[...] Es sind der Reiz und die Tragik des Rastlosen, mit dem das Roadmovie „Das Lied der Straße“ berühren kann. Die punktuell eingesetzte aber als sehr ausschlaggebendes Stilmittel fungierende Musik und das traurige Ende schaffen eine ergreifende Stimmung. Die Handlung dreht sich lange im Kreis und am Ende bleibt eigentlich nur das Aufeinandertreffen zweier gegensätzlicher Außenseiter. Ein zuweilen befremdlich dahergebrachtes, schlicht gehaltenes Drama, dessen Werte im Subtext schlummern. Objektiv kann man das kaum erklären, die Dramaturgie erinnert an die Sinuskurve, doch am Ende hat diese auf Zirkusclown-Ästhetik gehobene Beziehungsgeschichte eben doch schon viele Herzen gewonnen.
Meisterlich erzählt Fellini seine Außenseitergeschichte als Parabel über Geschlechterhierarchien, italienische Erziehung und das Erwachsenwerden. Die tragende Musik von Nino Rota wird bestärkt durch das überragende Mimenspiel Giulietta Masinas, während das Lied der Straße vor allem eines der Abschiede bedeutet: Eine lebensbejahende, menschliche Geschichte, die in ihrer stilisierten Inszenierung und dem Mut zur Fantasie mehr über den Neorealismus verrät, als es sich Fellinis Gefolgschaft seinerzeit vor Augen zu führen wagte.
Schräges Liebesdrama von Fellini mit einem großartigen Anthony Quinn. Abstriche gibt es meiner Meinung nach für Fellinis Ehefrau Guilietta Masina, deren Charakter wohl kindlich naiv erscheinen soll, jedoch clownesk wirkt und eine billige Chaplin-Kopie darstellt.
Gelsomina wird von Zampano nicht wie ein Mensch und schon gar nicht wie ein weibliches Wesen behandelt. Widerspruch duldet er nicht. Auch hat sie klaglos auf die Weiterfahrt zu warten, wenn er sich mit Frauen vergnügt. Und obwohl Gelsomina von seinem Verhalten nicht angetan ist, fasziniert Zampano sie. Zudem verliert sie immer mehr ihre Angst vor ihm; versteht sie doch, dass Zampano ein Mensch ist, der nicht denkt, sondern nur über Muskeln verfügt. Mit der Zeit akzeptiert Gelsomina Zampano so wie er ist, und beide ziehen weiter durch das Land, bis sie eines Tages den jungen Artisten Matto treffen, der sich für Gelsomina interessiert.
Für den poetisch-märchenhaften und zugleich krass realistischen Film wurde Federico Fellini mit mehreren internationalen Preisen wie einem "Oscar" und einem "Silbernen Löwen" ausgezeichnet. So wie seine Frau Giulietta Masina das Mädchen Gelsomina spielte, gehört ihre Darbietung zu den legendären Rollen der Filmgeschichte.
"Als Filmkritiker sollte man diesen Film gesehn haben" habe ich unter einer der Kommentare gelesen. Ich bin weder ein Filmkritiker, noch würde ich mir anmaßen mir etwas darauf einzubilden, wenn sich jemand für meine Kommentare interessiert. Aber ich bin filminteressiert und somit ein offenkundiger Filmfreund. Gleichgesinnten möchte ich Fellini's Werk ans Herz legen. Es lohnt sich.
Fellinis im italienischen Schaustellermilieu situiertes Drama „La Strada“ zeigt zwei völlig unterschiedliche Menschen, die auf einer Reise gemeinsam einen Weg der Bewährung antreten.
