Der Siebente Kontinent

Der Siebente Kontinent (1989), AT Laufzeit 107 Minuten, FSK 16, Drama, Kinostart 14.04.1993

noch nicht bewertet

Diesen Film bewerten
Bewertung löschen
7.6
Kritiker
5 Bewertungen
Skala 0 bis 10
7.6
Community
125 Bewertungen
12 Kommentare
admin image admin trailer admin edit edit group memberships sweep cache Moviemaster:Movie

von Michael Haneke, mit Dieter Berner und Udo Samel

Der Film begleitet das Leben von Georg, seiner Frau Anna und deren Tochter Eva über den Zeitraum von drei Jahren – eine Familiengeschichte. Es ist eine Geschichte vom beruflichen Aufstieg und vom Preis der Anpassung. Aber es ist auch die Geschichte einer Reise und einer gelebten Konsequenz.


Cast & Crew

Regie
Schauspieler

Kritiken (2) — Film: Der Siebente Kontinent

SoulReaver: CinemaForever

Kommentar löschen
8.0Ausgezeichnet

»Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm'.«

»Der siebente Kontinent« lässt sich als zutiefst nihilistisches Protokoll einer usuellen Familie der sozialen Mittelschicht verstehen. Ihr Alltag ist längst der maschinellen Monotonie gewichen und jeder herkömmliche Handgriff, jede wiederholte Geste, gleicht einem lieblosen Trott. Das Gefühl der Lebensfreude wurde durch die gesellschaftliche Entfremdung ersetzt und normale Dinge wie das Abtrocknen des Geschirrs oder das Decken des Essenstisches sind in diesem familiären Kreis nur noch ein stummer Schrei nach Revision – Aussichten auf Erfüllung sind nicht mehr vorhanden. Michael Haneke dokumentiert in seiner elliptischen Narration die gängigen Abläufe der dreiköpfigen Familie und legt keinen Wert darauf, den Zuschauer mit Antworten zu füttern, sondern bündelt die gesamte Kraft seiner nüchternen Inszenierung in die konstant anhaltende Wirkung des dritten Kapitels und evoziert dabei eine physische Härte, die bis weit über die Schmerzgrenze hinausschießt. In »Der siebente Kontinent« gehen Zerstörungswut und Befreiungsakt Hand in Hand, die Metaphorik des seelischen Todes spült aus der zerschlagenen Aquarium und das Meer, der Strand, der Horizont und das Gebirge leiten die Reise zum siebenten Kontinent ein. Hanekes Werk ist in seiner quälenden Art gerade deshalb so bitter, weil das präzise Porträt des Familienbildes in keinem festen Land verankert wurde, die Grundlage ist von universeller Natur und dabei nie vollends zu entziffern. Wir erkennen uns in manchen Augenblicken wieder und diese Selbsterkenntnis beißt sich ins Fleisch, vor allem dann, wenn man sie daraufhin mit aller Macht verdrängen möchte.

Und diesen Song werde wohl ich nie wieder unbefangen im Radio hören können: http://bit.ly/138XL2

24 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 6 Antworten

VisitorQ

Antwort löschen

also... ich fand den irgendwie auch beruhigend. So komisch das klingt. Am Ende habe ich halt nen kleinen Schreck bekommen aber ansonsten... beruhigend. :D


franticfury

Antwort löschen

Dein Kommentar bringt hier gerade wieder meine verdrängten Ohnmachtsgefühle hervor. Was ein Film, grausam aber genial!


Kubrick_obscura: CinemaForever

Kommentar löschen
7.0Sehenswert

Haneke lässt in seinem ersten FIlm eine Familie Selbstmord begehen. Dabei sehen wir nur was die Familie tut (Tisch decken, Möbel zerstören, Geld vernichten). Selten gibt es wirkliche Interaktion zwischen den Figuren. Gefühlen tritt man skeptisch gegenüber. Das führt nur zur Flennerei. Anstrengender und streitwürdiger Haneke-Film.

2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Antworten


Kommentare (10) — Film: Der Siebente Kontinent


Sortierung

JackoXL

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Die ultimative Abrechnung mit der Monotonie der Mittelschicht, dem leisen, schleichenden Albtraum, der in soliden Kontoauszügen, schick eingerichteten Wohnungen und schläfrigen Beziehungen lauert. Der Alltag hat Besitzt von einem ergriffen, hat ihn nicht nur erobert, sondern konsequent dominiert, das eigentliche Leben zerstört. Das Ende der Spirale der Langeweile und des ziellosen Leerlaufs ist unaussprechlich, schlußendlich aber die einzig wahre Lösung. Nicht zur Nachahmung empfohlen, doch auf eine gewisse Art nur logisch.

