Die Beschissenheit der Dinge - Kritik

De helaasheid der dingen

BE/NL · 2009 · Laufzeit 108 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
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    sachsenkrieger 30.11.2016, 11:21 Geändert 30.11.2016, 11:21


    Was ich nicht so ganz verstehen will ... hi hicks ... ist, warum dieser Film unbedingt DIE BESCHISSENHEIT DER DINGE heißen muss ... rööööölps. Ist doch alles kla in Belgica! Komasaufen, Randalesaufen, After-Nackt-Fahrradrennen-Saufen, Saufen, Saufrekordsaufen, Komasaufen, Knallschlampen-Schönsaufen, Komasaufen, Hosenpissersaufen, Crossdressingsaufen, Weltrekordsaufen, Mama-Rente-Saufen, Komasaufen und so weiter und so fort. Da is´doch ... öööaaaah ... nix beschissen dran. Das is´ doch die einzige Art und Weise, wie man in einer ungerechten Welt, in der sich alles gegen einen verschworen hat, glücklich und zufrieden leben kann. Was soll man denn sonst großartiges leisten, wenn einem die olle Nutte einfach weggelaufen ist, geregelte Arbeit nur was für Proleten ist, niemand versteht, das man im Grunde der beste, stärkste und klügste Kerl der Welt ist und man zudem auch noch in Belgien lebt?

    Was anfangs lustig beginnt, wird in der Realität ... und auch im Film von Felix van Groeningen, nach und nach bitter wie Galle. Der lütte Gunther, der ebenso wie sein Vater und dessen drei Brüder, bei der Oma/Mama wohnt, geht schon früh durch die harte Schule des Lebens. Vorlage für die skurile, doch leider wohl viel zu häufig reale Geschichte, ist der mehr oder weniger autobiographische Roman des Belgiers Dimitri Verhulst. Ich will als Quasi-Abstinenzler nicht moralapostolisch auftreten, aber das ist vielleicht einer der besten Filme zu dem Thema, das auch hierzulande gerne unter den Tisch gesoff ... äh, gekehrt wird. Denn was bedeutet es für eine Gemeinschaft, in der anscheinend immer mehr Menschen, in immer jüngeren Jahren, einer der gefährlichsten und verharmlosesten Drogen der Welt verfallen? Es kann auf jeden Fall nicht bedeuten, das wir ob unseres Wohlstandes und unseres immer leichteren Lebens, wirklich glücklich sind bei dem, was wir tun...

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    • 7

      Der mittlerweile Erwachsene Gunther Strobbe ist Schriftsteller, doch jeder Verlag dem er eine Kopie des Buches zuschickt, lehnt ihn ab. Er gibt nicht auf und versucht es immer wieder, bis er irgendwann genommen wird und sein Buch veröffentlicht. Ein paar Bücher später und ein Kind reicher, was er eigentlich nicht haben wollte, da er sich vorgenommen hat keine Kinder haben zu wollen, findet er mittlerweile gefallen daran und hat endlich Freude an seinem Leben. Doch das war nicht immer so, denn als Kind wuchs er in einem zerrütteten Elternhaus auf das schlimmer hätte nicht sein können. Sein Vater mittlerweile allein stehend, und seine gesamte Familie sind Alkoholiker, die sich die meiste Zeit mit Alkohol trinken und rauchen in Bars vertreiben. Er hat noch 4 weitere Brüder die allesamt nichts auf die Reihe kriegen, und nur Ärger verbreiten wo immer sie auch auftauchen. Er fängt schon früh an Bier zu trinken, und seine schulischen Leistungen lassen immer mehr nach, sodass bald das Jugendamt eingeschaltet wird. Der noch damals 13 jährige entscheidet sich auf ein Internat zu gehen, in der Hoffnung das es ihm dort besser geht, und sein Vater derweil eine Entziehungskur macht um so wieder auf den rechten Weg zu gelangen.

      Wird es ihm gelingen wieder auf den richtigen Pfad zu kommen? Wie sieht der mittlerweile Erwachsene Gunther auf seine Kindheit zurück? Wendet sich am Ende doch noch alles zum guten?

