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Das Schweigen
Das Schweigen (1963), SE Laufzeit 95 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 24.01.1964
7.6
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Moviemaster:Movie
von Ingmar Bergman, mit Ingrid Thulin und Gunnel Lindblom
Ester, ihre Schwester Anna und deren neunjähriger Sohn Johan müssen ihre Heimreise unterbrechen, weil die lungenkranke Ester einen Zusammenbruch erleidet. Sie übernachten in einer fremden Stadt, deren Einwohner eine unverständliche Sprache sprechen. Das bizarre Hotel beherbergt außer ihnen nur noch eine Gruppe von Liliputanern. Völlig isoliert von der Außenwelt und unfähig zur Kommunikation untereinander fallen sie in einen Strudel der sexuellen Begierde, der Exzesse und des Hasses.
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Cast & Crew
Drehbuch
Filmdetails Das Schweigen
- Genre
- Drama
- Handlung
- Fremdsprache, Hotel, Krankheit, Mutter-Sohn-Beziehung, Schwester-Schwester-Beziehung, Sexuelle Begierde
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Kritiken (1) — Film: Das Schweigen
Kubrick_obscura: CinemaForever
Kommentar löschen"Das Schweigen" ist Bergman-Kino durch und durch. Kompromisslos, eindringlich photografiert, als könnte man in die Seelen der beiden Schwestern schauen. Dazu gesellen sich skurrile Elemente wie die ganze Stadt mit ihrer eigene Sprache und die Liliputaner-Gruppe. Schwer verdauliche 5-Sterne-Kost!!!
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Kommentare (15) — Film: Das Schweigen
Cellmorbasg Sun, 19 May 2013 15:52:32 -0000
Kommentar löschenBergman kann schwere Kost sein. In diesem Fall sehr schwere Kost. Dieser gehört zu den Filmen, die erst nach dem Schauen ihre Wirkung entfalten. Indem sich Bilder festsetzen. Indem sich die Offenbarung der beiden Schwestern die so langwierig im Film gezeigt wird, ohne Kontext, nur für sich selbst sprechend, erst dadurch eingeprägt hat. Während dem Film dagegen war vor allem ein Gedanke: Johan an die Hand nehmen und raus. Raus aus dem Zimmer, dem Haus, der Stadt. Weit weg von den Schwestern die sich gegenseitig zu Grunde richten. Einander lieben, einander hassen und sich messen wer darin größer ist. Einen Kampf kämpfen der nicht zu gewinnen ist, da er sich gegen Windmühlen richtet, wo ein Blick in sich selbst angebracht wäre. Eine Erschütterung des Glaubens. Nicht an Gott, sondern am Menschen.
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Pyro 91 Thu, 20 Dec 2012 12:47:16 -0000
Kommentar löschenWas mir bei meinen bisherigen Kommentaren zu Bergmans Filmen aufgefallen ist, wie stark mein Augenmerk doch auf dem liegt, was ich aus seinen Filmen mitnehme und eher weniger darauf wie diese Inhalte präsentiert werden, sprich Regie/Schauspieler etc.
Das ist beinahe unausweihlich, da er mir stets philosphische und psychologische Themen/Fragestellungen liefert, die es wert sind, sich damit genauer auseinanderzusetzten.
"Das Schweigen" - der Titel ist Programm - stellt dabei keine Ausnahme dar. Wir sehen Menschen auf der Suche nach Verbindung und Kontakt zueinander. Der ganze Film wirkt dabei für mich wie ein Traum. Als ob die beiden Schwestern, eine davon mit Kind, in einer völlig anderen Welt leben würden, in der nur sie existieren und alle anderen Leuten, mit denen sie interagieren, keinerlei Einfluss auf sie haben. Diese selbstgemachte "Hölle", in der sich die entfremdeten Schwestern befinden, manifestiert sich durch erfolglose Kommunikationsversuche und unüberbrückbare Differenzen. Bergman zeigt die beiden Schwestern auch als Personifizierung von Verstand und Körper. Ester fühlt sich wohl in der Welt der Rationalität und Ordnung, vertieft sich ihre Arbeit, nutzt Alkohol um vor der Welt zu flüchten, während Anna nur ihre körperlichen Bedürfnisse stillt, wie Baden, Sex (mit einem Fremden, dessen Sprache sie nicht mal spricht!), Essen, Schlafen usw.
