Das Turiner Pferd - Kritik

CH/DE/FR/HU 2011 Laufzeit 146 Minuten, Drama, Kinostart 15.03.2012

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Kritiken (9) — Film: Das Turiner Pferd

alexandra seitz: Berliner Zeitung, tip, ray ... alexandra seitz: Berliner Zeitung, tip, ray ...

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9.0Herausragend

Entweder lässt man sich mitnehmen in eine karge, aus Routinen zusammengesetzte Welt, die allmählich immer komplexer und weiter wird, weil sie dem Denken Räume eröffnet – oder man bleibt außen vor.

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Christoph Egger: Neue Zürcher Zeitung Christoph Egger: Neue Zürcher Zeitung

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4.0Uninteressant

Wo der Wurm der Lächerlichkeit einmal drinsitzt, da hat der Tiefsinn immer schon verloren. Hier geschieht das Unheil bereits am ersten Tag, beim Essen, das auch künftig einzig aus dampfend heissen geschwellten Kartoffeln bestehen wird.

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A. Busche: der Freitag A. Busche: der Freitag

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8.0Ausgezeichnet

Vieles spricht dafür, dass „Das Turiner Pferd“ tatsächlich einen Schlusspunkt im filmischen Schaffen Béla Tarrs setzt. Er ist ein in jeder Hinsicht endgültiges Statement.

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H.P. Koll: film-dienst H.P. Koll: film-dienst

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9.0Herausragend

Das Turiner Pferd ist die Konsequenz eines auf das Notwendigste reduzierten Minimalismus, der allein durch seine visuelle Archaik vor jeder Banalität bewahrt wird. Die betörende Fotografie erschafft ihr eigenes Universum abseits platter Erklärungsmuster, sie ist konkret und zugleich visionär, voller Sinnbilder und absoluter Metaphern.

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Scott Tobias: The Onion (A.V. Club) Scott Tobias: The Onion (A.V. Club)

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9.5Herausragend

Das Turiner Pferd ist von polierter Schönheit, die ehrfurchtgebietend ist, wie ein klares Fenster in eine weit entfernte Welt, das an Angeln baumelt und dann in den Abgrund herabstürzt.

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Joe Neumaier: New York Daily News Joe Neumaier: New York Daily News

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6.0Ganz gut

Dieses stille Drama ist nicht für jeden geeignet. Dies könnte selbst für Fans des ungarischen Regisseurs Bela Tarr gelten, dessen sparsame und anturalistische Filme, nun ja, ermüdend sein können.

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Peter Debruge: Variety Peter Debruge: Variety

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8.0Ausgezeichnet

Obwohl reif an metaphorischer Interpretierbarkeit, gibt das schlanke Setup - das Schicksal eines geschlagenen Pferdes - Arthouse-Publikum wenig zum Haftenbleiben und wird Kinobetreibern wie Festivalchefs vor die Willensprobe stellen, den Film in ihre Kalender einzutragen.

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A.O. Scott: New York Times A.O. Scott: New York Times

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9.5Herausragend

Das Turiner Pferd ist zu schön, um es als Tortur zu bezeichnen, aber es ist hinreichend intensiv und unnachgiebig, dass man, wenn der Film zu Ende ist, Ehrfurcht fühlt - und Erleichterung. Was wie ein Grund klingen könnte, dem Film fern zu bleiben, aber es ist genau das Gegenteil.

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Andrew O'Hehir: Salon.com Andrew O'Hehir: Salon.com

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7.0Sehenswert

Ich verließ das Kino seltsam beschwingt - das Tageslicht zu sehen war so schön [...]! Tarrs Filme können anstrengend sein und auch quälend, aber sie sind nie langweilig. Sie zu sehen ist wie der Besuch eines fantastischen Kunstmuseums und eine eiskalte Dusche - beides zur selben Zeit genossen.

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Kommentare (27) — Film: Das Turiner Pferd


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CatafalqueForFallenFlies

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Bewertung9.5Herausragend

Ein von jeder Konvention befreites Kammerspiel-Monstrum am Ende jeder Zeit. Entfärbt, archaisch, trostlos und zutiefst alptraumhaft. Das Turiner Pferd hat mich verstört. Und verzaubert. Vielleicht bereichert. Zumindest kreisen solche Begriffe nun durch meinen Kopf und versuchen diesem Werk verzweifelt gerecht zu werden. Eigentlich können sie nur scheitern und ich weiß nicht so recht weiter. Ein Eindruck, der mich fortan stets ereilen, oder vielmehr heimsuchen wird, wenn ich über diesen Filme spreche und es fühlt sich richtig an. "This is the way it was until the final victory. Until the trimphant end. Acquire, debase, debase, acquire."
Vielleicht ist es so. Irgendwann umarmen wir alle dieses Pferd. Jeder für sich. Mehr Worte gibt und braucht es diesmal wohl nicht…

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CatafalqueForFallenFlies

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Das ist auch noch weit mehr Geschmackssache und vor allem stimmungsabhängiger, als bei vielen anderen Filmen, selbst im Arthaus-Bereich. Da kann man nur drauf hoffen, dass es einen packt und ich könnte auch jeden verstehen, der das als gähnende Monotonieschleife empfindet, aber das macht ja manchmal auch Qualität aus :D


jacker

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Ich werde mir das auch für ganz ruhige Momente aufsparen..


