Defamation

Hashmatsa (2009), AT/DK/IL/US
Laufzeit 91 Minuten, FSK 12, Dokumentarfilm, Kinostart 26.08.2010

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7.3 Kritiker
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von Yoav Shamir,

Defamation wagt sich an eines der Tabuthemen unserer Zeit: Der israelische Regisseur Yoav Shamir stellt die provokative und zuweilen auch respektlose Frage, was Anti-Semitismus heute wirklich bedeutet.

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Kritiken (8) — Film: Defamation

Michael Meyns: programmkino.de Michael Meyns: programmkino.de

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7.5Sehenswert

Immer wieder macht Yoav Shamir auf subtile Weise deutlich wie schwierig es ist, zwischen Kritik an Israel und Antisemitismus zu differenzieren, vor allem aber wie notwendig diese Unterscheidung ist. [...] Eine spannende, vielschichtige Dokumentation.

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I.Reicher: der Standard I.Reicher: der Standard

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7.5Sehenswert

[...] Es geht schließlich weniger um Antisemitismus als solchen, sondern mehr um die unterschiedlichsten Interessen, die Shamirs Gesprächspartner jeweils zu wahren suchen. Shamirs Unbehagen - und darüber sollten sich Relativisten und Revisionisten aller Länder klar sein - gilt einer Instrumentalisierung von Geschichte und Erfahrung und sein Film sicher nicht deren Verabschiedung.

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Christian Ihle: taz Christian Ihle: taz

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7.5Sehenswert

Yoav Shamir packt ein ausgesprochen heikles Thema an und deshalb ist es ihm umso höher anzurechnen, dass er auf jeder Ebene erfolgreich ist: “Defamation” ist zum Teil amüsant, absurd, betroffen machend und vor allem ausgewogen.

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E. Knörer: taz, perlentaucher, cargo-film E. Knörer: taz, perlentaucher, cargo-film

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7.5Sehenswert

Es ist ganz gewiss eine Stärke, dass es der Film sich und dem Betrachter zu guter Letzt nicht einfach macht. Recht gelassen wird darin der Gedanke ausgesprochen, dass Israel von der Shoah immer auch wie von einem Kredit zehrt, der das eigene Verhalten gegen Kritik teilweise jedenfalls immunisiert. Irgendwo zwischen dieser - von Antisemiten natürlich gerne missbrauchten - Feststellung und dem Vergleich Israels selbst mit den Nazis liegt die Linie, die die Kritik am hoch kritikwürdigen Handeln eines Staats von einer genuin antisemitischen Diffamierung trennt. Wo genau sie jeweils verläuft, dazu behauptet "Defamation" keineswegs eine Antwort zu haben. Weil er aber sehr unterschiedliche Perspektiven auf ein heikles Feld präsentiert, schafft er jedenfalls auch keine falschen Klarheiten.

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A. Busche: der Freitag A. Busche: der Freitag

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5.5Geht so

Einen Zusammenhang zwischen antisemitischen Evergreens und dem zyklischen Erstarken von Antisemitismus will Shamir zunächst nicht erkennen. So dauert es eine frustrierende Dreiviertelstunde, bis Defamation zum eigentlichen Kern der Problematik vordringt: dem aktuellen Israel-Palästina-Konflikt und dem Verhältnis von Antisemitismus und Antizionismus. Aber auch hier prallen die Meinungen mit ideologischer Inbrunst aufeinander. Shamir fungiert weder als Vermittler noch als Interpret, seine Feldforschungen führen ihn nicht einmal in den Gaza-Streifen. Er hätte dort reichlich Anschauungsmaterial gefunden.
Mit zunehmender Spieldauer wird dann auch deutlich, dass der Antisemitismus der Anderen gar nicht das Thema von Defamation ist. Vielmehr beschwört Shamir eine Krise der jüdischen Identität herauf, in der die Erinnerung an den Holocaust noch immer eine zentrale Rolle spielt. Das Hauptproblem der Juden ist seiner Ansicht nach die endlose Selbstbeschäftigung mit dem Antisemitismus – gleichgültig dessen unmittelbarer Evidenz. [...]
Shamir ist Verfechter eines fröhlichen Fortschrittsgedankens, der mit der Vergangenheit gerne abschließen würde. Nur unterschlägt sein optimistischer Blick nach vorn leichtfertig die Tatsache, dass Antisemitismus im Mittleren und Nahen Osten bis lange vor die Gründung des Staates Israel zurückreicht.

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Marguerite Seidel

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8.0Ausgezeichnet

Paranoia, politisches Kalkül oder konkrete Bedrohung? "Defamation" liefert darauf keine Antwort. Vielmehr versteht es Shamir durch die richtigen Fragen, die mit Antisemitismus verbundenen Gefühle und Politiken aufzuspüren.

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Sven Lohmann: Schnitt Sven Lohmann: Schnitt

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7.5Sehenswert

Das ernste und komplexe Thema behandelt Shamir [...] kontrastiv mit beinahe respektloser Beschwingtheit. Sein flapsiger Stil des naiv nachfragenden Ironikers muß hierzulande an Michael Moore erinnern: Defamation ist nur eben kein Film von US-Amerikanern über US-Amerikaner für US-Amerikaner, sondern ein Film von Juden über Juden für Juden. Vielleicht ist er deshalb wesentlich geschmackvoller.

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Josef Lederle: http://film-dienst.kim-info... Josef Lederle: http://film-dienst.kim-info...