Freud hätte hier seinen Spaß!
Doch beide sind mit ihrer Art zu leben nicht glücklich. Annas Sohn Johan dagegen, ist jung, unschuldig und scheut die Kommunikation mit seinen Mitmenschen (noch) nicht. Auf der Suche nach menschlicher Nähe streift er durch das Hotel und geht dabei mit großer Neugier auf alles zu. Wenn die beiden Schwestern Körper und Verstand/Geist darstellen, dann ist Johan womöglich die Seele. Er ist das Verbindungsstück zwischen den beiden Schwestern, welches dafür sorgt, dass die beiden zusammenbleiben. Er strahlt Hoffnung und Lebensfreude aus.
Nachdem sich für die meiste Zeit angeschwiegen wird, ist man als Zuschauer schon fast erleichtert, dass die Konflikte zwischen den beiden endlich angesprochen werden, auch wenn die beiden Schwestern schließlich getrennte Wege gehen und ihre Konflikte nicht beilegen können. Am Ende sehen wir Anna und Johan zusammen im Zug. Johan liest den Brief von Ester. Versteht er ihn ? Und wenn ja, was wollte sie ihm mitteilen?
Im Verlauf des Film stellte ich mir auch die Frage, ob Anna wirklich Johans Mutter ist. Natürlich konnte man hier Wortklauberei betreiben und diese Idee durch gewisse Szenen widerlegen oder bekräftigen, doch die Idee dahinter ist interessant.
Wenn ich bei meiner Verstand-Körper-Seele-Theorie bleibe und Begmans Vorliebe für Abstraktionen bedenke, dann könnte Johans Mutter Körper oder/und Geist sein. Dies läuft auf die Frage hinaus, ob sich unsere Seele seit Geburt an in unseren Körpern befindet oder ob wir diese mit Hilfe des Verstandes kreieren bzw. dadurch glauben eine zu haben.
In den letzten Minuten des Films wird Ester zurückgelassen, Johan bleibt nur ein (entschlüsselbarer?) Brief und Anna öffnet die Zugfenster, wodurch sie vom Regen "gereingt" wird. Was will Bergmann damit sagen? Ich denke (;)): Lasst euren Verstand zurück, reinigt euren Körper von altem Leid und vertraut mehr auf eure Intention/euer Gefühl und zieht den Verstand nur zu Rate, wenn ihr ihn wirklich benötigt.
Ein Ratschlag, den ich gut nachvollziehen kann. Der Verstand ist ein Instrument, das nützlich ist, aber bei falscher Anwendung das Leben dominieren kann, für unnötiges Leid sorgt und bei mir teilweise den Effekt hat, dass ich nichts gebacken kriege. "Ich denke, also bin ich...": Fluch und Segen im gleichen Maßen.
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Hooded Justice Thu, 01 Nov 2012 17:28:03 -0000
Kommentar löschenAllein und fernab von der Gesellschaft, in einer oberflächlich wunderschönen, doch fremden und selbst kommunikativ verständnislosen Umgebung erzählt Ingmar Bergman sein schweigendes Drama. Während die Welt dort draußen zum Krieg aufrüstet, befinden sich die drei Protagonisten wie abgeschottet in ihrer sicheren, pompösen Unterbringung. Und sie schweigen. Man versteht sich nicht. Weder sprachlich noch menschlich. Während die eine sich bettlägerig in ihrem Zimmer betrinkt, Zigaretten raucht und mit dem Pagen spielt, begibt die andere sich unter Menschen und der Junge unter Liliputaner. Alles führt irgendwo hin, aber jeder an sich vorbei. Innerhalb der Familie entsteht ein Bruch, jeder schweigt unter sich auf seine Art. Das Gefühl vom Beisammensein ist verloren, unter den Protagonistinnen endet die Reise schließlich in Hass. Sie alle scheinen irgendwie zu wissen, was sie tun, aber nicht – ganz genau wie der Zuschauer – wofür.