Aufgabe

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Bewertung9.0Herausragend

die einzige wahre realität von endzeit! alles andere ist jetzt ringelpiez mit anfassen.

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dannydiaz

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Bewertung9.5Herausragend

Was für tolle Kommentare hier stehen. Erstmal bin ich doch noch beeindruckter von einem Film, wenn man hier liest zu was für interessanten Gedanken er führt.
Mit dem Film verhält es sich wohl wie mit dem Lesen von Nietzsche an sich. Es lohnt sich in jedem Fall. Wenn man das kennt und gelesen hat worauf er aufbaut und was er dekonstruiert und zerstört, dann lohnt es sich umso mehr.
Vielen wird dieser Film wenig geben, (man erkennt sie hier an den flapsigen Kommentaren), jedoch wird jeder der ihn gesehen hat wohl die immense Kraft gespürt haben, die von ihm ausgeht, auch wenn man nocht nicht ganz greifen kann.
Auch auf der Basis des reinen KonsumCineasmus ist dieser Film eine Lohnswerte Lektion. Den berauschenden Klang des Film hat man noch Stunden später im Ohr und auch visuell ist er eine Reise durch ein schwarzes Wurmloch in eine noch unentdeckte Welt.

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Absurda.

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Bewertung9.0Herausragend

Bei all den Kommentaren hier habe ich eigentlich einen absoluten filmischen Untergang erwartet, einen Film, in dem alles erlischt und nichts mehr existiert.
Genau das bekam ich auch, nur in einer viel grausameren Form als erwartet, denn der Untergang findet nicht draußen statt, nicht im Kosmos, nicht in irgendeiner Dimension fernab unseren Verstandes. Der Untergang findet in uns statt. Was zuerst stirbt, ist die menschliche Seele, im schlimmsten Falle (wie im Film) vor dem menschlichen Körper. Der innerliche Tod des Menschen ist der grausamste von allen. Da wirkt es wie eine Ironie des Schicksals, wenn ein Pferd als einziger wahre Gefühle zeigt, als er merkt, dass er krank ist (oder ist es mir nur vorgekommen, als hätte es geweint?).

Wenn ich mir in Zusammenhang mit dem Film nochmal Nietzsches Aussage "Mutter, ich bin dumm!" auf der Zunge zergehen lasse, merke ich auch, dass wir alle dumm sind und ich glaube, das ist das, was Tarr uns eigentlich in jedem seiner Filme sagen wollte: Wir Menschen sind dumm.
Der Vater und die Tochter im Film stehen hierbei repräsentativ für die menschliche Dummheit. Hierbei liegt die Dummheit keineswegs im Mangel an Wissen (und jetzt mal ehrlich: Leiden wir nicht alle an diesem Mangel?), sondern im Mangel an Liebe. Der Mensch ist nicht mehr in der Lage zu lieben.
Genau das macht 'Das Turiner Pferd' auch so grausam. Wenn Vater und Tochter gegenüber sitzen und sich nichts mehr zu sagen haben, merken wir: DAS ist das wahre Ende unseren Seins. Es ist kein einschlagender Meteorit, auch kein auf zurasender Planet, es ist der Mensch an sich, weil er mit jeder einzelnen Geste der Verachtung, mit jedem Fünkchen Hass einen Pakt mit dem Teufel schließt und wenn man am Ende sieht, wie Vater und Tochter nicht mal mehr in der Lage sind, sich in die Augen zu sehen, merkt man: Das ist die Hölle, die Hölle unseres Daseins!
Béla Tarr hat sein Mission erfüllt. Jetzt müssen wir selbst sehen, was wir daraus machen...

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Louis Cyphre

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Bewertung10.0Herausragend

Droge, Ritual, Moloch Angst und Fiebertraum - ein Strudel in die Finsternis.
„Mutter, ich bin dumm!“

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MrKatsumi

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Ohne Makel.

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KilianPai

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Bewertung9.0Herausragend

Man sollte die Wörter "Tristesse" und "Hoffnungslosigkeit" aus dem Duden streichen, und stattdessen nur noch "Das Turiner Pferd" sagen. Es kommt der Bedeutung der Wörter näher als die Wörter selbst. ;)

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ThickGlasses

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

146 Minuten saß ich gebannt vor dem Bildschirm.146 Minuten wehte mir ein eiskalter Wind durch das Gesicht. 146 Minuten brannten sich mir die tristen - ja postapokalyptischen Bilder der schier endlosen Einöde ins Gehirn, deren bedrückende Wirkung nur von ihrer wahnsinnigen Ästhetik übertroffen wurde. Völlig Gefühlsleer hatte ich nach Filmende das Bedürfnis irgendjemanden anzurufen, damit er oder sie mir etwas sagt, worüber ich lachen könnte oder das Haus zu verlassen, um der erstbesten Person einen schönen Tag zu wünschen. Meiner Meinung nach sollte es genau das sein, was "Das Turnier Pferd" bei einem Menschen auslösen sollte; Neue Hoffnung in der Hoffnungslosigkeit. Dieser Film führt dem Zuschauer schonungslos eine trostlose Festgefahrenheit und Stumpfsinnigkeit vor Augen, die in der Lage ist einen Menschen zu brechen. Jeden Tag wiederholen sich die routinierten, immer gleichbleibenden Tätigkeiten der beiden Protagonisten (Vater und Tochter) und gegen Ende will man nur laut schreien: "Stop! Halt! Bitte Bitte keine Kartoffeln mehr und geh bloß nicht mehr zum Brunnen um Wasser zu holen! (wobei, zum Brunnen könntest du schon nocheinmal gehen, da es jedesmal eine Augenweide ist und ich am liebsten Screenshots im Sekundentakt machen würde)". Ich persönlich bin absolut begeistert von "Das Turnier Pferd" und kann ihn nur jedem empfehlen, der sich auf eine an den Kräften zehrenden und langwierigen Reise einlassen kann und der etwas übrig hat für triste Endzeitszenarien. Zeit und Raum werden ausgelotet und alles, wirklich alles kommt zu einem absoluten Stillstand. Abschließend will ich mit einem meiner Meinung nach sehr passenden Zitat enden und jedem ans Herz legen sein Leben anhand dieses Zitats und des Films zu hinterfragen:)