Der raubeinige, muskulöse Schausteller Zampanò (ital. zampa »Tatze«) „erwirbt“ nach dem Tod seiner Gehilfin Rosaria für 10000 Lire deren jüngere und unattraktivere Schwester Gelsomina (ital. gelsomino »Jasmin«). Er reist mit ihr von Dorf zu Dorf, um eine Show, in der er alleine mit der Kraft seiner Brustmuskulatur und Lunge eine ihm um den Brustkorb befestigte Kette zersprengt, aufzuführen. Gelsominas Qualitäten als Schaustellerin erweisen sich jedoch als begrenzt, weshalb Zampanò sie zunehmend schlecht behandelt und sogar schlägt. Gelsomina folgt ihm dennoch auf Schritt und Tritt. Als der Seilakrobat Il Matto (»der Narr«) in das Leben der beiden tritt, nimmt die Geschichte eine tragische Wendung…
Fellini führt zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zu einem Paar wider Willen zusammen- einerseits der grobschlächtige Zampanò, der emotional derart verhärtet ist, dass er außerstande ist, Gefühle zu zeigen, und andererseits die hochsensible Gelsomina, die schließlich an ihrer Einfühlungsgabe scheitert. Die gemeinsam verbrachte Zeit leitet für beide einen Prozess der Läuterung ein, der für die clowneske Gelsomina darin besteht, ihren Platz in einer Gesellschaft, in der sie auf Grund ihres entweiblichten Aussehens und einfältigen Charakters fremd ist, zu suchen, und der sich für den Muskelproleten am Ende des Films durch einen heftigen Gefühlsausbruch anbahnt…
Den beiden Hauptdarstellern, Giulietta Masina und Anthony Quinn, gelingt es, die „Menschwerdung“ der beiden grundverschiedenen Figuren eindrucksvoll darzustellen, zumal ihre beiden memorablen Mimen von Kameramann Otello Martelli in vielen Totalen eingefangen werden.
Darüber hinaus zeigt Fellini mit einer außerordentlichen Detailverliebtheit die verschiedenen Schauplätze der Handlung, welche meist von Alkoholikern, Herumtreibern und Flittchen bevölkerte dreckige Hinterhöfe und vernachlässigte Vororte sind. Doch das ungleiche Paar nimmt auch an einem Familienfest besser situierter Menschen teil und verbringt eine Nacht in einem Kloster. Daher gewinnt man den Eindruck, Fellini habe versucht, möglichst viele Facetten der italienischen Gesellschaft seiner Zeit zu porträtieren. Nichtsdestotrotz rückt der Regisseur und Drehbuchautor die individuellen Entwicklungen der beiden Protagonisten, die in ihrem Schaustellerwagen hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt zu sein scheinen, in den Mittelpunkt der Betrachtung, weshalb er in „La Strada“ gewissermaßen den Neorealismus, der das italienische Kino der 1940er und 1950er Jahre dominierte, ad absurdum führt.
Die Musik, die Fellinis Stammkomponist Nino Rota komponierte, unterstreicht den melodramatischen Gehalt des Films, indem sie v.a. die emotionale Aufwühlung Gelsominas auditiv wahrnehmbar macht- Das titelgebende Lied, das die Protagonistin von Matto auf der Trompete zu spielen lernt, versinnbildlicht jenen Versuch, das Innere Gelsominas musikalisch nach außen zu kehren.
„La Strada“ wurde bereits kurz nach seiner Entstehung mit über 50 internationalen Preisen (darunter der erste offizielle Oscar für einen nicht- amerikanischen Film) ausgezeichnet und vermag es auf Grund all jener Vorzüge auch in der heutigen Zeit, sein Publikum affektiv zu erreichen.
... sehr schöner Kommentar, der Interesse weckt, für einen wohl nicht immer omnipräsenten Klassiker fernab der täglichen, multimedialen Anpreisungen irgendwelcher belangloser ´Blockbuster´... :-)
"La Strada" war für den italienischen Starregisseur quasi der internationale Durchbruch für ganz Europa sowie der USA. Es ist diesem Streifen zu verdanken, dass Fellini heutzutage eine solche Relevanz zugerechnet wird. Schon bevor er Sozialstudien wie "La dolce Vita" an den Mann brachte, schlug er sich mit kleineren Dramen durch die italienische Filmbranche. "La Strada" handelt von einem jungen Mädchen die von einem Zirkusartisten gekauft wird, der sie dann als seine Attraktionsassistentin einsetzt. Auf der Bühne sind sie ein eingespieltes und überall beliebtes Team, doch hinter den Kulissen läuft ein ganz anderer Film. Zampano, der seine Zuschauer damit begeistert mit seinen Lungen Eisenketten zu sprengen, behandelt sie sehr schlecht, woraufhin sie mehrmals zu fliehen versucht, was er aber wiederum nicht zulässt. Die Beziehung der beiden spitzt sich schon bald dramatisch zu, weil sich zwischen Gesolina und Zampano ein Gefühlskonstrukt aufbaut, das weder sie noch er durchschauen können. Was auf Dauer bleibt, ist eine Reihe unglücklicher Umstände und Konflikte die beide Charakteren dazu zwingt ihr Inneres nach Außen zu kehren.