Es passiert ganz viel und es ist ganz viel. Aber was genau, das liegt vielleicht gar nicht in unserer Gewalt. Ich hasse sinnlose Kommentare wie dieser, die nicht wissen, was sie zu sagen haben. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle meinen Freund fkfilmkritik zitieren: „Ich feiere dich, Bergman.“ Und zwar genau für diese Ratlosigkeit.
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Andy Dufresne Fri, 02 Nov 2012 00:03:33 -0000
Antwort löschenDa freu ich mich gleich noch ein bissl mehr das ich neulich eine 3er Bergmanbox gekauft habe ( Wilde Erdbeeren, Das Schweigen, DAS SIEBENTE SIEGEL) :)
Hooded Justice Fri, 02 Nov 2012 14:03:21 -0000
Antwort löschenDie hab ich auch. Das siebente Siegel find ich nicht so der Brüller, aber mit den anderen machst du schon ein gutes Geschäft. Persona unbedingt noch sehen! Meiner Meinung nach sein Bester (bis jetzt und ich kenne noch nicht alle von ihm).
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Andy Dufresne Fri, 02 Nov 2012 22:38:49 -0000
Antwort löschenBin voller Vorfreude :)
Witzigerweise kaufte ich die Box vor allem wegen dem siebenten Siegel :) Den wollte ich schon immer sehen...
Hooded Justice Sat, 03 Nov 2012 08:44:28 -0000
Antwort löschenIst glaube ich auch sein erfolgreichster und bekanntester Film. Mal sehen, was du dazu sagst, finde ihn im Vergleich zu seinen anderen Filmen allein vom Thema und der Inszenierung her eher schwächer.
FumerTue Tue, 30 Oct 2012 22:36:00 -0000
Kommentar löschen"Es ist so schön, dass wir uns nicht verstehen."
Wo "Das Schweigen" mit seinen nackten Brüsten in den 60ern schon für so viel Aufregung gesorgt hat: in zwei Szenen in diesem Streifen sieht man ein Gemälde, einige Jahre älter als der Film, das eine nackte Frau, begehrt von einem nackten Mann, darstellt. Witz bei der Sache: während solch Gepinsle schon Anfang des letzten Jahrhunderts keinen skandalösen Charakter mehr hatte, wurde Bergmans "Schweigen" noch 1963 zum Eklat.
Dass das Medium Film bis heute vollends als Kunstform anerkannt wurde und weibliche Busen auch hierin ohne den Vorwurf der Anzüglichkeit auskommen durften, entwickelte erst in den folgenden Jahrzehnten.
Einen ähnlichen Konflikt haben wir meiner bescheidenen Meinung nach aber auch heute noch: wo läuft die Grenze zwischen den teilweise sehr an Pornographie grenzenden Darstellungen des Lustaktes im ein oder anderen heutigen Film und einem "echten" Porno, der noch immer am Rande der Gesellschaft steht - offiziell, natürlich: Denn inoffiziell ist Begierde keine Erfindung der Postmoderne. Nicht umsonst nennt man Prostitution auch das "älteste Gewerbe der Welt".
Die Frage ist aber auch (pessimistisch und cineastisch-elitär betrachtet): wie lange noch wird das Medium Film noch als Kunst anzusehen sein? Wo sich doch heute vermeintlich alles nur noch um Kommerz, Geld, Profit, Einspielergebnisse und Rentabilität dreht.
