Doch trotz einer gewissen Sperrigkeit, die den Zugang zu den Figuren entsprechend des größtmöglichen Realismusversprechens verweigert, vermag DER RÄUBER mit Hochspannung zu fesseln, ist dynamisches, realistisches, gefangen nehmendes Kino.
Die "wahre Geschichte" eines österreichischen Bankräubers und Mörders, der in den 80er-Jahren als "Pumpgun-Ronnie" für Schlagzeilen sorgte und bereits Kinofilme wie Kathryn Bigelows Heist-Romanze "Point Break" inspirierte. "Der Räuber" ist die trostlose, karge und mitunter auch schwerfällige Dramatisierung des Stoffes nach dem Roman von Martin Prinz. Rund 100 Minuten mit dem kaltschnäuzigen Protagonisten verbringen zu müssen, ist dabei angesichts der subjektiven Erzählhaltung eine reizvolle Herausforderung, zumal der Film, trotzdem er von Bewegung und Dynamik lebt, zu großen Teilen eher still steht. Dieser Widerspruch, wenn man ihn als solchen bezeichnen möchte, mag sich daraus ergeben, dass Benjamin Heisenbergs Film zwar Merkmale des Biopics und auch klassischer Caper-Movies trägt, durch die ausgeprägten Manierismen der "Berliner Schule" – in Anführungszeichen, weil es ja doch nur ein diffuser Begriff zur Einordnung ist – aber auch kaum als reines Genrekino verstanden werden kann. In den extravaganten Fluchtszenen brilliert "Der Räuber" mit beeindruckend gefilmten Verfolgungsjagden, die in der Inszenierung von Tempo und Kinetik an die beiden "Bourne"-Sequels von Paul Greengrass erinnern, durch ihren vergleichsweise reduzierten, makellosen Schnitt jedoch eine eigenständige Faszination entwickeln. Insgesamt ein etwas unentschlossener, aber einfach bemerkenswert inszenierter Film.
...Der Räuber gehört zu den Filmen, deren Kategorisierung nach Genre-Maßstäben nur ungerecht sein kann. Eben dieser Abschied von dem Großteil einer potenziellen Welt, der dem Film seine Schlichtheit verschafft, verleiht ihm die Eigenschaft, eine Betrachter-Position einzunehmen und die Gesellschaft von einer kritischen Ferne auf ihr Substantielles zu reduzieren. Der Trieb von Johannes Rettenberger und seine Raubüberfälle erzählen zum Beispiel mindestens ebensoviel über die Bankenwelt wie das in Unter Dir die Stadt entfaltete Arsenal an Kadrierungen, Spiegelungen, Handlungssträngen und Figuren. Nicht weniger synthetisierend sind die Implikationen dieses Films auf die Exotik der Körperkultur heutzutage, auf ihren Ausschluss durch zunehmende Virtualisierung, alles ausgehend von dem Konzept, Johannes Rettenberger als Medium zwischen Urinstinkt und dem Geist der heutigen Zeit darzustellen....
Jede Einstellung, jede Geste ist bis ins Detail durchdacht. Vom stellenweise treibenden Soundtrack zur ebenso vereinzelt eingesetzten Radiomusik, der Kameraführung Reinhold Vorschneiders und den wenigen Dialogen – Heisenbergs Film zeugt von einer ungeheuren Souveränität in der Herstellung.
„Der Räuber“, Benjamin Heisenbergs zweiter Spielfilm nach „Schläfer“ (fd 37 588), fußt auf einer „wahren Geschichte“, die in den 1980er-Jahren in Österreich Schlagzeilen machte; aber das spielt für den Film, der eine grundsätzlich dokumentierende, realistische Erzählweise hat und doch ganz und gar Spielfilm ist, keine Rolle. Es ist hervorragendes, spannendes und kluges, emotional mitreißendes. perfektes Kino.
