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Der Turm

Der Turm (2012), DE Laufzeit 180 Minuten, FSK 16, Drama


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Kritiker
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6.6
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145 Bewertungen
11 Kommentare
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von Christian Schwochow, mit Nadja Uhl und Jan Josef Liefers

Der Turm ist ein zweiteiliges Fernseh-Drama über die Abgründe einer Akademiker-Familie in der DDR.

1982, Familie Hoffmann lebt im Villenviertel Dresdens. Man hat sich im bildungsbürgerlichen Milieu eingerichtet. Vater Richard Hoffmann (Jan Josef Liefers), ein erfolgreicher Chirurg, hofft, zum Nachfolger des Klinikchefs ernannt zu werden. Doch eine jahrelange Affäre mit der Sekretärin Josta Fischer (Nadja Uhl), mit der er eine Tochter hat, wird ihm dabei zum Verhängnis. Diese macht ihn für die Stasi ebenso erpressbar wie eine vor Jahrzehnten begangene Jugendsünde. Richards Frau Anne (Claudia Michelsen) und sein Sohn Christian (Sebastian Urzendowsky) ahnen nichts von Richards Doppelleben.

Christian soll in die Fußstapfen seines Vaters treten, dessen überhöhte Erwartungen an ihn führen aber zu einem entfremdeten Verhältnis der beiden zueineander. Umso vertrauter ist Christian mit seinem Onkel Meno (Götz Schubert), Annes älterem Bruder. Meno muss als Lektor einerseits die Vorgaben der Kulturbürokratie beachten, andererseits steht er menschlich den Autoren nahe, die von der Zensur bedroht werden. Er verliebt sich in die Schriftstellerin Judith Schevola (Valery Tscheplanowa) und gerät damit in einen noch größeren persönlichen Konflikt. Währenddessen muss Richard eine Entscheidung treffen: Als er erkennt, dass seine Familie und die Karriere auf dem Spiel stehen, trennt er sich von seiner Geliebten Josta, die daraufhin mit Selbstmord droht.

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Cast & Crew

Regie
Schauspieler
Drehbuch
Filmdetails Der Turm
Genre
Drama
Ort
Deutsche Demokratische Republik, Deutschland, Dresden, Ostdeutschland
Handlung
Affäre, Arzt, Chefarzt, Chirurg, Chirurgie, Ehe, Ehebruch, Ehekrise, Ehepaar, Erpresser, Erpressung, Familie, Familiengeheimnis, Geheimnis, Krankenhaus, Lebenslüge, Lüge, Roman, Sekretärin, Selbstmordgefährdet, Stasi, Stasi-Spion, Uneheliches Kind, Vater-Sohn-Beziehung
Stimmung
Spannend
Tag
Literaturverfilmung
Produktionsfirma
ARD Degeto Film, Bayerischer Rundfunk, Mitteldeutscher Rundfunk, Norddeutscher Rundfunk, Rundfunk Berlin-Brandenburg, Südwestrundfunk, Westdeutscher Rundfunk, teamWorx Television & Film

Kommentare (11) — Film: Der Turm


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Y.OLO

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Bewertung7.5Sehenswert

Der Turm zeigt eindrucksvoll und bewegend wie in der DDR der Druck des Staates und seiner Instrumente eine Familie zerspringen lässt.
Der erste Teil behandelt den erst funktionierenden Alltag und später wie dieser Stück für Stück von Geheimnissen, die die Stasi sich zu Nutze macht und vermeintlich rebellischen Akten, die zu Verfahren gegen den Sohn (und, wie der Film auch sehr schön veranschaulicht, somit gegen die ganze Familie) auseinander genommen wird. Die Famalie gerät in eine Abwärtsspirale aus der sie nicht mehr rauskommt.
Der zweite Film befasst sich vor allem mit den beginnenden Widerstand und mit der Zeit Christians in der NVA. Die spannenden charakterlichen Zusammenspiele sind hier bereits abgehandelt und werden nur noch nebensächlich erwähnt.
Je nachdem was man sich von den Film wünscht werden einem entweder der erste Film oder der Zweite besser gefallen. Der erste Teil schildert nur das Familienleben und wie sehr das System Einfluss auf die Qualität des Lebens und dessen Verlauf hat. Wer sich aber nicht für das Leben in der DDR, sondern für den Widerstand und Wiedervereinigung interessiert, wird beim ersten Teil enttäuscht sein und beim zweiten Teil auf seine Kosten kommen.
Über die Authentizität des Films kann ich nicht urteilen, aber in anderen Kritiken wird dieser Film als sehr authentisch beschrieben. Mir erschien er zumindest authentisch und (zumindest im ersten Teil) nie pathetisch oder an den Haaren herbeigezogen.
Der erste Teil ist meiner Ansicht nach viel besser als der zweite, da die Spannung dort von den Charakteren getragen wurde und deren Zusammenspiel. Im Zweiten kommt eine so packende Spannung nicht auf. Es wirkt eher wie eine Begleitgeschichte zu den geschichtlichen Ereignissen, die wir alle kennen.
Dennoch ist der zweite Teil auch gut und wenn man den Ersten geschaut hat, empfehle ich auch den Zweiten.
Der erste Teil würde von mir bei ca. 8,0 liegen, da ich es aber mit dem zweiten zusammen berwerte, landet der Film bei mir bei 7,5.

