Das Spinnennetz

Das Spinnennetz (1989), DE Laufzeit 196 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 21.09.1989

noch nicht bewertet

Diesen Film bewerten
Bewertung löschen
-
Kritiker
0 Bewertungen
Skala 0 bis 10
8.4
Community
11 Bewertungen
2 Kommentare
admin image admin trailer admin edit edit group memberships sweep cache Moviemaster:Movie

von Bernhard Wicki, mit Ulrich Mühe und Klaus Maria Brandauer

1918 – Theodor Lohse, ein junger Kriegsheimkehrer beginnt seinen Aufstieg. Skrupellos, opportunistisch und zu allem bereit, ist er ein ideales Mitglied für die rechtsextremistische Geheimorganisation. Weder vor Morden, auch nicht an seinem besten Freund, schreckt er zurück, noch stört ihn die homosexuelle Affäre mit einem Ranghöherem. Jedes Mittel ist ihm recht. Der jüdische Doppelagent Benjamin Lenz kennt als einziger Lohses Vergangenheit. Nur er kann ihm gefährlich werden. In einem mörderischen Kampf der beiden ungleichen Männer erkennt Lenz die ganze Erbärmlichkeit Lohses. Bevor Lenz flieht, rächt Lohse sich auf seine Weise an ihm…


Cast & Crew

Regie
Schauspieler

Kommentare (2) — Film: Das Spinnennetz


Sortierung

Schlegel

Kommentar löschen
Bewertung8.5Ausgezeichnet

Altbundesdeutscher Ausstattungsfilm und nicht der schlechteste. Nach Joseph Roth wird die Geschichte des blassen Emporkömmlings Theodor Lohse erzählt, der sich in den politischen Wirren der Weimarer Republik nach oben buckelt und nach unten tritt. Eigenschaftslos wie er ist, reflektiert er damit die Entwicklung einer ganzen Epoche. Wer sich vom "Weißen Band" vernachlässigt fühlt, sollte mal hier reinschauen. "Das Spinnennetz" holt weit aus und vereint die unterschiedlichsten Berliner Millieus mit dem pommerschen Landadel. Leider kränkelt Bernhard Wickis Epos daran, dass es die satirische Überzeichnung des Romans nicht ins Bild übertragen kann. Was geschrieben funktioniert, wirkt im Film allzu grob, zu unglaubwürdig und über die Jahre auch etwas muffig. Zudem verärgert der übermäßige Gebrauch der Zoomoptik. Aber sonst: Kraftvolles Erzählen mit allem was damals so Rang und Namen hatte, allen voran Ulrich Mühe (Lohse), Armin Mueller-Stahl und Klaus Maria Brandauer. In einer Nebenrolle ist Bildhauer und Altkommunist Alfred Hrdlicka zu sehen, gestorben am 5.12.09. Der Film war damals sogar für die Goldene Palme nominiert. Wetten, dass es ihn trotzdem nicht auf DVD gibt?

bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten

Schlegel

Antwort löschen

ah, jetzt doch.


8martin

Kommentar löschen
Bewertung10.0Herausragend

Man fragt sich, was ist genialer: die Romanvorlage von Joseph Roth oder die filmische Umsetzung von Bernhard Wicki. Dieses deutsche Epos von drei Stunden ist nicht nur ein spannender Film über den aufkommenden Nationalsozialismus, sondern auch ein hochgradig beeindruckender, weil er individuell eng an den Personen dran bleibt und vor allem deren Schwächen zeigt. Der Wille zu gesellschaftlichem Aufstieg mit allen Mitteln geht buchstäblich über Leichen. Man versteht, dass der Schoss immer noch fruchtbar sein kann, was manchmal auch mit Vitamin B beschrieben wird. Deshalb ist es ein wichtiger Film auch über Opportunismus und Wendehälse, ein Pflichtprogramm für jeden. Die Riege erstklassiger Schauspieler allen voran Ulrich Mühe, Klaus Maria Brandauer sowie Armin Mueller-Stahl überzeugt in jeder Hinsicht.

bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 1 Antworten

Bradbury

Antwort löschen

Interessante Frage! Ich denke der Roman ist genialer, ganz einfach weil er viele Dinge (Machtergreifung der Nationalsozialisten etc.), schon vorweg genommen hat. Fast schon prophetisch. Schön dass du Mühe's Leistung gewürdigt hast, Viele sahen und sehen ihn als Fehlbesetzung.