Die fetten Jahre sind vorbei
AT, DE 2004
- Genre
- Tragikomödie, Gerechtigkeit
- Inhalt
Jan, Peter und Jule sind drei rebellische junge Außenseiter. Der eigenbrötlerische Jan (Daniel Brühl) verspürt eine tiefe Wut auf eine ungerechte Welt, sein Mitbewohner Peter (Stipe Erceg) teilt dieses Gefühl, nur weniger verbissen. Gemeinsam sind… — Mehr
Jan, Peter und Jule sind drei rebellische junge Außenseiter. Der eigenbrötlerische Jan (Daniel Brühl) verspürt eine tiefe Wut auf eine ungerechte Welt, sein Mitbewohner Peter (Stipe Erceg) teilt dieses Gefühl, nur weniger verbissen. Gemeinsam sind sie "Die Erziehungsberechtigten" und stören mit subversiven Aktionen die Hochsicherheitszonen der Reichen. Ihre Botschaft an den Geldadel lautet: "Die fetten Jahre sind vorbei". Als Peters Freundin Jule (Julia Jentsch) wegen Überschuldung bei den beiden in der WG einziehen muss, weiß sie zunächst von den nächtlichen Einbrüchen nichts. Doch als Jan und Jule sich rettungslos und ohne Peters Wissen ineinander verlieben, weiht Jan sie in das Geheimnis ein. Jule überredet Jan zu einer riskanten Aktion. Doch im Übermut unterläuft ihnen ein folgenschwerer Fehler. Sie rufen Peter zu Hilfe und aus den drei Erziehungsberechtigten werden unversehens drei Entführer. Auf einer einsamen Hütte in den Bergen kommt es zu einer Konfrontation zwischen den drei Idealisten und der Generation an der Macht in Gestalt des Topmanagers Hardenberg (Burghart Klaußner). Schon nach kurzer Zeit nimmt die Konfrontation eine überraschende Wendung...
- Cast
- Daniel Brühl, Julia Jentsch, Stipe Erceg, Burghart Klaußner, Peer Martiny, Petra Zieser, Laura Schmidt — Mehr
- Regisseure
- Hans Weingartner
- Autoren
- Hans Weingartner, Katharina Held
- Laufzeit
- 129 Minuten
- Zeit
- 2000er Jahre, Gegenwart
- Ort
- Spanien, Tirol, Zehlendorf
- Handlung
- 1968er-Generation, Alarmanlage, Anarchismus, Autounfall, Berghütte, Bergsee, Bourgeoisie, Brief, Demonstration, Dreiecksbeziehung, Einbrecher, Entführung, Ex-Freund, Ex-Freundin, Frau zwischen zwei Männern, Freie Liebe, Freundschaft, Generationenkonflikt, Handy, Hotel, Kapitalismus, Politisch Motivierte Aktion, Polizei, Promiskuität, Revolution, Romanze, Schulden, Spezialeinheit, Swimming Pool, Vandalismus, Verrat, Verräter, Villa, Widerstandsbewegung, Wohngemeinschaft, Wohnungseinbruch, Yacht
- Stimmung
- Berührend, Eigenwillig, Ernst, Geistreich, Witzig
Über diesen Film
Nach seinem erfolgreichreichen Debüt von Das weisse Rauschen bleibt sich Weingartner auch bei seinem zweiten Film treu. Er lehnte mehrere Angebote ab und entwickelte erneut ein eigenes Drehbuch. Die erste Fassung des entstandenen Drehbuc… — Mehr
Nach seinem erfolgreichreichen Debüt von Das weisse Rauschen bleibt sich Weingartner auch bei seinem zweiten Film treu. Er lehnte mehrere Angebote ab und entwickelte erneut ein eigenes Drehbuch. Die erste Fassung des entstandenen Drehbuches hieß noch “Jan Jule Peter”. Mit der Titteländerung in Die fetten Jahre sind vorbei wird die gesellschaftliche Thematik gegenüber der Dreiecksbeziehung in den Vordergrund gestellt1.
Die Jury des Festivals in Cannes bewertete dies positiv und lud Die fetten Jahre sind vorbei auf das Festival ein. Nach siebenjähriger Abwesenheit eines deutschen Beitrags gelang es Weingartner im Wettbewerb gezeigt zu werden.
