Der Nachtmahr - Kritik

Der Nachtmahr

DE · 2015 · Laufzeit 92 Minuten · FSK 12 · Horrorfilm, Drama, Thriller · Kinostart
Du
  • 4 .5

    [...]
    Mustergültig manifestiert sich der Nachtmahr als Symbol ihrer Unsicherheiten und überbordenden Gefühle, lässt sie nicht schlafen und ist immer da. In flirrenden Bilderkaskaden und rauschenden Technobeats verliert Tina schnell an Bodenhaftung. Geschickt streut Akiz weitere Elemente und Interpretationsmöglichkeiten für Tinas Verhalten ein.
    [...]
    Wer hier aufhört zu lesen, könnte „Der Nachtmahr“ für ein neues, deutsches Meisterwerk auf den Spuren eines David Lynch mit eigener Note halten. Doch leider, leider weit gefehlt. Die hervorragenden Ansätze werden beinahe völlig zunichte gemacht durch ein kaum vorhandenes Drehbuch, das seine überforderten Darsteller vor unlösbare Aufgaben stellt. Beinahe lässt sich der hilfesuchende Blick Richtung Kamera und Regie erahnen, wenn die Schauspieler orientierungslos improvisieren. Das macht aus einem interessanten Setting eine kaum ernstzunehmende Odyssee der Peinlichkeiten.
    [...]
    Offensichtlich legt Akiz den Fokus nicht auf den bloßen Horroreffekt, sondern will tiefer greifen. Es geht ihm nicht um den oberflächlichen Thrill, sondern das, was dahinter liegt. Das Gefühl der Beklemmung, des Abgrunds, in den die wenigsten Zuschauer blicken mögen. Der Regisseur will unbedingt seinen Vorbildern gerecht werden, bildet aber ein Mischmasch, das unbefriedigt zurücklässt.
    [...]

    8
    • Im Podcast besprochen:

      "Lange mussten Michi und Niels warten, bis sie endlich die Chance hatten DER NACHTMAHR zu schauen. Dementsprechend war die Vorfreude groß, doch so viel sei gesagt: Die Meinungen sind gespalten, die Interpretationen vielfältig und die Emotionen eine reine Achterbahnfahrt."

      • 7

        [...] Man merkt dem Duktus von Der Nachtmahr sehr schnell an, dass Akiz eine klare Marschroute auf der Agenda stehen hatte: Er wollte weg vom Akademischen, vom Intellektuellen, vom Theoretischen und das Kino wieder zurück zur Erlebniswelt führen, in der man als Zuschauer eben in erster Linie über sensorische Wege stimuliert wird. Und keine Frage: In seinen zügellosesten Momenten gleicht Der Nachtmahr einem (Weitwinkel-)Sinnesrausch von subkutaner Heftigkeit. Akiz, der bereits zweimal für den Studentenoscar nominiert wurde, vollbringt es, trotz (oder gerade wegen) der gewollten Leerstellen in seinem Narrativ, einen organischen harmonischen Übergang zwischen dem realen, psychologischen Drama um Protagonistin Tina (Carolyn Genzkow, Frühling zu zweit) und dem fiebrigen Horror aus beängstigenden Traumbildern und spekulativen Wahnvorstellungen herzustellen. Die Grenzen zwischen diesen beiden tonalen Gebieten verwischen, wie die Wahrheit über Realität und Einbildung. [...]

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        • 8
          Rob Gryzzly: Kopf & Kino 27.10.2016, 11:06 Geändert 27.10.2016, 11:08

          [...] Wichtiger ist, dass die Inszenierung überhaupt eine Wirkung hat. Sie verstört, berauscht und schrammt an der Grenze zum Unerträglichen - letzteres nur, wenn der Geräuschpegel plötzlich anzieht und technoide Musikgewalt die Boxen zerfickt. Könnte die Story an dieser Stelle nun mit der Inszenierung mithalten, wäre der Film ein Instant-Cult-Movie. Aber weniger subtil, als Achim es vermutlich wollte, entlarvt sich die kleine Kreatur als fleischliche Pubertäts-Metapher. Vor allem in Szenen, in denen das Chipstüten räubernde, mümmelnde kleine Monster zusammen mit dem Nachtmahr im Jugendzimmer vor sich hin assimiliert, lässt sich ein augenrollendes Schmunzeln nicht verkneifen. Das ist nun vielleicht Jammern an der falschen Stelle, denn faktisch reißt solch subjektives Augengerolle den Nachtmahr nicht in filmische Abgründe. [...]

          2
          • 4

            [...] Die verwendeten Farbfilter sind schön; die wackeligen, verrauschten Weitwinkel-Bilder allerdings weniger – mit Absicht. Ein von wummernden Techno-Bässen dominierter Soundtrack und stroboskopartige Lichtspiele suggerieren eine Intensität, mit der die Handlung nicht mithalten kann. Dann lieber ein Film von Gaspar Noé („Irreversibel“). Weil Akiz stark auf seine aufwändig gestaltete Nachtmahr-Kreatur fixiert ist, zeigt er sie unnötig früh und detailliert, wo sie doch offensichtlich als Metapher dient – ein Nachteil für den Spannungsaufbau. Sehr erschwerend kommt hinzu, dass die begabte Carolyn Genzkow eine schlichtweg unsympathische Protagonistin spielt. Eine interessante, liebenswerte Nebenfigur zum Ausgleich sucht man vergebens. Was bleibt, ist der große Raum für eigene Interpretationen – wenn man dafür nicht schon zu zermürbt ist. [...]