Es ist eine dieser unglaublichen Geschichten, die man erfinden müsste, wenn sie sich nicht in Wirklichkeit so oder so ähnlich zugetragen hätten: Ein Mann trainiert im Gefängnis, und als er auf Bewährung frei kommt, lässt er bei einem Marathon alle anderen Läufer weit hinter sich, macht Staunen mit seiner Ausdauer und einem rasanten Tempo, das er bis zum Endspurt durchhält. Doch mit einer solchen Sensation gibt sich der frisch Entlassene nicht zufrieden. Erst ein erneuter Banküberfall gibt ihm den ersehnten Kick. Ein bemerkenswert rastlos-hektischer Film ist „Der Räuber“ von Benjamin Heisenberg [...].
Der Serienräuber und Marathonsieger Johann Kastenberger alias „Pumpgun Ronnie“, der 1987 die größte Polizeiaktion Österreichs auslöste, war das Vorbild für den Titelhelden, im Film heißt er Johann Rettenberger. Eine Identifikationsfigur ist er nicht, dieser unbelehrbare Kerl, der, kaum auf freien Füßen, gleich wieder kriminelle Energien entfaltet, nichts von sich preisgibt, alles abblockt, was ihm helfen oder dem Zuschauer begreifbar machen könnte, warum er nur diesen und keinen anderen Weg für sich finden kann, zumal ihn die reiche Beute sowieso nicht interessiert.
Man erfasst nur, wie dieser Besessene tickt, der kein Risiko scheut, einmal sogar dreist drei Banken an einem Tag ausraubt, auf spektakuläre Weise gar noch einmal davonkommt, wenn eigentlich gar kein Davonkommen mehr denkbar ist. „Der Räuber“ ist der atemloseste Film seit „Lola rennt“, fast erschreckend in seiner stilistischen Präzision, ein starkes Stück Kino.
(Rhein Neckar-Zeitung)
Bis auf ein paar Szenen zum Ende hin ist „Der Räuber“ nicht auf Spannung inszeniert, gibt den Kick Rettenbergers nicht weiter an das Publikum, sondern lässt beobachten.“Das was ich mache, hat nichts mit dem zu tun, was du Leben nennst“, sagt der Läufer und Räuber Erika, die ihn liebt und verrät. Er ist kein Held, kein Clyde ohne Bonnie, sondern eine tragische Figur. „Der Räuber“ ist ein anständiger, interessanter Film. Aber in jeder Hinsicht bescheiden, im
Vergleich zu emotinalen Einschlägen wie der japanische „Caterpillar“, der ebenfalls gestern im Wettbewerb lief.
Der Räuber trägt die Merkmale der Berliner Schule. Er ist so kühl wie seine Hauptfigur, betont kontrolliert und effektlos inszeniert, die Dialoge sind sparsam (den Figuren in diesen Filmen, so scheint es, sind Gesprächspausen niemals peinlich). Die Dialoge sind sogar so sparsam, dass die Geschichte über weite Strecken als Stummfilm funktionieren würde, mit vielleicht zwei oder drei Zwischentiteln.
Die Kamera bleibt oft nahe bei ihm, so wie sie in einem Dokumentarfilm über einen Wolf oft nahe bei dem Wolf bliebe. Eine eigentümliche Schönheit entsteht aus dieser nüchternen Beobachtung und der pulsierend rhythmischen Montage energetischer Bewegungsabläufe. Fast hat man das Gefühl, der Film atmet selbst den rasenden Stillstand dieses Mannes, der die Freiheit in seiner Existenz nicht finden kann.
Wahre Geschichte, Realismus, bla bla. Einzelne Szenen werden einfach aneinander gereiht. Nie kommt der Film in Fluss. Die Nebendarsteller sind hölzern (lieber wäre mir Hölzel, wo wir schon in Wien sind, haha).