      Sehr unterhaltsamer aber auch trauriger Film über eine Kindheit, die einen in manchen Situationen doch ziemlich nachdenklich werden lässt und mitnimmt. Hier wird schonungslos über moralische und ethische Grenzen hinausgegangen, und zeigt den Lebensablauf eines Kindes im Chaos einer gescheiterten Gesellschaft am Rande des Existenzminimums. Die alltäglichen Sorgen und Probleme der Protagonisten werden meist belächelt und im Alkohol ertränkt, doch das dadurch noch mehr kaputt geht als man denkt, wird so manchem erst hinterher klar wenn einiges zu spät ist um es noch retten zu können. Die bittere Realität wie sie leider auch noch heutzutage aufzufinden ist in einigen Haushalten. Ein zynisch, lustiger, makaberer aber auch traurig anzusehender Film.

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      • 8

        Bruno Dumont trifft Tarantino. Ein junger Schriftsteller erinnert sich an seine Kindheit in den achtziger Jahren, an seinen versoffenen Vater und seine abgewrackten Onkel. Ein realistisches Drama der angeschlagenen Männlichkeit, das vor allem durch seine emotionalen, tieftraurigen Momente überzeugt. [Hans Schifferle]

        • 6

          Wenn die eigentlich jedem Kind unaufgefordert zustehende schönste Zeit des Lebens zur Schlechtesten wird, hinterlässt das Narben. Armut, fehlende Vorbilder, ein nicht existierendes Nest der Geborgenheit, Alkoholmissbrauch, Gewalt. Vielleicht hinterlässt das schmerzhafte sichtbare Narben, schlimmer sind meist die Unsichtbaren. Wenn alles was so wichtig ist in der Kindheit fehlt, jenes ersetzt wird durch Weltrekordversuche im Biertrinken, Vaters Kotze wegwischen, Nackt-Radrennen und Roy Orbison, wird DIE BESCHISSENHEIT DER DINGE zu so viel mehr, als nur ein hingeschmierter Spruch an der Trennwand des Herrenklos.

          Beachtlich finde ich, das van Groeningens Film seine Figuren nicht der Lächerlichkeit preis gibt, wie es so viele "Doku-Serien-Formate" diverser Sender so gerne machen. Die Geschichte einer Familie am perspektivlosen Ende der Gesellschaft im Belgien der 1980er Jahre wird beobachtet, aber nicht verurteilt. Neben all der Tristesse gibt es auch immer wieder kleine Hoffnungsschimmer und Humor jeglicher Couleur. Massen taugliche Unterhaltung geht anders, trotzdem konnte mich diese belgische kleine Perle bis zum Ende mit ziehen, da einem die Figuren sehr nahe gebracht werden. Mitunter unerträglich nahe.

          „Das Leben ging weiter. Genau das macht das Leben manchmal so schwierig.“

          Fazit: Interessante europäische Kost.

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          • 2

            Nee sorry - aber das war ein Griff ins Klo. Wahrscheinlich weil mir DBDD als Komödie empfohlen wurde war ich nun zutiefst enttäuscht! Oder vielleicht auch grade deshalb... Wie auch immer - einer der schlechtesten Filme für uns in 2015.

            Kurzum;
            Eine Asoziale Belgische Familie in ihrem Tagesablauf, mit den daraus resultierenden sozialen Krisen, Problematiken und schlussendlich damit verbundenem, unabwendbaren und jeweils individuellem totalem Abstieg.

            Da wir in unserer Millionenstadt in gewissen Stadtteilen genau solche Menschen wohnen haben (ja die gibts wirklich auch im richtigen Leben), könnten wir uns auch einfach mal 90min in die UBahn-Haltestellen besagter Stadtteile setzen, und dem Treiben zuschauen - gleicher Effekt. Die 2,0 Punkte gibt es für die Autenzität die DBDD an den Tag legt. Aber wie gesagt, ich kenne Leute die würden sich auch beim selbigen Tagesablauf Filmen lassen mit gleichem Ergebnis; wohl für ne Flasche Appelkorn, da braucht es keine professionellen Schauspieler :(

            *Sehenswert - Nein! / Empfehlenswert - Nein!*

            • 9
              Muaschi 08.02.2015, 20:42 Geändert 08.02.2015, 20:45

              Auf dem Weg in den Urlaub führt mich mein Weg meist über belgische Autobahnen.
              Immer legt sich mir ein beklemmendes Gefühl auf die Brust, schaue ich nach Links und Rechts. Ich frage mich dann - Wer sind die Menschen die dort leben müssen?

              Vergleichbar mit "Gesichter des Todes" nicht im medizinischen Sinn sondern im sozialen.
              Ich denke es ist ein guter Film, der nur in eine Kategorie passt: Filme aus Belgien.
              Ein wirklich guter Film, der einen oft lachen lässt. Nie ist der Film albern, mehrmals etwas beklemmend. Die Sauf-Tour de France werde ich einmal ausprobieren.
              Für Imdb Fetischisten ist der Film eher nix.