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concienda

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Bewertung9.0Herausragend

Ich hatte das große Glück den Film gemeinsam mit einem Zeitzeugen sehen zu können, der seine Jugend In den 80ern in der DDR erlebte und aktiver Teil der Opposition in der evangelischen Kirche war. Und der konnte die starke Authenzität erleben. Der Druck durch den Stadt, die Erziehung und die Gesellschaft. Die Machtlosigkeit, die in Affären und versuchten Vergewaltigungen gipfelt, in verzweifelten Versuchen diese zu entladen, nur einmal dem eisernen Griff des Systems zu entkommen.

Doch auch das Porträt der Dresdener Elite, die sich sicher wähnt und Scherze über den Sozialismus und den Kommunismus macht, bis der Staat sie einholt, umschließt und zu zerstören droht, funktioniert klasse. Die Familie die funktioniert wie die DDR selbst, sich gegen die "Republik" sträubt und doch genau wie sie agiert. Die Freiheit sucht und nicht merkt, dass sie ihren Sohn in den Käfig stecken, in dem sie selbst gefangen sind.

"Der Turm" bewegt und rüttelt wach. 180 großartige Minuten die es (natürlich) zu keinem Zeitpunkt schaffen der Geschichte gerecht zu werden, aber wie es mein Mitzuschauer ausdrückte, sher nah dran kommen.

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philou

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Bewertung8.5Ausgezeichnet

ALTBERG: Sie fordern mich also auf, schon in meinem Kopf die Schere anzusetzen. Nicht mehr zu denken, was zu denken wäre, nur um einer Auseinandersetzung aus dem Weg zu gehen.

Hier noch eine tolle Kritik zum Film von Anke Domscheit-Berg in der FAZ
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/wie-ich-den-turm-sah-filmreise-in-die-eigene-vergangenheit-11923463.html

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CrazyWizard

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Bewertung7.0Sehenswert

Der erste Teil unglaublich spannend, mit zahlreichen charakterlichen Entwicklungen, die allerdings im zweiten Teil vollkommen aus dem Ruder laufen und verwirren. Unlogische Wendungen tun ihr Übriges.
Mein Tip: Nach dem grandiosen ersten Teil (8,0) den Zweiten (6,0) einfach vernachlässigen und abschalten.

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rkuehne

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Bewertung9.0Herausragend

Beeindruckende und dennoch unpopulistische TV-Produktion über die Zwänge derer, die in der DDR etwas freier denken wollten. Auch wenn ich das Buch nicht gelesen habe und somit den Vergleich zur Vorlage nicht ziehen kann, bin ich der Meinung, das zumindest Stimmung und Beklemmung der späten DDR-Jahre gut getroffen und transportiert sind. Schauspielerisch gibts auch nichts zu meckern - eine runde Sache.

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jacker

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Bewertung6.0Ganz gut

Der Turm

Das Leben in der DDR.
Wer es nicht erlebt hat, kann wahrscheinlich nicht ansatzweise nachfühlen wie groß der alltägliche Druck, wie stark das Misstrauen gegenüber jedem Unbekannten (und wohl auch Bekannten) und wie eingeschränkt das Leben gewesen sein muss. Ich habe es glücklicherweise nicht durchmachen müssen (bin eh zu jung), doch mich schaudert es bei dem Gedanken was in diesem totalitären Staat eigentlich los war.