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DerDude_ Wed, 08 Aug 2012 18:48:27 -0000
Kommentar löschenDer Name ist Programm
Schweigen. Es wird nur gesagt was gesagt werden muss. Die zwei Schwesten bauen eine heftige Distanz zueinander auf. Eine Mauer, die sich niemand traut einzureissen. Trotz ihrer Wortlosigkeit liegen die zwei wie ein geöffnetes Buch vor einem. Jeder Blick sagt eine Emotion aus. Ablehnung, Abhängigkeit, Verzweiflung, Schmerz, Leidenschaft, Verachtung. Doch kaum wird das ewige Schweigen unterbrochen. Dazwischen gibt es noch einen kleinen Jungen der von dem Schweigen sichtbar fasziniert ist. Begeistert blickt er aus dem Zug, staunt, lauscht, wacht, wandert durch das Hotel und spielt herum. Bei der Szene mit ihm und den Liliputanern hatte ich ein fettes Deja Vu (Woher das wohl kommt ? ;)). Eindringlich erschafft Bergmann ein Bild der domierenden Stille der jeder Mensch unterlegen scheint weil er Angst vor Emotionen hat. Das ist Beklemmend und Verstörend und für mich ein gelungener Einstieg in das Universum von Bergmann.
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adamma Tue, 12 Jun 2012 14:34:41 -0000
Kommentar löschenAuf jeden Fall kein Feel-Good-Movie! Aber auch nicht wirklich schwer verdaulich.
So sind sie nun mal die eiskalten und doch äußerst sexy Schweden. :-)
Ne im Ernst: schöne und tiefsinnige Studie über die Verzweiflung der Einsamkeit.
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veseria Fri, 11 May 2012 13:17:07 -0000
Kommentar löschenVerstörend und bedrückendes, optisch ansprechendes Werk welches ich noch nicht ganz erfasst habe. Darum diese seichte Bewertung. Nach einer zweiten Sichtung sieht das vielleicht anders aus.
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hoffman587 Mon, 30 Jan 2012 16:04:11 -0000
Kommentar löschenTystnaden
Was machst du?" - "Ich arbeite wie du siehst." - "Ich finde, dass das entschieden besser ist als mir ewig nach zu spionieren ... wenn ich bloß begreifen könnte, weshalb ich vor dir solche Angst hatte."
Bergman Forever Teil 3/3:
Und nun noch ein letztes Bergman fürs Erste jedenfalls. Nochmal einmal faszinieren lassen und noch einmal erstaunt zurückblicken auf sein Schaffen und die Person hinter Ingmar Bergman, einer unsterblichen Seele des Kinos. Und was soll man abschließend auswählen. Es ist einfach, wenn zwei gesichtet scheinen und nur noch einer übrig bleibt, dabei handelt es sich um Bergmans "Das Schweigen" aus dem Jahre 1963. Abschließen mit einem Film, der damals für einen echten Skandal sorgte, insofern vielleicht sogar einer größten der 60er Jahre und deshalb wahrscheinlich heute auch noch so populär.
Die Handlung zu Bergmans Film dazu wie immer mysteriös und für mich doch zunächst schwer zu erschließen, welche Aussage Bergman hierbei traf. Man könnte meinen ein Drama zweier Schwestern, die Einsamkeit des Menschen und die Entfremdung jener. Es fühle sich so an, als wäre man in einer gottlosen Welt gefangen. In einer Welt ohne Hoffnung: An einem fremden Ort, in einer fremden Stadt müssen Ester, ihre Schwester und deren Sohn Johan ihre Heimreise abbrechen, wegen der Lungenkrankheit Esters, so steigen sie in einem seltsam-leeren Hotel ab. Dort geraten sie in einen regelrecht Rausch und Sog von Hass und sexueller Begierde.
Eine besondere Bekanntheit gewann Bergmans Film selbstredend auch wegen seiner Darsteller bzw. um noch zu ergänzen, wegen der wohl damals höchst-anstößig betrachteten Masturbationsszene von Ingrid Thulin, welche wohl für die größten Aufschreie im Publikum sorgte. Thulin liefert natürlich auch abseits davon eine erstklassige Leistung ab als Sterbenskranke Ester, faszinierend wie auch mitreißend von ihr gespielt und mit einer unglaublichen Intensität. Absolut grandios. So aber auch Gunnel Lindström als ihre Schwester Anna, welche im Zwist mit ihrer Schwester liegt und gerade jener Hass bzw. Verachtung scheint bei dem Spiel der Beiden förmlich spürbar, sodass es erstaunt. Und der freundlicher Kellner (bzw. Hakan Jahnberg) der Beste darin, wenn es um Mysterien und Unverständlichkeit geht, auch hier faszinierend. Unerwähnt möchte ich dazu nicht den jungen Jörgen Lindström lassen, welcher hierbei den Part des 8-Jährigen Sohn von Anna Johan übernimmt, der dem Anschein nach hier als Schlüsselfigur zwischen den beiden Schwestern dient. In jedem Fall ein großartiges Talent, welches Lindström zeigt und es sogar schafft einige sehr einprägende Momente mit seinem Spiel zu kreieren.
