"If you prick us, do we not bleed? If you tickle us, do we not laugh? If you poison us, do we not die? And if you wrong us, shall we not revenge?"
Eines der berühmtesten Shakespeare-Zitate im heute wohl kontroversesten seiner Stücke, dessen sich nach einer gefühlten Ewigkeit mit Michael Radford wieder ein Regisseur angenommen hat.
Der Venezianer Bassanio wendet sich an seinen Freund und Kaufmann Antonio, um die ausreichende Summe aufzubringen, damit er um seine Flamme Portia werben kann. Antonios Vermögen ist gerade investiert und so wendet er sich an den jüdischen Geldverleiher Shylock, den er jahrelang bereits misshandelt hatte, und geht mit der Gewissheit, das Geld rechtzeitig zurückzahlen zu können, den Deal ein, Shylock mit einem Pfund seines eigenen Fleischs zu bezahlen, sollte er seine Schulden nicht wie vertraglich festgehalten begleichen können...
"The Merchant of Venice" zählt zu Shakespeares Problemstücken, obwohl es als "Komödie" klassifiziert wird. Eine schwarze Komödie ist es durch aus, vor allem erkennt man dies jedoch an der inflationären Pärchenbildung und den Frauenfiguren, die vorgeben Männer zu sein (und damals ja auch von Männern gespielt wurden, worüber sich Shakespeare nur zu gerne lustig machte).
Man kommt bei all der schönen Sprache nicht umhin, den zweifellos vorhandenen Antisemitismus dieses Stücks anzusprechen. Radford wählt den Weg das Stück in seinen Kontext zu setzen. Unüblich für Shakespeare erfolgt hier eine Einblendung "Venice, 1596". Danach wird der Zuschauer per Texteinblendung mit Hintergrundinformation versorgt: über den Status und die Unterdrückung der Juden im Venedig dieser Zeit, dass man ihnen wirtschaftlich keine Wahl ließ als den Geldverleih und da dies für den Reichtum der Stadt und ihrer Kaufleute bedeutend war, man zwei Augen ob des eigentlichen Verbots dieser Praxis zudrückte... Der Charakter des Shylock ist damit nicht ausreichend erklärt und sein blutrünstiges Verlangen nach Rache ebensowenig. Doch Shakespeares England war nach unseren Begriffen kein bisschen "politically correct", Minderheiten begegnete man mit offener Diskriminierung und Feindseligkeiten. Natürlich spiegelt sich in seinen Stücken seine Gesellschaft wider. Man kann ihm dennoch nicht vorwerfen in seinen Darstellungen mit den sonst üblichen Klischees gearbeitet zu haben. Ob Othello oder Shylock, Shakespeare hat stets komplexe Figuren mit echten Problemen geschaffen. Bei allem was sich Othello von diversen Figuren anhören muss, Desdemona liebt ihn aufrichtig. Shylock erscheint auf den ersten Blick habgierig und grausam. Doch ist er über eine lange Zeit ebenfalls grausam behandelt worden und hat dies duldsam ertragen. Als er die Chance zur Rache sieht, ergreift er sie.
Pacino, in seiner besten sowie in letzten 10-15 Jahren raren sehr guten Performance, tut sein übriges. Selten habe ich Mr Huuha so beherrscht gesehen. Er verleiht seinem Shylock Tiefe und erzwingt vom Zuschauer Mitgefühl, selbst bei dessen unverhältnismäßigem Wunsch nach Antonios Tod. Der Grund warum ich mich bei der konstruierten, aber immer wieder gestellten DeNiro oder Pacino-Frage, letztlich doch immer für Pacino entscheide, ist dessen Liebe zu Shakespeare. Beide sind heute in ihren Filmen nur noch ein Schatten ihrer selbst, doch Pacino bleibt immer noch Shakespeare und den hat er verstanden und weiß ihn wie nur wenige zu spielen.
Für ihn Sympathie aufzubringen fiel mir besonders leicht, da Bassanio vom wie immer unterirdischen Joseph Fiennes gegeben wird. Alle anderen Schauspieler machen ihre Sache gut bis in die kleinsten Rollen.
Gerade die hässlicheren Aspekte von "The Merchant of Venice" machen das Stück umso interessanter, wenn man sich mit ihnen auseinandersetzt, da sie die wundervolle Sprache und die eigentliche Thematik von der Ethik von Versprechen, von Gnade, Recht und Loyalität unterminieren und verkomplizieren.
Schließlich wählt Radford Venedig auch als Kulisse und die Kostüme verleihen einem das Gefühl die Portraitierten alter Gemälde von Caravaggio oder Rembrandt führten das Stück auf.
All dies macht den Film zu einer guten Shakespeare-Verfilmung, die das Wesentliche relativ gekonnt auf die Leinwand bannt.
Wollte gerade eine Kritik schreiben aber die hätte sich exakt so wie deine angehört, daher lass ich es :)
"da Bassanio vom wie immer unterirdischen Joseph Fiennes gegeben wird."