Es ist immer wieder erstaunlich wie viel Tiefe die Charaktere in Filmen besitzen deren Hauptdarsteller längst unter der Erde liegen, ebenso der brillante Regisseur, wenn man sie mit dem niedrigen Drama-Durchschnitt heutzutage vergleicht. Der Kontrast zwischen der tragisch-unwirklichen Liebesgeschichte und dem für heutige Standards weniger ansprechenden Humor verleihen dem Gesamtbild, neben der sehr ausgeprägten Charaktertiefe, ein weiteres ironisches Element, aber was letztendlich für den positiven Endeindruck sorgt ist die geniale Leistung von Guilietta Masina, der Frau von Federico Fellini, persönlich. Die Verkörperung der Gesolina verkommt zu keinem Moment zur Breittretung von Chrakterklischees. Kein bisschen weniger zu würdigen ist natürlich Anthony Quinn der den mürrisch-cholerischen Kettensprenger fabelhaft spielt.
Im Großen und Ganzen ein beeindruckendes und trotz des Alters wenig eingestaubtes Potrait der intermenschlichen Abhängigkeit, das perfekt von den Hauptcharakteren getragen wird. Der Maestro gibt den Auftakt, das Orchester spielt.
Philopee und Fellini - ich spüre wie sich hier eine Freundschaft anbahnt.
Fasst man alle künstlerischen Faktoren zusammen, ist dieser Film von einer unentrinnbaren und erschütternden Intensität. Die Grobschlächtigkeit des Zampanos und die fatalistische Zartheit Gelsomina's verweben zu einem tragischen und doch zuweilen auch komischen Drama das im Zusammenbruch Zampanos gipfelt als er vom Tode Gelsominas erfährt. Die Rolle des großen Zampanos hätte mit niemand anderem als Anthony Quinn besetzt weren können.
La Strada ist der erste Film in der Filmgeschichte, der einen regulären Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film gewann.
Ein Klassiker Frederico Fellinis der fast zeitlos zu sein scheint.
Ich sah diese wertvolle Kamelle irgendwann die Tage nachts bei RBB anlässlich des 90. Geburtstag des verstorbenen Regisseurs. Ich habe zwar schon so manches von Fellini gesehen und drückte mich aber noch etwas vor diesem Klassiker. Dann fing er mich aber beim rumschalten ein und ich musste ihn gucken.
Die Story ist eigentlich recht schnell abgewickelt, aber die Art und Weise, wie Frederico Fellini sie zu erzählen weiß, gibt dem Film eine besondere Note. Wie er die beiden so unterschiedlichen Hauptcharaktere mit einander verbindet, obwohl da überhaupt nichts ist, trotzdem, so scheint es zumindestens, schafft er es.
Giulietta Masina als die kindlich-liebenswerte und naive Gelsomina ist brillinat besetzt und zelebriert ihre Rolle in jedem Zug.
Anthony Quinn als der große Zampanò war seine beste Rolle, aber so viel habe ich auch nicht von ihm gesehen. Er spielt den mürrischen, hitzköpfigen und machohaften Rohling exzellent. Ihm sind solche Stereotypen wie auf den leib geschustert und er trug weite teile des Films durch seine unausstehlich Art alleine.
Fellini schont seine Darstellenden nicht im geringsten und man sieht ihnen wirklich an, wie sich sich durch ihr Elend quälen, merh schlecht als recht bis....
Als Filmkritiker sollte man diesen Film gesehn haben, für alle anderen ist es vielleicht nicht so das allgemein verträgliche cineastische Gut.
