Der Gejagte - Kritik

US 1997 Laufzeit 114 Minuten, FSK 12, Drama, Thriller, Kinostart 12.02.1998

  • 7 .5

    Unbequemes Generationendrama im White-Trash-Milieu mit viel Schnee und sympathischen Losern. Schrader hätte keine bessere Besetzung für seinen Vater-Sohn-Konflikt finden können: Coburn und Nolte sind einfach nur echt in ihre Rolle und das geht bis in die deutsche Raubein-Synchro hinein. Eigentlich hätten sie beide nen Goldjungen verdient gehabt. Dazu noch die blendende Spacek, die wie ein Sahnehäubchen auf diesem Traumduo thront. Schrader hat(te) es drauf!

    • 6 .5

      Schauspielerisch makellos und ein Arschlochvati, der im Gedächtnis bleibt. Irgendwie lässt mich diese Jammertalbesichtigung aber etwas ratlos zurück.

      1
      • 6

        "Manchmal sind die Dinge einfacher als man denkt."
        Ein Polizist, der bei seinem öden Job von niemandem ernst genommen wird, frustriert in der erkalteten Enge einer verschneiten Kleinstadt zunehmend und verwickelt sich in einem Strudel aus Verdächtigungen, Mutmaßungen und Verschwörungen.
        Stimmungsvolles, unsentimentales Provinz-Drama, das ähnlich gemächlich wie das Lebenstempo der Einwohner vor sich hin treibt.
        Der Krimi-Aspekt wird bewusst vernachlässigt, sein Blick liegt mehr auf das Portrait eines vereinsamten Mannes, der geprägt von der Tyrannei seine jähzornig-brutalen, reaktionären Vaters ist.
        Überzeugend von allen, insbesondere Nick Nolte, gespielt, getragen von einer inneren Spannung/Dramatik aber leider auch nur bedingt fesselnd.
        Die bittere Studie über einen alten Hund, der zu oft getreten wurde um dann (endlich) zu beißen ist überdeutlich-symbolisch bebildert und verzichtet leider auch nicht auf einen alles erklärenden Off-Kommentar. Die Spurensuche in die Vergangenheit einer Familientragödie versucht Männergewalt zu erklären, trägt aber dabei (besonders zum Ende hin) etwas dicke auf.
        Trotzdem bleibt der Eindruck von einem sorgfältig inszenierten Drama übrig, das mich allerdings in seiner Intensität nicht völlig berührt hat.

        8
        • 7

          Unsentimentales Schauspielerkino im Schnee von Paul Schrader mit einem ausgezeichneten (ich seh den sonst nicht so gerne, aber hier ist er sehr gut) Nick Nolte, James Coburn (Oscar!), Willem Dafoe sowie Sissy Spacek, ist "Affliction". Wie der dauerbetrunkene Vater Coburn seine Familie terrorisiert und wie seine Kinder, insbesondere Noltes Hauptfigur, mit diesem familiären Defekt (= Affliction) umgehen und leben müssen, was es aus ihnen macht, das ist ganz unangenehm mit anzusehen. Die Krimihandlung um einen "Jagdunfall" ist hier nur Hintergrund um eine tragische Vater-Sohn-Geschichte zu erzählen.

          13
          • 7 .5

            [...] Was nach einem Thriller im Stil von "Copland" klingt ist in erster Linie ein Familiendrama, eine Charakterstudie. Mit voller Hingabe spielt Nick Nolte die gebrochene Hauptfigur. Vom Schicksal stets in den Rücken getreten stemmt er sich endlich einmal gegen alle Widerstände, versucht das Richtige zu tun und zerstört sich damit endgültig selber. Noltes Leistung ist brillant, dürfte zu den Höhepunkten seiner Karriere zählen. Wie bereits erwähnt bekam James Coburn in der Rolle seines alkoholkranken, jähzornigen Vaters den Nebenrollenoscar, trotz recht weniger Szenen. Lässt sich voll unterschreiben, sein Auftritt ist beeindruckend, bösartig, hassenswert.

            "Der Gejagte" ist ein ruhiger Film, der sich nicht auf einen hochspannenden Plot stützt, sondern mehr auf seine Atmosphäre, seine Figuren und deren Darsteller. Wie die Rollen charakterisiert, geschrieben und gespielt sind, das macht seine Stärke aus. Alles wirkt sehr gut durchdacht und mit viel Wert auf Details umgesetzt. Die frostig-ländliche Kulisse passt hervorragend zu der eisigen Stimmung, der unaufdringliche, aber enorm passende Score von Michael Brook rundet das Gesamtbild ab. [...]

            17
            • 5

              Ein trostloses Kaff, weit ab von jeglichem hektischen Treiben. Während eines Jagdausflugs geschieht ein tödlicher Unfall, oder war es etwa Mord? Scheidungsangelegenheiten, Familientragödien, Korruptionen, Kungeleien, Alkoholprobleme, provinzielle Zwistigkeiten, Liebe und ein vermeintlicher Mordfall – alles Themen, die dieses Drama behandelt. Zum Ende fügt sich alles und mittendrin agieren Nick Nolte, Sissy Spacek, James Coburn und Willem Dafoe allesamt grundsolide bis überzeugend.

              Vom Hocker hat´s mich zwar auch während des zweiten Anlaufs nicht gerissen, obwohl ich auf sozialkritische Filme stehe, aber Paul Schrader bewältigt den Themen-Spagat nur bedingt, sodass mich "Der Gejagte" (noch) nicht in seinen Bann ziehen konnte. Jedenfalls hat es der Film geschafft, dass er weiterhin Bestandteil meiner Filmsammlung bleibt, und das heißt doch auch schon was! Außerdem war es mir einen weiteren Punkt wert.
              Also einfach mal abwarten - dreimal ist bekanntlich Bremer Recht... ;o)

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              • 8

                Herausragendes Familienportrait, verpackt als Thriller, ausgezeichnet mit einem Oscar für James Coburn. Die anderen Darsteller sind aber auch allesamt große Klasse.