Ich war auch nun beim zweiten Sehen auf DVD, nach dem Kinobesuch vor einigen Jahren, noch mehr entsetzt von Fiennes. Was tut er da? Das würde hierzulande nur im schlechten Provinztheater als Shakespeare durchgehen.
Solch eine vorsintflutliche Shakespeare Heroen Nummer mit Schmachtblicken war in "Shakespeare in Love" tatsächlich lustig, aber wenn Fiennes es hier ernst meint, wird es hochnotpeinlich.
Er hat auch "Enemy at the Gates" zur Komödie gemacht. Hier hat jemand wirklich den Familiennamen genutzt.
"Alle anderen Schauspieler machen ihre Sache gut bis in die kleinsten Rollen."
Besonders Charlie Cox in der reinen Dramaturgie-Figur Lorenzo macht seine Sache gut. Uneitel, zurückhaltend, wahrhaftig und direkt. Großes Schauspiel.
Ja, Cox war gut, wie eigentlich alle außer Fiennes. Danke. Bin immer froh, dass der nicht nur mich regelmäßig irritiert. Wenn du es dir mal so richtig geben willst, "Killing Me Softly" ist sagenhaft schlecht und Fiennes krönt das noch schauspielerisch. ;)
Da lobe ich mir doch Bruder Ralph, den talentierten Fiennes.
Shakespeare ok, aber das ist mit Sicherheit ein Werk was sich zur Verfilmung weniger eignet.Sicherlich schön anzusehen Kostüme, Venedig etc. aber ansonsten langweilig und hätte man mehr draus machen können.
Al Pacino in einer Paraderolle. Obwohl "Der Kaufmann von Venedig" allseits bekannt sein dürfte und die Handlung keine Überraschungen bietet, ist die Darstellung und Inszenierung eine Wucht. Unbedingt sehenswert.
Kritiker — Ganz gut 6.0
Der Film Der Kaufmann von Venedig wurde von 8 Kritikern bewertet.
Rochus Wolff: critic.de
Die erste Verfilmung des Dramas seit langer Zeit stellt Shylock in den Kontext der Gesellschaft und macht ihn zu einer starken, tragischen Figur.
Link zu vollständiger Kritik (externer Link)
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Batzman: moviepilot / Fünf Filmfreunde
Opulenate Inszenierung die trotz der tollen Besetzung in ihrer Behäbigkeit und Ausstattung erstickt und nie wirklich atmet.
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Kommentare — Ganz gut 6.9
Der Film Der Kaufmann von Venedig wurde von 170 Mitgliedern bewertet.
Sonse 2009/08/22 16:25:27
"If you prick us, do we not bleed? If you tickle us, do we not laugh? If you poison us, do we not die? And if you wrong us, shall we not revenge?"
Eines der berühmtesten Shakespeare-Zitate im heute wohl kontroversesten seiner Stücke, dessen sich nach einer gefühlten Ewigkeit mit Michael Radford wieder ein Regisseur angenommen hat.
Der Venezianer Bassanio wendet sich an seinen Freund und Kaufmann Antonio, um die ausreichende Summe aufzubringen, damit er um seine Flamme Portia werben kann. Antonios Vermögen ist gerade investiert und so wendet er sich an den jüdischen Geldverleiher Shylock, den er jahrelang bereits misshandelt hatte, und geht mit der Gewissheit, das Geld rechtzeitig zurückzahlen zu können, den Deal ein, Shylock mit einem Pfund seines eigenen Fleischs zu bezahlen, sollte er seine Schulden nicht wie vertraglich festgehalten begleichen können...
"The Merchant of Venice" zählt zu Shakespeares Problemstücken, obwohl es als "Komödie" klassifiziert wird. Eine schwarze Komödie ist es durch aus, vor allem erkennt man dies jedoch an der inflationären Pärchenbildung und den Frauenfiguren, die vorgeben Männer zu sein (und damals ja auch von Männern gespielt wurden, worüber sich Shakespeare nur zu gerne lustig machte).
Man kommt bei all der schönen Sprache nicht umhin, den zweifellos vorhandenen Antisemitismus dieses Stücks anzusprechen. Radford wählt den Weg das Stück in seinen Kontext zu setzen. Unüblich für Shakespeare erfolgt hier eine Einblendung "Venice, 1596". Danach wird der Zuschauer per Texteinblendung mit Hintergrundinformation versorgt: über den Status und die Unterdrückung der Juden im Venedig dieser Zeit, dass man ihnen wirtschaftlich keine Wahl ließ als den Geldverleih und da dies für den Reichtum der Stadt und ihrer Kaufleute bedeutend war, man zwei Augen ob des eigentlichen Verbots dieser Praxis zudrückte... Der Charakter des Shylock ist damit nicht ausreichend erklärt und sein blutrünstiges Verlangen nach Rache ebensowenig. Doch Shakespeares England war nach unseren Begriffen kein bisschen "politically correct", Minderheiten begegnete man mit offener Diskriminierung und Feindseligkeiten. Natürlich spiegelt sich in seinen Stücken seine Gesellschaft wider. Man kann ihm dennoch nicht vorwerfen in seinen Darstellungen mit den sonst üblichen Klischees gearbeitet zu haben. Ob Othello oder Shylock, Shakespeare hat stets komplexe Figuren mit echten Problemen geschaffen. Bei allem was sich Othello von diversen Figuren anhören muss, Desdemona liebt ihn aufrichtig. Shylock erscheint auf den ersten Blick habgierig und grausam. Doch ist er über eine lange Zeit ebenfalls grausam behandelt worden und hat dies duldsam ertragen. Als er die Chance zur Rache sieht, ergreift er sie.
