Der Fan
Der Fan (1982), Laufzeit 92 Minuten, Thriller, Horrorfilm, Drama
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von Eckhart Schmidt, mit Désirée Nosbusch
Simone ist in den Popstar R verliebt und schreibt ihm Liebesbriefe. Als er nicht antwortet lauert sie ihm vor einem Fernsehstudio auf und schafft es tatsächlich von ihm mitgenommen zu werden. Allerdings entwickelt sich alles anders wie beide sich vorgestellt haben.
Cast & Crew
-
Eckhart Schmidt
-
Désirée Nosbusch
Regie
Schauspieler
- Genre
- Thriller, Kannibalenfilm, Horrorfilm, Drama
- Handlung
- Fan, Fanatiker, Fanatismus, Groupie, Kannibale, Kannibalismus
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Filmdetails Der Fan
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Kommentare
Kommentar schreibennini_paga 2012/02/20 13:04:52
Kommentar löschen*SPOILER*
"Fanatismus" bedeutet wörtlich soviel wie "göttlich inspiriert". Die 16jährige Desirée Nosbusch aka Simone scheint nicht nur göttlich inspiriert, sondern erschafft sich "Gottes-gleich" ihre eigene Traumwelt, die sich nur um den NDW - Sänger "R" (gespielt von dem Sänger der Gruppe "Rheingold", die auch zum Soundtrack beiträgt) dreht. In Briefen und Gedanken spricht sie zu ihm, ein einseitiger Dialog. Geredet wird in "Der Fan" sowieso nicht so viel. Anstatt Gesprächen gibt es Taten, Gesten und viel Aggressionen. So wird Simone sofort handgreiflich, wenn ihr etwas nicht passt. Inszeniert wird Simone einsam und verloren in der kühlen technisierten Welt der 80er Jahre. Minutenlang setzt Schmidt sie alleine ins Bild, lässt ihre Blicke sehnsüchtig streifen. Selten scheint sie wirklich in die Welt zu schauen; ihre Blicke sind verträumt und nach innen gerichtet.
Dann fasst sie den Entschluss: 7 Tage - sollte "R" dann nicht auf ihre Briefe reagiert haben, wird sie ihn aufsuchen, aktiv werden. Die Tage vergehen, kein Brief kommt. Ohne mit der Wimper zu zucken, macht sich Simone in Kochjacke (!), Lederhosen und Cowboystiefeln auf nach München, wo er bei der Fernsehsendung "Top Pop" auftreten soll. Schon der Weg, den sie mit Trampen überbrückt, zeigt, was die Männer von Simone wollen: ihr an die Wäsche.
Vor dem Fernsehstudio angekommen, warten viele Gleichgesinnte, doch auch hier bleibt sie allein und abseits. Als es nun endlich zum ersten Treffen mit "R" kommt, bleibt sie nicht nur sprachlos, sondern fällt in Ohnmacht. Kollision der Welten: "R" ist fortan nicht mehr nur ein Bild im TV oder an ihrer Wand, sondern ein realer Mensch.
Nach der Enttäuschung Simones, dass "R" von ihr nichts anderes will, als die anderen - nämlich, ihr an die Wäsche, beginnt der Exploitationteil des Films, dem "Der Fan" auch die Zuordnung in dieses Genre verdankt, obwohl es sich höchstens um ein Viertel des Filmes handelt.
In einem surrealen Haus kommt es in einem fahnenbehangenen Zimmer zum letzten Akt. Erst Sex, dann Mord, dann Mahl. Anders als in Filmen wie Claire Denis "Trouble every Day" (2001), in dem Béatrice Dalle's Kannibalismus, wild, sexuell und leidenschaftlich inszeniert ist, bleiben die Szenen in "Der Fan" clean und kühl. Zum Zerlegen nutzt Simone ein Elektromesser, es gibt kaum Blut. Schmidt setzt nicht auf eine affektvolle, körperliche Inszenierung des Massakers. Die Szenen erinnern -gestützt durch die Synthesizerdominierte Musik- an ein Nintendo64-Spiel. Die Intensität und Konzentriertheit, mit der Simone ihr Mahl zubereitet, erinnert an Takashi Miikes "Audition"(1999) oder die virtuelle Kastrationsszene "Hard Candys"(2004).
Mit "R" in ihrem Bauch (seine Knochen zermahlt sie und verstreut sie auf der Straße), hat sie wieder die Kontrolle. Sie kehrt zurück nach Hause mit der Ankündigung: "Morgen geh ich wieder in die Schule" und nichts scheint anders zu sein als zuvor. Nur Simones Frisur, denn sie hat sich -einer Soldatin gleich- eine Glatze rasiert.
Kannibalismus wird in der Psychoanalyse in Verbindung mit der psychosexuellen Entwicklung Jugendlicher gesehen. Er steht in enger Verbindung zu Identifikationsprozessen, da er sein begehrtes Objekt einverleibt. Simone ist an der Schwelle zum "Frau sein". Die Entdeckung der Sexualität wird hier nicht als positiver Akt, sondern als zerstörerischer definiert, gegen den sich Simone wiederholt zur Wehr setzen muss.
Schmidt schuf mit "Der Fan" einen Film, der seiner Zeit um einiges voraus war. Nicht nur die Figur der Simone, ist eine Subversive. Denn es gibt keine direkten Vorgängerinnen, die mit dieser Kühle und Bestimmtheit gewalttätig handeln. Erst ca. ab 2000 beginnen sich diese "Neuen Gewalttäterinnen" im Kino auszubreiten.
Der Film behandelt das Thema der Macht. Macht über sich selbst, Macht über andere, Macht über die Welt. Die Anspielungen auf den Faschismus (der etymologische Wortstamm bedeutet so viel wie"Rutenbündel", dem symbolischen Zeichen für Herrschaftsgewalt), passt sich genau so in diesen Diskurs ein, wie die Thematisierung der Geschlechterverhältnisse. Nicht umsonst werden die Hauptpersonen Simone (Sie (mone)) und "R" (Er) namentlich allegorisiert. Eine Idee, die sich in klarerer Durchführung auch bei Lars von Triers "Antichrist" (2009) wiederfindet. Wäre dieser Film nicht so stark dem 80er Zeitgeist unterworfen, könnte er auch von Michael Haneke sein.
Ich halte "Der Fan" für ein subversives Meisterwerk, dass leider, wie andere Kunstwerke die ihrer Zeit voraus waren, zu stark in Vergessenheit geraten ist. Trotz seiner starken 80er Ästhetik wirkt der Film aktuell!
bedenklich? 9 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 2 Antworten
horro 2012/02/20 16:43:52
Antwort löschenDen hab ich als Teen mal gesehen und war schockiert ... muss ich mir auch unbedingt wieder mal anschauen ... danke für die detaillierte Erinnerung!
liquiem 2012/05/10 10:12:29
Antwort löschenHabe mir den Streifen danke deiner Liste und deines Kommentars gestern angesehen. Mit dem subversiven Meisterwerk stehst du nicht alleine da - gerade das (mittlerweile fast) befremdliche 80iger Feeling, die wenigen gebrauchten Worte und dieser wiederkehrende Soundtrack, machen den Film verdammt dicht.
Auch wenn das Thema bis in die 80iger schon oft behandelt wurde, kann ich mich jetzt spontan an keinen Film erinnern, der mir das so hautnah vermittelt hat.
Fanatismus beginnt schon im im Kleinen, im Alltäglichen. Simone dagegen ist da viel konsequenter. Sie ist die Lebendigste unter all den Bühnen-Puppen!
Ich bin Fan, von Anfang bis zum Ende. Und zwar von Simone.