LA STRADA ist für mich ein Meisterwerk! Eine trauriger, abstoßend männlicher "Zampano", der keine Fäden zieht, dafür aber Hunden was beibringen kann, zersprengt eine Kette, mit der Kraft seiner Lungen und braucht eine neue Assistentin. Er nimmt sich ein einfältiges Mädchen, Gelsomina, die kleine Schwester der verstorbenen Assistentin, die aussieht wie ein Rettich und so nützlich ist wie ein Stein. Und als Gelsomina den kleinen Oswaldo in seinem Bettchen sieht, entfaltet sich der ganze Zauber ihres überidischen Wesens. Im Himmel erscheint ihr ein weltlicher Engel, Matto, der an ihr Gefallen findet und sie zum Seiltanz einlädt. Doch sie bleibt lieber auf der Erde und folgt ihrem gewalttätigen, tumben Herren, der sie zuletzt, nachdem er Matto erschlagen hat, was ihr das Herz brach, am Straßenrand liegen läßt und sich heimlich davon stiehlt, auf einem dreirädrigen Motorrad-Zirkuswagen, der als Ding gewordene Metapher auf das Gauklerleben einen Oscar erhalten sollte. Dieser Film besticht durch seine grandiosen Darsteller, Giulietta Masina, Anthony Quinn und Richard Basehart, die die Figuren sind, die sie eigentlich nur spielen. La Strada betäubt durch die traurigen, grauen Bilder der Zirkuswelt in einem kargen und armen Italien und... er bewegt durch die eindringliche Musik. Dieser Film ist ein Meisterwerk, jedes vergleichen mit anderen Filmen oder die Suche nach einem bedeutungsvollen Erzählstrang ist unwichtig oder belanglos..., LA STRADA ist einfach große, große KUNST! Grunz!
La Strada ist für mich persönlich bislang der zugänglichste Film Fellinis. Man möge hier wie so manch anderer tiefgehend analysieren und loben, was für ein ausgezeichnetes Außenseiterdrama dieses Werk doch sei. Sehr viel mehr als eine recht unspektakuläre Geschichte zweier Zigeuner ist er um ehrlich zu sein allerdings nicht.
Fellini nutzt häufig eine Art Komplementäreinstellung, indem er Rückenfiguren und solche, die en face gezeigt werden, gleichzeitig im Bild einsetzt. Besonders die Aufnahmen in Zampanos Wagen sind hierfür bezeichnend. Inhaltlich ist dies wohl in einem entgegengesetzten Verlauf zu deuten. Zampanos Ziel führt Gelsomina weiter weg von zuhause usw. Alles mündet dann in der Feststellung, dass ein gemeinsamer Weg nicht existiert, geschweigedenn begangen werden kann. Das Verhältnis zwischen den beiden Hauptfiguren findet seine intensivste Darstellung im Kloster. Fellini ordnet seine Komposition so, dass Masina auf dem liegenden Quinn zu sitzen scheint und zwar stark verkleinert. Das Verbinden von Objekten in der Fläche, auch oder gerade wenn sie räumlich in keinem Zusammenhang stehen, erinnert an südniederländische Malerei des 15.Jahrhunderts, genauer auch an Brueghel, sowie Bergman (Persona) und Tarkowskij (Zerkalo). Im Gegensatz zu 8 1/2 und La dolce vita sind die Bilder La Stradas deutlich unbewegter, statischer. Das mag aber generell daran liegen, dass La Strada mit weniger Figuren Vorlieb nimmt und der Focus dadurch sehr eng, dafür aber enorm tief wirkt.
Das Lied der Straße - Kritik
IT 1954 Laufzeit 108 Minuten, FSK 16, Road Movie, Drama, Kinostart 28.08.1958
Kritiken (3) — Film: Das Lied der Straße
Flibbo: wieistderfilm.de
Kommentar löschen[...] Es sind der Reiz und die Tragik des Rastlosen, mit dem das Roadmovie „Das Lied der Straße“ berühren kann. Die punktuell eingesetzte aber als sehr ausschlaggebendes Stilmittel fungierende Musik und das traurige Ende schaffen eine ergreifende Stimmung. Die Handlung dreht sich lange im Kreis und am Ende bleibt eigentlich nur das Aufeinandertreffen zweier gegensätzlicher Außenseiter. Ein zuweilen befremdlich dahergebrachtes, schlicht gehaltenes Drama, dessen Werte im Subtext schlummern. Objektiv kann man das kaum erklären, die Dramaturgie erinnert an die Sinuskurve, doch am Ende hat diese auf Zirkusclown-Ästhetik gehobene Beziehungsgeschichte eben doch schon viele Herzen gewonnen.
Kritik im Original 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
Mr Vincent Vega: Fünf Filmfreunde, gamona, D...
