Das Summen der Insekten: Bericht einer Mumie
The Sound of Insects: Record of a Mummy (2008), CH Laufzeit 87 Minuten, Dokumentarfilm
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von Peter Liechti, mit Alexander Tschernek
Nach der Novelle “miira ni narumade” von Shimada Masahiko – auf Grund einer wahren Geschichte: Im tiefen Winter findet der Jäger S. im abgelegensten Waldstrich des Landes die Mumie eines etwa 40-jährigen Mannes. Aufgrund der minuziösen Aufzeichnung des Toten stellt sich heraus, dass der Mann im vorhergegangenen Sommer Selbstmord durch Verhungern begangen hatte. Eine sehr persönliche Annäherung an einen fiktionalen Text, welcher wiederum auf einer wahren Begebenheit beruht. Ein filmisches Manifest für das Leben – herausgefordert durch den radikalen Verzicht darauf.
Cast & Crew
-
Peter Liechti
-
Alexander Tschernek
Regie
Schauspieler
-
Peter Liechti
- Genre
- Dokumentarfilm
Drehbuch
Filmdetails Das Summen der Insekten: Bericht einer Mumie
Trailer zum Film Das Summen der Insekten: Bericht einer Mumie
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- Das Summen der Insekten: film-zeit.de
- Das Summen der Insekten: critic.de

















Kritiken (2) — Film: Das Summen der Insekten: Bericht einer Mumie
Hans Messias: http://film-dienst.kim-info... Hans Messias: http://film-dienst.kim-info...
Kommentar löschenTrotz des vordergründigen Sterbethemas ist der Film eine nachdenklich stimmende Auseinandersetzung mit dem Leben, das sich in letzter Konsequenz erhalten will und erhalten wird – auch wenn der Einzelne sich gegen den Lauf der Natur entscheiden sollte. Auf visueller Ebene wird keine Story präsentiert; der Filmemacher liefert vielmehr Bildfolgen, die im erzählerischen Kontext mit dem verlesenen Tagebuch und mehr noch mit dem Score – Naturgeräusche, Vogelgezwitscher, Grillenzirpen, Wind in den Bäumen, das Prasseln des Regens und eine feine Sphärenmusik – zu einer meditativen Reise in ein Neuland auffordert, von dem alle zwar wissen, dessen Existenz jedoch zumeist verdrängt wird. „The Sound of Insects“ ist ein hochkontemplativer Film, der eine große Bereitschaft abverlangt, weil er über das dargestellte Einzelschicksal hinaus mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert. Im Zusammenspiel von ausgesucht schönen Bildern, Geräuschen und der dezent hineingewobenen Musik entfaltet Liechti eine Mischung aus Requiem und Symphonie, die den Toten ehrt und zugleich das Leben feiert.
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Hendrik Bake: programmkino.de, Zitty Hendrik Bake: programmkino.de, Zitty
Kommentar löschenDen klaren poetischen Worten des Erzählers ist wenig hinzuzufügen und so beschränkt sich Peter Liechti auf Bilder, die bewusst offen bleiben. Neben verfremdeten Aufnahmen, die vage Assoziationen von großstädtischer Einsamkeit, komplexer Sexualität und orientierungslosen Nächten hervorrufen, hat Liechti vor allem Natur gefilmt. Immer wieder ist dieselbe Waldlichtung zu sehen und immer wieder der Blick gen Himmel durch eine dicke durchsichtige Plastikplane, die das Dach des Sterbelagers darstellen könnte. Mit der Zeit bilden die Blätter und Nadeln, die auf die Plane fallen, ein abstraktes Gebilde. Es ist ein schönes Symbol für die Dauer des Sterbens und eines der wenigen Bilder, die den ungeheuer starken Text wirklich bereichern können.
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Kommentare (2) — Film: Das Summen der Insekten: Bericht einer Mumie
Kommentar schreibenLaurini 2011/10/21 22:00:25
Kommentar löschenAn sich ist die Story gut, allerdings ist "Das Summen der Insekten,für mich, nicht wirklich ein Film, sondern eher ein Hörbuch mit komischen Bildern
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aiztur 2010/09/01 17:15:46
Kommentar löschenEin Jäger entdeckt im Wald eine Leiche, eine bis zur Unkenntlichkeit abgemagerte Mumie. Es ist das gründlich geführte Tagebuch dieser Mumie, das uns den Film über von einem sachlichen Erzähler in recht literarischen Ergüssen dargeboten wird. Es ist ein präziser Bericht über den eigenen Selbstmord - ein langsamer Tod durch bewusstes Verhungern. Untermalt wird dieses tagtägliche literarische Requiem durch Naturaufnahmen, speziell einer Lichtung im Walde (Ort des Selbstmordes) und mehr oder weniger schlüssigen küntlerischen Szenen. Ein rein auf literarisch-erzählender Ebene aufbauender Film also, der begleitend zu den täglichen Tagebuch-Einträgen künstlerisch-vage Bilder präsentiert. Ein qualvoller Tod durch Verhungern, der sich über zwei Monate erstreckt und beweist wie widerstands- und anpassungsfähig unser Körper ist, gleichzeitig aber Gedanken und Fragen über den Tod und noch mehr über das Leben aufwirft...