"Das Geheimnis des menschlichen Seins besteht nämlich nicht darin, dass man lediglich lebt, sondern darin, wofür man lebt. Hat der Mensch keine feste Vorstellung von dem Zweck, für den er lebt, so mag er nicht weiterleben und vernichtet sich eher selbst, als dass er auf der Erde bleibt.“ (Dostojewski, Die Brüder Karamasow)

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Moviefan29

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Und vorgemerkt :) Danke!


ThickGlasses

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sehr gerne;)


jollyroger

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

"They stopped at this point and had to understand, and had to accept that there is neither god nor gods."

"A Torinói ló" ist die verfilmte Anti-Unterhaltung.

Hier wird nichts, aber auch gar nichts erklärt, Sehgewohnheiten des Publikums werden komplett ignoriert oder gar ins Gegenteil verkehrt, hier gibt es keine Vergebung, keine Hoffnung, keine Erlösung, nur noch das Nichts, das Ende.

Die Schlussszene in ihrer unglaublichen Düsterkeit und Ausweglosigkeit wird mich sicher noch eine Weile beschäftigen.

Ich hoffe wirklich, das das nicht Tarrs letzter Film ist, auch wenn er es schon mehrfach angekündigt hat.

2 Fragen noch (Spoiler offensichtlich):

1) War das nur mein Eindruck, oder weht gegen Ende tatsächlich Asche durch die Außenszenen und nicht mehr Blätter? Ich hab am Anfang drauf geachtet, da waren das definitiv Blätter, beim Ende bin ich mir nicht sicher - im Kontext des Filmes würde es sicherlich passen.
2.) Ist jemand des Ungarischen mächtig und kann mir sagen, ob die Untertitel in der Zigeunerszene korrekt waren? Irgendwie wirkten die Untertitel seltsam unpassend zum Rest der Szene, das kann natürlich auch Teil der Inszenierung sein, schien mir aber seltsam.

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row-t

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Auch wenn es sehr schade ist, dass Tarr keinen Film mehr dreht, "Das Turiner Pferd" ist aber auf alle Fälle der perfekte "Abschlussfilm". Wenn die Welt untergehen würde und man nur noch einen Film sehen könnte, dieser wäre am besten geeignet dafür. Er ist wohl "der" Abschlußfilm schlechthin. Das habe ich mir bei "Melancholia" schon gedacht, aber "Das Turiner Pferd" setzt noch einen drauf...


jollyroger

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@Jenny schade wegen (1) das hätte mir im Nachhinein richtig gut gefallen..:)

Wegen den Zigeunern kuck ich heute abend noch mal in die Szene rein, vielleicht machen die Dialoge dann mehr Sinn.


FredFuchs

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

Vorsichtiges oeffnen von wasserflaschen und rascheln des feuilletons - genauso konsequent anachronistisch wie die filme selbst ist auch die publikumserfahrung.
"The turin horse" bildet einen wunderbaren schlusspunkt zu Tarrs aussergewoehnlichem oeuvre. Die meditative beobachtung der conditio humana als zentraler dreh- und angelpunkt, inszeniert als triste zeitschleifen wie daueranschlaege in moll. So minimalistisch wie noch nie zuvor stellt er uns vor ein s/ w diorama des taeglichen lebens bar jeglicher information die dem zuschauer sonst so aufgesetzt einen zugang zu den figuren ermoeglichen - in der methodik schon beinahe bindend nahe an avantgardistischen leistungen wie chantal akerman's "Jeanne Dielman, 23 Quai du Commerce, 1080 Bruxelles".
Wie gewohnt komplementiert die eindrucksvolle cinematographie den kargen inhalt hin zur formellen perfektion und oftmals wird einem die genialitaet der kompositionen erst nach minuten von zeitlupenartigen dollybewegungen und zooms bewusst.
Tarr loest sein kino von jeglichen stoerfaktoren, streift alles ueberfluessige ab und verlaesst sich vollkommen auf die puristisch - urspruengliche kraft seiner inszenierung. Ueberdies spannt er stets eine inhaerente dramaturgie und verfaellt nie auf die rein formulaisch experimentelle seite des schaffens. Jenes entgegenwirken saemtlicher konditionierung des modernen publikums macht ihn sicherlich zu einem gewissen grad zum filmemacher des filmkritikers aber in seiner perfektion gleichzeitig auch zu einem der 2-3 bedeutendsten und hoffentlich stilpraegendsten regisseure der gegenwart.