Wie weit kann man gehen ohne sich selbst und seinen Liebsten nicht mehr treu zu sein, wie weit darf man gehen um nicht direkt vom System enttarnt und stillgelegt zu werden?
Schön wäre gewesen, wenn ein Film der diese heikle Thematik aufgreift und als Hauptthema gern die innere Zerrissenheit der DDR-Bürger thematisieren möchte, auch wirklich dieses schreckliche Gefühl in ungeschönter und drückender Form weitergibt.

Leider scheitert "Der Turm" ein wenig daran, denn er stellt sich durch seine eigene Entschärftheit selbst ein Bein. Nicht das er schön malt, oder bagatellisiert, aber lediglich die letzten 30 der insgesamt 180 Minuten kommen wirklich intensiv und packend daher.
Vorher nimmt der Film sich Zeit, sogar sehr viel Zeit um die Ereignisse ins Rollen zu bringen und geht dabei leider zu wenig auf die Zustände im Land und zu sehr auf die persönlichen Problemchen der Protagonisten ein.
Oder besser gesagt: Er verwebt die persönlichen Entwicklungen der Charaktere zu wenig mit der eigentlich angezielten Thematik. Natürlich ist vieles auch Konsequenz aus dem staatlichen Druck, Liefers als Doktor Hoffman wird direkt von der Stasi unter Druck gesetzt und für deren Zwecke eingespannt, Schubert als Onkel der Familie ist Lektor und ständig mit der staatlichen Zensur konfrontiert, die er zaghaft versucht zu umgehen und speziell Sebastian Urzendowsky als Sohn der Familie ist im zweiten Teil des Dramas im Wehrdienst unmittelbar der willkürlichen Macht des Staatsapparates ausgesetzt.

Objektiv gesehen werden also schon direkte Einflüsse sichtbar gemacht, aber mir fehlte einfach (speziell im ersten Teil) das 'Krasse' und etwas Radikalität in der Darstellungsform. Wie gefährlich das eigentlich war, was z.B. der stetig wachsende Widerstand auf die Beine gestellt hat wird eher klar weil man es weiß, nicht weil der Film es vermittelt.

Im ganzen formen ein schwächerer (weil einfach zu zahmer) erster und ein weitaus intensiverer, aber dennoch unter seinen Möglichkeiten verbleibender zweiter Teil einen Fernsehfilm in dem mehr gegangen wäre.

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jacker

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Abseits von historischer Überdramatisierung (der Umstände, nicht der Fakten) muss man natürlich bedenken das es sicher nicht wie in Orwell's 1984 war. Die meisten Leute haben wohl einfach ihr Leben gelebt. Trotzdem und das ist ja belegt und man kann es sicher auch so sagen ohne aus der DDR zu kommen, wurden viele eben dabei beobachtet.
Und die falschen Ansichten zu haben, bzw. zu kritisch zu sein hat eben für einige Menschen Folgen gehabt. Wahrscheinlich häufig weniger drastische als das die filmische Aufarbeitung der Zeit uns gleuben machen will, man war ja nicht plötzlich verschwunden, aber der ein oder andere Nachteil hat sich auf jeden Fall ergeben. Vielen war das vielleicht auch nicht bewusst?
Irgendwas muss die StaSi ja aus ihren Fabrikhallen und Kilometerlangen Bunkern voll Akten (über eigentlich jeden Bürger der DDR) ja an Nutzen und Zweck gezogen haben.


Kalkwerker

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Ich sehe das ähnlich wie stalker.
Sicher wurde versucht alles zu kontrollieren und maximale Informationen zu sichern, aber das würden wohl alle Geheimdienste gerne tun, nur war es möglicherweise im Osten ungehemmt durch demokratische Regeln möglich. Von den heutigen paradiesischen Zuständen(Datenerfassung) hat ja damals sicher keiner zu träumen gewagt.
Das Problematische und Perfide war eben nicht nur die Stasi, sondern die moralische Korrumpierbarkeit der Menschen, welche oftmals durch übermäßigen Ehrgeiz und Karrieredenken gefördert wurde.
Also ein eher zeitloses Problem, welches besonders unter Diktaturen sichtbar wird, in dieser abartigen Form der Bespitzelung.
Das für mich beste Buch, welches dieses Thema der frühen DDR und dem Druck der Staatsmächte behandelt und glaubhaft vermittelt ist "Jahrestage" von Uwe Johnson oder auch "Ingrid Babendererde" als frühes Werk.
Der Film "Jahrestage" von Frau von Trotta ist eine gute und gelungene Kombination beider Bücher. Bezeichnend ist auch das Uwe Johnson in beiden deutschen Staaten schlecht gelitten war, da er den einen verlassen, und dem anderen nach seinem "Umzug"
nicht kritiklos gegenüberstand.
Ein Zitat aus Syberbergs Film über Winifred Wagner bringt es gut auf den Punkt, wie ich finde:
“Es ist leicht, kein Nazi zu sein, wenn es keinen Hitler gibt.”


marcowski

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Bewertung7.0Sehenswert

Packender, wenn auch im ersten Teil etwas zögerlicher Spielfilm über die absurden und erniedrigenden Zwänge im DDR-Staat - eindrucksvoll gespielt vor authentischer Kulisse.

