Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte

Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte (2009), FR/AT/DE
Laufzeit 144 Minuten, FSK 0, Historienfilm, Drama, Kinostart 15.10.2009

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7.1 Kritiker
48 Bewertungen
Skala 0 bis 10
7.4 Community
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noch nicht bewertet

von Michael Haneke, mit Christian Friedel und Susanne Lothar

Ein Dorf im protestantischen Norden Deutschlands. 1913/14. Vorabend des Ersten Weltkriegs. Die Geschichte des vom Dorflehrer geleiteten Schul- und Kirchenchors. Seine kindlichen und jugendlichen Sänger und deren Familien: Gutsherr, Pfarrer, Gutsverwalter, Hebamme, Arzt, Bauern. – ein Querschnitt eben. Seltsame Unfälle passieren und nehmen nach und nach den Charakter ritueller Bestrafungen an. Wer steckt dahinter?

Ein norddeutsches Dorf am Vorabend des ersten Weltkrieges. Die Hierarchie unter den Bewohnern ist klar strukturiert: Die wichtigsten Bürger und Würdenträger üben die Macht aus, alle anderen fügen sich ihrem Willen. Der Pastor (Burghart Klaußner) leitet den Schulchor mit Strenge und Unnachsichtigkeit, der Doktor (Rainer Bock) demütigt seine Haushälterin, ohne dass dies für ihn Konsequenzen hat; der Baron (Ulrich Tukur) leitet ein Sägewerk und beutet seine Arbeiter aus.

Die trügerische Ruhe wird eines Tages gestört. Der Doktor stürzt auf mysteriöse Weise vom Pferd. Schließlich entdeckt die hiesige Hebamme (Susanne Lothar), dass der Unfall von einem zwischen zwei Bäumen gespannten Draht verursacht wurde. Die Bewohner fahnden erfolglos nach dem Täter. In der Folge mehren sich die geheimnisvollen Vorfälle: Eine Scheune wird in Brand gesteckt, der behinderte Sohn des Barons entführt und misshandelt. Schließlich kommt eine Arbeiterin im Sägewerk des Barons auf tragische Weise ums Leben, doch der Baron weist jegliche Schuld von sich.

Das Misstrauen unter den Dorfbewohnern wächst, und die Erwachsenen verdächtigen sich gegenseitig. Nur der Dorflehrer spürt, dass die Vergehen auf einen anderen Ursprung zurückgehen. Er bemerkt, dass sich die Kinder des Dorfes anders benehmen als zuvor. Insbesondere die Sprösslinge des Pastors scheinen etwas zu verheimlichen. Der Geistliche mahnt seine eigenen Kinder zur Tugend: Sie müssen sich ein weißes Band ins Haar binden lassen, um ihre Schuld für jedermann sichtbar zu machen – ein Mittel, dass der Pastor schon früher angewendet hat. Es stellt sich heraus, dass die Kinder alles von den Erwachsenen Erlittene und Erlernte an die Allerschwächsten weitergeben.

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Cast & Crew


Kritiken (21) — Film: Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte

Ulrich Behrens

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10.0Lieblingsfilm

In der dörflichen Hierarchie dieses Jahres 1913 werden keine Fragen gestellt, sie dürfen nicht gestellt werden, keine Bedürfnisse geäußert, geschweige denn befriedigt, keine Lust am Leben entwickelt. Die ehernen Gesetze der Religion, der Macht und des Geldes sind alles, was zählt. Die These Hanekes ist kaum von der Hand zu weisen – trotz aller Unkenrufe in manchen Besprechungen dieses Films: Welche Kinder werden hier später welche Erwachsene sein?

Aber entgegen allen diesen Unkenrufen bezieht Haneke diese Frage weniger auf ein scholastisches Interesse in Bezug auf die Entstehung des Nationalsozialismus. Nein, er bezieht sie auf die Gegenwart, wie er dies mit allen seinen Filmen bislang getan hat. Das Schwarz-Weiß seiner grandiosen Bilder, die diese dunkle Welt einfangen, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, wie nahe er an unserer Gegenwart arbeitet – an einer Gegenwart, in der das extrem Libertäre die alten Regeln abgelöst zu haben scheint, das Libertäre, das…

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bantubiko

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Ich bereite gerade meine mündlich Abiturprüfung zu dem Film vor und
kann nur sagen das diese Kritik stimmt und kaum wiederlegbar ist.


Sumsi79

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Sogenannte Libertäre lehnen staatliche Regulierung grundsätzlich ab. Es handelt sich auch bei weitem nicht um eine Denktradition die sich weltweit großer Beliebtheit erfreut.

Warum dann noch eher klassische Liberale wie Hayek oder Friedman mit diesen in einen Topf geworfen werden weiss ich nicht, deutet aber auf eher mangelhaftes Basiswissen zu diesem Thema bezüglich des Autors obiger Kritik hin.

Wer einen Text ala "Frustrierter Alt 68er meets Filmkritik" lesen will wird sicher begeistert sein.


Elisabeth Maurer

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7.5Sehenswert

...Viel interessanter scheint eben gerade die eigentümliche Beschäftigung mit unserer deutschen Vergangenheit. Bearbeiten Filme diese, geht es selbstverständlich am häufigsten um den Nationalsozialismus. Die Zeit hingegen, die Haneke uns zeigt, kennen wir in deutschen Filmen eher in Geschichten der nostalgischen, kitschigen Verklärung. Das weiße Band bietet dem Publikum aber die Möglichkeit, die Mißstände in der damaligen Gesellschaft zu erkennen und somit die eigene Vergangenheit zu überdenken. In Kinematographien anderer Länder lassen sich ähnliche Behandlungen gerade dieser Vergangenheit auch finden. Als Beispiel sei der zwar optimistischere Fanny und Alexander von Ingmar Bergman genannt, der aber in der Darstellung der Quälereien an Kindern im Namen des protestantischen Glaubens durchaus Parallelen zu Hanekes Film aufweist....

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Flibbo: wieistderfilm.de

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7.0Sehenswert

[...] Neben der durch die Bank starken Schauspielerei der zahlreichen Figuren (bemerkenswert oft Kinder, die allesamt ausgezeichnet gecastet sind) ist es die enorm sorgfältige, saubere und ästhetische Kameraarbeit, welche die schwarz-weiße Erzählung weit über den Durchschnitt hebt. Das Aussparen jeglicher Filmmusik schafft dazu eine ungeheuer wirksame Ruhe, die, gemischt mit dem Hauch von Beklemmung in der Atmosphäre, den Zuschauer in den Bann zieht. In der Länge mancher Einstellungen bahnen sich ab und an Übertreibungen an, doch in erster Linie kreiert Kameramann Christian Berger starke Bilder. [...]