Ein angenehm authentischer Film mit einer guten Mischung aus ruhigen und spannenden Szenen. Geschauspielert wird eigentlich nur von Andreas Lust. Der Rest ist mehr schmückendes Beiwerk. Die Kamera, der Schnitt, die ganze Regie waren superb. An manchen Stellen war der Akzent für mich kaum verständlich. War aber nicht weiter hinderlich bei der packenden, knackigen Erzählweise. Die treibende Musik treibt den Film darüber hinaus gut voran.
Interessant die Analogien zwischen dem Einzelgänger Rettenberg und Jesus: das Gestütztwerden von seinen Jüngern nach dem Bergmarathon, er auf dem Berg mit dem Kreuz, die "Auferstehung" aus der Höhle usw.
Empfehle ich gern weiter!
Handfester Geradeaus-Realo-Krimi. Andreas Lust reicht in der Hauptrolle völlig aus, um den speziellen, extrem selbstkontrollierten Typen für den Zuschauer auszuleuchten. Die Dramaturgie könnte von einem guten Autor stammen. Der wahre Hintergrund setzt der sowieso schon vorhandenen Spannung noch eins drauf. Norddeutsche werden mit dem Wiener Dialekt arge Verständnissprobleme haben. Der Räuber ist aber kein Freund vieler Worte, weswegen eh wenig geredet wird.
dann raubt der johann rettenberger eben banken aus, weil ihm alles andere zu deppert ist... müssen österreichische filme wirklich immer so arthouse sein, dass sie schon wieder urfad sind? offensichtlich...
Eindrucksvoller Beweis dafür, dass ein ruhiges Kammerspiel-Psychogramm, das gänzlich ohne Spezialeffekte auskommt, mehr Spannung erzeugen kann, als der einfallslose Action-Quatsch Marke Hollywood.
Einer der besseren Österreichischen Filme der letzten Zeit,kommt qualitativ aber nicht ganz an Revanche heran in dem ja ebenfalls Andreas Lust eine hervorragende Leistung abliefert wie auch in diesem Film der auf wahren Begebenheiten beruht denen der Film neben der Leistung des Hauptdarstellers maßgeblich seine überdurchschnittlichkeit verdankt.
Die Kameraarbeit überzeugt ebenso wie die Regie von Benjamin Heisenberg dessen mangelnde Qualitäten als Drehbuchautor aber dafür sorgen das dieses Krimi Drama nicht völlig überzeugend ist.
Der Film fasziniert vor allem durch seine dynamischen Aufnahmen des Läufers Johann Rettenberger, egal, ob er gerade einen Marathon oder von der Polizei davon läuft. Portraitiert wird ein Mann, dessen einziger Sinn im Leben es ist, an seine körperlichen Grenzen zu kommen, den Adrenalinrausch zu spüren – weshalb es auch lediglich aus den Komponenten Banküberfälle, Sport und Sex besteht. Eine Identifikationsfigur ist Rettenberger freilich nicht, weshalb die letzten Szenen seines Lebens auch kaum rühren können und vielleicht auch nicht wollen. Was aber vor allem den Genuss stört, sind kleinere und größere Logikfehler des Drehbuchs. Eine Suche im Wald ohne Hubschrauber, übertrieben dumme Polizisten, eine offensichtlich nicht existierende Autobahnpolizei, eine Fesselung an einen Stuhl bei der mit den Füßen begonnen wird, damit das Opfer die Arme frei hat um den Räuber anzustechen usw. wirken wie unbeholfene Versuche, die Handlung in die gewünschte Richtung zu bekommen.
Wie sein Held strebt dieser Film mit ungheurer Stringenz einem unausweichlichen und dann doch etwas überraschenden Ende entgegen. Angenehm, dass der Regisseur auf billige Morallektionen verzichtet, von denen es im deutschen Kino wimmelt. In diesem Sinne ist "Der Räuber" auch ein typisch österreichischer Film: kühl, beobachtend und zwingend in seiner Treffsicherkeit.
Das soll ja auch "Berliner Schule" sein, ist aber wirklich geil.