Um eins klar zu stellen: Das ist nicht meiner Ansicht, aber eigentlich traurig-glaubwürdig. Insgesamt ist alles erreicht, der Standard und die Rente sind jetzt schon in trockenen Tüchern, aber soll das alles sein? Nein, irgendwo dahinter schlummert die Lebensfreunde, selbst die sollte angesichts der Tatsachen sicher sein, doch irgendwas stimmt nicht.

Haneke erzählt eine Tragödie in drei Akten:
1987: Alles läuft, die einzigen Probleme sind Alltagserscheinungen.
1988: Kurz und knapp: Oberflächlich alles gut, aber...
1989: Das pure Grauen. Haneke zelebriert erstmals, aber nicht zuletzt, das Ende der Normalität. Was hier abgeht, fällt deutlich unter den Spoiler-Radar. Grob: Es ist schon lange klar, wie das enden wird, nur jetzt wird alles so schmerzhaft in Kleinarbeit seziert, schauderhaft!

87 ist der ausführliche Prolog, 88 der knappe Mittelteil, 89 Bauchschmerzen. Schon lange vor dem eigentlichen Finale sind die Weichen gestellt, die Andeutungen nicht mal mehr ansatzweise subtil, Haneke geht direkt nach vorne und erspart überflüssiges Nachdenken, ersetzt das durch Erleben. "Der siebente Kontinent" funktioniert deshalb so gut, da er sein Ende so früh ankündigt, dass alle bis dahin vergehenden Minuten reiner Lockstoff sind. Das Hoffen ist gestattet, das Ende unausweichlich.

Der Mittelstand ersäuft und ertränkt sich in der müden Spirale aus Pflicht und Langeweile, statt sich wohl zu fühlen wird das Todesurteil unterschrieben. Alles gipfelt in einer typisch-eiskalten Haneke-Geisterbahn ohne manipulierendem Firelefanz, so trocken und erschreckend, grauenhaft.

" 'Cause I'm Your Lady..."

bedenklich? 19 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht 6 Antworten

JackoXL

Antwort löschen

Der soooo lange dauert, das tut ja gerade weh.


JackoXL

Antwort löschen

8, mp will sie nicht auf dem Board anzeigen. :/


Frank Booth

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Hanekes Rohwerk »Der Siebente Kontinent« zeigt sich erfrischend kalt und konsequent. Getunt mit zeitlosen Sequenzen wie »... und hopp!« verraten 107 Minuten tiefer gelegte Entfremdung, wo genau bei Michael das Rad ab ist.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

loveissuicide

Kommentar löschen
Bewertung7.5Sehenswert

Im Erstlingswerk Hanekes kann man schon einiges erkennen, was seine späteren Werke so großartig macht, aber man merkt eben auch, dass es ein Erstlingswerk ist. Die Zerstörung des eigenen Alltags ist zwar "nett" anzuschauen (bei den Dreharbeiten wär ich gern dabei gewesen^^) und auch der finale Dreierselbstmord (wobei man beim Mädchen im Grunde nicht von Selbstmord sprechen darf, da es sich der Tragweite dieser Entscheidung nicht bewusst sein kann) ist recht düster und unangenehm, aber das Motiv ist mir nicht ganz klar. Der ewig gleiche Alltag allein kann ja wohl nicht der Grund sein. Ich denk eher, dass die Eltern einen ordentlichen Dachschaden haben. Aber dennoch: sehr guter Film!

bedenklich? Kommentar gefällt mir 4 Antworten

Filmsuechtiger

Antwort löschen

Deswegen ist Hanekes Werk eben auch eine überspitzte Versuchsanordnung und keine Realität. ;-)


loveissuicide

Antwort löschen

Oke, das kann ich unterschreiben ;-) Ich kann jedoch mit anderen Werken Hanekes, die auch überspitzt sind, aber trotzdem durchaus realistisch, mehr anfangen. Der Film distanziert sich leider ein wenig vom Zuseher, eben weil er als Fiktion erkennbar ist. Aber vielleicht wollte er das ja eh bezwecken, vielleicht wollte Haneke gar keine Emotionen schüren.


baser

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ein nihilistischer Film über die zunehmende Entfremdung und letztendlich Selbstauslöschung einer bürgerlichen Familie.

Haneke löst das Leben der Protagonisten in einzelne Alltagsdetails auf und schafft es - trotz oder gerade wegen der formal strengen Erzählweise -, dass sich der Ekel und Überdruss über ein festgefahrenes Leben fast körperlich auf den Zuschauer überträgt. Die unterkühlten Farben, die schreckliche 80er Jahre Ästhetik nebst dazugehöriger Popmusik tun ihr übriges.