Wie der Titel des Film schon andeutet, Bergman braucht nicht viele Worte um die Ängste und die Hilflosigkeit seiner Figuren darzustellen, jeder Dialog scheint wohl bedacht und intensiv beleuchtet von Bergman, hintergründig seine Charaktere dabei. Und jene Sprachlosigkeit mag dabei doch irgendwie entfremden und doch weiß Bergman hier erneut die Faszination und das Interesse an seinem Werk konstant aufrecht zu erhalten. Insofern kann man sein Werk als eine erschütternde Studie zweier Schwestern sehen. Gerade in Hinsicht seiner Handlung muss ich doch zugeben, dass ich hier wohl den flüssigsten Einstieg in einem Bergman-Film tätigte, wodurch ich mich dann vollkommen der Intensität seines Werkes hingeben konnte und mich nicht losreißen konnte. Natürlich sollte genau jener Aspekt nicht vergessen werden, welcher seinen Film wahrscheinlich bis heute so bekannt macht, die recht drastisch und explizit dargestellten Sexszenen, welche an sich doch durchaus auch angereichert sind mit Symbolik, so aber auch damals noch herzlich provokant. zudem zeichnet sich in Bergmans Werk eine fast sonderbar wirkende Form von Kälte ab, vielleicht verstörend, aber auch insgesamt von einer ungeheuren Kraft. Und gerade diese Kälte verstärkte bei mir doch dieses Gefühl der Verwirrung und der Hilflosigkeit in diesem Film, unheimlich und mysteriös könnte man sagen. Dazu mit einer einmaligen Atmosphäre gefilmt, von der Kamera (wie auch Bergmans Regie nebenbei) präzise und detailliert gehandhabt, schon wieder nahezu perfekt (Kamera nun mal: Sven Nykvist), irgendwie bedrohlich und gleichzeitig herzlos-kalt, außerdem schonungslos bebildert, absolut berauschend. Größtenteils auch nochmal in Bezug auf verschiedene Symbolik, in Hinsicht des bizarren Hotels, in welches die Schwester absteigen, interessant gemacht. Dabei stachen für mich besonders jene Szenen hervor, in denen Johan dieses seltsam-befremdliche Hotel erkundet, irgendwie einmalig.
Auch wenn mir letztlich "Das Schweigen" schwer zu zugänglich scheint und insgesamt im vollen Maße für mich schwer zu verstehen bzw. deuten scheint, wenn dies wie oft erwähnt bei Bergman überhaupt möglich ist. Also seine Werke im Ganzen zu erfassen. Denn auch mag es viele Details geben, die vielleicht bei der ersten Sichtung noch im unklaren bleiben. Es ist wie das Ticken einer Uhr, welches man nicht vergessen kann, grandios unterlegt. Es ist halt Bergman.
"Warum guckst du mich immer an?" - "Ich guck deine Füße an." - "Und wieso?" - "Die gehen immer mit dir rum, ganz von selber. "
Abschließend bleibt mir dann nur noch zu sagen, dass "Das Schweigen" ein weiteres brillant bzw. tiefgründig gestaltetes, provokantes und virtuos gemachtes Kunstwerk von Ingmar Bergman ist, mit einer großartigen Ingrid Thulin. Somit werden weitere Sichtungen, mit Spannung verfolgt.
