Das Gelübde

Das Gelübde (2007), DE
Laufzeit 110 Minuten, FSK 12, Drama

7.7 Kritiker
5 Bewertungen
Skala 0 bis 10
7.0 Community
25 Bewertungen
2 Kommentare
Das Gelübde - Bild 1415559
  • DVD
Diesen Film bewerten
Bewertung löschen
noch nicht bewertet

von Dominik Graf, mit Misel Maticevic und Tanja Schleiff

Clemens Brentano, Künstler in seinen besten Jahren, will nicht mehr Künstler sein. Der Dichter und Lebemann begibt sich als schlichter “Schreiber der Wunder Gottes” ans Bett der Nonne Anna Katharina Emmerich, um deren Visionen und Ansichten niederzuschreiben. Emmerich ist berühmt geworden durch ihre Wundmale Christi, die sich bei ihr auf Brust, Stirn und an den Händen zei- gen. Um Trost und Zuspruch zu erhalten, pilgern Gläubige an das Krankenlager der geschwächten Nonne. Brentano setzt große Hoffnung in seine Begegnung mit ihr. Doch das Zusammentreffen des berühmten Dichters mit Anna Katharina Emmerich wird für beide zur Wegkreuzung.


Cast & Crew


Kommentare (2) — Film: Das Gelübde

Kommentar schreiben
Sortierung

boxcarsboxcars

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

das hier ist ein ganz großartiger film, der mich sehr überrascht hat, angucken.

zwei dinge vielleicht zu dem ersten und einzigen post hier: dieser film spielt im post-kleistschen, post-hölderlinschen, hoffmannschen 'deutschland' und handelt von einem romantischen dichter, bzw. journalisten, der über eine stigmatisierte nonne, die fünf jahre lang ihr zimmer nicht verlassen, geschweigedenn gegessen hat, schreibt und versucht ihren wahn, ihre visionen oder was auch immer zu papier zu bringen. sich hier über langatmigkeit und behäbigkeit zu beschweren, scheint mir leicht mystisch. wo wir dann bei punkt zwei wären: völlig unmystisch und unatmosphärisch. beides geht mir schlichtweg nicht wirklich ein. davon abgesehen, dass die sets sehr sicher ausgewählt scheinen und in meinen augen äußerst authentisch wirken in ihrer spartanischen einrichtung, in der auf details, wie sehr tiefgelegte dachbalken usw. geachtet wird und die kostüme genauso schlicht wie unauffällig daher kommen (was mir die bezeichnung 'kostümfilm', die über diese arbeit grafs verwendet wird, abwegig scheinen lässt), verstehe ich vor allem den vorwurf der fehlenden mystik nicht. im zuge einer anti-aufklärerischen weltsicht, die die nacht dem tag vorzieht, das dunkel über die von kant gezündete lampe der vernunft hüllen möchte, wird in jener epoche, die zu den vielleicht fruchtbarsten deutscher kulturgeschichte gehört, versucht dem unerklärlichen einen platz einzuräumen, um das rationale lügen zu strafen. jenem platz hilft graf zur präsenz, die in völlig unprätentiösen szenen zu tage tritt. wenn ein vogel sich am schauessen der nonne bedienen will, ist das eben nicht nur eine inszenierung des einklangs mit der natur und der regentschaft des zufalls über die kalkulierbare wirklichkeit, deren enorme härte in den darauffolgenden jahrzehnten mehr und mehr das szepter in die hand nehmen wird, sondern eben auch das antlitz eines puren mystizismus, den zu erkennen uns vielleicht ein wenig abgegangen sein mag, an dem graf aber genau darum zu liegen scheint.

dass eine von blutenden wunden gequälte, körperlich verwahrloste nonne zu 'sexy' sei, halte ich für weithergeholt. aber selbst, wenn eine art fleischliche anzüglichkeit in ihrer darstellung steckt, kann das immer noch als berücksichtigung eines urkatholischen problems gelten: dem geist-körper-dilemma, dem passenderweise ja auch brentano zum opfer fällt. und das bringt einen dann doch zum großen kniff des films, nämlich dem, dass es nicht anna katharina emmerich ist, die um ihr leben oder besser um ihren platz im leben ringt, sondern brentano. der kreuzgang der nonne ist der abgrund brentanos und das ist es, was graf in einer für das deutsche kino ungewöhnlich feinsinnigen, keineswegs trockenen bildsprache in szene setzt.

dass der film hier nur einmal kommentiert wurde, wollte mir anlass genug sein, ein wenig auszuschweifen. denn es gibt etwas, das dieser film mir, wahrscheinlich gerade eben weil er mich unverhofft im spätprogramm traf, zeigt. nicht weniger als das, was man in filmen zu suchen hat: das erlebnis von etwas, das uns möglichst fremd erscheint aber doch sofort, auf einen schlag verstanden wird. das hat viel mit sowas wie 'seele' zu tun. aber man muss es nicht übertreiben und das schreiben über einen film der deuschen romantik der sprache eines films der deutschen romantik anpassen.

1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

patcharisma

Kommentar löschen
Bewertung5.0Geht so

Für mich ist ✦ Anna Katharina Emmerich (1774 - 1824) ✦ eine der grössten Mystikerinnen der Geschichte, deshalb hat mich das Verfilmen ihres Lebens extrem gefreut! Das Ergebnis leider nicht, es ist recht behäbig & langweilig geraten und - eben - völlig unmystisch & seltsam unatmosphärisch. Und die Hauptdarstellerin passt auch nicht, die ist irgendwie zu sexy.

Dominik, probiers doch einfach nochmal!

Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Kommentar schreiben