Thematisch ähnelt "Der siebente Kontinent" (der Titel ist eine Anspielung auf die Utopie, die die Personen scheinbar nur noch im Tod finden zu können glauben) Fassbinders/Fenglers "Warum läuft Herr R. Amok?". Während dort aber mit einer dynamischen Handkamera die Tristesse eingefangen wird besticht Hanekes Film mit der optischen Präzission und dem genau abgestimmten Schnitt.

Ohne diesem Werk die Qualität absprechen zu wollen hasse ich Haneke irgendwie auch für diesen unmenschlich- kalten Film, der sich in seiner Ausweglosigkeit und Depressivität noch einmal deutlich von dem österreichischen "Feel-bad-cinema" (Ulrich Seidl, Barbara Albert, Jessica Hausner) abhebt...

bedenklich? 4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 2 Antworten

vannorden

Antwort löschen

Besonders der letzte Absatz! Es ist irgendwie shizophren, aber ich mag Haneke oft für seine Themen und seine Geschichten, aber seine Art zu erzählen ist wirklich widerlich, so ignorant, imho ... für mich ist der herblassenden, kultursnobistischen Blick der Kamera wirklich fürchterlich.


baser

Antwort löschen

Absolute Zustimmung... Das hängt m.E. auch von seiner Beziehung zu den Protagonisten ab: er hat keine "Zuneigung" zu ihnen sondern benutzt sie wie Schachfiguren in einem rein intellektuellen Spiel...


VisitorQ

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Irgendwann wird es euch wie Schuppen von den Augen fallen. Großartiger Film!

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Lenosaurus

Kommentar löschen
Bewertung6.5Ganz gut

Monotonie pur. Es passiert sehr wenig - aber was passiert ist interessant und gut umgesetzt. Der Film macht einen neugierig nach mehr Informationen zur Geschichte, denn durch die Szenen bekommt man einen sehr wagen Eindruck von den Geschehnissen und es bleiben ungeklärte Fragen.

bedenklich? Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

veseria

Kommentar löschen
Bewertung8.0Ausgezeichnet

Ein Meisterhafter Haneke.
Kapitel 1 und 2 zeigen deutlich, wie langweilig das Leben von Georg und Anna ist. Es ist wie ein Fließband. Alles wiederholt sich. Alles ist kalt und gefühlslos.
Dann die Wendung in Kapitel 3. Ich sage hier nichts mehr zu außer, dass es einfach nur genial ist und so schlimm, dass ich den Film vermutlich nicht noch einmal gucken werde.

Die Schauspieler, spielen sehr toll.
Der Film holt alles aus seinem möglichsten herraus und doch fehlt halt noch ein Quentchen. So kommt er nicht an sein Meisterwerk Funny Games heran.

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

Schlegel

Kommentar löschen
Bewertung9.0Herausragend

Seinerzeit neu und schockierend, heute mit einem Bein in den 80ern und mit dem anderen in den 90ern. Dennoch wegweisend und eines meiner persönlichen Haneke-Highlights.

bedenklich? 4 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

peterpit

Kommentar löschen
Bewertung5.0Geht so

Ich spielte hier als 9 jähriger in einer Szene als Statist mit, war interessant. Den Film selbst kann ich weniger abgewinnen.

bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten

maslobojew

Kommentar löschen
Bewertung9.5Herausragend

Nach einer wahren Begebenheit in Österreich 1989 - auch das Geld wurde tatsächlich das Klo hinunter gespült.
Haneke protokolliert die Entwicklung einer gehobenen Durchschnittsfamilie über einen Zeitraum von circa drei Jahren.
Den Film zu schauen ist bitter, denn man nimmt einen Alltag wahr, den jeder selbst mehr oder weniger doch sehr gut kennt.
Die materielle Zerstörung am Ende könnte auch ein Befreiungsakt, ein Neuanfang sein, aber die Menschen hier haben sich schon viel zu sehr mit ihrem Alltag identifiziert. Sie löschen ihren Besitz, ihre Existenz aus, auch ihre eigene körperliche - ihre eigentlichen Ichs sind wohl schon vorher längst auf der Strecke geblieben.
Ein wie gewohnt sehr präziser Film von Michael Haneke, der viel Raum eröffnet, um über das eigene Dasein in der westlichen Gesellschaft nachzudenken.

bedenklich? 2 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir Kommentar gefällt mir doch nicht Antworten


Fans dieses Films mögen auch