Pacino, in seiner besten sowie in letzten 10-15 Jahren raren sehr guten Performance, tut sein übriges. Selten habe ich Mr Huuha so beherrscht gesehen. Er verleiht seinem Shylock Tiefe und erzwingt vom Zuschauer Mitgefühl, selbst bei dessen unverhältnismäßigem Wunsch nach Antonios Tod. Der Grund warum ich mich bei der konstruierten, aber immer wieder gestellten DeNiro oder Pacino-Frage, letztlich doch immer für Pacino entscheide, ist dessen Liebe zu Shakespeare. Beide sind heute in ihren Filmen nur noch ein Schatten ihrer selbst, doch Pacino bleibt immer noch Shakespeare und den hat er verstanden und weiß ihn wie nur wenige zu spielen.
Für ihn Sympathie aufzubringen fiel mir besonders leicht, da Bassanio vom wie immer unterirdischen Joseph Fiennes gegeben wird. Alle anderen Schauspieler machen ihre Sache gut bis in die kleinsten Rollen.
Gerade die hässlicheren Aspekte von "The Merchant of Venice" machen das Stück umso interessanter, wenn man sich mit ihnen auseinandersetzt, da sie die wundervolle Sprache und die eigentliche Thematik von der Ethik von Versprechen, von Gnade, Recht und Loyalität unterminieren und verkomplizieren.
Schließlich wählt Radford Venedig auch als Kulisse und die Kostüme verleihen einem das Gefühl die Portraitierten alter Gemälde von Caravaggio oder Rembrandt führten das Stück auf.
All dies macht den Film zu einer guten Shakespeare-Verfilmung, die das Wesentliche relativ gekonnt auf die Leinwand bannt.
2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 2 Antworten
Ortega Lorre 2010/01/04 21:15:38
Wollte gerade eine Kritik schreiben aber die hätte sich exakt so wie deine angehört, daher lass ich es :)
"da Bassanio vom wie immer unterirdischen Joseph Fiennes gegeben wird."
Ich war auch nun beim zweiten Sehen auf DVD, nach dem Kinobesuch vor einigen Jahren, noch mehr entsetzt von Fiennes. Was tut er da? Das würde hierzulande nur im schlechten Provinztheater als Shakespeare durchgehen.
Solch eine vorsintflutliche Shakespeare Heroen Nummer mit Schmachtblicken war in "Shakespeare in Love" tatsächlich lustig, aber wenn Fiennes es hier ernst meint, wird es hochnotpeinlich.
Er hat auch "Enemy at the Gates" zur Komödie gemacht. Hier hat jemand wirklich den Familiennamen genutzt.
"Alle anderen Schauspieler machen ihre Sache gut bis in die kleinsten Rollen."
Besonders Charlie Cox in der reinen Dramaturgie-Figur Lorenzo macht seine Sache gut. Uneitel, zurückhaltend, wahrhaftig und direkt. Großes Schauspiel.
Sonse 2010/01/06 02:47:40
Ja, Cox war gut, wie eigentlich alle außer Fiennes. Danke. Bin immer froh, dass der nicht nur mich regelmäßig irritiert. Wenn du es dir mal so richtig geben willst, "Killing Me Softly" ist sagenhaft schlecht und Fiennes krönt das noch schauspielerisch. ;)
Da lobe ich mir doch Bruder Ralph, den talentierten Fiennes.
G.a.G Spencer 2009/04/19 14:25:12
Großartige Umsetzung des Meisterwerkes mit einem grandiosen Al Pacino in der Hauptroller ! Herausragend !
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Kuntakinte 2008/10/28 21:11:48
Shakespeare ok, aber das ist mit Sicherheit ein Werk was sich zur Verfilmung weniger eignet.Sicherlich schön anzusehen Kostüme, Venedig etc. aber ansonsten langweilig und hätte man mehr draus machen können.
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doctorgonzo 2008/01/22 10:20:11
Toll verfilmt!Pacino, Irons und Fiennes spielen mitreißend!
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irubis 2008/01/17 09:09:54
Al Pacino in einer Paraderolle. Obwohl "Der Kaufmann von Venedig" allseits bekannt sein dürfte und die Handlung keine Überraschungen bietet, ist die Darstellung und Inszenierung eine Wucht. Unbedingt sehenswert.
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