Handlung
Jules schwierige Situation
Jule (Julia Jentsch) ist Mitte Zwanzig, eine politisch aktive Studentin und lebt in Berlin. Engagiert gegen die globale Ausbeutung steckt sie allerdings selbst in starker Abhängigkeit. Mit einem unversicherten Auto ist sie in einen teuren Mercedes hineingefahren. Seitdem arbeitet sie unter miserablen Bedingungen in einem Edelrestaurant, um ihre Schulden von 100.000,-€ ratenweise abzubezahlen. Durch ihre angespannte finanzielle Lage ist sie bei der Zahlung ihrer Miete in Rückstand geraten. Ihr Vermieter teilt ihr im Hausflur mit, dass sie binnen zwei Wochen die Wohnung räumen muss. Ihr Freund Peter (Stipe Erceg) bietet ihr an in seine Wohngemeinschaft zu ziehen, die er sich mit Jan (Daniel Brühl) teilt.
Da Jule dazu verpflichtet ist, ihre alte Wohnung in einem renovierten Zustand zu verlassen, muss sie die gemeinsame Reise mit ihrem Freund absagen. Peter fährt kurzentschlossen alleine nach Barcelona. Bei den Renovierungsarbeiten hilft ihr Jan. Die beiden kommen sich näher. Als Jule von ihren Schulden erzählt, ist Jan über die Ungerechtigkeit empört. Einen solchen Schaden hätte der reiche Topmanager, dem der Mercedes gehörte, schließlich aus der Portokasse zahlen können. Jan möchte ihr helfen, sich zu wehren und weiht sie in ein Geheimnis ein.
Die geheimen Aktionen
Die beiden WG-Bewohner Jan und Peter gehen nachts nicht, wie Jule dachte, plakatieren, sondern führen politisch motivierte Aktionen durch. Unter dem Pseudonym “Erziehungsberechtigte” brechen sie in Villen der wohlhabenden Oberschicht ein. Sie stehlen nichts, sondern richten aus Protest gegen Ungleichheit ein “kreatives Chaos” in den Wohnungen an. Ihr Ziel ist die Verunsicherung der Reichen, die sich in ihrem bewachten Häusern fälschlicherweise in Sicherheit wähnen. Am Tatort lassen sie Bekennerschreiben zurück mit den Aufschriften: “Die fetten Jahre sind vorbei” oder “Sie haben zu viel Geld”
Eine Aktion läuft aus dem Ruder
Jan fährt mit Jule in die Berliner Villengegend Zehlendorf. Auf Wunsch von Jule brechen beide in die offensichtlich verlassene Villa ihres Gläubigers, Hardenberg (Burghart Klaußner), ein. Voller Übermut beginnen sie die Möbel umzuräumen und versenken dabei ein Designersofa im Pool. Zum ersten Mal küssen sie sich. Als Jule aus Versehen die Gartenbeleuchtung anschaltet, verlassen sie fluchtartig die Villa. Am nächsten Morgen bemerkt Jule, dass sie ihr Handy in der Villa liegen ließ. Als die Zwei erneut in die Villa einbrechen, werden sie vom Eigentümer Hardenberg überrascht. Jan schlägt den Topmanager von Hinten bewusstlos. Aufgeregt rufen sie ihren Freund Peter an, der gerade aus Barcelona zurückgekehrt ist. Da Hardenberg Jule erkannt hat, beschließen sie den Millionär zu entführen.
In den Bergen
In den österreichischen Alpen finden sie in einer Berghütte von Jules Onkel unbemerkt Unterschlupf. Sie überlegen was sie mit dem Entführten machen können. Das Aufeinandertreffen der drei Idealisten und des reichen “Bonzen” entwickelt sich anders als erwartet. Es stellt sich heraus, dass Hardenberg ein richtiger Alt-68er ist. Als ehemaliges Vorstands-Mitglied des Sozialistischen Deutschen Studentenbunds hätte er damals auch an höhere Ideale geglaubt. Über die Tage gewinnt Hardenberg das Vertrauen seiner drei jungen Entführer. Als er Peter auf die heimliche Liebe von Jule und Jan hinweist, kommt es zu einer heftigen Auseinandersetzung der drei Freunde. Nachdem sie sich wieder versöhnen, beschließen sie die Entführung abzubrechen.
Noch bevor Hardenbergs wohlwollendes Versprechen, sie nicht der Polizei auszuliefern, als Lüge auffliegen, tauchen die drei Aktivsten unter. Gemeinsam wollen sie Jans lang geplantes Ziel erreichen, das europäische Fernsehen zum Erliegen zu bringen.
Weiterführende Informationen
- Rezeption
Weitere Informationen im Internet
- Österreichische Homepage zum Film
- Website zum Film mit humorvollen Spots (eng.)
- Filmheft zu Die fetten Jahre sind vorbei von der Bundeszentrale für politische Bildung
- Bilder von der Deutschlandpremiere auf Am Ende des Tages
- The Edukators bei der Wikipedia (eng.)