Kommentar löschenMeisterlich erzählt Fellini seine Außenseitergeschichte als Parabel über Geschlechterhierarchien, italienische Erziehung und das Erwachsenwerden. Die tragende Musik von Nino Rota wird bestärkt durch das überragende Mimenspiel Giulietta Masinas, während das Lied der Straße vor allem eines der Abschiede bedeutet: Eine lebensbejahende, menschliche Geschichte, die in ihrer stilisierten Inszenierung und dem Mut zur Fantasie mehr über den Neorealismus verrät, als es sich Fellinis Gefolgschaft seinerzeit vor Augen zu führen wagte.
7 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
alviesinger: bummelkino
Kommentar löschenSchräges Liebesdrama von Fellini mit einem großartigen Anthony Quinn. Abstriche gibt es meiner Meinung nach für Fellinis Ehefrau Guilietta Masina, deren Charakter wohl kindlich naiv erscheinen soll, jedoch clownesk wirkt und eine billige Chaplin-Kopie darstellt.
3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
Kommentare (11) — Film: Das Lied der Straße
Kommentar schreibenRoosterCogburn 2012/02/04 20:34:23
Kommentar löschenGelsomina wird von Zampano nicht wie ein Mensch und schon gar nicht wie ein weibliches Wesen behandelt. Widerspruch duldet er nicht. Auch hat sie klaglos auf die Weiterfahrt zu warten, wenn er sich mit Frauen vergnügt. Und obwohl Gelsomina von seinem Verhalten nicht angetan ist, fasziniert Zampano sie. Zudem verliert sie immer mehr ihre Angst vor ihm; versteht sie doch, dass Zampano ein Mensch ist, der nicht denkt, sondern nur über Muskeln verfügt. Mit der Zeit akzeptiert Gelsomina Zampano so wie er ist, und beide ziehen weiter durch das Land, bis sie eines Tages den jungen Artisten Matto treffen, der sich für Gelsomina interessiert.
Für den poetisch-märchenhaften und zugleich krass realistischen Film wurde Federico Fellini mit mehreren internationalen Preisen wie einem "Oscar" und einem "Silbernen Löwen" ausgezeichnet. So wie seine Frau Giulietta Masina das Mädchen Gelsomina spielte, gehört ihre Darbietung zu den legendären Rollen der Filmgeschichte.
"Als Filmkritiker sollte man diesen Film gesehn haben" habe ich unter einer der Kommentare gelesen. Ich bin weder ein Filmkritiker, noch würde ich mir anmaßen mir etwas darauf einzubilden, wenn sich jemand für meine Kommentare interessiert. Aber ich bin filminteressiert und somit ein offenkundiger Filmfreund. Gleichgesinnten möchte ich Fellini's Werk ans Herz legen. Es lohnt sich.
2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
filmfan90 2011/09/05 19:37:43
Kommentar löschenFellinis im italienischen Schaustellermilieu situiertes Drama „La Strada“ zeigt zwei völlig unterschiedliche Menschen, die auf einer Reise gemeinsam einen Weg der Bewährung antreten.
Der raubeinige, muskulöse Schausteller Zampanò (ital. zampa »Tatze«) „erwirbt“ nach dem Tod seiner Gehilfin Rosaria für 10000 Lire deren jüngere und unattraktivere Schwester Gelsomina (ital. gelsomino »Jasmin«). Er reist mit ihr von Dorf zu Dorf, um eine Show, in der er alleine mit der Kraft seiner Brustmuskulatur und Lunge eine ihm um den Brustkorb befestigte Kette zersprengt, aufzuführen. Gelsominas Qualitäten als Schaustellerin erweisen sich jedoch als begrenzt, weshalb Zampanò sie zunehmend schlecht behandelt und sogar schlägt. Gelsomina folgt ihm dennoch auf Schritt und Tritt. Als der Seilakrobat Il Matto (»der Narr«) in das Leben der beiden tritt, nimmt die Geschichte eine tragische Wendung…
Fellini führt zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, zu einem Paar wider Willen zusammen- einerseits der grobschlächtige Zampanò, der emotional derart verhärtet ist, dass er außerstande ist, Gefühle zu zeigen, und andererseits die hochsensible Gelsomina, die schließlich an ihrer Einfühlungsgabe scheitert. Die gemeinsam verbrachte Zeit leitet für beide einen Prozess der Läuterung ein, der für die clowneske Gelsomina darin besteht, ihren Platz in einer Gesellschaft, in der sie auf Grund ihres entweiblichten Aussehens und einfältigen Charakters fremd ist, zu suchen, und der sich für den Muskelproleten am Ende des Films durch einen heftigen Gefühlsausbruch anbahnt…
Den beiden Hauptdarstellern, Giulietta Masina und Anthony Quinn, gelingt es, die „Menschwerdung“ der beiden grundverschiedenen Figuren eindrucksvoll darzustellen, zumal ihre beiden memorablen Mimen von Kameramann Otello Martelli in vielen Totalen eingefangen werden.