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Reiner Humbug

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Bewertung0.5Schmerzhaft

Ein unglaublich langweiliger Film.

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Jenny von T

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:-D


ShayaNova

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lol


fleeting

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Bewertung9.0Herausragend

Kein Film hat mich jemals mit derart widersprüchlichen Gefühlen zurückgelassen wie "Das Turiner Pferd"...
Formal ist "A Torinói ló" ein Meisterwerk! Die großartige Komposition der Bilder, das kunstvolle Spiel mit Licht und Schatten, die herausragende Kameraführung, die mehr als beeindruckenden schauspielerischen Leistungen, die sich nahtlos ins Thema der Wiederholung einpassende monotone Filmmusik... alles in diesem Film ist perfekt! Er nimmt sich die Zeit, die er braucht, handelt entgegen jeglicher Erzählkonventionen. Ausziehen, Anziehen, Feuermachen, Kochen, Essen, Wasserholen; dann wieder Ausziehen, Anziehen, Feuermachen, Kochen, Essen, Wasserholen. Es sind diese einfachen alltäglichen Handlungen, die immer und immer wieder gezeigt werden und den Zuschauer gleichermaßen faszinieren wie auch ermüden. Was das Leben dieser zwei Menschen bestimmt ist Eintönigkeit, Monotonie, Stille, Langsamkeit. Das Schockierende daran ist nicht die blanke Armut, in der sie gefangen sind, sondern die Art und Weise, wie sie mit dieser Armut umgehen: stoisch, kühl, kraftlos, irgendwie desinteressiert. Desinteresse an allem: an der Welt, der Zukunft, dem Gegenüber. Das Einzige, was die äußere Kälte bekämpfen könnte, das Einzige, was noch Leben einhauchen könnte in dieses triste, totenähnliche Dasein, wäre zwischenmenschliche Nähe. Doch auch die gibt es nicht. Wärme, Liebe, Zuneigung, Sympathie, ein freundliches Wort, ein mitfühlender Blick - nach all dem sucht man vergeblich in diesem Film. Er wird bestimmt von Leere. Und genau das ist es, was ihn so einzigartig macht. "Das Turiner Pferd" schafft es, dieses "Nichts" einzufangen. Er zeigt nicht Resignation, Verzweiflung oder Trauer, sondern einfache, nichtssagende Gleichgültigkeit. Besser kann man das Gefühl der Leere nicht darstellen!
Aber da ist noch etwas anderes in diesem Film. Es ist das Gefühl der Bedrohung, das Gefühl eines nahen und unausweichlichen Weltuntergangs. Und genau an dieser Stelle wird "A Torinói ló" problematisch. Dies wird besonders im Monolog des Besuchers deutlich:

"I've run out of palinka. Would you give me a bottle?"

"Why didn't you go into town?"

"The wind's blown it away."

"How come?"

"It's gone to ruin."

"Why would it go to ruin?"

"Because everything's in ruins, everything's been degraded, but I could say that they've ruined and degraded everything. Because this is not some kind of cataclysm, coming about with so-called innocent human aid. On the contrary... It's about man's own judgement, his own judgement over his own self, which of course God has a hand in, or dare I say: takes part in. And whatever he takes part in is the most ghastly creation that you can imagine. Because, you see, the world has been debased. So it doesn't matter what I say, because everything has been debased that they've acquired. And since they've acquired everything in a sneaky, underhand fight, they've debased everything. Because whatever they touch - and they touch everything - they've debased. This is the way it was until the final victory. Until the trimphant end. Acquire, debase, debase, acquire. Or I can put it differently if you like: To touch, debase and thereby acquire, or touched, acquire and thereby debase. It's been going on like this for centuries. On, on and on. This and only this, sometimes on the sly, sometimes rudely, sometimes gently, sometimes brutally, but it has been going on and on. Yet only in one way, like a rat attack from ambush. Because for this perfect victory, it was also essential that the other side... everything that's excellent, great in some way and noble, should not engage in any kind of fight. There shouldn't be any kind of struggle, just the sudden disappearance of one side, meaning the disappearance of the excellent, the great, the noble. So that by now these winning winners who attack from ambush rule earth, and there isn't a single tiny nook where one can hide something from them, because everything they can lay their hands on is theirs. Even things we think they can't reach - but they do reach - are also theirs. Because the sky is already theirs and all our dreams. Theirs is the moment, nature, infinite silence. Even immortality is theirs, you understand? Everything, everything is lost forever! And those many noble, great and excellent just stood there, if I can put it that way. They stopped at this point, and had to understand, and had to accept, that there is neither god nor gods. And the excellent, the great and the noble had to understand and accept this right from the beginning. But of course, they were quite incapable of understanding it. They believed it and accepted it but they didn't understand it. They just stood there, bewildered, but not resigned, until something - that spark from the brain - finally enlightened them. And all at once they realized, that there is neither god nor gods. All at once they saw that there is neither good nor bad. Then they saw and understood that if this was so, then they themselves do not exist either! You see, I reckon this may have been the moment when we can say that they were extinguished, they burnt out. Extinguished and burnt out like the fire left to smoulder in the meadow. One was a constant loser, the another was the constant winner. Defeat, victory, defeat, victory, and one day - here in the neighbourhood - I had to realize, and I did realize, that I was mistaken, I was truly mistaken when I thought that there has never been and could never be any kind of change here on earth. Because, believe me, I know now that this change has indeed taken place."