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Roger Ebert: Chicago Sun Times Roger Ebert: Chicago Sun Times

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8.5Ausgezeichnet

Hanekes Genie besteht darin, diese Möglichkeiten in Filme einzubetten, die im Leben gewöhnlicher Menschen verwurzelt sind. Er verwehrt uns doe einfachen Lösungen der meisten Film, die meist mit dem gewaltsamen Sieg einer Seite enden. Seine Filme sind wie Parabeln, die uns lehren das furchtbare Dinge manchmal passieren, weil sie passieren. Das Universum lacht über die Gesetze des Menschen und macht was es will.

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D. Edelstein: USA Today D. Edelstein: USA Today

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3.0Schwach

Der Film wirkt wie ein Ingmar Bergman-Remake des "Kinder aus dem Weltraum"-Films "Das Dorf der Verdammten" - nur das Bergman, hätte er sich aufgemacht den Filmzu drehen, dabei vielleicht etwas herausgefunden hätte, das er vorher noch nicht wusste. Hanekes Verachtung für die Menschheit ist jedoch zum Dogma erstarrt, noch ehe er die erste Einstellung im Kasten hatte. Der Film läuft sehr lange 144 Minuten.

(...) Christian Berger hat Das Weisse Band in kontrastreichen schwarz/weiß-Bildern gedreht, in Anlehnung an Nykvists Arbeiten für Bergman. Beeindruckend. Doch Bergman hat das Bild beschnitten um die Emotionen der Schauspieler genau erkennen zu können, während Hanekes Gesichter (skandinavisch aussehende) Masken bleiben. Kalt bis ins Mark, präsentiert er uns die menschliche Grausamkeit nicht um mit den Opfern mitzufühlen oder die Täter zu verstehen, sondern um uns die Verbrechen unserer Rasse unter die Nase zu reiben. Er glaubt wohl er würde damit den subversiven Idealen des Punk folgen, aber für mich riecht das mehr nach Skunk (Stinktier).

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Claudia Puig: USA Today Claudia Puig: USA Today

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4.5Uninteressant

Haneke betrachtet alles aus der Distanz, und so tun es auch die Zuschauer. Warum sollten wir diesen unerfreulichen Zeitgenossen auch nahe sein wollen? Während seine Bilder visuell bestechend sind und bleibenden Eindruck hinterlassen, lassen uns die Figuren, selbst die der kleinen Kinder absolut kalt.

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David Edwards: Daily Mirror David Edwards: Daily Mirror

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2.0Ärgerlich

Alles in dieser mit der Goldenen Palme ausgezeichneten und von Kritikern abgefeierten Schwarz/Weiß-Parabel, die einige als Hanekes Meisterwerk bezeichnen, ist jedoch extrem langweilig.

Das Weisse Band hat zugegeben eine unheimliche Atmosphäre, aber alles wird gleichzeitig schrecklich lahm erzählt, alles braucht doppelt so lange, wie es eigentlich müsste.

Auch wenn der Film starke Bilder bietet und voller Symbolik steckt, stehen die Chancen gut, das des Zuschauers Interesse sich verabschiedet, lange bevor der Abspann läuft.

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fseifert

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ich wünsche dir viel spaß bei transformers!


Chris Tookey: Daily Mail Chris Tookey: Daily Mail

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4.0Uninteressant

Ich dachte ständig, das dies hier Vorlage für das deprimierendste Musical der Welt sein könnte, mit Songs wie "Ich hab entschlossen mich in der Scheune aufzuhängen", "Jemand hat den Wellensittich gekilled", "Lasst uns den Schwächling quälen", "Du widerst mich so an, ich wollte du wärst tot", "Was machst du mit mir, Papi?", "Wir sind alle so sexuell verklemmt, wir werden alle Nazis" und "Lasst uns den Schwächling quälen" (Reprise)

(...)
Der Film ist zweifelsfrei handwerklich solide gemacht, aber es ist auch Hanekes albernster und uninteressantester Film

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Schlegel

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Lach! Haneke könnte damit auf Tour gehen, wie weiland Polanski mit "Tanz der Vampire".


Batzman: moviepilot / Fünf Filmfreunde

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5.0Geht so

Es sind nicht die technischen Seiten, die wie immer untadelig sind, die bei Haneke nerven. Es ist und bleibt sein selbstgerechter Tonfall, der das Publikum mehr verurteilt als unterhalten will. Wie schrieb EMPIRE? "We have veyz of making you bored" - und in der Tat wirkt die hehre Ernsthaftigkeit mit der die Darsteller im Wissen was ganz ganz wichtiges zu erzählen, hier ihre Dialoge aufsagen schon fast wie die eigene Parodie eines Arthaus-Films. Selbst Bergman-Filme wirken hier im Vergleich noch wie heitere Klamotten, wenn die vorgeblich Gottesfürchtigen Eltern ihre Kinder maßregelnd in die Katastrophe peitschen. Wer lacht fliegt raus und wer die wichtige Botschaft der bösen Kinder von Stepford nicht versteht, ist sowieso ein Banause. Oder schlimmer noch, er muß befürchten, dass Haneke ihn nachsitzen lässt oder zum Rektor schickt.

Ich laß mir das nächste mal lieber wieder was Schweres auf den Fuß fallen. Dabei bekomme ich mehr Denkanstöße als in Hankes Leidensstunde.

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cannibal83

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Ich muss dem Batzman hier beipflichten. "Das weisse Band" ist für "nur" ein überdurchschnittlicher Lehrfilm, und genau wegen Hanekes Oberlehrer-Haltung wirkt der Film ungemein schwerer und damit eben auch langweiliger als bei Regiekollegen die ansonsten den "intelligenten" Film prägen.


milch-kakao

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Vielleicht bedarf es einfach ein wenig Intellekt, um sich hinterher nicht belehrt zu fühlen. :)


Mr.Vengeance: Lost In Imagination

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7.5Sehenswert

Sehr eindringliches Bühnenstück. Besticht durch seine trostlose, minimalistische Inszenierung und seine depressive Stimmung. In der ersten Hälfte sucht der Film ein wenig ziellos nach einem Punkt, den er aber in der zweiten Hälfte um so deutlicher trifft. Hat mich nicht ganz so sehr gepackt wie CACHE, dennoch ein sehr guter Film.

