Die Frau in den Dünen

Suna no onna (1964), JP
Laufzeit 147 Minuten, FSK 18, Thriller, Drama, Kinostart 24.06.1966

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9.5 Kritiker
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von Hiroshi Teshigahara, mit Eiji Okada und Kyôko Kishida

Die Handlung dreht sich um einen Lehrer, der bei einem Schulausflug den Bus zur Rückfahrt verpasst und von den Dorfbewohnern bei einer Frau einquartiert wird. Als er am kommenden Tag zurück will, stellt er fest, daß eine riesige Sanddüne ihm den Rückweg in sein gewohntes Leben versperrt, und er daher gezwungen ist, sich in seiner neuen Umgebung anzufreunden.


Cast & Crew


Kommentare (5) — Film: Die Frau in den Dünen

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David "Noodles" Aaronson

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Bewertung6.0Ganz gut

Den Lehrer Niki Jumpai zieht es in die Wüste um Insekten zu entdecken. Entdecken tut er zuallererst recht seltsame Dorfbewohner, die ihm einen Schlafplatz bei einer anonymen Frau anbieten. Er haust dadurch in einer Hütte, gebaut in einem riesengroßen Sandloch! Am nächsten Tag ist die Strickleiter verschwunden, es gibt keinen Weg mehr nach oben. Der Sand fließt unerbittlich in den Abgrund – der Ausweg monotone Arbeit, welche die Mineralkörnchen in Eimer befördert, abgeholt, per Seil, von seinen eigenen Fallenstellern. Das sich Mann und Frau (eigentlich egal welche Individuen oder Geschlechter es sind) in solchen Situationen nicht näher kommen, aber doch nicht voneinander wegkönnen, sollte klar sein. Ausgangslagen wie sie nur die Kunst ersinnen kann!

Der Film erscheint mir durch das schreiben besser, als beim gestrigen ansehen, zu sein(!?), spricht sicher für „Die Frau in den Dünen“. Langatmigkeit beschreibt das Szenario allerdings auch ganz gut, es ist keine Jim Jarmusch Langatmigkeit, d.h. sie existiert nicht um ihrer etwas dösigen selbst willen, sondern ist spürbar mit einer tieferen Bedeutung versehen. Problem: sie erschließt sich mir nicht unbedingt und abseits einiger wunderbarer Körperaufnahmen wirkt das Ganze auch leidlich spannend, daraus ergibt sich nun, für mich, durchaus einiger Leerlauf.

Ich persönlich bilde mir nun ein, eine der vertracktesten Metaphern für die Stupidität von Arbeit/(Angepasstheit), die man sich ausdenken kann, gesehen zu haben (der Film ist ja aus den in dieser Hinsicht maschinelleren 60ern). Entfremdung wenn man so will. Apathie ersetzt dadurch irgendwann Emotionen und alle halten einen sandigen Apparat am laufen, dessen Zweck nur die Reproduktion seiner eigenen Funktionsparameter ist. Alles wirkt mechanisch, lebensfeindlich (und das nicht unbedingt durch die Wüste) oder zumindest, wie die beiden Protonisten, völlig aneinander vorbeigelebt. Was der eigentliche Sinn des Treibens im Sand sein soll wird -natürlich- nie klar. Dass die Konsequenz des Endes trotzdem so völlig logisch daherkommt, müsste im Prinzip wirklich zu denken geben.

Eine Zweitsichtung ist hier auf jeden Fall drin. Möglicherweise klappt es, mit nun genügend Vorwissen, das gesehene noch besser zu würdigen. Zum Liebling werd‘ ich ihn aber wahrscheinlich nie ernennen…
Der geneigte Filmfreak dürfte sich an „Der Frau in den Dünen“ aber kaum satt sehen können. Nur das Sandmännchen himself muss unbedingt draußen bleiben, ansonsten werden es lange 2 ½ Stunden ;-)

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Elman Smithee

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Bewertung7.5Sehenswert

Da bekommt das Vanitas-Topos in Form des ( mit SAND gefüllten) Stundenglases eine ganz neue Bedeutung.

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Tyler__Durden

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Bewertung8.0Ausgezeichnet

Auszug aus dem "Handbuch der Malerei und Kalligraphie" von Saramago:
"Wüste. Verwüsten. Zum ersten Wort steht im Wörterbuch: <f. Vegetationslose Gegend der Erde; trockenes, pflanzloses Sandgebiet; fig. Einöde, unbebautes Land.> Zum zweiten: <zur Wüste machen, in Wüste verwandeln, verheeren, zerstören.> [...] Da bin ich nun verlassen und in der Wüste.[...] Sind wir die Wüste oder werden wir verwüstet? Sind wir die Verlassenen, Zerstörten, Verheerten, oder sind wir die Wüsten- und Einödeerzeuger?"
Im Unterbewusstsein schwirrte mir diese (zugegebener maßen im Original etwas Längere) Passage, aus dem Buch des Portugiesen, während des Film wie wild herum. Wohl weil die Ähnlichkeit zu Teshigahara Film sehr deutlich war. "Die Frau in den Dünen" ist ein wahrhaft außergewöhnlicher Film in dem die Bilder, Musik und das Thema zu einer riesigen Parabel zusammen schmelzen die so schnell den Kopf des "Opfers" (Zuschauer) nicht verlassen wird.

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Tyler__Durden

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@Filmsuechtiger:Habe die bfi, also den DC. War auch eine gute Endscheidung, kann mir jetzt nämlich schwer vorstellen was man dort wegschneiden könnte.
Die Criterion wäre zwar nett gewesen da dort ja noch zwei weitere Teshigaharas drauf sind nur wie du bereits sagtest ist die leider vergriffen.
@Stalker: Viel Spaß ;)


Filmsuechtiger

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Tja, dann wirst du dir wohl bald Gerry geben müssen, wenn du schon bei wundervollen Wüstenfilmen bist ;)


Schlegel

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Bewertung9.5Herausragend

Gewaltiges Gleichnis, an dem man sich noch lange abarbeiten kann. Irgendwie schreit das Ganze nach einer Adaption fürs Theater. Würde ich gerne mal sehen, allein des Bühnenbilds wegen!

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Fenstermädi

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Bewertung10.0Herausragend

Ich hab noch nicht viele alte Filme gesehen, ich denk dieser hier war ein guter Start. Vollkommen eingesaugt von den Bildern, von der Lähmung - mitreißend. Die 2,5 Stunden auf dem harten Stuhl im Programmkino haben sich zu 100% gelohnt. Ich kann mich über nichts beschweren, im Gegenteil. Ist zu empfehlen!

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