Es ist nicht einfach nur Gott, der hier die Welt zerstört; es sind die Menschen selbst. "Our starting point was Nietzsche's sentence, 'God is dead'. This character says, 'We destroyed the world and it's also God's fault', which is different from Nietzsche. The key point is that the humanity, all of us, including me, are responsible for destruction of the world. But there is also a force above human at work – the gale blowing throughout the film – that is also destroying the world. So both humanity and a higher force are destroying the world." (Béla Tarr) Aber was genau ist diese destruktive Kraft innerhalb der Menschheit? Im Weltbild des Besuchers gibt es zwei klar voneinander getrennte Seiten: Auf der einen Seite stehen "the excellent, the great, the noble", auf der anderen diejenigen, die alles zerstören. Er sagt zwar, es gäbe kein Gut und Böse, seine Zweiteilung der Menschheit impliziert aber genau das: Auf der einen Seite stehen die Guten und auf der anderen die Bösen. Und am Ende siegt natürlich das Böse. Und die Guten schauen dabei zu. Der einzige Ausweg ist hier Auslöschung, Zerstörung, Vernichtung der gesamten Menschheit. Erst dieser "letzte Sieg" bringt wahre Veränderung. Alles Vorherige ist nichts als montonone Wiederholung, endloses Auf und Ab, ewiger Kreislauf aus Schaffen und Zerstören, Gewinnen und Verlieren, Aufbruch und Niedergang. Alles, was der Mensch berührt, fällt am Ende in sich zusammen. Die Menschheit als "the most ghastly creation that you can imagine". Hoffnung und Glückseligkeit, so scheint es, kann es nur im Jenseits geben. Im Hier und Jetzt ist kein Platz dafür. Es ist genau diese Weltsicht, die "A Torinói ló" zu einem zutiefst anti-emanzipatorischen Film macht. Menschen tun hier nichts als abzuwarten, ihr Schicksal zu akzeptieren und dem Lauf der Dinge schweigend zuzusehen. Veränderung ist hier etwas, das außerhalb des menschlich Machbaren liegt. Menschen sind hier nicht mehr die Urheber dieser Welt, sondern bloße Spielbälle einer übermächtigen Kraft, die sie selbst nicht beeinflussen können. All dies lässt jede progressive Forderung schon im Keim ersticken.
Und wer sind eigentlich diese "bösen Menschen", die alles unter ihrer Kontrolle haben? Juden, Banker, Zigeuner? Ach ja, Zigeuner! Schon komisch, dass der Brunnen genau dann austrocknet, wenn "die Zigeuner" ihn berühren. Und auch komisch, dass ihre letzten Worte so aussehen: "We'll be back! The water is ours! The earth is ours! You're weak!" Waren es am Ende also "die bösen Zigeuner", die für alles verantwortlich sind? Ich will hier Béla Tarr keinen platten Antiziganismus unterstellen, aber allein, dass es diese Interpretationsmöglichkeit überhaupt gibt, ist meiner Meinung nach äußerst problematisch...
Fazit: Zu viel Schwarz-Weiß in diesem Film. Zu wenig Grautöne. Schade!

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Jenny von T

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In der Tat, die Situation ist eine bedrohliche und ausweglose, soweit gehen wir konform. Für mein Empfinden gibt es bei Tarr grundsätzlich keine Bedrohung von "außen", ein Gott oder eine andere höhere Macht wird in keinem seiner Werke vorausgesetzt und hier am Allerwenigsten. Wenn man allerdings für alles immer haarklein eine Erklärung benötigt, ist man bei Tarr ganz sicher an der falschen Adresse. Bei ihm gibt es einfach nur die pure Existenz, in die der Mensch hineingeworfen ist, ich sehe bei ihm keine "religiös-mythischen" Zusammenhänge. Die einen halten diesen Film für "rückwärtsgewandt", ich sehe bei Tarr ein Rückbesinnen auf unseren Ursprung. Stell' dir mal vor, du hättest keine Arbeit, keinen Fernseher, kein Radio, nichts - wäre dein Leben dem des Bauern und seiner Tochter dann nicht ziemlich ähnlich? Ich weiß, diese Erkenntnis ist ziemlich unangenehm und ich habe auch vollstes Verständnis dafür, wenn man davon nichts wissen möchte. Für mich ist dieser Film pur und zeitlos und gerade nicht reaktionär.
Was den vermeintlichen Antiziganismus betrifft, auf dem du nun andauernd herumreitest: Erst einmal trocknet der Brunnen erst am Tag NACH dem Zigeuner-Besuch aus und nicht schon dann, wenn sie ihn berühren (sie scheffeln nämlich sehr wohl noch Wasser heraus) - bereits ein gewollter Zusammenhang ist hier also fraglich. Und nicht zuletzt lässt die Gruppe den beiden ein Geschenk da. Ginge es Tarr darum, hier unbedingt nebenbei noch ein statement gegen Zigeuner mitzuliefern, sähe das meiner Meinung nach anders aus. Der Film hat eine viel universellere Themenstellung im Blick, aber wer will, findet natürlich immer Details, an denen er sich aufhängen kann.


