sie werden außerdem mit Sicherheit Gewalt erleben, sei es nun durch die Wärter ausgeübt, oder durch andere Gefangene, unter denen ebenfalls konkurrierende Gruppen entstehen.
    Letztlich bleibt also die Frage zu stellen, wie es möglich sein kann, eine Institution einzurichten, die ganz ohne Erniedrigung und Machtdemonstration auskommt, die offensichtlich mit zunehmenden Aggressionspotenzial anstatt einer für die Resozialisierung wichtigen Aggressionsreduktion assoziiert ist. Kann es diese Möglichkeit überhaupt geben? Steht die Menschheit hier vor einer Art Paradoxon? Wer gibt uns eigentlich das Recht, Menschen grundsätzlich Freiheiten zu nehmen? Wohl lediglich unsere – und das ist das Problem: gerechtfertigte – Angst um die eigene Sicherheit.

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    • 10

      dieser film zeigt, wie weit kann ein mensch das grauen im knast aushalten, gut gespielte schauspieler aus deutschland

      • 6 .5
        MetalFan92 28.09.2016, 20:26 Geändert 28.09.2016, 20:27

        Ein Experiment, das kurzer Hand dermaßen ausartet. Einige Szenarien fand ich ein klein wenig übertrieben, aber wer kann schon sagen, wo sich bei solch einem Experiment die Grenzen befinden.

        • 5

          Den Film macht vor allem den unglaublich hohen Grad an Authentizität der Schauspieler aus. Diese ist Handlungs treibend. Mehr jedoch leider nicht. Dialoge werden gegen Ende immer weniger glaubwürdig und Schauplätze und jede andere Art von filmischer Gestaltung beschränkte sich auf ein Minimum. Man kann sich den Film einmal anschauen. Das reicht dann aber auch.

          • 6

            Hatte ich noch ne Ecke stärker in Erinnerung, für eine deutsche Genreproduktion trotzdem noch sehr ansprechend. Das Szenario war damals noch recht orginell und die Besetzung durch die Bank gelungen ( u.a. die damals noch unbekannten Wotan Wilke Möhring und Antoine Monot Jr. ) . Leider sind die Charaktere ziemlich oberflächlich gehalten und wirkliche Spannung kommt eher selten auf, das brutale Finale hat mir dagegen wieder sehr gut gefallen.

            • 9

              Das hier wird wohl die höchste Wertung eines Deutschen Filmes, die ich jemals verteilen werde. Denn das Experiment ist einfach ein brilliantes Produkt. Damals in Hamburg geschaut, und da war ich das erste mal, richtig aggressiv im Kinosessel geworden, Aufgrund der feigen und erniedrigen Taten der sogenannten Wärter. Das Experiment ist bis heute, mit der besten Deutschen Filme die es gibt. Da is mir der Schweiger mit seinen Keinohrhasen etc, und all die anderen, Liebes-Komödien-Kriegsfilm-Geschichten, sowas von egal. Aber dieser Film traut sich was. Und wenn die Darsteller es bis heute immer noch schaffen, mit ihrer Spielart mich so dermaßen zu fesseln, mitzufiebern, muss es doch ein gelungenes Werk sein.

              Ich kann mich noch recht gut erinnern wie damals mit diesem Film auch Linkin Park die Deutschen Bühnen betritt. Damals noch als Vorband zu Marilyn Manson. Aber das nur als Randnotiz. Weil sie mit ihrer ersten Single ja ein Track zum Film beigesteuert haben. Und dementsprechend ihr Debüt gaben.

              Zudem gibt es ja auch für den Amerikanischen Markt ein Re-make mit Adrien Brody. Bis auf den Film Predators, ist er mir bis heute total unsympathisch, sehe den einfach nicht gerne. Bevor ich abdrifte, wie erwähnt gibts ein US Remake mit ihm, wie bei dem Film Nightwatch von Ole Bornedal. Da ich mir Freeze mal gegeben hatte, war ich auch bei der US Version vom Experiment mehr als enttäuscht. Hirschbiegels Original ist einfach eine Wucht!