Filmisch besonders bestechend, dass man auf der Bildebene hier weder den Sterbenden noch sonst irgendetwas zu sehen bekommt, das auf den Hungertod hinweisen würde. Die Handlung, wenn man so will, bewegt sich rein im literarisch-erzählenden Raum, untermalt durch Bilder, die erst der Zuschauer mit Sinn und Bedeutung zu füllen hat.
Andererseits: Auf Dauer nervt und langweilt das dann schon allmählich, wenn Tag für Tag zwei Monate lang die doch recht ähnlichen Einträge verlesen werden. Auch so manche künstlerischen Bilder bleiben einfach zu abstrakt und diffus, sodass man sie kaum einzuordnen vermag. Eine persönliche Note - etwa durch einen Schauspieler oder wenigstens einer gefühlvoll-zerbrechlicheren Stimme - hätte den Film vielleicht etwas kurzweiliger und intensiver gestalten können.
Trotzdem: In entsprechender Stimmung, und wenn man die Bilder auf sich wirken lassen kann, dann ist dieser experimentelle Film von Peter Liechti über diesen einzigartig dokumentierten Selbstmord durch Verhungern in jedem Fall sehenswert! Mich jedenfalls interessiert jetzt erst einmal die ursprüngliche literarische Vorlage, da der Film doch mit einigen interessanten philosophischen Zitaten überraschen konnte...
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gestoertes-kind 2011/10/27 17:52:09
Antwort löschenDirector's statement:
<"THE SOUND OF INSECTS – Record Of A Mummy" ist keine Literatur-Verfilmung, sondern die filmische Inszenierung eines literarischen Textes.
Der dramatische Monolog des Selbstmörders X ist an niemanden gewandt, ist weder deskriptiv noch retrospektiv, sondern ganz auf den Moment bezogen. Da ist kein Lamento, kein Selbstmitleid, keine Sentimentalität, im Gegenteil, manchmal scheint gar eine unterschwellige (Selbst-)Ironie durch. Der Text drängt einem nichts auf, vertritt keine Moral und verzichtet auf jede Wertung; gerade dadurch trifft er sehr direkt.
X's Herkunfts-/Geschichtslosigkeit, seine Anonymität ist auch Chiffre für die allgemeine Entfremdung des Menschen in der globalisierten Welt; die Austauschbarkeit der wenigen "Charakteristika" seiner Persönlichkeit entspricht dem Lebensgefühl in einer durch und durch materialistischen Gesellschaft. Zum lebendigen, fassbaren Individuum – auch für sich selbst – wird er erst durch seine ausserordentliche Leidensfähigkeit und den monströsen Masochismus seiner Tat. Gerade der Selbstmord durch Verhungern sei eine höchst persönliche Todesart, schreibt X in sein Tagebuch, weil man so für lange Zeit nur mit sich beschäftigt sei.
Der Akt des unbekannten Toten stellt schliesslich auch eine Form radikalster Verweigerung dar: Totaler Rückzug aus dem Getriebe der Leistungs-Gesellschaft, die vollkommene Verweigerung des Konsumierens, des Mitmachens, der Hetzerei in diesem Leben.
Die unterschwellige Kritik am zeitgenössischen Materialismus ist evident. Shimada stellt damit die klare Forderung, selber eine Haltung einzunehmen gegenüber der einmaligen Möglichkeit des Lebens. Die Abwesenheit jeglicher Stellungnahme durch den Autor bietet keinerlei Trost oder Versöhnung, sondern überlässt die Antworten auf die irritierenden Fragen ganz allein dem Zuschauer.
Darin liegt für mich die tiefere Provokation dieser Geschichte; sie weckt nicht nur Mitgefühl, sondern vor allem - ohne jedes Moralisieren – das Bedürfnis, zu widersprechen und den Wert des eigenen Menschseins zu behaupten.>