Das Porträt eines laufsüchtigen Bankräubers für den das eine ebenso wichtig ist wie das andere. Ja, beides gehört zusammen ist untrennbar miteinander verbunden. Wer stiehlt, muss rennen um nicht gefasst zu werden.
Kino ist dem Namen nach nichts anderes als "Bewegung". Der Räuber im Film geht auch einmal ins Kino mit seiner Mitbewohnerin. Sie lacht und jauchzt, lässt sich komplett aufsaugen von diesem statischen hellleuchtenden Rahmen umgeben von Dunkelheit. Doch er bleibt ruhig, sieht zu ihr und amüsiert sich. Der Film im Kino aber lässt ihn eher kalt. Die vorgetäuschte Bewegung von 24 Einzelbildern in der Sekunde kümmert ihn nicht. Ein Kommentar zum 3D-Kino?
"Der Räuber" ist Psychogramm und Bewegungsstudie, selbstreflexiv, aber nie hohl. Dazu kommt eine beeindruckende Kameraarbeit und fließende Montage. Gleichwohl bietet dieser Film auch Erfahrungskino, macht Adrenalin sichtbar, und unterscheidet sich deshalb von anderen Vertretern der "Berliner Schule", die hauptsächlich Schauprozesse darstellen.
Hier ist man aber mittendrin, statt nur dabei.
Tatsächlich läuft und läuft der Mann, aber man kann sich der Faszination nicht entziehen ihn dabei zu beobachten. Großen Respekt für die Steadicam Arbeit!
Die filmisch etwas abgewandelte wahre Begebenheit wird in erster Linie durch die distanziert beobachtende Kamera und den Hauptdarsteller Andreas Lust gut. Sein Gesichtsausdruck ist auch ohne Maske maskenhaft, kühl und ohne jede emphatische Regung. Es ist der Versuch einer Annäherung an einen manischen Gangster (der echte Kastenberger alias Rettenberger überfiel an einem Tag drei Banken hintereinander) und getriebenen Marathon-Läufer.
Hier stimmt alles! Spannende Geschichte, zurückhaltende, den Charakter nur beobachtende und nicht interpretierende Erzählweise, atemberaubende Fluchtszenen. Keine Sekunde Langeweile. Ansehen!
Der Räuber - Kritik
AT/DE 2010 Laufzeit 98 Minuten, FSK 0, Thriller, Kinostart 04.03.2010
Kritiken (9) — Film: Der Räuber
LuGr: MovieMaze / NEGATIV u.a.
Kommentar löschenDoch trotz einer gewissen Sperrigkeit, die den Zugang zu den Figuren entsprechend des größtmöglichen Realismusversprechens verweigert, vermag DER RÄUBER mit Hochspannung zu fesseln, ist dynamisches, realistisches, gefangen nehmendes Kino.
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Mr Vincent Vega: Fünf Filmfreunde, gamona, D...
Kommentar löschenDie "wahre Geschichte" eines österreichischen Bankräubers und Mörders, der in den 80er-Jahren als "Pumpgun-Ronnie" für Schlagzeilen sorgte und bereits Kinofilme wie Kathryn Bigelows Heist-Romanze "Point Break" inspirierte. "Der Räuber" ist die trostlose, karge und mitunter auch schwerfällige Dramatisierung des Stoffes nach dem Roman von Martin Prinz. Rund 100 Minuten mit dem kaltschnäuzigen Protagonisten verbringen zu müssen, ist dabei angesichts der subjektiven Erzählhaltung eine reizvolle Herausforderung, zumal der Film, trotzdem er von Bewegung und Dynamik lebt, zu großen Teilen eher still steht. Dieser Widerspruch, wenn man ihn als solchen bezeichnen möchte, mag sich daraus ergeben, dass Benjamin Heisenbergs Film zwar Merkmale des Biopics und auch klassischer Caper-Movies trägt, durch die ausgeprägten Manierismen der "Berliner Schule" – in Anführungszeichen, weil es ja doch nur ein diffuser Begriff zur Einordnung ist – aber auch kaum als reines Genrekino verstanden werden kann. In den extravaganten Fluchtszenen brilliert "Der Räuber" mit beeindruckend gefilmten Verfolgungsjagden, die in der Inszenierung von Tempo und Kinetik an die beiden "Bourne"-Sequels von Paul Greengrass erinnern, durch ihren vergleichsweise reduzierten, makellosen Schnitt jedoch eine eigenständige Faszination entwickeln. Insgesamt ein etwas unentschlossener, aber einfach bemerkenswert inszenierter Film.