- Die fetten Jahre sind vorbei bei der Wikipedia (dt.)
- Filmkritik und Linksammlung bei filmz.de
- Infos zum Soundtrack auf mute.de
- Wettbewerbsbeitrag in Cannes
Quellen
1 Die mageren Jahre sind vorbei von Hanns-Georg Rodek in Die Welt am 23.04.2004
Poster und Merchandise zum Film im Fanshop
Kritiker — Ganz gut 6.6
Der Film Die fetten Jahre sind vorbei wurde von 23 Kritikern bewertet.
Kommentare — Sehenswert 7.2
Der Film Die fetten Jahre sind vorbei wurde von 2460 Mitgliedern bewertet.
alanger 2009/10/12 19:30:31
ich mochte diesen kleinen, sehr hübschen beitrag zum zum thema: "etwas gelangweilte, aber nett ausschauende wohlstandskinder probieren (ein bischen) die revolte, vögeln in netten berghütten und ärgern etablierte alt-68er studienräte" ganz gerne.
vive la révolution! oder so.
3 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 1 Antworten
Schlegel 2009/10/10 17:17:50
Für Dialoge ohne Subtext gilt: Hast du eine Botschaft, sende sie mit der Post.
bedenklich? 5 Mitgliedern gefällt das Kommentar gefällt mir 2 Antworten
Deep Ford 2009/09/22 20:12:22
Was am Anfang mit einer ganz netten Idee überrascht (die Erziehungsberechtigten machen Villabesitzern ein bißchen Angst), verfällt leider im Verlauf des Films zunehmend in Pseudo-Revoluzzer-Gequatsche. Die montage à trois ist irgendwie glaubwürdiger als das ganze Drumherum. Und ja, natürlich ist der böse Millionär früher ganz anders gewesen und war ein Duzfreund von Dutschke und Konsorten.
Ketzerisch könnte man Weingartner die These unterstellen, dass derlei Klischeeautonome und -anarchisten grundsätzlich nur Phrasendrescher seien. Wäre eine interessante These und zumindest ein gewagter Ansatz; letztendlich muß man aber fürchten, dass dem nicht so ist, sondern dass der Regisseur die stumpfe Darstellung der Charaktere und ihrer Überzeugung für glaubwürdig hält und den Film ernst meint...
Schon wieder ein kontroverses Thema weichgespült für's deutsche Abendprogramm. Und ich warte weiter auf einen richtig guten Revoluzzerfilm. Wer kann mir einen empfehlen?^^
P.S.: Drei Punkte für den coolen Bulli.
bedenklich? 1 Mitglied gefällt das Kommentar gefällt mir 2 Antworten
stalker 2009/09/23 00:30:56
Der schönste deutsche Revoluzzerfilm ist natürlich "Das Lied der Matrosen", aber auch "Thälmann - Sohn seiner Klasse" von Maetzig kann sich revolutionstechnisch (und natürlich auch propagandistisch) sehen lassen. Und sonst? "Baader" hat mir überraschender Weise gefallen. Und der beste Film über die RAF ist "Das Phantom".
Deep Ford 2009/09/23 07:20:42
Hey, danke für die Tipps, die werde ich mir alle mal zu Gemüte führen. "Baader" habe ich schon gesehen und der hat mir auch gut gefallen. :-)
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Ansehen: Die fetten Jahre sind vorbei
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News zu diesem Film Die fetten Jahre sind vorbei
Filme sind schlechte Weltverbesserer
2009/11/13 15:10:00
Michael Moore präsentiert sich mal wieder als Kämpfer fürs Volk; in Die Bucht bluten Delfine medienwirksam von der Leinwand; Al Gore macht Warnen zum Sport. Stoische Gemüter fragen: Bringt das was?
Der Film Die fetten Jahre sind vorbei gehört zum Genre Tragikomödie, Gerechtigkeit. Regie führte Hans Weingartner.

Weingartner hat die erste und wichtigste Lektion des Kinomachens beherzigt: nicht Pamphlete zu inszenieren, sondern Menschengeschichten. "Die fetten Jahre" mit Jule und Jan sind eine Ménage à trois wie Truffauts "Jules und Jim", eine Dreierkonstruktion wie Godards "Außenseiterbande", ein Emotionsgeflecht wie Bertoluccis "Dreamers". Und damit ist es das schönste Beziehungsdreieck aus Pop, Poesie und Politisierung, welches das deutsche Kino seit langem zustande gebracht hat.
Link zu vollständiger Kritik (externer Link)
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