Kein anderer deutscher Regisseur hat menschliche Beziehungsgeflechte derart gründlich seziert wie Rainer Werner Fassbinder, für mich der letzte bedeutende deutsche Nachkriegsregisseur von Weltformat. Nicht nur in „Der amerikanische Soldat“ visualisiert Fassbinder die Unmöglichkeit dauerhafter positiver Gefühlswelten angesichts der Überwölbung menschlicher Beziehungen durch Geld und Macht. Ricky ist der Prototyp des amerikanischen Kinogangsters, aber bei Fassbinder wird er mehr, zum Aushängeschild einer fast gefühllosen Regelung des Lebens. Ricky handelt geradezu mechanisch. Für ihn existiert nur der Auftrag und dessen Bezahlung. Was er braucht, Valentine-Whisky oder Frauen, nimmt er sich. Erinnerungen an die Jugend, die Familie, den Freund Franz haben rein instrumentellen Charakter. Sie sind in ihrer Bedeutung zur Bedeutungslosigkeit und Funktionalität im Hinblick auf seinen „Beruf“ verkommen. Der Besuch bei Mutter und Bruder hat nicht mehr zu bedeuten als die Beziehung zu Rosa – Ereignisse unter vielen, im Rahmen von Geben und Nehmen.
Zusammen mit „Effi Briest“ der bisher einzige Fassbinder den ich nicht mochte. Die Kamera ist teilweise schon gelungen, aber man merkt: München ist nicht L.A., Karl Scheydt nicht Bogart, Fassbinder nicht Howard Hawks. Das Aufzeigen verschiedener menschlicher Seiten wirkt wie ein Fremdkörper, viel schlimmer noch, es ist teilweise sogar richtig unfreiwillig komisch – was R.W.F. sonst nie passiert ist. Als 30-Minüter wäre „Der Amerikanische Soldat“ wohl besser gewesen, dann hätte man auch nicht fast 80 Minuten den schlechten Score ertragen müssen (Fassbinders Co Komposition „Tenderness“ ausgenommen)
Der amerikanische Soldat - Kritik
DE 1970 Laufzeit 80 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 09.10.1970
Kritiken (1) — Film: Der amerikanische Soldat
Ulrich Behrens
Kommentar löschenKein anderer deutscher Regisseur hat menschliche Beziehungsgeflechte derart gründlich seziert wie Rainer Werner Fassbinder, für mich der letzte bedeutende deutsche Nachkriegsregisseur von Weltformat. Nicht nur in „Der amerikanische Soldat“ visualisiert Fassbinder die Unmöglichkeit dauerhafter positiver Gefühlswelten angesichts der Überwölbung menschlicher Beziehungen durch Geld und Macht. Ricky ist der Prototyp des amerikanischen Kinogangsters, aber bei Fassbinder wird er mehr, zum Aushängeschild einer fast gefühllosen Regelung des Lebens. Ricky handelt geradezu mechanisch. Für ihn existiert nur der Auftrag und dessen Bezahlung. Was er braucht, Valentine-Whisky oder Frauen, nimmt er sich. Erinnerungen an die Jugend, die Familie, den Freund Franz haben rein instrumentellen Charakter. Sie sind in ihrer Bedeutung zur Bedeutungslosigkeit und Funktionalität im Hinblick auf seinen „Beruf“ verkommen. Der Besuch bei Mutter und Bruder hat nicht mehr zu bedeuten als die Beziehung zu Rosa – Ereignisse unter vielen, im Rahmen von Geben und Nehmen.
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Kommentar — Film: Der amerikanische Soldat
Kommentar schreibenDavid "Noodles" Aaronson 2011/10/21 00:33:18
Kommentar löschenZusammen mit „Effi Briest“ der bisher einzige Fassbinder den ich nicht mochte. Die Kamera ist teilweise schon gelungen, aber man merkt: München ist nicht L.A., Karl Scheydt nicht Bogart, Fassbinder nicht Howard Hawks. Das Aufzeigen verschiedener menschlicher Seiten wirkt wie ein Fremdkörper, viel schlimmer noch, es ist teilweise sogar richtig unfreiwillig komisch – was R.W.F. sonst nie passiert ist. Als 30-Minüter wäre „Der Amerikanische Soldat“ wohl besser gewesen, dann hätte man auch nicht fast 80 Minuten den schlechten Score ertragen müssen (Fassbinders Co Komposition „Tenderness“ ausgenommen)
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