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RoosterCogburn

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Bewertung5.0Geht so

So sieht also "Event-Fernsehen" aus?! Naja, mag sein. Aber ob das dann auch Qualitätsfernsehen ist?
Das Personal des Romans ist in der Verfilmung deutlich entschlackt. Dabei bleiben einige, realer DDR-Prominenz nachgebildete Nebenfiguren auf der Strecke. Im Film treten lediglich der SED-Bezirkschef Barsano (angelehnt an Hans Modrow), der dubiose Jurist Sperber (Vorbild war DDR-Anwalt Wolfgang Vogel) und am Rande der Schriftsteller Altberg (=Literat Franz Fühmann) auf.
Doch bei Filmadaptionen rechnet man mit entsprechenden Kürzungen zu Gunsten von Dramaturgie. Ohne jegliche Beschönigung wird das andere Deutschland in den 80ern gezeigt. Sei es die Freie Deutsche Jugend, die zugeteilte Kohle, die Firma "Horch und Guck" oder die schlechte Stromversorgung. Das Setting und die Ausstattung der Produktion ist in jedem Fall positiv hervorzuheben.

Schauspielerisch hat mich am meisten Sebastian Urzendowsky überzeugt. Er hatte zwar auch eine recht dankbare Rolle auszufüllen, doch das tat er wirklich erfolgreich. Jan Josef Liefers spielte solide. Doch trat sein Spiel bei weitem nicht so hervor, wie es mir 'Das Erste' oder die Medien verkaufen wollten. Auch das zurückhaltende Spiel Götz Schubert als Lektor ist sehr überzeugend, denn die inneren Konflikte seiner Rolle ist in Mimik und kleinen Gesten zu sehen.

Doch genug mit der Lobhudelei. Denn in der Verfilmung wird nicht klar, was die Erzählung eigentlich will. Letztlich will man hier eine Frage aufwerfen: Wie weit kann man gehen, ohne seine Ideale zu verraten? Das weiß ich aber auch nur aufgrund Uwe Tellkamps Roman, der das dafür oder dagegen wesentlich besser heraus gearbeitet hat. Die Verfilmung macht dies nicht. Da sitzt man davor, reflektiert das Zeitbild der 80er und fragt sich was die Familienchronik einem nahe bringen möchte. Irgendwie ist das Ziel hier verfehlt.

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Markbln

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Natürlich kann ein Zwieteiler schwerlich ein fast 1000 seitiges Buch in seiner Tiefe erfassen. So bleibt einiges auf der Strecke. Er zeigte aber ganz gut die Mechanismen und Zusammenhänge des Systems DDR und wie unterschiedlich die Menschen in ihnen lebten. Ich fands durchaus sehenswert.


minkipinki

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Bewertung4.0Uninteressant

Auch ich habe auf die „Abgründe gewartet, haber sie haben sich mir nicht aufgetan, statt dessen eine seichte Story mit mäßigen Schauspieltalenten, wobei mich der sonst aus dem „Tatort“ bekannte Jan Josef Liefers, wo er eine brillante Rolle als versnobten Gerichtsmediziner spielt, besonders enttäuscht hat.
Auch der immer wieder misslungene Versuch, die damaligen Bürger der DDR allesamt als ein Volk von Denunzianten hinzustellen hat mich als „Wessi“ der die politische Entwicklung der DDR seit der „Roten Hilde (Hilde Benjamin) aufmerksam verfolgt, doch geärgert.
Trotzdem werde ich die nächste Sendung anschauen und gegebenenfalls kommentieren, vielleich tut sich für mich doch noch ein „Abgrund“ auf!

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Markbln

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Offensichtlich wurde der Film nicht zu Ende gesehen, denn der Film stellt eben nicht "die damaligen Bürger der DDR allesamt als ein Volk von Denunzianten" dar.