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8.0Ausgezeichnet

Auch wenn der Ton von Shamirs Spurensuche bisweilen ins Ironische spielt, liegt ihre Ernsthaftigkeit auf der Hand: Hier kratzt ein Filmemacher am Selbstverständnis der israelischen Gesellschaft und der weltweiten jüdischen Community. „Defamation“ (dt: Verleumdung, Diffamierung) heißt der mutige Film deshalb nicht ohne Hintersinn, weil er lieber unangenehme Fragen stellt als Antworten sucht, die niemanden interessieren.

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Kommentare (4) — Film: Defamation

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Skar

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Toller Film, der viele Tabuthemen anspricht, über die man in Isreal sowie in Deutschland immer noch nicht offen reden kann, ohne sofort als Antisemit hingestellt zu werden. Dieser Film, der von einem israelischen Juden gedreht wurde, zeigt deutlich den Wahnsinn auf, der jungen Juden eingepflanzt wird. Kritik an Israel wird mit Kritik an Juden und damit Rassismus gleichgesetzt, junge Kinder wünschen sich unter Tränen Rache und wollen alle Deutschen und deren Nachfahren auslöschen und Schüler rechtfertigen Isreal Siedlungspolitik damit, dass die Palästinenser mal nicht so rummachen sollen, die Juden hätten schließlich Schlimmeres erlebt und deswegen sei es in Ordnung dies anderen Völkern anzutun. Erschreckend, dass man anscheinend nichts aus der Geschichte gelernt hat. Sowie zur Zeit des Nationalsozialismus dem Volk der Rassismus eingefplanzt wurde, wird isrealischen Kindern heute die Opferrolle eingepflanzt und beigebrachtet, dass die ganze Welt gegen sie sei.
Absolut sehenswert! Sollte für viele Deutsche und Israelis, die immer noch nicht über diese Themen reden können, obwohl fast keiner mehr lebt, der direkt an den Verbrechen beteiligt war, Pflicht sein!

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Hellbilly

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

"Rückwärts immer, vorwärts nimmer" (Herich Onecker)

Interessanter Film über das große Thema Antisemitismus. Allerdings weiß man nach dem Anschauen nicht mehr über die genaue Definition des Begriffs, wie vorher. Zu vielfältig sind einfach die verschiedenen Begriffsauslegungen, zu unterschiedlich die mit dem Begriff in Verbindung gesetzten Handlungen und Beiträge.

Vielmehr dreht sich der Film um die heutige Bedeutung der Shoa für die jüdische Bevölkerung. Und auch hier zeichnen sich verschiedenste Ansichten ab - von der fast militanten Dauerbetonung des Holocaust als Rechtfertigungs- und Durchsetzungsmittel jüdischer Belange bis hin zur nicht minder radikalen Kritik an dieser Praktik ist alles dabei. Jede Position stößt irgendwo vor den Kopf, jede ist im Grunde aber auch vollkommen verständlich. Vertieft man sich nach dem Anschauen etwas in eigene Gedanken, wird man schnell merken, wie schwer es fällt, sich bei diesem Thema auf eine abgegrenzte Position festzulegen.

Mit welchem Recht kann der Holocaust (immerhin weit über 60 Jahre in der Vergangenheit liegend) noch heute als Kampfmittel in politische Schlachten geführt werden?
Mit welchem Recht kann man der jüdischen Bevölkerung absprechen, sich stets auf diese unvergleichbare Katastrophe zurückzubeziehen?

Ich denke, im Film kommt gut raus, dass es auf diese Fragen keine eindeutigen Antworten geben kann. Es wird allerdings auch deutlich, dass die beiden großen konträren Wege, dieses Thema zu behandeln, auf Dauer keine Lösung bringen können.
Das Beharren auf die andauernde Schuld und die Rhetorik von ständiger Bedrohung des Judentums werden genauso wenig zu einer Entspannung der Situation führen, wie der Versuch, den Holocaust auf politischer Ebene unter den Mantel des Schweigens zu drängen.

Erinnerung ist wichtig und nötig, darf aber nicht dazu führen, dass man sich in ihr verliert und vor lauter Verfolgungs- und Bedrohungsgefühlen gar nicht mehr fähig ist, sich den veränderten Bedingungen in einer modernen Welt anzupassen.
In meinen Augen arbeitet Yoav Shamir diese Position aus den verschiedenen präsentierten Ansätzen sehr gut heraus.
Und ganz leicht hört man dann am Ende des Films auch das richtige Honecker Zitat mitschwingen.

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Janus Winter

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

DEFAMATION sollte eine Pflichtlektüre für jeden Juden, für jeden Palästinenser, für jeden Fundamentalisten, für jedes Opfer, für jeden Täter, also für jeden Menschen sein. Nicht weil sein Ableitungen immer stimmen (es gibt [antizionistischen] Antisemitismus im Mittleren und Nahen Osten), sondern weil es eine (selbst)zerstörerische Schizophrenie im Menschsein beschreibt, aus der es kein Entkommen gibt. DEFAMATION hilft zu verstehen, aber wird nichts ändern. Menschen bilden in allerlei Kategorien Eigen- und Fremdgruppen, sind mal Verbündete, mal Feinde; um es mit der Hegelschen Metapher auf eine allgemeinere Stufe zu heben: sind Herrscher und Knechte. Das macht uns aus, das schafft unsere Identität, das macht uns zu Monstern und Heiligen.

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karma-karman

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Absolut sehenswert. Nicht nur eine sehr intelligente, sondern auch eine äußerst unterhaltsame, da spannende Doku.

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