Mimuschka

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passend zum thema: in ungarn ist antiziganismus ein wahnsinnig großes problem, doch die roma ergreifen nun gegenmaßnahmen :-)

http://derstandard.at/1345166308284/Ungarische-Roma-gruenden-Garde-zur-Selbstverteidigung


Hooded Justice

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Bewertung10.0Herausragend

Dann wurde das Leben trist. Er ist krank. Das Pferd alt. Anzunehmen, er will in Ruhe sterben. Vielleicht eine Parallele zum Regisseur Béla Tarr und seinem Lebenszustand selbst, wo Tarr doch vor Veröffentlichung des Films prophezeite, es sei sein letzter Film. Ein Film, der seinen letzten Wunsch erfüllt: Sein Filmschaffen in Ruhe absterben lassen. Die Musik erklingt in apokalyptischen Klängen, die Figuren sind gezeichnet durch Betrübtheit, einer Monotonie des Lebens. Das Wetter? Ein einziger Sturm aus Trübsinn und Einsamkeit. Von Lebenslust ist keine Spur. 'A Torinói ló' ist ein Brocken von Film. Ein beeindruckender Brocken. Tarr gelingt es, das Publikum in zweieinhalb Stunden weder gelangweilt noch ungeduldig einfach nur still dasitzen zu lassen. Der Stille zu lauschen, die Bilderpracht wirken zu lassen, der Melancholie zuteil zu werden und dem Ende der Welt ein Stück näher zu kommen. Lebe wohl.

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DerDude_

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Bewertung10.0Herausragend

"Mutter, ich bin dumm"

"Das Turiner Pferd" ist das filmische Pendat zu den klassischen Worten "The End". Nach diesem Film kann es nicht mehr weitergehen. Es geht nicht. Selbst andere Endzeitfilme wie "Melancholia" oder "Take Shelter" haben einen Funken Hoffnung. Wo in "Melancholia" im Ende Erlösung steckt fällt bei "Das Turiner Pferd" alles. Das Ende von Friedrich Nietzsche, das Ende der Welt, das Ende der Hoffnung, das Ende Bela Tarrs, das Ende des Kinos. Tarr wirft den Zuschauer von Anfang an in das Haus eines Kutschers und lässt uns an dessen Alltag teilhaben. Aufstehen, Wasser holen, Essen, Schlafen gehen. Mehr läuft hier nicht. Auch seiner anwesenden Tochter hat der Kutscher nichts mehr zu sagen. Die ständige Wiederholung der Szenen führen dazu das man sich als Zuschauer irgendwann so fühlt, als wäre man die dritte Person im Haus. Das ist unglaublich anstrengent und der Film fühlt sich auch wie die 6 Tage an in denen er auch spielt. Trotzdem lauert in de Film unteschwellige Spannung. Als z.b. die beiden Prontagonisten Besuch eines Mannes erhalten, raste mein Puls wie wild und auch die letzten Tage haben mich gefesselt. Das Orgelthema des Filme lässt einen den stärker werdenden Orkan am Leib spüren. Und die letzte Einstellung war ein Schlag in den Magen.
"Das Turiner Pferd" war einer der meist erwarteten Filme 2012 für mich. Ich wusste das mich hier kein Blockbuster erwartet, ich wusste das das ein Kraftakt wird, ich wusste das Tarr sich erneut einen Dreck um Konventionen scheren wird. Trotzdem war der Film dann doch anders als erwartet. Denn so viel Melancholie hätte ich selbst von Tarr nicht erwartet und es ist verständlich das das hier sein letzter ist, denn das hier kann er nicht mehr übertreffen. Trotzdem ist das hier erneut ein einzigartiges Erlebnis das nur ein Meister schaffen konnte.
Jetzt schon Film des Jahres 2012 und ein trostloses und vorallem sehr trauriges Meisterwerk !

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DerDude_

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Hey Hey, bitte mach das nicht. Ich wollte ihm nicht gleich die 10 geben weil ich eigentlich durchsetzten wollte das ich einem Film nicht gleich beim ersten Mal die 10 geben wollte. Jedoch hat mich Tarr zwei Mal dazu gebracht das zu brechen. Beim nächstem Mal sehen bekommt er aber wieder die 10 :) Versprochen, Jenny :)
Und alles unter 9 wäre eine Beleidigung ;)


Jenny von T

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Schön, dass du dein Versprechen eingehalten hast! ;-) :-)