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fkfilmkritik Mon, 30 Jan 2012 16:21:35 -0000
Antwort löschenSchön! Schau dir unbedingt "Persona" an, btw. :)
Sigmund Mon, 30 Jan 2012 16:32:06 -0000
Antwort löschenEin würdiger Abschluss Deiner feinen Bergman-inMemoriam-Trilogie! ^^
hoffman587 Mon, 30 Jan 2012 17:00:51 -0000
Antwort löschen@fkfk: Danke und wird dann auch versucht zu sichten, wurde mich daher wahrscheinlich nicht umsonst als einer der Größten von Bergman beschrieben. :)
@Sigmund: Danke, hab da mein bestes versucht. Ich deke insofern, habe ich auch eine kleine Schwäche für solche Triologien, mal sehen ob ich mir da demnächst nicht wieder was überlege.^^
filmschauer Mon, 30 Jan 2012 17:35:24 -0000
Antwort löschenInteressant, die genannten drei Filme waren auch meine ersten Begegnungen mit Bergman (neben dem ebenso empfehlenswerten "Das Lächeln einer Sommernacht").
hoffman587 Mon, 30 Jan 2012 18:06:23 -0000
Antwort löschen@filmschauer: Das ist nun beileibe ein wahrscheinlich interessanter Zufall/oder doch noch etwas anderes. Nun gut aber danke für den Tipp, auch wenn jener schon vorgemerkt ist, durch die Zusatzausstattungen der Filme, welche einige Trailer enthielten zu verschiedenen Filmen.
Jenny von T Mon, 30 Jan 2012 20:52:26 -0000
Antwort löschenSeine imho besten Filme ("Persona", "Schreie und Flüstern" und "Die Stunde des Wolfs") fehlen dir noch, insofern hast du weiter Grund zur Vorfreude, würde ich sagen.
hoffman587 Mon, 30 Jan 2012 21:09:52 -0000
Antwort löschen@Jenny: Nicht ganz "Vargtimmen" war sogar der erste Bergman, den ich damals gesehen habe und den ich heute zunächst immer als meinen Liebling benenne, mit dem anderen Werk hast du dennoch recht, obwohl die Frage ist kann man sich da überhaupt freuen bei solch intensiver Seelenqual?;-)
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Jenny von T Mon, 30 Jan 2012 21:24:42 -0000
Antwort löschenEntschuldige, ich wusste nicht, dass du "Vargtimmen" bereits kennst. Naja, umso wahrscheinlicher ist es wohl, dass dir die anderen beiden ebenfalls zusagen werden. Freuen, oh ja, definitiv, wenn man den Mut hat. Bergman ist oft nur auf den ersten Blick grausam, dafür auf den zweiten eine Offenbarung.
hoffman587 Mon, 30 Jan 2012 23:42:11 -0000
Antwort löschenDas ist dann immer eine Definitionsfrage, die man oft auch missverstehen kann, und das mit Offenbarung würde ich dann sogar glatt unterschreiben. :)
fkfilmkritik Fri, 07 Oct 2011 23:28:50 -0000
Kommentar löschenDie Gläser klirren. Der Panzer rauscht vorbei. Ein Mann sagt irgendwas. Der Atem rauscht. Die Schritte klackern. Man lege sich hin. Es sollte so um 22 Uhr sein, dunkel. Nicht um einen herum darf leuchten bis auf die daher flackernde Schwarz-Weiß-Substanz die sich da auf meinem 24 Zoll Bildschirm abspielt. Wenn dieses finstere die Dunkelheit gut umhüllt gebannt drauf starren und ein wunderbar abwegiges, intimes Drama erleben. Hier wird eine Stadt vorgestellt, obwohl das Ganze eigentlich nur in einem Haus spielt. Zwischendurch zieht die Kamera mal aus dem Fenster, aber sonst sinkt sie hinab, gleitet in die Zimmer. Scheint jede einzelne Situation der Atmosphäre und Handlung zu unterstreichen. Richtig eindringlich inszeniert und dabei schrullige, immer wieder auftauchende Einwohner die eine merkwürdig klingende eigene Sprache sprechen. Dabei erzählt der Film von einer impressiv so wie depressiv beschaulichen Schwester-Streit-Story. Nur noch abwegiger. Dabei ein Junge, der von Zimmer zu Zimmer schleicht. Der leise und still umherschleicht, der die Ruhe in den Film bringt. Die Neugier, die die Kamera gerne die Zimmer umkehren lässt. Es macht Spaß dem Knaben zuzusehen. Dem ganzen Film genauso.