Darüber hinaus zeigt Fellini mit einer außerordentlichen Detailverliebtheit die verschiedenen Schauplätze der Handlung, welche meist von Alkoholikern, Herumtreibern und Flittchen bevölkerte dreckige Hinterhöfe und vernachlässigte Vororte sind. Doch das ungleiche Paar nimmt auch an einem Familienfest besser situierter Menschen teil und verbringt eine Nacht in einem Kloster. Daher gewinnt man den Eindruck, Fellini habe versucht, möglichst viele Facetten der italienischen Gesellschaft seiner Zeit zu porträtieren. Nichtsdestotrotz rückt der Regisseur und Drehbuchautor die individuellen Entwicklungen der beiden Protagonisten, die in ihrem Schaustellerwagen hermetisch von der Außenwelt abgeriegelt zu sein scheinen, in den Mittelpunkt der Betrachtung, weshalb er in „La Strada“ gewissermaßen den Neorealismus, der das italienische Kino der 1940er und 1950er Jahre dominierte, ad absurdum führt.
Die Musik, die Fellinis Stammkomponist Nino Rota komponierte, unterstreicht den melodramatischen Gehalt des Films, indem sie v.a. die emotionale Aufwühlung Gelsominas auditiv wahrnehmbar macht- Das titelgebende Lied, das die Protagonistin von Matto auf der Trompete zu spielen lernt, versinnbildlicht jenen Versuch, das Innere Gelsominas musikalisch nach außen zu kehren.
„La Strada“ wurde bereits kurz nach seiner Entstehung mit über 50 internationalen Preisen (darunter der erste offizielle Oscar für einen nicht- amerikanischen Film) ausgezeichnet und vermag es auf Grund all jener Vorzüge auch in der heutigen Zeit, sein Publikum affektiv zu erreichen.
16 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 3 Antworten
The_Comedian 2011/09/06 10:03:48
Antwort löschen... sehr schöner Kommentar, der Interesse weckt, für einen wohl nicht immer omnipräsenten Klassiker fernab der täglichen, multimedialen Anpreisungen irgendwelcher belangloser ´Blockbuster´... :-)
Alle 3 Antworten zeigen
filmfan90 2011/09/06 12:50:09
Antwort löschenObwohl ich von Fellini "8½" und "La Dolce Vita" bevorzuge, ist "La Strada" definitiv einen Blick wert. :)
The_Comedian 2011/09/10 12:10:56
Antwort löschenDanke für die Empfehlung:-)
philopee 2011/08/28 15:11:33
Kommentar löschenFederico Fellini - Die Erste
"La Strada" war für den italienischen Starregisseur quasi der internationale Durchbruch für ganz Europa sowie der USA. Es ist diesem Streifen zu verdanken, dass Fellini heutzutage eine solche Relevanz zugerechnet wird. Schon bevor er Sozialstudien wie "La dolce Vita" an den Mann brachte, schlug er sich mit kleineren Dramen durch die italienische Filmbranche. "La Strada" handelt von einem jungen Mädchen die von einem Zirkusartisten gekauft wird, der sie dann als seine Attraktionsassistentin einsetzt. Auf der Bühne sind sie ein eingespieltes und überall beliebtes Team, doch hinter den Kulissen läuft ein ganz anderer Film. Zampano, der seine Zuschauer damit begeistert mit seinen Lungen Eisenketten zu sprengen, behandelt sie sehr schlecht, woraufhin sie mehrmals zu fliehen versucht, was er aber wiederum nicht zulässt. Die Beziehung der beiden spitzt sich schon bald dramatisch zu, weil sich zwischen Gesolina und Zampano ein Gefühlskonstrukt aufbaut, das weder sie noch er durchschauen können. Was auf Dauer bleibt, ist eine Reihe unglücklicher Umstände und Konflikte die beide Charakteren dazu zwingt ihr Inneres nach Außen zu kehren.
