Der Mann im roten Rock

Mon Oncle Benjamin (1969), FR/IT
Laufzeit 90 Minuten, FSK 12, Komödie, Historienfilm, Kinostart 02.02.1975

- Kritiker
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von Edouard Molinaro, mit Jacques Brel und Claude Jade

Der Arzt Benjamin ist in die Manette, die hübsche Tochter eines Wirtes, verliebt. Sie weiß allerdings, daß der Arzt ein Weiberheld ist und will sich erst nach einer Hochzeit näher mit ihm einlassen. Dazu ist Benjamin erstaunlicherweise auch bereit, allerdings hält Manettes Vater nichts von der Liaison.

Handlung

Benjamin Rathéry (Jacques Brel) wirbt erfolglos um die Wirtstochter Manette (Claude Jade). Sie will ihm ihre “Blüte” erst geben, wenn er sie heirate. Da ihr Vater (Robert Dalban) ohnehin auf eine hohe Mitgift aus ist, hat der arme Landarzt keine Chancen. Selbst entführen lassen will sich Manette nur mit Trauschein. Benjamins Schwester Bettine (Rosy Varte) hat für ihren Bruder die Arzttochter Arabelle Minxit (Lyne Chardonnet) auserkoren. Auf der Reise zu Arabelle kehrt Benjamin jedoch wieder bei Manette ein. Als er von einem Marquis (Bernard Blier) gedemütigt wird, rächt sich der Adelsfeind delikat. Inzwischen findet Manette im jungen Hector de Pont-Cassé (Bernard Alane) einen Verbündeten. Durch eine List gibt der Gastwirt seine Tochter doch noch frei. Als Benjamin wegen seiner Rache in die Verbannung geschickt wird, geht Manette mit ihm – auch ohne Trauschein.

Der Film erhielt am 8.6. 1973 von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden das Prädikat “besonders wertvoll”

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Weitere Informationen im Internet
Filmkritik auf djfl.de

Quellen

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Bewertung9.5Herausragend

Romy Schneider und Alain Delon konnten sich 1969 noch so lasziv am "Swimmingpool" räkeln und mit Sado-Maso-Spielchen anbiedern: Das von Jacques Brel und Claude Jade in Kostümen des 17. Jahrhunderts gebotene Katz-und-Maus-Spiel um die Liebe im weitaus sinnlicheren "Mon oncle Benjamin" verwies die beiden durchaus erfolgreichen Nackedeis im Box-office Frankreichs in die Schranken. Wohlverdient.

Edouard Molinaro adaptierte den als historisches Zeitzeugnis geltenden Schelmenromen "Mein Onkel Benjamin" als Referenz an "Fanfan, der Husar" und Äquivalent zum englischen "Tom Jones". Der knallbunt-kraftvoll-amüsante und vor allem zeitlos Adel, Klerus, Staatsgewalt, Steuereintreiber und Standesdünkel verspottende Film ist überdies der beste filmische Lobgesang auf den Genuss edlen Weines (selbst als Benjamins seine Freunde als "eine noble Bande von Epikureern" verteidigt und Manette lakonisch entgegnet "Das mein ich ja: Trunkenbolde")

Ein besonderer Besetzungs-Coup gelang Claude Jade, die jene ihr angebotene Rolle der Arabelle als "zu brav" ablehnte und mit der trotzig-energischen Manette nicht nur "le grand Jacques" schmelzen ließ. Charmant vereitelte sie noch am Set eine geplante Nacktszene und selbt eine Großaufnahme ihrer Brust unter einer dünnen Bluse übernahm ein Double. Weniger ist eben mehr.

Dass Molinaro seine gelungenste Komödie seiner (während der Dreharbeiten) verstorbenen Frau Pierrette widmete, verrät der grandios komponierte Vorspann. Und auch Claude Jades sehr weise Manette darf in einem Moment des Friedens gestehen: "Wenn es der Himmel erlaubte, dir ewig so nah zu sein, ich würde auf jede andere Ewigkeit verzichten".

Wider das Prädikat "besonders wertvoll" durfte 1975 der katholische Filmdienst auf "einige den Unterhaltungswert mindernde Geschmacklosigkeiten" verweisen. Dass ein Marquis in Gestalt des "monstre sacré" Bernard Blier dem großen Jacques Brel en revanche den Po küssen muss, finde ich - obleich nicht fußballaffin - deliziös. Im DDR-Verleih hieß es bereits 1972: "Jacques Brel und Claude Jade haben mehr Sonne auf unsere Erde gebracht als alle Sonnenkönige zusammen". Hab ihn leider erst Anfang der 80er im Fernsehen gesehen.

Einziges Manko bleibt, dass man die beiden - zur berauschend lebensfrohen Filmmusik eilig Hand in Hand hinter einem Heuhaufen verschwindend - nicht weiter begleiten kann.

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