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Corsovilla: SchönerDenken

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9.5Herausragend

Hanekes erschreckende Parabel von der Kraft des Unrechts gewinnt einen großen Reiz durch die Andeutung. Der Zuschauer wird immer wieder der Erwartung schrecklicher Anblicke ausgesetzt, um dann in dieser Spannung zurückgelassen zu werden. Der Regisseur gönnt einem nur selten den im Laufe des Films schon fast erleichternden Anblick der Grausamkeit, sondern setzt auf die leise Bedrohlichkeit der innerlich zerstörten Kinder: Wie die seltsam platinblonden Kuckuckskinder aus dem Horror-Klassiker „Das Dorf der Verdammten“ tauchen sie immer in einer Gruppe auf und starren ihre Umwelt seltsam leblos an. Als würden sie mit ihrem Blick bereits ihre Zukunft als grausame Kriegstäter sezieren. (Nele für SchönerDenken - mehr u.a. im Podcast)

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Hausmeister: Nerdtalk.de

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8.0Ausgezeichnet

…und wie hat er mir persönlich nun gefallen? Ich bin zwiegespalten. Auf der einen Seite fehlt dem Film oberflächlich tatsächlich klar eine stringente Handlung. Zwischen einzelnen Szenen gibt es oft keine kausalen Zusammenhänge. Haneke zeigt einfach das Leben im Dorf, ohne sich auf die Suche nach Tätern zu konzentrieren. Ich habe mich lange gefragt, wo dieser Film eigentlich hin will. Mit dieser Form erinnerte er mich in manchen Teilen an den Oscar-Abräumer „There Will Be Blood“, der auch sehr gemächlich und unscheinbar daher kam. Für meinen Teil war auch eine gewisse Nähe zu Literaturverfilmungen wie „Die Blechtrommel“ mit von der Partie. Zumindest kam für mich eine ähnliche Grundstimmung auf; die Atmosphäre war sehr dicht und stimmig. [...]

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Der Redaktör: kino-zeit.de Der Redaktör: kino-zeit.de

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8.5Ausgezeichnet

Was für ein Film: Michael Hanekes neuestes Werk Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte ist ohne jeden Zweifel einer der Filme, die auch über die Jahre hinweg Bestand und Relevanz behalten werden. Selbst wenn es nicht klappen sollte mit einem Oscar – der Film wird als deutsche Beitrag ins Rennen gehen – dies ist der vielleicht wichtigste Film in der sowieso sehr beeindruckenden Karriere Hanekes.

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Enk: Mental Savage Enk: Mental Savage

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4.0Uninteressant

[...] Haneke ist bekannt dafür, dem Zuschauer nicht allzu viel Mühe bei der Entschlüsselung seiner trivialen Botschaften zu machen, so zuletzt in seinem brachial-medienkritischen Thriller Funny Games. Während Funny Games aber wenigstens handwerklich beeindruckend gemacht war, verliert sich Das weiße Band in bemühter Kammerspiel-Ästhetik, die nur durch die guten Schauspieler halbwegs sehenswert bleibt.

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jollyroger

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Haneke selber dazu:

„Ideologie ist eine verabsolutierte Idee. Überall, wo es Unterdrückung, Demütigung, Unglück und Leid gibt, ist der Boden bereitet für jede Art von Ideologie. Deshalb ist ‚Das weiße Band‘ auch nicht als Film über den deutschen Faschismus zu verstehen. Es geht um ein gesellschaftliches Klima, das den Radikalismus ermöglicht. Das ist die Grundidee.“

Zumindest also solche Unterstellungen /Schlußfolgerungen deinerseits wie:

"kein Wunder dass aus dieser Brut Erster und Zweiter Weltkrieg hervorgegangen sind. Wer als Kind vom Vater geschlagen wurde, kann schließlich nur zum Nazi werden. "

scheinen also wohl mehr als nur aus der Luft gegriffen zu sein.


fseifert

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das weiße band ist handwerklich als weniger beeindruckend? erläuterung bitte! ich denke du meinst, dass auf hollywoodübliche farbige, schnittreiche, durch perspektivische einstellung beindruckende kameraeinsteillungen verzichtet wird? aber gerade das sehe ich als großen gewinn für den film, der dadurch neues wagt und so die beklommenheit der situation, in der sich die dorfgemeinschaft befindet, perfekt einfängt.


Peter Zander: Welt, Berliner Morgenpost Peter Zander: Welt, Berliner Morgenpost

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8.0Ausgezeichnet

Zu einfach darf man es sich freilich auch mit diesem Film nicht machen. In Cannes hat vor allem die ausländische Kritik schnell den Schluss gezogen, dass sich die aufgestaute Aggression nicht nur zwangsweise in einem großen Knall, dem Ersten Weltkrieg entladen muss, sondern dass diese Generation vor allem den Faschismus vorantreiben wird. Haneke hat diese Interpretation in ersten Stellungnahmen bestätigt, wollte seinen Film dann aber doch nicht nur auf den Faschismus reduziert wissen, sondern ihn auf alle verabsolutierten Prinzipien, Ideologien und Religionen übertragen.

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HG Rodek: Die Welt, Berliner Morgenpost HG Rodek: Die Welt, Berliner Morgenpost

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6.5Ganz gut

Nun ist das obrigkeitsstaatliche Denken als Erklärung für den Ersten (und Zweiten) Weltkrieg bei weitem nicht neu, vom "Untertan" bis zu "Im Westen nichts Neues"; allerdings haben wir dies kaum je so auf die kleinsten Einheiten der Dorf- und Familiengemeinschaft heruntergebrochen gesehen. Dem Film fehlt allerdings die hypnotische Kraft der besten Hanekes, dessen Art des Filmemachens bei begrenzten Ensembles besser zu funktionieren scheint als bei großen Tableaux.

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film-zeit: film-zeit.de film-zeit: film-zeit.de

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Pressespiegel mit weiteren Kritiken aus dem deutschen Feuilleton

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Suchsland: FAZ, FR, filmdienst, Berlin... Suchsland: FAZ, FR, filmdienst, Berlin...

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7.0Sehenswert

Vor allem aber erzählt der Katholik Haneke, der einen Teil seiner Kindheit in Schweden verbrachte, von Protestantismus und den Abgründen eines protestantischen Pfarrhauses - im Stil der ruhigen, präzisen Schwarzweiß-Bilder erinnert das oft an die Schuld und Sühnedramen Ingmar Bergmans. Der Wahrheitsterror des Pfarrers, die scheinbar therapeutischen Verhörrituale, der Selbsthass der gesamten Familie, die Idealisierung der Reinheit.