Es ist immer wieder erstaunlich wie viel Tiefe die Charaktere in Filmen besitzen deren Hauptdarsteller längst unter der Erde liegen, ebenso der brillante Regisseur, wenn man sie mit dem niedrigen Drama-Durchschnitt heutzutage vergleicht. Der Kontrast zwischen der tragisch-unwirklichen Liebesgeschichte und dem für heutige Standards weniger ansprechenden Humor verleihen dem Gesamtbild, neben der sehr ausgeprägten Charaktertiefe, ein weiteres ironisches Element, aber was letztendlich für den positiven Endeindruck sorgt ist die geniale Leistung von Guilietta Masina, der Frau von Federico Fellini, persönlich. Die Verkörperung der Gesolina verkommt zu keinem Moment zur Breittretung von Chrakterklischees. Kein bisschen weniger zu würdigen ist natürlich Anthony Quinn der den mürrisch-cholerischen Kettensprenger fabelhaft spielt.
Im Großen und Ganzen ein beeindruckendes und trotz des Alters wenig eingestaubtes Potrait der intermenschlichen Abhängigkeit, das perfekt von den Hauptcharakteren getragen wird. Der Maestro gibt den Auftakt, das Orchester spielt.
Philopee und Fellini - ich spüre wie sich hier eine Freundschaft anbahnt.
5 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
Filmkenner77 2010/09/26 16:23:31
Kommentar löschenEin großer Filmklassiker mit Anthony Quinn in einer seiner besten Rollen. Melancholisch, anrührend, tragisch. Ein Meisterwerk.
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DerFilmeKenner 2010/09/02 16:44:08
Kommentar löschenGeniale letzte Einstellung. Am Ende hat sie doch sein Herz berührt!
2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
Pantagruel 2010/06/07 19:12:24
Kommentar löschenFasst man alle künstlerischen Faktoren zusammen, ist dieser Film von einer unentrinnbaren und erschütternden Intensität. Die Grobschlächtigkeit des Zampanos und die fatalistische Zartheit Gelsomina's verweben zu einem tragischen und doch zuweilen auch komischen Drama das im Zusammenbruch Zampanos gipfelt als er vom Tode Gelsominas erfährt. Die Rolle des großen Zampanos hätte mit niemand anderem als Anthony Quinn besetzt weren können.
La Strada ist der erste Film in der Filmgeschichte, der einen regulären Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film gewann.
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JimiHendrix 2010/01/13 18:57:56
Kommentar löschenEin Klassiker Frederico Fellinis der fast zeitlos zu sein scheint.
Ich sah diese wertvolle Kamelle irgendwann die Tage nachts bei RBB anlässlich des 90. Geburtstag des verstorbenen Regisseurs. Ich habe zwar schon so manches von Fellini gesehen und drückte mich aber noch etwas vor diesem Klassiker. Dann fing er mich aber beim rumschalten ein und ich musste ihn gucken.
Die Story ist eigentlich recht schnell abgewickelt, aber die Art und Weise, wie Frederico Fellini sie zu erzählen weiß, gibt dem Film eine besondere Note. Wie er die beiden so unterschiedlichen Hauptcharaktere mit einander verbindet, obwohl da überhaupt nichts ist, trotzdem, so scheint es zumindestens, schafft er es.
Giulietta Masina als die kindlich-liebenswerte und naive Gelsomina ist brillinat besetzt und zelebriert ihre Rolle in jedem Zug.
Anthony Quinn als der große Zampanò war seine beste Rolle, aber so viel habe ich auch nicht von ihm gesehen. Er spielt den mürrischen, hitzköpfigen und machohaften Rohling exzellent. Ihm sind solche Stereotypen wie auf den leib geschustert und er trug weite teile des Films durch seine unausstehlich Art alleine.
Fellini schont seine Darstellenden nicht im geringsten und man sieht ihnen wirklich an, wie sich sich durch ihr Elend quälen, merh schlecht als recht bis....