              Die Leistung aller Darsteller möchte ich mal honorieren, denn bei allem Tohuwabohu, wenn Deutsche sich fetzen, oder gestresst angehen, sieht es nun mal so aus, wie es hier aussieht. Und darum wirkt vieles Realitätsnah. Zuweilen gibts aber auch kleine Mängel, die aber echt nicht ins Gewicht fallen, und auch der Athmosphäre im Film keinen Abbruch tun. Auch wenn die Situation schon nach wenigen Stunden sich hochschaufelt und dementsprechend eskaliert, wirkt es auch irgendwie künstlich, zumal man sich fragt, warum diese Männer innerhalb weniger Tage sich so dermaßen auf diese Situation einlassen und ihre eigentlichen Beweggründe ausblenden bzw, ihr eigenes echtes Leben. Das ist in der Tat schon seltsam. Aber dieses Gefängnisexperiment ist für einige auch eine Art, ausleben schlummernder düsterer Tendenzen, so wie beim Eckhardt, der sich sogar einer Vergewaltigung nicht entziehen möchte, und das als aktiver Part.

              Das Bleibtreu als 77 natürlich viel provoziert für seine Story, ist mit Sicherheit auch ein Schlüsselaspekt. Nimmt man aber alle Punkte zusammen, geschiet sehr viel ungerechtes und damals kochten mir im Kinonin Hamburg echt die Emotionen hoch. Das hat selten ein Film, bzw. ein deutscher Film geschafft. Darum geb ich diesem Film einen enormen Stellenwert. Da ich vor ein paar Tagen, und das kann man ruhig als offtopic sehen, in Rostock im Stasi Gefängnis war, und durch die Führung dort an Originalschauplätzen so einen Einblick in einen Knast bekam, wo aufgezeigt wurde wie und mit welchen Methoden dort gearbeitet wurde um den Willen von Menschen zu brechen, dann erscheint der Film Das Experiment wirklich überspitzt, aber auch Streckenweise doch irgendwie authentisch.

              Das Experiment ist auf jeden Fall spannend inszeniert, etwas was zum diskutieren Raum lässt, und vor allem einfach einer der besten Deutschen Schinken. Der sich vor anderen Filmen auch nicht verstecken muss. Ich finde, muss man mal gesehen haben!

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              • 9

                Ein Meilenstein der deutschen Filmgeschichte und einer der besten selbiger überhaupt. Diesen Film kann man auch in Endlosschleife laufen lassen - macht immer wieder Spaß. Mehr davon!

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                • 7

                  Extrem gut gemacht und auch gespielt. Sollte man gesehen haben

                  • 4

                    Der Film behandelt eine interessante Thematik und ist deshalb auch sehr bekannt (beliebter Film in der Schule / Religion,Philosophie), moralisches Verhalten in besonderen Situation.
                    Wie SoulReaver schon sehr gut beschrieben hat, geht es in "Das Experiment" leider überwiegend um die Darstellung der Eskalation, es wird also kaum auf Verhaltensmuster oder Charakterentwickelungen eingegangen.
                    ##Spoiler
                    Das Experiment wurde vorgestellt, die Wärter "übertreiben ihre Rolle" und Blut spritzt. =Gesellschaftskritik. =Nein, irgendwie nicht.
                    Das ging schon alles sehr schnell.
                    Nächster Punkt -die Glaubwürdigkeit-
                    Sicherlich gibt es Machtkämpfe in solchen hierachischen Systemen, trotzdem trifft sich hier eine Gruppe aus Teilnehmern, die überwiegend aus finanziellen Gründen mitmachen und genau wissen, dass "der Test" NUR 14 Tage dauert.
                    Für mich etwas merkwürdig, dass der homo ökonomicus plötzlich kein Interesse mehr an Geld hat und es nach nur wenigen Tagen zu brutalen Gewalttaten kommt :/
                    Natürlich bekommt auch die Leitung kaum etwas mit.
                    Als die Wärter die "Experiment Leitung" auch noch festgehalten hatte, konnte ich den Film leider nicht mehr Ernst nehmen.
                    Dabei fing es doch so gut an -_-

                    • 6 .5

                      Ein etwas skurriler Film mit einer interessanten Analyse von Gewalt-Entwicklung. Sehr menschlich und gleichzeitig erschreckend.

