Der junge Karl Marx - Kritik

Le jeune Karl Marx

BE/DE/FR · 2016 · Laufzeit 118 Minuten · FSK 6 · Drama · Kinostart
Du
  • 7

    Und trotz der inszenatorischen Entscheidung, den Film [Der junge Karl Marx] formal konventionell-historisch zu halten, vielleicht um es sich mit keiner der möglichen Zielgruppen zu verscherzen, ist jede Menge Leidenschaft zu spüren [...]. [Jenni Zylka]

    • 6

      Und auch wenn [Der junge Karl Marx] von Raoul Peck stilistisch etwas betulich und altbacken daher kommt, bleibt es ein überraschend unterhaltsames und inhaltlich sehr modernes Werk. [Jörg Taszman]

      • 6

        "Der junge Karl Marx" fängt stark an: Polizisten durchkämmen ein Waldgebiet, in dem abgerissene Gestalten zwischen den Büschen hausen. Die Kamera filmt ins Licht; ein Ort wie der morgendliche Berliner Tiergarten. Die Menschen könnten die sein, die dort zelten: Arbeiter aus Osteuropa, aus der Wohnung Geräumte und sonstige Marginalisierte. Sollte es im Sinne von Regisseur Raoul Peck gewesen sein, eine Verbindung zwischen der Mitte des 19. Jahrhunderts, zwischen der damaligen Pauperisierung der Massen und heutigem Prekariat herzustellen, ist ihm das zumindest zu Beginn gelungen.

        Im Zentrum seines Films steht das prominenteste Rockstar-Duo, bevor Lennon/McCartney bzw. Jagger/Richards die Weltbühne betraten: Karl Marx und Friedrich Engels, jung und schön, Paris 1844. Sie schmieden politische Bündnisse, gründen Zeitungen, fliegen raus, schreiben Studien über die Armut. Karl ist knapp bei Kasse, Friedrich kämpft mit dem Unternehmervater - die beiden Jungzausel könnten europäische Hipster sein, nur die Smartphones fehlen. Die beiden disputieren sich besoffen und verqualmt durch politische Theorie, Ökonomie und Familienprobleme. Nach der Devise "Gebt den Linken mehr zu trinken" wirkt der Streifen zeitweise wie ein Werbeclip für den Spätkauf. In der ersten Stunde kommt das recht modern rüber. Dann ist die die Luft ein bisschen raus. Zum "Kommunistischen Manifest" hin verlegt man sich ein wenig aufs Drehbuchaufsagen.

        Das große Plus dieses Films: Er beleuchtet einen Abschnitt deutscher Geschichte, der so gut wie nie im Kino vorkommt; Marx und Engels und der Kommunismus sowieso nicht. Peck präsentiert mit Mary Burns und Jenny Marx zwei starke Frauenfiguren. Überhaupt alle Schauspieler machen ihr Ding und das nicht schlecht.
        Im Minus: Öfters vergisst der Film, dass er Kino ist. Sei es, dass er im endlosen Debattieren versinkt wie unsereins weiland nach dem Proseminar, oder dass er inszenatorische Macken hat: Wenn ich darstellen will, dass die englische Webmaschine der Arbeiterin die Finger abreißt, stelle ich niemand ins Zimmer, der erzählt, dass die Webmaschine die Finger abgerissen hat. Ich zeige die Finger.
        Aber was soll′s: Raoul Peck, mach dich an "Kapital 1-3"!

        • 5
          DieZEIT 03.03.2017, 11:12 Geändert 03.03.2017, 11:14

          [Raoul] Pecks Filmbiografie [Der junge Karl Marx] über den Sozialphilosophen ist so kompromisslos wie eine Schulfunksendung. [...] Die Geburtsstunde des Klassenkampfs hätte durchaus ein feuriges Schauspiel abgeben können. Sie hätte auch einen erheblicheren Film verdient. Stattdessen werden den Zuschauern Bilder im Gedächtnis bleiben von gescheit parlierenden Männern in hohen Hüten, die schlechte Zigarren rauchen und unvorteilhafte Bärte tragen. [Gerhard Midding]

          • 6

            Raoul Peck stützt sich gemeinsam mit seinem Co-Autor Pascal Bonitzer auf direkte Quellen, vor allem Briefe. Er stellt zunächst den Zwiespalt und die Widersprüche der beiden Männer heraus. [...] Großes Augenmerk verwendet die Inszenierung [von Der junge Karl Marx] auf die detailfreudige und stimmige Ausgestaltung der Zeit Mitte des 19. Jahrhunderts [Michael Ranze]

            • 6 .5

              Ein Gefühl für die Zeit kommt bei den vielen Studioaufnahmen nicht wirklich rüber. [...] Hier muss der Film über seine Dialoge wirken und kann das oft vor allem dank des überragenden Spiels von August Diehl. [Günter H. Jekubzik]

              • 5

                Was nach einem recht munteren Auftakt [vom Film Der jungen Kar Marx] bleibt, ist ambitioniertes Schulfernsehen.
                [Stefan Benz]

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                • 5
                  NDR 02.03.2017, 09:54 Geändert 02.03.2017, 09:55

                  Der revolutionäre Schwung fehlt [dem Film Der jungen Karl Marx]. Die Faszination Karl Marx mag sich dem Zuschauer nicht recht vermitteln - das Kommunistische Manifest als Schulfunk. [Krischan Koch]

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                  • 8

                    Mit einem herausragenden August Diehl als Marx gelingt ein überraschend theorie- und debattenlastiges Porträt eines von sich selbst überzeugten jungen Mannes, der die Welt revolutionieren wollte. [Maximilian Haase]

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                    • 4

                      Der junge Karl Marx erzählt in seinem Inhalt von der Revolution - aber nicht in seiner Ausführung. [Deborah Young]

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                      • 4 .5

                        Raoul Becks Biopic Der junge Karl Marx über die philosophische Muse des Kommunismus ist so altmodisch inszeniert, dass es sogar den Radikalismus seines Subjekts zahm werden lässt. [Owen Gleiberman]

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                        • 6 .5

                          Der junge Karl Marx ist vieles, will vieles sein, ächzt und stöhnt oft angesichts der sich oft widersprechenden Elemente und ist am Ende vor allem ein wuchtiger Film, der mit seiner politischen Haltung ziemlich genau den modernen Zeitgeist trifft. [Michael Meyns]

                          • 6

                            Den politischen Diskurs kann Raoul Pecks Biopic »Der junge Karl Marx« durch seine ernsthafte, aber keineswegs hagiografische Auseinandersetzung mit Marx vielleicht befruchten. Ästhetisch kommt er aber nur in den wenigsten Szenen über biederes Kostümkino hinaus. [Sascha Westphal]

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