            3
            • 6 .5

              Das deutsche Genrekino lebt. Es pulsiert wie ein epileptischer Rave in den schäbigen Clubs der Hauptstadt. Genrekino, dass sich rücksichtslos mit isochronischen Tönen, binauralen Frequenzen in die Psyche hämmert und mit epileptischen Stroboskoplichtgewittern dafür sorgt, dass wir selbst schon Teil eines Delirium werden. Akiz Film ist nicht nur ein audiovisuelles Erlebnis, es fordert uns heraus. Wir sind Teil eines Kopfes und doch können wir ihn nicht verstehen. Der Nachtmahr ist ein mutiger, herausfordernder Genrebeitrag geworden, der seinen komplette Sogwirkung durch die szenischen Wechsel zwischen Coming of Age Alltag, Home Invasion Body Horror und bewusstseinserweiternden verzerrten Trip erzielt. Audiovisuelle Perfektion eines psychischen Zerfalls, dass zurecht mit vollem Druck in die Welt posaunt, dass die deutsche Filmlandschaft getrost auf „Honig im Kopf“ & Co. scheißen kann. Dann aber auch auf vollster Lautstärke!

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              • 10

                (Neuer) Deutsch(sprachig)er Genrefilm #13: DER NACHTMAHR

                [...] DER NACHTMAHR ist ein beklemmender Film, weil er sich (und da steht Akiz tatsächlich in gewisser Weise in der Tradition der großen genannten Namen) gnaden- und schonungslos in der Psyche der eigenen Hauptfigur einnistet, dort Traumata zu Tage fördert (ob sie drogeninduziert sind, sei dahingestellt, weil es eigentlich nichts zur Sache tut) und sich über lange Zeit in garstiger Manier verschanzt, ohne der dunklen Entität, welche Tina das Leben immer schwerer macht, ein Ventil zum Ausbruch zuzugestehen. [...] Diesen seelisch wie psychischen Verfall erzählt DER NACHTMAHR nicht nur, er macht ihn in perfekter Symbiose aus Form, Klang und beeindruckendem Schauspiel fühlbar – weil wir mit Tina leiden und Teile ihrer Hoffnungslosigkeit als die unsere empfinden, wird die Filmerfahrung zu einer zehrenden. [...] Getrübt wird dieser Eindruck eigentlich nur davon, wie hierzulande leider (!) von den Major-Kinoketten alles daran gesetzt wird, der Masse an potentiell interessierten Kinogängern ein derart brillantes Werk vorzuenthalten, anstatt sie neugierig zu machen. Dass man ein international auf Festivals gefeiertes Werk im Land seiner Entstehung selbst in Großstädten aktiv suchen muss, und Glück dazu gehört, es in kleinen Hinterhofkinos auf einer von drei offiziellen Vorstellungen noch zu erwischen, ist einer von vielen Distributions-Skandalen im Land der Keinohrhasen und sagt mehr als genug über das deutsche Verhältnis (und Vertrauen) zum eigenen Kino. Traurig aber wahr.

                Mehr deutsche Genrefilme hier: http://www.moviepilot.de/liste/neuer-deutscher-genrefilm-un-moglich-jacker

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                • 9

                  "Fernab von schnöder Mahnfabel und grauer Theorie: Akiz’ Horrorfilm löst im Betrachter ein Gefühl aus, das schmerzhaft und berauschend zugleich ist – und wahrt dabei die Ambivalenz und Freiheit, die wirklich intelligentes Kino auszeichnet." [Oliver Nöding]