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                      • 6

                        Oliver Hirschbiegel schaft hier eine klaustrophobische Stimmung die mit zunehmender dauer noch mehr wird.
                        Aber das Problem des Films sind nicht die Settings oder gar die guten Darsteller, für mich ist das Drehbuch zu unausgegoren und vorhersehbar.
                        Moritz Bleibtreu und Christian Berkel sind beide die Highlights, die den Film über so manchen Graben hiefen.
                        Was richtig nervt und völlig unsinnig daherkommt, ist die "Liebesgeschichte" von Tarek und Dora.
                        Aber zuviel Schwarzmalerei will ich auch nicht betreiben, denn der Film vermag trotzdem zu fesseln.

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                        • 6 .5

                          hatte den genauso gut in erinnerung...die darsteller geben hier ALLES!

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                          • 3

                            Interessantes Thema, weil aus soziologischer, psychologischer und natürlich anthropologischer Sicht von Belang, zeichnet Oliver Hirschbiegel das auf einem wahren Fall basierende Experiment ausschließlich mit unangespitzten Stiften nach. Im Zentrum der wissenschaftlichen Versuchsanordnung steht das gruppendynamischen Verhalten des Menschen in einer Gefängnissituation: Wärter und Häftlinge werden eingeteilt, die absolute Machtposition hier, die Aberkennung von Grundrechten dort. Eine personalisierte wie funktionalisierte Unebenmäßigkeit, die ihre Grenzen mit der Zeit von ganz allein absteckt. „Das Experiment“ aber schenkt dieser ausschlaggebenden, sich sukzessive entwickelnden Abgrenzung keinerlei Aufmerksamkeit, hier geht es allein um den direkten Weg zur Eskalation; hier wird nur in Extremen gedacht, es gibt nur Schwarz und Weiß, keine Grauabstufungen, was das Spektrum menschlicher Verhaltensmuster grundsätzlich trivialisiert und den Ansatz des Films folgerichtig für nichtig erklärt. „Das Experiment“ ist ein berechnender Sensationsgierlappen, der in seinem durchweg vernagelten Betragen nur eine Richtung kennt: Mit Vollgas in das voyeuristische Herz des Plakativen.

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                              pabloundtrish 04.02.2016, 17:47 Geändert 05.02.2016, 11:28

                              Was das neuere Unterhaltungskino betrifft, ist Das Experiment wohl der eine deutsche Vorzeigefilm. Völlig zurecht. Trotz sehr weniger Charaktere spielt gefühlt jeder zweite Schauspieler mit, der auch heute noch irgendwie interessant ist. Und auch die, die sonst eher mäßig überzeugen, meistern hier ihre Rolle perfekt. Es gibt inzwischen sogar ein US-Remake. Weil der Film echt gut umgesetzt und getimed ist und sich um interessantesten Stoff dreht, kann man ihn immer mal wieder anschauen. Leider driftet der Film am Ende aufgrund in einer viel zu lang geratenen und übertriebenen Splatter Jagd ins Absurde ab. Da mache ich ihn dann meistens aus. Die Nebengeschichte mit Bleibtreu und seinem Techtelmechtel nimmt für meinen Geschmack auch etwas viel Raum ein. Aber das sind nur Kleinigkeiten. Wer auf etwas düstere Dramen mit etwas Action und guter sich langsam aufbauender Horror-Story steht, ist hier richtig. Allzu hart ist der Film auch wieder nicht aber er schockt auf psychologische Art. Absolut lohnenswert.

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                                Thanatos1 09.01.2016, 05:07 Geändert 09.01.2016, 05:09

                                Deutsche Filme bei denen ich am Ende sagen kann das ich ihn wirklich gut fand gibt es leider sehr selten.

                                Entweder es sind irgendwelche ausgelutschten 08/15 Geschichten voller Klischees, Schauspieler auf Berlin Tag und Nacht Niveau oder Til Schweiger, irgend etwas ist immer verkehrt das mir den Filmspaß verdirbt.

                                Dann gibt es aber manchmal, ganz selten, auch Filme die herausstechen und einem mal etwas anderes bieten.
                                Leider sind diese Filme sehr selten, so selten das man die aus den letzten 15 Jahren wohl an zwei Händen ablesen kann.
                                Spontan fallen mir da werke ein wie Die Welle, Das Leben der Anderen oder auch Unsere Mütter unsere Väter ein.
                                Dies sind allerdings auch alles Politisch motivierte Filme, wovon es meiner Meinung nach auch viel, viel zu viele gibt.

                                Das Deutschland eine solche Ödlandschaft in diesem Bereich ist, ist traurig, besonders wenn man bedenkt was für legendäre Filme hierzulande zwischen 1920 und 1935 geschaffen wurden.