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Schlegel

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Katholik Haneke? Auch als Edelfeder tut die eine oder andere Recherche ganz gut.


Christian H.: Kino, TV und Co, Wicked Vis...

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7.0Sehenswert

[...]So eindrücklich nämlich die erwachsenen Darsteller in „Das weiße Band“ aufspielen, sind es doch die Kinder (Respekt vor den eindrücklichen darstellerischen Leistungen der Kinder und Jugendlichen), die dem Film den Stempel aufdrücken. Eine erschreckende Kälte und Leere durchzieht ihre Gesichter, denen sämtliche menschliche Regung abhandengekommen ist. Sie stecken ein, um später austeilen zu können. Es ist keine große Überraschung, welcher ungeheuerlicher Verdacht schon bald im Zuschauer keimen muss. Das weiße Band, also das Zeichen der Unschuld, welches der Pastor seinen Kindern als Mahnung umbindet, ist letztendlich nicht mehr als der blanke Hohn. Zumal in der Dorfgemeinschaft unter dem Deckmantel von wilhelminischer Sitte, Anstand und Moral Zustände herrschen wie in Sodom und Gomorrha. Da wird der Geschlechtsverkehr zu einer ekelerregenden Triebabfuhr nebst zugehöriger Demütigung der Frau, die sich dem männlichen Selbstverständnis unterwirft, während der örtliche Arzt ungestraft seine eigene Tochter missbraucht. Und so ist es auch das schweigende Wegsehen das Michael Haneke in „Das weiße Band“ thematisiert. Aus rein filmischer Perspektive ist der Film somit eine eindringliche Tour de Force für den Zuschauer, bis in die letzte Rolle exzellent besetzt, dabei ebenso beeindruckend gespielt, wie inszeniert.[...]

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E. Knörer: taz, perlentaucher, cargo-film E. Knörer: taz, perlentaucher, cargo-film

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4.5Uninteressant

Es gehört zur Hanekeschen Evidenzproduktion, dass jener vorsätzliche Spielraum fürs Denken, den Verfremdungseffekte gewähren können, bei ihm bestenfalls zum Schein existiert. Ausgesprochen attraktiv sind viele der Einstellung und oft genug sagenhaft akkurat komponiert. Die Scheune brennt herrlich, das verwüstete Kohlfeld: umwerfend schön. Große Kunstfertigkeit steckt darin. Jedoch ist noch diese Schönheit, wie alles an "Das weiße Band", letzten Endes das Ergebnis großer geistiger Schlichtheit. Gnade ist, was seinen Filmen fehlt und Gnade wäre das, was sie bräuchten, um etwas anderes als Schauprozesse zu sein. "Das weiße Band" nicht weniger als die Allegorie eines Haneke-Films. Was ihn nicht besser macht.

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Telebaum

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Sehr interessant und sticht aus dem einerlei der lobeshymnen heraus. Nun bin ich, soviel wahres an Ihren Worten sein mag, und so neu dieser Ansatz für mich ist, etwas im Zwiespalt, denn sich diesen Schuh der Schuld anzuziehen bleibt schon noch jedem Rezipienten selbst überlassen und ich bin auch nicht unbedigt der Ansicht dass Haneke das durch seine Filme suggeriert, eher schon durch seine Interviews, die Sie sicher dabei auch im Kopf haben, aber trotz allem ist der Film von Ästhetik und Stimmung einfach derart überragend, dass selbst ihr Ansatz, wenn ich beides gegeneinander abwäge, dem film nicht viel anhaben kann, denn dass sich selbst haneke einer so einfach gestrickten kausalitäts-moral nicht ganz sicher ist, lässt sich m.M. nach daran erkennen, dass er eben alles im Unklaren lässt und letztlich doch nur auf Bilder und Stimmungen festzunageln ist und keinesfalls auf eine wie auch immer geartete Moral, zumindest wenn er sich nicht zum Film geäußert hätte.


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Kommentare (123) — Film: Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte

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Brigittes Helm

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Bewertung1.5Ärgerlich

Ich mag den Film gar nicht. Er ist sehr geschmäcklerisch, stilverliebt und einfach nur Sch... Den Nationalsozialimus einfach nur aus der ostdeutschen Provinz erblühen zu lassen - also nee. Mir ist das zu billig und fishing for compliments. Und den Oberlehrergestus mag ich schon gar nicht.

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Brigittes Helm

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Ich mag den Haneke nun mal gar nicht. Noch nie gemocht. Ulrich Seidl ist so mehr meine Baustelle.


Roco De Long

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Was genau bedeutet in dem Fall "geschmäcklerisch"? Was für ein super Argument ist "einfach nur Scheiße"? Wo wird denn jemals behauptet, dass der Nationalsozialismus nur in der ostdeutschen Provinz "erblüht"? Und was hat das alles mit "fishing for compliments" zu tun?!?
Sorry für all die Anführungszeichen - aber ich frage mich wirklich, ob du weißt was du da eigentlich schreibst.


koi_le

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Bewertung4.0Uninteressant

erinnert mich stark an die dörfer und dörfler in brandenburg, in denen ich das unglück hatte zu leben. wo ich gelernt habe dörfer, dörflichkeit und bewohner zu hassen.

danke für den flashback, film. fuck you.

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Fifnelda :D

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

ein sehr sehr guter Film .... es ist kein film für zischendurch...... er braucht sehr viel aaufmerksdamkeit und konzentration....
sehr spannend bis zum ende ... das offene ende finde ich besinders gut ... man macht sich lange danch noch gedanken darüber.. ich persönlich wies bis heute nicht was ich glauben soll wer es war ...
Haneke hat sich mit diesem jahrhundertfilm eindeutig selbst übertroffen :)

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Atheisst

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Ein Punkt am Ende des Satzes reicht normalerweise auch...