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                  • 8

                    [...] Flackernde Stroboskopgewitter blitzen in bunten Farben vor den Augen auf, während hämmernde Techno-Beats in die Gehörgänge knallen. Bereits in den ersten 10 Minuten des Films dürfte sich bei vielen Zuschauern ein mulmiges Gefühl im Magen breit machen oder der Wunsch, sich irgendwo festzuhalten, um nicht die Haftung zur Realität zu verlieren und in einen orientierungslosen Rausch zu stürzen, der durch plötzliche Zeitraffer, Kameraspielereien und besondere Lichtstimmungen in Folge des Verzichts auf jegliche künstliche Beleuchtung zusätzlich für befremdliche Reaktionen sorgen dürfte. In Der Nachtmahr beweist der Regisseur allerdings nicht nur, dass er sein Handwerk blendend versteht und ein wundervolles Gespür dafür besitzt, die Grenzen audiovisueller Belastungsfähigkeit auszuloten. Auch inhaltlich ist der Film ein berauschendes Werk fernab deutscher Konventionen, viel näher angesiedelt an den albtraumhaften, surrealen Kopfgeburten eines David Lynch (Lost Highway) oder den liquiden, kontroversen Narrativen eines Gaspar Noé (Enter the Void). [...] Die Kreatur in Der Nachtmahr darf als Symbol für sämtliche Laster und Probleme der Hauptfigur verstanden werden, welches auf unschöne Weise all das zum Vorschein bringt, was tief in Tina schlummert, vom konservativ-spießbürgerlichen Elternhaus unterdrückt wird und nur unbemerkt ausbrechen darf. Erst durch eine langsame Annäherung zwischen ihr und dem Nachtmahr, bei dem das Mädchen außerdem bemerkt, dass beide gefühlstechnisch verbunden sind, findet Tina langsam einen Halt. Das eigentlich abstoßende Monster erscheint auf einmal reizvoller und interessanter als alles, was sich in Wirklichkeit im Umfeld der Teenagerin ereignet und könnte schlussendlich dafür stehen, dass die Akzeptanz des Nachtmahrs ebenfalls eine Akzeptanz von Tinas eigener Persönlichkeit ist. Das schönste an dem Film ist aber, dass diese Art der Interpretation ebenso komplett daneben gegriffen sein könnte, denn Der Nachtmahr verläuft zum Ende hin immer stärker neben der Spur, lädt zur vielseitigen Deutung ein und kann darüber hinaus auf einer rein sinnlichen Ebene als wundervolles Spiel mit Erwartungshaltungen, Einschätzungen und Konventionen aufgenommen werden. [...]

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                    • 8

                      Der Nachtmahr nähert sich dem Sujet einfach nur von seinem anderen, dem nichtrepressiven, nichtreaktionären Ende her. Der Hedonismus der Jugend – die Lust, der Sex, die Drogen – ist keine moralische No-go-Area, sondern ermöglicht Freiheiten zur Selbstverwirklichung. [Andreas Busche]

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                      • 8

                        Der ganz eigene, trancehafte Look von Nachtmahr und sein düsterer Elektro-Score korrespondieren nun wunderbar mit der somnambulen Geschichte, in der es stets um die Frage geht, was Wirklichkeit und was Einbildung ist. [Kaspar Heinrich]

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                        • 8 .5

                          AKIZ landet mit seinem Genre-Vergnügen gleichzeitig einen Horror-, Monster- und Jugendfilm. Weil er jede dieser Dimensionen ernst nimmt, fühlt sich der Film erwachsener an als viele aktuelle Dramen. [Frédéric Jaeger]

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                          • 8 .5
                            FilmDienst.de 26.05.2016, 14:58 Geändert 26.05.2016, 14:58

                            Der Nachtmahr, dieser kleine Experimental-Coming-of-Age-Horrorfilm, setzt auf Überwältigung der Sinne. In manchen Szenen kann man ihn in allen Poren spüren, er spricht Augen und Ohren ebenso an wie den Bauch. [Stefan Stiletto]

                            • 8 .5

                              Was den Nachtmahr aber so erfreulich unterscheidet von anderen deutschen Nachtstücken, ist der Umstand, dass der Horrorfilm der Adolesenz hier mit Weitwinkelblick konsequent aus der verrückten Perspektive der Albträumerin zu sehen ist. [Stefan Benz]

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                              • 8

                                Dieser Film spielt im Zwischenreich zwischen Fantasie und Realität und entwickelt dabei seine ganz eigene Wirklichkeit. [Anke Leweke]

                                • 8 .5

                                  Der Nachtmahr ist ein bemerkenswert mutiger und radikaler Film, dem sein knapper Etat in dieser künstlerischen Konsequenz nicht schadet. [Günter H. Jekubzik]

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                                  • 8

                                    Man fürchtet sich, bekommt Ekel, und die Bilder sowie der Sound lassen einen verwirrt zurück. Doch der vermeintliche Teenie-Thriller Der Nachtmahr lohnt auch einen zweiten Blick. [Max Trompeter]

                                    • 7 .5

                                      Es stampft die Jugend im Rausch der Party voran, mit Verdrossenheit dem Alltag gegenüber, und doch mitten im Stroboskoplicht. Im Impuls des jungen Lebens wächst die Persönlichkeit aber noch und geht dementsprechend in der Clique unter, bis dann doch der Urknall des Coming of Age passiert. [...] Woher, warum und wie sind Fragen, die bewusst ausgeschlossen werden dürfen, sobald die psychotronische Beobachtung des Feierns in einem Alltag mündet, der kaum mit Individuen umgehen kann. [...] Schon das Schauspiel gibt sich rotzig in seiner Bewegung und bar jeder Hemmung, kann im Angesicht des Unwesens aber auch nicht Herr der Lage sein und erschafft somit einen Gesellschaftsjux, der umso schöner wird, je weniger er sich von einer Dramaturgie erwürgen lässt. [...]

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                                        Eine Teenagergeschichte zwischen Horrorfilm und Coming-of-Age-Drama: Eine 17-Jährige wird von einem hässlichen Alptraumwesen heimgesucht und droht sich in ihrer Angst zu verlieren. Ein wunderbar vieldeutiger Rausch aus Bildern und Beats. [Patrick Seyboth]

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