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              • 8

                Ein ungesüßtes Magenbitter irgendwo zwischen dem stupiden Blödelklassiker FLODDERS und der dramatisch-tristen Bosheit eines EX DRUMMER. Zunächst wärmt es einen mit seinem überzeichneten Humor, nur um im Verlauf des Films schmerzhaft-sauer aufzustoßen.

                Bis jetzt hat mich das belgische Kino nie im Stich gelassen, wenn es um eigenwillige Filmkonzepte ging und dies hat sich auch nach der Sichtung dieses Werks auch nicht geändert. Belgien bleibt ein Garant für außergewöhnliches Kino.

                DIE BESCHISSENHEIT DER DINGE macht hier keine Ausnahme, denn die Verfilmung der biografischen Romanvorlage des Benelux-Bestsellers von Dimitri Verhulst zeigt uns seine Kindheit und ausschnitthaft den Erwachsenen, der aus der Kindheit geformt wurde. Eine Kindheit die ihn zwischen falschen Vorbildern aber auch familiärer Wärme und Geschlossenheit aufwachsen lässt. Er lebt mit seinem alkoholkranken Vater und den ebenso abhängigen drei Onkeln im Haus seiner Oma, die versucht zu retten, was noch an Normalität zu retten ist.

                Dabei gelingt Felix Van Greoningen sowohl die humoreske Überzeichnung der provinziellen Proletenfamilie, mit all ihren übertriebenen Saufgelagen und asozialen Verhaltensmustern, als auch die traurige und ausweglose Situation, die auf das Kind in solchen kaputten Familien Einfluss nehmen. Ich empfand die Darstellungen nie als bloßstellend, um hämische Lacher zu sammeln, sondern wer ein wenig Feingefühl hat, dem bleibt das Lachen zunehmend im Zwerchfell stecken.

                Empfehlenswert ist eine Sichtung für all jene, die unkonventionelle Filme mit einer Mischung aus sinnloser Derbheit und subtiler Gefühlsfandung îhr Eigen nennen, für mich jedenfalls eine Bereicherung.

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                • 10

                  10 points und einer meiner lieblingsfilme! sehr schöne tragikomödie die mich berührt hat.

                  • 9

                    Absolut guter Film

                    • 4 .5

                      Dubioser Kritikerfilm, der jenseits jeglichem gutbürgerlichen Niveau im Abseits spielt und nur kaputte Randexistenzen zeigt

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                      • 7

                        Süßer Filmtitel, obwohl ich ja persönlich "Die Essenz Asozialität" treffender finde.
                        Wer Lust auf einen romantischen Abend mit seiner baldigen "Ex-"Freundin hat, ist mit diesem volltrunkenen Streifen bestens aufgehoben.

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                        • 7 .5

                          Ich habe keine genaue Ahnung was es ist,aber mich hat der Film gefesselt.Humor empfand ich in dem Film eher wenig.
                          Die Dramatik dahinter ist groß,auch wenn es fast nur ums Saufen geht.

                          • 9 .5

                            Warum kommt mir das bekannt vor ? ... Wenngleich ich wesentlich behüteter aufgewachsen bin als der / die filmische(n) Protagonist(en), so kommt mir als "Landei" (=auf dem Land aufgewachsenes Menschenkind) der ein oder andere szenische Irrsinn oder dramatische Moment oder auch dramatischer Irrsinn sehr bekannt vor... Dass bei allem Proletentum der Regisseur seine Figuren nicht der vollkommenen Lächerlichkeit und dem billigsten Gag opfert, macht alle Personen greifbar und menschlich in ihrer gescheiterten Existenz und stimmt oftmals traurig... Während die Strobbes sich natürlich niemals als auch nur im Ansatz gescheitert betrachten würden... Und davon kannte ich einige; weshalb es mir bekannt vorkommt...

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                            • 5

                              "The Broken Circle" ist ja momentan im Oscarhype, da habe ich mal einen Blick auf einen anderen Felix van Groeningen geworfen und ich bin schockiert.
                              Der Film ist bis oben hin dicht und abgefüllt mit Alk. Es wird sich nonstop gezofft und gekloppt. Ziemlich bedrückend und fast schon in Richtung des bekanntesten belgischen Film "Ex Drummer".
                              Dann liest man im Abspann, das ganze ist eine Buchverfilmung und basiert auf dem leben des Autors und man denkt sich au Backe.
                              Der Film hat kurze kleine starke Momente, wenn Belgien als Land beschrieben wird und Beobachtungen gemacht werden. Aber die Handlung ist zu heftig und der Film schonungslos.
                              Etwas entäuschend. Mann muss wohl in Bierlaune sein um den schön zu finden.

