Das Tagebuch der Anne Frank

The Diary of Anne Frank (1959), US
Laufzeit 152 Minuten, FSK 12, Historienfilm, Drama, Kinostart 28.08.1959

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- Kritiker
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von George Stevens, mit Millie Perkins und Joseph Schildkraut

Auf der Flucht vor dem Horror des Nazi-Regimes verstecken sich Otto Frank, seine Frau und ihre Kinder Anne und Margot auf dem Dachboden eines Amsterdamer Herrenhauses. Zusammen mit ihnen lebt die Familie Van Daan mit ihrem Sohn Peter und der Zahnarzt Dussel. Mehr als zwei Jahre lang erleiden sie drangvolle Enge, panische Angst, Spannungen und Konflikte – und jederzeit hängt die Todesdrohung einer Entdeckung durch die Gestapo über ihrem Leben. In ihrem weltberühmten Tagebuch beschreibt die 13jährige Anne ein schier unbeschreibliches Miteinander von Menschen, die jede Sekunde um ihr Leben fürchten und dennoch ein “ganz normales” Leben zu spielen versuchen.

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Kommentar — Film: Das Tagebuch der Anne Frank

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Sigmund

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Bewertung3.0Schwach

Wie erschreckend kraftlos mein Lieblingsmedium doch sein kann, wenn es ihm nicht gelingt, den Blick unter die Oberfläche freizulegen.
Dieser George-Stevens-Film glänzt mit gutem Schauspiel und sorgfältiger Kamera, trifft das Wesen von Anne Frank aber genauso wenig wie das allseits bekannte, brav-biedere Lächelfoto der jungen Anne über ihrem Tagebuch (siehe auch "Bilder").
Ich habe das als Schul-Lektüre unterschätzte Buch erst vor zwei Jahren wegen eines Amsterdam-Besuchs zum ersten Mal gelesen und konnte kaum fassen wie rebellisch, klug und freigeistig die damalige Teenagerin schrieb. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass mich kein Buch (inkl. Dostojewski) mehr berührt und fasziniert hat als dieses.
Die vielschichtigen Beobachtungen der 13-jährigen, ihr hellsichtiger, kritischer Blick u.a. auf ihre Mutter und auf die Falschheit manches Mitmenschen, ihr Wortwitz und ihre innere Zerrissenheit, aber auch ihr aufrichtiges Mitgefühl, ihre erste, enttäuschte Liebe und selbst ihre erwachende Sexualität – all das ist so lebendig, ergreifend und oft überraschend witzig geschrieben, dass ich dieses Tagebuch nicht nur als tief bewegendes Dokument sondern auch als überragendes Stück Literatur ansehe.
Umso enttäuschender der Film, der seiner 50er Jahre Entstehungszeit gemäß ein 08/15 Bild eines leidlich frechen Backfischs zeichnet, ihr eine glückliche Liebe andichtet und auch noch die letzte offene Frage, z.B. nach dem Verräter des Verstecks, platt und obendrein historisch falsch beantwortet.
Drei Oscars gab es trotzdem.

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