Fifnelda :D

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Ja. Ist so eine blöde Angewohnheit von mir :)


DerDude_

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Bewertung9.0Herausragend

Das weiße Band
Eine deutsche Kindergeschichte

Der kristallfarbene S/W Look errinert in seiner Art an deutsche Heimatfilme. Eine Beschreibung die falscher nicht sein könnte.
"Das weiße Band" ist kein schöner Film. Er trägt bis ins kleinste Detail Hanekes Handschrift.
Wieder geht es um die Kritik an zwischenmenschliche Gewalt. Diesmal ist es Gewalt die Eltern an Kinern ausüben und sich dann wundern, warum sie zu Monstern werden. Gewalt erzeugt nur mehr Gewalt
Die beklemmende Atmosphäre des Filmes erzeugt von Anfang an ein Gefühl des Unbehagens. Die minutenlange Fixierung der Kamera sowie die lange Laufzeit kann auf einige enorm anstrengent wirken. Mich hat, genau wie in "Cache", das noch mehr gefesselt und in meinen Sessel gedrückt, bis ich nicht mehr unterscheiden konnte, ob die Vögel nun im Film oder am Fenster zwitschern. Die Darsteller sind brilliant und geben den Figuren unvergleichliche Menschlichkeit. Die Dialoge sind still und mit viel unterschwelliger Spannung gewürzt.
SPOILER
Genau wie in "Cache" am Ende offen bleibt, wer die Videos gemacht hat, bleibt hier offen, wer die Taten begannen hat. Es war niemand ! In "Cache" war es das manifestierte schlechte Gewissen, in "Das weiße Band" war es das manifestierte menschliche Böse.
Es war das Böse, das in allen Figuren des Filmes steckte. Zwischen all den Misshandlern und Kinderschändern wirkt die Liebesgeschichte zwischen dem Lehrer und dem Mädchen wie ein kleiner Sonnenschein am dunklen Himmel.
SPOILER ENDE
Fazit : Hanekes bisher letzter Film ist sein bester geworden. Verstörend, Still, Gemein, Speziell, Fantastisch. Ein Meisterwerk ohne nennenswerte Schwächen.

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DerDude_

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Bitte :)


cacavas61

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Ja, klasse Film...und guter Text von Dir !


Markbln

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Bewertung9.0Herausragend

Das Gewalt weitergegeben wird, ist keine neue Erkenntnis. Sie aber in diese herrlich zugezurrte Protestantenwelt zu verlagern ist sehr stimmig und schlüssig. Für den manchmal zu dick aufgetragenen Sendungsbewusstsein-Gestus aber einen Punkt Abzug. Lehrauftrag wieder mal erfüllt, Herr Haneke.

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Brigittes Helm

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Du hast den einzigen gescheiten Beitrag geleistet und kneifst dann:-).


Hagen Hagen

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Bewertung5.5Geht so

Die ganze Zeit hatte ich so ein Pieksen im Auge, bis mir klar wurde, dass das der ausgestreckte Zeigefinger von Haneke war.
Das Setting ist mal erfrischend anders, aber die Schauspieler sprechen ihre Texte, als wäre das ein Hörspiel.

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Hooded Justice

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Bewertung1.0Ärgerlich

Es ist nicht alles bieder, was 144 Minuten lang bieder ausschaut. Nicht heute, nicht damals und auch nicht wenige Tage vor Ausbruch des ersten Weltkrieges. Hanekes mehr oder weniger wahrlich gottverdammten Bauerngeschichten vermitteln dies ganz gewiss auf unbegreiflich überschätzte kühle Masche, folglich emotionslos und nüchtern zugleich, sodass weder sonderlich viel für gewisses Nachempfinden irgendwelcher familiären Grausamkeiten oder gesellschaftlicher Abgründe auf kommunaler Ebene übrig blieb, noch ein „unvergesslich“ ausdrucksstarker Nachgeschmack standhielt. Zwischen schauspielerischen Unsicherheiten und wacklig reizloser Eigenart bewahrheitet 'Das weiße Band' primär aber vor allem eins: seine ekelhafte verborgene Großtuerei hinsichtlich seiner „Kunstauffassung“ als auch seiner niedlichen Symbolik.

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DerDude_

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"Das weiße Band" hat nix mit Kunst zu tun. Der Film handelt davon das schlechte Erziehung von Kindern bitterere Folgen haben als man sich denken kann und das Gewalt nur Gewalt erzeugt.


Hooded Justice

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"... sodass weder sonderlich viel für gewisses Nachempfinden irgendwelcher familiären Grausamkeiten oder gesellschaftlicher Abgründe übrig blieb." Die Anti-Gewalt-Message hat mich nicht erreichen können. Ich bin der Meinung, dass der Film sicherlich irgendwo etwas mit Kunst zu tun haben möchte. Allein seine Bebilderung und das Herangehen ans Inszenieren der Story ist ausgefallen und "künstlerisch". Ein "klassischer" Kunstfilm (wie vielleicht ein 'Tree of Life' es ist) ist es nicht, was ich auch nicht gesagt habe. Es ist eben Hanekes "Kunstauffassung", sein wie gesagtes Inszenieren seines Films, das stark an künstlerisches Darstellen erinnert.


aurel97

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Bewertung7.5Sehenswert

Erinnert mich irgendwie ein bisschen an die Woyzeck Verfilmung aber es lassen sich ja auch viele inhaltliche parallelen ziehen

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Meeko

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

"Mal eben" den Film "das weiße Band" eingeleg ist nicht! Der Film ist anstrengend und stellt Forderungen. Wer den Film sieht, muss sich ihnen unweigerlich stellen, in jeglicher Hinsicht. Der geneigte Zuschauer bringe dafür aber bitte einen Auge für's Detail und ein Auge für das Ganze mit.

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faulmaus

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Bewertung4.5Uninteressant

Beim ersten Sehen ziemlich verstörend, beim zweiten wegen der überkonstruierten Story eher ärgerlich. Wer seine Kindheit auf dem Land verbracht hat, kann sich ja mal unter den Älteren umhören, ob auch nur annähernd Vergleichbares erzählt werden kann. Zum dritten Mal werde ich den Film auf keinen Fall ansehen: Keine menschliche Botschaft! Und letztlich kommt auch die möglicherweise intendierte aufklärerische Botschaft filmisch nicht rüber...

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syrbal

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Bewertung6.5Ganz gut

verstörend...

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JUGGERNAUT

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Bewertung3.5Schwach

aussagekräftiges ende für aussagekräftigen film? - fehlanzeige!

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>MARVEL<

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Sondern?


michebavaria1986

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Es gibt Filme, bei denen schon bei erstmaliger Sichtung klar ist, dass man ein Jahrhundertwerk sieht.

So ging es mir im Kino bei „Das weiße Band“. Seitdem habe ich den Film schon mehrmals auf DVD gesehen und meine Meinung hat sich nicht geändert.

Michael Hanekes Filme haben mich schon immer fasziniert. Filme wie „Funny Games“, „Die Klavierspielerin“ oder „Cache“ sind für mich Meisterwerke oder nahe dran.

Mit „Das weiße Band“ hat sich Haneke jedoch selbst übertroffen.