                              10
                              • 7

                                Tragische und vulgär witzige Momente liegen so dicht in „Die Beschissenheit der Dinge“ beieinander, dass dieses Porträt einer Unterschicht-Familie niemals einseitig wird, seine Figuren nie zu bloßen Klischees degradiert werden. Eine in Zügen manchmal äußerst zynische und derbe, aber auch herzliche Tragikomödie, die wie eine Mischung aus „Flodder“ und Arthouse wirkt.

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                                • 8

                                  Nach Bullhead und Ex-Drummer der dritte Belgier in kürzester Zeit, "Die Beschissenheit der Dinge" ist der leichteste der drei, was daran liegt, dass der Film bei allem Elend und Abgründen eine gehörige Portion Humor mitbringt, ohne das Ganze ins Lächerliche zu ziehen. Szenen wie die spontane Roy Orbison-Party beim gastfreundlichen ira(n)kischen Nachbarn, das Nacktfahrradrennen oder die Alki-Tour de France sind einfach nur zum Brüllen. Dennoch nimmt Felix Van Groeningen seine Strobbes ernst und analysiert messerscharf die Mechanismen des Scheiterns. Ein Film, den ich mir garantiert noch mal anschauen werde.

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                                  • 6

                                    Ein Film, der sein Publikum mit belgischen Alkoholexzessen foltert: Grauenhaft, fürchterlich, eine absolute Zumutung! Aber genau das war auch so beabsichtigt. Nicht schön, dafür ehrlich und sarkastisch wird über die Quasi-Unvermeidbarkeit innerfamiliärer Asozialisierung philosophiert.

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                                    • 9

                                      Ein wahnsinnig guter Film über Boden der sozialen Gesellschaft. Der Streifen ist sowohl tragisch als auch unfreiwillig komisch. Eigentlich sollte einem das Lachen wegbleiben, da das menschliche Scheitern nicht lustig ist. Doch genau weil es so verrückt humoristisch dargestellt wird, wirkt es greifbar und authentisch, was die Dramatik des Filmes immens verstärkt.

                                      • 7

                                        Nicht schlecht, gibt aber bessere Filme über das monumentale Scheitern. Wobei dieser Film für Leute empfehlenswert ist, die mit depressiven Filmen nicht so gut umgehen können...

                                        • 8

                                          Zoten und besoffene Kleinstadt - Typen sollten niemanden davon abhalten sich diesen poetischen und sehr ehrlichen Film aus Belgien anzuschauen. Der Regisseur konnte sich übrigens 2013 mit "The Broken Circle breakdown" ( Berlinale Panorama Titel) selbst übertreffen. Unbedingt empfehlenswert!

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                                          • 7 .5

                                            Es ist zu real um nicht nachvollziehbar zu sein. An diesem Drama hat das Leben Schuld, die Beschissenheit der Dinge ist allgegenwärtig bei manchen mehr bei manchen weniger.

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                                            • 5 .5

                                              etwas redundant...

                                              • 7

                                                Dieser Machwerk, von vornehmlich unbekannten bzw. Laien dargestellt und von van Groeningen inszeniert, hat mir den Magen verdorben und meine Toleranzgrenzen mehr als nur einmal überschritten... das ist das gute an dem Film! Glaubte ich bei Beginn diieses Sozialdramas noch auf eine Spielvariante der Flodders oder Hill Billies zu treffen, so wandelte sich mein Bild des Films mit einsetzen der düsteren Bildsprache ab etwa der 20 Minute.. und dann wenn der alkoholkranke "Vater" tatsächlich bewaffnet auf seinen eigenen Sohn losgeht.. ja dann ist alles komödiantische verschwunden und man ist in der Tristesse des Alltags der Protagonisten angekommen. Auch wenn das Ende dieses cinematographischen Martyriums mit einer wichtigen und vielleicht gar hoffnungsvollen Botschaft aufwartet, so bleibt doch vorallem eine Emotion haften.. Ausweglosigkeit.