4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 1 Antworten
alanger 2010/12/22 18:26:50
Antwort löschen"Pumpgun-Ronnie", na besser gehts nicht.
Ciprian David: NEGATIV
Kommentar löschen...Der Räuber gehört zu den Filmen, deren Kategorisierung nach Genre-Maßstäben nur ungerecht sein kann. Eben dieser Abschied von dem Großteil einer potenziellen Welt, der dem Film seine Schlichtheit verschafft, verleiht ihm die Eigenschaft, eine Betrachter-Position einzunehmen und die Gesellschaft von einer kritischen Ferne auf ihr Substantielles zu reduzieren. Der Trieb von Johannes Rettenberger und seine Raubüberfälle erzählen zum Beispiel mindestens ebensoviel über die Bankenwelt wie das in Unter Dir die Stadt entfaltete Arsenal an Kadrierungen, Spiegelungen, Handlungssträngen und Figuren. Nicht weniger synthetisierend sind die Implikationen dieses Films auf die Exotik der Körperkultur heutzutage, auf ihren Ausschluss durch zunehmende Virtualisierung, alles ausgehend von dem Konzept, Johannes Rettenberger als Medium zwischen Urinstinkt und dem Geist der heutigen Zeit darzustellen....
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the gaffer: the-gaffer.de
Kommentar löschenJede Einstellung, jede Geste ist bis ins Detail durchdacht. Vom stellenweise treibenden Soundtrack zur ebenso vereinzelt eingesetzten Radiomusik, der Kameraführung Reinhold Vorschneiders und den wenigen Dialogen – Heisenbergs Film zeugt von einer ungeheuren Souveränität in der Herstellung.
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Suchsland: FAZ, FR, filmdienst, Berlin... Suchsland: FAZ, FR, filmdienst, Berlin...
Kommentar löschen„Der Räuber“, Benjamin Heisenbergs zweiter Spielfilm nach „Schläfer“ (fd 37 588), fußt auf einer „wahren Geschichte“, die in den 1980er-Jahren in Österreich Schlagzeilen machte; aber das spielt für den Film, der eine grundsätzlich dokumentierende, realistische Erzählweise hat und doch ganz und gar Spielfilm ist, keine Rolle. Es ist hervorragendes, spannendes und kluges, emotional mitreißendes. perfektes Kino.
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Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte... Kirsten Liese: BR Online, WDR3, Darmstädte...
Kommentar löschenEs ist eine dieser unglaublichen Geschichten, die man erfinden müsste, wenn sie sich nicht in Wirklichkeit so oder so ähnlich zugetragen hätten: Ein Mann trainiert im Gefängnis, und als er auf Bewährung frei kommt, lässt er bei einem Marathon alle anderen Läufer weit hinter sich, macht Staunen mit seiner Ausdauer und einem rasanten Tempo, das er bis zum Endspurt durchhält. Doch mit einer solchen Sensation gibt sich der frisch Entlassene nicht zufrieden. Erst ein erneuter Banküberfall gibt ihm den ersehnten Kick. Ein bemerkenswert rastlos-hektischer Film ist „Der Räuber“ von Benjamin Heisenberg [...].