Markbln

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Bewertung7.0Sehenswert

Abgründe konnte ich im ersten Teil noch nicht richtig sehen, das ist aber nicht weiter verwunderlich bei einem Durchschnittsmimen wie Jan Josef Liefers. Mehr überzeugt haben mich Frau Michelsen und Frau Uhl. Schön wäre es, wenn Steffi Kühnert mehr Playtime bekäme (Nachtrag: leider nicht geschehen)
Das Drehbuch ist sehr gut, die Eröffnungsszene mit dem Weihnachstbaumklau war hinreißend. So holt man den Zuschauer innerhalb 5 Minuten in eine Geschichte. Die inquisitorische Schulverhörszene mit der FDJ-Truppe fand ich stark. Ist sowas wirklich vorgekommen? Eklig.

Im zweiten Teil zieht der Regisseur das Tempo an, die Geschichte gewinnt an Fahrt. Das Leben bei der NVA wird für Christian zur Qual, während Vater Richard immer mehr in den Konflikt zwischen Karriere und Vergangeheit gezogen wird. Seine Frau weiß längst Bescheid über seine jahrelange Affäre, die Ehe ist am Ende, der Mann mit seinen Nerven auch. Hier wird der private Betrug zum Betrug an einer ganzen Gesellschaft, eine starke Figur, die Jan Josef Liefers leider überhaupt nicht ausfüllen kann.
Sowohl Vater als auch Sohn bleiben für mich die Schwachpunkte in der Besetzung. Die Frauen sind wesentlich stärker, gerade Claudia Michelsen verdeutlicht mit kleinen Gesten und Blicken den inneren Kampf der betrogenen Frau viel besser. Sie wird sich im Gegensatz ihres Mannes am Ende befreien und ihren eigenen Weg gehen, genau wie der Sohn. Er bekommt die schöne Schlussszene, die mich mit dem etwas überhasteten zweiten Teil von DER TURM versöhnt. Dass der junge Regisseur hier zum Mauerfall nicht die klassischen Jubelbilder mit Feuerwerk, Gejohle und Tränenbilder nutzt, gefällt mir gut. Hätte sich doch für einen Primetime-Mehrteiler nichts einfacher als das angeboten. Auch wenn die Metapher der ziehenden Vögel oft genutzt wird, ist der Weg von Christian hinaus ins Land für mich das schönere Bild.

Insgesamt zeigt die Verfilmung von Uwe Tellkamps Buch gut die Verflechtung von Schule, Beruf, Militär und die damit verbundenen Repressionen, mit denen die Menschen sich auseinandersetzen mussten. Wie sie sich selbst bzw. den Sozialismus aufs Korn genommen haben und clevere Strategien entwarfen, in diesem System zu leben, beeindruckt mich. Auch, wie souverän ein so junger Regisseur das verfilmt. Die Schwächen liegen im etwas gehetzten Blick und der teils überspitzten Inszenierung, etwas Schmunzeln bei dem an sich tragischen Tod des moppeligen NVA-Kameraden konnte ich mir leider nicht verkneifen, sorry.
Auch die Tragik der Flüchtlinge in der Prager Botschaft, wie die ganzen Wochen im Herbst 1989 hätte man dramatischer zeigen können. Auf der anderen Seite sind diese Bilder sowieso in unseren Köpfen tief verankert (und ich muss sagen, sie bewegen mich nach 20 Jahren noch immer sehr). Dass sich die ganze Revolution so vollkommen ohne Blutvergießen vollzog, grenzt für mich an eine Wunder und bewundern tue ich auch die Menschen in der ehemaligen DDR für ihre Power und ihren Mut, die sie damals hatten.
DER TURM ist gut gemachte deutsche Television, für mehr Tiefe und intensivere Milieuschilderungen sollte man den Roman lesen.

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Mr.Moffet

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Haste schön geschrieben. Und ja, derartige inquisitorische Szenen hat es an den Schulen tatsächlich gegeben, hab selbst einige davon erlebt, teilweise sogar noch härter. Zum Glück ist das alles vorbei, wenn auch heute nicht alles Gold ist, was glänzt...


daniel.helmer.7

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Bewertung7.0Sehenswert

Nachdem gestern der erste Teil erstmalig im TV lief will ich hier schonmal ein Zwischfazit abgeben. Die Charaktere sind stimmig, ebenso wie Drehbuch und der Detailreichtum. Mal schauen ob der zweite Teil ebenso stimmig ist.

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