Détective - Kritik

CH/FR 1985 Laufzeit 98 Minuten, FSK 16, Drama, Kriminalfilm, Kinostart 01.05.1986

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Kommentare (2) — Film: Détective


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Trimalchio

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Bewertung6.5Ganz gut

„Vor zwei Jahren sollte ein Killer einen im Hôtel Concorde St Lazare töten. Er ging zur Rezeption und fragte nach dem Mann. Aber der Portier war beschäftigt. Da las der Killer die Gästeliste des Hotels verkehrt rum. Er merkte nicht, dass er verkehrt rum las. So erschoss er den Gast im Zimmer 666 anstatt den Gast, der in Zimmer 999 wohnte! Da war der Fürst tot.“
Eine Gruppe Detektive untersucht einen zwei Jahre alten Mord, sie beobachten die Hotelgäste genau. Doch sie sind nicht die einzigen Detektive. Wir und die Kameras sind es ebenso. Godard ist nie selbst zu sehen, macht aber indirekt stets auf sich aufmerksam. Sei es durch Zeitungsartikel oder Rezitationen aus Büchern. Der Mann mit dem vielen Schulden im Stück heißt Fox Warner. Eine interessante Form der Kritik. Wie für die Jahre der „retour au cinéma“ typisch nimmt das Spiel mit der Musik einen besonders großen Stellenwert ein. Texttafeln sind nur am Anfang und Ende mit von der Partie und dienen lediglich der Ankündigung der Mitwirkenden. Der Film besteht aus mehreren Abschnitten, Personen handeln in zusammenhängenden kurzen Episoden. Probleme haben sie alle. Sehr unterschiedliche sogar. Ein Boxer bereitet sich auf seinen Kampf gegen sich selbst vor. Man will Paris verlassen. Immer wieder wird Jean-Pierre Leaud bei seiner Arbeit gezeigt. Er sieht schrecklich aus, dunkle Augenringe ziehen sein Gesicht und ein paar Kilo mehr ruhen ebenfalls auf seinen Rippen. Seine Teilnahme verwundert ein wenig, denn Godard hatte ihn in Folge seines Zerwürfnis mit Truffaut heftig beleidigt. Er ist auf der Suche nach der Wahrheit. Die Literatur ist ebenso wichtig, andauernd wird aus Büchern zitiert. Die Figuren charakterisieren sich dadurch selbst. Stellenweise wird es auch sehr absurd und komisch, etwa wenn der Boxer mit den Brüsten seiner Freundin übt oder Leaud den Gästen nachspioniert. Doch leider konzentriert sich Godard eher auf die genaue Ausarbeitung seiner vielen Symbole, als auf die eigentliche Geschichte. Es ist komplett irrelevant, was sich ereignet. Die Verbindung zwischen den einzelnen Szenen fehlt und ist bestenfalls angedeutet. Es wirkt hölzern. Was aber nicht besonders schlimm ist, denn die Szenen an sich spielen sich auf einem hohen Niveau ab, die Literatur wird bemerkenswert flüssig in die Dialoge eingebunden und Überraschungen finden sich trotz der sterilen Hotelatmosphäre zu jeder Zeit. So wird das Interesse aufrecht erhalten, obwohl nichts passiert, was von Belang wäre. ‚Détective’ ist ein filmisches Experiment ohne große Momente, das seine wahren Qualitäten im Verborgenen hält.

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Prestigeww

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Bewertung6.0Ganz gut

Was an Godards Détective positiv heraussticht ist neben dem Hauptdarsteller Johnny Hallyday lediglich der Humor, der hauptsächlich auf die Figur des Boxers (Stéphane Ferrara) konzentriert ist. Dieser Riese mit dem Gemüt eines Kindes verwundert seine Umgebung wiederholt durch seine Ankündigung Tiger Jones zu schlagen – doch Tiger Jones ist niemand anderes als er selbst. Auch seine Schatten-Boxübungen sind eine Augenweide, für die nicht nur Tennisbälle herhalten müssen, sondern auch die nackten Brüste seiner Freundin. Es ist nur richtig, wenn er für diese Auflockerungen des sonst eher öden Plots von Johnny Hallyday mit bizarr großen Toblerone-Stücken belohnt wird.

Leider vermurkst Jean-Luc Godard dieses vielversprechende Konzept mit einer Vielzahl seiner wirren Manierismen. So sind alle Figuren besessen von Literatur und werfen sich die ganze Zeit Zitate (und Bücher) um die Ohren. Jede der Figuren hat dabei ein Buch, das er ständig bei sich trägt und das seine Rolle widerspiegelt. Hinzu kommen eine Vielzahl von Symbolen und Ideen, die Jean-Luc Godard zwar andeutet, aber dann das Interesse verliert, bevor er sie zu Ende führt: der Boxer und sein Kampf, Sex, Ehe und Partnerschaften, die Vergangenheit des Detektivs, das Spiel mit Genrekonventionen – all diese spannenden Motive führen ins Leere. Schlimmer noch: Diese überflüssigen Spielereien nehmen dem Film die Leichtigkeit und das Tempo, welche die früheren Godard-Filme auszeichneten und ohne welche der Zuschauer bei einem derart fragmentierten Plot leider vollkommen das Interesse verliert.

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