                                                • 9

                                                  Ich hab mir unter dem Titel was so komplett anderes vorgestellt, dass mich der Film echt umgehauen hat. Der Film beginnt so lustig und endet so traurig. Alle emotionalen Empfindungen wurden hier einmal angesprochen. "Die Beschissenheit der Dinge" passt so unglaublich gut als Titel und selbst wenn Günther diesen Spruch erst ziemlich zum Ende des Films sagt zieht er sich durch das komplette Schauspiel und man vergisst ihn trotz der teilweise witzigen Geschehnisse nicht.
                                                  Herzlich, hart, ehrlich, erschreckend und alles andere als langweilig.

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                                                  • 8

                                                    Wenn es einem Film gelingt, den schmalen Grat zwischen Tragik und Komik zu beschreiten, ohne dabei an einer Seite herunterzufallen, ja beide Elemente sogar so miteinander mischt, dass einem das Lachen mehrmals im Hals stecken bleibt, hat er schon fast gewonnen. „Die Beschissenheit der Dinge“ ist so ein Film, dem das gelingt.
                                                    Es waren allein der großartige Titel und das DVD-Cover, das den Zieleinlauf beim Nacktfahhradrennen zeigt, die mich in der Videothek auf den Film aufmerksam machten. Ich nahm ihn mit, ohne zu wissen, worum es geht. Dorfleben? Abenteuer? Nudistenradrennen? Hätte alles sein können und genau genommen steckt von allem auch etwas drin, aber eigentlich geht es vor allem um die Familie.
                                                    „Mit den Kindern muss man zart und freundlich verkehren. Das Familienleben ist das beste Band“, sagte einst Otto von Bismarck. Das genaue Gegenteil passiert in der Welt von Gunther, der in der tiefsten belgischen Provinz aufwächst. Der dreizehnjährige Junge lebt mit seinem Vater und dessen drei Brüdern bei der Großmutter. Und während diese für das Geld und das Essen sorgt, sind die Männer eigentlich nur damit beschäftigt, Alkohol zu trinken und sich weiter abzuwracken. Dabei zeigt Regisseur Felix Van Groeningen, für den dies der erste größere Film war, dass sich Gunther zwar nach Nähe und Zuneigung sehnt, dabei aber immer mehr wird wie Vater und Onkel.
                                                    Der Grundton des Films ist dabei ernst, allerdings auch alkoholtrunken. Es scheint eine Selbstverständlichkeit zu sein, dass der Junge mit in die Kneipe geht und mittrinkt. Als sein Fahrrad kaputt geht, schlägt sein Vater vor, die fünf Kilometer bis zur Schule zu laufen und es ist auch nicht ungewöhnlich, dass sein Onkel, mit dem er in einem Zimmer schläft, im Nebenbett mit dem Mädchen schläft, in das Gunther verliebt ist. Beschissen trifft die Situation schon ziemlich genau.
                                                    Auch wenn der Film viel Tiefgang hat und einem diesen auch auf der Gegenwartsebene – Gunther ist erwachsen und hat auch ungewollt eine Frau geschwängert und versucht anders zu werden als sein Vater – ins Gesicht schlägt, kann man mit dem Film noch mehr Spaß haben, wenn man kein Problem mit stellenweise flachem, prolligem Humor hat. Denn wenn es nicht gerade ernst zur Sache geht, wird eigentlich immer gesoffen, mit allen Konsequenzen. Da gibt es dann eben auch Gesänge wie: „Ein Wunder ist geschehen, ein Wunder ist geschehen. Meine Muschi ist nass und kein Regen zu sehen“, über die man am besten einfach hinwegsieht, wenn man nicht drüber lachen kann.
                                                    Ohne zu viel zu verraten, gibt es gegen Ende des Films eine der vielleicht besten, aber auch krassesten Trinkspielszenen der Filmgeschichte zu sehen. Allein für diese Brettspielversion der Tour de France lohnt es sich, die DVD zu schauen. Aber auch sonst ist „Die Beschissenheit der Dinge“ eine sehr unterhaltsame Kombination von Suff und Sozialdrama.
                                                    P.S: Das Bonusmaterial beweist übrigens, dass nicht nur der Film stellenweise echt hart an der Grenze ist, sondern auch die Crew selbst. Diese dokumentiert dort nämlich, wie sie über zwei Wochen Scham- und andere Körperhaare der Männer gesammelt haben und daraus für Darsteller Koen De Graeve ohne sein Wissen einen Schnurbart gemacht haben, den er einen ganzen Tag lang trug.

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