Die ewigen Momente der Maria Larsson

Maria Larssons eviga ögonblick (2008), FI/NO/DK/SE/DE
Laufzeit 110 Minuten, FSK 12, Drama, Kinostart 08.04.2010

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6.3 Kritiker
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von Jan Troell, mit Maria Heiskanen und Mikael Persbrandt

Eine Kleinstadt in Schweden, Anfang des 20. Jahrhunderts: Maria, eine junge Frau aus einfachen Verhältnissen, gewinnt in einer Tombola eine Fotokamera. Sie ist mit Sigfrid Larsson verlobt, einem ungelernten Arbeiter und jungen Kommunisten, der zwar harte Arbeit gewohnt ist, aber gerne ein Auge auf andere Frauen wirft und leider immer wieder dem Alkohol verfällt. Nach der Heirat wird Maria schnell Mutter dreier Kinder; im Laufe ihres Lebens werden noch sechs weitere folgen. Angesichts des schmalen Einkommens ihres Mannes möchte Maria die unbenutzt in einer Ecke liegende Kamera gerne verkaufen, um mit dem Geld Lebensmittel für die Familie zu besorgen. Sie wendet sich daher an den Fotografen Sebastian Pedersen, genannt “Piff Paff Puff”, der ihr jedoch rät, das Gerät zu behalten. Obwohl die junge Frau keinen blassen Schimmer hat, wie man eine Kamera bedient, siegt die Neugierde auf das, was damit alles möglich ist. Da sie offensichtlich talentiert ist, versteht sie mit Piff Paff Puffs Hilfe schnell, wie man fotografiert. Sie entscheidet sich, ihren Gewinn zu behalten – eine Entscheidung, die ihr Leben nachhaltig beeinflussen wird. Zunächst macht Maria Bilder, die von ihrem alltäglichen Leben erzählen, von den Sorgen und der Armut, aber auch von dem Spaß in der Familie und der Freude am Leben. Tagsüber ist sie damit beschäftigt, ihren Haushalt zu versorgen. In der Nacht aber, wenn Sigfrid seinen Rausch ausschläft, und die Kinder in ihren schmalen Bettchen liegen, entwickelt sie ihre Fotos. Die Küche muss dabei als Dunkelkammer herhalten. Durch die Kamera beginnt Maria, die Welt um sich herum mit anderen Augen zu sehen. Nachbarn, Blumentöpfe, die Kinder im Hof, die Katze, alles erwacht auf ihren Fotos zu neuem Leben. Alle ihre Fotos halten etwas fest für die Zukunft, wenn alles andere schon lange nicht mehr da ist. So fotografiert sie auch die früh verstorbenen Kinder aus der Nachbarschaft, die daraus folgenden dramatischen Veränderungen in der Gesellschaft. Die gelungenen Aufnahmen der jungen Fotografin wecken in dem allem Anschein nach allein stehenden Fotografen ernsthaftes Interesse an der schönen Frau. Die inniger werdende Beziehung zu Piff Paff Puff wiederum weckt in Maria den leisen Wunsch nach mehr Freiheit; die Fotografie deutet ihr einen Weg zu finanzieller Unabhängigkeit an. Daraus wird sowohl Chance als auch Bedrohung für die Familie. Sigfrid reagiert zunehmend eifersüchtig und aggressiv auf Marias Erfolg als Fotografin. Der Alkohol tut ein Übriges.

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Kritiken (3) — Film: Die ewigen Momente der Maria Larsson

D.Brüggemann: Schnitt D.Brüggemann: Schnitt

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7.0Sehenswert

Der Film sieht öfter mal nach Studio aus, hängt hier und da ein bißchen durch, geht keinen geraden Weg und schildert doch am Ende die komplexe, vielschichtige Beziehung zweier Menschen mit einer ehrlichen Tiefe, der man sich kaum verweigern kann. Der Film ist wie eine liebenswürdige und zugleich umständliche ältere Dame: Man kann ihm seine Sympathie kaum verweigern. Erfrischend altmodisch oder hoffnungslos altmodisch – dieser Film ist beides auf einmal.

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Esther Buss: Film-dienst Esther Buss: Film-dienst

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4.0Uninteressant

Erzählt wird in ruhigen Bildern, es gibt viele Braun- und Grautöne, doch nach einem dekorativen Kostümfilm sieht das alles nie aus. Troells Film passt sich ganz den unspektakulären Auf-und Abbewegungen von Maria Larssons Biografie an. Mal verdichtet sich eine Situation, kippt in die Miniatur eines Dramas, um sich dann aber nicht weiter zu steigern, sondern im Gegenteil in ein völlig entschleunigtes, fast behäbiges Tempo überzugehen; das Drama zerstreut sich, schrumpft auf ein Minimum zurück. Auf diese Weise wirkt der Film etwas aus der Zeit gefallen, stilistisch ein wenig antiquiert, aber doch angenehm resistent gegenüber dramaturgischen Regeln (Figurenentwicklung, Spannungsaufbau) und den Konventionen des Historiendramas.

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Jomo

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Die Wertung 4.0 = Uninteressant passt nicht ganz zum Text.


Felix Frieler: critic.de

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Neben den Stärken der Biographie zeichnet den Film vor allem aus, dass er seine Figuren sehr behutsam und differenziert in ihrem politisch-gesellschaftlichen Umfeld verortet. Die ewigen Momente der Maria Larsson bietet so Einblicke in eine wichtige Epoche europäischer Geschichte, ohne sich dabei mit eindeutigen Zuschreibungen und monokausalen Erklärungen zu belasten. Alle Aussagen über die Gesellschaft sind an die Einzigartigkeit der Geschichte rückgebunden. Was über sie hinausgeht, wird nur angedeutet und muss vom Publikum selbst freigelegt werden.

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tiffi28

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Bewertung9.0Herausragend

Ein wunderschöner Film, wenn man es auch mal ruhiger mag. Tatsächlich passiert nichts, aber das wird herrlich illustriert und von der ersten Minute an fühlt sich der Betrachter 100 Jahre zurück versetzt in die Zeit der Handlung vor und im ersten Weltkrieg. Fotografie als Kunst und das faszinierende daran werden zauberhaft erklärt und machen Lust, sofort eine Kamera (und zwar nicht Digital) in die Hand zu nehmen.

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