                                Nun ist hier "Das Experiment" eine der wenigen größeren Produktionen die nichts mit dem dritten Reich oder der DDR zu tun haben, hier wurde etwas anders gemacht und es hat funktioniert.
                                Der Film ist seine 7,5/10 auf jeden Fall wert, wäre ich weniger objektiv würde ich ihm für das Made in Germany wohl noch nen Punkt mehr geben.

                                Anzumerken sei noch: Es existiert ein Amerikanisches Remake des Films und dieses ist weitaus schlechter, mit den Amis mithalten können wir also in jedem Fall.
                                Wir müssen nur wollen.

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                                • 7 .5

                                  Das Experiment zeigt einmal wieder was passieren kann, wenn die falschen Menschen Macht ausüben. Schonungslos wird hier gezeigt, wozu der Mensch bereit ist, wenn die psychologische Grundlage, die sicherlich bei sehr vielen Menschen zu finden ist, erst einmal geschaffen ist. Machtmissbrauch ist ein sehr heikles Thema.
                                  Auch wenn bereits im Vorspann gesagt wird, es handle sich bei diesem Film um eine wahre Begebenheit, muss man sich im Klaren sein, dass damit lediglich das Thema und die Situation gemeint ist und nicht die Personen oder einzelne Szenarien.

                                  Die Besetzung ist top. Das kann man nicht anders sagen. Bleibtreu, Berkel und von Dohnányi spielen einfach perfekt. In diesem Punkt gibt es nichts zu meckern.
                                  [SPOILER:] Die Liebesgeschichte mit Dora (Maren Eggert) finde ich sehr irrelevant und hat wahrscheinlich nur Platz gefunden, weil die Geschichte sonst zu langweilig gewesen wäre. Die Idee, das Tarek Fahd alias Nr. 77 (Moritz Bleibtreu) als journalistischer Mitarbeiter in dieses Experiment einsteigt, finde ich sehr gut.

                                  Das Experiment ist ein sehr guter Deutscher Film, den man sich gut anschauen kann. Leider gibt es solch gute Filme aus Deutscher Produktion nur selten. Deshalb: Unbedingt anschauen.

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                                    Das aufgezeigte Szenario birgt unbestritten einen gewissen Reiz, und die Darstellertruppe um Moritz Bleibtreu und Christian Berkel, kann sich ebenfalls sehen lassen. Obwohl "Das Experiment" auf einer tatsächlichen Versuchsreihe beruht, welche, wie im Vorspann darauf hingewiesen wird, frühzeitig abgebrochen wurde, bleibt die Glaubwürdigkeit des Films auf der Strecke, da es dem Psychothriller angesichts der gezeigten Erniedrigungen und zunehmenden Brutalität, welche in einer regelrechten Gewaltorgie gipfeln, die insbesondere in der letzten Viertelstunde ihren Höhepunkt findet, an nötiger Tiefe mangelt, zumal allen voran die Charakterzeichnungen einfach zu oberflächlich ausfallen. Stattdessen wird eine Liebesbeziehung eingeflochten, die sich letztendlich als überflüssiger Ballast herausstellt.

                                    Nun könnte man natürlich dagegen halten und sagen, dass es sich halt lediglich um einen Film handelt, womit meine Frau – sofern sie sich mal gemeinsam mit mir ein Filmchen anschaut – auch oftmals argumentiert. Wie dem auch sei, für meinen Geschmack kommt dieser deutschen Produktion die anfängliche Bodenständigkeit mit zunehmender Laufzeit abhanden, was das zugegebenermaßen grundsätzlich ansprechende - wenn auch in diesem Zusammenhang überzogene - Finale nicht ausreichend zu kaschieren vermag.

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                                      Zitat Moviepilot: "Das Experiment zeigt die wahre Geschichte eines verstörenden psychologischen Versuchs, der eine Versuchsgruppe wahllos in Häftlinge und deren Wärter aufteilte.