Der Serienräuber und Marathonsieger Johann Kastenberger alias „Pumpgun Ronnie“, der 1987 die größte Polizeiaktion Österreichs auslöste, war das Vorbild für den Titelhelden, im Film heißt er Johann Rettenberger. Eine Identifikationsfigur ist er nicht, dieser unbelehrbare Kerl, der, kaum auf freien Füßen, gleich wieder kriminelle Energien entfaltet, nichts von sich preisgibt, alles abblockt, was ihm helfen oder dem Zuschauer begreifbar machen könnte, warum er nur diesen und keinen anderen Weg für sich finden kann, zumal ihn die reiche Beute sowieso nicht interessiert.
Man erfasst nur, wie dieser Besessene tickt, der kein Risiko scheut, einmal sogar dreist drei Banken an einem Tag ausraubt, auf spektakuläre Weise gar noch einmal davonkommt, wenn eigentlich gar kein Davonkommen mehr denkbar ist. „Der Räuber“ ist der atemloseste Film seit „Lola rennt“, fast erschreckend in seiner stilistischen Präzision, ein starkes Stück Kino.
(Rhein Neckar-Zeitung)
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G. Jekubzik: Filmtabs G. Jekubzik: Filmtabs
Kommentar löschenBis auf ein paar Szenen zum Ende hin ist „Der Räuber“ nicht auf Spannung inszeniert, gibt den Kick Rettenbergers nicht weiter an das Publikum, sondern lässt beobachten.“Das was ich mache, hat nichts mit dem zu tun, was du Leben nennst“, sagt der Läufer und Räuber Erika, die ihn liebt und verrät. Er ist kein Held, kein Clyde ohne Bonnie, sondern eine tragische Figur. „Der Räuber“ ist ein anständiger, interessanter Film. Aber in jeder Hinsicht bescheiden, im
Vergleich zu emotinalen Einschlägen wie der japanische „Caterpillar“, der ebenfalls gestern im Wettbewerb lief.
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Thorsten Funke: critic.de
Kommentar löschenDer Räuber trägt die Merkmale der Berliner Schule. Er ist so kühl wie seine Hauptfigur, betont kontrolliert und effektlos inszeniert, die Dialoge sind sparsam (den Figuren in diesen Filmen, so scheint es, sind Gesprächspausen niemals peinlich). Die Dialoge sind sogar so sparsam, dass die Geschichte über weite Strecken als Stummfilm funktionieren würde, mit vielleicht zwei oder drei Zwischentiteln.
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Roman Schreiber: ray Roman Schreiber: ray
Kommentar löschenDie Kamera bleibt oft nahe bei ihm, so wie sie in einem Dokumentarfilm über einen Wolf oft nahe bei dem Wolf bliebe. Eine eigentümliche Schönheit entsteht aus dieser nüchternen Beobachtung und der pulsierend rhythmischen Montage energetischer Bewegungsabläufe. Fast hat man das Gefühl, der Film atmet selbst den rasenden Stillstand dieses Mannes, der die Freiheit in seiner Existenz nicht finden kann.
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Kommentare (16) — Film: Der Räuber
Kommentar schreibenHagen Hagen 2011/12/15 00:10:38
Kommentar löschenWahre Geschichte, Realismus, bla bla. Einzelne Szenen werden einfach aneinander gereiht. Nie kommt der Film in Fluss. Die Nebendarsteller sind hölzern (lieber wäre mir Hölzel, wo wir schon in Wien sind, haha).
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george.taylor 2011/06/07 09:30:22
Kommentar löschenEin angenehm authentischer Film mit einer guten Mischung aus ruhigen und spannenden Szenen. Geschauspielert wird eigentlich nur von Andreas Lust. Der Rest ist mehr schmückendes Beiwerk. Die Kamera, der Schnitt, die ganze Regie waren superb. An manchen Stellen war der Akzent für mich kaum verständlich. War aber nicht weiter hinderlich bei der packenden, knackigen Erzählweise. Die treibende Musik treibt den Film darüber hinaus gut voran.
