Der Pfandleiher

The Pawnbroker (1964), US
Laufzeit 116 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 02.01.2003

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Der Pfandleiher - Bild 6514858
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mit Marketa Kimbrell und Brock Peters

Literaturverfilmung nach dem Roman von Edward Lewis Wallant: Ein verbitterter jüdischer Emigrant, der Frau und Kinder im KZ verlor, betreibt eine Pfandleihe in Harlem. Die Brutalität seiner Umgebung erinnert ihn an seine Vergangenheit und vertieft seine Menschenverachtung. Durch einen Opfertod überwindet er schließlich seine Verhärtung.


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Kommentar — Film: Der Pfandleiher

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Joe Gillis

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Bewertung7.0Sehenswert

»Everything that I loved was taken away from me, and ... I did not die.« Rod Steiger als menschlich gefrorener KZ-Überlebender Sol Nazerman: Der Betreiber einer Pfandleihe in Spanish Harlem sieht alltäglich dem Elend ins Gesicht – doch was sind die Wunden, die Schmerzen, die Narben der anderen gegen seine eigene Verletzung, die ihn zum lebenden Toten gemacht hat? New York wird zum grauen Spiegel der Gespenster, die Nazerman heimsuchen: Eine überfüllte U-Bahn gemahnt an den Transport ins Vernichtungslager, in einer Bandenkeilerei hallt das Echo wachmannschaftlicher Prügelorgien wider, der Verführungsversuch durch eine Prostituierte evoziert Bilder des SS-Bordells, in dem seine Frau geschändet wurde. Steiger, kein Darsteller, der für Subtilität oder underplay bekannt wäre, bleibt auch als seelisch Gelähmter ein Ausbund an explosiver schauspielerischer Energie, wodurch das Porträt eines Paralysierten zur vibrierenden Demonstration gerät. Ebenso ambivalent erscheint – neben dem von sanftem Lyrismus in pulsierende Hektik kippenden Score (Quincy Jones) – der Gegensatz zwischen der gestalterischen Überhöhung der im Studio gebauten Innenräume sowie der (mitunter recht kitschigen) Erinnerungssequenzen und dem ganz unmittelbaren filmischen Zugriff auf die urbane Realität, der an Meister der street photography wie William Klein oder Robert Frank denken läßt (Kamera: Boris Kaufman). Zur Vergegenwärtigung der biographischen Zerrissenheit seiner Titelfigur kontrastiert Regisseur Sidney Lumet peinigende Nähe und eisige Distanzierung, die inszenatorischen Doppelbelichtungen von Faktizität und Mystifikation machen »The Pawnbroker« zu einem Beispiel für etwas, das man vielleicht ›abstrakten Naturalismus‹ nennen könnte.

http://kinotagebuch.blogspot.com/

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