                                      1971 wurde an der Stanford University ein Experiment durchgeführt, bei dem sich 20 Freiwillige für zwei Wochen in eine Gefängnissituation begaben. Das sogenannte Stanford-Gefängnis-Experiment musste nach sechs Tagen wegen der ausschreitenden Gewalt abgebrochen werden. Das Experiment zeigt dreißig Jahre später wie die Geschichte weitergegangen wäre, hätte man das Experiment nicht abgebrochen. "

                                      Der letzte Satz ist entscheidend. Denn er zeigt im Ansatz schon auf was an diesem Film nicht passt. Reale Eskalation reicht nicht, man braucht zusätzlich auch noch die Extraportion Unterhaltungs-Eskalation. Anstatt hier also eine reale Geschichte zu erzählen pumpt der Film sich selber und seine Protagonisten so weit auf bis sie einfach nur noch lächerlich wirken.

                                      Die Idiotie der Dramatik zeigt sich hier an viel zu vielen Stellen, sodass im Endeffekt nichts von der Wahrheit über bleibt und man sich lediglich einen Fake angesehen hat. Der angepeilte Mindshock wird so konsequent herbeigeprügelt, dass er selbst in einem Comicuniversum nur noch belächelt werden würde.

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                                        Fox1Lead 25.07.2015, 01:07 Geändert 25.07.2015, 15:02

                                        Wow.
                                        Dieser Film hat mich umgehauen.

                                        Psychologisch sehr interessant, spannend, brutal und realistisch. Man kann sehr gut mit den Gefangenen mitfühlen. Ach Quatsch - man fiebert mit ihnen mit! Jeder Schauspieler hat seine Rolle hier sehr gut verkörpert, allen voran Justus von Dohnányi, (den ich sonst nur in gaaaanz anderen Rollen kennen gelernt habe). An manchen stellen hab ich mich sogar dabei ertappt, wie auch ich mich fragte: Was würdest du jetzt tun?
                                        Mit "Der Untergang" definitiv der beste deutsche Film, den ich bisher zu Gesicht bekommen hab.
                                        Anzukreiden hab ich einerseits die Filmmusik, welche mir an ein paar Stellen überhaupt nicht gefallen hat und andererseits vor allem die Szenen vom Anfang bis zur Mitte des Filmes, in denen Dora gezeigt wird. Hat mir lange Zeit nichts gesagt. Im Endeffekt zeigen sie zwar Die Sehnsucht zwischen den beiden, aber mir kamen sie zu lang und uninteressant vor.

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                                        • 8

                                          N Film mit einer doch erschreckenden Wahrheit.

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                                          • 10

                                            Das Experiment, ein krasser Film, der echt unter die Haut geht und dort auch eine Weile bleibt. Noch aus der Zeit, in der deutsche Filme gut waren.

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                                            • 10

                                              Sehen sie einen spannenden Thriller über eine Studie über das Verhalten von Menschen in Extremsituationen! Aus Sicht von Wärtern und Gefangenen! Der Film ist teilweise schockierend und lässt einen zum Schluss psychisch fix und fertig zurück. Gehört beispiellos zu einem der besten deutschen Filme, die ich bisher gesehen habe. Das amerikanische Remake mit Adrien Brody von 2010 ist auch empfehlenswert, jedoch längst nicht so heftig wie das deutsche Original!

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                                              • 2 .5

                                                Überzeugt nicht, hat dafür aber trashige Elemente.

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                                                  Der Film basiert auf dem berühmten Stanford-Prison-Experiment und macht wunderbar deutlich, wie die Entwicklung der Konflikte entstehen konnte. Ab ca. der Hälfte geht der Film sogar darüber hinaus und zeigt, was hätte passieren können, wenn die Versuchsleiter das Experiment damals nicht abgebrochen hätten. Psychologisch sehr interessant, super spannend, teilweise schockierend, lässt der Film einen echt geschafft zurück. Einer der besten deutschen Filme, die ich bisher gesehen habe.

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                                                    Ich muss zugeben, dass es generell schwer ist mich mit deutschen Filmen zu beeindrucken.

                                                    Gleichzeitig muss ich aber sagen, dass gerade "Das Experiment" bewiesen hat, dass es durchaus möglich ist die Hollywood Verfilmungen in den Schatten zu stellen.
                                                    Auch ein Adrien Brody konnte in der amerikanischen Verfilmung nicht das Feeling rüberbringen was Moritz Bleibtreu hier geschafft hat.

                                                    Man hätte diese harte und brutale Wahrheit hier nicht besser an die Cineasten tragen können, als wie es der deutsche Streifen geschafft hat.
                                                    Hut ab für dieses Kunstwerk!

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