Interessant die Analogien zwischen dem Einzelgänger Rettenberg und Jesus: das Gestütztwerden von seinen Jüngern nach dem Bergmarathon, er auf dem Berg mit dem Kreuz, die "Auferstehung" aus der Höhle usw.
Empfehle ich gern weiter!
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miandres 2011/08/25 00:28:18
Antwort löschenInteressante Analogie, die auch durch die "Seitenwunde" zu ergänzen wäre.
flaep 2011/06/01 19:25:59
Kommentar löschenauf jeden Fall spannend
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Kill_Diether 2011/03/13 21:24:19
Kommentar löschenHandfester Geradeaus-Realo-Krimi. Andreas Lust reicht in der Hauptrolle völlig aus, um den speziellen, extrem selbstkontrollierten Typen für den Zuschauer auszuleuchten. Die Dramaturgie könnte von einem guten Autor stammen. Der wahre Hintergrund setzt der sowieso schon vorhandenen Spannung noch eins drauf. Norddeutsche werden mit dem Wiener Dialekt arge Verständnissprobleme haben. Der Räuber ist aber kein Freund vieler Worte, weswegen eh wenig geredet wird.
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lens flare 2011/02/23 16:29:36
Kommentar löschendann raubt der johann rettenberger eben banken aus, weil ihm alles andere zu deppert ist... müssen österreichische filme wirklich immer so arthouse sein, dass sie schon wieder urfad sind? offensichtlich...
Kommentar gefällt mir 3 Antworten
Schlegel 2011/02/25 14:36:34
Antwort löschenSo schlimm? Schade. Muss ihn endlich mal sehen.
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lens flare 2011/02/25 15:22:02
Antwort löschenich hab nur die ersten 20 minuten gepackt und bin dann zu ridley scott gewechselt. ohne reue. dvd liegt bei mir rum.
Schlegel 2011/02/25 15:50:20
Antwort löschenSo I´ll come and get it! Aber nach 20 Minuten ausmachen ist gemein.
spanky 2011/01/10 16:48:03
Kommentar löschenEindrucksvoller Beweis dafür, dass ein ruhiges Kammerspiel-Psychogramm, das gänzlich ohne Spezialeffekte auskommt, mehr Spannung erzeugen kann, als der einfallslose Action-Quatsch Marke Hollywood.
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tom777 2010/11/21 05:25:19
Kommentar löschenEiner der besseren Österreichischen Filme der letzten Zeit,kommt qualitativ aber nicht ganz an Revanche heran in dem ja ebenfalls Andreas Lust eine hervorragende Leistung abliefert wie auch in diesem Film der auf wahren Begebenheiten beruht denen der Film neben der Leistung des Hauptdarstellers maßgeblich seine überdurchschnittlichkeit verdankt.
Die Kameraarbeit überzeugt ebenso wie die Regie von Benjamin Heisenberg dessen mangelnde Qualitäten als Drehbuchautor aber dafür sorgen das dieses Krimi Drama nicht völlig überzeugend ist.
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Discostu 2010/07/05 19:37:59
Kommentar löschenDer Film fasziniert vor allem durch seine dynamischen Aufnahmen des Läufers Johann Rettenberger, egal, ob er gerade einen Marathon oder von der Polizei davon läuft. Portraitiert wird ein Mann, dessen einziger Sinn im Leben es ist, an seine körperlichen Grenzen zu kommen, den Adrenalinrausch zu spüren – weshalb es auch lediglich aus den Komponenten Banküberfälle, Sport und Sex besteht. Eine Identifikationsfigur ist Rettenberger freilich nicht, weshalb die letzten Szenen seines Lebens auch kaum rühren können und vielleicht auch nicht wollen. Was aber vor allem den Genuss stört, sind kleinere und größere Logikfehler des Drehbuchs. Eine Suche im Wald ohne Hubschrauber, übertrieben dumme Polizisten, eine offensichtlich nicht existierende Autobahnpolizei, eine Fesselung an einen Stuhl bei der mit den Füßen begonnen wird, damit das Opfer die Arme frei hat um den Räuber anzustechen usw. wirken wie unbeholfene Versuche, die Handlung in die gewünschte Richtung zu bekommen.