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fkfilmkritik Wed, 12 Oct 2011 18:11:05 -0000
Antwort löschenMir geht es gerade genauso. ;)
ash-williams Thu, 21 Apr 2011 08:22:15 -0000
Kommentar löschenMüsste ich Ingmar Bergmans Das Schweigen mit einem Wort beschreiben würde ich das Wort "Intensiv" wählen. Durch die tolle Kameraführung, die grandiose Bildgestaltung in wunderschönen schwarz-weiß Bildern und die tollen Schauspielerinnen wird jede noch so banale Handlung ausdrucksstark. So habe ich mich ertappt wie ich mit offenem Mund auf das Bild gestarrt habe und das obwohl sich eine der Hauptdarstellerin lediglich die Haare kämmte, trotz der Banalität der Handlung fühlte ich mich in das Bild hineingezogen. Diese Intensität der Bilder ist auch nötig, da der Titel in diesem Film Programm ist und die Darsteller eher durch failed communication glänzen. Man erfährt nicht viel über die Personen, was einen auf der einen Seite stört, auf der anderen Seite aber auch dafür sorgt, dass man versucht jede noch so kleine Information wahrzunehmen, um die Protagonisten besser zu verstehen.Jedoch ist der Versuch die Charaktere zu verstehen zum scheitern verurteilt. Einziger Kritikpunkt: Das Ende ist etwas holprig, ich habe zwar keine Auflösung oder Begründung des Konflikts der zwei Schwestern erwartet, trotzdem hätte man das Ende etwas runder machen können. Es bleibt aber ein toller Film, welchen ich sicherlich noch häufiger sichten werde!
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BigDi Thu, 10 Feb 2011 23:24:53 -0000
Kommentar löschenIn einer Stadt, die nur ihre eigene Sprache spricht, machen zwei Schwestern eine notgedrungene Pause und sind sich im kleinen Hotelzimmer ferner als zwei Sonnen im Universum, wenngleich nicht minder flammend: Die eine an einer inneren Hitze verzweifelnd und röchelnd nach Atem schnappend, aufgefressen von unerwiderter Zuneigung und einer unheilbaren Krankheit und nur mit der Hand zwischen den Beinen kurzzeitig in einer labilen Glückseligkeit schwelgend, die andere eine zitternd-sinnliche Wärme ausstrahlend und durch ihr bloßes Dasein die Funken der Lust verströmend, fliehend vor einer kindlichen Angst, die mit einer Erkenntnis schwindet und einem zynischen Grinsen und provozierendem Gestöhne weicht. Und während sich zwei Menschen in den Hass schweigen, wandert der kleine Sohn der manifestierten Weiblichkeit durch das fast leere Hotel, erschießt Lilliputaner mit seiner Spielzeugpistole, pinkelt unbeobachtet an eine Wand und genießt die latente Faszination der stillen Welt, die in kunstvollen Bildern eingefangen wird, welche wie Ikonen der pulsierenden Ereignislosigkeit ins Bewusstsein ragen. Nackte Haut zum beinahe-Anfassen-können, hilfloses Wüten in ich-will-nicht-sterben-Moll und ein Hauch von Nichts an Handlung, dafür aber reines Leben, als kindliche Neugierde, erwachsene Grenz(über)schreitung und alter Frust, mal nüchtern im Lichte, mal berauscht im Halbdunkel, nach zuhörenden Ohren suchend und vor den peitschenden Worten fliehend, eigenartig, grotesk und dennoch: Menschlich, im Schönen wie im Schrecklichen. Ein Ungemütlichkeitsgenuss vom Feinsten.
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Le Samourai Sun, 22 Jul 2012 14:11:41 -0000
Antwort löschenSehr, sehr, sehr treffender Text!