Schon von der ersten Szene an (als die Erzählstimme einsetzt), hat der Film mich in seinen Bann gezogen. Das Filmen in Schwarz-Weiß verstärkt die Wirkung noch enorm. Man hat das Gefühl, ein dokumentarisches Werk zu sehen.

Großen Anteil daran haben auch die herausragenden Schauspieler. Es ist schwer jemanden hervorzuheben. Burghart Klaußner als evangelischer Priester zeigt jedoch die außergewöhnlichste Leistung meiner Meinung nach. Egal ob bekannte Darsteller (darunter Schwergewichte wie Ulrich Tukur oder Sepp Bierbichler) oder unbekannte Darsteller (zum Teil im Filmdebüt) – die Schauspielleistungen sind überwältigend. Ein großes Lob gehört vor allem auch den Darstellern der Kinder.

Auch die beabsichtigte Moral des Film kann ich nachvollziehen. Den Schlusssatz des Erzählers finde ich nach dem Gesehenen sehr passend. Sicherlich kann sich das Dritte Reich und seine Schrecken nicht allein von herzloser Erziehung und übertriebener Disziplin ableiten. Einen großen Anteil an späteren Ereignissen, kann man aber nicht abstreiten.

Sicherlich ist der Film nichts für Liebhaber von purem Popcorn-Kino. Jeder andere darf sich aber auf ein außergewöhnliches Meisterwerk freuen.

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BlueSquirrel

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Bewertung7.0Sehenswert

Der Film hält nicht was der Feuilleton versprochen hat, was für mich keinesfalls negativ zu verstehen ist - speziell dann nicht, wenn ich nicht weiß was im Detail hiermit beabsichtigt wurde. Der angebliche Versuch eine Gesellschaft zu beschreiben, die wegen ihrer Mentalität den Weg in einen Abgrund beschreitet, ist genau so evtl. unbeabsichtigt und überschwätzt gewesen wie evtl. misslungen. Es ist sowieso eine ziemlich fragwürdige Idee, die deutsche Katastrophe nur als national zu betrachten. Bequem, praktisch - die Deutschen sind's gewesen und hier wäre die Bauanleitung. Diese Denke ist in sich selbst nationalistisch, realitätsfremd, dementsprechend nutzlos und völlig reaktionär. Nicht umsonst fürchten so viele Zeitgenossen in der Hemisphere "ähnliche" faschistische Strömungen und bekämpfen diese mit beton-harter Ideologie sogar dann, wenn es sich um nichts weiter als skrupellose oder taktierende Geschäftsleute handelt. Kurzum: die ganze Idee von der wegbereitenden und verbrecherischen Erziehung ist Quatsch, weil sie im Zeitfenster nicht akribisch auf nationale und blanke Mentalität bezogen werden kann. Bei einer Suche nach Ursachen sollte man sich lieber mit europäischer Geschichte vertraut machen. Es bleibt der Film. Und dieser Film ist trotzdem gut, weil er einen Zustand beschreiben möchte, der allgemein von Interesse sein sollte. Das tut er auch und ist dabei recht interessant. Der Titel bleibt das Problem, obwohl das ermüdend wird. Deutschland mag wohl DAS Land bleiben, das mit Recht die faschistischen Restbestandteile für sich selbst und alle anderen aufarbeiten muss und sollte. Wenn deswegen Leute in den Medien wieder große Meisterwerke halluzinieren, sollen sie diesen Spaß haben, den deutsche Kinder wohl nicht hatten.

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aurel97

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Ich finde deine Argumentation insofern nicht ganz schluessig weil der Film ja keine wirkliche Aussage ueber die Gruende fuer den Kriegsausbruch macht, und schon gar nicht ueber Zustaende in irgendwelchen anderen europaeischen Laendern. Und deiner Aussage darueber ,dass die Idee von der "wegbereitenden und ideologischen Erziehung quatsch ist" muss ich auch insofern widersprechen, da ich mir zum ersten nichteinmal ganz sicher bin das der Film dass Aussagen moechte worueber man sicher ewig ergebnislos streiten koennte, dass die antiquierte Wertanschauung , und die gesellschaftlichen Zwaenge fuer Heranwachsende im Kaiserreich ein Problem war ist aber Fakt. Belegen kann man das sehr einfach wenn man sich ie Literatur aus dem Kaiserreich anschaut, Fontanes Effi Briest, Gerhard Hauptmanns Rose Berndt, und Wedekinds Fruehlingserwachen sind nur drei Beispiele in denen sich die Autoren mit den erzieherischen und gesellschaftlichen Praemissen fuer Ehe und Erziehung beschaeftigen und die als schlicht psychologisch zerstoererisch und nicht mehr zeitgemaess empfunden werden. Ob "Das weisse Band" das Thema gut aufgreift und nicht zu ueberspizt darstellt ist eine andere Diskussion aber dem Film von vorneherein falsche historische Grundannahmen zu unterstellen finde ich persoenlich leichtfertig


BlueSquirrel

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Ich habe das eigentlich schon beantwortet. Ich glaube auch gar nicht dass (obwohl bei Haneke weiß man nie) der Film eine solche Aussage machen wollte. Aber in Rezensionsmedien und durch besagte Überschwätzung ist dieser Eindruck entstanden. Davon handelt mein Text. Ich habe auch keine falsche historische Grundannahme unterstellt. Ich habe nur gesagt: Es gab Faschisten, nationalistische Ultras oder darwinistische Kriegstreiber überall in Europa und darüber hinaus. Insofern störe ich mich an dem Eindruck der teilweise entstanden ist, der impliziert daß die deutsche Erziehung in jener Zeit sozusagen das Chaos heraufbeschworen hat. Das Chaos scheint aber viele Leute berechtigterweise zu interessieren. Nur hat der Film damit wenig zu tun und die Gründe dafür sind viel komplizierter.


et7

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Bewertung5.0Geht so

Es reicht nicht schonungslos ehrlich und realistisch zu sein, um einen großartigen Film zu machen. Die exakte Darstellung der dörflichen Lebenswelt im frühen 20. Jh. ist wohl das Beste am Film, aber ansonsten kommt der Film nie so richtig aus'm Quark. Großes Potenzial, aber zu wenig daraus gemacht.