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maxgoesche 2010/03/14 08:56:56
Kommentar löschenWie sein Held strebt dieser Film mit ungheurer Stringenz einem unausweichlichen und dann doch etwas überraschenden Ende entgegen. Angenehm, dass der Regisseur auf billige Morallektionen verzichtet, von denen es im deutschen Kino wimmelt. In diesem Sinne ist "Der Räuber" auch ein typisch österreichischer Film: kühl, beobachtend und zwingend in seiner Treffsicherkeit.
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FutureInstitute 2010/02/28 13:50:49
Kommentar löschenblack-white world of 'running' outsiders, sometimes 'in'
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AylaView 2010/02/27 00:52:07
Kommentar löschenNervenaufreiben und spannend, dennoch ruhig inszeniert. An einigen Stellen wünscht man sich als Nichtösterreicher Untertitel.
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Kubrick_obscura 2010/02/25 15:58:24
Kommentar löschenDas soll ja auch "Berliner Schule" sein, ist aber wirklich geil.
Das Porträt eines laufsüchtigen Bankräubers für den das eine ebenso wichtig ist wie das andere. Ja, beides gehört zusammen ist untrennbar miteinander verbunden. Wer stiehlt, muss rennen um nicht gefasst zu werden.
Kino ist dem Namen nach nichts anderes als "Bewegung". Der Räuber im Film geht auch einmal ins Kino mit seiner Mitbewohnerin. Sie lacht und jauchzt, lässt sich komplett aufsaugen von diesem statischen hellleuchtenden Rahmen umgeben von Dunkelheit. Doch er bleibt ruhig, sieht zu ihr und amüsiert sich. Der Film im Kino aber lässt ihn eher kalt. Die vorgetäuschte Bewegung von 24 Einzelbildern in der Sekunde kümmert ihn nicht. Ein Kommentar zum 3D-Kino?
"Der Räuber" ist Psychogramm und Bewegungsstudie, selbstreflexiv, aber nie hohl. Dazu kommt eine beeindruckende Kameraarbeit und fließende Montage. Gleichwohl bietet dieser Film auch Erfahrungskino, macht Adrenalin sichtbar, und unterscheidet sich deshalb von anderen Vertretern der "Berliner Schule", die hauptsächlich Schauprozesse darstellen.
Hier ist man aber mittendrin, statt nur dabei.
2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten
chriskaps 2010/02/24 09:51:25
Kommentar löschenTatsächlich läuft und läuft der Mann, aber man kann sich der Faszination nicht entziehen ihn dabei zu beobachten. Großen Respekt für die Steadicam Arbeit!
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alter.native 2010/02/22 18:13:54
Kommentar löschenDie filmisch etwas abgewandelte wahre Begebenheit wird in erster Linie durch die distanziert beobachtende Kamera und den Hauptdarsteller Andreas Lust gut. Sein Gesichtsausdruck ist auch ohne Maske maskenhaft, kühl und ohne jede emphatische Regung. Es ist der Versuch einer Annäherung an einen manischen Gangster (der echte Kastenberger alias Rettenberger überfiel an einem Tag drei Banken hintereinander) und getriebenen Marathon-Läufer.
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Chev Chelios 2010/02/18 15:05:05
Kommentar löschenSehr sehr gut gemacht, hat mich persönlich sehr begeistert
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davidpm 2010/02/16 22:53:25
Kommentar löschenHier stimmt alles! Spannende Geschichte, zurückhaltende, den Charakter nur beobachtende und nicht interpretierende Erzählweise, atemberaubende Fluchtszenen. Keine Sekunde Langeweile. Ansehen!
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