Jenny von T

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Bewertung9.5Herausragend

Was für ein adäquater Abgang: In seinem Frühwerk lässt Tarr die Familie untergehen, später das Individuum ("Kárhozat"), dann eine Dorfgemeinschaft ("Sátántangó") - und mit dem "Turiner Pferd" schließlich die Welt. Dabei gelingt ihm vielleicht nicht weniger als eine (Neu-)Definition des Begriffs "Kunstfilm": Mag sich dieser Tage auch beinahe alles "Kunst" schimpfen DÜRFEN, so beginnt sie für mich eigentlich erst dort, wo narrative Kohärenz überdrüssig wird und Kommunikation mit dem Rezipenten die Ebene des Wortes verlässt.
Waren Tarrs frühere Werke trotz kennzeichnend langsamer Inszenierung dennoch nie repetitiv, macht sich "Das Turiner Pferd" erstmals die Wiederholung (welche alles noch langsamer erscheinen lässt) als tragendes Stilmittel zu eigen: Anziehen, Wasser holen, Kartoffeln essen, "fertig". Kurioserweise liegt gerade hierin eine große Stärke des Films bedingt, da Abweichungen vom gewohnten Verlauf eine umso eindringlichere Bedrohlichkeit erwecken: Wenn Bauer und Tochter beim Essen plötzlich wie erstarrt den Blick zum Fenster wenden, gefriert einem geradezu das Blut in den Adern. Oder der Besuch des Nachbarn, welcher eine unheilvolle Verheißung geradezu versinnbildlicht - "Das Turiner Pferd" schöpft all seine Möglichkeiten aus und kreiert eine schauerliche Magie, die über zweieinhalb Stunden anhält. Indem man sich geradezu gezwungen sieht, auch auf winzige Details zu achten, wird man hierfür natürlich umso empfänglicher.
Der größte Trumpf Tarrs ist jedoch vermutlich, dass er trotz - oder gerade aufgrund?! - eigentlich entfremdender Schwarzweiß-Optik den Zuschauer in eine andere Zeit versetzt, ihm aber dennoch seine Figuren unglaublich nahebringt und damit die sich ihm erschließende Option beim Schopfe ergreift, gezielt und platziert dramatisch-erschütternde Momente ohne auch nur den Hauch von Rührseligkeit zu kreieren - Tristesse und Tragik in Stil und Inhalt bedingen sich beispiellos.
Es bringt ja alles nichts: Einen wie Tarr wird es nicht mehr geben. Wie viele Filmemacher sind bemüht, uns ein bisschen Mut, unsere klägliche Existenz auf dieser Erde ein bisschen angenehmer zu machen... Bei Tarr ist inmitten der Schönheit im Untergang die einzige Hoffnung die, dass das, was nach uns kommt - was immer es sein mag - vielleicht besser ist als das Jetzt.
Nietzsche hat seinerzeit passenderweise wirklich so einiges festgestellt, das auf diesen Film zutrifft - ich versuche es einmal hiermit:
"Die größten Ereignisse, das sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden."

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Tyler__Durden

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Schön gesagt. Obwohl das mit der "(Neu-)Definition" nicht ganz stimmt, also jetzt ganz allgemein. Da gabs davor schon Jeanne Dielman von der Ackerman mit welcher das Turiner Pferd, was die von dir beschriebenen Mittel der Kommunikation sowie die Strukturierung betrifft, starke Ähnlichkeiten hat. Dazu war Tarr ja schon seit jeher sehr beeinflusst von seinem Landsmann Miklós Jancsó und dem kürzlich verstorbenen Theodoros Angelopoulos was seine formellen Kompetenzen angeht. Aber natürlich ist das was Tarr hier macht, speziell in seiner unerbittlichen Konsequenz, schon sehr eigen.


Andre Jonas

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Ich muss einführend sagen, dass ich mich zum Zeitpunkt des Schreibens dieses Reviews nicht zu einer Wertung in Punkten durchringen konnte – zu weit außerhalb meiner Bewertungskriterien liegt das, was »Das Turiner Pferd« in mir zurückgelassen hat. Dieser Text soll deshalb mehr eine Art Erfahrungsbericht eines Erstkontaktes mit Béla Tarr sein, der im Idealfall dem Einen oder Anderen den Film schmackhaft machen könnte.

Ich hatte etwa während des ersten Drittels des Films das Gefühl, einem Monolith gegenüber zu stehen: Einem gewaltigen Stein, den ich fragen wollte: Was soll mir das alles sagen? Warum sehe ich 10 Minuten lang einem Pferd zu, dass einen Wagen im Sturm zieht? Warum folge ich einer Frau beim Wasserholen und muss mir diesen Prozess noch mehrmals im Film in aller Ausführlichkeit zeigen lassen? Warum betrachte ich die beiden Hauptdarsteller in langen, ausführlichen und sich ebenso fast störrisch wiederholenden Passagen beim Essen von Kartoffeln?

Aber der Monolith gab mir keine Antwort, sondern schwieg mich weiter an. Alles, was ich tun konnte, war näher heranzutreten und die einzelnen Verwerfungen, die einzelnen Linien auf der Oberfläche des Steins genauer zu betrachten und nicht zu versuchen, zu »verstehen«, sondern mich gewissermaßen fallen zu lassen, mich dem Film hinzugeben und meine Sinne ihm auszuliefern.

Denn »Das Turiner Pferd« kann ich stilistisch als eine Art »stille Folter der Sinne« beschreiben und man benötigt eine gewisse Portion Masochismus, um die manchmal quälend langen Sequenzen, die fast vollständig wortlosen einhergehenden Betrachtungen des Alltags in einer abgeschiedenen Hütte des 19. Jahrhundert zu ertragen.

Der Film besteht fast ausschließlich aus langen, schnittlosen Sequenzen – mal sind es langsame Kamerafahrten, mal sind es fast Standbilder, wenn nichts im Raum sich regt. Und gerade bei letzteren kann man fühlen, wie der Film die eigene Wahrnehmung zu hinterfragen beginnt. Wann sonst hat man, gerade heute, in einem Film die Möglichkeit, sozusagen in aller Ruhe die Details im Bild zu betrachten? Sich jedes Objekt anzusehen und nicht »fürchten« zu müssen, das nach einigen Sekunden schon der nächste Schnitt folgt, der nächste, eng daran angeknüpfte Abschnitt einer auf verdaubare Filmlänge zugeschnittenen Handlung oder das man gerade jetzt, in dieser Sekunde, irgendetwas wichtiges verpasst?