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theaterundfilm

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Bewertung10.0Lieblingsfilm

Ein deutscher/österreichischer Film, der einmal nicht die Nazizeit aufarbeitet, sondern die dunkle Zeit davor: tiefschwarze Pädagogik, gesellschaftlich geduldete und geförderte Brutalität, Gewalt als Lösung, Deckelung und Ausbruch, blinder Gehorsam, Rebellion grundsätzlich gewaltsam zerschlagen,... wie viel davon kommt mir heute bekannt vor?
Hanekes Film braucht Kraft, und seine Kraft holt er u. a. aus den ruhigen Bildern, wo die tatsächliche Gewalt oftmals bereits stattfand (man sieht das Ergebnis) oder neben der Leinwand und somit in den Köpfen der Zuschauer, höchstens noch auditiv präsent, vollzogen wird.
Hanekes Film braucht jede Menge Kraft, und seine Kraft holt er u. a. vom unglaublichen Ensemble, das unaufdringlich authentisch spielt, fast nicht spielt, sondern die Rollen lebt, vom Kleinsten bis zum Totesten, aber in der zum Glück altertümlich gelassenen Sprache und innerhalb der gesellschaftlichen Zwänge wieder so marionettenhaft agiert, dass es einem Angst und Bange wird - "so war es", will ich zurufen, obwohl ich wirklich zu jung bin, um mir auch nur ein Urteil über die Zeit zu erlauben. Aber ich erlaube mir, zu extrapolieren: unsere heutige Gesellschaft ist bei weitem nicht allzu weiter gekommen als damals... der Mensch ändert sich wohl nie...
Hankeses Film kostet Kraft, die zu fehlen scheint, um selber aufzustehen und zu sagen: so nicht...! Aber Aufstehen muß sein, denn warum wird ein solcher Film überhaupt beachtet und geachtet, ja: prämiert (sehr viel übrigens im Ausland)? Weil er den Finger darauf legt, was keiner wahrhaben will? Weil er das Publikum bemüht, die Allegorie des Filmes zu sehen? Ihn zu übertragen? Weil er "wie ein Wintermärchen" erzählt wird? Weil er nicht unterhält, sondern in jedem Satz Mahnung anbietet?

Weil dieser Film im Grunde genommen in uns allen ist und wir aufgefordert werden, ihn dort angstvoll zu entdecken...

Und jetzt stelle man sich den Film in Farbe gedreht vor...

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Sigmund

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Der Film WURDE übrigens in Farbe gedreht. Meines Wissens, weil die beteiligten TV-Sender sich die Entscheidung offen lassen wollten, ihn nach der schwarzweißen Kinofassung dem Fernsehpublikum etwas leichter verdaulich zu gestalten. Erfreulicherweise haben sie ihn dann ja doch in s/w gezeigt.


theaterundfilm

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Sie haben recht:

"Spielfilm.de:
Sie zeigen den Film in schwarzweiß, weil – wie Sie sagen – unsere Erinnerung an die Zeit vor dem ersten Weltkrieg von Schwarzweißfotografien geprägt ist. Gedreht wurde allerdings auf Farbmaterial...

Haneke:
Dafür gibt es zwei Gründe: Der erste ist ein ganz banaler, nämlich dass der Vertrag des deutschen Produzenten mit dem deutschen Fernsehen beinhaltet, dass der Film dort in Farbe gezeigt werden soll. Wobei ich hoffe, dass man, wenn der Film erfolgreich ist, auch das deutsche Fernsehen dazu bringen kann, davon Abstand zu nehmen. Der eigentliche Grund war jedoch, dass es kein Schwarzweißmaterial gibt, das lichtempfindlich genug ist, um mit Kerzen und Petroleumlampen zu arbeiten. Deshalb haben wir in Farbe gedreht und alles digital bearbeitet. Kopiert wird der Film dann aber auf Schwarzweißfilm."
(http://www.spielfilm.de/special/interviews/887/das-weisse-band-michael-haneke.html)

Aber selbst das ist zudem bereits sehr teuer, da die Schwarzweißfilme sehr viel schneller kaputt gehen und eine viel kürzere Lebensdauer haben...


The_Comedian

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Glasklare Schwarz-Weiß-Ästhetik und eine steigernd-spürbare, beklemmende Klaustrophobie entlarven augenscheinliche, ländliche Dorf-Idylle , welche eigentlich keine ist, denn Neid, Mißgunst und unterschwellige Macht,-und Status-Gebärden lasten wie ein Fluch auf der kleinen Gemeinde. Die Auswirkungen dieser seelischen, kollektiven Plage köcheln langsam und bedrohlich unter der scheinbar heilen Oberfläche und offenbaren im Kleinen bereits jene monströsen Entwicklungen des jahrzehnte später stattfindenden Faschismus in Nazi-Deutschland, obwohl in dieser dramatischen Geschichte zunächst der Erste Weltkrieg vor der Türe steht. Um so erschreckender und schockierender lassen sich in ´Das Weiße Band´ bereits solche charakterlichen Entwicklungen, vorallem die der Jüngsten des Dorfes, erkennen oder erahnen, denn vieles bleibt bis zum Schluß im Unklaren und Verborgenen. Dieser Umstand schmählert jedoch in keinster Weise die stets bedrückende Spannung, begünstigt durch spürbare, emotionale Wandelbarkeit der Charaktere. An dieser Stelle sei das beeindruckende und äußerst glaubwürdige Ensemble zu nennen, herausragend dabei die grandios aufspielenden Kinderdarsteller, welches dieses wichtige, leise, deutsche Zeugnis unserer Geschichte formt und trägt, und dabei generationenübergreifend unprätentiös aber eindringlich Demut lehrt.

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Rush

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Der Film ist durchaus sehenswert, hat aber über Faschismus eigentlich nichts Konkretes mitzuteilen. Dieses patriarchalisch/hierarchisch strukturierte Gesellschaftsgefüge mit seinen prügelnden Erzieher, Misshandlungen, Quälereien unter Kindern usw. gab es so oder so ähnlich in jedem anderen europäischen Land jener Zeit. Bloß haben die nun mal keinen Nationalsozialismus hervorgebracht. Der Film bleibt da sehr schwammig, eine Projektionsvorlage.


The_Comedian

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Nicht schwammig, eher bewusst dezentral vermittelt. Interpretationen dürfen ja wohl erlaubt sein;-)


Kieke

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Bewertung7.5Sehenswert

ein wenig anstrengend. ...