Als Filmkritiker sollte man diesen Film gesehn haben, für alle anderen ist es vielleicht nicht so das allgemein verträgliche cineastische Gut.
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pellekraut007 2010/01/11 11:56:10
Kommentar löschenLA STRADA ist für mich ein Meisterwerk! Eine trauriger, abstoßend männlicher "Zampano", der keine Fäden zieht, dafür aber Hunden was beibringen kann, zersprengt eine Kette, mit der Kraft seiner Lungen und braucht eine neue Assistentin. Er nimmt sich ein einfältiges Mädchen, Gelsomina, die kleine Schwester der verstorbenen Assistentin, die aussieht wie ein Rettich und so nützlich ist wie ein Stein. Und als Gelsomina den kleinen Oswaldo in seinem Bettchen sieht, entfaltet sich der ganze Zauber ihres überidischen Wesens. Im Himmel erscheint ihr ein weltlicher Engel, Matto, der an ihr Gefallen findet und sie zum Seiltanz einlädt. Doch sie bleibt lieber auf der Erde und folgt ihrem gewalttätigen, tumben Herren, der sie zuletzt, nachdem er Matto erschlagen hat, was ihr das Herz brach, am Straßenrand liegen läßt und sich heimlich davon stiehlt, auf einem dreirädrigen Motorrad-Zirkuswagen, der als Ding gewordene Metapher auf das Gauklerleben einen Oscar erhalten sollte. Dieser Film besticht durch seine grandiosen Darsteller, Giulietta Masina, Anthony Quinn und Richard Basehart, die die Figuren sind, die sie eigentlich nur spielen. La Strada betäubt durch die traurigen, grauen Bilder der Zirkuswelt in einem kargen und armen Italien und... er bewegt durch die eindringliche Musik. Dieser Film ist ein Meisterwerk, jedes vergleichen mit anderen Filmen oder die Suche nach einem bedeutungsvollen Erzählstrang ist unwichtig oder belanglos..., LA STRADA ist einfach große, große KUNST! Grunz!
1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
Adio 2009/12/23 13:45:08
Kommentar löschenLa Strada ist für mich persönlich bislang der zugänglichste Film Fellinis. Man möge hier wie so manch anderer tiefgehend analysieren und loben, was für ein ausgezeichnetes Außenseiterdrama dieses Werk doch sei. Sehr viel mehr als eine recht unspektakuläre Geschichte zweier Zigeuner ist er um ehrlich zu sein allerdings nicht.
3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 1 Antworten
alanger 2009/12/23 14:03:59
Antwort löschenaber mit grandiosen darstellern.
Prestigeww 2009/10/23 19:38:06
Kommentar löschenIch fand ihn leider furchtbar rührseelig. Klassiker hin oder her..
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boxcarsboxcars 2008/06/28 09:38:07
Kommentar löschenFellini nutzt häufig eine Art Komplementäreinstellung, indem er Rückenfiguren und solche, die en face gezeigt werden, gleichzeitig im Bild einsetzt. Besonders die Aufnahmen in Zampanos Wagen sind hierfür bezeichnend. Inhaltlich ist dies wohl in einem entgegengesetzten Verlauf zu deuten. Zampanos Ziel führt Gelsomina weiter weg von zuhause usw. Alles mündet dann in der Feststellung, dass ein gemeinsamer Weg nicht existiert, geschweigedenn begangen werden kann. Das Verhältnis zwischen den beiden Hauptfiguren findet seine intensivste Darstellung im Kloster. Fellini ordnet seine Komposition so, dass Masina auf dem liegenden Quinn zu sitzen scheint und zwar stark verkleinert. Das Verbinden von Objekten in der Fläche, auch oder gerade wenn sie räumlich in keinem Zusammenhang stehen, erinnert an südniederländische Malerei des 15.Jahrhunderts, genauer auch an Brueghel, sowie Bergman (Persona) und Tarkowskij (Zerkalo). Im Gegensatz zu 8 1/2 und La dolce vita sind die Bilder La Stradas deutlich unbewegter, statischer. Das mag aber generell daran liegen, dass La Strada mit weniger Figuren Vorlieb nimmt und der Focus dadurch sehr eng, dafür aber enorm tief wirkt.
2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
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