Wenn man sich nun also fallen, sich durch Ruhe, Wortkargheit und sich wiederholenden, scheinbar banale Handlungen in diesen gewissermaßen hypnotischen Zustand hinversetzen lässt, stößt man in »Das Turiner Pferd« auf eine tiefe Deprimiertheit, eine fast naturgewaltige Trostlosigkeit, mit der ich mich selten in einem Film konfrontiert sah. In diesem Sinne glich der Film für mich einem langsamen, aber vollkommen unaufhaltsamen Fall durch einen immer dunkleren und zuletzt ganz buchstäblich schwarzen, absolut lichtlosen Tunnel.

Ich kann nicht sagen, dass »Das Turiner Pferd« mich »begeistert« hätte, dass es mich »mitgerissen« hätte. Vielleicht würde »beeindrucken« noch am ehesten passen, aber auch dieses Wort impliziert gleichsam, dass der Film in irgendeiner Weise konkret an mich appelliert hätte. Doch genau das tat er nicht – er kümmerte sich nicht um mich und meine Seh- und Sinnfindungsgewohnheiten sondern ging stoisch seinen Weg in den Abgrund, ohne sich einmal nach mir umzuwenden. Es wird garantiert nicht der letzte Béla Tarr-Film für mich gewesen sein...

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dumas

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Gefühlte sechs Tage Kargheit, Hoffnungslosigkeit, Düsternis, Melancholie, Eintönigkeit, Abgeschiedenheit, Zerfall, Schönheit. Ein Film von ungeheurer Wucht und Schwere, gleichermassen erdrückend und faszinierend, über das Ende der Welt am Ende der Welt. Der anhaltender Sturm zermürbt den Zuschauer stärker als die seltsam unbeteiligten Protagonisten, die Unwetter wie Publikum ignorieren und sich kompromisslos an ihrem festgeregelten Tagesablauf festhalten. Dennoch ist das Ende auch für sie unausweichlich, wenn schliesslich Stille einkehrt und die letzte Lampe erlischt. Kommunikation zwischen dem alten Vater mit dem lahmen Arm und der aufopfernden Tochter findet nur dann statt, wenn Unvorhergesehenes die alltägliche Eintönigkeit stört: Etwa wenn das müde Pferd den Dienst verweigert oder das Wasser auf geheimnisvolle Weise aus dem Brunnen verschwindet. Von einem Besucher erfahren wir, dass die nahe Stadt bereits vom Sturm weggefegt wurde, doch der Alte lässt sich davon nicht beeindrucken. Weitermachen, koste es was es wolle, bis zum Ende und darüber hinaus.

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Tyler__Durden

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Bewertung9.0Herausragend

Nietzsche selbst hat mal in Götzen-Dämmerung geschrieben "Wir schätzen uns nicht mehr genug, wenn wir uns mitteilen. Unsere eigentlichen Erlebnisse sind ganz und gar nicht geschwätzig. Sie könnten sich selbst nicht mitteilen, wenn sie wollten. Das macht, es fehlt ihnen das Wort. Wofür wir Worte haben, darüber sind wir auch schon hinaus. In allem Reden liegt ein Gran Verachtung. Die Sprache, scheint es, ist nur für Durchschnittliches, Mittleres, Mitteilsames erfunden. Mit der Sprache vulgarisiert sich bereits der Sprechende."

Nun da ich euch, meine Mitmenschen, leider immer noch wertschätze, die Fähigkeit auch so schnell nicht verlieren werde und schlichtweg nicht in der Lage bin die Erfahrung welche mir Tarr mit diesem seinem letzten Filme auferlegte erfassen ja gar beschreiben kann - so schweige ich doch lieber. Lasse es in meinem Herzen und Verstand ruhen. Und hoffe ihr lesenden habt die nötige Ernsthaftigkeit in euch um in diesem Schweigen zu lesen wie viel mir diese Erfahrung bedeutet, ohne das ich dafür hier 5000 Wörter in Sätze und Intelligentes Gedankenfutter formen muss.

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Tyler__Durden

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Genau, den mittleren Weg finde ich schöner. :)
Und was das Denken angeht: Denken ist ein unbewusster Vorgang, Sprache ein bewusster. Sprache ist eine erlernbare Aktivität. Und du sagst es ja schon du formulierst Wörter in deinem Kopf, das ist ein bewusster Vorgang. Der Gedanke war aber zuerst da, er war ein unbewusster Vorgang ausgelöst ducrh verschiedene Reize. Wörter sind da eher Hilfestellungen die uns Unterstützen das gedachte deutlicher zu machen. Sprache ist so gesehen also eher die Konsequenz des Denken. Klaro. :)


Nutella?!!

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-(Ergaenzung) Denken ist er-gruenden, nach den Ursachen suchen, z.b. von Gefuehlen. Nur dadurch wird ein Eindruck, eine bloße Emotion stark und nachhaltig.


IamNoSuperman

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Bewertung7.0Sehenswert

Der heimliche Star des Films ist die Pellkartoffel!

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L-viz

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Vorhersage: 10? Das hatte ich auch noch nie. Dabei fühle ich mich eigentlich nicht angesprochen vom Klappentext.

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kaching3007

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Das selbe hier. Schon komisch.


emp6

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Bei mir ebenso.



Deine Meinung zum Film Das Turiner Pferd