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Filmkenner77

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Bewertung7.0Sehenswert

"Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte" ist zweifellos ein großartig bebildertes Drama, das mit seiner exzellenten Schwarz-Weiss-Optik und Kargheit, die wiederum einem ganz bestimmten Ästhetizismus im Stile eines Ingmar Bergman folgt, einen Hochgenuss darstellt. Der Film erzählt von einer Dorfgemeinschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts, in der Sitte, Anstand und Ordnung zumindest nach außen hin noch aufrecht erhalten werden. Schaut man jedoch genauer hin, wird allzu schnell deutlich, dass diese vermeintlichen Werte und Normen mehr Schein als Sein sind. Mysteriöse Ereignisse erschüttern schließlich die vordergründig heile Welt der Dorfgemeinschaft. Unter einem Brennglas seziert Regisseur Michael Haneke die protestantischen Einwohner des Dorfes und deren Abgründe werden sichtbar. Der Pastor glaubt, seinen Kindern Werte und Normen einprügeln zu können und sie so zu besseren Menschen zu erziehen. Widerspruch wird nicht geduldet und streng bestraft. Individualität und Emphatie verkümmern in diesem rigiden System, ehe sie richtig aufblühen können. Am Ende bleibt er unbelehrbar und erkennt nicht, was nicht sein sein darf. Der Baron ist ein Patriarch alten Schlages, dessen Zeit unweigerlich dem Ende entgegen geht. Als größter Arbeitgeber behandelt er die Arbeiter mit gönnerhafter Herablassung. Der Arzt benutzt im wahrsten Sinne des Wortes nach dem Tod seiner Frau die Hebamme als bloßes Lustobjekt zur Befriedigung seiner Triebe. Die Frau zählt nichts in dieser Gesellschaft und so muss sie die Erniedrigungen des Arztes über sich ergehen lassen, der sich derweil an der eigenen Tochter vergeht. Der Dorflehrer ist die einzige moralische Instanz in diesem Geflecht aus Bigotterie und Verkommenheit. Er wird mit seinem Anliegen scheitern, die Missstände offen zu legen und schließlich die Bewohner ihrem selbst gewählten Schicksal überlassen.
Haneke präsentiert anhand der Dorfgemeinschaft einen Interpretationsansatz für den aufkeimenden Nationalsozialismus, der durch die "Machtergreifung" Hitlers im Januar 1933 zur "Staatsreligion" erkoren wurde. Die Kinder des Dorfes sind nun erwachsen und werden Teil des unmenschlichen Systems sein, das sie hervorgebracht hat. Minderheiten, "unwertes Leben", Intellektuelle und Außenseiter dürfen von ihnen kein Mitleid erwarten. So ist es nur noch ein kleiner Schritt, diese Menschen "bürokratisch" nach Sitte, Recht und Gesetz ihrem Schicksal zuzuführen, das da "Endlösung" lautet. In diesem System wird nichts hinterfragt, weil das selbständige Denken nie erlernt und nie erwünscht war.
Haneke erhebt nicht den Anspruch, die Entstehung des Faschismus und Nationalsozialmus erschöpfend anhand der Dorfgemeinschaft erklären zu wollen, was angesichts der Vielschichtigkeit der Thematik ohnehin unmöglich gewesen wäre. Er liefert lediglich einen exemplarischen Einblick und bietet einen von unzähligen Erklärungsansätzen, wie aus einem Land der Dichter und Denker schließlich ein menschenverachtendes System wurde. Haneke wählte nicht zufällig ein protestantisches Dorf für seinen Diskurs. Er orientiert sich fraglos an Max Webers Werk "Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus", das vor allem den Protestanten eine asketische Lebensweise und gleichzeitig das Streben nach wirtschaftlichem Erfolg zuschreibt. Die Protestanten legten somit die Basis für die Industrialisierung Deutschlands und den aufkommenden Kapitalismus. Gewinn- und Nutzenmaximierung in friedlicher Weise sind laut Webers Theorie gottgewollt. Auch heißt es im Werk des berühmten Soziologen, dass die Schulbildung in protestantisch gepägten Gegenden eher technischer Natur sei, während Katholiken eher auf humanistische Bildung setzen würden und insgesamt weniger geschäftstüchtig seien.
Wie dem auch sei, ist Haneke ein insgesamt stark gespieltes, mitunter sperriges Stück Zeitgeschichte gelungen, das aufgrund der Länge von knapp 135 Minuten leider nicht durchweg packen kann und für das heutige, auf Spannungsmomente geeichte, Publikum sicher ein gewöhnungsbedürftiges Kleinod sein dürfte. Und gerade deswegen ist es ein sehenswerter Film, der aus der Masse zahlreicher anderer Werke der heutigen Zeit herausragt. Das Leben ist ein langer ruhiger Fluß, unter dessen sichtbarer Oberfläche sich manchmal Untiefen bilden, die einen ins Verderben reißen können. Hiervon erzählt der Film eindrucksvoll.

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ash-williams

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Bewertung6.0Ganz gut

Michael Haneke gelingt es in seinem Film Das weiße Band einen interessanten Querschnitt eines Dorfes wie es sie zu hunderten in Deutschland gab zu schaffen und dabei jedem Charakter seine Zeit zu geben. Das führt dazu, dass der Zuschauer viel über das Leben im Dorf erfährt und Zusammenhänge sowie Wechselwirkungen in der Drofgemeinschaft erkennt. Die gute Darstellerleistung macht es möglich sich empathisch in die Charaktere hineinzufühlen. Michael Hanekes Werk ist aufgrund der durchdachten Kameraarbeit optisch sehr gelungen und ansprechend. Weniger gelungen ist die Dramaturgie des Films; der Film ist zwar aufgrund der interessanten Charaktere nie langweilig, er verläuft jedoch wenig pointiert und läuft gegen Ende ins leere, was zwar sicherlich so intendiert ist, den Zuschauer aber nicht zufriedenstellt. Somit ist Das weiße Band handwerklich sehr ordentliches, dramaturgisch jedoch verbesserungswürdiges Kino.

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ash-williams

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Ich wusste das diese Kritik an meiner Kritik kommt, aber ich meinte nicht das simple Befriedigen irgendwelcher Sehgewohnheiten oder das Einhalten von konventionellen Erzähltechniken, sondern ich habe bei dem Film (besonders beim Ende) den Ansatzpunkt für den Zuschauer vermisst. Die Geschichte läuft einfach ins leere und endet, das ist zwar irgendwie wie im echten Leben und daher sicherlich von Haneke gewollt, aber ich mag es bei Filmen wenn sie zwar offen Enden, dem Zuschauer aber die Möglichkeit geben das ganze selbst weiterzuspinnen oder Anregung zu Diskussion und Reflektion bieten...


Sigmund

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Finde, dass der Film letzteres durchaus bietet. Er macht es nur anders als es meistens gemacht wird – was ich wiederum besonders gelungen finde...


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