BigDi Sun, 22 Jul 2012 14:40:12 -0000
Antwort löschenDanke dir!
cannibal83 Mon, 20 Dec 2010 09:31:27 -0000
Kommentar löschen"Das Schweigen" ist der fünfte Bergman den ich zu sehen bekam und es ist der der die üblichen Vorurteile gegenüber dem Regisseur am meisten bedient. Ein sehr zähes und teils auch wirklich langweiliges Werk das man hier geboten bekommt. Was es einem als Zuschauer schwer macht , trotz der einzigartigen und vollkommen emotionslosen Atmosphäre, an den Bildschirm gebannt zu bleiben.
Sicherlich brillant wie Bergman praktisch nur anhand von Bildern, ein detailgenaues Psychogramm der Schwestern erstellt (wobei ihm hierbei auch die 2 grandiosen Darstellerinnen unterstützen), andererseits vermisst man über die Laufzeit schon mehr als 1x so etwas wie eine "richtige" Geschichte.
Somit "nur" 7.0, weil Kunstwerk und Unterhaltung nicht so genial verknüpft sind wie es der schwedische Altmeister sonst kann. Ein wichtiges Stück Filmgeschichte stellt der Streifen trotzdem dar.
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Heiderditte Tue, 24 Nov 2009 14:23:57 -0000
Kommentar löschenOhne Tempo, geschweige denn Action sondern in langen düsteren schwarzweis Bildern zaubert hier Ingmar Bergmann eine derart heftige Atmosphäre den gesamten Film über dass mir fast schlecht geworden ist.
Sehr Anstrengend!
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JimiHendrix Sun, 08 Mar 2009 18:57:57 -0000
Kommentar löschenWenn man heutzutage diesen Film sieht, versteht man natürlich überhaupt nicht, warum sich alle so pikiert darüber gezeigt haben, was in dem Film dargestellt wurde.
Eine Frau die Mastubiert?..na und.
ABER man muss immer daran denken, was damals noch so alles unter "schmutzig" gelaufen ist...
Ich habe mir den Film ohne großes Vorwissen angeschaut und wurde schon zu Anfang von der besonderen Atmosphäre mitgerissen, die gekonnten schwarz/weiß-Bilder intensivieren die Mimik der Protagonistinnen so beeindruckend, dass man sie nicht so schnell vergisst.
Natürlich bietet der Film keine Action, sondern er setzt ganz auf Stilität und Tiefgang.
Ich muss gestehen, das es mir an manchen Stellen zu langatmig wurde.
Ein anstrengender Meilenstein von Ingmar Bergmann.
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Blonder Sun, 01 Mar 2009 17:41:34 -0000
Kommentar löschenAls der Film in den Sechzigern in die Kinos kam löste er durch seine freizügigen Erotik Szenen einen Skandal aus. Die dargestellten Sex-Szenen waren der Zeit ca. 5 Jahre voraus. Aus diesem Grund avancierte er zum Kassenschlager.
Die Handlung die in einem fiktiven Land mit einer fiktiven Sprache der Bewohner spielt, ist eine Reise in die menschliche Seele mit all ihren Abgründen. Die Hassliebe der Schwestern reißt den Zuschauer praktisch mit in den Abgrund.
Ingmar Bergmann gelingt es die Geschichte , die in kunstvollen schwarz-weiß Bildern verpackt ist, sehr mitreissend zu erzählen. Die Leistungen der Darsteller glänzen nicht durch die Dialoge, sondern viel mehr ist es ihre Gestik und Mimik die sie auszeichnet.
Ich hatte bis jetzt immer einen großen Bogen um Ingmar Bergman gemacht, weil ich dachte seine Filme seien zu langweilig. Aber so kann man sich täuschen, es sind nämlich einfach Kunstwerke. Ich schaue mir jetzt noch mehr Filme von Bergman an, denn wie es im Moment ausschaut werde ich bestimmt nicht entäuscht sein.
Kurz und schmerzlos: Der Film ist ein Meisterwerk eines revolutionären Regisseurs, den man sich unbedingt ansehen sollte.
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